Der Zufall als Element kreativer Programme

Ich hatte in den Artikeln Über die Intelligenz einer Harke und Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun? mein Konzept zum Thema Intelligenz erörtert. Ich hatte den zwingenden Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kreativität erörtert.

Intelligenz meinte ich als Eigenschaft eines beliebigen Wesens oder Dinges. Das mündet für mich in die Frage: Was verstehen wir überhaupt unter Intelligenz? Inwiefern ist die Natur intelligent? Wie würde man Intelligenz erkennen, angenommen man stünde einem Alien gegenüber? Was ist künstliche Intelligenz?

Ich nannte Intelligenz eine „sinnvolle Kommunikation„, Sinn nannte ich: „Bezug auf einen Bedeutungsraum„.

Ich kam zu dem Schluss, dass Intelligenz überall ist. Alles ist Geist. Die Natur ist in sich intelligent. Wir selbst sind, wenn man so will, die Gedanken in einer Schöpfung. Können wir Menschen, so gesehen, hervorgehoben intelligent sein? Ich glaube nicht. Jedenfalls nicht intelligenter als die Schöpfung. Absurderweise sehen wir es genau umgekehrt. Und genau darin sehe ich unsere besondere Dummheit. Selig sind die geistig Armen, denn, wenn sie überhaupt wenige Ideen haben, dann kommen sie zumindest auf diese absurde Idee auch nicht.

Die Unterscheidung, die wir gewohnt sind zu machen: Hier sei Intelligenz, dort nicht, nenne ich eine Nuance. Durch uns kommt diese Nuance ins Entstehen. Die Natur selbst kennt keine Unterscheidung von intelligent/nicht intelligent. In der Natur ist alles neu. Und alles hat einen Bezug zueinander. Es ist ein Kosmos – Kosmos im Griechischen verstanden als eine Ordnung. Alles ist, so gesehen, intelligent. In allem ist Geist.

Die Möglichkeit, dass wir etwas zu sehen bekommen, das nicht im oben genannten Sinn intelligent ist, nenne ich null. Denn alles was wir sehen können, hat einen Bezug zu einem Bedeutungsraum – unserem. Es gewinnt also Sinn, indem es gesehen wird. Alles, was wir sehen, ist auch neu. Ist kreativ. Weil jeder Gedanke in uns einzigartig ist.


Ich hatte Intelligenz mit Kreativität in Verbindung gebracht. Warum? Weil Kreativität („das Erschaffende“), Neues entstehen lässt. Und insbesondere Intelligenz benötigen wir ja, damit sie im Ergebnis Neues und Sinnvolles hervorbringen kann. Prüfen wir das an der Umkehrung: Zum Nachplappern von Bekanntem benötigen wir keine Intelligenz – so verstehen wir Intelligenz nicht. Ein intelligenter Mensch wäre jemand, der uns verblüffend Neues (Kreativität) erzählt (Kommunikation). Etwas, das Sinn (Bezug zu unserem Bedeutungsraum) hat. Unser Bedeutungsraum: Die Welt.


Einschub: Was ist „neu“? Sagte ich nicht, alles sei „neu“?

Alles ist neu, weil jeder Gedanke einzigartig ist, das ist die spirealistische Sichtweise.

Der Materialismus macht aus Nuancen das Absolute. Das Objekthafte. DAS Neue. Man könnte „neu“ (als Nuance eines Überganges) auch so beschreiben: unähnlich dem Bedeutungsraum. Wenn jemand eine ganz neue Idee hat, so erscheint sie dem bekannten Bedeutungsraum erst einmal wenig zugehörig, sondern ungewohnt. Dieser Prozess währt kurz, dann ist das Ungewohnte gewohnt. Das ehemals Neue ist in den Bedeutungsraum integriert, es ist nun nicht mehr neu. Und der Bedeutungsraum hat sich auch verändert.

Bedeutungsraum“ ist übrigens nicht statisch gemeint, sondern ein sich mit jedem Gedanken ändernder „Raum“ von Bezügen (ich erinnere daran: alles ist Geist). Insofern ist der Bedeutungsraum ganz vergleichbar mit dem Weltraum, dessen Größe und Art ja ebenfalls schwankt, je nachdem, wie wir ihn verstehen.

Beispiel: Wenn wir Sterne in 15 Milliarden Lichtjahren Entfernung entdecken, wo wir vorher nur 14 Milliarden Lichtjahre weit sehen konnten, dann hat das Universum für uns eine Ausdehnung von 30 Milliarden Lichtjahren im Durchmesser, anders als vorher, mit 28 Milliarden. Der Materialist wird sagen: Aber nein, wir beobachten etwas, das statisch ist, nur unsere Auffassung von dieser Sache (dem Weltraum) ändert sich. Das ist eben der Unterschied der Weltanschauungen – der Materialist glaubt, er beobachte eine Welt außerhalb der Gedanken … der Spirealist glaubt das nicht.

Ist Programmieren eine mechanistische Tätigkeit?

Ich möchte ein wenig über das Programmieren sprechen. Denn uns fasziniert künstliche Intelligenz. Was ist das, was kann sie? Künstliche Intelligenz erwarten wir aus Computern (Rechnern). Rechner werden programmiert. Wie kann man ein Ding, das nur etwas ausrechnet, so programmieren, dass es intelligent wird?

Ich denke, dass der Prozess des Programmierens selbst geeignet ist, uns näher zu bringen, was das ist, Intelligenz. Oder auch Denken.

Ich hatte in dem Artikel Über die Intelligenz einer Harke gesagt, dass mich das Falschverstehen von Programmieren in einem Youtube-Video ärgerte. Es ging in diesem Video um künstliche Intelligenz.

Das Verständnis dieses kümmerlichen Videos war in etwa dieses: Programmieren, das wisse ja jeder, sei im Prinzip vorhersehbar. Der kluge Programmierer gibt den Programmablauf „in den Computer ein“, so dass dieser dann auf vorhersagbare Weise sein Programm „abspult“. Der Programmierer ist schließlich so klug, auf magische Weise ein Programm hervorzubringen, das ganz und gar denken kann. Und zwar selbst.

Man fragt sich natürlich sofort, wie denn, wenn alles nur ein-gegeben wird, hinterher mehr drin sein kann, als zuvor. Mehr als das, was man ein-gab?

Könnte ein Programm, das so mechanistisch programmiert wird, irgendetwas anderes enthalten, als einen Gedanken des Programmierers? So entsteht doch keine künstliche Intelligenz!

Nein, bereits die mechanistische Vorstellung von Programmieren ist falsch.

Hier muss glaube ich einiges erklärt werden.

Programmieren ist kreativ

Wenn man etwas programmiert, dann hat man eine Idee, einen Nutzen zu erzeugen. Mit Hilfe der Werkzeuge, die man im Prozess immer besser zu gebrauchen lernt, so wie man ein Handwerk erlernt, erzeugt man etwas. Es ist aber nicht vorhersehbar, wie genau das Programm schließlich funktioniert. Gerade wenn es komplex ist.

Sondern man testet, testet und testet. Man versteht das Programm, das man geschrieben hat, besser, wenn man sieht was es macht. Man hat einen Zielkorridor im Kopf, was ungefähr man erreichen will. Und, was man erreicht, ist oft besser als das, was man zu erhalten gedachte. Der Zufall ist willkommen. Was da entsteht überrascht manchmal – im Chaos erkennt man Muster. Willkommene Muster, die man behält. So wie ein Maler, dem der Pinsel abrutscht, und der sagt: „Das sieht aber hübsch aus!“.

