Die Zahl Zwei

die Zahl Zwei

Was ist das Geheimnisvolle an der Zahl Zwei? Gibt es überhaupt ein Geheimnis, oder ist alles bereits sonnenklar?

Bitte auch lesen: Artikel Die Zahl Eins

Das eine bedingt das andere

Wie im Artikel zur Zahl Eins bereits erläutert, ist es das Wesen des Denkens, immer in Objekten (eins) zu denken. Ich nenne dies (spirealistisch) objekthaftes Denken – der Begriff objekthaftes Denken benennt die Rätselhaftigeit dieser Tatsache – wir denken stets in Objekten, so als seien diese völlig abgeschlossen, jedoch können wir in der Beschreibung irgendeines Objektes nie zu einem Ende kommen. Es ist also gar nicht eindeutig abgrenzbar.

Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

 

Haben wir uns einmal mit dieser Tatsache abgefunden, so ergibt sich aus dem Bestehen von Objekten die Notwendigkeit, dass diese sich unterscheiden mögen, von etwas anderem. Es entsteht „das Andere“.

In der griechischen Antike entstand der philosophische Grundsatz:

Die Grenze des einen Dinges ist zugleich die Grenze eines anderen Dinges.
Anaximander, griechischer Philosoph, (* um 610 v. Chr. ; † nach 547 v. Chr.)

Das Ich und das andere

Das Eine bedingt das Andere … bedeutet spirealistisch gesehen (im Spirealismus ist alles eine Relation – es gibt nichts Einzelnes): ein Objekt das wir vor uns sehen, wie ein Glas Wasser beispielsweise, braucht das Andere, um „da“ sein zu können. Es braucht die Relation, es ist nur „existent“ als Relation – wie alles.

Genauso kann man das Enstehen des Ich sehen. Es ist selbst, spirealistisch gesehen, ein „Objekt des Denkens“, und ist eine Relation zu den Dingen, die es in seinem Außen wahrnimmt.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

These und Antithese – Dualität

In der Philosophie kennt man die These – Antithese Relation, die als Ergebnis die Synthese hervorbringt. Es ist der die Welt antreibende Konflikt zwischen den ewigen Opponenten, den Meinungen, den Feinden, den Streitthemen, die im nie enden wollenden Kampf miteinander das Neue erzeugen.

These und Antithese, verstanden als der Unterschied, können nie enden, nie aufhören sich zu bilden. These und Antithese sollte man dabei übrigens nicht als VÖLLIG gegensätzlich verstehen – eher als Variation ein- und desselben. Denn die Verbindung von These und Antithese innerhalb desselben Themas (was schließlich die Synthese erst ermöglicht) ist bereits eine sehr enge Eingrenzung.

Siehe auch: Beitrag Antithese – nicht völlig gegensätzlich

These und Antithese sind im übertragenen Sinn die Temperaturunterschiede der Thermodynamik, die Gravitationsunterschiede des Weltalls, die, würden sie enden, das Ende jeder Bewegung, das Ende jeder Entwicklung bedeuten würden. Eine solche Vorstellung eines Endes gibt es in der Thermodynamik – hier fragt man sich, ob durch die immer weiter fortschreitende Gleichverteilung der Energie im Universum (Entropie) die Entwicklung des Universums irgendwann in einheitlichem Schwarz zum Stillstand kommen wird …

Doch, (zumindest für den Spirealismus) gilt: Eine solche Entropievorstellung ist falsch. Erstens weil es kein objektives Außen gibt, das jenseits des Denkens zwangsläufige Prozesse beinhalten würde. Daraus folgt zweitens, dass der eigentliche Ursprung der Bewegung nicht die Unterschiede sind, die mit Entropie beschrieben werden. Anders gesagt: So lange es Eins gibt, muss es auch das Andere geben (verstanden als die Zahl Zwei) denn das Eine und das Andere sind nur als Relation existent.

