Perfektionismus – was ist das?

Perfektionismus: Imperfection is beauty

Perfektionismus: Wie viel Perfektes können wir ertragen?

In unserer modernen Welt, in der uns von jedem Bildschirm ein perfekter Mensch entgegen lächelt, wo die Produkte goldig glänzen, wo Männer in Business-Anzügen glücklich-geschäftig hin und hereilen, scheint es so zu sein, als wäre alles Nicht-Perfekte abzulehnen, auszumerzen, zu überwinden. Was wir brauchen, so scheint es – ist Perfektionismus! So ist man stets und ständig am Arbeiten , das herzustellen, was man als ein Mindestmaß an Perfektion ansieht. Man reibt sich dabei auf, so dass am Ende zu fragen ist, wie viel von diesem Perfekten man überhaupt ertragen kann. Zitat von Stanislaw Jerzy Lec: Die Technik ist auf dem Wege, eine solche Perfektion zu erreichen, dass der Mensch bald ohne sich selbst auskommt.

Die Kehrseite

Die Kehrseite der Medaille, die Kehrseite des Perfekten, das sind häufig wir selbst. Zu dick, nicht schön genug, problembeladen…
Was machen wir wohl falsch?

Wir machen etwas falsch, wenn wir uns mit der falschen Idee vergleichen. Wir machen etwas falsch, wenn wir uns auf Gedanken der Perfektion fokussieren.

Was ist Perfektionismus?

Perfektionismus ist der Glaube an eine Norm, wie Dinge auszusehen hätten. Und diese Norm, so glaubt der Perfektionist, gäbe es außerhalb seiner selbst.

Das Problem ist: Der Perfektionist kann sich seinem Idealbild bestenfalls nähern, es aber nie erreichen. Denn es geht für ihn scheinbar immer noch ein wenig besser. Ein Ziel, das man verfolgt, das man aber nicht erreichen kann… was wäre ein besseres Ersatz-Wort, wenn nicht Wahnsinn, Burn Out, Überforderung und Verzweiflung?

Maß halten

Im Maß-Halten hingegen liegt Weisheit. Maßhalten auch in unseren Ansprüchen an uns selbst. Die Perfektion, die wir uns für uns selbst ausdenken – wir können sie nie erreichen. Sehen wir vielmehr, dass unsere Ansprüche aus uns selbst kommen. Und in uns selbst sind sie überwindbar.

Die Perfektion ist also etwas, das sich aus uns entwickelt. Sie ist nicht in einem Außen vorhanden, als der Wille der Natur etwa, der Wille der Menschheit, oder dergleichen.
Wenn die Perfektion nicht in uns ist, wo ist sie dann? Und, wenn wir uns schon Dinge ausdenken, warum dann nicht Dinge, die uns auch gut tun?

Die Welt ist in Ordnung wie sie ist. Sie braucht keine Perfektion und keinen Perfektionismus

Es hilft, sich ab und zu daran zu erinnern, dass die Welt nicht perfekt ist, und nie sein kann. Ihr Wesen ist das Widersprüchliche, nicht die eine Wahrheit; ihr Wesen ist das Ungeordnete der Natur, und nicht die „Schönheit“ eines betonierten Parkplatzes; ihr Wesen ist die Nicht-Perfektion des Seins und nicht die Perfektion eines überspannten menschlichen Geistes.
Lehnen wir uns zurück und gönnen uns auch einmal einen unperfekten Tag. Man erkennt dann: die Sonne geht auf, auch ganz ohne Perfektionismus.

Perfektionismus – was ist das? was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer