Zitate und Aphorismen, Thema: Liebe, die Naturgewalt, Vielfalt der Liebe / Eifersucht

Eifersucht ist der Mißgunst näher verwandt als der Liebe.
Daniel Sanders
deutscher Lexikograf und Poet
geb. 12. November 1819 in Strelitz; gest. 11. März 1897 ebendort


Es gibt keinen besseren Maßstab der Liebe als das Vertrauen.
Meister Eckhart
spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph
geb. um 1260, gest. 30. April 1328 in Avignon


Nichts ist so eifernd, so strenge und so zart, als wahre Liebe. Sie kann tausenderlei Dinge nicht dulden, die wir in einem gewöhnlichen Zustande nicht einmal wahrnehmen.
Francois Fenelon
französischer Erzbischof und Schriftsteller
geb. 6. August 1651 auf Schloss Fénelon im Périgord; gest. 7. Januar 1715 in Cambrai


In einer echten Liebe ist das Vertrauen die einzige Zuflucht der Eifersucht.
Sully Prudhomme
französischer Schriftsteller
geb. 16. März 1839 in Paris; gest. 7. September 1907 in Châtenay-Malabry


Die Gefahr ist die poetische Ballfrisur der Liebe, und die hat sie auch höchst nötig, denn in der Schlafhauben der Alltäglichkeit nimmt sich diese Himmelstochter miserabel aus.
Johann Nestroy
österreichischer Schriftsteller
geb. 7. Dezember 1801 in Wien; gest. 25. Mai 1862 in Graz


Der geplagte Bräutigam

Im ganze Dorfe gehts Gerücht,
Dass ich um Greten freie;
Sie aber läßt das Tändeln nicht,
Die Falsche, Ungetreue! –
Denn Nachbar Kunzens langer Hans
Führt alle Sonntag sie zum Tanz
Und kommt mir ins Gehege –
Man überlege!

Auf künftge Ostern wirds ein Jahr,
Da faßt ich mich in Kürze –
Und kauft ihr [das Ding war rar]
Ein Band zur neuen Schürze;
Und an dem zweiten Feiertag,
Just mit dem neunten Glockenschlag,
Bracht ich ihr mein Geschenke –
Man denke!

Ich hatte nämlich räsoniert
Den Tag vorher beim Biere:
Wenn ich sie, mit dem Band geziert,
Zum Abendtanze führe,
So sag ich alles lang und breit
Und breche die Gelegenheit
Im Fall der Not vom Zaune –
Man staune!

Drauf hatt ich mich schön angetan,
Als gings zum Hochzeitsfeste!
Ich zog die neuen Stiefeln an
Und meines Vaters Weste;
Doch als ich kam vor Gretens Haus,
War auch der Vogel schon hinaus
Mit Hansen in die Schenke –
Man denke!

Das fasste mich wie Feuerbrand,
Der Zunder musste fangen;
Da kam, um seinen Hut mein Band,
Der Musjoe Hans gegangen;
Nun sprüht ich erst in voller Wut,
Er wurde grob – und kurz und gut
Ich kriegte derbe Schläge –
Man überlege!

Den Tag darauf an Gretens Tuer
Lauscht ich als Ehrenwächter.
Da schallte aus dem Garten mir
Ein gellendes Gelächter.
und als ich habe hingeschaut,
Da saß denn meine schöe Braut
Mit Hansen hinterm Zaune –
Man staune!

Das fuhr mir arg durch meinen Sinn,
Das Wort blieb in der Kehle;
Des andern Morgens ging ich hin
Und hielt ihrs vor die Seele;
Und sagt ihrs endlich grad heraus:
– Hör, Grete, mach mirs nicht zu kraus,
Sonst geh ich meiner Wege! –
Man überlege!

Da lachte sie mir ins Gesicht
Und kehrte mir den Rücken.
Ja, wenn der Hans den Hals nicht bricht,
So reiss ich ihn in Stücken!
Sonst bringt sie es gewiß so weit,
Daß ich mich noch bei guter Zeit
Im nächsten Teich ertränke! –
Man denke!

Theodor Körner
deutscher Dichter
geb. 23. September 1791 in Dresden; gest. 26. August 1813 im Forst Rosenow


Zitate und Aphorismen, Thema: Liebe, die Naturgewalt, Vielfalt der Liebe / Eifersucht was last modified: Februar 7th, 2018 by Henrik Geyer