Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun?

Wer meinen letzten Artikel Über die Intelligenz einer Harke gelesen hat, dem sind vielleicht zwei Dinge aufgefallen, die noch einmal einer tieferen Erwähnung bedürfen.

Das Getrennt-Sehen von Dingen

Über Unabhängigkeit stand da: „.. kann denn ein Mensch etwas hervorbringen, das von ihm ganz getrennt zu sehen ist? Klares Nein.“

Warum „Klares Nein.“? Warum nicht: „Nicht unbedingt.“, oder so ähnlich?

Hierzu folgende kurze Erläuterung (denn ich habe dazu schon vielerlei geschrieben). Diese Erklärung ist überhaupt nicht einfach, dann aber doch wieder einfach. Denn es ist eine Art Glauben.

Zunächst handelt es sich um eine grundlegende Sichtweise des Spirealismus. Nichts ist einzeln. Alles hängt zusammen. Warum? Weil es das Objektive der materialistischen Sichtweise nicht gibt. Oder, wie ich immer formuliere: Die Realität gibt es nicht noch einmal extra, jenseits des Denkens (der Menschen). So dass sich die Menschen nicht auf „die“ Realität wie auf ein Ding beziehen können, das in Eindeutigkeit irgendwo sei.

Anders herum: Wie kommen die Dinge ins Entstehen? Wie „sind“ sie (Existenz)? Sie entstehen aus der Relation. Existenz ist Kommunikation. Daher hat das, was auffasst, auch immer etwas mit dem Aufgefassten zu tun, denn Kommunikation gibt es nur in einem Zusammenhang.

Da der Spirealismus das so sieht, nennt er die Realität also: „nicht eindeutig“. Oder auch: „vielfach“. Er hält demnach mit Leichtigkeit auch eine Realität für möglich, in der die Menschen glauben, die Realität gäbe es noch einmal extra! Wie könnte der Spirealismus das auch bestreiten, wo der Materialismus doch allgegenwärtig ist? Man könnte es also eine Art Glauben nennen, zu sagen, alles hinge zusammen. Ebenso wie der Materialismus ein Glaube ist.

Man möge also glauben, oder auch nicht! Im Prinzip sind ja alle Realitäten möglich.

Im konkreten Fall ist jedenfalls der Zusammenhang Mensch – Produkte des Menschen gegeben. Meiner Ansicht nach völlig offensichtlich. So dass man ohne Schwierigkeit sagen könnte: Der Mensch kann nichts von ihm Unabhängiges hervorbringen.

Das Denken in voneinander unabhängigen Objekten als Produkt des Materialismus ist jedoch geradezu allmächtig. Daher will ich die Aufmerksamkeit desjenigen, der gewillt ist darüber nachzudenken, auf die Frage lenken, was irgendein Ding wäre, mit dem es keinerlei Kontakt gibt. Das man also nicht sieht, nicht hört und an das man nicht denkt? Es ist im wahrsten Sinn des Wortes nicht vorhanden, zumindest für uns Menschen, ob es nun in irgendeiner Realität existiert oder nicht. Man könnte das auch „unabdingbar vorhandenes Unwissen“ nennen, oder auch „Denkgrenze“. Während ja, wie absurd!, der Materialismus glaubt, das Denken habe keine Grenzen.

(Übrigens Achtung, noch eine Kollision mit dem materialistischen Weltbild! An etwas zu denken hat für den Materialismus nichts mit der Sache zu tun, an die gedacht wird. Denn die Objekte sind ja für den Materialismus ganz separat von Denken. Für den Spirealismus ist das nicht so.)

So viel aber erst einmal dazu.

Intelligenz und Kreativität

Ich schrieb auch: “ …  dass Intelligenz definitionsgemäß das Unerwartete hervorbringen muss. Nur etwas sehr Eingegrenztes von Intelligenz zu erwarten widerspräche meiner Auffassung, was Intelligenz auszeichnet. (denn das hieße im Umkehrschluss, dass wir, während wir von Intelligenz sprechen, etwas Nicht-Intelligentes erwarten: nämlich eine Reaktion wie von einem Papagei – der etwas Bekanntes nachplappert.)“

Im Prinzip spreche ich, wenn ich von „etwas Unerwartetem“ spreche, von einem kreativen Vorgang. Etwas Neues kommt ins Entstehen. Etwas, das unvorhersagbar ist. Etwas, das nicht unbedingt hätte entstehen müssen.

