Definition der Freiheit. Ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden?

Definition der Freiheit: Eure Freiheit, vergesst es nicht, taugt gerade so viel, als ihr taugt.

Das Problem

Jüngste Terrorakte (in Paris) werden als Angriff auf die Freiheit verstanden. Wenn wir unser Leben ändern müssen, wenn wir uns nicht mehr so frei bewegen können, dann ist unsere Freiheit eingeschränkt. Jedenfalls die Definition der Freiheit, so wie wir sie verstehen – als eine Offenheit und Freizügigkeit der Gesellschaft.

Das Problem ist, dass gerade unsere Auffassung von Freiheit, dass man bis zu einem gewissen Grad alles tun und sagen darf, die Freiheit zu bedrohen scheint. Denn es gibt Menschen, die das ausnutzen, unsere Grenzen übertreten, und dennoch nicht belangt werden können. Denn einer unserer ganz wichtigen Leitsätze ist:

Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden. Rosa Luxemburg

 Freiheit der Definition. Definition der Freiheit.

Es lohnt sich, ein wenig über die Freiheit nachzudenken – wie man sie definiert, was sie ist, wie sie in die Welt kommt.

Ich schrieb einmal einen Beitrag darüber, dass die Gedanken nicht so frei sein dürfen, dass sich Gedanken des Hasses überall ausdrücken und äußern lassen. Denn jede böse Tat, jeder Akt des Unfriedens, äußert sich zuerst als Gedanke. Wir sind wehrlos, wenn wir jeden Gedanken zulassen. Ein Herr schrieb mir daraufhin: „Die Freiheit ist niemals wehrlos dem Hass gegenüber. In ihr (der Freiheit) liegt die eigentliche Stärke, immer und überall allem zu widerstehen.“

Ich fragte: „Sich wehren können bedeutet Einhalt gebieten. Darf man Menschen in ihren Gedanken Einhalt gebieten? Ist die Freiheit wehrlos, wenn man diese Frage nicht beantworten kann? Denn, Hass ist nichts weiter als Gedanken in Menschen.“

Die Freiheit ist ein Gedanke in uns.

Die Freiheit ist ein Gedanke – ebenso wie der Hass.
Wenn wir die Freiheit nicht klar denken, hat sie auch keine Kraft. Der Gedanke der Freiheit kann keine Kraft haben, wenn wir unsere Gedanken verwirren, mit Aussagen wie: Die Freiheit habe immer Kraft, oder sei immer frei. Daher stimmt für mich auch nicht der Satz, die Freiheit sei immer die Freiheit der Andersdenkenden. Immer? Auch die Freiheit der Andersdenkenden muss enden.  Oder sind Hassprediger vielleicht keine Andersdenkende, deren Freiheit enden muss? Hätte Hitler heute alle Freiheit, weil er ein Andersdenkender ist?
An dem berühmten Zitat Rosa Luxemburgs stimmt natürlich auch so manches. sie war zweifellos eine kluge Frau – und ihr lag die Freiheit im besten Sinn wirklich am Herzen. Gerade an dem Luxemburg-Zitat sieht man, dass die Aussage eines Satzes zu verschiedenen Zeiten ganz verschieden aufgefasst werden kann, selbst wenn die Worte gleich bleiben. Aber all das zu erörtern muss einem anderen Beitrag vorbehalten bleiben. Wenn wir von unserer Freiheit reden, die wir schützen wollen – wogegen wollen wir sie schützen, wenn nicht gegen die Angriffe von … anderen? Von Andersdenkenden?

Definition der Freiheit – schwierig und nie pauschal

Pauschale Aussagen sind beliebt, sie sind so einfach, und scheinen dadurch Macht zu haben. Doch sie nehmen auch Kraft und verwirren. Nur wenn wir klug definieren, genau überlegen, erhalten wir Gedanken von einigem Wert.

Eure Freiheit, vergesst es nicht, taugt gerade so viel, als ihr taugt. (A. Vinet)

Leider ist es so – wir werden nie aufhören uns darum zu streiten, welche Definition von Freiheit denn „klug“ ist. Dennoch ist es eine Überlegung von einigem Wert, wenn man begreift, dass Freiheit nichts anderes ist, als unser Verständnis von ihr, und dass es auf den Streit um dieses Verständnis eben ankommt.

Nichts ist „immer“ und auch die Freiheit hat nicht als bloßes Wort Kraft. Sie hat Kraft, wenn wir sie richtig denken – nur durch uns kommt sie in die Welt. Das bedeutet, welche Freiheit wir haben, hängt von unserer Definition der Freiheit ab, wie klug und wie scharf wir sie denken können.

Freiheit hängt somit auch von Abgrenzung ab, denn Freiheit bedeutet gerade nicht, jeden brutalen und hässlichen Gedanken frei sein zu lassen. Die Freiheit verschwindet, wenn man sie nicht gegen Andersdenkende verteidigt.

 

Definition der Freiheit. Ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden? was last modified: November 30th, 2015 by Henrik Geyer

Alles ist relativ. Kann einem dann alles egal sein? Einstein und die Relativität

Alles ist relativ. Wenn alles relativ ist, ist dann alles egal?

Alles ist relativ

Alles ist relativ – Albert Einstein sah Raum, Zeit, Geschwindigkeit, als zueinander relativ an. Er sagte, dass diese Größen von der Position des Beobachters abhängen. Für ihn war die Konstante die Lichtgeschwindigkeit.

Was wäre, wenn auch die Lichtgeschwindigkeit relativ wäre?

Gefragt, was passieren würde, wenn sich auch die Lichtgeschwindigkeit als relativ erweisen würde, antwortete er, dann müsse man sich eine andere Konstante suchen. Jedwede Berechnung oder sonstige feste Aussage  funktioniert eben nur mit einem festen Bezugssystem.

Spirealismus und die fehlende Objektivität

Der Spirealismus setzt voraus, dass es keine Objektivität gibt. Mithin ist, was wir beobachten, relativ. Will ich behaupten, Einstein sei Spirealist gewesen? Nein. Einstein war Vertreter der materialistischen Naturwissenschaften, die davon ausgeht, eine außerhalb des Menschen gelegene Wirklichkeit zu beobachten. Während der Spirealismus davon ausgeht, dass sich die menschliche Wirklichkeit durch den Menschen selbst erst realisiert.

Sichtweisen

Aber vielleicht hätte Einstein gesagt, dass man die Lichtgeschwindigkeit als relativ betrachten könnte, wenn man ein anderes Bezugssystem als fest begreifen würde. Vielleicht den Raum.

Jedenfalls war Einstein der Meinung, dass die Überzeugungen der Wissenschaft nicht mit einer absoluten Notwendigkeit in die Welt kommen. Beispielsweise gäbe es keine Notwendigkeit für die Gausssche Mathematik. Einstein bezeichnete es auch nicht als absolute Notwendigkeit, dass die kürzeste Strecke zwischen zwei Punkten eine Gerade sein müsse.

Insofern betrachtete er das Denken selbst als die eigentliche Quelle des Erkennens. Und das ist wiederum die spirealistische Sicht der Dinge.

Der Spirealismus sieht die Notwendigkeit für Konstanten dem Denken entspringen, nicht den Festlegungen einer nicht anders denkbaren Realität, bzw. auch nicht der Objektivität einer materiellen Außenwelt.

Ist, was wir sehen, davon abhängig, wie wir sehen?

Im Gegensatz zur materialistischen Betrachtung der gegenwärtigen Wissenschaft sieht der Spirealismus die Relativität in jedem Objekt des Denkens – durchaus auch des alltäglichen Denkens, während es die Sichtweise der Quantenphysik ist, dass diese nur bei den allerkleinsten Teilchen zu beobachten ist.

Die Ontologie des Materialismus beruhte auf der Illusion, daß man die Art der Existenz, das unmittelbar Faktische der uns umgebenden Welt, auf die Verhältnisse im atomaren Bereich extrapolieren könne.
Werner Heisenberg

Der Spirealismus ist eine Philosophie, und untersucht nicht Teilchen. Er sieht aber auch keine Notwendigkeit, Teilchen zu untersuchen, wenn es um die Grundfunktionalität des Denkens geht. Und die Art und Weise unseres Denkens sieht er als bestimmend dafür an, was wir sehen – z.B. auch Teilchen. Während die materialistische Vorstellung nahelegt, die Welt, wie wir sie sehen, sei nicht anders denkbar.

Wenn alles relativ ist, ist dann alles egal?

Bedeutet „alles ist relativ“ Beliebigkeit, Auflösung des Universums? Bedeutet das, dass dem Spirealisten alles egal ist?

Nein. Denn die Notwendigkeit Feststellungen zu treffen liegt in der Natur der Existenz, auch der Existenz des Menschen.  Im Spirealismus geht die Festlegung aus dem Menschen hervor, nicht aus der ihn umgebenden Welt (von der er in Wirklichkeit gar nicht zu trennen ist). Damit ist aber nicht gesagt, dass die Festlegungen eine Absolutheit hätten. Beispielsweise kommen wir nicht umhin, die Realität als dies oder jenes zu bezeichnen. Dennoch ist die Realität unter spirealistischen Gesichtspunkten keineswegs fest, sondern unterliegt der Sichtweise des Augenblicks. Dies zu wissen bedeutet nicht, dass alles egal ist, oder dass sich alles auflöst, sondern einfach, dass man sich der Relativität der Festlegungen bewusst ist, und diese in die Überlegungen einbeziehen kann. So wie es im Grunde Einstein tat.

 

 

 

Alles ist relativ. Kann einem dann alles egal sein? Einstein und die Relativität was last modified: November 29th, 2015 by Henrik Geyer

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Die Bedeutung dieses wunderbaren Zitates

http://Spireo.de: Man sieht nur mit dem Herzen gut

Woher kommt das Zitat „Man sieht nur mit dem Herzen gut?“

„Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Dieses Zitat entstammt dem Büchlein „Der kleine Prinz“, von Antoine de Saint-Exupery, einem Kinderbuch, das philosophische Sichtweisen mit Einfachheit und Schlichtheit verbindet. Übrigens sind auch die Illustrationen des Büchleins, die der Autor selbst gemacht hat, gleichzeitig schlicht und schön. Es ist ein wunderbares Büchlein für Kinder, denn es ist verständlich, aber alles andere als dumm. Man kann also viel daraus lernen.

Zitat: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exupery)

Wie kann das Herz sehen?

Die intuitive Wahrheit, die in dieser bekannten Textzeile steckt, ist, dass es ein Wissen gibt, dass nicht im Außen zu sehen ist, nicht im Außen nachweisbar ist. Es ist nicht messbar, die Menschen können sich also schlecht „darüber“ unterhalten; wie es sei, wo es sei. Und dennoch ist es da.

Es ist die Wahrheit des Innen. Es gibt diese Wahrheit, auch wenn unsere so kluge materialistische Zeit meint, Wahrheit müsse in einem Außen nachweisbar sein, sonst sei es keine Wahrheit. Sondern „nur“ ein Gefühl, ein Ahnen, eine metaphysische Anwandlung – und welche Worte es dafür noch geben mag.

Aber, die Menschen wissen dennoch, trotz all dieser „Vernunft“, dass die Wahrheit zuerst in ihrem Innen ist. Die schlichte Aussage des Zitates ist, diese Wahrheit zu achten. Dadurch ist das Zitat so populär. Der Rat ist: Schalte nicht ständig den Kopf ein! Höre auf dein Innen! Die für dich wichtigen Wahrheiten findest du hier – in deinem Herzen.

Man muss die Augen schließen!

