Kausalkette – philosophisch (spirealistisch) gesehen

Die Kausalkette in der kritischen Betrachtung. Wie wird sie landläufig gesehen – wie sieht sie der Spirealismus?

Was ist eine Kausalkette?

Kausalkette mit einer Ursache-Wirkung-Beziehung: monokausal

Kausal ist unser Wort für die Vorstellung, dass alles auch einen Grund hat. Man könnte auch sagen, es ist die Vorstellung, dass einem beliebigen Ereignis (Phänomen) des Jetzt immer ein Ereignis vorausging, dass man als Ursache des Ereignisses im Jetzt ansehen kann. Causa=der Grund

Weil wir an Objektivität (Bestimmtheit) glauben, sieht unsere Vorstellung von Kausalketten in der Regel recht eindimensional aus. Es ist die Vorstellung, dass ein Ereignis genau einen Grund hat. So, wie in der Grafik unten abgebildet, wo ein „monokausaler“ Zusammenhang abgebildet ist.

Für die Zukunft gilt dasselbe „monokausale“ Prinzip. Betrachten wir vom Jetzt aus die Zukunft, dann ist ein Phänomen, das wir im Jetzt feststellen, der Grund für ein Phänomen, das wir in der Zukunft erwarten. Die Wahrheit, die wir am Phänomen des Jetzt feststellen, führt somit (mit einer gewissen, jedoch nicht festen Notwenigkeit, d.h. also Wahrscheinlichkeit) zu einem Phänomen in der Zukunft.

Monokausal

 

Ursache und Wirkung, Vergangenheit und Jetzt, Jetzt und Zukunft

Es soll ja in diesem Beitrag um das spirealistische Verständnis von Kausalketten gehen, das abweicht, von dem materialistischen. Der Spirealismus sieht die Welt nicht als eindeutig bestimmt. Das geht schon aus von dem Grundgedanken des Spirealismus: dem Fehlen von Objektivität. Also: wenn es im Jetzt keine Eindeutigkeit der Dinge gibt, ist also das zu beobachtende Phänomen nicht einfach „da“, sondern vielfältig da. So gesehen gibt es auch keine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung.

Um dies anhand der typischen Vorstellungen von Kausalketten (typisch für den Materialismus sind die eindeutigen, monokausalen, Zuordnungen: dies ist die Ursache – hier ist die Wirkung) darzulegen, bedarf es einiger Überlegungen, die schlicht die Deutungsvielfalt dessen zeigen sollten, was wir gemeinhin als „gegeben“ annehmen.

Zunächst kann man sehen, dass Ursache-Wirkung-Beziehungen in beide Richtungen, in die Vergangenheit und in die Zukunft, auf gleiche Weise vorstellbar sind. Daher habe ich die obige Grafik umgedreht, und aus der Zukunft wurde Vergangenheit. Das bedeutet, ein Phänomen des Jetzt führt logisch zurück auf eine Vielzahl von möglichen Ereignissen in der Vergangenheit; eben nicht eines, sondern viele.

Kausalkette, Kausalität, spirealistisch verstandenDie Kausalität ist umkehrbar

Betrachtet man die Ursache-Wirkung Beziehung von verschiedenen Standpunkten, geraten die Worte „Ursache“, „Ereignis“, „Phänomen“, „Folge“, „Effekt“, „Konsequenz“ durcheinander.

Jede Ursache, die in der Vergangenheit liegt, ist auch eine Folge, und zwar von einer anderen Ursache. Jede Konsequenz in der Zukunft ist ebenso Ursache und ebenso Phänomen.

Ursache und Wirkung – und ihre Verbindung mit dem Zufall

Tritt ein Phänomen auf, für das man keinen direkten Vorgänger benennen kann, keinen direkten Grund, dann nennt man das Zufall. Es ist ein Phänomen, für das wir keinen Grund kennen. Auch hier ist die materialistische Vorstellung, der Zufall ließe sich eingrenzen. das Wort „Wahrscheinlichkeit“ lässt uns den Zufall so erscheinen, als sei er nur eine mathematische Aufgabe – und damit im Grunde bezwungen. Die spirealistische Sicht sieht notwendigerweise anders aus, sie nennt den Zufall unendlich, er ist nicht im Äußerlichen begrenzt. In uns selbst, die wir selbst erst die Festlegungen erschaffen, wo doch eigentlich keine sind (fehlende Objektivität) entsteht die Wahrscheinlichkeit.

Das Begrenzen-Können des Zufalls ist eine weitere Illusion des materialistischen Denkens. Denn – wie viele Zufälle kann es geben, in unserer Welt? Kann man den Zufall ausmerzen? Gott würfelt nicht, sagte Einstein. Bedeutet das, wir könnten Gott auf die Schliche kommen, indem wir seine Zufälle als eindeutige Kausalketten entlarven?

Aus spirealistischer Sicht wie gesagt nicht. Denn wir können niemals die Anzahl der „in der Welt“ (spirealistisch: in den Welten) auftretenden Zufälle zählen. Im Grunde ist uns alles Zufall, das wir nicht genauer betrachten, und für das wir in der Folge keinen Kausalzusammenhang konstruieren. Und nun frage man sich: Können wir jemals damit fertig werden, alle Zusammenhänge in Zeit und Raum kausal zu verbinden? Jeder wird sofort verstehen: niemals! Auf diese Weise verstehen wir, dass die Fragen zu den Kausalitäten, und auch die Antworten, aus uns selbst kommen. Wir selbst sind die Schöpfer unserer Welten – sie sind nicht schon in einem Außen „da“.

Dies enthält die Sichtweise, dass Ursache und Wirkung, Zufall und Kausalkette, von unserem Bewusstsein abhängen. Wenn wir die Zusammenhänge nicht konstruieren, wo sind sie dann?

Denken in Begriffen von „Innen“ und „Außen“, „Objekt“ und „Subjekt“, „vorher“ und „nachher“ als Denkvoraussetzung für Kausalketten

Die letzte Frage wird man materialistisch beantworten mit: „Die Kausalketten sind natürlicher Art! Sie sind in den Dingen! den Dingen des Außen!“

Wir sind an dieser Stelle wieder bei der Frage, was denn die „Dinge“ sind, was eine Monade ist, was Subjekt und Objekt sind, etc.. Ich habe das so oft thematisiert, dass ich es an dieser Stelle nicht wiederholen will.

Es sei aber noch einmal gesagt, dass es die materialistische Sichtweise ist, sich „die Welt“ (das Objekt) als etwas außerhalb des Menschen Liegendes vorzustellen. Der Mensch ist Beobachter (Subjekt), er spiegelt in seinem Geist etwas wider. Hingegen bestreitet der Spirealismus das Vorhandensein einer objektiven, eindeutigen, außerhalb von uns liegenden Welt, und hat dafür viele gute Gründe.

So wäre denn der weiter oben abgebildete monokausale Zusammenhang eine typische Vorstellung des Materialismus.

Wohingegen es dem Spirealismus bereits fremd ist zu sagen, es gäbe irgendetwas, das nur eine einzige Ursache hätte. Oder, es gäbe Kausalketten, die außerhalb von uns festgelegt wären, und die wir als solche erkennen könnten. Denn der Spirealismus sieht den Menschen ja gar nicht als Beobachter einer äußeren Welt. Sondern er sagt, die Welten entstehen (auch) durch ihn. Er ist nicht Beobachter der Schöpfung, sondern ihr Element.

Die Welten sind somit die Welten unserer Vorstellung.

Welt(en)? Wieso Welten in der Mehrzahl? Siehe weiter: Beitrag Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt

Es gibt keine Objektivität bedeutet: es gibt nicht „das“ Phänomen in Eindeutigkeit

Fehlende Objektivität hat, zu Ende gedacht, einige verblüffende Wirkungen. Einige Paradoxien der materialistischen Welt werden, wenn man diese Denkvoraussetzung annimmt, ganz klar angesprochen und erkannt, ja sogar in ihrer Ursache geklärt.

Wenn wir also wie Immanuel Kant feststellen, dass es nicht die Dinge „an sich“ für uns gibt, dann kommen wir auch zwangsläufig auf das Schopenhauersche „Die Welt ist eine Vorstellung“. Das wiederum bedeutet, dass das, was „die Dinge“ sind, unserer Vorstellung entspringt, was wiederum fluktuiert, vielfältig ist – und abhängig von Sichtweisen.

 

Stellen wir uns vor, wir könnten für jedes Ding das wir sehen, verschiedene Interpretationen in unserem Denken entwickeln. Das ist nicht ganz abwegig, denn jeder kann an sich selbst feststellen, dass er für die dieselbe Sache in seinem Leben verschiedene Interpretationen hat, es ist nur eine Frage der Zeit. Ich nannte solches Denken, das immer vieles für möglich hält, an anderer Stelle „symbolhaftes Denken“ oder auch „Denken in Metaphern“. Ein solches Denken bemüht sehr die Kreativität und Phantasie – es ist ein Denken in hunderterlei Möglichkeiten.

Andererseits sehen wir an diesem gedanklichen Experiment, dass wir Menschen so geschaffen sind, dass wir in einem Moment nur eine einzige Wahrheit für möglich halten, niemals mehrere. Wir suchen beispielsweise nach „der“ Wahrheit, nicht „den“ Wahrheiten. Das bedeutet, im Grunde sehen wir in „einer“ Sache immer nur eine Möglichkeit, während, wenn man so will, in jeder Sache viele Möglichkeiten „enthalten“ sind.

D.h., man müsste sich vorstellen, dass man, wenn man für jedes Ding verschiedene Interpretationen hätte, diese Interpretationen auch gleichermaßen für wahr halten könnte. (wir kommen insofern auf die Frage, was Wahrheit ist. Und wir sehen an dieser Stelle eigentlich auch, wie verquickt die Begriffe Kausalität, Zufall, Wahrheit, Zeit sind).

Ähnliches Thema: Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

Jedenfalls, hätte man eine solche Vorstellung von den Dingen, als ausgestattet mit vielfältigen Interpretationen bzw. Identitäten gleichzeitig, dann gingen von diesen Dingen auch viele verschiedene gleichzeitige Kausalketten aus, mit vielfältigsten Beziehungen.

In der unteren Grafik versuchte ich das zu verdeutlichen. Wenn uns die Gegenwart (das Jetzt) wie eindeutig erscheint, und die Zukunft in ihren Möglichkeiten wie vielfältig, dann müssen sich die Möglichkeiten der Zukunft vervielfältigen, wenn wir beginnen, die Phänomene der Gegenwart als verschwommen wahrzunehmen – wenn wir also annehmen, dass wir in der Gegenwart nicht einen Zustand feststellen könnten, sondern viele.

Der Obere Teil der Grafik enthält den monokausalen Zusammenhang üblicher (materialistischer) Vorstellung, ausgehend von einem Jetzt, das einige Möglichkeiten in der Zukunft bereit hält. Der graue Pfeil soll stellvertretend sein für eine Kausalkette, die ausgeht von einem als „möglich“ gedachten Phänomen im Jetzt. Dieses „als möglich gedachte Phänomen im Jetzt“ – das wäre so eine Interpretation eines Dinges (oder einer Situation), von dem ich sprach. Wenn ich also die Vielfalt der Deutungen, die in einer Sache liegen wahrnehmen kann, und sagen kann: Ich nehme jetzt einmal nicht an, dass dieses Ding (oder diese Situation) xyz ist, sondern denke sie mir anders, bewerte eine Situation anders, dann komme ich auf weitere Kausalketten, deren von mir wahrzunehmende Folgen sich vervielfachen.

Angenommen beispielsweise, ich sage, „das Atom gibt es nicht“. Dann komme ich (kommt die Menschheit) in der Folge auf eine ganz andere Art der Naturwissenschaften.  Auch diese andere Art würde funktionieren, aber mit anderen Begriffen.

 

Man sollte schließlich noch einmal bedenken, dass der Begriff „Phänomen“ (also die Zustandsbeschreibung  eines Ereignisses oder Dinges) durch die vorhin vorgenommene Verdrehung der Kausalkette zu einer lediglich relativen Vorstellung wurde. Man kann das „Phänomen“ ebenso gut im Jetzt wie in Vergangenheit oder Zukunft ansiedeln – man gewinnt durch dieses gedankliche Experiment einmal mehr ein Verständnis dafür, dass auch der Begriff „Phänomen“ nichts wirklich „Festes“ beinhaltet.

Monokausal vs Multikausal/Multieffekt, spirealistisch verstandenAnnahmen, was das Jetzt ist, bestimmen, was wir für Zukunft oder Vergangenheit erwarten

Resüme

Was gezeigt werden sollte, und was ich hoffentlich zeigen konnte, ist, wie abhängig Kausalketten von dem sind, was wir für Vorstellungen von ihnen entwickeln. Welche Abhängigkeiten der verschiedenen Begriffe es gibt, ich zähle noch einmal auf: Ursache, Wirkung, Ereignis, Effekt, Folge, Konsequenz, Zeit, Vergangenheit, Zukunft, Jetzt, Gegenwart,  Wahrheit, Wahrscheinlichkeit, und so weiter.

Es ist die spirealistische Sicht der Dinge, die die Welten aus einem quasi semantischen Beziehungsgeflecht entstehen sieht. In der spirealistischen Denkweise ist klar: diese o.g. Begriffe hängen unabdingbar zusammen, man kann sie eigentlich gar nicht einzeln betrachten (und doch, beispielsweise in diesem Text, ist man dazu gezwungen).

Je nach Gewichtung bilden diese Begriffe eine Konstellation, die im jeweiligen Fall einzigartig wirkt. Einzigartig in uns! Einzigartig ist lediglich unser Verständnis von „der Welt“. Einzigartig in unseren „Ich-Universen“.

Insofern möchte ich an dieser Stelle noch einmal die Grafik einfügen, die ich bereits an anderer Stelle verwendete – die Zeit als Punkt, und die Vergangenheit und Zukunft, Kausalketten, etc.., als Vorstellungen, die sich vom Rand her bilden, und zur Mitte hin „materialisieren“.

Die Zeit, vorgestellt als Punkt

 

Ähnliches Thema: Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Den schwarzen Kern in der Mitte könnte man ebenso gut als den materiellen Kern eines Dinges bezeichnen, und den verschwimmenden Außenbereich als die Feststellungen, die man in Bezug auf diesen Kern treffen kann.

Die Feststellungen am Rand sind in der spirealistischen Denkweise nötig, denn sie definieren das Ding (den Kern), ebenso, wie sich selbst. Im Spirealismus gibt es immer nur die Relation – nie kann ein Ding für sich alleine stehen.

Die Festlegungen des Außen treten für uns nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf, die auch notwendigerweise das Element des Zufalls (des Nicht-Vorhersagbaren), enthält.

Konkret stellt sich das so dar, dass das, was wir für die Vergangenheit oder Zukunft halten, oder für Kausalketten jeglicher Art, uns so unbestimmter erscheint, je weiter man sich entfernt, vom eigentlichen Gegenstand der Betrachtung. Ihn jedoch, den Gegenstand der Betrachtung, halten wir für fest, nicht sehend, dass er lediglich völlig eindeutig erscheint, in einem einzigen Ich-Universum.

Ebenso wie Objekte, Universen etc., sind eben auch Kausalketten der fundamentale Mörtel unserer Welten. Ganz ähnlich der zeit, vielleicht noch fundamentaler – zugleich ebenso unergründlich. Kausalketten verbinden die Objekte des Denkens, erschaffen ein vorher und nachher.

Sie „existieren“ aber nicht in dem Sinne, dass man sie in einem Außen „ablesen“ könne. Mit uns und durch uns, die wir Elemente der Schöpfung sind, nicht ihre Beobachter, kommen sie in die Welten.

Weiterlesen: C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein

Weiterlesen: Artikel Was bedeutet subjektiv? Ist ein wissenschaftlicher Versuch objektiv?

Kausalkette – philosophisch (spirealistisch) gesehen was last modified: April 30th, 2016 by Henrik Geyer

Interview mit dem spirituellen Erfolgsschriftsteller Ralf Hillmann

Spireo: Lieber Ralf, ich kenne Dich nun schon zwei Jahre als einen netten, hilfsbereiten und offenen Kollegen. Du betreibst die erfolgreiche Internet-Seite „Spirituell-auf-deine-Weise.de“, die sich über ein erhebliches Besucheraufkommen freuen darf.

Du bist ein erfolgreicher Autor mit beachtlichen Buchverkäufen – das ist gerade in der heutigen Zeit ein schwieriges Unterfangen. Wie lange machst Du das schon – und was wäre Dein Rat an junge Autoren, die noch nicht so weit sind wie Du?

Ralf Hillmann
Ralf Hillmann

Erst einmal herzlichen Dank, dass du mich für ein Interview eingeladen hast. Ich bin gespannt, welche Fragen du dir für unsere Unterhaltung ausgedacht hast. Die erste Frage kenne ich ja nun schon. Die Idee ein Buch zu schreiben entwickelte sich in 2009. Damals erlitt ich einen gesundheitlichen Zusammenbruch und kündigte meine Arbeit. Wie mein Leben weitergehen sollte, wusste ich nicht. Ich hatte zu nichts mehr die Kraft. Dann saß ich irgendwann am Schreibtisch und schrieb mein erstes Buch. Einfach so. Ohne je zuvor die Idee gehabt zu haben, das zu tun. Es geschah quasi wie von selbst. Alle Bücher, die danach folgten, entstanden auf andere Weise. Für diese überlegte ich mir vorab ein Thema, eine Struktur, einen roten Faden, ein Konzept. Mein Erstlingswerk „Spirituell auf deine Weise“ entstand ohne all diese Überlegungen. Ich kam mir dabei vor, wie von „oben“ geführt. Und damit komme ich auch schon zum zweiten Teil deiner Frage: Mein Rat an andere Autoren ist folgender: Schreibe genau das, was du schreiben möchtest; vertraue darauf, dass das, was du zu sagen hast, andere interessiert; vertraue darauf, dass sich Wege finden und Möglichkeiten ergeben werden, deine Arbeit in den Erfolg zu führen; habe Geduld und sei bereit, für einen eigenen, ganz individuellen, authentischen Weg; tue es auf deine Weise! Ich glaube, es gibt kein Geheimrezept. Es kommt darauf an, welche Art von Büchern jemand schreibt; was für ein Typ ein Autor ist; aus welchem Motiv heraus er schreibt; welche Ziele verfolgt werden usw.

 

Spireo: Auf Deiner Webseite schreibst Du, dass Du über ein einschneidendes Erlebnis zu Spiritualität gekommen bist (wie so viele). Wie hat sich das abgespielt?

Früher war ich der ideale angestellte Arbeitnehmer. Angepasst und stets fleißig und bemüht, es allen recht zu machen. Ich vergaß dabei, auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten. Irgendwann erhielt ich von meinem Körper und meiner Seele die Quittung dafür. Ich wurde sehr krank. Eigentlich konnte mir die Schwere der Erkrankung nie von einem Arzt bescheinigt werden. Ich war über zwei Jahre lang so stark erkältet, dass ich mich irgendwann kaum noch aufrecht halten konnte. Mein Husten war zwischenzeitlich so schlimm, dass ich manchmal dachte, ersticken zu müssen. Alles, was die Ärzte dazu zu sagen hatten, war: „das wird schon wieder“, was mir fehlte bzw. wie meine Beschwerden zu erklären und zu behandeln waren, wusste niemand. Irgendwann gab ich auf. Ich ließ einfach los und ergab mich in mein Schicksal. Mir war alles egal. Ich hätte auch sterben können. Mir wäre alles recht gewesen. Nur das Leben mit diesem pausenlosen Husten, wollte ich nicht mehr länger ertragen. So kündigte ich meine Arbeit und legte mich ins Bett. Das Sonderbare war, dass ich von dem Moment an, als ich alles hinwarf, auf einmal das Gefühl hatte, dass nun bald alles gut werden würde. Und tatsächlich, ein paar Tage später ging es mir schon bedeutend besser. Ich hatte immer Angst davor gehabt, einmal arbeitslos zu sein, doch nun war ich es, und ich fühlte mich vollkommen relaxed und von „oben“ geführt. Ich hatte ein Vertrauen in mich und mein Leben, wie ich es zuvor noch nie gehabt hatte. Ja, ich war spirituell verbunden.

 

Spireo: Was hat sich in Deinem Denken geändert? Was hast Du hinterher anders getan als vorher?

Ich würde gar nicht unbedingt sagen, dass ich ein komplett anderer Mensch geworden bin. Ich habe noch die gleichen Interessen und gleichen Charakterzüge wie vorher. Nur achte ich seitdem immer darauf, was ich wirklich will und was ich tatsächlich leisten kann und mag. Es macht mir auch heute noch Freude, für andere da zu sein, aber ich bin es nur noch dann, wenn es meine Kräfte nicht übersteigt. …

 

Dieses Gespräch ist Teil des Buches:


Was ist Spiritualität?

Was bedeutet Menschen Spiritualität? Wozu ist sie gut? Wie leben Menschen Spiritualität? Ist Kreativität spirituell? Kann Spiritualität heilen? Was bedeutet Tod?.
Henrik Geyer führte Gespräche mit spirituellen Menschen – mit Stefan Blankertz, Dr. Ruediger Dahlke, Catharina Fleckenstein, Ralf Hillmann, Cristina Holsten, Petra Milkereit, Werner Szendi, Pascal Voggenhuber

 

 

Link zu Ralf Hillmanns Blog, „Spirituell auf Deine Weise“

Interview mit dem spirituellen Erfolgsschriftsteller Ralf Hillmann was last modified: Oktober 20th, 2016 by Henrik Geyer

Die Magie der Sprache

Magie der Sprache - Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Für gewöhnlich stehen nicht die Worte in der Gewalt des Menschen, sondern die Menschen in der Gewalt der Worte. Hugo von Hofmannsthal

In diesem Beitrag geht es um die Magie der Sprache, oder die Magie der Worte. Als Beispiel für magische Worte dient uns ein magischer Country-Song, nämlich Pancho and Lefty, von Townes Van Zandt. Die Magie der Worte ist hier sehr greifbar – man kann der Frage nachspüren: Wie entsteht diese Magie? Worin drückt sie sich aus? Und was bewirken die Worte konkret … in diesem speziellen Song?