Jedenfalls ist allein die mechanistische Vorstellung falsch, etwas liefe nach Plan ab, und das Ergebnis wäre im Detail vorgedacht. Das ist es nicht, denn Programmieren ist ein kreativer Prozess.

Ich empfinde Programmieren so spannend und so kreativ, als schriebe man ein Buch. Spannend ist es, das Werkzeug kennen zulernen, also die Programmier-Sprache. So wie man als Autor die Schrift-Sprache mit der Zeit immer besser versteht und besser zu gebrauchen lernt. Spannend ist auch, was man für riesige Möglichkeiten mit dem Programmieren in die Hand erhält, ganz ähnlich dem Romanautor, der die unendlichen, in ihm selbst liegenden Welten kennenlernt. Und fasziniert ist.

Programmieren hat gegenüber dem literarischen Schreiben den Vor- oder Nachteil, dass man sehr genau sein muss, sehr strukturiert nachdenken muss. Ob ein Programm funktioniert oder nicht, hängt oft an einem Satzzeichen, wie einem Komma. So gesehen ist man eingeschränkt. Ein Text hingegen „funktioniert“ auch, wenn man ein Komma vergisst.

Andererseits aber ist diese Genauigkeit auch sehr willkommen; auch das literarische Schreiben profitiert von Genauigkeit, denn es verwirrt den Leser, wenn man Tatsachenangaben durcheinanderbringt …


Generell aber will ich betonen: Programmieren ist ein kreativer Vorgang.

Da ist das Unvorhersehbare, also der Zufall. Und, da ist Sinn! Da ist der Bezug auf den Bedeutungsraum, der um interessante Aspekte erweitert wird.

Welten entstehen … aus Welten!

Wie erschafft man ein kreatives Programm?

Der Begriff Kreation meint „Schöpfung„. Der Programmierer erschafft ein Programm.

Doch wie kann man ein Programm erschaffen, das seinerseits kreativ ist und etwas Neues erschafft?

Im Grunde genauso! Wieder mit den Elementen „Zufall“ und „Sinn“ (Bezug auf einen Bedeutungsraum). Um ein kreatives Programm zu erschaffen, bedient man sich Zufallszahlen. Zufallszahlen können die Programm-Objekte auf unvorhersagbare Weise variieren.

(In den verschiedenen Computerprogrammen gibt es stets einen „Random“-Befehl, also einen Befehl, der eine Zufallszahl erzeugt. Man hat die Möglichkeit, die Bandbreite der Zufallszahl selbst festzulegen. Beispielsweise: floor(random(0,3)) erzeugt bei jedem Aufruf eine ganzzahlige zufällige Zahl, die null, eins oder zwei sein kann.)

Das Produkt eines Programms kann ein Text sein, ein Bild, eine Tabelle, etc etc.. Das Programm selbst kann ein Produkt sein, denken wir an ein Spiel. Durch Zufallszahlen kann man erreichen, dass das Produkt des Programms einzigartig und unvorhersagbar ist. Weder der Programmierer, noch der Kunde des Programmierers können vorhersagen, wie das End-Produkt aussieht. Der Programmierer kennt lediglich die Zielvorstellung, die er hatte.

Bei einem Spiel beispielsweise ist das Produkt letztlich die Interaktion des Spielers mit dem Programm. Ob hier Spaß kreiert wird oder nicht, das ist die Frage nach der Güte des Programms. Der Spaß kommt aber nicht nur aus dem Programm, sondern auch aus dem Spieler.

Ich will ein Beispiel geben, ein ganz einfaches. Beiliegendes Bild ist mit Hilfe von Zufallszahlen zu Stande gekommen. Es ist ein Gif-Bild. .gif ist ein Dateiformat, in dem verschiedene Digital-Bilder gespeichert sind, die nacheinander gezeigt werden. Dadurch entsteht der Eindruck von Bewegung. Die Bilder werden in einer Endlosschleife gezeigt, immer wieder von vorn.

Um dieses Bild zu erzeugen, wurde der Wechsel der Position jedes einzelnen Buchstabens errechnet, ausgehend von zufälligen Positionen. Und zwar aus Millionen von Möglichkeiten. Auch die Schriftart wurde zufällig ausgewählt. Die Hintergrundfarbe: Zufall.

Weil Zufallszahlen das Endergebnis ermöglichen, kennt der Programmierer das Ergebnis des Programmlaufes, also das Bild, nicht, bevor es entstanden ist. Es ist ihm neu. Es ist ein wenig paradox (so wie Kunst überhaupt). Man hat etwas erschaffen, aber man spürt, dass man es nicht selbst war. Da ist etwas anderes, etwas Unvorhersagbares, etwas Irrationales. Es ist der Zufall, angewandt auf einen Bedeutungsraum! Beim Menschen sagt man Kreativität dazu – es ist die Mischung aus Intuition und handwerklichem Geschick, aus Variation und Erfahrung, aus Zufall und Sinn.

Wir haben, um wieder auf den philosophischen Aspekt zu kommen, hier also beide Elemente der Intelligenz: Das Kreativ-Unvorhersagbare, das in diesem Fall durch eine Zufallszahl erzeugt wird. Und zweitens der Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum. Der gegebene Bedeutungsraum ist, dass das Bild erkannt wird, und dass es für den Menschen Sinn macht. Der Bezug auf den Bedeutungsraum – das ist auch der dargestellte Text, der seinerseits Sinn enthält.


Hätte ein Mensch ein solches Bild „mit der Hand zu Stande gebracht“, wäre das Ergebnis auch nicht „kreativer“. Womit gesagt sein soll: Ist ein Mensch kreativ, dann kommt seine Kreativität durch einen ganz ähnlichen Vorgang, ein ähnliches Phänomen, zum Tragen: Durch den Zufall. Jeder, der kreativ ist, prüfe das an sich. Der kreative Prozess ist im Wesentlichen der, dass man x Versuche unternimmt, Ideen erzeugt, also zufällige Varianten. Und dann immer prüft: „Passt“ das? Das Letztgenannte wäre der wichtige Aspekt des Bezuges auf einen Bedeutungsraum, also Sinn, Geschmack, Mode, Spannung, Interesse.

Mir kommt es natürlich darauf an, etwas sehr Kompliziertes auf etwas sehr Einfaches zu reduzieren. Intelligenz, insbesondere wenn man sie in allem sieht, in der ganzen Natur, kann auch etwas sehr Einfaches sein, das ist meine Überzeugung. Und, gerade wenn etwas sehr einfach ist, dann sieht man sehr gut, wie sein Prinzip funktioniert.

Wem das aber zu simpel erscheint, der stelle sich hilfsweise ein Computer-Programm vor, das viel komplexer ist als das hier gezeigte. Man denke an ein Programm, bei dem viele Programmierer etwas für den Verbraucher völlig Verblüffendes herstellen, so klug und weise, dass die klügsten Köpfe der Menschheit nicht klüger sind. Auch dieses Programm hat im Wesentlichen wieder beide Elemente: Den Zufall und den Bezug auf Bekanntes.

Um dem gängigen Verständnis von Intelligenz vollkommen gerecht zu werden, braucht es noch etwas anderes. Intelligenz, Denken, sieht man eher als einen Prozess … Nicht als das statische Produkt eines Prozesses. Sagen wir, es fehlt das dynamische Element, namens Lernen.

Davon soll aber an anderer Stelle die Rede sein.

 

 

 

Der Zufall als Element kreativer Programme was last modified: März 19th, 2018 by Henrik Geyer

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun?

Wer meinen letzten Artikel Über die Intelligenz einer Harke gelesen hat, dem sind vielleicht zwei Dinge aufgefallen, die noch einmal einer tieferen Erwähnung bedürfen.

