Vergessen

In schweren Erden weilend

in einem fahlen Licht

Wohl wimmelnd, doch auch schweigend

wird eine neue Sicht.

Dem Bruderblick verborgen

der Menschenwelt gestorben

im Erdenschoß geborgen

vergessen alle Pflicht

 

Erinnrung ist versunken

Traum von der Menschen Land

Die Wasser sind getrunken

Lachen und Qual verschwand

Die Bilder sind gelebet

der reife Geist, er schwebet

mit Erden nun verwebet

Gehirn und Herz und Hand

 

Von Säen und von Mäen

mal schneidend und mal stumpf

Gedanken, die erzählen

von Gliedern, Kopf und Rumpf.

Von Schweiß und Augenlichtern

von Nächten und von Dichtern

von Kühnheit und von Richtern

von Angst, Mut und Triumph

 

Ergab sich allen Lüsten

dem Traum des Menschensein

mit Fäusten und mit Brüsten

mit Wassern und mit Wein

Jetzt kann kein Ich mehr quälen

nur Freiheit anstatt Wählen

nichts Festes kann hier fehlen

in endlos-trübem Schein

 

Im Erdenschwarz hier unten

kehrt keine Ruhe ein

was nur erscheint versunken

geht neue Bindung ein.

Fleisch wird zu neuem Fleische

aus Andrem wird das Gleiche

aus Fäulnis werden Reiche

aus Äther wird Gestein

 

Wo Gottes Hand berühret

wird neu Gestalt gewählt

in Leben überführet,

formfügend abgezählt.

Das Gestern wird zu Morgen

wird Hoffen oder Sorgen

ganz offen uns verborgen

entsteht ein ander Welt.

 

Und neue Seelen wagen

mal grad wie Klingenstahl

oft krumm wie rost’ge Haken

des Schöpfers Ideal.

Gestalten, die sich beugen

in Wahrheit oder Leugnen

der Welten Werte zeugen –

ganz nach des Schicksals Wahl

 

Erinnrung bildet Borken

aus Raum wird neuer Ort.

Schicksal mit neuen Pforten –

in Ewigkeit geht fort.

Vergessen ist ein Streben

vergangner Lüste Beben

vergraben ist ein Leben

und neu entsteht ein Wort

 

Mit Hoffen oder Bangen,

Allmacht Gedankengang

sind sehnend wir gefangen

in eines Traumes Drang.

Der zeiget uns ein Ende

die Deckel vieler Bände

der Räume enge Wände

doch jedes fängt erst an

 

Henrik Geyer, Mai 2018

 

 

Vergessen was last modified: Mai 24th, 2018 by Henrik Geyer