Der Song Pancho and Lefty ist ein Beispiel für viele ganz wunderbar geschriebene Lieder. Der Autor des Songs, Townes Van Zandt, mit seinem Leben voller Brüche und Leiden, ist nur ein Beispiel für viele talentierte Songwriter und Künstler, die sich auf die Magie der Worte, oder überhaupt, des Ausdrucks, verstehen.

Der vollständige Songtext befindet sich am Ende dieses Artikels.

 

Willi Nelson und Merle Haggard haben in ihrer Interpretation diesen Song sehr bekannt gemacht, weitaus populärer, als er durch Van Zandt je hätte werden können:

Link: Interpretation des Songs Pancho and Lefty durch Townes Van Zandt. 

Atem, derb wie Kerosin

Der Song interessiert einfach. Der Sound frisst sich in die Träume wie ein nach Westen rumpelnder Güterzug, in dessen Frachtwagen sich ein Tramp ins Stroh legt, um am nächsten Morgen 500 Meilen entfernt aufzuwachen.
Der Text ist von der ersten Zeile an spannend, seine Metaphern lassen einen nicht los.

Livin on the road my friend, is gonna keep you free and clean
Now you wear your skin like iron
Your breath as hard as kerosene

Auf der Straße zu Leben, Freund, macht dich frei und sauber.
Jetzt trägst du deine Haut wie Eisen,
und dein Atem ist derb wie Kerosin.

 Wie schrieb Van Zandt den Song?

Van Zandt sagte selbst, dass er kaum die Autorschaft für „Pancho and Lefty“ in Anspruch nehmen könne, denn die Inspiration dafür floss in einem Moment „durch ihn hindurch“ – und er könne beim besten Willen nicht sagen, was genau ihn dazu „veranlasst“ habe, den Song zu schreiben. Er selbst habe „schließlich und endlich“, später, auch verstanden, worum es in dem Song überhaupt geht.

Es ist die Magie der Sprache Van Zandts, die uns den Song auf eine wunderbar lyrische Art und Weise erschließt. Jeder kann darin etwas anderes sehen. Und auch Van Zandt war die Deutung des Textes zunächst rätselhaft – so merkwürdig das klingen mag.

Wie man den Songtext „offiziell“ auffasst habe ich an das Ende dieses Artikels gestellt, damit jeder die Möglichkeit hat, sich das Lied ganz selbst zu erschließen. Deutung von „Pancho and Lefty“

Worin liegt die Magie der Sprache?

In diesem Song findet sich so vieles. Die Magie der Sprache, so findet man hier, liegt im Weglassen. Im Fesseln durch kraftvolle Metaphern, die die Phantasie des Zuhörers in den Bann ziehen – und dann dieses Nicht-Sagen. Es sind die Löcher in der Logik, die das Denken ausfüllt mit Sinn – und zwar dem Sinn, den der Zuhörer dem Text zu geben vermag. Dass das ganz individuell geschieht, erzeugt im Zuhörer den Eindruck, dieser Song entspreche genau seiner eigenen Erfahrung.

Wenn man einige interessante Aspekte aufzählt (natürlich nur wie ich sie sehe) , so erhält man den Eindruck, es handele bei diesen wenigen Zeilen um eine Interpretation des Shakespeare-Dramas Macbeth.

Verrat

Da ist dieser interessante Aspekt de Verrates … der Versuchung etwas Verwerfliches zu tun, um dadurch einen Vorteil zu erlangen. Sollte man? Kann man? Heiligt der Zweck die Mittel? Verrat ist ganz alltäglich…

Freundschaft

Freundschaft und Verrat hängen eng zusammen. Wer wird den Verrat stärker spüren als der verratene Freund? Wer lässt sich besser verraten als ein Freund, dessen Geheimnisse man teilt? Die Geheimnisse auszuplaudern ist ganz leicht …

Schuld

Was passiert einem dann, wenn man verrät? Was passiert dem Verratenen? Äußerlich mag nichts geschehen, das irgendwie „besonders“ wäre. Im Song:

All the Federales say, they could’ve had him any day
They only let him slip away out of kindness I suppose

Alle Polizisten sagten, sie hätten ihn jeden Tag kriegen können,
Sie ließen ihn (bis dahin) nur entkommen … aus Freundlichkeit, nehm ich an.

Übrigens hat Van Zandt diese Textzeile auch noch anders interpretiert. Er variierte sie zu:

All the Federales say, they could’ve had him any day
They only let him hang around, out of kindness I suppose

Was ebenso „herumhängen lassen“ (in Ruhe lassen) wie „aufhängen“ bedeuten kann. So dass für Van Zandt klar war, dass die „Federales“ Pancho aufhängten – und ihre „Freundlichkeit“ ist ohnehin ein Zynismus.

 

Wenn also lediglich das äußerlich scheinbar Unausweichliche eintrat – war Leftys Tod denn nicht die natürliche Folge seines Banditentums? – was passiert dann eigentlich … in einem? Was geschieht mit Lefty?

Schicksal

Pancho needs your prayers it’s true, but save a few for Lefty too
He only did what he had to do, and now he’s growing old

Pancho braucht eure Gebete, ganz klar. Aber hebt auch noch ein paar für Lefty auf.
Er tat nur, was er tun musste, und nun wird er alt.

Wenn auch scheinbar Pancho zu bedauern ist – wer ist wirklich bedauernswerter, Pancho oder Lefty? Lefty tat doch auch nur, was er tun musste! Wodurch wurde er gezwungen?

Die Magie der Sprache dieses Songs lässt diese Frage nach dem unausweichlichen Schicksal, nach Schuld und Sühne, wie völlig offen erscheinen – einfach ein Geben und Nehmen.

Karma

Man könnte das Thema des Songs auch Karma nennen. Nichts ist isoliert. Unsere Taten sammeln sich an, zu einem nicht aus der Welt zu schaffenden Reservoir von Gründen, die (an anderer Stelle) völlig folgerichtig zum Ausdruck kommen. Und umgekehrt sind wir selbst Ausdruck von Karma – handeln einer Logik folgend, die stärker ist als wir. … Lefty tat nur, was er tun musste.

ICH bin DU

Es war mein erster Eindruck, dass es sich bei Pancho und Lefty eigentlich um dieselbe Person handeln könnte, denn die Schicksale beider scheinen auf völlig folgerichtige Weise verbunden. Wer ist nun wer? Das Gras in das Pancho biss, war in Leftys Mund.

Das „offizielle“ Verständnis von Pancho and Lefty

Den eigentlich rätselhaften Songtext versteht man im Allgemeinen (offiziell) so, dass es sich um die Geschichte eines mexikanischen Banditen namens Pancho handelt, der von einem anderen (seinem Freund?) namens Lefty an die Polizei verraten wird, und stirbt.

Von nun an sind die beiden eng verbunden.

The dust that Pancho bit down south ended up in Lefty’s mouth

Das Gras, in das Pancho im Süden biss, war schließlich in Leftys Mund

Der Fluch von Panchos Tod schwebt für immer über Lefty, wohin der sich auch wendet. Während Pancho in Mexiko „tiefer gelegt“ (beerdigt) wird, zieht es Lefty möglichst weit weg, in den Norden.

Dort endet er, alt werdend, in einem billigen Hotel.

Van Zandt selbst sagte, er habe begriffen, dass es sich bei der Geschichte um die von Pancho Villa handeln könne. Pancho Villa war ein mexikanischer Revolutionär (oder Bandit), der schließlich ermordet wurde.

 

Es ist diese letztliche Unbestimmtheit, die die Magie der Sprache ausmacht. Nicht einmal der Autor kennt die endgültige Bedeutung dessen, was er schreibt. Seine Kunst besteht im vielsagenden Weglassen.

 

Lesen Sie auch: Ich putz‘ mir noch die Schuhe – und dann verglüht die Sonne!

Weiterlesen: Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Siehe auch: Die semantische Natur der Dinge

Songtext

 

 

Die Magie der Sprache was last modified: April 28th, 2016 by Henrik Geyer

Was ist Lebenskunst?

Lebenskunst - Leben als Kunstwerk

In einer Zeitung gab es einen Artikel, Liechtenstein wolle das Schulfach „Lebenskunst“ in den Schulunterricht einführen.

Ich fand das gut, machte mir aber auch Gedanken darüber, was es ist, was das Leben eigentlich so schwer macht, obwohl es doch jeder von uns ohnehin lebt. Wenn selbst der Dümmste sein Leben leben kann – was ist daran eine Kunst?

Ganz so einfach ist es nicht!

… denn man muss bedenken, dass zwar jedes Leben gelebt wird, aber nach welchen Möglichkeiten es gelebt wird – das bleibt im Verborgenen. Was wir immer nur nur sehen – das ist die Realisierung. Es bleibt uns verborgen, welche weitergehenden Möglichkeiten es geben mag, und natürlich auch, welche schlimmeren Möglichkeiten hätten eintreten können.

Wenn es also etwas zu verbessern gibt … warum nicht?

Lebenskunst – Leben als Kunstwerk

Insbesondere dem Spirealisten rennt man hier die Türen ein, denn für ihn ist das unendliche Feld des Möglichen nur eine Handbreit von dem entfernt, was wir „die Realität“ nennen. Das Leben als Kunstwerk zu begeifen und es so zu leben – das würde der Spirealist mit „Bewusstwerdung“ und „Freiheit“ übersetzen. Was er dazu für nötig hält, ist Spiritualität (Geistigkeit) – d.h. Beobachten der Gedanken (womit wir wieder bei Bewusstwerdung wären).

Die entscheidende Frage für den Menschen ist: Bist du auf Unendliches bezogen oder nicht? Das ist das Kriterium seines Lebens.
Carl Gustav Jung

<a href=’http://spireo.de/wenn-du-frei-sein-willst-nimm-dir-zeit‘ alt=’Siehe auch:  Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit‘>Siehe auch:  Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit</a>

Was sind die auf der Hand liegenden, wichtigen Themen?

Wer bist du?

Wir sollten uns über uns selbst klar werden, sollten versuchen, einigermaßen sinnvoll über unseren Fortgang zu entscheiden, und zwar auf der Basis einer gründlichen Überlegung darüber, als was wir uns selbst sehen. Wenn wir uns selbst nicht kennen – was um alles in der Welt können wir dann über uns entscheiden?

Allzu leicht übernehmen wir die Rezepte von anderen, und stellen dann oft genug fest: „Für mein Leben taugt das nicht!“

nutze deine Zeit!

