Angst vor der Angst – ist man mutlos, ein Verlierer und Defätist, wenn man Angst hat?

Angst vor der Angst: Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

In diesem Artikel geht es um Angst, und zwar um persönliche Angst ebenso, wie Angst in der Gesellschaft. Auch um Angst, die schließlich zu „Angst vor der Angst“ wird. Gerade in jüngster Zeit wird aus gegebenem Anlass (die Anschläge in Paris) von Politikern oft gesagt, man solle, man dürfe keine Angst haben. Markige Sprüche von „Jetzt erst recht..“, „Angst nicht zeigen..“ machen die Runde.

Ist man vielleicht nicht ganz normal, wenn man Angst hat? Ist man ein Defätist, Verlierer, gar Feigling, wenn man Angst hat?

Angst als Signal

Die Natur hat den Lebewesen die Angst gegeben, und zwar als überaus nützliches Werkzeug des Erkennens der Realität. Bevor wir noch lange begründen können, wo und warum eine Gefahr vorhanden ist, sagt uns Angst, dass wir vorsichtig sein müssen, dass wir handeln müssen.

Als Information ist Angst also sehr hilfreich, und wir wären dumm, wenn wir nicht unsere Ängste zur Kenntnis nehmen und aussprechen würden.

Entscheidend, wie man mit Angst umgeht

Macht es uns mutiger, wenn wir Angst „unterdrücken“? Kaum. Vor allem, wie soll das gehen? Wer dies fordert, möge bitte eine Anleitung beilegen, wie man das machen soll …. an etwas nicht denken.

Angst nicht zu verbalisieren, Angst zu verleugnen, ist der beste Weg, Ängste zu bewahren und zu verstetigen. Denn es ist ja gerade das Kennzeichen von Angst, diffus und ungreifbar, schwärend, und damit allgegenwärtig zu sein.

Insofern muss man die (gegenwärtigen) Durchhalteparolen der Politiker kontraproduktiv nennen – beruhigend wirken sie nicht. Durchhalteparolen sind auch nicht bewunderungswürdiges Beispiel  für eigene Angstlosigkeit, sondern nur ratlose Rhetorik. Beruhigend hingegen kann nur wirken, wenn man Angst benennt – sie nicht lächerlich macht, sie nicht durch Wortakrobatik wegdiskutiert, sondern sich klar macht, woher die Angst kommt. Und natürlich ist es besonders beruhigend, wenn man dann, aus einem Verständnis heraus, auch handelt.

Angst vor der Angst – Angst als Gewohnheit

Angst kann zu einer Gewohnheit werden, wenn man es sich angewöhnt, nicht zu handeln, sondern über die Gefahren nachzudenken. So verstetigt sich Angst, und zu der Angst, die einen konkreten Anlass hat, kommt noch die Angst, dass man wieder Angst haben muss, und zwar vor dem unangenehmen Gefühl der drohenden Angst …. So wird daraus Angst vor der Angst.

Handeln vertreibt die Angst

Angst kann uns sagen, dass Gefahr droht, und aus welcher Ecke Gefahr droht. Man sollte die Quelle der Angst, die Gefahr, untersuchen, ggf. anerkennen und als Ziel ein Handeln wählen, das die Gefahr eliminiert.

Das, was man sich als Handlungsstrategie überlegt, das sollte man dann tun. Man sollte unbedingt entsprechend seiner Pläne handeln. Nur so kann man Angst bekämpfen. Nur so kann man erreichen, dass man nicht ständig an seine Ängste denken muss.

Die Angst kann nur dann aus dem Denken weichen, wenn man an die Stelle der Angst vor dem Negativen das Handeln für das Positive setzt.

Angst vor dem Unabwendbaren

Angst vor dem Unabwendbaren ist eine Angst, der kein Handeln entgegenzusetzen ist. Angst vor dem Tod etwa. Oder Angst vor dem Unvorhergesehenen, also Angst davor, dass es immer schlimme Ereignisse geben wird, die trotz aller Vorsicht eintreten werden. Wir alle können dem Tod nicht entkommen. Wir alle können nicht in die Zukunft sehen.

Aber wir können dem Tod, und anderen Unabwendbarkeiten gegenüber eine andere Einstellung entwickeln. Es ist sinnvoll, sich auch mit diesen Ängsten auseinanderzusetzen, und eine vernünftige Einstellung zu finden, durch die man das Nebulöse und die Vergrößerung vermeidet, die mit einer ungreifbaren Angst einhergehen.

Bei Ängsten die Unabwendbares betreffen hilft letztendlich nur Akzeptanz, etwa wie es Friedrich Chr. Oetinger in folgenden Worten ausdrückte: „Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.“

 

 

 

Angst vor der Angst – ist man mutlos, ein Verlierer und Defätist, wenn man Angst hat? was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer