Zynismus – Verzicht auf das Mehr!

Zynismus: Nachdenklich liegt in seiner Tonne, Diogenes hier an der Sonne.

Das Wort Zynismus bedeutet nach heutigem Verständnis das die (hohen) Werte der Gesellschaft Ablehnende. Ein Zyniker schätzt gering, was allgemein hoch geachtet ist, tut es ab, und ist so (nach außen nicht immer erkennbar), der soziale Paria der Gesellschaft.

Das Wort Zynismus entstammt der Denkrichtung der Zyniker der griechischen Antike. Es ist eine Philosophie, die durch materiellen Verzicht Reinheit und Unabhängigkeit zu erreichen suchte – ein Gedanke, der, weil er auch etwas Zwingendes hat, immer wieder in der Geschichte auftaucht, man denke nur an Franz von Assisi, an Jesuiten, an die Fastenbewegung heute …

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Zynismus (Kynismus) leitet sich vom griechischen Wort für Hund ab – es bedeutet Hündigkeit, leben wie ein Hund, wegen der dem Kynismus eigenen Bedürfnislosigkeit.

Zynismus ist ursprünglich nicht negativ

Weil sich der zynische (kynische) Philosoph (jedenfalls ursprünglich) allem möglichen Ungemach aussetzte, um seine hohen Ideale der Natürlichkeit und Freiheit zu erreichen, kann man ihn nicht eigentlich abtuend oder negativ im heutigen Sinne nennen.

Bekanntestes Beispiel für einen Zyniker im klassischen Sinne ist Diogenes von Sinope. In einer herrlich gezeichneten Bildgeschichte von Wilhelm Busch ist er das arme Mobbingopfer zweier böser Buben. Da er als „Dach überm Kopf“ lediglich ein Weinfass sein eigen nennt, ist er deren Angriffen auch relativ schutzlos ausgeliefert. Doch trotz (oder gerade wegen?) der Gewaltlosigkeit des Diogenes enden die Angriffe der Buben für diese schlimm, für Diogenes hingegen gut.

Eine weitere amüsante Geschichte ist, als Diogenes durch eine Volte des Schicksals in Gefangenschaft gerät und als Sklave teuer verkauft werden soll. Von Kaufinteressenten gefragt, was er denn besonders gut könne, antwortete er: „Ich kann besonders gut Befehle geben. Wer also Interesse hat sich hier einen Herrn einzukaufen, der möge zuschlagen.“

Eine weitere bekannte Anekdote ist der Besuch des berühmten Feldherrn Alexander (des Großen) bei Diogenes. Alexander war erstaunt gewesen, warum Diogenes ihm nicht seine Aufwartung gemacht hatte, wie es bei der Anwesenheit des Königs alle taten, die in der Stadt ein gewisses Ansehen hatten. So kam nun Alexander zu Diogenes und fand ihn müßig in der Sonne liegend vor. Alexander begrüßte ihn und fragte: „Wenn du dir etwas von mir wünschen könntest, was würdest du dir wünschen?“ Diogenes antwortete: „Dass du mir aus der Sonne gehst.“

 

Das Gesagte macht deutlich, dass Zynismus in Bezug auf die Freiheit anspruchsvoll ist, was eine Abkehr von den Werten der Gesellschaft als Notwendigkeit mit sich bringt.

Zynismus ist im Ursprung aber nicht bösartig, nicht gemein, nicht zerstörerisch. Sondern in gewisser Weise konstruktiv. Vielleicht muss sich die Gesellschaft wandeln, sich abkehren von der ewigen Logik des Mehr! und immer Mehr! In diesem Fall würde wohl eine Spielart des Zynismus eine der Welt wohltuende Renaissance erleben.

 

Weiterlesen: Beitrag Verantwortung für die Welt übernehmen

Siehe auch: Artikel Wachstumswahn – wie viel ist genug? Ist ein Ende des Wachstums erst dann erreicht, wenn wir die Schnauze voll haben?

Siehe auch: Artikel Ist der Mensch die Krankheit der Welt? Zerstörung der Erde – Heilung der Erde.

 

 

Zynismus – Verzicht auf das Mehr! was last modified: Mai 17th, 2016 by Henrik Geyer