Was ist Nonkonformismus? Nonkonformistische Seelenheilung

Nonkonformismus - schwarzes Schaf [SPID 4371]

Was ist Nonkonformismus? Nonkonformismus ist Unangepasstheit. Nonkonformismus ist der Gegenpol zu Konformismus, der Angepasstheit. Unangepasstheit/Angepasstheit – bezogen auf was? Bezogen auf die Gebräuche, Sitten, das „normale“ Denken der umgebenden Menschen.

 

Ist man ein Nonkonformist, wenn man heute Musik aus den 70ern hört? Mancher versteht das so. Aber Musik aus den 70ern zu hören ist im Grunde schon wieder eine Mode, zumindest in bestimmten Kreisen. Bezogen auf diese Kreise ist man kein Nonkonformist, sondern ein Konformist. Bezogen auf andere Kreise wiederum verhält es sich genau umgekehrt.

Man sieht, dass in einer unendlichen Bandbreite Nonkonformismus so ziemlich alles bedeuten kann. Doch wollen wir Nonkonformismus in seiner deutlichen Ausprägung anschauen, dort, wo er zu einer Unbequemlichkeit wird. Nonkonformismus als eine gewisse Unabhängigkeit des Denkens.

Was ist Nonkonformismus?

Mir fallen dazu einige Begriffe ein, die ich kurz besprechen will

Unbequemlichkeit

Nonkonformismus ist unbequem, denn es ist der dringendste Wunsch des Menschen, sich in Übereinstimmung zu befinden. Jedes offensichtliche Nicht-Übereinstimmen ist unbequem, versetzt in eine Opposition.

Einsamkeit

Sich in den Gegensatz zu anderen zu begeben, bedeutet, keine Zustimmung zu erhalten. Oft bedeutet es Einsamkeit.

Der Loner

Im Film ist der Nonkonformist der Einzelgänger, der unbeirrt von der Meinung der Vielen seinen Weg geht, sich nur auf sich verlässt. Das ist die Variante, in der der Nonkonformist als „gut“ erscheint – er hat den Mut zu tun, was andere nicht für möglich halten, und oft genug gelingt es ihm zu erreichen, was andere nie erreichen können, die artig auf die Zustimmung aller bauen.

Der Böse

Oft ist im Film der Nonkonformist auch der Böse, der sich in den Gegensatz zur großen Mehrheit begibt. Die Mehrheit empfindet das eigene Denken als richtig, daher erscheint das gegensätzliche Denken wie falsch, und auch als böse.

Mut

Es gehört Mut dazu, nicht Teil der Menge sein zu wollen. Die Menge sieht das nicht gern. Die Menge beurteilt richtig oder falsch nach der Maßgabe des eigenen Denkens. Das tut der Nonkonformist natürlich im Prinzip auch, doch verlässt er sich weniger darauf, was alle anderen für richtig halten, sondern befragt vor allem sich selbst.

Das Denken der Menge erscheint der Menge selbst als überaus richtig. In einem endlosen Zirkelschluss prüft die Menge „die Wahrheit“ an der Wahrheit der Menge – und kann so beim besten Willen zu keiner anderen Wahrheit kommen, als der der Menge.

 

Gleichgültigkeit

Es gehört wohl Mut zu nonkonformistischem Denken – man könnte das auch Gleichgültigkeit nennen. Wenn man einmal bestimmte Wahrheiten der Masse als falsch erkannt hat, wird es einem gleichgültig, was dieser oder jener dazu sagt.

Genaues Überlegen

Die Voraussetzung, seine eigene Wahrheit über die der Menge zu stellen, ist Arbeit und genaues Überlegen.

Umgekehrt bemerkt man, selbst arbeitend, fragend, eruierend, wie viele Menschen gewöhnlich damit zufrieden sind, dass irgendjemand zu ihnen sagt, eine Sache verhalte sich soundso. Auf ebendiese Weise wollen sie dieses „Wissen“ auch weitergeben.

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.
Arthur Schopenhauer

Ignoranz, Zynismus

Zynismus ist eine Denkrichtung, die die Ablehnung der Werte der Menge beinhaltet. Nicht etwa, wie diese Menge glaubt, weil der Zyniker das Leben ablehnt (das ist ja der heutige Wortsinn von „zynisch“: ablehnend sein, die Werte missachtend etc.). Nein, ganz im Gegenteil. Sondern, weil er die Werte der Menge für falsch hält, und das Leben zu sehr schätzt, als sich falschen Werten hinzugeben.

