Eine beeindruckende Frau

Von der Schriftstellerin Brigitte Reimann sind unter anderem ihre Tagebücher erschienen, als 2 Bücher mit den Titeln „Ich bedaure nichts“ und „Alles schmeckt nach Abschied“. Wer eins davon liest, wird mit Sicherheit auch das andere kaufen. Wie kann man die Psyche einer Frau verstehen? Die Bücher geben Einblick in das geheimste Seelenleben der Schriftstellerin – ihre Zerrissenheit, ihre Zweifel, ihre Wut.

Brigitte Reimann war eine Schriftstellerin der jungen DDR. Ihr Aufstieg begann etwa Anfang der 60er Jahre, als sie als junge Frau einige populäre Erzählungen veröffentlichte. Im Laufe der 60er Jahre wurde sie zum gefeierten DDR-Literatur Star, gehörig unterstützt durch die Partei. Ihr Stern begann zu sinken, als sie, wohl nicht zuletzt durch ihren exzessiven Lebensstil, aber auch durch ihr eigensinniges Denken, ihre Naivität und ihren Widerspruchsgeist, anzuecken begann. Schon mit 40 Jahren,  1973, starb sie an Krebs. Ihr letztes  Buch, „Franziska Linkerhand“, wurde nie fertig.

Das Werk von Brigitte Reimann umfasst vieles, was man heute getrost vergessen kann. Die Tagebücher aber, als authentische Einsicht in die Psyche einer Frau, bleiben spannend und bedeutsam.  Vielleicht ist es gerade spannend, von einem Menschen zu lesen, der Erfolg hatte und schließlich auch ein Scheitern erlebte. Es ist ein interessanter Gesichtspunkt, dass das, was für die Öffentlichkeit bestimmt war, Ihre Romane und Erzählungen also, für die Leser heute weniger interessant sind als die Tagebücher, die nicht für die Veröffentlichung bestimmt waren.

Manches, sehr Intimes, vertraute sie auch ihren Tagebüchern nicht an. Beispielsweise findet sich wenige Worte zu ihrer Krebserkrankung. Es ist aber mehr als spannend, Brigitte Reimann in ihren Jahren als öffentliche Person zu begleiten, ihren Aufstieg und auch Abstieg zu verfolgen, ihre Triumphe und Irrtümer, die sie menschlich zeigen.

„Franziska Linkerhand“, der Roman den sie in ihren letzten Jahren schreiben wollte, wurde nicht fertig. Die Ahnung von Lebenslügen, Täuschungen denen sie unterlag, machten R. das Schreiben vielleicht unmöglich. „Franziska Linkerhand“ ist nur interessant, wenn man noch Zusätzliches über Brigitte Reimann wissen möchte, denn Franziska Linkerhand ist Brigitte Reimann. Wesentlich aussagekräftiger sind aber die Tagebücher, sie sind ehrlich und bewegend; daher eine uneingeschränkte Empfehlung. Wer diese Frau verstehen möchte, findet in den Tagebüchern der Schriftstellerin Authentisches.

Eine beeindruckende Frau was last modified: Februar 18th, 2016 by Henrik Geyer

Der Regenmacher

„Der Regenmacher“ („The Rainmaker“) ist ein Film mit Burt Lancaster und Katherine Hepburn aus dem Jahr 1957.

Ein Regenmacher – was ist das?

Regenmacher ist der Beruf, den sich Starbuck (Lancaster), ein unsteter Herumtreiber im Süden der USA, erwählt hat, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wo Dürre herrscht, es seit Monaten an Regen mangelt, da erscheint Starbuck, und hilft den Farmern, die um ihre Ernte fürchten. Er macht Regen. Regenmacher ist somit ein besseres Wort für Scharlatan.

Hilfe in der Not durch Glauben – mancher nennt es Scharlatanerie

So kreuzt er eines Tages bei einer Farmer-Familie auf und verspricht Hilfe im Kampf gegen die Dürre.

Natürlich fällt es der Familie schwer zu glauben, daß der Mann, den sie anheuerten, Regen machen kann. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Sie brauchen Regen, unbedingt sogar, und heuern Starbuck an.

Nicht nur der Farmer-Familie fehlt der Glaube. Auch die Farmers-Tochter (Katherine Hepburn) hat ein Problem mit dem Glauben – dem Glauben an sich selbst. Als Frau in der Mitte des Lebens, unverheiratet, bei den Eltern lebend, kann sie nicht mehr glauben, eine attraktive Frau zu sein. Da kommt der charismatische Starbuck gerade recht, der allen eine Lektion erteilen kann, was das ist: an etwas glauben, überzeugt sein. Als Reisender in Sachen Regen ist er eigentlich Spezialist für das Unerklärliche, für die Fakten jenseits des Sichtbaren.

Auch Starbuck zweifelt an sich, an seiner Fähigkeit Regen zu machen. Wo er doch an seine magische Kraft, es regnen zu lassen, glauben sollte! Seine Sicherheit sollte sich auf die Familie übertragen, doch ist es auch umgekehrt: Die Zweifel der Familie übertragen sich auf ihn. Der Regen bleibt ein paar Tage aus, und Starbuck muss die Farmer immer wieder überzeugen, dass er Regen machen kann, dass er weiß was er tut, dass er in seinem Glauben an sich selbst sicher ist … und dabei hat doch auch er, Starbuck, im Grunde seines Herzens mit Zweifeln zu kämpfen…

Unvergesslich ist mir der Filmmoment, als schließlich der erlösende Regen kommt. Starbuck ist nun wieder oben auf, der Glaube ist zurück! Im strömenden Regen fordert Starbuck seine 100 Dollar Lohn ein, mit der unvergesslichen Verve des großen Burt Lancaster. Und auch der Glaube der Farmerfamilie ist nun wiederhergestellt: an eine wirtschaftliche Zukunft, daran, dass nach Trockenheit der Regen kommen muss wie umgekehrt nach Regen Sonnenschein. Und auch auf einer tieferen Ebene ist der Glaube zurück: die Tochter des Hauses glaubt nun an sich und ihre Zukunft als Frau, denn durch Starbuck hat sie die Liebe kennengelernt. Sie weiß jetzt (Wissen als die festeste Form des Glaubens), dass sie eine Frau ist.

Starbuck ist eben Scharlatan und Herzensbrecher, und als solcher, wie sich zeigt, keineswegs unnütz (er erinnert mich mit dieser menschenfreundlichen Scharlatanerie ein wenig an Alexis Sorbas). Denn er versteht etwas vom Glauben, was „seriöse Kalkulierer“, auch Realisten genannt, niemals verstehen können.

Eine Frage des Glaubens

Das Thema des Films ist der Glaube: Was ist Glaube? Kann er denn nicht Berge versetzen? Ist er denn nicht unerklärlich und dennoch ganz unersetzlich? Was hingegen macht Unglaube, Zweifel, aus einem Menschen?

Doch der Film zeigt auch, dass jeder den Fliehkräften des Unglaubens ausgesetzt ist. Auch der, und gerade der, dessen Profession es ist, zu glauben. Der stark sein will, um anderen die Wirkung des Glaubens zu zeigen.

 

Der Regenmacher ist ein wunderbarer Film, mit Qualitäten, die man in heutigen Film-Produktionen kaum findet. Mit Ruhe, ein Kammerspiel ohne Tricks,  das sich ganz auf die Ausdruckskraft seiner Schauspieler verlässt. Leider ist der Film immernoch nirgendwo auf DVD erhältlich, es sei denn mit ausschließlich englischer Tonspur.

 

Das Bild oben ist ein Screenshot aus dem amerikanischen Film „Der Regenmacher“ aus dem Jahr 1957.

Noch mehr Spruchbilder

alles glauben
Es gibt Leute, die können alles glauben, was sie wollen; das sind glückliche Geschöpfe.
Georg Christoph Lichtenber

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Der Regenmacher was last modified: September 14th, 2016 by Henrik Geyer

Der vierte Weg

Roboter

Der vierte Weg

Nach Gurdijeff, einem kaukasischen Okkultisten der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts, ist der Mensch gefangen in einem Käfig der Gewohnheiten; er ist einem Roboter ähnlich. Die eigentlichen Kräfte seines Seins stehen ihm erst zur Verfügung, wenn er lernt aus dem Käfig auszubrechen.

Lesen Sie auch: Roboter Mensch. Ist der Mensch ein humanoider Roboter?

Dieser Ausbruch gelingt auf verschiedenen Wegen, insbesondere dem Weg des Yoga, der Religion, des Fakirs. Gurdijeff fügte noch den vierten Weg hinzu, „die Arbeit“. „Die Arbeit“ ist ein System, das verschiedene von Gurdijeff erfundene Techniken vereint, die man allesamt als eine Art Achtsamkeitstechniken verstehen könnte.

Der vierte Weg sollte, nach den Vorstellungen Gurdjeffs, im Gegensatz zu den anderen Wegen der „Bewusstwerdung“, ein Weg des Erkennens, aber nicht spirituell-religiöser Handlungen sein. Es ist, wenn man so will, der intelligente Weg, der zusätzlich zu den spirituellen Wegen geschaffen werden sollte.

Im Laufe seines Lebens etablierte Gurdijeff verschiedene Schulen, die ein System aus solchen Lehren zusammenfasste und als „die Arbeit“ durchführten. Eine Übung beispielsweise war, daß sich die Schüler selbst auf das Kommando „Stop!“ hin in ihrer Tätigkeit unterbrechen mussten, was auch immer sie taten. Ein Schüler verbrannte sich dabei die Hand, denn er hatte gerade eine heiße Tasse Tee gefasst und konnte sie nun, da das Kommando „Stop!“ gesagt worden war, nicht loslassen.

Eine weitere Übung war die der „extra Mühe“, das heißt, die Schüler hatten, auch wenn dies unnötig schien, oder besser gesagt gerade dann, sich besonderen Mühen zu unterziehen, einzig zu dem Zweck, einen höheren Bewusstseins-Zustand zu erlangen. So wurde in extra lauten Cafes gesprochen, es wurden Erdarbeiten durchgeführt um sich der Mühe des Grabens auszusetzen, psychologische Mühen wurden durch Gurdijeff geschaffen.

Manche Schüler verprellte Gurdijeff mit den Methoden seines vierten Weges (der insgesamt ein unbequemer war), dennoch darf man ihn zu den bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der psycho-okkulten Szene seiner Zeit, der ersten Hälfte des 20. Jhd., rechnen. Er war ein bedeutender und charismatischer Visionär mit großem Einfluss auf weitere wichtige Zeitgenossen, wie beispielsweise Ouspenksy. 
Weiterlesen: Beitrag Tarot: Der Mond. Symbolismus des Ouspensky

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Wer keine ueblen Gewohnheiten
Wer keine üblen Gewohnheiten hat, hat wahrscheinlich auch keine Persönlichkeit.
William Faulkner

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Der vierte Weg was last modified: April 26th, 2016 by Henrik Geyer