Antithese – nicht völlig gegensätzlich

These, Antithese und Synthese als geometrische Figur / Vektor

Die Antithese ist in der Dialektik die der These entgegenwirkende geistige Kraft. Dass die Antithese nun nicht wirklich gegensätzlich zur These ist und sein kann, ist das Thema dieses Artikels.

Aus These und Antithese erfolgt die Synthese

In anderen Artikeln hatten wir das dialektische Konzept anhand der Zahlen Eins, Zwei und Drei besprochen.

Siehe auch: Artikel Die Zahl Zwei

Nennen wir die Eins die These, die Zwei die Antithese, dann ist die Drei die Synthese.

Die Synthese vereint die (scheinbaren) Gegensätze, und bildet daraus das Neue, das Dritte – das, was niemals eindeutig das Eine ist, und auch nicht das Andere.

In der obigen Grafik habe ich das dargestellt in einem geometrischen Konzept – dem von Vektoren, und wie sie sich in der zweidimensionalen geometrischen Vorstellung addieren. Aus zwei Vektoren wird immer etwas Drittes, der dritte Vektor (rot), als Synthese enthält er Anteile aus These und Antithese … aber er geht nie in dieselbe Richtung.

These und Antithese stehen in einer Verbindung

Dass These und Antithese vielmehr eine Verbindung sind, als ein Gegensatz, kann man sich so vorstellen: Man stelle sich zwei Planeten im Weltall vor, die viele Lichtjahre voneinander entfernt sind. Angenommen auf jedem dieser Planeten gäbe es einen Politiker, der eine These vertritt, die der These des anderen Politikers auf dem anderen Planeten widerspricht. Aus einem solchen Gegensatz, in dem die Elemente nicht zusammenkommen können, kann nicht der das Dritte erschaffende Gegensatz entstehen.

Die Tatsache, dass die Politiker in einem logischen Zusammenhang (den wir als Raum und Zeit sehen) vereint sind – das ist das verbindende Element von These und Antithese.

Mark Aurel (Mark Aurel – Stoiker, aus: Selbstbetrachtungen)

„Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten. Nahezu nichts ist sich fremd. Alles Geschaffene ist einander beigeordnet und zielt auf die Harmonie derselben Welt. Aus allem zusammengesetzt ist eine Welt vorhanden, ein Gott, alles durchdringend, ein Körperstoff, ein Gesetz, einVernunft, allen vernünftigen Wesen gemein, und eine Wahrheit, so wie es auch eine Vollkommenheit für all diese verwandten, derselben Vernunft teilhaftigen Wesen gibt.“

 

Die Antithese kann nicht der These genau entgegengesetzt sein

Anders als der Begriff ANTI-These vermuten lässt, ist die Antithese nie die genaue Negierung der These. Dass sie in einem Zusammenhang mit der These stehen muss, im Grunde in dieselbe Richtung geht, um etwas Drittes hervorzubringen, zeigt These und Antithese heben sich aufbereits, dass sie im Grunde dem selben Bedeutungsraum entstammt. Nur uns Menschen erscheinen die Gegensätze wie total, doch im Sinne einer unbegrenzten Möglichkeit an Variationen (das Unendliche), ist das, was wir wahrnehmen können, eigentlich durch große Gleichartigkeit geprägt. Wieder als geometrische Vektor-Darstellung ausgeführt, kann man sich völlig gegensätzliche Widersprüche vorstellen wie zwei Kräfte, die in genau gegensätzliche Richtungen wirken. Sie heben sich auf – es resultiert: Null. Keine Kraft, kein Ergebnis.

Aus spirealistischer Sicht ist ein solches Sich-Aufheben in mehrfacher Hinsicht unmöglich.  Denn erstens definiert der Spirealismus den Urgrund der Welt als geistig – und er definiert, dass die Gedanken immer unterschiedlich sind. Sie können daher mit einer Wahrscheinlichkeit Null irgendetwas Bestimmtes sein – und können auch nur mit einer ebensolchen (Un-)wahrscheinlichkeit das genaue Gegenteil von etwas anderem sein.

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Zweitens sieht der Spirealismus „die Welten“ aus den Gedanken entstehen. Ein Stillstand, ein Sich-Aufheben der Gedanken wäre nicht wahrnehmbar. Der Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung, nicht dessen Beobachter.

Die Antithese als Verbindung – ist das wahrnehmbar? Beispiele

Nun ist uns Menschen nun einmal das Einzelne das, was wir sehen können. Wir nehmen „die Dinge“ als getrennt voneinander wahr, als immer einzeln. Können wir auch wahrnehmen, dass sie im Unendlichen miteinander Verbindungen eingehen?

Ich denke das ist wahrnehmbar, als spirituelle Erfahrung, man könnte auch sagen als Erfahrung von Kunst, als Vision …

Als Beispiel kommt  mir der Song „Brothers in Arms“  von den Dire Straits in den Sinn – in dem die Waffenbrüder jene Soldaten sind, die sich auf verschiedenen Seiten der Front gegenüberstehen. Wer würde den anderen bekriegen, wenn eine Front fehlte? Wer wüsste besser um die Leiden des Waffenbruders, wenn nicht der Soldat auf der anderen Seite? Wer wäre so gesehen mehr ein Bruder im Geiste? Wer würde die Heldentaten des anderen unmittelbarer sehen, wer wüsste sie mehr zu schätzen? Brothers in Arms – ein sehr bewegender und wahrer Song, dessen Wahrheit sich mehr als Gefühl erschließt, denn als offensichtliche Tatsache.

 

Oder ein weiteres Beispiel:

Es ist im Spirealismus die (sicherlich schwer vorstellbare) Supersubjektivität – eben dieses dritte Element, das aus uns selbst entsteht, wo wir doch meinen, völlig voneinander unabhängige Individuen zu sein. Supersubjektivität als Beispiel: man stelle sich ein ein eigenständig denkendes Bewusstsein der Menschheit vor; die einzelnen „Gehirnzellen“ – das sind wir Menschen. Bei dieser Vorstellung geht es übrigens gerade nicht darum, ob wir uns das vorstellen können, sondern wie dieses Dritte in der Außenwirkung aussähe. Angenommen wir wären in der Rolle von Außerirdischen, die die Erde besuchen, und finden dort ein Lebewesen vor, das aus vielen Zellen besteht – es nennt sich selbst „Menschheit“ und seine Zellen, das sind sogenannte „menschliche Individuen“.

Oder, umgekehrt, wir sehen uns mit demselben „Außenblick“ einmal selbst an – unsere Körper-Zellen, die alle für sich, und eigenständig leben, sind durch ein unsichtbares Band eines Sinnes verbunden, der aus allem wieder eins macht: das Ich.

 

Dieses unsichtbare Band verbindet These und Antithese … es sind nie wirkliche Gegensätze.
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Antithese – nicht völlig gegensätzlich was last modified: Juni 2nd, 2016 by Henrik Geyer