Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken

Symbolismus der Astrologie: Sternzeichen Fische, Zodiac Sign Pisces

Was ist ein Symbol?

Ein Symbol ist ein Zeichen, das für etwas anderes steht. Beispielsweise ist ein Symbol für Deutschland die deutsche Flagge, ein literarisches/filmisches Symbol für Traurigkeit ist Regen, ein astrologisches Symbol ist beispielsweise ein Sternzeichen. So bezeichnet Symbolismus eine Form des Denkens. Symbolismus als ein Denken in Sinnbildern.

Worin liegt das Problem der Erklärbarkeit von Symbolismus?

Das Problem der Erklärbarkeit liegt im Grunde in der Abgrenzung. Was ist eigentlich kein Symbol?
Das ist gar nicht so einfach zu klären, wenn man Folgendes bedenkt:
1. Jede vorstellbare Sache kann zu einem Symbol gemacht werden. Ich kann es jetzt, in diesem Augenblick, selbst tun. Ich erschaffe ein Symbol, indem ich erkläre, dass Deutschland für Wertarbeit steht. Somit ist also nicht nur die deutsche Flagge ein Symbol für Deutschland, sondern das Bezeichnete selbst ist wiederum ein Symbol, oder kann zumindest so gesehen werden.
2. Abgrenzbar wäre Symbolismus, wenn man unter Symbolismus eine Art Lehre verstehen würde, die darlegt, welches Symbol für welchen Gegenstand steht.
Doch man kann Symbole ganz verschieden anwenden. Zum Beispiel kann Regen in einem Roman auch ein Symbol für eine Reinigung sein. Wer will also sagen, ein Symbol könne nur dies oder jenes sein?
3. Das Verstehen eines Symbols ist abhängig vom Verständnis desjenigen, dem ein Symbol gezeigt wird. Wenn z.B. auch ein Schriftsteller das Symbol Regen wie ein Zeichen für Traurigkeit einsetzen mag, so wird doch so mancher Leser darin auch die Reinigung sehen, oder dem überhaupt eine andere Bedeutung geben. Wer will also den gesamten Bedeutungsumfang eines Symbols bezeichnen, doch wissend, dass dieser Bedeutungsumfang all das umschließen müsste, was alle Menschen darin sehen?

Symbolhaftes Denken

P.D.Ouspensky, Schriftsteller und Esoteriker, bezeichnete Symbolismus als eine Art und Weise des Denkens, und zwar eines Denkens, das in den Dingen immer Symbole sieht. Er schrieb, dass diese Denkweise in unserer ach so bestimmten Welt, die glaubt, in einer Sache immer nur eins sehen zu können, diese Fähigkeit abhanden kommt. Die Fähigkeit des symbolhaften Denkens zurückzuerlangen, sei ein äußerst schmerzhafter und langwieriger Lern-Prozess.
Ein Zitat, das meiner Ansicht nach sehr schön das Wesen des symbolhaften Denkens erklärt, ist das Folgende: „Jahrelang hatte ich den irrigen Grundsatz der Maler, man müsse die äußere Natur studieren, um künstlerisch schaffen zu können, stumpfsinnig nachgebetet und befolgt; erst, seit Hillel mich in jener Nacht erweckt, war mir das innere Schauen aufgegangen: das wahre Sehenkönnen hinter geschlossenen Lidern, das sofort erlischt, wenn man die Augen aufschlägt, – die Gabe, die sie alle zu haben glauben und die doch unter Millionen keiner wirklich besitzt.“ (aus: „Der Golem“ von Gustav Meyrink)

Resümee

Die vielen symbolistischen Speziallehren, sei es Astrologie, Tarot, Flaggenkunde oder Wappenkunde, sogar die Symbole des Periodensystems der Elemente, sehe ich als Erscheinungsformen eines umfassenden Prinzips. Diese Erscheinungsformen lassen das eigentliche Prinzip dabei zur Unkenntlichkeit verblassen. Denn das Prinzip selbst hat letztlich nichts mit einer ganz bestimmten Aussage zu tun – weder mit einer Flagge, noch mit einer Spielkarte, noch mit einem Stern. Es ist vielmehr eine unerschöpfliche Quelle, eine Quelle, die alle Deutungen hervorbringen kann.
Ich sehe Symbolismus als eine Denkweise, die sehr verwandt ist mit Spiritualität, und von dieser nicht zu trennen ist. Denn Spiritualität ist Sich-dem-Innen-zuwenden, dem Geist. Das „wahre Sehenkönnen hinter geschlossenen Lidern“, das Sehen der Dinge, die hinter den Dingen stehen, ist nicht möglich, wenn man sich nur auf ein Außen konzentriert.

Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer