Wir können kein fremdes Universum betreten

Wenn es die Vision spiritueller Sichtweisen ist, dass es eine Welt jenseits unserer Vorstellungen gibt, dann lautet der normale materialistische Reflex: nichts wie hin! Ebenso: Wenn in der Bibel die Rede von Gott ist, so ist es der normale Reflex des Bibellesers, das Göttliche anzustreben.

In dem Artikel „Der Mensch kann niemals über die Grenzen des Universums hinaus“ habe ich beschrieben, dass das (menschliche) Universum nicht verlassen werden kann. Dies ist im Grunde auch das beste Argument, warum kein fremdes Universum betreten werden kann.

 

Doch, wir wollen das ein wenig ausführen: Wenn das Weltall alles das ist, was der Mensch kennt, oder kennen könnte, dann kann der Mensch das, was er kennt, nachdem es ihm bekannt geworden ist, nicht fremd nennen. Alles, was der Mensch kennt, ist ihm auch bekannt. Also angenommen, er lernt etwas kennen, und sei es die ihm zunächst fremde Variante irgendeiner Existenz, so kann er das, was er nun kennt, nicht als fremd bezeichnen, ohne den Wortsinn ad absurdum zu führen.

 

Was wie ein unlösbarer Widerspruch klingt, hat vor allem für den Materialismus wenig Sinn. Denn der Materialismus, der davon ausgeht, der Mensch würde ein von ihm unabhängiges Außen beobachten, glaubt, die Dinge seien in der Form, wie man sie „zu Gesicht“ bekommt, „objektiv“ vorhanden und „schon dagewesen“, bevor man sie ansieht. In dieser Form gedacht erzeugt sich ein Paradox, das darauf hinausläuft zu fragen, was denn schon „da sei“, und wahrzunehmen, dass alles das, was man sich denkt, auch in eine gewisse Realisierung eintritt. Wohingegen nur das, was man nicht denkt, wirklich keinerlei Realität hat und haben kann. Und nun verblüfft es den Materialisten, wenn es sich vorstellen will, was er sich nicht vorstellt – wo er doch meint, sich alles vorstellen zu können, den freien und unbestechlichen (menschlichen) Geist als einen Spiegel des Wirklichen sehend.

Für den Spirealismus (und z.B. Carl Gustav Jung, bei dem ich etwas Ähnliches einmal las), macht die obige Aussage mehr Sinn. Denn der Spirealismus betrachtet den Kosmos unter der Maßgabe, dass der Kosmos geistig entsteht. Eine der diversen Konsequenzen ist, dass der Kosmos auf der subjektiven Wahrnehmung basiert, und dass es das Objektive nicht gibt. Also ist der Mindfuck, die Verwirrung, die damit verbunden ist, dass man sich immer fragt, „was es denn geben könnte“, im Spirealismus nicht vorhanden. Alles entsteht ja erst im Moment der Wahrnehmung. Im Grunde „gibt es“ nichts. Die Universen sind immer subjektiv und immer einzigartig (Ich-Universen), und sie entstehen in uns und durch uns, und zwar in dem einzigen Moment, der wirklich erlebbar ist: dem ewigen Jetzt.

So gesehen sind die Universen eine Art virtuelles Hologramm, sind eine Sichtweise auf Information. Der Mensch ist nicht Beobachter eines Außen, sondern Element eines Prozesses. Das Wesen seiner subjektiven Sicht ist die Einzigartigkeit, und die Tatsache, dass er seine Subjektivsicht nicht verlassen kann.

„Das Universum“ ist ein Wort, das „das Alles“ wie ein einziges Objekt der menschlichen Betrachtung sehen möchte. Doch weder gibt es „das“ Universum, noch „den“ Menschen. So gesehen könnte man formulieren, dass „das Universum“ die supersubjektive Sichtweise „des Menschen“ auf Information ist.

Es ist im Materialismus völlig unverstanden, und es klingt dort wie Mindfuck, wenn man sagt, dass jeder sein eigenes, individuelles Universum hat. Dies nicht sehend, kann man auch nicht sehen, dass sich hier bereits die Frage nach dem Betreten fremder Universen stellt. Das Fremde beginnt im Nächsten .. man muss dazu nicht Milliarden Lichtjahre in einem äußerlichen Universum reisen. Und bereits hier zeigt sich: Ebenso wenig, wie man tatsächlich in die Haut von jemand anderem schlüpfen kann, kann man ein fremdes Universum betreten.

Wir können kein fremdes Universum betreten was last modified: November 22nd, 2016 by Henrik Geyer