Wenn das Herz denken kann, und das Herz sehen kann (und man darf diesen Satz ruhig wörtlich nehmen)… täuschen uns dann unsere Augen? Sehen sie nicht gut? Der Dichter sagt „ja“. Sie sehen tatsächlich nicht gut. Sie sehen nur, worauf sich alle Menschen  „einigen“ können – das Außen. Die Wahrheiten des Innen, die uns meist viel wichtiger sind, sind eben nur dem Herzen sichtbar. Auf sie kommt es an. Wir müssen die Augen schließen, sonst können wir die Wahrheiten des Herzens nicht wahrnehmen. Sondern, wir würden wie gebannt auf die Phänomene des Außen starren.

Es gibt ein weiteres, schönes Zitat aus dem Roman „Der Golem“, welches die spirituelle Erfahrung der inneren Wahrheit beschreibt:

Jahrelang hatte ich den irrigen Grundsatz der Maler, man müsse die äußere Natur studieren, um künstlerisch schaffen zu können, stumpfsinnig nachgebetet und befolgt; erst, seit Hillel mich in jener Nacht erweckt, war mir das innere Schauen aufgegangen: das wahre Sehenkönnen hinter geschlossenen Lidern, das sofort erlischt, wenn man die Augen aufschlägt, – die Gabe, die sie alle zu haben glauben und die doch unter Millionen keiner wirklich besitzt.
Gustav Meyrink

Siehe auch: Artikel Verantwortung für das, was du dir vertraut gemacht hast

Ähnliches Thema: Schätzen, was man hat. Wertschätzen und dankbar sein, wer – man ist und wie man ist

Lesen Sie auch: Danke sagen – sag „danke“ zur Welt und erhalte ein „gern geschehen“

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Die Bedeutung dieses wunderbaren Zitates was last modified: Mai 17th, 2016 by Henrik Geyer

Lieber Gott bitte hilf mir! Gottes Hilfe in Zeiten der Not

Lieber Gott bitte hilf mir! Gottes Hilfe in Zeiten der Not

Lieber Gott bitte hilf mir!

Wenn man in Zeiten der Not ruft: „Lieber Gott bitte hilf mir“ dann fragt man sich manchmal: Gibt es Gott überhaupt?

Ja. Es gibt Gott. Es gibt den Schöpfer. Es gibt das Höhere.

Dieses Höhere wirkt in uns und durch uns hindurch. Wenn man so will, sind wir selbst Ausdruck des Schöpfers.

Wir finden das göttliche Prinzip in uns. Es ist, wie Jesus in der Bergpredigt formulierte. Jemand hatte ihn gefragt, wo man es denn besichtigen könne, dieses Reich seines Vaters. Man wolle es sich einmal anschauen. Jesus antwortete „Das Reich Gottes ist inwendig.“

Um den Glauben geht es

Der andere fragte, wann das Reich Gottes denn zu erwarten sei. Jesus fuhr fort: „Wenn du weißt, dass es da ist, dann wird es gekommen sein.“

Dieser Satz erklärt  sich dem Materialisten nicht, der gewohnt ist, alle Wahrheit nur im Außen zu sehen. Der Materialist benötigt den äußerlichen Nachweis, etwas sei „da“.

Wovon Jesus spricht, das ist Glaube. Glaube ist Wissen um die innere Wahrheit. Wissen, dass es Gott gibt. Einfach Wissen.

Dieses Wissen ist nicht leicht zu erlangen, daher muss man darum bitten (beten). Man bittet „Lieber Gott bitte hilf mir.“ Damit erkennt man seine Existenz an. Man lässt seine Gedanken darauf ruhen, lange und immer wieder. Und es verfestigt sich, wird zur Wahrheit…

Wird er mir helfen?

Ja. Allein seine Anwesenheit ist bereits eine Hilfe. Wenn man weiß, dass er da ist; wenn man glaubt. Gerade in der Not ist man ihm näher, als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt. Denn alles Wissen fällt von einem ab – und man ist frei für ein anderes Wissen.

Zitat: Merket wohl, alle nachdenklichen Gemüter: Das schnellste Roß, das euch zur Vollkommenheit trägt, ist Leiden. Nichts ist so gallebitter wie Leiden: und nichts so honigsüß wie Gelittenhaben.
Meister Eckhart

Was wird geschehen?

Alles kann geschehen. Seine Macht ist jenseits unserer Vorstellung. Und auch seine Wege sind jenseits unserer Vorstellung.

Unsere Logik ist nicht seine Logik.

Noch ein Zitat: Sobald Gott dich bereit findet, muss er in dein Wesen einströmen, geradeso wie der Sonnenschein sich auf die Erde ergießen muss, wenn die Luft klar und rein ist. Sehnendes Verlangen schafft Liebe, und Liebe überwindet alle Hindernisse.
Meister Eckhart

Den Blick auf das Innen richten

Das Wichtige ist, den Blick auf das Innen zu richten. Hier ist die Wahrheit, die wir suchen. Wir können die Wahrheit des Schöpfers nicht im Außen finden, wir können die Wissenschaft nicht danach fragen, wir können uns diese Wahrheit nicht „vorführen“ lassen. Denn sie ist inwendig, und es geht um Glauben.

Lieber Gott bitte hilf mir! Gottes Hilfe in Zeiten der Not was last modified: März 6th, 2016 by Henrik Geyer

Is mir egal! Der Philosoph und die „Alles ist Wurscht“-Mentalität

Der Philosoph und das "Is mir egal"-Prinzip

Ich kenne einige studierte Philosophen, die kurioserweise selbst die Philosophie als eine recht nutzlose Wissenschaft ansehen. Teilweise sind sie sehr gute Kenner tiefschürfender philosophischer Sachverhalte, so dass sie Auskunft geben können über Buddha, Tao, sogar Sanskrit, also die alte indische Sprache, in der die wichtigsten philosophischen Schriften verfasst sind.

Von dem ganzen „Rumphilosophieren“ halten sie nicht viel.

Wie es unter Philosophen so schön heißt: Eine nackte Frau ist stärker als die ganze Philosophie – was wohl in etwa so viel heißt, dass die Triebhaftigkeit noch immer über die Gedanken höherer Art gesiegt hat.

Einer präsentierte den Spruch Eine nackte Frau ist stärker als die ganze Philosophie mit der Erweiterung Eine nackte Frau ist stärker als die ganze Philosophie Kants, und meinte, das „Ding“ sei die nackte Frau, was jede weitere Frage nach einem „an sich“ überflüssig mache.

Ich wurde einmal gefragt, warum ich z.B. den Leuten „auf den Zeiger“ ginge, mit philosophischen Gespinsten. Reicht es nicht, wenn man etwas über Buddha oder Plato liest – muss man dann auch noch andere Menschen damit belästigen, die haben doch ganz andere Sorgen! Ich sagte, dass man diese Frage auch Plato hätte stellen können. Warum geht er mit Fragen nach „dem Nichts“ und ähnlichem Schwachsinn den Leuten eigentlich „auf den Zeiger“? Es ist wohl einfach, dass man an irgendetwas Interesse hat. Es ist die Liebe dazu. Mehr kann man dazu gar nicht sagen.

Komisch, dass Philosophen oft gar nicht so viel Liebe zur Philosophie haben.

Es liegt wohl daran, dass Philosophie als weithin nutzlos in der materialistischen Gesellschaft wahrgenommen wird – und die Philosophen sehen das letztlich ebenso, auch wenn ihnen die Philosophie ansonsten durchaus interessant ist.

Is mir egal! Der Philosoph und die „Alles ist Wurscht“ – Mentalität

Aber, viel mehr wundert mich eigentlich umgekehrt die Mentalität der Philosophen, zumindest derer, die ich kenne. (Das sind nur ein paar; da gibt es sicher andere Beispiele). Dass die von „der ganzen Philosophiererei“ nicht viel halten – das ist doch interessant! Ist, wenn man ganz viele Sichtweisen studiert hat, die höchste Weisheit vielleicht: „Alles is Wurscht?“. „Is mir egal“? Es scheint fast so. Erstaunlich.

Der dickste Bauer mit den dicksten Kartoffeln

Einmal zitierte ein Gesprächspartner einen denkwürdigen Ausspruch: „Der dickste Bauer hat die dicksten Kartoffeln“ – so, oder so ähnlich doof … Irgendeine dieser Binsenweisheiten, auf die immer alles hinauszulaufen scheint. DAS sei doch das Wichtige, sagte er. Wir mussten lachen.

Auf 2 % kommt es an

Hier noch ein dazu passender Witz:

Ein älterer Herr geht über die Straße. Plötzlich quietschen Reifen, und ein großer, teurer Wagen hält knapp vor dem Herrn. Ein Mann in mittleren Jahren steigt aus und sagt „Mensch, Professor Rüttli, watt machen Sie denn hier? Sind Sie nich mehr am Gymnasium?“

Der ältere Herr sagt: „Nein, ich bin im Ruhestand. Und Sie, Schmitz, Sie waren doch bei mir Schüler! Was machen Sie denn hier, mit diesem großen teuren Wagen?“

„Jeschäfte, Herr Professor.“

„Wie machen Sie denn das? Sie waren doch immer so schlecht in Mathematik, können Sie denn da in Ihren Geschäften richtig rechnen? Was für Geschäfte sind das denn?“

„Ick koofe alte Holzkisten am Hafen für n‘ Taler, und verkoofe sie für 3 Taler oben in der Stadt. Und ditt, wat dazwischen is, diese 2 %, ditt isset, wovon ick lebe! Et is schwierich, bei ne Jewinnspanne von nur 2 % zu leben. Aba et jeht irjendwie.“

Vielleicht kommt es wirklich einfach auf die 2 % Gewinnspanne an. Darauf, dass es irgendwie läuft, verstehen muss man es nicht. Dann ist vielleicht wirklich die allerhöchste Weisheit „Alles ist Wurscht“.

 

Is mir egal! Der Philosoph und die „Alles ist Wurscht“-Mentalität was last modified: Juni 7th, 2016 by Henrik Geyer

Der Schriftsteller und sein wichtigstes Werkzeug, das Denken – Sport und Gehirn

Der Schriftsteller und das Denken - Sport und Gehirn

Noch vor vielleicht zwanzig oder dreißig Jahren war es üblich, dass im Fernsehen geraucht wurde. In hochkarätigen Diskussionsrunden war die Luft so verqualmt, dass man die Diskutanten gar nicht mehr sehen konnte. Schriftsteller traten oft als Pfeife rauchende Denker auf – man erinnere sich nur an Günther Grass. Es wurde auch gebechert, was das Zeug hielt. Man denke an Hemingway oder Beckett.

Das ist ein geradezu bewunderungswürdiges Verhalten, denn gerade die Geistesarbeit erfordert eigentlich wache Sinne. Insofern erstaunlich, welche hervorragenden Werke manche Schriftsteller unter dem Einfluss von Tabak und Alkohol hervorbrachten, beispielsweise Edgar Allen Poe, als er „Der Rabe“ schrieb – man sagt, er sei betrunken gewesen.

Das Denken als Werkzeug

Dem Schriftsteller ist sein Denken das wichtigste Werkzeug, und insofern sollte er sich darum bemühen, dieses Werkzeug zu entwickeln und zu schärfen. Wie viel leichter fällt es, etwas zu schreiben, wenn man frisch, ausgeruht und klar bei Sinnen ist!

Sport, besonders Ausdauersport fördert den Geist

Es ist sicherlich keine besondere Weisheit, dass Sport die Gesundheit fördert. Vielleicht nicht ganz so offensichtlich ist, wie sehr das Denken von Sport profitiert. Auch das Gehirn ist ein Organ, das besser lebt, wenn es durchblutet ist und nicht zu träge wird. Das Gehirn ist kein Muskel, so dass man es nicht direkt sportlich beanspruchen kann. Aber es profitiert im gleichen Maße von körperlicher Bewegung, wie alle anderen Organe.

Das spürt, wer erfrischt von der kühlen Luft von einem Ausdauerlauf wiederkehrt. Erhitzt von der Anstrengung, aber ausgeruht und geistig erneuert.