Das Getrennt-Sehen von Dingen

Über Unabhängigkeit stand da: „.. kann denn ein Mensch etwas hervorbringen, das von ihm ganz getrennt zu sehen ist? Klares Nein.“

Warum „Klares Nein.“? Warum nicht: „Nicht unbedingt.“, oder so ähnlich?

Hierzu folgende kurze Erläuterung (denn ich habe dazu schon vielerlei geschrieben). Diese Erklärung ist überhaupt nicht einfach, dann aber doch wieder einfach. Denn es ist eine Art Glauben.

Zunächst handelt es sich um eine grundlegende Sichtweise des Spirealismus. Nichts ist einzeln. Alles hängt zusammen. Warum? Weil es das Objektive der materialistischen Sichtweise nicht gibt. Oder, wie ich immer formuliere: Die Realität gibt es nicht noch einmal extra, jenseits des Denkens (der Menschen). So dass sich die Menschen nicht auf „die“ Realität wie auf ein Ding beziehen können, das in Eindeutigkeit irgendwo sei.

Anders herum: Wie kommen die Dinge ins Entstehen? Wie „sind“ sie (Existenz)? Sie entstehen aus der Relation. Existenz ist Kommunikation. Daher hat das, was auffasst, auch immer etwas mit dem Aufgefassten zu tun, denn Kommunikation gibt es nur in einem Zusammenhang.

Da der Spirealismus das so sieht, nennt er die Realität also: „nicht eindeutig“. Oder auch: „vielfach“. Er hält demnach mit Leichtigkeit auch eine Realität für möglich, in der die Menschen glauben, die Realität gäbe es noch einmal extra! Wie könnte der Spirealismus das auch bestreiten, wo der Materialismus doch allgegenwärtig ist? Man könnte es also eine Art Glauben nennen, zu sagen, alles hinge zusammen. Ebenso wie der Materialismus ein Glaube ist.

Man möge also glauben, oder auch nicht! Im Prinzip sind ja alle Realitäten möglich.

Im konkreten Fall ist jedenfalls der Zusammenhang Mensch – Produkte des Menschen gegeben. Meiner Ansicht nach völlig offensichtlich. So dass man ohne Schwierigkeit sagen könnte: Der Mensch kann nichts von ihm Unabhängiges hervorbringen.

Das Denken in voneinander unabhängigen Objekten als Produkt des Materialismus ist jedoch geradezu allmächtig. Daher will ich die Aufmerksamkeit desjenigen, der gewillt ist darüber nachzudenken, auf die Frage lenken, was irgendein Ding wäre, mit dem es keinerlei Kontakt gibt. Das man also nicht sieht, nicht hört und an das man nicht denkt? Es ist im wahrsten Sinn des Wortes nicht vorhanden, zumindest für uns Menschen, ob es nun in irgendeiner Realität existiert oder nicht. Man könnte das auch „unabdingbar vorhandenes Unwissen“ nennen, oder auch „Denkgrenze“. Während ja, wie absurd!, der Materialismus glaubt, das Denken habe keine Grenzen.

(Übrigens Achtung, noch eine Kollision mit dem materialistischen Weltbild! An etwas zu denken hat für den Materialismus nichts mit der Sache zu tun, an die gedacht wird. Denn die Objekte sind ja für den Materialismus ganz separat von Denken. Für den Spirealismus ist das nicht so.)

So viel aber erst einmal dazu.

Intelligenz und Kreativität

Ich schrieb auch: “ …  dass Intelligenz definitionsgemäß das Unerwartete hervorbringen muss. Nur etwas sehr Eingegrenztes von Intelligenz zu erwarten widerspräche meiner Auffassung, was Intelligenz auszeichnet. (denn das hieße im Umkehrschluss, dass wir, während wir von Intelligenz sprechen, etwas Nicht-Intelligentes erwarten: nämlich eine Reaktion wie von einem Papagei – der etwas Bekanntes nachplappert.)“

Im Prinzip spreche ich, wenn ich von „etwas Unerwartetem“ spreche, von einem kreativen Vorgang. Etwas Neues kommt ins Entstehen. Etwas, das unvorhersagbar ist. Etwas, das nicht unbedingt hätte entstehen müssen.

Hier gibt es verschiedene Konflikte mit dem materialistischen Weltbild. Ich halte es für wichtig, diese Konflikte aufzuzeigen, weil sie für das Verständnis von Intelligenz, wie ich finde, wichtig sind.

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun?


Im Materialismus gibt es ja diese Überlegung, dass das menschliche Denken letztlich von Objekten außerhalb des Denkens abhinge. So wie das Denken als Objekt gesehen wird (hier ist das Gehirn), sind dort die Objekte die das Denken (das Gehirn) spiegelt.

Daher erscheint es dem Materialismus, als gebe es eine absolute Folgerichtigkeit, der zufolge Entdeckungen gemacht werden. Also: Warum müssen Erfindungen und Entdeckungen gemacht werden? Weil dieser Fortgang der Wissenschaft einfach die beste Entsprechung der Realität ist, welche der Mensch vor-findet. Beispielsweise erscheint es völlig folgerichtig, dass der Mensch, nachdem er die Atome ge-funden hat, diese nun teilen kann, etc.. Das musste so entdeckt werden!

Das Forschen ist also eher ein Finden, denn ein kreativer Prozess, bei dem etwas erschaffen wird. Man sagt ja auch „Erfinder“ und nicht „Kreativkopf“.

Diese Vorstellung hat etwas Mechanistisches, etwas, das, glaube ich, auch jeder überzeugte Materialist innerlich als widersprüchlich empfindet. Einstein sagte einmal – er bezog sich auf das Finden mathematischer Zusammenhänge – es gäbe keine Notwendigkeit für solche Entdeckungen. Einstein wohlgemerkt war Materialist.

Jedoch: Letztlich weiß man, oder ahnt man, dass ein Erfinder kreativ sein muss, um Entdeckungen machen zu können. „Entdeckung“ ist übrigens auch so ein Wort, das das Finden von etwas suggeriert, das schon „da“ sei. So, als lüfte man einen Deckel, der über eine Sache gestülpt ist, oder man hebe eine Decke hoch …

Andererseits: Wenn es der Kreativität bedarf, also des Erschaffens von Neuem, was ja eigentlich an keine Notwendigkeit geknüpft ist, dann ist das Entdecken auch nicht zwangsläufig. Und die Wissenschaftswelt mit ihren Erkenntnissen ist ebenfalls nicht zwangsläufig.

Diese Widersprüchlichkeit kommt auch in dem Einsteinzitat zum Ausdruck: „Die Theorie entscheidet darüber, was man finden kann.“ Das bedeutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Bekannten gibt, und dem, was man zu finden erwartet. Es bedeutet aber natürlich auch, dass man nur finden kann, wofür man eine Theorie hat, was man also kennt. Und hier kommt nun wieder die Frage des Weltbildes ins Spiel. Glaubt man wirklich, dass es nur das geben kann, wofür wir Theorien haben (wie es der Materialismus suggeriert)? Also ich glaube das nicht.


Ich weiß, dass in diesem Moment in so manchem Leser der nicht abschüttelbare Gedanke durchs Hirn fahren wird, man könne doch nur entdecken was auch „da“ sei. Das ist eben ein Widerspruch zum vorher Gesagten, nämlich, dass Entdeckungen ohne eine Notwendigkeit gemacht werden.

Wenn ich gefragt würde, wie das auf der Basis des materialistischen Weltbildes zu erklären sei – ich könnte es nicht erklären. Niemand kann das. Der Materialismus ist einfach zu faul darüber nachzudenken. Das ist alles.

Das sind im Ergebnis die unauflösbaren Widersprüche des Materialismus: Paradoxien. Ich kann und will nicht weiter mit diesen letztlich unüberwindlichen Unstimmigkeiten argumentieren.


Für den Spirealismus ist alles einzigartig. So, wie auch der Millionste VW-Käfer einzigartig ist, und nicht der „selbe“ wie ein anderer. Das „selbe“ gibt es im Spirealismus nicht. Das „selbe“ ist ein Widerspruch in sich, denn es handelt sich um einen Bezug zwischen verschiedenen Dingen, deren absolute Ein-heit man ausdrücken will. Geht also nicht. Außerdem gibt es das Einzelne nicht – daher muss alles eine Relation zwischen Verschiedenem sein. Yin und Yang [SPID 4000]Als beste Illustration hierfür fällt mir das Yin-Yang-Symbol ein. Die aus materialistischer Sicht unbegreifliche Einheit in der Verschiedenheit. Insofern ist „dasselbe“ eines von vielen Wörtern, die der materialistischen Denkwelt entspringend, in sich zutiefst widersprüchlich sind.

Es gibt nicht „die“ Realität, sondern unzählige Realitäten. Diese Realitäten kommen beispielsweise durch uns Menschen zum Ausdruck, die wir Elemente der Schöpfung sind, nicht etwa Beobachter der Schöpfung, wie wir immer meinen.

Für den Spirealismus hat alles daher den Aspekt des Kreativen. Des Neuen, des Einzigartigen. Auch: des Nicht-Notwendigen. Wir selbst, indem wir sind, sind Kreation, und sind kreativ.

Die Frage des Materialismus, warum wir dann immer nur eine Welt sehen können, beantwortet der Spirealismus mit: Das können wir gar nicht. Erstens. Und zweitens: Die Illusion, wir beobachteten nur eine Welt, kommt nicht zuletzt auch aus der Denkvoraussetzung, das sei so. Es ist die Weltanschauung, die „Materialismus“ heißt, die suggeriert, es könne nicht anders sein. Mehr kann man dazu nicht begründen. Es ist das, was ich weiter oben einen „Glauben“ nannte.


Es sollte ja um den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kreativität gehen, der zumindest aus spirealistischer Sicht unabdingbar ist. Intelligenz ist etwas Kreatives. Denn Intelligenz bringt etwas Neues hervor. Inwiefern unterscheidet sich Intelligenz von einem Huhn, das ein Ei legt, und somit etwas hervor bringt?

Für den Spirealismus unterscheidet es sich nicht unbedingt, denn Geist ist ja in allem. Auch in einem Huhn, das ein Ei legt. Aber, um die Phantasie des Lesers nicht überzustrapazieren:

Intelligenz als besondere Fähigkeit (nur) von Menschen definiert, wäre die Fähigkeit sinnvoll Neues hervorzubringen. „Sinnvoll“ hatte ich definiert als: „Mit Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum“. Dieser Bedeutungsraum ist seinerseits nicht notwendig in dem Sinn, dass er seinerseits hat entstehen müssen. Sondern er ist, wie alles Neue, entstanden aus einem Prinzip, das den Zufall (das Unvorhersagbare) beinhaltet. Und so ist der Bedeutungsraum seinerseits zufällig. Wenn man so will ist „das“ Universum Zufall.

Man mag einwenden, der Zufall sei eigentlich doch vorhersagbar, ich verweise dann wieder auf die inneren Widersprüche des Materialismus.

Und das Neue, wie gesagt, ist letztlich unvorhersagbar und zufällig. Sonst wäre es nicht neu.

So hat also Kreativität das Element erstens des Neuen, des Nichtvorhersagbaren, des Zufalls. Und zweitens des Bezuges auf Bekanntes.


Intelligenz bezeichne ich als die besondere Fähigkeit eines Menschen, kreativ zu sein.

Das bedeutet, ist ist eine Art Gedankenreichtum: viele Gedanken zu durchwandern, und gleichzeitig ihren möglichen Bezug zu Bekanntem zu prüfen.

Es ist gedankliche Komplexität, die schließlich auch Möglichkeiten des n-ten Zusammenhanges prüfen kann.

Aus dieser Definition heraus kann man ableiten, dass Intelligenz erstens Wissen benötigt, als den Bezug zu Vorhandenem.

Zweitens geistige Freiheit, sich nicht zu sehr an das Bekannte anzulehnen – und somit unvorhersagbar Neues hervorzubringen.

Drittens eine gewisse Gedankenschnelligkeit, die Möglichkeiten durchzuspielen.

 

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun? was last modified: März 15th, 2018 by Henrik Geyer

Über die Intelligenz einer Harke

„Kann künstliche Intelligenz die Menschheit vernichten?“ Mein Sohn stellte mir neulich diese Frage.

Ich antwortete: „Ja!“ Denn ich meinte, dass Intelligenz definitionsgemäß das Unerwartete hervorbringen muss. Nur etwas sehr Eingegrenztes von Intelligenz zu erwarten widerspräche meiner Auffassung, was Intelligenz auszeichnet. (denn das hieße im Umkehrschluss, dass wir, während wir von Intelligenz sprechen, etwas Nicht-Intelligentes erwarten: nämlich eine Reaktion wie von einem Papagei – der etwas Bekanntes nachplappert.)

Mein Sohn aber hatte auf Youtube ein Video gesehen, das darlegte, dass finstere Kreise das Ende der Menschheit betreiben, und zwar mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Er wollte eigentlich wissen, ob das Video Recht hatte. Das nun wieder konnte ich nicht beantworten, denn ich kenne diese finsteren Kräfte nicht.

Ich sah mir das Video an und ärgerte mich über dessen platte Aussagen über „Denken“, „Intelligenz“, „Programmieren“. Künstliche Intelligenz sei die Programmierung kluger Computerfachleute, die es schaffen, eine „selbst denkende“ Maschine hervorzubringen, hieß es da. Die wirklich interessanten Fragen wurden nicht angesprochen. Was ist Intelligenz? Was erwartet man von ihr?


Zunächst einmal sind „Intelligenz“ und „Maschine“ doch Gegensätze des Verständnisses! Weil eine Maschine der Inbegriff des Re-Produzierens ist, und immer gleiche, vorhersagbare, Ergebnisse zeitigt. Ganz anders als Intelligenz. Auch der Begriff „selbst denken“ erfordert für mich genaueres Überlegen. Z.B.: kann denn ein Mensch etwas hervorbringen, das von ihm ganz getrennt zu sehen ist? Klares Nein.

Und, ist es tatsächlich so, dass eine Maschine nur reproduzieren kann, und in ihren Wirkungen ganz berechenbar ist? Eigentlich nicht, zumindest nicht im großen Bild. Jede Maschine ist auch kreativ! Ist denn die Welt, oder irgendein Detail in ihr, so vorhersagbar, wie wir immer glauben? Hängt alles was wir hervorbringen von unserem Willen ab, macht es immer das, was wir vorhersehen?

 

Alles ist eine Frage von Nuancen in einem Moment, denn alles fließt. Sieht man die Welt mit diesen Augen, dann verliert künstliche Intelligenz ein wenig von ihrem rätselhaften Schrecken. Was macht sie, was will künstliche Intelligenz? Will sie etwa etwas anderes als wir?? Man muss dann umgekehrt fragen: was wollen denn wir? Ist das so berechenbar für uns selbst? Sind wir selbst nicht Elemente von etwas, das sich aus unserer Sicht niemals völlig erklärt?

