Aspekte des Ich-Universums, Teil 1

In diesem Artikel und einigen weiteren werden verschiedene wesentliche Bestandteile besprochen, die der Begriff Ich-Universum in sich trägt, und zwar folgende:

  • die Dinge können nichts anderes sein, als das, was wir uns unter ihnen vorstellen
  • das Ich ist ein Universum. Ein Universum ist ein Ich.
  • die Welt als Vorstellung
  • das Universum als Ganzes aus Teilen. Ist das Universum nun auch Teil … ?
  • nur alles, was gewusst wird, kann Teil des Universums sein, nicht das Nicht-Gewusste
  • das Unbewusste als das Nicht-Gewusste
  • das Nichts, im materialistischen Sinn verstanden, als Widerspruch in sich
  • die Vielzahl der Universen – Multiversen
  • die Abgegrenztheit der Universen
  • das Unvermögen, das eigene Universum zu verlassen
  • die Durchdringung der Universen
  • die Rundheit des Universums
  • der Mensch in der Mitte
  • Objekte des Denkens sind wie himmlische Körper
  • Phantasie führt uns in neue Universen
  • das schwarze Loch als himmlische Versinnbildlichung der einen Idee
  • die Dinge sind semantischer Natur
  • Beweisbarkeit

 

Den Begriff Ich-Universum führte ich in meinem ersten Buch „Alles ist Geist“ ein, und zwar als Überschrift einer Buchreihe, deren erster Teil eben dieses „Alles ist Geist“ sein sollte; das bedeutet, unter dem Oberbegriff „Ich-Universum“ werden noch weitere Bücher folgen, die den ursprünglichen Gedanken  genauer fassen, beschreiben, Folgerungen ableiten.

Ich wollte stets vermeiden, eine neue Philosophie zu erschaffen, die lediglich eine Neuformation alter Inhalte unter Zuhilfenahme neuer Worte ist. Ich wollte keine neuen Sinngefüge vortäuschen während ich im Grunde das Alte nur neu benenne. Nein, vielmehr wollte ich wirklich Neues schreiben, und nur dort, wo es unbedingt notwendig schien, ein neues Wort einführen.

Das Wort Ich-Universum einzuführen schien mir aber unbedingt notwendig, drückt es doch eine Vielzahl von Gedanken aus, die uns in der herkömmlichen materialistischen Sichtweise völlig ungewohnt und einigermaßen unbegreiflich scheinen – trotzdem sie aus der Sicht des Spirealismus unbedingt zu konstatieren sind. Kurz wiederholt: „Materialismus“ bedeutet im spirealistischen Verständnis die allgemein übliche Sichtweise (man könnte auch sagen „das Fundament unseres kollektiven Bewusstseins“), dass menschlicher Geist eine außerhalb seiner selbst befindliche Welt beobachtet. Während es die spirealistische Sichtweise ist, dass der Mensch Element der Schöpfung ist, nicht deren Beobachter; und dass es außerdem nicht die „die Welt“ gibt, sondern „die Welten“, deren Ausdruck unter anderem wir selbst sind.

Was den Begriff Ich-Universum notwendig macht, ist zum ersten die Feststellung, dass die Dinge, die wir vor uns sehen, nie etwas anderes sein können, als wir uns darunter vorstellen.

Die Dinge können nichts anderes sein, als das, was wir uns unter ihnen vorstellen

In der materialistischen Denkweise stellt man sich die Welt folgendermaßen vor: Äußerliche Dinge werden beobachtet und im menschlichen Verstand „nur“ gespiegelt. Und nun fragt es sich natürlich, inwiefern diese äußerlichen Dinge in ihrem Wesen von den Dingen, so wie sie sich uns darstellen, also, wie wir sie uns vorstellen, abweichen. Nun nimmt der Mensch an, da sei lediglich eine zu vernachlässigende Differenz zwischen Vorstellung und wirklichem Sein; er tut das unter Zuhilfenahme vieler begleitender Annahmen, wie zum Beispiel der, der Mensch selbst sei das einzig ernst zu nehmende Bewusstsein des Kosmos, weil als einziges mit Vernunft (!) ausgestattet. Wer also könnte wohl eine bessere Vorstellung von den Dingen, was sie wirklich sind, haben?

Eine zweite Krücke die sein Weltbild stützt ist eigentlich eine aus der Erstannahme folgernde These, die etwa folgendermaßen lautet: wenn die Menschheit eine einzige Welt außerhalb ihrer selbst beobachtet, eben „die Welt“, und wenn diese Beobachtung umso genauer gelingt, je mehr Menschen sich an der Beobachtung beteiligen, dann ist das Übereinstimmen der Menschen in einigen Grundfragen der beste Beweis dafür, dass diese Grundannahmen auch stimmen müssen. Der beste Beweis für die Dinge, was sie wirklich sind, ist also, das viele Menschen über die Dinge dasselbe sagen. Wenn man dann aber sieht, wie die Menschen ja nicht jeder einzeln die Dinge beobachten und untersuchen, sondern im Gegenteil, wie jeder gewohnt ist vom anderen abzuschreiben, abzuschauen, abzulernen, dann bedeutet das nichts anderes, als dass die Menschheit sich in einem ewigen Zirkelschluss der Redundanz selbst beweist, stets auf ihre eigenen Vermutungen zurückgreifend, dass ihre Grundannahmen (des Materialismus) zutreffen. Der Materialismus führt stets auf sich selbst zurück, beweist sich selbst, und lässt auf absolutistische Manier keine andere Annahme zu ….

Doch nun sollte sich dem Materialismus der eine oder andere Zweifel einschleichen, denn man wird sich der Tatsache immer bewusster, dass dieses Weltbild in sich widersprüchlich ist, und im Ergebnis eigentlich unerklärlich. Beispielsweise wird die Wissenschaft der Tatsache gewahr, dass die Objekte des Außen im Eigentlichen keine Farben haben, sondern dass Farben eine Zusatzleistung des Verstandes sind … und man fragt sich also unwillkürlich: Wenn die Objekte des Außen keine Farben haben – was haben sie wohl noch alles nicht, das wir so sicher an ihnen annehmen? Oder sehen wir uns die Atome an, eigentlich gedacht als feste Kerne, also ganz ähnlich allen anderen festen Objekten, die uns umgeben: Genauestens definiert in Zeit und Raum und somit bestens geeignet als Anschauungsobjekte, und dazu, ihnen zugehörige Informationen „abzurufen“ und diese dann in unseren Gehirnen zu spiegeln – doch nun stellt man fest, dass diese Atome eigentlich aus Nichts bestehen, denn zwischen ihren bis ins Unendliche teilbaren Teilen (Teilchen) gibt es riesige Zwischenräume, in denen nichts ist, und die eigentlichen „Kerne“ können als Substanz gar nicht identifiziert werden. Sie haben auch eine alles andere als gesicherte Existenz, denn sie existieren eher innerhalb gewisser Wahrscheinlichkeiten und sogar in Abhängigkeit davon, wer sie beobachtet, wo und wie sie beobachtet werden! Was nichts anderes heißt als: Hier ist nichts Festes! Hier ist keine Substanz im gedachten, vorgestellten Sinn. Hier ist keine Materie!

Nun ist es vielleicht das Neue, das ich mit meinem Spirealismus ausdrücken kann, wenn ich sage, dass diese Rätselhaftigkeit nicht erst eigentlich in der Kernphysik auftritt, sondern in jedem Ding, das wir vor uns sehen – und dass sich das sehr gut übersetzen lässt in die Worte, die schon Schopenhauer gebrauchte: die Welt ist eine Vorstellung. Woran dann allerdings wieder zu sehen ist, dass in Bezug auf diese Feststellung der Spirealismus eine Richtung vertritt, die überaus historische Bezüge hat; man muss sich allerdings wundern, dass die Gedanken Schopenhauers oder auch die Folgerungen klassischer griechischer Philosophie so gar keinen Eingang in die Sichtweisen der heutigen Gesellschaft gefunden haben, so dass den heutigen Wissenschaftlern das eben Gesagte so rätselhaft ist, wie es schon vor 2000 Jahren war. Eigentlich rätselhafter, wie ich glaube, denn der Materialismus als eine völlige Zweifelsfreiheit, als ein alles verdrängender Nazigedanke der Philosophie, dürfte sich erst in dieser Zeit entwickelt haben.

Jedenfalls macht aus all dem Vorgenannten der Spirealismus ein: Die Welt ist eine Vorstellung, eine Phantasie. Die vorgestellte Festigkeit von Materie, im Sinne eines Vorhandenseins vor der Beobachtung, im Sinne eines alternativlosen Vorhandenseins, im Sinne eines unleugbaren eindeutigen kausalen Zusammenhangs, der aus der Vergangenheit auf einem einzigen Strahl in eine eindeutige Gegenwart fließt, ist Materie eine Vorstellung, aber nicht mehr. Als Vorstellung in einem Kosmos aus Vorstellungen hat auch diese Vorstellung von Festigkeit, von Eindeutigkeit zweifellos ihre Gültigkeit, aber keine alleinige, schon gar keine unbedingte.

Warum nun sage ich nicht (so wie mir selbst das allenthalben begegnet): Die Welt als Vorstellung … das mag zum Teil stimmen … die Welt ist eine Vorstellung … zum Teil!

Ich will den Grund nennen.

Jeder gesunde Gedanke muss uns sagen, dass die Dinge, was sie sind und was sie sein können, von unseren Vorstellungen abhängen. Aber jeder noch tiefere Gedanke muss uns sagen, dass die Vorstellungen von den Dingen unsere geistige Endstation sind. Oder was sollen wir uns vorstellen können, jenseits unserer Vorstellungen?

Die Eindeutigkeit der Aussage „die Dinge sind das, was wir uns darunter vorstellen“ ist also in nichts zu schmälern, vielmehr würde man durch ein Relativieren die zutiefst wahrhaftige Erfahrung des Prinzips Alles ist Geist der Hermetik verwässern, würde die Begriffe zurück-verwirren, und uns wieder in die Widersprüchlichkeit des Materialismus zurückführen. Während hingegen so, ausgestattet mit dieser eindeutigen und unwiderlegbaren Aussage, sich weiterarbeiten lässt, weiterdenken, weiter schließen. Wir verabschieden uns von der Nicht-Nachweisbarkeit einer materiellen Außenwelt bei gleichzeitiger Anerkenntnis ihrer Existenz (Hume), was doch zutiefst widersprüchlich ist.

Und wenn wir nun sagen, dass die Dinge nichts anderes sind als der Gedanke an Dinge, dann kann man wohl kaum etwas anderes über das Universum sagen. Denn das Universum ist als Substantiv, als Gegenstand einer Betrachtung, als Ding, nun wieder nichts anderes als eines jener Objekte, die wir gewohnt sind, im Geist zu bewegen, und die ich im Spirealismus „Objekte des Denkens“ nenne, weil ich damit dokumentieren will, dass die Objekte, welche auch immer gemeint sein können, ob nun ein Tisch oder ein Haus oder ein Universum, nirgendwo anders existieren als in einem Denken, und nichts anderes sind als ein Gedanke.

 

In weiteren Artikeln werde ich weitere Aspekte des Begriffes Ich-Universum besprechen

Aspekte des Ich-Universums, Teil 1 was last modified: Mai 8th, 2017 by Henrik Geyer