Dualität

Dualität ist ein weiteres Wort, das im Grunde den selben Sachverhalt meint: die Notwendigkeit des Unterschiedes. Die Notwendigkeit des Sich-Verbindens, und auch des Ringens, der Verschiedenheit, ausgedrückt durch die Zahl Zwei.

Das Eine wäre ungeeignet, Triebfeder der Welten zu sein – es braucht den Unterschied, die Relation. Es braucht das Andere.

Verkörpert wird diese Tatsache auch durch das Yin und Yang des Taoismus – es sind einander entgegengesetzte Kräfte, die durch ihr Zusammenwirken und Gegeneinanderstehen das Grundprinzip der Welt formen.

Ohne das eine kann das andere nicht sein.

Die Zahl Zwei – Ouspenskys Visionen

P.D.Ouspensky hat in der ersten Hälfte des 20. Jhds psychologische / esoterisch-okkulte Versuche mit dem eigenen Bewusstsein unternommen, er beschrieb das in seinen Büchern. Er war dem Wesen des Rätselhaften auf der Spur, dessen Realisierung er überall wahrnahm. Mit Drogen experimentierend, versetzte er sein Bewusstsein in einen Zustand, in dem er Wahrnehmungen anderer Art hatte, als dies im Normalzustand der Fall ist. Seine Beschreibungen dieser Visionen sind spirituell-philosophische Glanzstücke.

In seinen dokumentierten Wachträumen thematisierte er unter anderem die fundamentale Wichtigkeit des antreibenden Prinzips, das mit der Zahl Zwei verbunden ist. Er beschreibt darin eine andere Sichtweise auf sein Ich, das sich auflöste, und mit ihm ein Teil der Relationen, die die Welt so fest erscheinen lassen, aus denen die Welt erst  entsteht ….

Zitat:

Ouspensky, A new model of the universe

What I first noticed, simultaneously with the ” division of myself into two “, was that the relation between the objective and the subjective was broken, entirely altered, and took certain forms incomprehensible to us. But ” objective ” and ” subjective “ are only words. I do not wish to hide behind these words, but I wish to describe as exactly as possible what I really felt. For this purpose I must explain what it is that I call ” objective ” and ” subjective “. My hand, the pen with which I write, the table, these are objective phenomena. My thoughts, my mental images, the pictures of my imagination, these are subjective phenomena. The world is divided for us along these lines when we are in our ordinary state of consciousness, and all our ordinary orientation works along the lines of this division.

Was ich zuerst bemerkte war, das im selben Moment der Teilung meines Ich in zwei, die Beziehung zwischen Objekt und Subjekt zerbrach, völlig geändert wurde, zu etwas uns völlig Unverständlichem wurde. Aber „objektiv“ und „subjektiv“ sind nur Worte. Ich möchte mich nicht hinter diesen Worten verstecken, sondern versuchen so genau wie möglich zu beschreiben, was ich fühlte. Zu diesem Zweck muss ich beschreiben, was ich unter „objektiv“ und „subjektiv“ verstehe.

Meine Hand, der Stift mit dem ich schreibe, der Tisch, das sind objektive Phänomene. Meine Gedanken, meine mentalen Bilder, die Bilder meiner Phantasie, dies sind subjektive Phänomene. Die Welt ist uns entlang dieser Linie geteilt, wenn wir uns im normalen Zustand des Bewusstseins befinden, und all unsere normale Orientierung funktioniert entlang dieser Trennlinie.

 

Aus dem einen folgt die Existenz des anderen. Doch damit aus These und Antithese, aus der Eins und der zahl Zwei, die Synthese entsteht, braucht es die Drei.

 

Ähnliches Thema: Die Zahl Drei

Siehe auch: Beitrag Der vierte Weg

Ähnliches Thema: Artikel Hoffnung – Frei von Hoffnung und von Furcht.

Die Zahl Zwei was last modified: Mai 25th, 2016 by Henrik Geyer