Der Eremit

Der Eremit, der sich in eine Klause abseits der menschlichen Gesellschaft zurückzieht, ist ein Nonkonformist. Er koppelt sich weitgehend vom Denken der Gesellschaft ab, um die eigene, innere Wahrheit zu ergründen. Er nimmt dafür die Unbequemlichkeit des Einzelgängertums auf sich.

Geistige Gesundheit

Nonkonformismus ist ein guter Ansatz für Gesundheit, auch geistige Gesundheit.

Die Annahme, man müsse dem Denken der Masse immer gerecht werden, führt zu vielerlei Überforderungen. Erstens sind die Anforderungen oft unpassend, zweitens ist man selbst oft nicht in der Lage, bestimmte Leistungen zu erbringen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man nun „Nicht-Können“ als körperliche Unfähigkeit, oder als ein Nicht-Wollen definiert. Meist läuft das auf ein- und dasselbe hinaus.

Im Grunde muss man sich darüber klar werden, dass es keine genaue Deckungsgleichheit geben kann, zwischen der Wahrheit der Masse und der eigenen Wahrheit. Die Lücke wird immer bestehen. Was es braucht, ist Mut zur Lücke.

Wer nicht akzeptieren kann, dass das eigene Denken stets auch in einem graduellen Widerspruch zum Denken aller anderen stehen muss, wer angepasst sein muss auf Biegen und Brechen, riskiert sein Glück und seine Gesundheit, nicht zuletzt seine geistige Gesundheit. Auch Burn-Out ist ein Phänomen, das von einem Angepasst-sein-Wollen ausgeht .. was es hier zur Heilung braucht, ist Nonkonformismus.

Was ist zu tun?

Keine „Macht des Guten“ sein wollen

Für den Normalmenschen hört es sich paradox an, aber, Nonkonformist zu sein bedeutet, nicht dauernd „der Gute“ sein zu wollen. Mut zum Bösen, wenn man so will.

Das Gute ist für die Menschen das, was sie als richtig sehen. „Richtig“  ist für jeden Menschen das, was er selbst für wahr hält, was er selbst tut, was er selbst denkt. Was er selbst denkt ist dem Konformisten gleich dem, was alle denken – sein wichtigstes Kriterium für Wahrheit ist, dass sie sich in Übereinstimmung befindet.

Daher bedeutet Nonkonformismus der Mut zum Bösen. Stimmt man nicht mit seinen Mitmenschen überein, macht man aus deren Sicht Dinge falsch, denkt falsch, und ist in der extremen Konsequenz auch der Böse.

Seinen Weg gehen

Man sollte einfach seinen Weg gehen, und versuchen, die eigene Position zumindest nicht immer davon abhängig zu machen, was irgendjemand sagt. Das ist Nonkonformismus.

Wichtig ist, was einem selbst gut tut. Dass das nicht jedem passt, ist selbstverständlich.

Freiheit

In seinem Wesen ist Nonkonformismus Freiheit. Geistige Freiheit ist Freiheit schlechthin. Für manchen ist es Freiheit, in einem Auto mit offenem Verdeck zu fahren. Aber da alles, was erlebt wird, gedacht werden muss, ist das entscheidende Kriterium für Freiheit die Freiheit der Gedanken. Und Freiheit der Gedanken ist viel mehr als die Fahrt in einem offenen Auto.

Konfrontation …

… sollte man dennoch meiden.

Was den Nonkonformisten von der Masse unterscheidbar macht, ist, was er tut und was er sagt. Nur wenn er selbst will, wird er unterscheidbar. Wer sich in die Konfrontation begibt muss kämpfen, leidet auch. In der Konfrontation des Nonkonformisten mit der konformistischen Mehrheit hat er wenig Aussicht auf irgendeinen Gewinn.

Ein Nonkonformist in diesem Sinne war der oben zitierte Schopenhauer. Man hielt ihn im zeitgenössischen Frankfurt (seinem Wohnort) für einen verkannten Niemand. Das ist nicht gerade sehr schmeichelhaft für einen der größten deutschen Denker.

Es hat für den Nonkonformisten wenig Sinn, sich der konformistischen Mehrheit anzudienen, auf die Zustimmung, gar das Lob jener zu hoffen.

Kannst du nicht allen gefallen durch deine Tat und dein Kunstwerk, Mach es wenigen recht; vielen gefallen ist schlimm.

Friedrich von Schiller

 

Was ist Nonkonformismus? Nonkonformistische Seelenheilung was last modified: November 24th, 2016 by Henrik Geyer