Natürlich die Zeit! Und damit die Begrenztheit allen Erlebens. Wir haben eine bestimmte Spanne für uns, und sollten uns darüber klar sein. Je eher wir die Endlichkeit allen Erlebens als das eine „Ich“ verstehen, umso eher werden wir damit aufhören, den Stereotypen nachzujagen, und beginnen, unser Leben als Individuum aufzubauen.

Für mich haben ganz viele Begriffe mit dieser Endlichkeit zu tun. Ich denke dabei an Ehrlichkeit, Treue, oder Offenheit.

go slowly

Dennoch nützt es nichts, sein Leben schnell zu leben. Selbst die kostbarsten Momente ziehen in derselben Einfachheit vorüber, wie die schlichten.

Wer wirklich etwas über sich selbst verstehen will, wer das Leben als Lebenskunst begreifen möchte, der muss die Stille suchen, die Einfachheit. Das Getriebe  der 10.000 Notwendigkeiten der modernen Zeit, mit ihrem Multitasking und ihrem Eingebunden-Sein, erzeugt einen Sog und eine Kette von Handlungen, die uns zu Robotern werden lässt, und die mit unserem gängigen Menschenbild (dem des individuell überlegenden und entscheidenden Menschen), nicht in Einklang zu bringen ist.

Ähnliches Thema: Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit

Ähnliches Thema: Gurdjeff: Die Position des Menschen in der Welt

Das Leben selbst ist nämlich ganz einfach. Was es kompliziert macht, sind unsere 10.000 komplizierten Vorstellungen, wie etwas zu sein habe. Es sind zugleich die Vorstellungen, denen wir unser Handeln unterwerfen.

„Du bist einzigartig!“

Anstelle von „Du bist einzigartig!“ hätte ich auch schreiben können: „Du bist allein!“ Doch das hätte wohl einen negativen Touch – wenn es auch stimmt. Denn tatsächlich ist derjenige besser dran, der sich darüber klar wird, dass „den eigenen Weg zu gehen“ auch bedeutet, allein zu sein, mit vielleicht wechselnden Wegbegleitern. Lebenskunst  – das bedeutet eben auch: Loslassen!

Diese Vorstellung, einzigartig zu sein, kann (und sollte) Verschiedenes auslösen:

Erstens eine größere Bereitschaft den eigenen Weg zu gehen, unabhängig von den Meinungen der Vielen, denen zuzuhören im Einzelnen bereits eine Lebensaufgabe wäre.

Zweitens (auch in Ableitung aus Erstens) eine gewisse Liebe und Wertschätzung sich selbst gegenüber – dieses Selbst ist doch das Einzige, dessen Gesellschaft wir tatsächlich und immer sicher für uns haben. Entwickeln wir es; lassen wir dies zu unserem Lebenskunstwerk werden – es lohnt sich!

Ein Glück aber ist es, wenn dem Greise noch die Liebe zu seinem Studium, auch zur Musik, zum Schauspiele und überhaupt eine gewisse Empfänglichkeit für das Äußere geblieben ist; wie diese allerdings bei einigen bis ins späteste Alter fortdauert. Was einer »an sich selbst hat«, kommt ihm nie mehr zu gute, als im Alter. Die meisten freilich, als welche stets stumpf waren, werden im höheren Alter mehr und mehr zu Automaten: sie denken, sagen und tun immer dasselbe, und kein äußerer Eindruck vermag mehr etwas daran zu ändern oder etwas neues aus ihnen hervorzurufen. Zu solchen Greisen zu reden, ist wie in den Sand zu schreiben: der Eindruck verlischt fast unmittelbar darauf. Ein Greisentum dieser Art ist denn freilich nur das Totengesicht des Lebens. – Den Eintritt der zweiten Kindheit im hohen Alter scheint die Natur durch das, in seltenen Fällen, alsdann sich einstellende dritte Zahnen symbolisieren zu wollen.

Arthur Schopenhauer

Drittens eine Anhänglichkeit und Treue jenen gegenüber, die uns auf unserem Lebensweg begleiten, und deren Liebe uns wichtig geworden ist. Sind sie ersetzbar? Niemals! Lebenskunst bedeutet auch Wertschätzung den Menschen (und Dingen!) gegenüber, die uns nun einmal begleiten.

Lesen Sie auch: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Die Bedeutung dieses wunderbaren Zitates

Viertens (und vielleicht Wichtigstens): die Lebenskunst der Beschränkung. Das beginnt bereits damit, dass man sich darüber klar wird, dass es dem Individuum immer nur gegeben ist, ein individuelles Leben zu leben. Man sollte nicht alle Ziele anstreben, weil man nicht alle Leben leben kann, nur an einem Ort sein kann, etc.. Das Bewusstsein dieser Beschränkung, sogar seine willige Annahme, kann für das Leben, für Glück und Zufriedenheit des Einzelnen, überaus wichtig sein.

Was ist Lebenskunst? was last modified: April 25th, 2016 by Henrik Geyer

Was bedeutet subjektiv? Ist ein wissenschaftlicher Versuch objektiv?

Thema subjektiv: Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind Teil der Schöpfung, nicht ihre Widerspiegelung.

subjektiv vs objektiv

subjektiv ganz landläufig verstanden

„Subjektiv“ meint: Nur deine Meinung! (und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die richtige!)

„Subjektiv“ bedeutet, es handelt sich um eine Beobachtung, die nur aus einer einzigen Perspektive gemacht wird, während es nötig ist, wenn man zu richtigen, bzw. endgültigen Sichtweisen gelangen möchte, eine Sache von verschiedenen Blickwinkeln aus zu betrachten.

Für jeden der wissen will, wie das Wort „subjektiv“ gemeinhin gebraucht wird, mag das bis hierhin genügen, denn es das gängige Verständnis, resultierend aus der materialistischen Weltanschauung. 

Weiterlesen: Artikel objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?

Eine Frage der Weltanschauung – materialistisch

In dem Wort „subjektiv“, in Zusammenhang mit den ihm nächsten Worten wie „objektiv“ etc., steckt eine Weltanschauung des Verständnisses.

Die allgegenwärtige materialistische Weltanschauung ist der Auffassung, wir Menschen beobachteten eine von uns unabhängige Außenwelt. Diese von uns unabhängige Außenwelt bestehe aus voneinander getrennten Objekten, etwa wie Kugeln oder andere im Raum befindliche Formen, um die man herumgehen kann.

Da man die Beschaffenheit eines Objektes als Subjekt (Mensch) nur von einer Seite aus sehen kann, ist es nötig, dass verschiedene Beobachter sich über die Beschaffenheit des Objektes, wie sie es von ihrem jeweiligen Standpunkt aus wahrnehmen, austauschen.

Nur so könne man die wahre Beschaffenheit des Objektes erfahren – und dies wiederum ist der Sinngehalt de Wortes „objektiv“, „Objektivität“, etc..

Während andererseits das Wort „subjektiv“, bzw. „Subjektivität“, wiederum die Beschränktheit des Blickes meint, die Unvollkommenheit, die eine Perspektive, die unzureichend ist, um ein dreidimensionales Objekt zu erkennen.

die spirealistische Weltanschauung

Die spirealistische Weltanschauung geht davon  aus, dass ohnehin alles Begreifen als eine Art Abstimmung vor sich geht. (Diese Abstimmung können wir auch als Kommunikation sehen – aber nicht die von uns Menschen so verstandene sprachliche Kommunikation, sondern Kommunikation im spirealistischen Sinn ist alles Wahrnehmen – beispielsweise das Sehen, das Fühlen, etc..) Von „richtig“ oder „falsch“ kann in einem objektiven Sinn nicht gesprochen werden, da der eindeutige Bezugspunkt des vorgestellten (objektiven) Außen fehlt.

Statt des Begriffes „objektiv“ hat der Spirealismus daher den Begriff „supersubjektiv“, der ausdrückt, dass das, was viele in Übereinstimmung wahrnehmen, nicht objektiv im eigentlichen Sinn ist (außerhalb und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein), sondern wiederum subjektiv.

Das kann man sich vielleicht vorstellen, wenn man sich vor Augen führt, was der Begriff „objektiv“ überhaupt meint (siehe Grafik unten). Und wenn man sich dann vorstellt, dass die Bemühungen der Wissenschaftler, die einen Versuch objektiv gestalten möchten, durch definierte Versuchsanordnungen, durch hunderterlei Vorschriften zur Durchführung eines Versuches, so sind, als würden sich alle Personen in der unteren Grafik hintereinander stellen. letztendlich ist das wieder so, als würde eine einzige Person, aus einer einzigen Perspektive, schauen.

Objektivität wäre ja gerade, unterschiedlichste Sichtweisen zur Verfügung zu haben.

Supersubjektivität, supersubjektiv, subjektiv und objektiv

was wird durch eine Versuchsanordnung also hergestellt?

Was ist also das Besondere an einem solchen, unter wissenschaftlichen Bedingungen ablaufenden, Versuch?

Aus spirealistischer Sichtweise sind Menschen keine Individuen in dem Sinne, dass sie völlig unterschiedlich wahrnehmen und beurteilen können. Schließlich beobachten sie ja auch gar keine von sich selbst abgetrennte unabhängige Außenwelt. Sondern das menschliche Denken ist geprägt von höchster Gleichartigkeit. Eine Gleichartigkeit, die sich der Mensch nicht erst „ausdenken“ muss, damit sie besteht. Sondern der Mensch erwächst aus einem Kontinuum aus Geist; Geist, der in relativen Beziehungen sowohl trennt als auch verbindet. Der menschliche Geist selbst ist ein Ausdruck dieser relativen Beziehungen – er beobachtet sie nicht in einem Außen.

So gesehen ist eine definierte Versuchsanordnung, die wiederholbare Versuche möglich macht, dazu geschaffen, diese Gleichartigkeit auf die Spitze zu treiben, so dass alle Menschen, die unter gleichen Bedingungen diesen Versuch unternehmen, etwas Gleiches (aber nicht dasselbe) sehen sollten.

Keine Aussage ist getroffen, was mögliche andere (nicht-menschliche) Sichtweisen angeht. Und es wird, ob unserer materialistischen Weltanschauung auch stets übersehen, dass auch bei noch so haarklein definierten Versuchen die menschliche Wahrnehmung im Individuum voneinander abweicht – nie völlig gleich ist. Materialistisch gesehen könnte man auch sagen, dass es keine zwei völlig gleichen Punkte in der Raumzeit gibt, sondern zwei völlig gleiche Punkte wären ein- und derselbe Punkt.

Wozu soll die Sichtweise des Spirealismus gut sein – geht es nicht immer nur um den Menschen?

Nein, es geht nicht immer nur um „den Menschen“.

Der Spirealismus eröffnet völlig neue Möglichkeiten des Verstehens, was der Mensch ist, und seinen Platz innerhalb der Konstellation, aus der er entsteht.  Es ist ein neues Verständnis von sich selbst und den „Dingen“, die anderes Handeln, anderes Begreifen, anderes Wahrnehmen möglich macht.

Siehe auch: Artikel Spirealismus als Lebenshaltung – durch Gedanken entsteht Realität

 

Siehe auch: Artikel Naturwissenschaften vs Geisteswissenschaften. Die Psychologie in der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft

Was bedeutet subjektiv? Ist ein wissenschaftlicher Versuch objektiv? was last modified: März 24th, 2018 by Henrik Geyer

Definition der Zeit

In diesem Artikel geht es um das Wesen der Zeit. Gibt es eine gültige Definition der Zeit?
Wie wir die Zeit verstehen – wie könnte man das formulieren?
Vielleicht so:
Die Zeit ist ein Äquivalent für die Veränderung der Dinge. Man könnte auch sagen: Zeit ist ein Gradmesser der Veränderung der Welt.
Die Zeit scheint einen ehernen Rhythmus zu besitzen. Sie erscheint und unveränderlich. Wir nennen sie auch eine Dimension, weil sie, ebenso wie Raum, eine Bühne für die Welt zu bereiten scheint.

Zeitstrahl, Zeit und Kausalität

Die Zeit, repräsentiert durch den Zeitstrahl

In einem anderen Kapitel hatten wir anhand des Zeitstrahles besprochen, was unsere Vorstellungen von der Zeit sind.
Thema: Beitrag Zeitstrahl

Wir hatten gesagt, es träfe folgendes zu:

  • Die Zeit ist in der Vergangenheit begrenzt (sie hat einen Anfang)
  • sie ist aber in die Zukunft hinein unbegrenzt
  • sie ist jederzeit eindeutig, und zwar repräsentiert durch Punkte auf dem Strahl. Dies kommt auch in unseren Worten zum Ausdruck, wir reden von „der Vergangenheit“ (in der Einzahl), oder der Gegenwart, oder der Zukunft

Diese Vorstellung formuliert Schiller so:

Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.
Friedrich von Schiller

Es ergaben sich aber sofort einige Fragen oder auch Widersprüche. Zum Beispiel fragte es sich, warum die Zeit in die Zukunft hinaus unbegrenzt sei, im Gegensatz zur Vergangenheit („ewig still steht die Vergangenheit“), die angeblich so fest und greifbar ist. Genau betrachtet ist auch die Vergangenheit nicht fest, sie unterliegt offensichtlich unserem fluktuierenden Begreifen.  In beiden Fällen, für Vergangenheit und Zukunft, gibt es keine Erfahrung zu Beginn oder Ende; auch nicht zur Begrenzbarkeit.

Außerdem ist die Vorstellung von eindeutigen Punkten sehr schnell verflogen, wenn man sich vergegenwärtigt, das auch die Vergangenheit über eine unendliche Punktzahl verfügt, die sich infinitesimal auf dem Zeitstrahl eintragen ließen.

Letztendlich ist uns die Zeit ein Rätsel – richtig fassen lässt sie sich nicht. Wir gehen mit ihr um, sie ist uns Denkvoraussetzung. Wir haben gut funktionierende Uhren, jedoch können wir die Zeit nicht von etwas anderem ableiten oder herleiten, oder begründen.

Kann eine Definition der Zeit gelingen?

Relativität der Zeit

Einstein, der sich dem Problem der Zeit widmete, sagte Zeit sei „das, was man von der Uhr abliest.“ Was ein wenig lapidar klingt, ist ein pragmatischer Ansatz, bei dem die Uhr als ein äußeres Merkmal, das alle Beobachter gleich sehen sollten, als ein Werkzeug zur Bestimmung von Zeit-„Punkten“ herangezogen wird.

Damit ist das Wesen der Zeit aber noch nicht im eigentlichen Sinne geklärt. Allerdings kam Einstein, der in seine Betrachtungen die Uhren sehr phantasievoll mit einbezog, zu neuen und revolutionären Sichtweisen bezüglich der Zeit.

Ähnliches Thema: Artikel Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Einstein hatte sich vorgestellt, welche Zeit wohl an einer Uhr abzulesen sei, wenn man mit einer hohen Geschwindigkeit (Lichtgeschwindigkeit) flöge, und dabei diese (an einem Ort feststehende) Uhr im Auge behielte. Die Überlegung dabei war, dass die unbewegliche Uhr nur mit dem Auge abzulesen sei – das Auge wiederum würde durch Photonen (Lichtteilchen), die mit Lichtgeschwindigkeit fliegen, vom Zeigerstand der unbeweglichen Uhr Kenntnis erhalten. Was also zeigt eine Uhr, wenn man sich mit Lichtgeschwindigkeit von ihr fortbewegt?

Die Antwort ist: einen stillstehenden Zeiger. Was wiederum („Zeit ist das, was man von der Uhr abliest“) bedeutet: stillstehende Zeit … oder nicht?

Nicht! Einstein ging davon aus, dass für den mit Lichtgeschwindigkeit fliegenden Beobachter die eigene Zeit ganz normal weiter liefe, während sie nur in Relation zur beobachteten Uhr quasi still stünde. Sowohl für die feststehende Uhr wie auch für den Reisenden verändert sich der individuelle Fortgang der Zeit nicht (warum sollte sich beispielsweise der Fortgang der Zeit für die stillstehende Uhr ändern, nur weil sie von einem sich schnell bewegenden Reisenden beobachtet wird?). Nur in der Relation von schnell fliegendem Beobachter und unbeweglicher Uhr lässt sich eine Verschiebung bemerken. Und aus der Sicht der feststehenden Uhr kann man sagen, dass für diese die Zeit normal weiter läuft, während die Zeit des Reisenden stillsteht.

Dem Wesen der Zeit kam Einstein auf diesem Wege wesentlich näher, indem er zu dem damals rätselhaften Schluss kam: Zeit ist relativ! Und auch heute ist diese Tatsache im Eigentlichen unverstanden, da man annimmt, dass die Relativität der Zeit sich nur wahrnehmen lässt, wenn man sich mit hoher Geschwindigkeit (nahe Lichtgeschwindigkeit) bewegt. Ich selbst bin bzgl. dieser Wahrnehmung anderer Meinung, aber ich will das etwas weiter unten besprechen.

Zeit hängt also von der Geschwindigkeit eines Beobachters ab, wodurch sich die Verbindung Raum und Zeit ergibt (Raum als das Medium der Bewegung). Schließlich stellte man fest, dass Zeit und Masse in Verbindung stehen – erstens durch die Beschleunigung (Massenbeschleunigung), und zweitens bzw. umgekehrt über die Krümmung des Raumes durch Massen.

Die Mühelosigkeit, mit der sich Zeit in Verbindung bringen lässt mit (scheinbar) ganz anderen Grundelementen unserer Vorstellung, wie Raum und Masse, zeigt jedenfalls, wie flexibel unsere Vorstellungen von der Welt sind, und wie alles mit allem in Verbindung gebracht werden kann, und in Verbindung steht.

Lesen Sie auch: Beitrag Die semantische Natur der Dinge

andere Sichtweisen

Spirealismus

Auf diesem Blog schreibe ich vieles zur Philosophie des Spirealismus. Spirealismus geht davon aus, dass jedes Bewusstsein sein eigenes und einzigartiges Universum (ein Ich-Universum) erzeugt (oder man sollte besser sagen: IST), und dass es das eine Universum, von dem wir immer sprechen („das Universum“), gar nicht gibt. Und zwar deshalb, weil es keine zwei Menschen geben könnte, die in völliger Gleichartigkeit über „das eine“ Universum sprechen.

Wenn dieses eine Universum also niemand „hat“, und niemand kennt, warum sollte es dann das eine Universum überhaupt geben?

Hume formulierte, es sei eine unumgängliche Notwendigkeit, an eine existente Außenwelt zu glauben. In der spirealistischen Sichtweise stellt sich das genau umgekehrt dar: Es ist keine Notwendigkeit vorhanden, weil uns niemand dazu zwingt. Vielmehr ist es ist eine mögliche Weltanschauung, an eine Welt, an ein Universum zu glauben. Um das tun zu können, braucht es die vorgestellte Trennung von Materie und Geist: hier das Universum, dort der Geist, der das Universum beobachtet.

Man könnte sagen, es ist es ein Glaube, der in unseren Gedanken an eine Welt zum Ausdruck kommt.

Und man könnte metaphorisch formulieren: Wenn Materialismus ein Glaube ist, dann ist die Sprache, mit ihrem materialistischen Wortverständnis, unser Gebet.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Wenn Materialismus ein Glaube ist, dann ist die Sprache die wir sprechen, mit ihrem materialistischen Wortverständnis, unser Gebet.

 

Man kann jedenfalls auch einen anderen Glauben gewinnen, ein anderes Verständnis – den Spirealismus beispielsweise. In ihm gibt es, aus völlig logischen Gründen, die Notwendigkeit nicht, von der Hume sprach.

Im Spirealismus gibt es, weil es schon die Eindeutigkeit der einen Welt, mit ihrer einen Auffassung nicht gibt, auch keine eindeutigen Punkte auf dem Zeitstrahl. Denn das würde ja bedeuten, das sich irgendetwas völlig gleichartig wahrnehmen ließe – was der Spirealismus negiert. Daher gibt es auch keine Eindeutigkeit des Jetzt – verbunden mit der Annahme, es gäbe eine grundsätzliche (naturgegebene) Gleichzeitigkeit von Ereignissen.

Dies mag rätselhaft erscheinen, andererseits ist es gleichermaßen völlig unverstanden, dass es eine völlige Gleichartigkeit des Denkens, und sei es auch nur im einfachsten Gedanken, nicht geben kann. Ich formulierte das öfters so: Würden zwei Personen völlig gleich denken, und sei es auch nur für einen Augenblick, so wäre es für diesen Augenblick dieselbe Person. Das Eine kann nicht das Andere sein, sonst wäre es dasselbe. Und das gilt bereits für den einfachsten Gedanken.

Insofern komme ich auf das zurück, was ich bereits weiter oben sagte: Man nimmt an, dass die Relativität der Zeit sich nur wahrnehmen lässt, wenn man sich mit hoher Geschwindigkeit (nahe Lichtgeschwindigkeit) bewegt.

Ich meine aber, dass die Frage der Wahrnehmung noch eine andere ist: Es ist eine weltanschauliche Frage.

Wenn man die Dinge so versteht, wie ich es versuche mit dem Spirealismus darzulegen, dann ist nach meiner Auffassung eine andere Wahrnehmung von ALLEM damit verbunden, auch von der Zeit. Ich weiß einfach: Alles ist relativ. Relativ zu was? Zu meiner Auffassung von den Dingen, die ich wiederum von meinen Wahrnehmungen nicht trennen kann. Diese Grundauffassung macht aus der Beobachtung der Welt eine abenteuerliche Vieldeutigkeit – die die Welt(en) reicher macht und besser beobachtbar. Während man doch gemeinhin von einer Eindimensionalität des Wahrnehmbaren ausgeht – alles sei letztlich nur auf eine einzige Art wahrnehmbar (objektiv); dies müsse man einfach voraussetzen (Hume).

