Gurdjeff: Die Position des Menschen in der Welt

Wird der Mensch seinem Potential gerecht?  Gurdijeff, der charismatische Okkultist der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts sah den Menschen im Normalzustand als eine Art Roboter, gefangen in einer Einheits-Persönlichkeit. Daher war es das Ziel seines Lebens einen Weg heraus aus diesem Zustand zu finden. Für den Normalzusatnd, den Roboter-Zustand, hatte er folgende Parabel:

On another occasion, Gurdjieff told his pupils the grim little parable of the magician and the sheep. A magician gets tired of the wanderings of his sheep, who were aware that they were due to be slaughtered and skinned. So he hypnotizes them and tells them that they are immortal and no harm can come to them. He also tells them that he is a good master who loves his flock. Finally, he suggests that they are not sheep at all; some he convinces that they are lions, others eagles, others men, others even magicians . . . And so the sheep stayed quietly at home until it was time for them to be slaughtered . . . This, explained Gurdjieff, ‘is a very good illustration of man’s position.’

Bei anderer Gelegenheit erzählte Gurdijeff seinen Schülern die kleine Parabel von dem Magier and den Schafen. Ein Magier wird müde vom Ausreißen seiner Schafe, denn diese  haben erfasst, daß sie geschlachtet und gehäutet werden sollen. Also hypnotisiert er sie und sagt ihnen, sie seien unsterblich und nichts könne ihnen etwas anhaben. Er sagt ihnen weiterhin, er sei ein guter Hirte, der seine Herde mag. Schließlich behauptet er sogar, sie seien überhaupt keine Schafe; manche überzeugt er davon, Löwen zu sein, andere seien Adler, andere Menschen, andere wieder sogar Zauberer wie er… Dies, erklärte Gurdijeff, ist eine sehr gute Veranschaulichung der menschlichen Situation.

Aus: G.I. Gurdjieff: The War Against Sleep and The Strange Life of P.D. Ouspensky by Colin Wilson

Gurdjeff: Die Position des Menschen in der Welt was last modified: Mai 22nd, 2016 by Henrik Geyer

Dort bin ich nicht

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Die zur Wahrheit wandern, wandern allein. Christian Morgenstern

„I am not there“ ist der Titel eines Films über das Leben Bob Dylans. Bemerkenswert die Technik, 6 verschiedene Schauspieler den Musiker Bob Dylan spielen zu lassen, darunter einen schwarzen Jungen, eine Frau (Cate Blanchett), und andere.

Der Film verlangt der Phantasie des Zuschauers einiges ab. Es ist keine geradlinige Erzählung eines Lebens. Musik mischt sich mit Träumen, Episoden und einfach Erfundenem. In einer Episode spielt Richard Gere einen Bob Dylan, der sich in die Film-Figur Billy the Kid verwandelt hat („Pat Garrett jagd Billy the Kid“ ist ein Film, in dem Bob Dylan 1973 tatsächlich eine Nebenrolle hatte, und dem er den Song „Knocking on Heavens Door“ beisteuerte).

Von Bob Dylan stammt der Ausspruch, er könne am Morgen als eine Person aufstehen und am Abend als eine andere Person zu Bett gehen. Er ist ein Rastloser, der, ähnlich wie C.G. Jung schreibt, auf „der Suche nach seiner Beziehung zum Unendlichen“ zu sein scheint. Insofern kann er nicht zustimmen, etwas Bestimmtes sein zu sollen, sich festlegen zu lassen, was Viele gern möchten (die Medien, Fans…). Sie sehen ihn z.B. als einen Sprecher für eine Bewegung, als einen Propheten, halten ihn für einen Philosophen, oder eine Ikone der Sechziger. Seine Grundaussage scheint hingegen beständig zu sein: „Dort bin ich nicht“, „Das bin ich nicht“, „Es ist anders als es scheint“, „..das ist deine Interpretation“.

