Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube?

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Das Problem

Sowohl sehr materialistische Naturwissenschaftler wie auch religiöse Fanatiker verstehen sich selbst als Inhaber einer unbestreitbaren Wahrheit. Der eine nennt sein Wissen fundiert, bewiesen, und unbestreitbar, der andere nennt sein Wissen „Glaube“, und es ist für ihn ebenfalls fundiert, bewiesen und unbestreitbar.

Was ist nun richtig? Was ist die Wahrheit? Was ist tatsächlich unbestreitbar?

Unsere Realität ist das, was wir für wahr halten.

Wie der Leser dieses Artikels in diesem Moment wahrnehmen wird, neigt er der einen oder anderen Überzeugung zu. Das, was er in diesem Moment für wahr hält, ist seine innere Wahrheit. Die Überzeugung des Lesers, die Dinge seien so oder so sind selbst das Fundament seiner Realität.

Und dies ist der Punkt, auf den ich in diesem kurzen Beitrag hinaus will.

Es gibt eine innere Wahrheit

Es ist für den Naturwissenschaftler nicht nachvollziehbar, dass es Menschen gibt, die sozusagen ganz bewusst einer inneren Wahrheit folgen, die im Außen nicht nachweisbar ist. Die diese Wahrheit formen, kultivieren, beachten.

Und es ist umgekehrt für den Gläubigen nicht nachvollziehbar, dass Menschen auf der Suche nach Wahrheit nur in das Außen schauen.

Jedoch ist das eigentliche Kriterium zur Beurteilung der Wahrheit für das Individuum immer die individuelle Wahrheit, die ich eben auch oft „innere Wahrheit“ nenne. Also das, was ich in dem Abschnitt „Unsere Realität ist das, was wir für wahr halten“, beschrieb. Die innere Wahrheit kann fast jede Form annehmen. Und das, was man als „die äußere Wahrheit“ bezeichnen könnte, ist im Grunde eine kommunikative Übereinkunft.

Glaube ist Wissen

Daher ist auch Glaube Wissen. Religiöser Glaube, von dem der Materialist annimmt, dieser sei irrational, dumm, unbewiesen, ist ein Wissen des Gläubigen. Bewiesenes Wissen. Wäre es das, was der Materialist annimmt, nämlich ein Nicht-genau-Wissen, dann hätte der Glaube für den Gläubigen keine Bedeutung.

Spirealistische Sicht der Dinge

Der Spirealismus sieht die Realität in Gedanken entstehen. Die Gedanken – hier allerdings verstanden als ein umfassendes Prinzip, das den Menschen hervorbringt und umschließt, nicht etwa dessen Vorstellung von „seinen“ Gedanken, die er nur selbst denkt, selbst erdenkt, selbst erfindet. Sondern Gedanken, die aus sich heraus Existenz schaffen (Descartes: „Ich denke also bin ich“) und deren Existenz wir als das Ich erleben, das wir selbst nicht erfinden, uns aber zurechnen (Nietzsche: „Es denkt“)

Daher ist es einer der Grundsätze des Spirealismus zu sagen, dass die Realität das ist, was wir dafür halten. Man kann auch sagen, das, was wir für wahr halten. Einen grundsätzlichen Unterschied gibt es zwischen Wissen und religiösem Glauben nicht.

 

Der Vorteil des (spirituellen) Glaubens ist aber, dass der Gläubige, oder sagen wir, der Spirituelle, besser versteht, dass sich die Realität aus Gedanken entwickelt – und dass man dieses (für den Menschen äußerst wichtige!) Prinzip in einem Außen schwerlich nachweisen kann. Es sei denn, man würde verstehen, dass die Realität IN einem Individuum selbst eine Realität ist – während man ja gemeinhin davon spricht, dies sei nur ein Glaube, der von „der Realität“ zu unterscheiden ist.

 

 

 

 

Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube? was last modified: November 28th, 2015 by Henrik Geyer