Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“?

Das All ist paradox wie die Unendlichkeit [SPID 4492]

Das Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“ ist paradox, weil es etwas bezeichnet, das es nicht geben kann.

Es ist insofern ganz ähnlich der Wort „das Nichts“. Lesen Sie auch: Beitrag Gibt es das Nichts? Wie kann man sich das Nichts vorstellen?

Während das Wort „alles“ oder „das All“ einen, wenn auch sehr großen, Gegenstand suggeriert, der umfassend beschreibbar ist, abzählbar ist (eins), ist doch das Wort „das All“ oder „alles“ das vielfältigste, das es geben kann. Es bezeichnet eine Unendlichkeit, denn mit dem Aufzählen all dessen, was es beinhaltet, wird man nicht fertig.

Das All ist all das, was es gibt, aber auch das, was es geben könnte.

Im Materialismus: „Alles“ ist paradox

Im Materialismus ist es paradox das Alles denken zu wollen, es ist paradox die Frage beantworten zu wollen, was „es geben könnte.“

Denn, wie man schnell merkt, ist das, was es geben könnte, unendlich, und hängt nur von dem ab, was wir uns in diesem Augenblick vorstellen. Beispielsweise könnte es im All, das ja alle Möglichkeiten beinhaltet, und das unendlich ist, auch Bibel-schreibende Affen geben. Das sagt uns schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wenn es eine noch so geringe Wahrscheinlichkeit gibt, dass ein Affe, wenn er auf einer Schreibmaschine wahllos Tasten drückt, auch einmal ein sinnvolles Wort schreiben kann, dann muss es in einem Raum, der unbegrenzt ist, und in dem daher in einer Unendlichkeit „alle“ Möglichkeiten zum Tragen kommen, auch Affen geben, die gerade dabei sind, die Bibel aufzuschreiben.

Die geringste Wahrscheinlichkeit multipliziert mit dem Unendlichen ergibt eine Notwendigkeit.

Im Spirealismus: „Alles“ ist nicht (be-)greifbar, jedoch nicht paradox

Im Spirealismus ist der Gedanke die Existenz. „Alles“ ist, was der Mensch in Gedanken erfassen kann. Was der Mensch in Gedanken erfassen kann ist aber nicht, wie der Mensch materialistischen Glaubens meint, unendlich, sondern, was er denkt ist endlich. Hingegen bezeichnet der Spirealismus das, was der Mensch nicht denkt, als „möglich“, aber „nicht realisiert“. „Möglich“ ist dem Spirealismus ein Begriff synonym mit Unendlichkeit, wieder wird hier etwas benannt, das nicht gedacht werden kann. Der Materialismus hält das Mögliche für eingrenzbar, weil er nur die menschlichen Gedanken für möglich hält. Ausgehend vom menschlichen Denken erscheint nur das möglich, was sich aus diesem Denken ableiten lässt – ein Zirkelschluss ewiger Redundanz.

Zur Beachtung: zwischen dem „Möglichen“ und dem „Realisierten“ verläuft eine Grenze, die selbst undenkbar ist, denn der Bereich des unendlich Möglichen, des Nichts, des Undenkbaren, ist für den Spirealismus tatsächlich undenkbar. Also kann keine Grenze sichtbar werden, die das Undenkbare eingrenzt.

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Aus der Undenkbarkeit der Grenze ergibt sich in der materialistischen Sichtweise die Annahme, es gäbe keine Grenze. Dem Materialisten erscheint die Begrenzung des Denkens auch deshalb unmöglich, weil es doch zu den Grundannahmen seines Glaubens gehört, Geist sei im menschlichen Gehirn verortet, und dieser Geist sei frei.

Hingegen nennt der Spirealismus die Grenze zwar undenkbar, jedoch ist es innerhalb des Spirealismus eine Notwendigkeit festzustellen, dass es eine Grenze, eine Unterscheidung, gibt. Denn erstens sind Grenzen, wenn alles Geist ist,  im Geist – also hat der Geist Grenzen. Zweitens ist, wenn alles verbunden ist, das Nicht-Verbundene nur scheinbar, nur Abstraktion; ist die Unterscheidung eine notwendige Denkgrenze, die die Dinge entstehen lässt – siehe auch die Welt der Namen des Taoismus.

Der Mensch ist ein Element der Schöpfung, durch ihn läuft die Schöpfung hindurch, so wie Wasser aus einer Quelle austritt. Der Quelle ist das Wasser unendlich, in dem Sinn, dass es nie und nimmer aufhört, aus ihr herauszurinnen. Endet aber das Wasser, ist auch die Quelle nicht mehr da – und jede Frage, was die Quelle über Wasser aussagen oder für möglich halten kann, endet. Um den Umfang der Möglichkeiten des Wassers weiß die Quelle nichts, denn sie weiß nur von dem Wasser, das aus ihr kommt, und das, genau gesagt, nichts anderes ist, als sie selbst. „Alles“ kann ihr nur das Wasser sein, das sie aus sich herausrinnen sieht. Überträgt man diese Analogie auf den Menschen: Enden die menschlichen Gedanken, ist der Mensch nicht mehr da. Die Gedanken gehen weiter. Mit dem Tod enden, zusammen mit der menschlich-irdischen Existenz, die Denkgrenzen. Über die Möglichkeiten der Gedanken weiß der Mensch nichts. Er kennt nur sein eigenes, begrenztes Denken – dort, wo es sich verfestigt, ist es ihm synonym mit Existenz.

Aus der Sicht des Spirealismus wird ersichtlich, warum der Begriff des Unendlichen, bzw. des Alls, paradox ist. Der Begriff bezeichnet etwas Abzählbares, Endliches. Das All. Der Mensch rechnet im wahrsten Sinn des Wortes mit dem Unendlichen, mit dem All. Das Wesen der Unendlichkeit aber ist, nicht zählbar, nicht erfassbar, dem Menschen nicht denkbar zu sein. Und sofern der Mensch mit dem Unendlichen rechnet, ist es falsch. Falsch insofern, als Unendlichkeit dem Menschen nichts sagen kann, denn dessen Existenzbegriff ist gleichbedeutend mit Endlichkeit.

Alles hat einen Ursprung: uns selbst. Daher ist „alles“ synonym mit „unendlich“. Unendlich ist etwas, das für uns nie aufhört, etwas, womit wir nicht fertig werden. Das Einzelne fährt fort zu entstehen, solange wir da sind – denn es kommt ja aus uns. Der Mensch ist das endliche Element in einer ihm unzugänglichen Unendlichkeit.

Was ist paradox am Wort „das Alles“ / „alles“ / „das All“? was last modified: Dezember 21st, 2016 by Henrik Geyer