Bob Dylan jedenfalls legt sich selten fest. Die Aussagen seiner Songs erklärt er nicht – hat keine Erklärung. Stattdessen lässt er den Interpretationen seiner Zuhörer Raum. Er fordert auf, den Sinn selbst zu finden, selbst Sucher zu sein.

Sein Song „Ballad of a Thin Man“ (Teil des Film-Soundtracks von „I am not there“)  ist ein klassisches Beispiel für die gewollte Unschärfe und Interpretierbarkeit gerade der Dylan-Songs – das gilt aber natürlich auch für viele bekannte Kunst-Werke, wie Gemälde, Theater, Film etc..

Der im Titel genannte „dünne Mann“ ist ein Mr. Jones, der sehr gern seine Welt verstehen will. Jedoch hat er ständig absurd scheinende Begegnungen mit rätselhaften Menschen. Mr. Jones scheint ein konventioneller Mensch zu sein, der (natürlich!) festhalten möchte am Gerüst seiner Normalität „..er kam in den Raum, mit einem Bleistift in der Hand“. Mr. Jones ist in der Welt der Professoren zu Hause, tauscht sich mit gescheiten Anwälten aus, liest die richtigen Bücher. Er macht also alles „richtig“.

Dennoch lassen ihn die skurrilen Begegnungen, die er in der Realität hat, die mangelnden Antworten darauf, an der Gültigkeit des ihm Bekannten – des für ihn Normalen zweifeln.

Hat Bob Dylan Antworten? Seine Antwort ist: „So wie du denkst, ist es jedenfalls nicht. Es gibt noch etwas anderes.“

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Dort bin ich nicht was last modified: Mai 3rd, 2016 by Henrik Geyer

Monodenk – tue, was Du wirklich willst

Zwiedenk vs Monodenk

Monodenk – Tue, was Du wirklich willst!

eine nicht ganz ernst gemeinte Betrachtung zum Jahresbeginn

 

Vor dem Jahreswechsel hatten wir das Thema Zwiedenk – die natürlich Art des Menschen sich in alles zu finden, sich jeder widersprüchlichen Situation anzupassen, es sich mit Widersprüchen bequem zu machen: man denkt einfach in 2 Richtungen gleichzeitig. Man glaubt an alles und dann doch wieder an nichts.  Man will allen und allem gerecht werden und wird nur einem nicht gerecht: sich selbst. Das Wort Zwiedenk stammt übrigens aus dem Roman 1984 von George Orwell.

Jedes Jahr im Januar fassen wir Ziele, die es zu erreichen gilt – allzu oft ohne Hoffnung, sie auch wirklich zu erreichen. Wir sind eigentlich dennoch ganz zufrieden – dank Zwiedenk. Wir hatten es ja insgeheim nicht anders erwartet. Techniken, „das Letzte“ aus sich rauszuholen, die Träume zu leben (anstatt das Leben einfach nur so zu träumen wie Loser es tun), Power-Verwirklicher zu werden, gibt es ja eigentlich en gros.

Beispielsweise hilft es, die eigenen Träume richtig zu visualisieren, etwa so: in Autosalons herumscharwenzeln und mit dem teuersten Auto eine Probefahrt machen (so als könnte man es jederzeit kaufen). Damit überlistet man das eigene Unterbewusstsein. Das Unterbewusstsein denkt dann nämlich man wäre Krösus und handelt entsprechend Krösus-mäßig, und schwups – schon steht man wirklich im Autohaus und kauft Autos und so weiter. So dumm ist das Unterbewusstsein! Prima eigentlich.

Oder, andere Technik: man schreibt an Silvester die persönlichen Ziele in einen Brief an sich selbst und verwahrt das Ganze ein Jahr …. Bitte ohne Reinschauen zwischendurch! Dadurch, dass man das aufgeschrieben hat, denkt das Unterbewusstsein, es wäre etwas dran an der ganzen Sache – und schwups.. Außerdem hat man eine prima Erfolgskontrolle und kann sich im kommenden Jahr so richtig freuen.

