Pianoman

Bild aus dem Youtube Video Pianoman von Billy Joel

Zum neuen Jahr nehmen sich alle wieder das vor, was bisher im Leben scheinbar fehlte: endlich dieses und jenes umsetzen im Leben…

Endlich weg vom Rauchen, Alkohol, weniger Gewicht, beruflich weiter, höher, besser, neue Partnerschaft, bessere Partnerschaft. Manchmal ein neues Auto. Manchmal eine neue Lebensrichtung.

 

Man ist erinnert an „Pianoman“ von Billiy Joel. In „Pianoman“ geht es um einen normalen Samstag-Abend, 9.00 in der gemütlichen Nachbarschafts-Kneipe: die normalen Leute kommen, die die immer da sind. Sie leben von ihren Erinnerungen, und den Sehnsüchten an ein anderes, besseres Leben.

Der Mann am Piano kennt sie alle, und sie kennen ihn, denn er spielt ihnen den Soundtrack ihres Lebens und sie lieben ihn dafür. Es gibt da den Barmann, der sagt zu Bill dem Pianomann (Billy Joel = der Pianomann): „Ich glaube es bringt mich noch um. Ich könnte ein Filmstar sein, und sitze hier fest hinter der Bar.“ So geht es vielen in der Bar.

Paul ist ein Immobilienhändler, der nie Zeit hatte zu heiraten. Er träumt von einem Leben als Schrifsteller.

Davie ist immer noch Matrose, und wird es wohl auch sein ganzes Leben bleiben.

Die Kellnerin macht Politik und vermittelt – während der Geschäftsmann sich langsam „zulaufen“ lässt. Beide teilen sich ein Getränk namens „Einsamkeit“, denn gemeinsam einsam ist besser, als ganz allein.

Und dann rufen sie: „Sing uns ein Lied, Pianomann, du bist für unsere Laune zuständig, damit wir das Leben einmal für eine Weile vergessen.“

Soweit der Text von „Pianoman“, von Billy Joel.

In der Kneipe im Song träumen alle ein anderes Leben herbei, als das, das sie haben. Machen es sich mit ihrer Melancholie gemütlich. Sicherlich kein Verbrechen. Die guten Vorsätze zum Jahresbeginn – wir kennen sie und lieben sie, und sagen oft wehmütig: „so wäre es schön“. Die Traurigkeit, oder die Ironie, manchmal auch der Sarkasmus, ist Teil der Folklore: „das geht ja doch nicht“.

Vielleicht geht es aber doch!

Oder umgekehrt, vielleicht hören wir auf von etwas zu träumen, das wir nicht wirklich die Absicht haben zu realisieren?

 

Obiges Bild stammt aus einem Youtube – Video des Songs „Pianoman“

 

 

 

Pianoman was last modified: Oktober 16th, 2015 by Henrik Geyer

Was soll ich tun? Entscheide dich. Entscheidung vs Zwiedenk

Bild aus dem Film "1984", UK, 1984

Was soll ich tun?

Mancher weiß nicht, was er tun soll.. Was ist richtig? Innere Zerrissenheit. Keine Ideen. Einerseits sollte man… , aber man möchte auch nicht…  Was also soll ich tun? Zwiedenk.

Zwiedenk – Wer kennt es nicht, dieses suggestive Wort aus dem Roman 1984 („Big Brother is watching you!“ – aus dem Roman stammt auch der Begriff „Big Brother“, und gemeint ist das ganze Gegenteil eines liebevollen Bruders) von George Orwell. Zwiedenk (man versteht das Wort vielleicht auch ohne Erklärung) ist im Roman die „normale“ Geisteshaltung in der dort beschriebenen  Zukunfts-Diktatur.  Der Staat zwingt seinen Bürgern eine bestimmte Denkrichtung auf, die mit der Ideologie des Staates in Übereinstimmung stehen muss. Naturgemäß kommt es zum Zwiedenk, denn der Einzelne hat andere Interessen als der Staat; sogar meist solche, die denen der Diktatur direkt entgegengesetzt sind.

Solche entgegengesetzten Gedanken sind aber verboten. Um nicht den Mühlen der Justiz zum Opfer zu fallen, muss der Einzelne, wohl wissend, dass er eigentlich anders denkt, versuchen, sich die zweite, die staatlich vorgesehene Denkrichtung, anzueignen. Diese Denk-Technik heißt Zwiedenk.

Man meint, es würde ausreichen, staatskonform zu handeln und individuell zu denken wie man will, das ist aber nicht der Fall. Handeln und Denken sind, wenn auch nicht immer eins, sich doch sehr nahe. Daher muss sich – im Roman – der Einzelne bemühen, sein Denken richtig zu justieren, muss Zwiedenk üben und praktizieren. Die Konsequenz, das nicht zu tun, führt zur persönlichen Katastrophe, wie uns der Roman eindringlich vor Augen führt.

Die zentrale Figur, ein durchschnittlicher Mann namens Winston,  nimmt am Ende die Folgen seines ungesetzlichen Denkens, die Vernichtung, mit einer gewissen Schicksalsergebenheit hin, in dem Bewusstsein, dass ihm Zwiedenk einfach nicht möglich ist. Das gilt aber nicht für alle. Im großen, gesellschaftlichen Kontext des Romans, funktioniert Zwiedenk: alle praktizieren es – alle bemühen sich nach Kräften um Zwiedenk.

Man mag sagen: „tja, im Roman..“ Im wirklichen Leben funktioniert Zwiedenk ebenfalls. Man denke zuerst an die noch verbliebenen Diktaturen, hier kann man Zwiedenk in einer Art (von außen gesehen) skurrilen Realität beobachten. Wir Deutschen haben auch aus unserer Geschichte einige Erfahrung mit Diktaturen und dem darin normalen Zwiedenk, Zwiedenk gibt es – als die große Funktion des Lebens, sich allem anzupassen – natürlich auch heute, auch in der Demokratie, in anderer Form selbstverständlich. Hier ist es nicht der Staat, der die „richtige“ Denkrichtung vorgibt.

Aber auch im ganz normalen Leben ist es so, es braucht keine politische Diktatur, um unser Denken in tausend Stücke zerspringen zu lassen. Hier ein Rat, dort ein Wissen. Dort eine Mühe, die man scheut. Dort die zehntausend Nachrichten der Medien, die uns von dem abbringen können, was uns am unmittelbarsten angeht, weil wir es beeinflussen können.

Sicher, die Problematik des Zwiedenk könnte leicht überwunden werden, aber wie? Der Tatbestand des Zwiedenk bleibt doch irgendwie. Auch durch noch so viel Nachdenken geht er nicht weg. Das Ideal wäre… vielleicht Mono-Denk?

Monodenk – Ein Ziel, eine Idee, ein Entschluss. Monodenk, das Zusammenführen aller Gedanken zu einem, gelingt, wenn man über eine klare Wertehierarchie verfügt. Was ist mir wichtig, was nicht? Was mache ich mit den vielen Wahrheiten anderer. Gelten sie für mich? kann ich auch einmal enttäuschen – gelingt es mir, den eigenen Weg zu gehen?

Was wir brauchen, ist mehr Monodenk!

 

Das Bild oben ist aus dem englischen Film „1984“ aus dem Jahr 1984-

 

Noch mehr Spruchbilder

Wer jede Entscheidung
Wer jede Entscheidung zu schwer nimmt, kommt zu keiner.
Harold Macmillan

Wenn ihr das Bild bei euch einfügen möchtet, dann ist hier HTML-Code zum Kopieren und Einfügen in HTML (rot):
<img src=“http://spireo.de/texte/Wer%20jede%20Entscheidung.jpg“ border=“3″ width=“700″ alt=“auf http://spireo.de Wer jede Entscheidung“>
Hier noch der Bildlink: 
http://spireo.de/texte/Wer%20jede%20Entscheidung.jpg
Was soll ich tun? Entscheide dich. Entscheidung vs Zwiedenk was last modified: Oktober 16th, 2015 by Henrik Geyer

Ein guter Mensch

Als neulich Nelson Mandela starb, fragte ich mich, ob es nicht richtig sei, für den Spireo-Blog einen Artikel zu schreiben, der sich dem Leben dieses großen Mannes widmet.

Einen Lebensbericht aus dritter Hand der Menge an Berichten aus erster Hand hinzuzufügen, ist aber auch nicht gerade erstrebenswert, es bringt dem Leser wenig Authentisches. Was hätte ich über Nelson Mandela zu schreiben, was andere nicht besser schreiben können?

Es ist aber, glaube ich, richtig und gut, wenn die Menschen sich gegenseitig zu verstehen geben, daß sie traurig sind, wenn ein guter Mensch die Erde verlässt, und wenn sie sich gegenseitig signalisieren, daß sie wissen, worin dieses „Gute“ besteht, und wenn sie sich in diesem Punkt einig sind.

Das „Gute“ und das Besondere an dem Menschen Nelson Mandela ist für mich, daß er in seinem Leben – scheinbar mit Absicht! – hat gut sein wollen, gut für sein Volk wohlgemerkt, gut für die Menschheit mithin. Wo andere gut sein wollen nur sich selbst gegenüber oder ihrer Familie, weil sie das für den natürlichen Gang der Dinge halten. Insgeheim hat man das Gefühl, daß so einer Einsicht in ein höheres Prinzip hat, und man wünschte sich, daß sich diese Einsicht verbreiten möge. Dann würde die Erde mehr und mehr dem Paradies ähneln, das sie ja ohne weiteres auch sein kann.

Wo das Grundgesetz zu sein scheint: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, hat er oft das Gegenprinzip vertreten. Ein sogenannter „Realist“ würde vielleicht sagen: „er handelte gegen alle Vernunft“.

Übrigens hat Mahatma Gandhi einmal gesagt (so oder ähnlich): „Wenn alle Menschen nach dem Grundsatz handeln ‚Auge um Auge‘, dann gibt es bald nur noch Blinde“.

Als Grabredner würde ich etwas sagen wie: „Nelson Mandela, wir vermissen Dich, denn wir hatten Dich dringend gebraucht. Wir sind traurig, wo Du nun nicht mehr da bist, aber wir sind auch stolz, daß solche Menschen wie Du unter uns sind. Daß wir Dich gesehen haben ist für uns ein Beweis: es ist möglich gut zu sein“.

Noch mehr Spruchbilder

Gluecklich sein ist
Glücklich sein ist eines der besten Mittel, ein guter Mensch zu werden.
Eugene O’Neill

Wenn ihr das Bild bei euch einfügen möchtet, dann ist hier HTML-Code zum Kopieren und Einfügen in HTML (rot):
<img src=“http://spireo.de/texte/Gluecklich%20sein%20ist.jpg“ border=“3″ width=“700″ alt=“auf http://spireo.de Gluecklich sein ist“>
Hier noch der Bildlink: 
http://spireo.de/texte/Gluecklich%20sein%20ist.jpg
Ein guter Mensch was last modified: Oktober 16th, 2015 by Henrik Geyer

Das kollektiv Unterbewusste

Hier ein interessantes Video auf Youtube: es zeigt C.G. Jung, den berühmten Psychiater, der Archetypen erklärt.

Die Direktheit und klare (und kurze) Antwort auf die Frage „was ist ein Archetypus?“, verbunden mit einem lebendigen Beispiel – das ist erfrischend direkt, insbesondere da die Erklärung von C.G.Jung selbst kommt, und nicht aus zweiter Hand ist.

Das Video ist auf englisch, Jung spricht mit unverkennbar Schweizer Dialekt – das bedeutet, es ist ein wenig schwer zu verstehen.

Der Inhalt des Gesagten kurz wiedergegeben:

Es geht um ein anschauliches Beispiel aus Jungs psychologischer Praxis. Er hatte eine junge Patientin, die ihn als Vaterfigur, als eine Art Gott verehrte.

Jung erklärt an dieser Stelle, quasi nebenbei, warum der Psychologe oft von seinen Patienten entweder verehrt, geliebt oder gehasst wird, warum die Patienten selten indifferent gegenüber dem sie behandelnden Arzt sein können. (Siehe: Freuds Konzept der Transferenz). Der Grund hierfür liegt in dem Sich-Ausliefern des Patienten, in dem er alle bedeutsamen, ihn betreffenden Symbole, Deutungen, Werte, preisgibt. Indem er das tut, gibt er dem Psychologen / Psychiater Macht über sich in die Hand – und scheint das sehr genau zu spüren, wenn es auch unbewusst bleibt. Der Patient liefert sich somit der Macht des behandelnden Arztes aus (wie dies ja übrigens immer in der einen oder anderen Weise geschieht, sobald man sich in medizinische Behandlung begibt) – und begreift diese Macht unmittelbar – sie drückt sich aus in einem starken Gefühl … der Abneigung oder auch Liebe.

Jung selbst kam dem Tatbestand, daß er und wie er von seiner Patientin verehrt wird, näher, durch einen Traum, den diese wiedergab.
Darin hält er sie auf seinen Armen. Er: riesenhaft, sie: klein wie ein Baby. Er steht in einem Kornfeld, das sich im Winde wiegt. Es ist reifes Korn, reif für die Ernte.

Jung interpretiert sehr direkt. Das Feld ist reif für die Ernte: die Situation ist reif für eine Klärung, eine Aussprache. Er teilt seiner Patientin sein Verständnis des Bildes mit.

Er selbst stellt in diesem Traum eine Art heidnischen Gott dar – ein Gott der Natur, des Windes.

Er ist diese Überfigur in den Augen seiner Patientin. Jung erklärt: dieses Bild eines heidnischen Gottes (keines christlichen, oder eines Jaweh), sondern eines Natur-Gottes, ist ein Archetypus. Archetypen sind Bilder des kollektiven Unterbewußtseins, die typisch sind für unser Mensch-sein (man darf annehmen dass Tiere ebenfalls archetypische Bilder in sich haben – natürlich andere). Diese Bilder sind bereits in uns und kommen nicht erst durch Erlernen – wie beispielsweise kulturelles Lernen – zu uns. Das kollektiv Unterbewusste ist Teil aller Menschen, man erhält Zugriff auf diese Bilder in bestimmten Situationen.

Die Patientin sucht diese Kraft im Außen, in ihm, Jung; in sich selbst sucht sie nicht.

Nachdem er dies seiner Patientin erklärte, begriff sie sofort. Es machte „klick“. Indem sie die Situation begriff, das Bild, begriff sie sich ein Stück weit besser, und kam auf dem Weg voran, den Jung als den Weg zu sich selbst beschreibt – den Weg der Individuation, so berichtet Jung.

Lesen Sie auch: Beitrag Das ES – Sigmund Freud und die Entdeckung des Unbewussten

Weiterlesen: Das Unbewusste als das Unbekannte

Lesen Sie auch: C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein

Das kollektiv Unterbewusste was last modified: April 27th, 2016 by Henrik Geyer