Diese Sichtweise entzaubert wie ich finde aber auch ein wenig die Sichtweise auf das menschliche Wollen, die menschliche Intelligenz, die menschliche Autonomie …

die Intelligenz einer Harke

Künstliche Intelligenz beginnt bereits bei einer Harke. Sie ist künstlich, denn sie ist menschengemacht. Aber inwiefern ist sie intelligent? Kann man ihre Intelligenz an ihren Wirkungen ermessen, wie man das bei Menschen tut? Ja, anders kann man das nicht überprüfen. Also: Welche Wirkungen kann die Harke hervorrufen?

Eine Harke trägt die Anwendbarkeit auf ein bestimmtes Thema in sich. Man kann damit in kurzer Zeit den Garten von Laub befreien. Eine Harke ist aber auch kreativ. Welcher Garten wann und wie von Laub gereinigt wird, das sagt die Harke nicht. Überhaupt redet sie nicht viel. Vielleicht lässt sie lieber Taten sprechen.

Man kann mit der Harke auch eine Rohrverstopfung lösen, indem man sie umdreht und den Stiel als Stößel benutzt. Man kann mit ihr einen Ball aus dem Geäst eines Baumes holen. Ganz wie künstliche Intelligenz aus dem Computer gibt uns die Harke unerwartete Antworten, einfach, indem sie da ist.

Sie erhöht die Produktivität, und ihre Ergebnisse sind letztlich unvorhersagbar. Nur als Beispiel: Während der Mensch ohne Harke seinen Garten vielleicht unaufgeräumt ließe, oder den ganzen Tag mit dem Aufsammeln von Blättern per Hand beschäftigt wäre, kann er in seiner durch die Harke gewonnenen Freizeit das Ziel der Krebsheilung angehen. Oder aber, für den ersten Fall, dass er den Garten Garten sein ließe – dann wäre die Welt des Menschen Welt eine andere. Sie wäre in einem Teilbereich natürlicher, bizarrer … und auf andere Weise schön. Der Mensch diesmal aus anderer Perspektive: Nicht als Ausgangspunkt einer Wirkung, sondern als Auswirkung …

Nebenbei gefragt: Hat eine Harke einen „Willen“? Das könnte man so sehen. Denn Wille ist für mich eine innere Vorbestimmtheit, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zu einer Wirkung führt. Das wäre für die Harke gegeben; sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit harkend anzutreffen sein – zu harken als ihr „Wille“. So wie ein Mensch, der auf Grund seiner innerlichen Überzeugungen zu dem Schluss kommt, es sei wichtig für eine Sache zu kämpfen – wo wird man ihn mit großer Wahrscheinlichkeit antreffen? Im Kampf für diese Sache. Und man wird sagen: „Der will das so!“ Der Mensch selbst wird sagen: „Für die Sache zu kämpfen, das ist mein Wille.“ Die Schweigsamkeit der Harke ist hier der wesentliche Unterschied. Man wird einwenden, die Welt des Menschen sei komplexer, er will vieles und tut vieles, aus sich heraus. Das gilt für die Harke auch – je nach Welt in die sie geworfen ist, wird sie vieles wollen, man wird sie vielleicht auch antreffen bei der Rohrreinigung, beim Befreien eines Balles … Manchmal ruht sie sich einfach auch nur aus. Tut sie das aus sich heraus? Ja … Neei … weiß nicht. Tut der Mensch die Dinge nur aus sich heraus? Genauso. Eine Frage der Sichtweise.

Natürlich wird man einwenden, die Harke habe keinen Willen, denn sie handelt ja nicht selbst und nicht eigenständig, im Gegensatz zum Menschen. Aber das wäre ein Einwand, der auf die Frage selbst zurückführt – die des (eigenständigen) Willens. Und was wäre Wille, wenn nicht eine unabhängige und eigenständige Kraft? So verstehen wir Willen. Dass es aber letztlich nichts Eigenständiges gibt, auch keinen Menschen, darauf komme ich gleich.


Das bedeutet, auch eine Harke arbeitet nicht eindimensional, ihre Wirkungen sind unübersehbar. „Arbeitet“ die Harke überhaupt? Die Harke arbeitet doch nicht selbst, sondern der Mensch muss sie gebrauchen! Künstliche Intelligenz eines Computers hingegen arbeitet autonom, denkt selbst nach!

Ich möchte jetzt die Sichtweise umkehren, und nicht die Harke anschauen, sondern den Computer.

Ist er autonom? Kann er ohne uns auskommen? Adressiert er etwas anderes als eine menschliche Thematik? Kann er uns Fragen beantworten, die über unser Verständnis hinausgehen?

… Autonomie, bezogen auf Intelligenz, das wäre das Stellen ganz eigener, von uns unabhängiger Fragen, und die Beantwortung solcher Fragen. Also etwa das, was ein Vögelchen tut, wenn es, von uns völlig unverstanden und unabhängig, durch die Luft zwitschert, und damit Probleme löst oder auch erschafft, die wir nicht kennen und nicht bemerken. Das wäre ein Beispiel für weitgehende Autonomie, nur mit dem kleinen Makel, dass es von uns nicht völlig autonom ist, denn wir hören das Vögelchen ja noch, bilden uns eine Meinung, fangen das Vögelchen. Aber: Meinen wir, wenn wir von autonomer Intelligenz sprechen, ein Vögelchen? Nein. Sondern, wir meinen, merkwürdig genug, ausschließlich Intelligenz, die unsere eigene Intelligenz adressiert. Alles andere IST für uns keine Intelligenz.

Merkwürdig übrigens auch folgender Gedanke: Auf diese Weise werden wir natürlich keine höhere Intelligenz als die eigene bemerken. Und das ist es auch, was meiner Ansicht nach stets und ständig zu sehen ist, im einzelnen Menschen, wie auch in der Gesamtheit. Die uns umgebende Intelligenz nennen wir „tot“, „nicht-denkend“. Oder bei Tieren: „nicht richtig intelligent“. Welche Egozentrik! Eine höhere Intelligenz stellen wir uns immer so vor, dass sie uns gegenüber irgendeine Meinung haben müsse, uns helfen wolle, oder uns vernichten. Eine uns völlig indifferent gegenüberstehende Intelligenz ist uns unsichtbar.

Doch zurück zum Computer. Computer-Intelligenz kann uns nur Fragen innerhalb unseres Verständisses beantworten. Eine Antwort außerhalb unseres Verständnisses wäre uns keine Antwort. Denken wir an den Supercomputer in „Per Anhalter durch die Galaxis“. Gefragt nach dem Sinn des Lebens kam er nach Jahrzehnten mit der Antwort: 43! Also Quatsch. Oder: Sinnvoll in einem Kontext, den wir nicht kennen. Man kann es auch so sehen: Alles, was wir irgendwie auffassen, adressiert auch unser Verständnis. Insofern spielt sich eine Kommunikation per se innerhalb eines bestimmten Verständnisraumes ab; und das uns völlig Fremde wäre gleichzusetzen mit dem uns Unbekannten.

Computer-Intelligenz ist nicht völlig autonom, denn sie wird definitionsgemäß vom Menschen erschaffen, so wie jedes menschliche Werkzeug, z.B. eine Harke.

Künstliche Intelligenz ist geschaffen um unsere Fragen zu beantworten, sie ist bereits dem Sinn nach an die menschliche Welt gebunden, und damit nicht autonom. Sie ist kreativ wie die Harke, denn, wenn uns KI nur sagen würde, was wir schon wissen, würden wir sie nicht „intelligent“ nennen. Und auf diese Weise ist ja auch eine Harke kreativ … sie beantwortet uns Fragen, die wir nicht kannten, als wir die Harke herstellten. Warum eigentlich nennen wir die Harke dumm?

Wir sind nicht gewohnt, die Natur als intelligent zu sehen.