Der Schriftsteller und das Denken – Sport und Gehirn

Insofern ist es dem Schriftsteller zu raten, des Öfteren das Augenmerk auf die Gesundheit und Fitness von Körper und Geist zu richten. Ausdauersport, mehr noch als Krafttraining, ist ein ausgezeichnetes Mittel, die Kreativität zu fördern.

Das geniehafte  Die-Sinne-Vernebeln, das früher üblich war, sollte man besser den Genies überlassen.

 

Der Schriftsteller und sein wichtigstes Werkzeug, das Denken – Sport und Gehirn was last modified: November 22nd, 2015 by Henrik Geyer

Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Phantasie & Einstein - Einstein/Münchhausen - Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?

Phantasie, landläufig verstanden, ist …

… das „Nicht-Wirkliche“. Das, was nur im Kopf existiert. Mit „Phantasie“ ist gleichzeitig die Fähigkeit gemeint, etwas nicht Existierendes im Kopf entstehen zu lassen, oder sich etwas Existierendes, das man aber nicht vor Augen  hat, vorzustellen. Phantasie kommt lt. Wikipedia von altgriechisch φαντασία phantasía – „Erscheinung“, „Vorstellung“, „Traumgesicht“, „Gespenst“

Wozu ist Phantasie gut?

Ist Phantasie nur wichtig für die Autoren von Penny-Romanen, für Spiele-Entwickler und sonstige Arbeiter der Unterhaltungsindustrie, während die ernsthafte Forschung sich nicht um Phantasie schert, weil es für sie ausschließlich um das Arbeiten mit Fakten, mit richtigen Prognosen, Statistik etc., geht?

Nein. Ein vielsagendes Beispiel mögen die Überlegungen Albert Einsteins zu dessen Relativitätstheorie sein. Seine Relativitätstheorie kam nach Einsteins Worten durch recht ungewöhnliche und phantasievolle Überlegungen zu Stande – etwa der Art: Einstein stellte sich vor, selbst auf einem Lichtteilchen, einem Photon, zu reiten. Und er fragte sich, wie ihm die ihn umgebende Welt dann vorkommen müsse. Beispielsweise stellte er sich vor, auf diesem Photon reitend, eine Taschenlampe, die er in Flugrichtung hielte, einzuschalten. Wie würde er die Photonen, die der Taschenlampe entströmen, sehen? Würden sie wie fest gefroren im Raum hängen?

Einstein sagte „nein“. Sie würden sich wiederum mit Lichtgeschwindigkeit entfernen. Dies würde er sehen. Würde sich also die Lichtgeschwindigkeit, mit der Einstein sich bereits bewegte, zu der Lichtgeschwindigkeit der Photonen aus der Taschenlampe addieren? Doppelte Lichtgeschwindigkeit der Taschenlampen-Photonen also?

Wieder nein. Die Lichtgeschwindigkeit sah Einstein als konstant an. Was sich beugen müsse, sei die Zeit. Dies ist der Grundgedanke der Relativitätstheorie.

Man sieht also, wie sehr wir auf die Phantasie angewiesen sind, und zwar in Wissenschaft und Forschung ebenso, wie in jedem Bereich unseres Lebens.

Was ist Phantasie im Gegensatz zu Wirklichkeit?

Es geht auf diesem Blog natürlich auch um die ewig junge Frage, was das Reale im Gegensatz zu Phantasie und Ausgedachtem ist.

Nach spirealistischer Auffassung ist eine Phantasie ein Stück unserer Wirklichkeit, und zwar im Moment des Entstehens. Die Gedanken selbst sind die Quelle der Existenz und haben Realität. Mithin hat, was immer sich die Phantasie erdenkt, für uns auch eine Realität. Im materialistischen Sinn würde man sagen: Eine beginnende Realität. Jedenfalls: in dem Maß, wie wir Möglichkeiten erdenken, erdenken wir ein Stück weit unsere Welt.

Und – was immer wir im Jetzt als Möglichkeit oder als Prognose oder als Szenario im Kopf entwickeln, werden wir später, in der dann so genannten  eingetretenen Realität, wiedererkennen. Was sonst könnten wir wieder-erkennen, wenn nicht etwas, das bereits gedacht wurde?

Umgekehrt: ohne unsere Phantasien im Jetzt gäbe es im Jetzt der Zukunft nicht den Eindruck, man hätte das (zukünftige) Jetzt geplant und vorgedacht. Ob eine Phantasie im Jetzt eine Realität der Zukunft wird, lässt sich nicht im Jetzt sagen.

Utopien sind oft nur vorzeitige Wahrheiten. (Alphonse de Lamartine)

Statistik als eine Form von Phantasie – Wir formen die Zukunft mit Phantasie

Phantasie formt unsere Zukunft. Statistik bezeichnet die Häufigkeit des Eintretens von Ereignissen (in der Zukunft), die wir benennen. Als eine beginnende Form der Wahrheit definiert sie den Wahr-Schein. Die Wahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit (in Form der statistischer Berechnungen beispielsweise) ist uns selbst eine Wahrheit und scheint mit Zufall, als dem Nicht-Vorhersagbaren, schon gar nichts mehr zu tun zu haben.

Wer nun glaubt, Statistik sei eine exakte Wissenschaft, ganz ohne Phantasie, dem sei folgendes Beispiel ans Herz gelegt. Wer kennt nicht den verblüffenden Effekt, dass wir Ereignisse benennen, und bereits durch das Benennen erhält etwas ganz Unglaubhaftes Existenz und Wahrscheinlichkeit?

siehe Artikel Gott würfelt nicht

Man denke an den Effekt, wenn man ein Sterberisiko in einen statistischen Zusammenhang mit dem Essen von Quarktaschen bringt. Ist es nicht wahrscheinlich, irgendeine Art von Korrelation zu finden? Nur durch Benennen? Und nun frage man sich: Was ist „wirklich“? – und was ist „nur  ausgedacht“? Formen wir unsere Zukunft.. in Gedanken? Wer kann hier „nein“ sagen?