Hier gibt es verschiedene Konflikte mit dem materialistischen Weltbild. Ich halte es für wichtig, diese Konflikte aufzuzeigen, weil sie für das Verständnis von Intelligenz, wie ich finde, wichtig sind.

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun?


Im Materialismus gibt es ja diese Überlegung, dass das menschliche Denken letztlich von Objekten außerhalb des Denkens abhinge. So wie das Denken als Objekt gesehen wird (hier ist das Gehirn), sind dort die Objekte die das Denken (das Gehirn) spiegelt.

Daher erscheint es dem Materialismus, als gebe es eine absolute Folgerichtigkeit, der zufolge Entdeckungen gemacht werden. Also: Warum müssen Erfindungen und Entdeckungen gemacht werden? Weil dieser Fortgang der Wissenschaft einfach die beste Entsprechung der Realität ist, welche der Mensch vor-findet. Beispielsweise erscheint es völlig folgerichtig, dass der Mensch, nachdem er die Atome ge-funden hat, diese nun teilen kann, etc.. Das musste so entdeckt werden!

Das Forschen ist also eher ein Finden, denn ein kreativer Prozess, bei dem etwas erschaffen wird. Man sagt ja auch „Erfinder“ und nicht „Kreativkopf“.

Diese Vorstellung hat etwas Mechanistisches, etwas, das, glaube ich, auch jeder überzeugte Materialist innerlich als widersprüchlich empfindet. Einstein sagte einmal – er bezog sich auf das Finden mathematischer Zusammenhänge – es gäbe keine Notwendigkeit für solche Entdeckungen. Einstein wohlgemerkt war Materialist.

Jedoch: Letztlich weiß man, oder ahnt man, dass ein Erfinder kreativ sein muss, um Entdeckungen machen zu können. „Entdeckung“ ist übrigens auch so ein Wort, das das Finden von etwas suggeriert, das schon „da“ sei. So, als lüfte man einen Deckel, der über eine Sache gestülpt ist, oder man hebe eine Decke hoch …

Andererseits: Wenn es der Kreativität bedarf, also des Erschaffens von Neuem, was ja eigentlich an keine Notwendigkeit geknüpft ist, dann ist das Entdecken auch nicht zwangsläufig. Und die Wissenschaftswelt mit ihren Erkenntnissen ist ebenfalls nicht zwangsläufig.

Diese Widersprüchlichkeit kommt auch in dem Einsteinzitat zum Ausdruck: „Die Theorie entscheidet darüber, was man finden kann.“ Das bedeutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Bekannten gibt, und dem, was man zu finden erwartet. Es bedeutet aber natürlich auch, dass man nur finden kann, wofür man eine Theorie hat, was man also kennt. Und hier kommt nun wieder die Frage des Weltbildes ins Spiel. Glaubt man wirklich, dass es nur das geben kann, wofür wir Theorien haben (wie es der Materialismus suggeriert)? Also ich glaube das nicht.


Ich weiß, dass in diesem Moment in so manchem Leser der nicht abschüttelbare Gedanke durchs Hirn fahren wird, man könne doch nur entdecken was auch „da“ sei. Das ist eben ein Widerspruch zum vorher Gesagten, nämlich, dass Entdeckungen ohne eine Notwendigkeit gemacht werden.

Wenn ich gefragt würde, wie das auf der Basis des materialistischen Weltbildes zu erklären sei – ich könnte es nicht erklären. Niemand kann das. Der Materialismus ist einfach zu faul darüber nachzudenken. Das ist alles.

Das sind im Ergebnis die unauflösbaren Widersprüche des Materialismus: Paradoxien. Ich kann und will nicht weiter mit diesen letztlich unüberwindlichen Unstimmigkeiten argumentieren.


Für den Spirealismus ist alles einzigartig. So, wie auch der Millionste VW-Käfer einzigartig ist, und nicht der „selbe“ wie ein anderer. Das „selbe“ gibt es im Spirealismus nicht. Das „selbe“ ist ein Widerspruch in sich, denn es handelt sich um einen Bezug zwischen verschiedenen Dingen, deren absolute Ein-heit man ausdrücken will. Geht also nicht. Außerdem gibt es das Einzelne nicht – daher muss alles eine Relation zwischen Verschiedenem sein. Yin und Yang [SPID 4000]Als beste Illustration hierfür fällt mir das Yin-Yang-Symbol ein. Die aus materialistischer Sicht unbegreifliche Einheit in der Verschiedenheit. Insofern ist „dasselbe“ eines von vielen Wörtern, die der materialistischen Denkwelt entspringend, in sich zutiefst widersprüchlich sind.

Es gibt nicht „die“ Realität, sondern unzählige Realitäten. Diese Realitäten kommen beispielsweise durch uns Menschen zum Ausdruck, die wir Elemente der Schöpfung sind, nicht etwa Beobachter der Schöpfung, wie wir immer meinen.

Für den Spirealismus hat alles daher den Aspekt des Kreativen. Des Neuen, des Einzigartigen. Auch: des Nicht-Notwendigen. Wir selbst, indem wir sind, sind Kreation, und sind kreativ.

Die Frage des Materialismus, warum wir dann immer nur eine Welt sehen können, beantwortet der Spirealismus mit: Das können wir gar nicht. Erstens. Und zweitens: Die Illusion, wir beobachteten nur eine Welt, kommt nicht zuletzt auch aus der Denkvoraussetzung, das sei so. Es ist die Weltanschauung, die „Materialismus“ heißt, die suggeriert, es könne nicht anders sein. Mehr kann man dazu nicht begründen. Es ist das, was ich weiter oben einen „Glauben“ nannte.


Es sollte ja um den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kreativität gehen, der zumindest aus spirealistischer Sicht unabdingbar ist. Intelligenz ist etwas Kreatives. Denn Intelligenz bringt etwas Neues hervor. Inwiefern unterscheidet sich Intelligenz von einem Huhn, das ein Ei legt, und somit etwas hervor bringt?

Für den Spirealismus unterscheidet es sich nicht unbedingt, denn Geist ist ja in allem. Auch in einem Huhn, das ein Ei legt. Aber, um die Phantasie des Lesers nicht überzustrapazieren:

Intelligenz als besondere Fähigkeit (nur) von Menschen definiert, wäre die Fähigkeit sinnvoll Neues hervorzubringen. „Sinnvoll“ hatte ich definiert als: „Mit Bezug auf einen gegebenen Bedeutungsraum“. Dieser Bedeutungsraum ist seinerseits nicht notwendig in dem Sinn, dass er seinerseits hat entstehen müssen. Sondern er ist, wie alles Neue, entstanden aus einem Prinzip, das den Zufall (das Unvorhersagbare) beinhaltet. Und so ist der Bedeutungsraum seinerseits zufällig. Wenn man so will ist „das“ Universum Zufall.

Man mag einwenden, der Zufall sei eigentlich doch vorhersagbar, ich verweise dann wieder auf die inneren Widersprüche des Materialismus.

Und das Neue, wie gesagt, ist letztlich unvorhersagbar und zufällig. Sonst wäre es nicht neu.

So hat also Kreativität das Element erstens des Neuen, des Nichtvorhersagbaren, des Zufalls. Und zweitens des Bezuges auf Bekanntes.


Intelligenz bezeichne ich als die besondere Fähigkeit eines Menschen, kreativ zu sein.

Das bedeutet, ist ist eine Art Gedankenreichtum: viele Gedanken zu durchwandern, und gleichzeitig ihren möglichen Bezug zu Bekanntem zu prüfen.

Es ist gedankliche Komplexität, die schließlich auch Möglichkeiten des n-ten Zusammenhanges prüfen kann.

Aus dieser Definition heraus kann man ableiten, dass Intelligenz erstens Wissen benötigt, als den Bezug zu Vorhandenem.

Zweitens geistige Freiheit, sich nicht zu sehr an das Bekannte anzulehnen – und somit unvorhersagbar Neues hervorzubringen.

Drittens eine gewisse Gedankenschnelligkeit, die Möglichkeiten durchzuspielen.

 

Was hat Intelligenz mit Kreativität zu tun? was last modified: März 15th, 2018 by Henrik Geyer