Künstliche Computerintelligenz ist auch insofern nicht eigenständig, als sie, wie die Harke, die Bedienung durch den Menschen erfordert. Füttert man die Maschine nicht mit Strom, geht sie aus. Fragt man sie nichts, ist sie bedeutungslos und man bemerkt sie gar nicht. Da könnte sie noch so intelligent sein, diese Intelligenz. Der Mensch muss den Computer füttern, er muss mit ihm interagieren bzw. ihn nutzen, so, wie er die Harke nutzt.


Angenommen KI würde in Form von „völlig autonomen“ Robotern ein Eigenleben auf der Erde führen, würde den Menschen vielleicht bekämpfen oder mit ihm partnerschaftlich zusammenleben – wären diese Roboter wirklich „völlig autonom“?

Das wäre jedenfalls nicht die Sichtweise des Spirealismus, denn hier wäre immer noch dieser Dialog. KI würde Fragen für den Menschen aufwerfen, die Antworten erfordern. Und umgekehrt. Die Intelligenz läge in der Interaktion – in der Kommunikation. Intelligenz hier ganz wertfrei verstanden: als eine Frage, die sinnvolle Antworten hervorbringt.

 

Spirealistisch gesehen ist alles nur eine Relation. Das lässt jedes Wort in einem anderen Licht erscheinen. Ich will daher einige Definitionen nachschieben.

„Sinnvoll“ hieße: Mit Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum.

„Intelligenz“: Sinnvolle Kommunikation/Interaktion. Hier ist also die Anknüpfung an die spirealistische Grundaussage „alles ist Geist“, oder „in allem ist Geist“. Der Geist liegt in der Natur, in allem! Wir suchen vergebens, wenn wir den Geist nur im menschlichen Hirn verorten wollen, sondern, Geist liegt in der Kommunikation. Geist ist z.B. unsere Interaktion mit der Natur. KI wiederum sucht man vergeblich in einem Computer, wenn man nur ihn anschaut; um die Intelligenz der KI zu finden muss man die Kommunikation ansehen.

„Autonom“ .. das ist schwierig. Völlig autonom in dem Sinn, dass es mit uns Menschen nichts zu tun hat, das gibt es nicht für den Spirealismus. Denn alles was wir sehen können hat auch mit uns etwas zu tun. Geist, Intelligenz, das ist Kommunikation. Kommunikation ist Relation. Kommunikation erfordert mindestens zwei. Das Einzelne gibt es nicht. Jeder Satz entfaltet nur dann Sinn und bekommt eine bestimmte Aussage, wenn er gehört wird. So gesehen, ist Unabhängigkeit, Autonomie, eine Sichtweise. Wie immer eine Frage von Nuancen, von stärker und schwächer.

 

 

 

 

Über die Intelligenz einer Harke was last modified: März 15th, 2018 by Henrik Geyer

Metaphysik – spirealistisch gesehen

Metaphysik ist die Vorstellung einer Weltordnung, die hinter der „offensichtlichen“ Weltordnung liegt. Einer Weisheit hinter der offensichtlichen Weisheit. Einer Wahrheit hinter der Wahrheit, etc..

Uns begegnet dieses Denken in mannigfacher Weise, eben im Begriff Metaphysik, aber auch in den Begriffen „verborgenes Wissen“ (von Ouspensky oft verwendet), oder „Geheimwissenschaft“ (mit Bezug auf Hermetik oder die Weisheiten des Talmud, oder auch Freimauerer etc..). Man denke auch an den Begriff der „vertikalen Logik“, der meint, dass es neben der eindeutigen Logik, die „offensichtliche“ Zusammenhängende miteinander verbindet, wie zum Beispiel die Worte Rabe und Feder, auch eine Logik geben kann, die Zusammenhänge erschaffend, eine neue, ebenfalls sinnvolle Ordnung ergibt. Wie zum Beispiel Rabe und Schornsteinfeger, die beide schwarz sind.

Vertikale Logik dient übrigens häufig als Begründung für die Sinnhaftigkeit von Astrologie oder Tarot.

Viele kennen sicherlich folgenden Holzschnitt eines Künstlers namens Flammarion von 1888, der das Konzept des Begriffes Metaphysik sehr schön illustriert:

 

Metaphysik ist ganz normales Wissen

Metaphysik ist eigentlich ganz normales Wissen. Die Realität jenseits der Realität ist ja im obigen Bild sehr schön dargestellt – die normale Realität ist in dieser Darstellung die irdische, d.h. jene der Erdoberfläche, mit Sonne und Sternen am Firmament.

Wer nur das sieht, der wird zu anderen Schlüssen kommen als jemand, der über die Wolken hinaussehen kann. In der Antike glaubte man, der Sonnenwagen würde vom Gott Helios über das Himmelsgewölbe gelenkt, dadurch gebe es Sonnenlicht. Man hatte sozusagen den Blick „dahinter“ nicht.

Später, als es die aufkommende Wissenschaft der Optik ermöglichte, wurden mit Hilfe von Teleskopen Beobachtungen von Planetenbahnen vorgenommen, und man entwickelte Theorien über die Planetenbewegungen, etc..

So gesehen ist also unser heutiges Denken, mit seiner Gewissheit der physikalisch begründbaren Planetenbewegungen, eine Metaphysik aus der Sicht des Gestern. Die damalige Metaphysik, als die Ahnung zukünftigen Wissens, ist heutige Realität. Metaphysik ist eigentlich etwas sehr Geheimnisvolles – jedoch, wie diese Überlegung zeigt, hat Metaphysik den Anklang von Normalität, sobald das metaphysische „Geheimwissen“ verinnerlicht ist. Metaphysik erscheint dann wie ganz „normales“ Wissen. Und ganz normales Wissen hat, eigentlich zu Unrecht, nicht mehr den Anklang des Geheimnisvollen, sondern erscheint den meisten Zeitgenossen als geradezu langweilig.

spirealistische Realität

Ich möchte die spirealistische Sichtweise auf den Begriff der Metaphysik verdeutlichen. Denn ich hatte an anderer Stelle geschrieben, dass der Spirealismus nicht vorgibt, hinter die Realität sehen zu können, oder der aufmerksamen Leserschaft irgendetwas anderes bieten zu können, als die Variante einer Realität.

Warum denn nicht? Ich bediene mich doch sehr gern und häufig Konzepten wie Tarot, der Visionen von Autoren wie Ouspensky, ich bin ein überzeugter Vertreter von Konzepten wie vertikaler Logik. Und doch negiere ich das Konzept der Metaphysik, der hinter der offensichtlichen Wahrheit liegenden Wahrheit?

Nein, ich negiere es nicht. Ich erweitere es. Das metaphysische Konzept ist interessant, denn es geht von mehreren Realitäten aus. Von zwei, nämlich einer „normalen“ Realität, und einer dahinterliegenden, verborgenen, „richtigen“ Realität.

Als Spirealist aber denke ich zunächst, dass es keine offensichtlichen Realitäten bzw. Wahrheiten gibt. Jede Wahrheit ist nur die momentane Variante von Wahrheit. Selbst 1 + 1 = 2 ist für mich eine Variante von Wahrheit, da ich bereits das Objekthafte bestreite, also das Bestehen eindeutiger Objekte, die dann, in der Folge, von Zahlen bezeichnet werden. (Der Logiker wird einwenden, dass die Logik jenseits konkreter Objekte existiert, als ein festes Bezugssystem von Variablen und ewig gültiges System von Operatoren. Ähnlich dem Zahlensystem, in dem die Zahl 1 für ein beliebiges Objekt steht. Aber welchen endgültigen Wert, welche absolute Festigkeit kann ein Bezugssystem von Variablen haben, bei denen die Variablen ALLES sein können, oder umgekehrt, NICHTS?).