Die menschlichen Begriffe, die menschlichen Wahrheiten, formen dessen Existenz – es gibt sie außerhalb des Menschen nicht. Die menschliche Vorstellung von Existenz – als außerhalb und unabhängig von ihm – ist hingegen nirgendwo nachweisbar. Das ist eine der Grundaussagen des von mir vertretenen Spirealismus. Und so ist auch das gängige Prognoseverfahren der Statistik abhängig von unserem spezifischen Denken, unserem Erfindungsreichtum, unserer Phantasie.

Zitat: Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein

 

 

 

 

 

Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei? was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

Was ist das Nichts?

Was ist das Nichts? Dies ist nicht das Nichts.

Wo ist das Problem?

Ist „das Nichts“ ETWAS? Ist es das, was ich in diesem Artikel als „das Nichts“ bezeichne?

Nein, das kann es nicht sein. Denn, wenn ich es bezeichne, dann tue ich doch so, als ließe sich das Nichts benennen, eingrenzen.

Doch das lässt es sich nicht. Was muss das Nichts in Wirklichkeit sein? Etwas Unendliches, nicht Benennbares, nicht Denkbares. Es steht im Gegensatz zu all dem, von dem ich sage, dass es IST. Es ist alles das, was das Sein nicht ist.

Wie sollte es also eingrenzbar sein?

Das Andere, das Nichts … ist nicht eingrenzbar und nicht benennbar.

Platos Nicht-Sein

Man kennt eine ähnliche Diskussion aus den Schriften des Philosophen Plato.

Vor  2500 Jahren sagte Plato, dass das Nicht-Seiende weder gültig auszusprechen noch zu sagen noch zu denken sei. Es sei unausdenkbar, unaussprechlich, nicht in Worte zu fassen, begriffslos. Es sei ein Unbegriff, ein Alogon.

Was den Widerspruch noch verstärkt, sei, wenn man dem Nichtseienden eine Zahl hinzufügt, wenn man beispielsweise sagt, es sei „ES“. Also, wenn man von ihm, dem Nichts, in der Einzahl spricht.

Analogien in unseren Worten

Es gibt viele Worte, die in diesem Sinn widersprüchlich sind, wenn sie sich direkt oder indirekt auf „das Nichts“ beziehen. Beispielsweise wie gesagt das Wort „das Andere“, oder „das Unaussprechliche“, „das Undenkbare“, und so weiter.

In  „Alles ist Geist“ komme ich auf diese Paradoxie über das Wort „das Unbewusste“. Auch wenn man von „dem Unbewussten“ spricht, wird etwas bezeichnet, von dem man sagt, es sei nicht bewusst, also nicht im aussprechbaren Denken. Wie kann man es dann aussprechen? Psychologen verstehen die Fragestellung nicht. Meist wird sofort begonnen zu erklären, das Unbewusste sei dies, und dann das… man bemerkt es erst wenn …  etc. Man spricht. Während des Sprechens formt sich das Unbewusste. Aus dem Nicht Bewussten wird das Bewusste; aus dem Nichts, das Nicht-Etwas ist, wird Etwas. Aus dem Nichtsein wird Sein.

der Spirealismus und das Nichts

Das Nichts lässt sich nicht eingrenzen. Plato hatte Recht. Warum spielt Platos Weisheit in der Gegenwart keine Rolle? Warum meinen die Menschen immer, das Nichts sei etwas, dem sie auf der Spur sind, sobald sie anfangen zu sprechen? Der Grund ist, dass unsere materialistische Weltanschauung nahelegt, dass der Mensch in Widerspiegelung von etwas anderem, dieses Andere vollständig erkennen könne. Es erschließt sich uns nicht, dass etwas scheinbar so Schlichtes, etwas so Winziges wie das Nichts, unbegreifbar sein soll. Wir begreifen doch alles! Das Alles ist riesig und das Nichts ist winzig klein. Warum sollten wir also, wenn wir alles begreifen können, gerade das Nichts nicht begreifen?

Der Spirealismus ist eine dem Materialismus entgegengesetzte Denkrichtung. In ihm ist es eine Denkgrundlage, dass der Mensch nicht das alles erkennende Genie ist, das in seinem Denken einen äußerlichen Prozess widerspiegelt. Sondern er ist ein Element eines umfassenden Denkens. Daher kommt, was durch ihn gedacht wird, erst in eine Existenz. Jenseits der Existenz zu denken, liegt daher nicht in seiner Macht, denn er und sein Denken – das ist die Existenz. Insofern erklärt sich das Paradox des Plato. Das Nichts ist für uns nicht zu denken, da wir immer an ETWAS denken.

Den Zusammenhang von Denken und Realisierung, von Denken und Existenz, drückte Paul Watzlawick einmal so aus: „Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung..“

Das alte hermetische Prinzip „Alles ist Geist“ formt der Spirealismus zu: Die Existenz ist die Existenz der Gedanken. Sobald wir vom Nichts sprechen, hat „das Nichts“ eine Existenz in den Gedanken. Und die Gedanken können nichts anderes erfassen, als ETWAS. ETWAS zu denken ist die Existenz. Die Gedanken können nicht NICHT-ETWAS erfassen. Man kann nicht nicht denken. Nichts zu denken ist individuelle Nicht-Existenz, man könnte auch sagen: Nirvana, Tod.

Daher können wir  in Worten nicht sinnvoll „das Nichts“ ausdrücken. Für den Spirealismus ist das Nichts nicht winzig, sondern, im Gegenteil, die Unendlichkeit, eben weil sie nicht eingrenzbar ist. Das Nichts ist die Unendlichkeit, aus der das Sein erwächst.

 

Nebenbei gesagt, ist dies für den Materialismus eine unbefriedigende Auskunft, denn aus seiner Systematik heraus glaubt der Materialismus, der Mensch könne alles denken und prinzipiell alles erkennen. Und was seiner Grundannahme zuwiderläuft, sieht aus der Systematik des Materialismus wie unlogisch aus.

Der Spirealismus bringt insofern ein anderes Menschenbild ins Spiel, von dem aber an anderer Stelle noch die Rede sein wird.