Ein inspirierender Text von Ouspensky, zum Thema Zeit

Hier ein inspirierender Text von Ouspensky. Er ist der visionären Besprechung der Tarotkarte  „Mäßigkeit“ entnommen.

Übersetzung aus: A NEW MODEL of the UNIVERSE, von P.D.Ouspensky

Der Name des Engels ist Zeit. …

Der eine Kelch in den Händen des Engels ist die Vergangenheit, der andere ist die Zukunft. Der Regenbogenstrom zwischen den Kelchen ist die Gegenwart. Du siehst, dass er in beide Richtungen fließt.

Dies ist Zeit in ihrem unverständlichsten Aspekt. Die Menschen meinen, dass alles stets nur in eine Richtung fließt. Sie sehen nicht, dass sich alles ständig trifft und dass die Zeit eine Vielzahl sich drehender Kreise ist. Verstehe dieses Mysterium, und lerne die gegensätzlichen Strömungen im Regenbogenstrom der Gegenwart zu unterscheiden.

http://spireo.de: Der Name des Engels ist Zeit Author: Henrik Geyer Der Name des Engels ist Zeit Der eine Kelch in den Händen des Engels ist die Vergangenheit, der andere ist die Zukunft. Der Regenbogenstrom zwischen den Kelchen ist die Gegenwart. Du siehst, dass er in beide Richtungen fließt

gibt es eine endgültige Definition der Zeit?

Was also ist die Definition der Zeit? Im Artikel zum Zeitstrahl hatten wir bereits gesehen, dass unsere Wahrnehmung der Zeit und unsere Auffassung von Kausalität miteinander verbunden sind. Ebenso verbunden sind sie mit dem Begriff Materie und Raum (diesen Zusammenhang hatte wie gesagt Einstein hergestellt).

Was ist Zeit im Endgültigen? Was ist die letzte Wahrheit?

Nach der Auffassung des Spirealismus ist Zeit ein Trenner zwischen den Objekten des Denkens – denn alles ist Geist. Zeit trennt und verbindet die Objekte, setzt sie in einen relativen Bezug zueinander. Ganz ähnlich einer Farbe, ganz ähnlich einem kausalen Zusammenhang (bzw. diesen ermöglichend oder bedingend), ganz ähnlich auch einer Objekt-Form oder einem räumlichen Bezug. Zeit ist eine Vorstellung, die sich zwar immer auch ganz anders denken lässt, aber die Trennung zwischen den Objekten muss bleiben – ich nannte das „objekthaftes“ Denken. Was wäre ein Bewusstsein, das nicht zwischen Objekten unterscheiden kann?

Übrigens bedeutet „Vorstellung“ oder „Alles ist Geist“ für den Spirealismus nicht, wir Menschen würden uns Begriffe wie „Zeit“ willenhaft „ausdenken“. Sondern der Spirealismus sieht die Welten, und auch die menschlichen Welten, aus einem Kontinuum aus Geist entstehen.

Für den Spirealismus entsteht alles aus Geist – und Geist kann als Ergebnis jede Form hervorbringen. Nur für uns Menschen kann es nur eine Form sein – eine Form wiederum, die wir dann für die notwendige und unumgängliche Form halten. Letztendlich läuft die Frage nach der Zeit auf die Frage nach dem Wesen der Dinge hinaus, der Dinge also, die wir in unserem Bewusstsein wahrnehmen. Was ist es, was das Eine vom Anderen unterscheidet? Was macht das Eine gleich dem Anderen? Wo berühren sich die Kreise, von denen Ouspensky spricht? Vielleicht sind sie in Form von Uhren vorstellbar – das, was alle gleich in ihrem Außen sehen?

Und – es ist ja ein dem „Menschen unverständlicher Aspekt“ – kann man dennoch die sich in verschiedene Richtungen drehenden Kreise wahrnehmen? Ich denke ja – man kann doch zunächst dieses Unverständnis selbst, von dem Ouspensky spricht, erst einmal wahrnehmen. Man kann die Wahrheit seiner Vision spüren, wenn man begreift, dass die Zeit immer nur das sein kann, was das Ich über sie denkt. Wenn man spürt, dass die Zeit erst dann zu etwas Gemeinsamem wird, wenn man sich äußerlicher Mittel bedient, wie (unter anderem) der Uhr.  Ansonsten bliebe die Zeit weitgehend individuell, und die sich drehenden Kreise hätten keine Berührungspunkte.

„Zeit ist das, was man von der Uhr abliest“ … Was man irgendwo (ab-)liest, das muss begriffen werden, damit es Sinn ergibt. Der Sinn dessen, was man lesen kann, wird aber immer verschieden sein, je nachdem, welches Verständnis man dem Gelesenen entgegenbringt. Aus sich selbst heraus hat kein Text, nichts was man  (ab-)lesen kann, irgendeinen Sinn. Womit (wie bereits oben) gesagt ist, dass das, was wir wahrnehmen, abhängt von der der Weltanschauung, mit der wir wahrnehmen.

Nach meiner Auffassung können wir bezüglich der Frage nach der Zeit nicht weiter fortschreiten, als dass wir sagen, dass es logische Bezüge geben muss, die die Objekte des Denkens miteinander verbinden (Gleichartigkeit), aber auch trennen. Dass wir (neue) Verbindungen innerhalb unserer Begriffe finden, dass wir Raum mit Zeit und Materie und noch vielem anderen verbinden können, und damit neue Denkwelten des Verständnisses finden, damit werden wir nie ein Ende finden. Denn die Zeit ist gar nichts Feststehendes, das man nur so und nicht anders begreifen könne. Im Gegenteil: die Art und Weise unseres Verständnisses für die Zeit – das ist die Zeit.

Lesen Sie auch: Was bedeutet subjektiv? Ist ein wissenschaftlicher Versuch objektiv?

Siehe auch: Beitrag Zeit Rätsel: Was ist Zeit?

Definition der Zeit was last modified: April 26th, 2016 by Henrik Geyer

Zeitstrahl

Zeitstrahl, Zeit und Kausalität

Gemeinhin wird der Fortgang der Zeit anhand des sogenannten Zeitstrahles dargestellt. In diesem Artikel geht es um die Frage, wie wir uns Zeit vorstellen, und wie diese Vorstellung mit der geometrischen Figur eines Strahles verbunden ist.

Der Zeitstrahl

Wie das obige Bild eines Zeitstrahles zeigt, gibt es die Vorstellung von der Zeit, sie fließe in einem kontinuierlichen Fluss, der nur eine Richtung hat, von der Vergangenheit in die Zukunft.

Wie die geometrische Figur „der Strahl“, denkt man, die Zeit ginge aus von einem bestimmten Punkt in der Vergangenheit – in unserer jetzigen Denkweise repräsentiert durch den Urknall – als dem Beginn von Raum und Zeit.

In die Zukunft hinein stellt man sich die Zeit als unbegrenzt vor … ganz so, wie es die geometrische Figur  des Strahles suggeriert: auf der einen Seite begrenzt, auf der anderen Seite aber unbegrenzt.

Der Zeitstrahl besagt auch folgendes: Die Vergangenheit ist eindeutig, sie ist repräsentiert durch die Punkte, die sich auf dem Strahl eintragen lassen. Nennen wir als Beispiel: 1492, Entdeckung Amerikas durch Kolumbus. Die Vergangenheit geht von einem bestimmten Punkt aus, dem Beginn der Zeit und ist bemessbar, und zwar als die Spanne zwischen dem Beginn der Zeit und der Gegenwart.

Auch die Zukunft wird eindeutig sein, so folgert man aus dem Zeitstrahl, sie ist ebenfalls repräsentiert durch die Punkte, die sich auf dem Strahl eintragen lassen. Allerdings ist der Strahl nach rechts hin offen, wodurch eine Unendlichkeit von Punkten eingetragen werden könnte.

Man muss allerdings sagen, dass, im Gegensatz zu dieser Vorstellung, auch die Vergangenheit letztlich durch eine Unendlichkeit von Punkten repräsentiert wird, denn auf dem Strahl lassen sich auch nach links hin unendlich viele Punkte finden, im kleinsten, und wieder kleinsten Maßstab (infinitesimal).

Übrigens ist es eine weitere, sicherlich von niemandem bestrittene Vorstellung, die der Zeitstrahl suggeriert, dass die Gegenwart in einem Punkt zusammenkommt – dem Jetzt.

Noch ein Letztes sei bemerkt: Es ist unsere Vorstellung des Fließens der Zeit, sie würde in eine bestimmte, nicht anders denkbare, Richtung fließen. Im Zeitstrahl repräsentiert durch die selbstverständliche Flussrichtung „von links nach rechts“, ganz so, wie es unsere Gewohnheit ist, zu lesen. Bereits die Vorstellung, die Zeit flösse von rechts nach links, würde uns bereits ein wenig verwirren – und zwar nur am Zeitstrahl.

Warum hat die Zukunft kein Ende, wenn doch die Vergangenheit einen Anfang hat?

Warum ist das so? Weil das Bewusstsein quasi die Unterschiedlichkeit der Objekte des Denkens ist. Wahrgenommen als die Zeit. Das Bewusstsein kann kein Ende der Zeit erfassen. Die Voraussetzung des Wahrnehmens (im Bewusstsein) sind Objekte des Denkens, ist Zeit. Das Ende der Zeit wäre das Ende des Bewusstseins.

Aus der Sicht des Menschen ist hier keine Grenze zu ziehen.

Aus demselben Grund könnte man natürlich fragen, wie der Mensch überhaupt darauf kommt, er könnte die Feit in der Gegenrichtung begrenzen …

Zeitstrahl und Kausalitätsstrahl

Zeit und Kausalität hängen eng zusammen.- Ohne das Eine nicht das Andere. Ohne Zeit kein Vorher und kein Nachher – die Zentralbegriffe der Kausalität. Vorher, das wäre der Grund, die Ursache. Nachher, das wäre das Ziel oder die Folge.

Die Zeit und alle anderen Vorstellungen unserer Welt stehen somit in einem fundamentalen Zusammenhang. Man mag fragen: Wozu dieses Abhandeln von bloßen Vorstellungen? Die Antwort wäre: Was können wir Menschen denn denken, was über unsere Vorstellungen hinaus geht? Insofern (und das ist ja der Grund dieses Artikels) geht es um eben Vorstellungen. Worum sonst?

Zeit und Kausalität, Zeitstrahl und Kausalitätsstrahl

Siehe auch: Artikel Die semantische Natur der Dinge

Lesen Sie auch: Beitrag Zeit Rätsel: Was ist Zeit?

Ähnliches Thema: Sprüche Zeit – Über die Zeit

Ähnliches Thema: Beitrag Tarot: Der Mond. Symbolismus des Ouspensky

Zeitstrahl was last modified: Juni 6th, 2016 by Henrik Geyer

Die semantische Natur der Dinge

Die semantische Natur der Dinge

In diesem Beitrag soll die semantische Natur der Dinge besprochen werden, und natürlich die Frage, was überhaupt die Sprache und die Dinge miteinander zu tun haben – denn man meint ja meist, die Sprache würde die Dinge nur beschreiben.