Hingegen trägt für mich alles den Charakter von Kommunikation. Alles trägt für mich den Charakter von Einigungen des Momentes. (Der Moment – das kann aus der menschlichen Ameisenperspektive auch ein sehr langer Zeitraum sein – es ist immer eine Frage von Relationen).

Häufig verwendete spirealistische Sätze sind z.B. „Es gibt nichts Objektives“ oder „Der Mensch ist eine Quelle des Seins, ist Element der Schöpfung, nicht deren Beobachter“. Oder „Die Welt gibt es nicht (in der Einzahl).“

Das bedeutet, dass wir, jeder für sich, eine Variante von Welt in uns tragen, sie repräsentieren, und in der Summe, oder auch im Durchschnitt, entsteht daraus der Eindruck einer Welt. Insbesondere durch die materialistische Weltanschauung, die das Vorhandensein einer Welt voraussetzt, und in jeden unserer Gedanken quasi injeziert. Dieser Eindruck täuscht aber insofern, als es „die“ Welt nicht noch einmal extra gibt, jenseits von Denken.

Mit der spirealistischen Sichtweise einher geht eine vollständig verschiedene Auffassung von Denken, Geist, Materie u.v.m., als es sie im Materialismus gibt. Ich füge das auch an dieser Stelle wieder hinzu, weil im Materialisten verständlicherweise sofort die Frage auftaucht, was dann wohl vom klugen menschlichen Gehirn gespiegelt würde, wenn es nicht die Welt sei.


Verwirrenderweise ist hinzuzusetzen, dass der Eindruck einer Welt wiederum eine absolut mögliche und taugliche Beschreibung von Realität ist. Der Spirealismus kann den Materialismus daher auch nicht in einem absoluten Sinn als falsch bezeichnen. Denn der Spirealismus behauptet ja eben nicht, er könne eine einzige Realität finden und diese dann als die „allein gültige Realität“ bezeichnen.

Auch für keine alleinige metaphysische Realität hinter einer „richtigen“ Realität ist das möglich. Warum sollte er auch, wenn er stets und ständig auf das Bestehen vieler Realitäten verweist? Für den Spirealismus gibt es keine „richtige“ Realität.

Und so sind wir bei dem Begriff der Metaphysik, und dessen problematischem Konzept, dass es jenseits einer bestehenden Realität eine andere gibt.

Metaphysik

Die spirealistische Auffassung illustriere ich wie folgt:

Immer, egal auf welcher geistigen Stufe wir uns befinden, haben wir eine singuläre Welt vor uns, mit Himmel, mit Erde, mit den Dingen darin. Und immer gibt es eine dahinterliegende Welt, die wir zu entdecken hoffen. Und wir dürfen hoffen, denn es gibt sie tatsächlich immer wieder, die metaphysische Welt „dahinter“. Denn wir selbst sind die Quelle der Welten, ihre Repräsentanten. Daher können wir, aus denen sie entstehen, auch nicht ihr Ende beobachten, ähnlich wie eine Quelle nicht das Versiegen des Wasser beobachten könnte, das ihr entströmt. Jeder Einzelne ist der Träger einer eigenen Welt (Ich – Universum). Und diese Welt, dieses Universum, schreibt sich fort, von Moment zu Moment, immer anders, immer neu.

Der Übergang einer Realität in eine neue ist letztlich das Konzept von Platos Höhlengleichnis. In diesem Gleichnis ist die neue Erkenntnis eine ultimative Befreiung des Geistes: neues Wissen, neues Erkennen. Statt Schatten an einer Höhlenwand sieht der Erleuchtete nun das wahre Licht, die einzig wirkliche Realität, außerhalb der Höhle – und ist nun völlig befreit. Spirealistisch kommt der Erleuchtete, der einer Höhle entgeht, nun nicht ins Endgültig-Freie, ins endgültige Licht, sondern in eine weitere Höhle, die etwas größer und heller erscheint.

Das bedeutet also: der Spirealismus kann nicht „die Welt dahinter“ beschreiben, weil es nicht eine „Welt dahinter“ gibt, sondern unendlich viele Welten. Immer bewegen wir uns in „der Realität“, wenn wir dies so sehen wollen. Es ist das Anliegen des Spirealismus, eben dieses Nicht-enden-Wollende zu beschreiben – eben aus diesem Grund kann es für ihn keine Endgültigkeit der Aussagen geben.


Achtsamkeit vorausgesetzt können wir sofort beobachten, dass es viele Welten gibt. Jawohl, wir können die Welten und Welten sehen, sie beginnen im uns Nächsten. Wir können das auch an uns selbst sehen, denn unser Wissen schreitet fort, und wir können das metaphysische Konzept im Vergleich von Gestern zu Heute sehen. Jeden Tag entwickeln wir uns weiter, entwickeln neue Konzepte, neue Sichtweisen. Die Sichtweise des Morgen ist Metaphysik für das Heute. Viele Menschen entdecken diese Weisheit erst im Alter, wenn sie feststellen, dass sie als junge Leute quasi „andere Menschen“ waren. Man kann diese Weisheit aber auch jeden Tag entdecken.

 

Irrationalität

Das Konzept nicht enden wollender Erkenntnis, die sich stets neu aus sich selbst heraus generiert, geht schließlich zum Begriff der „Irrationalität“ über, denn wenn die Welt mit ihrer Realität und ihrer Logik nicht in der Einzahl existiert, sondern letztlich alles sein könnte, dann lässt sich auch keine alleinige Logik definieren, bzw. man kann sich auch denken, dass jede Logik in einer spezifischen Sichtweise Realität haben kann. Das bedeutet, es gibt nichts endgültig Aussagbares über Realitäten, Welten, Logik, das über das Menschlich – Subjektive hinausginge.

Man könnte formulieren, dass Logik grundsätzlich subjektiv ist (die Menschheit als Subjekt). Man könnte auch sagen, dass es Logik nicht gibt, denn das Grundkonzept der Logik wie wir sie bisher verstehen ist ja, dass sie eindeutig und unabänderlich logische Ableitungen hat. Ebenso, wie man sagen kann, dass es „die“ Welt in der Einzahl nicht gibt.

Daher nannte ich die Welt an mancher Stelle „irrational“ – sich dem rationalen Schließen entziehend.

Rational in der Irrationalität

Mit dem Spirealismus geht aber keinerlei Verzweiflung einher („Oh, diese Irrationalität!“), sondern einfach die Gewissheit, dass wir nichts weiter tun können, als in unserer Logik zu bleiben, welche das auch immer sein mag. Dies zu tun, bestmöglich zu tun, und dies zu akzeptieren, das ist der Gewinn des Spirealismus, der ja im Ergebnis wieder eine mögliche Form von Rationalität hervorbringt. Wieder eine Welt hinter der Welt, wieder eine Physik hinter der Physik, wieder eine Metaphysik.

Allein schon die Tatsache, dass der Spirealismus das Auftreten vielfach unterschiedlicher Logik, vielfacher Deutungen, das Vorhandensein von Welten und Welten, einfach beobachten kann, ohne sich zu verwirren mit den Widersprüchen der materialistischen Sichtweise, der zufolge all das eigentlich nur einmal auftreten dürfte („Haben wir denn nicht nur eine Welt vor uns?“), ist ein riesiger Gewinn.

Metaphysik und Okkultismus

Dies war eine sehr allgemeine und grundsätzliche Betrachtung des Begriffes Metaphysik, die fragte, was ist das Konzept von Metaphysik? Unter Metaphysik kann man aber auch etwas sehr Konkretes verstehen.

Doch für viele ist Metaphysik Inbegriff für das Geheimnisvolle, das zu Erahnende, das Uralte und zugleich Nicht-Begriffene. Insofern auch wieder die Verbindung zu Ouspensky, dessen „verborgenes Wissen“, alte Schriften, Okkultismus (als die Verbindung grundlegender, oft religiöser, Menschheitsweisheiten). Metaphysik auch als ein uns verborgenes Regelwerk, das durch „Werkzeuge“ wie Tarot seine Gültigkeit erweist (man könnte Tarot auch als Denkmethode sehen).

Metaphysik also als ein Regelwerk das einerseits „da“ ist, man kann es nur nicht richtig beschreiben – anders als die wissenschaftliche Physik beispielsweise. Zugegeben ist diese mangelnde Beschreibbarkeit auch der Grund dafür, dass Metaphysik der Tummelplatz für vielerlei Scharlatane ist, denn im Grunde benötigt man für eine Physik dieser Art wenig Faktenwissen (was das Ganze sehr leicht macht), es käme eigentlich umso mehr auf ein Weltverständnis an (was das Ganze sehr schwer macht). Die Scharlatane aber kommen ohne das Verständnis aus, sie nutzen einfach die bekannten Worte der Geheimwissenschaften, die insofern gar nicht geheim sind. Das Geheimnisvolle an ihnen ist eben das in den Worten liegende Verständnis.


Was ist dran an Metaphysik, verstanden als Geheimwissenschaft mit Bezug zu unserer gegenwärtigen Weltsicht? („unsere gegenwärtige Weltsicht“ würde ich als materialistische Weltsicht bezeichnen. Es ist nicht meine Weltsicht, aber es ist ein Bündel an Denkvoraussetzungen, die fast überall als gegeben angesehen werden).

Metaphysik, verstanden im genannten Sinn, hat für mich viel Wahrheit. Der Spirealismus, den ich auf diesen Seiten immer wieder beschreibe, ist verwandt mit den Grundaussagen der Hermetik. Diese (wenigen) Grundprinzipien gehen stets von der Sichtweise des Geistes aus; erstes hermetisches Prinzip: Alles ist Geist. Diese Metaphysik sagt, bzw. fragt: Was kann über die Welt ausgesagt werden, wenn man nicht den Geist betrachtet, der das letztendliche Werkzeug allen Erkennens ist? Und kommt zu dem Schluss: Nichts! Der Geist ist das grundlegende Prinzip, nicht die Welt. Spirealistisch formuliert: Die ursprüngliche Existenz ist der Gedanke. 

Und diese Sichtweise uns in der heutigen Welt fremd. Die materialistische Physik, wie auch jede andere „richtige“ Wissenschaft will das Psychische ganz aus ihren Betrachtungen ausschließen (lustigerweise will das sogar die Psychologie, die heute allgemeinste wissenschaftliche Aussagen mit Hilfe der Statistik anstrebt).

Ich hatte oft genug dargestellt, inwiefern die „richtigen Wissenschaften“ immer wieder an Grenzen stoßen, durch die hindurch nur eine geistige Sichtweise führen würde, jedoch finden sie sich stets mit dem Beibehalten der grundsätzlichen Widersprüche ab – ganz dem materialistischen Weltbild entsprechend.

Die metaphysische Betrachtung der Dinge als ein geistiges Prinzip hat aber Berechtigung, hat Logik, hat Nutzen, hat Wahrheit. Sie ist daher durch die „richtigen“ Wissenschaften auch nicht auszumerzen, sondern erfährt in der Gegenwart, teils unter ganz anderen Namen, ein Revival. Man denke zum Beispiel an die vielen Filmveröffentlichungen, die einen psycholigischen, existenzphilosophischen, surrealistischen oder spirituell-wissenschaftlichen Plot haben, z.B. Blade Runner, Shutter Island, Krieg der Sterne, Minority Report. Und in den Wissenschaften denken wir an die Atomforschung, Forschungen zur Ausdehnung des Weltalls, des Entstehens von Masse, des Entstehens von Farben. Oder denken wir an den Quantencomputer, denken wir an künstliche Intelligenz.

Ich denke, die „Entdeckung des Geistigen in den Dingen der Welt“ ist der ultimative, fundamental wichtigste Schritt, den die Menschheit irgendwann tun könnte. Und ich hoffe, dass das irgendwann eintritt, denn ich glaube wiederum nicht, dass es hierfür eine absolute Notwendigkeit gibt.

Es wäre, wenn man so will, die Entdeckung der real existierenden Metaphysik.

Metaphysik – spirealistisch gesehen was last modified: März 9th, 2018 by Henrik Geyer

Lass es geschehen

Gerade las ich zufällig ein schönes Zitat, über das es sich lohnt, einmal nachzudenken.

Leben ist Veränderung. Dieser Veränderung zu widerstehen, wirkt dem Lebensfluß mehr entgegen, als sich ihr zu ergeben. Die Essenz des Lebens ist dessen Verlauf: Die Ereignisse, Bedingungen und Erfahrungen, die uns formen und zeitweise auch aus der Bahn werfen.

Samuel Taylor Coleridge
englischer Dichter und Philosoph
geb. 21. Oktober 1772 in Ottery St Mary, Devon; gest. 25. Juli 1834 in Highgate, London

 

 

Wie oft überlegen wir (stimmt es oder nicht?), wie wir die Spuren des Alters verwischen können, um wieder jung auszusehen. Oder, wenn wir vielleicht 25 oder 30 Jahre alt sind, dann überlegen wir, wie wir verhindern können, dass wir die Freiheiten der Jugend eintauschen gegen das Gebundensein des Erwachsenenlebens. Oder, wenn wir sehr jung sind, dann überlegen wir, wie wir möglichst schnell erwachsen sein können. Und schließlich, wenn wir sehr alt sind, dann möchten wir dem Tod von der Schippe springen und können oft dessen Folgerichtigkeit nicht sehen.

Aber letztlich hat jedes Alter seine Notwendigkeiten, die, wenn man sie akzeptiert, schöne und einzigartige Lebenserfahrungen mit sich bringen. Diese Erfahrungen und Erlebnisse sind so mannigfaltig und so wechselhaft, als würde man durch einen Frühlingswald gehen, und voller Faszination und Ehrfurcht das endlose Wechselspiel von Licht und Schatten betrachten, dass durch Sonnenstrahlen entsteht, die durch grüne Blätter fallen.

Diese Erfahrungen machen zu dürfen, das ist Leben. Ihrer wird teilhaftig, wer sich dem hingibt. Wer das verleugnen will, wer es nicht wahrhaben will, wer damit beschäftigt ist etwas zu verhindern, was kann er beobachten?

Wer sich aber in die Position eines Schauenden begibt, und aufhört in Kategorien von Absolutheit und Objekthaftigkeit zu denken, also zu glauben, die Dinge seien statisch und man könne sie erhalten, der wird einer tieferen Weisheit gewahr. Alles fließt, und wir sind, als Teilchen, Teil eines Flusses.

Das obige Zitat ist schön, denn es drückt eine Lebenshaltung aus, die der Sichtweise des „Alles Fließt“, folgt. Es sagt: Lass die Dinge geschehen! Anders als du glaubst, bist du nicht Herr dessen, was geschieht. Beobachte, und entdecke diese Weisheit! Entdecke die natürliche Kraft, die uns durch das Leben führt, ganz willenlos. Sie ist uns unsichtbar und widersetzlich, wenn wir dagegen kämpfen, aber sie führt uns gütig, wenn wir sie in den Dingen des Lebens erkennen können.

Lass es geschehen was last modified: März 9th, 2018 by Henrik Geyer