 

Lesen Sie auch: kann das Nichts zugleich alles sein?

Und: das sind doch nur Worte! Woran sich zeigt, dass Worte die Realität sind

Was ist das Nichts? was last modified: Januar 11th, 2016 by Henrik Geyer

Angst vor der Angst – ist man mutlos, ein Verlierer und Defätist, wenn man Angst hat?

Angst vor der Angst: Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

In diesem Artikel geht es um Angst, und zwar um persönliche Angst ebenso, wie Angst in der Gesellschaft. Auch um Angst, die schließlich zu „Angst vor der Angst“ wird. Gerade in jüngster Zeit wird aus gegebenem Anlass (die Anschläge in Paris) von Politikern oft gesagt, man solle, man dürfe keine Angst haben. Markige Sprüche von „Jetzt erst recht..“, „Angst nicht zeigen..“ machen die Runde.

Ist man vielleicht nicht ganz normal, wenn man Angst hat? Ist man ein Defätist, Verlierer, gar Feigling, wenn man Angst hat?

Angst als Signal

Die Natur hat den Lebewesen die Angst gegeben, und zwar als überaus nützliches Werkzeug des Erkennens der Realität. Bevor wir noch lange begründen können, wo und warum eine Gefahr vorhanden ist, sagt uns Angst, dass wir vorsichtig sein müssen, dass wir handeln müssen.

Als Information ist Angst also sehr hilfreich, und wir wären dumm, wenn wir nicht unsere Ängste zur Kenntnis nehmen und aussprechen würden.

Entscheidend, wie man mit Angst umgeht

Macht es uns mutiger, wenn wir Angst „unterdrücken“? Kaum. Vor allem, wie soll das gehen? Wer dies fordert, möge bitte eine Anleitung beilegen, wie man das machen soll …. an etwas nicht denken.

Angst nicht zu verbalisieren, Angst zu verleugnen, ist der beste Weg, Ängste zu bewahren und zu verstetigen. Denn es ist ja gerade das Kennzeichen von Angst, diffus und ungreifbar, schwärend, und damit allgegenwärtig zu sein.

Insofern muss man die (gegenwärtigen) Durchhalteparolen der Politiker kontraproduktiv nennen – beruhigend wirken sie nicht. Durchhalteparolen sind auch nicht bewunderungswürdiges Beispiel  für eigene Angstlosigkeit, sondern nur ratlose Rhetorik. Beruhigend hingegen kann nur wirken, wenn man Angst benennt – sie nicht lächerlich macht, sie nicht durch Wortakrobatik wegdiskutiert, sondern sich klar macht, woher die Angst kommt. Und natürlich ist es besonders beruhigend, wenn man dann, aus einem Verständnis heraus, auch handelt.

Angst vor der Angst – Angst als Gewohnheit

Angst kann zu einer Gewohnheit werden, wenn man es sich angewöhnt, nicht zu handeln, sondern über die Gefahren nachzudenken. So verstetigt sich Angst, und zu der Angst, die einen konkreten Anlass hat, kommt noch die Angst, dass man wieder Angst haben muss, und zwar vor dem unangenehmen Gefühl der drohenden Angst …. So wird daraus Angst vor der Angst.

Handeln vertreibt die Angst

Angst kann uns sagen, dass Gefahr droht, und aus welcher Ecke Gefahr droht. Man sollte die Quelle der Angst, die Gefahr, untersuchen, ggf. anerkennen und als Ziel ein Handeln wählen, das die Gefahr eliminiert.

Das, was man sich als Handlungsstrategie überlegt, das sollte man dann tun. Man sollte unbedingt entsprechend seiner Pläne handeln. Nur so kann man Angst bekämpfen. Nur so kann man erreichen, dass man nicht ständig an seine Ängste denken muss.

Die Angst kann nur dann aus dem Denken weichen, wenn man an die Stelle der Angst vor dem Negativen das Handeln für das Positive setzt.

Angst vor dem Unabwendbaren

Angst vor dem Unabwendbaren ist eine Angst, der kein Handeln entgegenzusetzen ist. Angst vor dem Tod etwa. Oder Angst vor dem Unvorhergesehenen, also Angst davor, dass es immer schlimme Ereignisse geben wird, die trotz aller Vorsicht eintreten werden. Wir alle können dem Tod nicht entkommen. Wir alle können nicht in die Zukunft sehen.

Aber wir können dem Tod, und anderen Unabwendbarkeiten gegenüber eine andere Einstellung entwickeln. Es ist sinnvoll, sich auch mit diesen Ängsten auseinanderzusetzen, und eine vernünftige Einstellung zu finden, durch die man das Nebulöse und die Vergrößerung vermeidet, die mit einer ungreifbaren Angst einhergehen.

Bei Ängsten die Unabwendbares betreffen hilft letztendlich nur Akzeptanz, etwa wie es Friedrich Chr. Oetinger in folgenden Worten ausdrückte: „Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.“

 

 

 

Angst vor der Angst – ist man mutlos, ein Verlierer und Defätist, wenn man Angst hat? was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer

Ist der Mensch die Krankheit der Welt? Zerstörung der Erde – Heilung der Erde.

Zerstörung der Erde: Ist der Mensch die Krankheit der Erde?

Ist der Mensch die Krankheit der Erde?

Zunächst einmal erscheint die Frage ungewöhnlich, oder gar ungehörig. Soll sich denn etwa der Mensch mit einer Krankheit vergleichen?? Und die Welt soll auf der anderen Seite der Patient sein? Zerstörung der Erde durch den Menschen, der sich doch eigentlich in der Rolle des Erschaffers sieht?

Unsere Sichtweise bezieht normalerweise nur uns selbst ein. Wir sorgen uns um uns, nicht um die Welt. Ebenso wenig machen wie wir uns Sorgen um die Bazillen in uns – etwa in der Art: „Sind wir krank genug, damit sie leben können?“

Ist also die eingangs gestellte Frage dumm, ungehörig und defätistisch?