Es gibt keine Objektivität – was sind die Objekte, die wir vor uns sehen?

In diversen Beiträgen habe ich die spirealistische Grundüberzeugung „Es gibt keine Objektivität“ ausgeführt, begründet, dargelegt.

Mit dem Fehlen der Objektivität fehlt dem Spirealismus der „Betrachtungsgegenstand“, den man in der materialistischen Sichtweise das „Objekt“ nennt, oder das „objektive Außen“, oder die „Materie“, oder auch die „Realität“.

Es fragt sich im Spirealismus, wo als Quelle der Existenz lediglich das Subjekt bleibt: Was beobachtet das Subjekt eigentlich? Was ist es, was es „sieht“?

Die Antwort des Spirealismus auf diese Frage ist: Das Subjekt beobachtet im eigentlichen Sinne nichts. Es kommuniziert, bzw. ist selbst Ergebnis einer Kommunikation. Der Sinn des Ausdrucks „etwas beobachten“ wäre herkömmlich, dass das Beobachtete unabhängig vom Beobachter ist – dies ist die Sichtweise der Trennung von Subjekt und Objekt; und die damit einher gehende stillschweigende Annahme, es gäbe überhaupt etwas, das von uns (Menschen), dem Beobachter, unabhängig wäre.

Aber eben das ist es ja, was der Spirealismus bestreitet.

Die Welten entstehen als Beziehungsgeflecht logisch aufeinander bezogener Begriffe.

Daher, immer wieder sagend und betonend: „Es gibt nichts, das zu beobachten wäre, das vom Beobachter unabhängig ist“ (eine Weiterentwicklung der Aussage „Es gibt keine Objektivität“), kommt der Spirealismus zu dem Schluss, dass die Vorstellungen von der Welt, und die Welt selbst, eins sind. Die subjektiven Welten entstehen nicht aus von uns unabhängigen Objekten, sondern als Beziehungsgeflecht logisch aufeinander bezogener Begriffe.

Wie gesagt: die äußerlichen Objekte fehlen. Eine Welt, die aus äußerlichen, von uns unabhängigen, Objekten gemacht ist, ist lediglich in unserer Vorstellung vorhanden. Die Voraussetzung für diese Vorstellung ist Geist – Geist ist somit nicht die Folge einer materiellen Anordnung (Gehirn) .

Woher beziehen wir also unsere Begriffe?

Angenommen, vor mir steht ein Glas Wasser. Was beobachte ich da? Ich gehe davon aus, dass es das Objektive nicht gibt. Was gibt es dann?

Die Antwort des Spirealismus ist: „Es gibt Geist!“ Der Geist ist das Primäre, nicht Objekte in einem Außen. Der Inbegriff des Wortes Existenz ist Geist, ist der Gedanke. Die Objekte kommen aus dem Geist – sie sind unsere Realität.

Da wir Menschen nur Elemente des Geistes sind, ist Geist durch uns zwar nicht weiter erklärbar,  aber die Materie ist ja letztlich durch uns auch nicht weiter erklärbar. Alle logischen Kausalketten enden im Nichts. Da wir nur gewohnt sind, uns gedanklich in der Mitte von Kausalketten zu bewegen, entgeht uns diese Kleinigkeit meist. Aber noch einmal: Alle Kausalketten enden im Nichts. Denken wir an den „Urknall“, der von uns herbeigedachte Anfang von allem. Hier entstand, so meinen wir, die Materie. Aber was war vorher, woher kommt die Materie nun eigentlich, etc..?

Selbst wenn wir die Kausalkette weiterführten, vor den Urknall, und beispielsweise hinzufügten: der Urknall entstand aus einem Ereignis oder einer Konstellation XYZ, verschiebt sich das Ende der Kausalkette, doch danach kommt immer noch und immer wieder: das Nichts. Das Enden der Kausalketten im Nichts wird nicht aus der Welt geschafft.

materielle Festigkeit in der Mitte der Kausalketten

Daher kann man doch, was ich die „Mitte der Kausalkette“ nenne, auch als das Zentrum eines Ich-Universums sehen. In ihm sind die Begriffe fest und eindeutig. Warum? Weil jeder Begriff durch ein unendlich scheinendes Netzwerk von anderen Begriffen gestützt wird. Das ist am Ende einer Kausalkette nicht der Fall.

 

Beispielsweise das Glas Wasser. Es wird gestützt durch die eindeutig scheinenden Begriffe „Glas“ und „Wasser“, für „Glas“ ließe sich ersetzend „Gefäß“ oder „Behälter“ verwenden, für „Wasser“ die Worte „Nass“ oder „Flüssigkeit“.

So erscheint der Begriff „ein Glas Wasser“ wie das Einfachste und Eindeutigste. Es erscheint wie etwas, das nicht anders möglich sei, das nicht anders beobachtet werden könnte. Man befindet sich ja nicht am Ende der Kausalkette. Man befindet sich im semantischen Zusammenhang nicht an einer Außengrenze, wo Begriffe und Vorstellungen fehlen, die die gegebene Vorstellung erklären oder ersetzen könnten.

Doch wenn man die Kausalkette bis ans Ende verfolgte, dann fragte sich, was dieses Glas und dieses Wasser eigentlich ist.. Eine objektive, endgültige Information darüber ist nicht zu erlangen – wie gesagt: was ist Materie? Was ist ein Atom? Das, was da vor mir steht, sei eindeutig, meint man zuerst, doch diese Vorstellung verschwindet, wenn sich die Vorstellung von Materie, von Atomen, etc.. verflüchtigt.

Man kann noch weiter überlegen: Das Zentrum eines Ich-Universums ist das Ich. Um das Zentrum herum sieht das Ich die Dinge, die Nicht-Ich sind. Alles, was nicht das Ich ist, erscheint dem Ich wie die Dinge außerhalb, die es beobachtet. Das Ich ist der „massivste Körper“ dieses Ich-Universums. Ohne diesen Ich-Körper sind alle Objekte des Ich-Universums nicht vorhanden – weil die wichtigste und immer vorhandene, man kann sagen „die das Universum begründende“ Relation, fehlt – es fehlt das Zentrum, in dem alle semantischen Zusammenhänge zusammenkommen.

Doch auch das Ich braucht die Dinge, die um es herum sind. Das Ich kann sich nur dann etablieren, wenn es Dinge um es herum gibt – denn das Ich ist, wie alle anderen Dinge auch, eine Relation. Man könnte sagen, das Ich definiert sich durch den Gegensatz – das Ich und die Dinge. Es benötigt daher Dinge, die zu ihm selbst relativ sind. In der Sprache des Materialismus hieße das: Dinge, die der Mensch beobachten kann; ohne sie ist er nicht vorhanden. Man kann sich das ganz greifbar machen, indem man sich vorstellt, dass ein Ich, das kein Aussehen hat, in keiner Zeit ist, um das herum keine Dinge sind, auch nicht existiert. Denn es könnte nicht unterscheiden: hier bin Ich, dort ist das Andere.

Daher sagt der Spirealismus: Es gibt nichts vom Beobachter Unabhängiges. Die Welt, die das Ich da vor sich entstehen sieht, entsteht als Relation, dessen zentraler Ankerpunkt das Ich ist. Und das bedeutet auch wieder: die Welt, die das Ich da vor sich sieht, ist individuell, und kann in dieser Form nur von diesem einen Ich gesehen werden. Das ist eben auch der Sinn des Wortes „Ich-Universum“. Das Universum gibt es nicht, außerhalb des Ichs, etwa in objektiver (eindeutiger) Form. Es gibt eben nur das Subjektive, nicht das Objektive.

Die semantische Natur der Dinge.

Die Semantik ist ein Teilgebiet der Sprachwissenschaften und beschäftigt sich mit sprachlichen Zusammenhängen. Es untersucht das Entstehen von Bedeutung aus Wortzusammenhängen.

Die vielfältigen Methoden und Aspekte der Sematik aussparend, ist das für mich Anziehende am Wort Semantik, so dass ich sagen kann „die Natur der Dinge ist semantisch“, folgendes:

  1. Der Spirealismus stellt fest, dass es eine objektive Außenwelt nicht gibt. Somit entstehen alle Begriffe die wir haben, und von denen wir eigentlich meinen, es seien Begriffe, die eine von uns unabhängige Außenwelt beschreiben, aus subjektiven Relationen.
  2. Das spirealistische Grundverständnis „Das Denken ist die Realität“ bedeutet, dass wir nicht trennen müssen, von dem, was wir über die Dinge denken, und den Dingen. Es ist ein- und dasselbe.
  3. Somit sind die Welten in uns ebenso semantischer Natur, wie unsere Sprache, die nur vermeintlich dazu dient, eine äußerliche Welt zu beschreiben. Die Welt ist unser Gedanke daran, und mithin auch das, was wir „über“ die Welt sagen.
  4. Semantik sieht jeden Begriff, jede Vorstellung, als einen Punkt innerhalb eines Beziehungsgeflechtes anderer Begriffe.  Wie gesagt: Was ein Glas Wasser ist, lässt sich nur beschreiben, mit den Vorstellungen unserer Welt. Die dem Begriff „Glas Wasser“ nächsten Begriffe sind „Glas“ und „Wasser“, aber es gehören ebenso alle Begriffe dazu, die wiederum „Glas“ und „Wasser“ begründen und beschreiben. Letzten Endes lässt sich kein Teil eines Ich-Universums sehen, das nicht damit zu tun hätte; nichts lässt sich einzeln sehen, kein Teil eines Universums ist gedanklich abtrennbar.

Lesen Sie auch: Beitrag Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt

Das ist es, was ich meine, wenn ich von der semantischen Natur der Dinge spreche.

Die Variationsmöglichkeiten der Begriffe sind stets unendlich – und sie variieren kontinuierlich. Die semantische Konstellation ändert sich ständig. So wie ein Text, der die Welt beschreiben soll, und der ständig andere Vorstellungen hervorbringt, weil er sich selbst ständig ändert. Der Text wird ständig neu geschrieben, neu formuliert.

Der sich ändernde Text – das sind wir selbst. In uns, in unseren Vorstellungen, fluktuiert und wabert die Welt, wandelt sich, wird ständig anders. Immer innerhalb des nicht begrenzbaren Beziehungsgeflechtes unserer Vorstellungen. Der Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung – nicht als Beobachter der Schöpfung.

Ändert sich beispielsweise unsere Vorstellung davon was ein Atom ist, ändert sich unsere Vorstellung von der Welt.

Die Sprache entsteht aus einem Kontinuum der Kommunikation

Wir sehen die Sprache als abgetrennt von anderen Phänomenen. So als sei es ein besonderes Privileg des Menschen, zu kommunizieren. Oder als sei die Sprache eine besondere geistige Leistung des Menschen, die sich dieser quasi „ausgedacht“ habe.

Doch der Spirealismus sieht die Sprache in einem Kontinuum, das die Kommunikation der Relationen fortsetzt, welche den Menschen erst erschafft – Geist. Es ist ja einer der grundlegenden Sätze des Spirealismus: „Alles ist Geist“ („Alles ist Geist“ ist zugleich das erste hermetische Prinzip). Das bedeutet, das sich der Geist, den wir so gern nur uns Menschen zurechnen, in allem wiederfindet, was uns umgibt.

Es ist nicht „unser“ Denken, was da gedacht wird, sondern es ist Denken, das vor dem Menschen da war, den Menschen selbst erst begründet, und den Menschen umgibt.

Ebenso wenig, wie das Gehirn des Menschen den Geist erschafft, erschafft die Sprache des Menschen die Kommunikation.

Die Sprache des Menschen bildet in ihrer Semantik das Wesen der Kommunikation ab – dieses Wesen ist die Verbindung, die Vernetzung. Und dies wiederum ist das Wesen aller Wissenschaft, aller Dinge, aller Natur. Insofern könnte man vom semantischen Wesen der Wissenschaft sprechen, der Mathematik etwa. Das Eine kommt nicht ohne das Andere aus. Die Definition der Zahlen erschafft die Möglichkeit der Differentialrechnung. Erst durch die komplexen Beziehungen entstehen die Welten der Wissenschaft, ohne an irgendeiner Stelle endgültig sein zu können.

Ähnlich wie der Philosoph Wittgenstein formulierte:

Die Arithmetik ist die Grammatik der Zahlen.
Ludwig Wittgenstein

könnte man das Gesagte über die „semantische Natur der Dinge“ in folgenden Gedanken fassen:

Die Welt ist die Semantik der Dinge

 

Hier noch ein weiterer Satz von Wittgenstein, der das Gesagte unterstreichen kann:

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

 

 

Siehe auch: Beitrag Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Siehe auch: Beitrag Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte?

 

Die semantische Natur der Dinge was last modified: April 11th, 2016 by Henrik Geyer

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit. Film Bruder Sonne, Schwester Mond

Bruder Sonne, Schwester Mond

Der Film „Bruder Sonne, Schwester Mond“ beschreibt Momente aus dem Leben des heiligen Franz von Assisi, dem Begründer des Mönchsordens der Franziskaner.

Francesco (der spätere heilige Franziskus oder Franz von Assisi) wächst im 14. Jahrhundert in Assisi, einer Stadt im italienischen Umbrien auf, als Sohn reicher Kaufleute. Die Teilnahme an einem lokalen  Krieg lässt ihn umdenken. Von nun an möchte er ein Leben nach dem Vorbild Jesu führen. Er entledigt sich allen Besitzes, auch seiner Kleider, und beginnt das Leben eines Bettlers zu führen. Ein Leben, das er sucht.

Frei sein als Thema

Der Film ist ein typisches Produkt der 70er Jahre, ein sehr bewegender und mitreißender Film übrigens, denn sowohl die Schauspieler wie auch der Plot wissen zu überzeugen. Wenn man den Film sieht, fragt man sich, warum scheinbar so wenig aus dieser doch kreativen und der Natur zugewandten Zeit der Hippies und Flower Power ins Heute gerettet wurde.

Fracescos einfache Botschaften sind so rein und wahr, dass sie die Zuschauer (ebenso wie die Menschen im Film)  immer wieder in den Bann schlagen – obwohl sie doch für den materialistisch Denkenden recht ungewohnt und widersinnig klingen.

Das Thema des Films könnte man auch beschreiben als: „Wie kann man frei sein?“

Francescos Antwort ist: Indem man sich befreit, von allem, was einen belastet. Und was einen belastet., das ist nicht nur das, was man nicht will, sondern auch das, von dem man in einer Art Sucht nicht lassen kann – der weltliche Besitz. Frei sein, im Einklang mit Gott und der Natur leben – das ist für Francesco das Lossagen von allem Besitz. Bedürfnislosigkeit.

Mit der Klarheit seiner Aussage und seinem festen Willen, jenseits der Kämpfe und Süchte der materialistischen Gesellschaft zu leben, überzeugt Francesco schließlich auch hohe geistliche Würdenträger (unter ihnen Papst Innocent III, im Film gespielt von Sir Alec Guinness), die selbst schon in einem Dickicht aus Reichtum und Ansprüchen erstarrt sind, und so die ursprüngliche Botschaft des Evangeliums gar nicht mehr wahrnehmen können.

Nimm dir Zeit

Der kongeniale Soundtrack von Donovan tut ein übriges, dass sich die Botschaft des Films erschließt. Zu traumhaften Landschaftsaufnahmen singt Donovan einfühlsame Verse, darunter: Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit.  (aus dem Lied: On this lovely Day)

Von Donovan ist auch der Song „Brother Sun, Sister Moon“, nach dem bekannten Dankgebet des heiligen Franz (Francesco), dem „Sonnengesang“.

Text des Sonnengesangs:

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

 

Wenn du frei sein willst, dann sei es

Der Film weiß zu berühren, durch die Einfachheit seiner Aussage. „Wenn du frei sein willst, dann sei es! Es liegt nur an dir.“

Frei zu sein bedeutet Verzicht – mithin gerade das Gegenteil dessen, was die moderne Gesellschaft als Freiheit definieren würde. Es ist der Gegenentwurf zu unserer modernen Vorstellung von Freiheit, die vielleicht eher mit Fernreisen zu tun hat, oder schnellen Autos.
Wertschätzung und Dankbarkeit, die Francesco den „selbstverständlichen“ Dingen gegenüber ausdrückt, wie der Sonne (dem Bruder Sonne), dem Mond (der Schwester Mond), dem Wind (Bruder Wind), sind es, die ihm ein ganz anderes und viel freieres Sehen ermöglichen.

Frei sein, das kann man – als Gottes Kreatur, als ein Teil Gottes, wie eine Zeile aus dem Songtext in Donovans „Bruder Sonne, Schwester Mond“ lautet.

„Bruder Sonne, Schwester Mond“ ist ein Film mit hohem Suchtfaktor, ein wunderschöner Film, und spirituell natürlich sehr empfehlenswert.

 

Zwei schöne Zitate aus dem Film (sinngemäß, nicht wortgetreu wiedergegeben)

Clara zu Francesco: „Als du in den Krieg zogst, nannte man dich normal. Aber jetzt, wo du dir nur noch die Schmetterlinge und Blumen anschaust, sagt man, du seiest verrückt. Ich finde, es ist genau umgekehrt.“

Der Papst zu Francesco (der wissen wollte, worin seine Verfehlungen im Glauben bestehen könnten): „Ihr denkt immer so viel an die ererbte Sünde. Doch denkt auch an die ererbte Unschuld!“

Siehe auch: Apokalypse – Offenbarung. Der ewige Kreislauf der unschuldigen Sünde

Siehe auch: Artikel Definition der Freiheit. Ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden?

Weiterlesen: Bild Gottes: Was ist mein Bild?

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit was last modified: April 20th, 2016 by Henrik Geyer

Der Mensch möchte zu den Sternen singen

Author: Henrik Geyer Bla Bla Bla Möff Möff Möff Der Mensch möchte zu den Sternen singen, doch seinem Mund entringt sich nur ein Blöken

Es gibt ein Sprichwort, das in sinngemäß etwa so lautet:

Der Mensch möchte zu den Sternen singen, doch seinem Mund entringt sich nur ein Blöken

Der Mensch möchte so vieles sagen, so vieles ausdrücken, doch die Möglichkeiten des Ausdrucks erscheinen stets unvollkommen. Warum können Worte so vieles nicht ausdrücken?

Sichtweisen des Materialismus und des Spirealismus

Auf diesem Blog wurde und wird häufig das Fehlen des Objektiven besprochen – es ist dies ein Kerngedanke des Spirealismus.

Das Objektive – das ist die Vorstellung, der Mensch würde sich durch sein Denken und sein Forschen, und in der Konsequenz seiner Sprache, einer äußerlichen Realität nähern. Dies nenne ich die materialistische Weltvorstellung. Diese Weltvorstellung geht davon aus, dass die äußerliche Realität das Eigentliche sei, um das  es dem Menschen ginge, wenn er die Sprache zu höchsten Gipfeln führt, und beispielsweise versucht, das Unaussprechliche zu sprechen, das Nicht-Denkbare zu denken. Die Sprache, so meint der Materialismus also, sei dazu gemacht, eine äußerliche Realität widerzuspiegeln, ebenso wie das Denken dazu gemacht sei.

 

Der Spirealismus hat wie gesagt eine im Grundsatz andere Sichtweise als der Materialismus – ihm ist das oben genannte Sprichwort aus den Zusammenhängen seiner Weltsicht verständlich.

Im Spirealismus gibt es keine Objektivität – daher ist der Wunsch des Menschen, etwas in einem endgültigen Sinn zu begreifen, zum Scheitern verurteilt. Kein Wort und kein Gedanke  kann einen Aspekt der Welt in Endgültigkeit erfassen – ganz im Kantschen Sinne: das Ding „an sich ist nicht beschreibbar. Der Wunsch selbst ist auf das materialistische Weltbild zurückzuführen, und offenbart dessen Widersprüchlichkeit.

Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

Zweitens ist auch der Wunsch der Menschen, sich untereinander in Vollständigkeit mitzuteilen, nicht erfüllbar. Die Vorstellung des Spirealismus von individuellem Denken ist eben gerade nicht, vollständige Gleichheit sei auch nur in einem einzigen Gedanken möglich. Aus diesem Grund spricht der Spirealismus von Ich-Universen, also einer jeweils individuell wechselnden Vorstellung davon, was das Universum, also die Welt, ist. Und .. jenseits unserer Vorstellungen gibt es die Realität nicht noch einmal „extra“ – sozusagen in objektiver Form.

Der Mensch möchte zu den Sternen singen, doch seinem Mund entringt sich nur ein Blöken

So gesehen drückt der genannte Spruch  eine jederzeit wahrnehmbare Realität aus: es ist der Wunsch der völligen Einheit, des völligen Übereinstimmens, der jedoch nie vollständig erfüllbar ist.

Umgekehrt kann man in der Differenz die Triebkraft der Welten sehen – sozusagen als Urgrund der Dialektik. Das Eine kann nicht das Andere sein – sonst wäre es Eins. Und das Eine, das alles hervorbringt, das in sich selbst nicht differenziert ist, sondern aus dem heraus die Differenzierungen erst kommen – es ist uns nicht einsehbar. Sondern dies wäre die Vorstellung von etwas Höherem, von Gott, oder dem Nirvana.
Ähnliches Thema: Beitrag Worte. Die Unvollkommenheit der Worte und Begriffe

Lesen Sie auch: Artikel Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Weiterlesen: Die semantische Natur der Dinge

 

Der Mensch möchte zu den Sternen singen was last modified: April 23rd, 2016 by Henrik Geyer