Das klappt ja auch alles, wahrscheinlich …  wenn da nicht die gute alte Gewohnheit wäre, Dünnbrettbohrer zu sein, so vor-sich-hin-träumender Couchpotato, Un-Realist, potentieller Powerranger mit Handicap (dicker Bauch). Selbst die Powermethoden bleiben ein Ziel. Man hat auf Autohäuser keine Lust – käme sich auch blöd vor, wenn die Angestellten 10 Autos rangieren müssten, nur damit man selbst im Rolls eine Vergnügungs-Runde drehen kann. Man öffnet Briefe von vor einem Jahr, adressiert an sich selbst,   … und was drin steht kommt einem irgendwie unwirklich vor, irgendwie uninteressant… Kruzitürken, was hat mich da bloß geritten!

Hier nun die Alternative: Mono-Denk

Die Technik des Mono-Denk hat viel zu tun mit Spiritualitäts-Techniken wie Klarheit des Denkens, Yoga, Rückführung auf das Wesentliche.

Diese Technik hat den Vorteil, dass sie eigentlich bequem ist. Zwiedenk ist ja auch ganz schön anstrengend! Monodenk dagegen ist dünn, schnell, wesentlich, fast schon zu einfach. Mondodenk ist schick, modern und in! Monodenk beruht auf einem völlig neuen und innovativen Konzept, erhältlich nur bei Spireo: man bescheidet sich mit dem, was man gerade hat. Dann wird um so deutlicher, daß das, was man noch wollen könnte, gar nicht so viel ist. Und noch deutlicher wird, daß das, was man wollen könnte, in gar nicht allzu weiter Ferne liegt. Denn Monodenk hat Platz geschaffen, damit man sich auf das Wichtigste konzentrieren kann: die Ziele die einem wirklich am Herzen liegen. Durch das sich-bescheiden kristallisiert sich heraus, was das ist, dieses Ziel, das einem wirklich am Herzen liegt.

Durch Monodenk ist das, was man sich als Ziel auserkoren hat, ein ernsthaftes und richtiges Ziel, für das man dann auch etwas tut.

Etwas für seine Ziele zu tun ist nebenbei gesagt das Allerwichtigste, dadurch erhält das ganze Vorhaben Dynamik und innere Glaubwürdigkeit. Durch Tun kommt vieles andere gleich mit in Gang, was man so von vorn herein gar nicht mit bedacht hat: wer Raucher ist, und sich beispielsweise überwinden kann regelmäßig Sport zu machen, erhält als kleines Giveaway eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Zigaretten. Das Unterbewusstsein denkt hier – in seiner etwas naiven Art: „es wäre doch dumm den ganzen Sport-Aufwand zu treiben – und dann die Lunge zu teeren.“ Recht hat es.

Aus der Sicht der Mitarbeiter des Autohauses ändert sich übrigens nichts: man ist nicht da und wird nicht vermisst. Nur, daß man dank Monodenk nicht glaubt, irgendetwas zu verpassen, irgendetwas unversucht zu lassen. Man ist nicht da, spart sich die Mühe, spart das Benzin, und fühlt sich – mit Monodenk – gut dabei.

Rangieren unnötig: Rolls Royce
rangieren unnötig: Rolls Royce

 

Fake-Briefe an sich selbst bleiben ungeschrieben – wie cool ist das denn! Durch die Technik des Monodenk entledigt man sich aller Tätigkeit, die einem nichts bedeutet. Und hat nun Zeit für das Wirkliche. Dank Monodenk kommen wir unseren Zielen wirklich näher – Zwiedenk dagegen ist nur scheinbar bequem.

Spireo – 1.1.14

Monodenk – tue, was Du wirklich willst was last modified: Oktober 16th, 2015 by Henrik Geyer