Zerstörung der Erde durch ungezügeltes Wachstum

Die Frage „Ist der Mensch die Krankheit der Erde?“, lässt uns aber eine Perspektive einnehmen, die für uns überaus wichtig ist, selbst wenn wir wieder nur ganz egozentrisch vorgehen. Selbst wenn wir nur an uns denken, nicht an die vielen Tierarten etwa, die uns weichen mussten und müssen.

Denn, so muss man feststellen, die Welt ist immer ein Gleichgewicht, egal aus welcher Perspektive man schaut. Ein Gleichgewicht, das uns hervorbrachte – ganz genauso wie ein Mensch ebenfalls ein Gleichgewicht ist. Ein Mensch stirbt, wenn das Gleichgewicht in ihm gestört ist, beispielsweise durch das ungezügelte Wachstum einer Krankheit. Die Krankheit wächst und wächst, ihre Zellen breiten sich aus, und entziehen dem Ganzen, dem sie selbst eigentlich auch die Existenz verdanken, die Lebensgrundlage. Und schließlich stirbt der Mensch, wenn er dem Wachstum nicht Einhalt gebieten kann. Mit ihm stirbt die Krankheit. Das Wachstum endet so oder so auf natürlichem Weg.

Das Gleichgewicht namens „Welt“ wiederum, dessen Teil und Produkt wir sind, kann ebenso wenig ungezügeltes Wachstum vertragen. Auch hier steht am Ende des ungezügelten Wachstums eine Zäsur.

Ebenso, wie die Krankheit schließlich stirbt, wenn der Wirt stirbt, wird der Mensch sterben, wenn die Natur der Welt aus dem Gleichgewicht kommt, das wir kennen. Wenn das Gleichgewicht beginnt eine andere Form anzunehmen – eine Form dann, die uns nicht mehr hervorbringt.

Das ist das hermetische Prinzip, nach dem sich alles in allem immer wiederfindet. So wäre es im egoistischsten Interesse des Menschen, das Gleichgewicht, das ihn hervorbringt, zu bewahren.

Allmachtsphantasien verhindern Taten zur Heilung der Erde

Das ist, bis hierhin, eigentlich eine recht einfache und klare Überlegung. Was verhindert nun, dass wir Schritte zur Heilung der Erde unternehmen? Schritte in Richtung „weniger Wachstum in der Masse“? Und sei es nur der Schritt, dass das Problem in die breite Diskussion kommt?

  • Es ist erstens die Überzeugung, dass die Menschheit Wachstum braucht. Nur so können wir leben, glauben wir insbesondere in den entwickelten Industrienationen. Wachstum hat in der Vergangenheit (die wir kennen) wunderbar funktioniert.
  • zweitens die Überzeugung, dass eine Begrenzung des menschlichen Lebens einem Sakrileg gleichkommt. Das heißt im Klartext: je mehr Menschen, desto besser.
  • drittens die Vorstellung, dass der findige Mensch im Fall der Not ein Ass aus dem Ärmel ziehen wird. In den Weltraum auswandern, beispielsweise, oder eine riesige CO2-fressende Maschine installieren, oder schnell eine riesige Menge Bäume pflanzen. Aber all das bitte erst, wenn es hart auf hart kommt.

Ist das menschliche Urteilsvermögen tatsächlich so unbestechlich, wie der Mensch selbst meint?  Wer sich die Zufriedenheit ansieht, mit der Waffen auf Waffen gehäuft werden, bis sich der Mensch schließlich viele Male selbst in die Luft sprengen kann; wer sich die überall zunehmenden Umweltkatastrophen anschaut – der wird an dieser Urteilsfähigkeit zweifeln.

„Der Mensch“, oder besser: „der vernunftbegabte Mensch“, dessen Existenz in diesem Artikel immer vorausgesetzt wird, und von dem immer die Rede ist – es gibt ihn eigentlich nicht. „Der Mensch“, das wäre ein global agierender und wirkender, aber  auch global denkender, Übermensch. Doch „der Mensch“ in seinem globalen Auftreten hat einen unterentwickelten Verstand; einen uneinheitlichen Verstand. Einen Verstand, der sich aus den Gehirnzellen all seiner Individuen zusammensetzt, die jeweils immer an sich denken und nicht an „den Menschen“. Im Ergebnis ist „dem Menschen“ wenig an der Erhaltung seiner selbst gelegen. Ganz ähnlich, wie dies bei einer Krankheit ist, deren Zellen wachsen, ohne an das zwangsläufige Ende des Wachstums zu denken – dann nämlich, wenn der Wirt endet.

Der Mensch ist Teil eines Prozesses – nicht dessen äußerlicher Beobachter, nicht dessen Verursacher und nicht dessen Bedingung

Wir Menschen haben noch nicht verstanden, dass wir Teil eines Prozesses sind, von dem wir selbst abhängen. Die Welt ist nicht von uns geschaffen. Wir können die Welt nicht ein zweites Mal erschaffen, wenn die Zerstörung der Erde vollendet ist. Wenn erste Welt „verbraucht“ ist. Die materialistische Sichtweise, nach der wir die genialen Beobachter eines äußerlich stattfindenden Prozesses sind, von dem wir eigentlich nicht abhängen, ermöglicht uns eine unbegreifliche Überheblichkeit. So als wären wir autark von der Welt. Und so, als hätten den Reichtum der Welt erst wir hervorgebracht.

Aber der eigentliche Reichtum – das ist die Welt selbst, nicht unsere Industrieprodukte.

Nur fundamentales Umdenken wird ermöglichen, dass nicht der uns hervorbringende Prozess uns begrenzt, sondern dass wir uns nach unseren eigenen Maßstäben begrenzen dürfen. Um die Zerstörung der Erde zu beenden, um die Erde zu heilen, benötigen wir alle zur Verfügung stehende Vernunft.  „Der Mensch“, von dem wir immer so selbstverständlich sprechen – das wollen wir erst werden.

 

 

 

Ist der Mensch die Krankheit der Welt? Zerstörung der Erde – Heilung der Erde. was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer