Kausalkette – philosophisch (spirealistisch) gesehen

Die Kausalkette in der kritischen Betrachtung. Wie wird sie landläufig gesehen – wie sieht sie der Spirealismus?

Was ist eine Kausalkette?

Kausalkette mit einer Ursache-Wirkung-Beziehung: monokausal

Kausal ist unser Wort für die Vorstellung, dass alles auch einen Grund hat. Man könnte auch sagen, es ist die Vorstellung, dass einem beliebigen Ereignis (Phänomen) des Jetzt immer ein Ereignis vorausging, dass man als Ursache des Ereignisses im Jetzt ansehen kann. Causa=der Grund

Weil wir an Objektivität (Bestimmtheit) glauben, sieht unsere Vorstellung von Kausalketten in der Regel recht eindimensional aus. Es ist die Vorstellung, dass ein Ereignis genau einen Grund hat. So, wie in der Grafik unten abgebildet, wo ein „monokausaler“ Zusammenhang abgebildet ist.

Für die Zukunft gilt dasselbe „monokausale“ Prinzip. Betrachten wir vom Jetzt aus die Zukunft, dann ist ein Phänomen, das wir im Jetzt feststellen, der Grund für ein Phänomen, das wir in der Zukunft erwarten. Die Wahrheit, die wir am Phänomen des Jetzt feststellen, führt somit (mit einer gewissen, jedoch nicht festen Notwenigkeit, d.h. also Wahrscheinlichkeit) zu einem Phänomen in der Zukunft.

Monokausal

 

Ursache und Wirkung, Vergangenheit und Jetzt, Jetzt und Zukunft

Es soll ja in diesem Beitrag um das spirealistische Verständnis von Kausalketten gehen, das abweicht, von dem materialistischen. Der Spirealismus sieht die Welt nicht als eindeutig bestimmt. Das geht schon aus von dem Grundgedanken des Spirealismus: dem Fehlen von Objektivität. Also: wenn es im Jetzt keine Eindeutigkeit der Dinge gibt, ist also das zu beobachtende Phänomen nicht einfach „da“, sondern vielfältig da. So gesehen gibt es auch keine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung.

Um dies anhand der typischen Vorstellungen von Kausalketten (typisch für den Materialismus sind die eindeutigen, monokausalen, Zuordnungen: dies ist die Ursache – hier ist die Wirkung) darzulegen, bedarf es einiger Überlegungen, die schlicht die Deutungsvielfalt dessen zeigen sollten, was wir gemeinhin als „gegeben“ annehmen.

Zunächst kann man sehen, dass Ursache-Wirkung-Beziehungen in beide Richtungen, in die Vergangenheit und in die Zukunft, auf gleiche Weise vorstellbar sind. Daher habe ich die obige Grafik umgedreht, und aus der Zukunft wurde Vergangenheit. Das bedeutet, ein Phänomen des Jetzt führt logisch zurück auf eine Vielzahl von möglichen Ereignissen in der Vergangenheit; eben nicht eines, sondern viele.

Kausalkette, Kausalität, spirealistisch verstandenDie Kausalität ist umkehrbar

Betrachtet man die Ursache-Wirkung Beziehung von verschiedenen Standpunkten, geraten die Worte „Ursache“, „Ereignis“, „Phänomen“, „Folge“, „Effekt“, „Konsequenz“ durcheinander.

Jede Ursache, die in der Vergangenheit liegt, ist auch eine Folge, und zwar von einer anderen Ursache. Jede Konsequenz in der Zukunft ist ebenso Ursache und ebenso Phänomen.

Ursache und Wirkung – und ihre Verbindung mit dem Zufall

Tritt ein Phänomen auf, für das man keinen direkten Vorgänger benennen kann, keinen direkten Grund, dann nennt man das Zufall. Es ist ein Phänomen, für das wir keinen Grund kennen. Auch hier ist die materialistische Vorstellung, der Zufall ließe sich eingrenzen. das Wort „Wahrscheinlichkeit“ lässt uns den Zufall so erscheinen, als sei er nur eine mathematische Aufgabe – und damit im Grunde bezwungen. Die spirealistische Sicht sieht notwendigerweise anders aus, sie nennt den Zufall unendlich, er ist nicht im Äußerlichen begrenzt. In uns selbst, die wir selbst erst die Festlegungen erschaffen, wo doch eigentlich keine sind (fehlende Objektivität) entsteht die Wahrscheinlichkeit.

Das Begrenzen-Können des Zufalls ist eine weitere Illusion des materialistischen Denkens. Denn – wie viele Zufälle kann es geben, in unserer Welt? Kann man den Zufall ausmerzen? Gott würfelt nicht, sagte Einstein. Bedeutet das, wir könnten Gott auf die Schliche kommen, indem wir seine Zufälle als eindeutige Kausalketten entlarven?

Aus spirealistischer Sicht wie gesagt nicht. Denn wir können niemals die Anzahl der „in der Welt“ (spirealistisch: in den Welten) auftretenden Zufälle zählen. Im Grunde ist uns alles Zufall, das wir nicht genauer betrachten, und für das wir in der Folge keinen Kausalzusammenhang konstruieren. Und nun frage man sich: Können wir jemals damit fertig werden, alle Zusammenhänge in Zeit und Raum kausal zu verbinden? Jeder wird sofort verstehen: niemals! Auf diese Weise verstehen wir, dass die Fragen zu den Kausalitäten, und auch die Antworten, aus uns selbst kommen. Wir selbst sind die Schöpfer unserer Welten – sie sind nicht schon in einem Außen „da“.

Dies enthält die Sichtweise, dass Ursache und Wirkung, Zufall und Kausalkette, von unserem Bewusstsein abhängen. Wenn wir die Zusammenhänge nicht konstruieren, wo sind sie dann?

Denken in Begriffen von „Innen“ und „Außen“, „Objekt“ und „Subjekt“, „vorher“ und „nachher“ als Denkvoraussetzung für Kausalketten

Die letzte Frage wird man materialistisch beantworten mit: „Die Kausalketten sind natürlicher Art! Sie sind in den Dingen! den Dingen des Außen!“

Wir sind an dieser Stelle wieder bei der Frage, was denn die „Dinge“ sind, was eine Monade ist, was Subjekt und Objekt sind, etc.. Ich habe das so oft thematisiert, dass ich es an dieser Stelle nicht wiederholen will.

Es sei aber noch einmal gesagt, dass es die materialistische Sichtweise ist, sich „die Welt“ (das Objekt) als etwas außerhalb des Menschen Liegendes vorzustellen. Der Mensch ist Beobachter (Subjekt), er spiegelt in seinem Geist etwas wider. Hingegen bestreitet der Spirealismus das Vorhandensein einer objektiven, eindeutigen, außerhalb von uns liegenden Welt, und hat dafür viele gute Gründe.

So wäre denn der weiter oben abgebildete monokausale Zusammenhang eine typische Vorstellung des Materialismus.

Wohingegen es dem Spirealismus bereits fremd ist zu sagen, es gäbe irgendetwas, das nur eine einzige Ursache hätte. Oder, es gäbe Kausalketten, die außerhalb von uns festgelegt wären, und die wir als solche erkennen könnten. Denn der Spirealismus sieht den Menschen ja gar nicht als Beobachter einer äußeren Welt. Sondern er sagt, die Welten entstehen (auch) durch ihn. Er ist nicht Beobachter der Schöpfung, sondern ihr Element.

Die Welten sind somit die Welten unserer Vorstellung.

Welt(en)? Wieso Welten in der Mehrzahl? Siehe weiter: Beitrag Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt

Es gibt keine Objektivität bedeutet: es gibt nicht „das“ Phänomen in Eindeutigkeit

Fehlende Objektivität hat, zu Ende gedacht, einige verblüffende Wirkungen. Einige Paradoxien der materialistischen Welt werden, wenn man diese Denkvoraussetzung annimmt, ganz klar angesprochen und erkannt, ja sogar in ihrer Ursache geklärt.

Wenn wir also wie Immanuel Kant feststellen, dass es nicht die Dinge „an sich“ für uns gibt, dann kommen wir auch zwangsläufig auf das Schopenhauersche „Die Welt ist eine Vorstellung“. Das wiederum bedeutet, dass das, was „die Dinge“ sind, unserer Vorstellung entspringt, was wiederum fluktuiert, vielfältig ist – und abhängig von Sichtweisen.

 

Stellen wir uns vor, wir könnten für jedes Ding das wir sehen, verschiedene Interpretationen in unserem Denken entwickeln. Das ist nicht ganz abwegig, denn jeder kann an sich selbst feststellen, dass er für die dieselbe Sache in seinem Leben verschiedene Interpretationen hat, es ist nur eine Frage der Zeit. Ich nannte solches Denken, das immer vieles für möglich hält, an anderer Stelle „symbolhaftes Denken“ oder auch „Denken in Metaphern“. Ein solches Denken bemüht sehr die Kreativität und Phantasie – es ist ein Denken in hunderterlei Möglichkeiten.

Andererseits sehen wir an diesem gedanklichen Experiment, dass wir Menschen so geschaffen sind, dass wir in einem Moment nur eine einzige Wahrheit für möglich halten, niemals mehrere. Wir suchen beispielsweise nach „der“ Wahrheit, nicht „den“ Wahrheiten. Das bedeutet, im Grunde sehen wir in „einer“ Sache immer nur eine Möglichkeit, während, wenn man so will, in jeder Sache viele Möglichkeiten „enthalten“ sind.

D.h., man müsste sich vorstellen, dass man, wenn man für jedes Ding verschiedene Interpretationen hätte, diese Interpretationen auch gleichermaßen für wahr halten könnte. (wir kommen insofern auf die Frage, was Wahrheit ist. Und wir sehen an dieser Stelle eigentlich auch, wie verquickt die Begriffe Kausalität, Zufall, Wahrheit, Zeit sind).

Ähnliches Thema: Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

Jedenfalls, hätte man eine solche Vorstellung von den Dingen, als ausgestattet mit vielfältigen Interpretationen bzw. Identitäten gleichzeitig, dann gingen von diesen Dingen auch viele verschiedene gleichzeitige Kausalketten aus, mit vielfältigsten Beziehungen.

In der unteren Grafik versuchte ich das zu verdeutlichen. Wenn uns die Gegenwart (das Jetzt) wie eindeutig erscheint, und die Zukunft in ihren Möglichkeiten wie vielfältig, dann müssen sich die Möglichkeiten der Zukunft vervielfältigen, wenn wir beginnen, die Phänomene der Gegenwart als verschwommen wahrzunehmen – wenn wir also annehmen, dass wir in der Gegenwart nicht einen Zustand feststellen könnten, sondern viele.

Der Obere Teil der Grafik enthält den monokausalen Zusammenhang üblicher (materialistischer) Vorstellung, ausgehend von einem Jetzt, das einige Möglichkeiten in der Zukunft bereit hält. Der graue Pfeil soll stellvertretend sein für eine Kausalkette, die ausgeht von einem als „möglich“ gedachten Phänomen im Jetzt. Dieses „als möglich gedachte Phänomen im Jetzt“ – das wäre so eine Interpretation eines Dinges (oder einer Situation), von dem ich sprach. Wenn ich also die Vielfalt der Deutungen, die in einer Sache liegen wahrnehmen kann, und sagen kann: Ich nehme jetzt einmal nicht an, dass dieses Ding (oder diese Situation) xyz ist, sondern denke sie mir anders, bewerte eine Situation anders, dann komme ich auf weitere Kausalketten, deren von mir wahrzunehmende Folgen sich vervielfachen.

Angenommen beispielsweise, ich sage, „das Atom gibt es nicht“. Dann komme ich (kommt die Menschheit) in der Folge auf eine ganz andere Art der Naturwissenschaften.  Auch diese andere Art würde funktionieren, aber mit anderen Begriffen.

 

Man sollte schließlich noch einmal bedenken, dass der Begriff „Phänomen“ (also die Zustandsbeschreibung  eines Ereignisses oder Dinges) durch die vorhin vorgenommene Verdrehung der Kausalkette zu einer lediglich relativen Vorstellung wurde. Man kann das „Phänomen“ ebenso gut im Jetzt wie in Vergangenheit oder Zukunft ansiedeln – man gewinnt durch dieses gedankliche Experiment einmal mehr ein Verständnis dafür, dass auch der Begriff „Phänomen“ nichts wirklich „Festes“ beinhaltet.

Monokausal vs Multikausal/Multieffekt, spirealistisch verstandenAnnahmen, was das Jetzt ist, bestimmen, was wir für Zukunft oder Vergangenheit erwarten

Resüme

Was gezeigt werden sollte, und was ich hoffentlich zeigen konnte, ist, wie abhängig Kausalketten von dem sind, was wir für Vorstellungen von ihnen entwickeln. Welche Abhängigkeiten der verschiedenen Begriffe es gibt, ich zähle noch einmal auf: Ursache, Wirkung, Ereignis, Effekt, Folge, Konsequenz, Zeit, Vergangenheit, Zukunft, Jetzt, Gegenwart,  Wahrheit, Wahrscheinlichkeit, und so weiter.

Es ist die spirealistische Sicht der Dinge, die die Welten aus einem quasi semantischen Beziehungsgeflecht entstehen sieht. In der spirealistischen Denkweise ist klar: diese o.g. Begriffe hängen unabdingbar zusammen, man kann sie eigentlich gar nicht einzeln betrachten (und doch, beispielsweise in diesem Text, ist man dazu gezwungen).

Je nach Gewichtung bilden diese Begriffe eine Konstellation, die im jeweiligen Fall einzigartig wirkt. Einzigartig in uns! Einzigartig ist lediglich unser Verständnis von „der Welt“. Einzigartig in unseren „Ich-Universen“.

Insofern möchte ich an dieser Stelle noch einmal die Grafik einfügen, die ich bereits an anderer Stelle verwendete – die Zeit als Punkt, und die Vergangenheit und Zukunft, Kausalketten, etc.., als Vorstellungen, die sich vom Rand her bilden, und zur Mitte hin „materialisieren“.

Die Zeit, vorgestellt als Punkt

 

Ähnliches Thema: Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Den schwarzen Kern in der Mitte könnte man ebenso gut als den materiellen Kern eines Dinges bezeichnen, und den verschwimmenden Außenbereich als die Feststellungen, die man in Bezug auf diesen Kern treffen kann.

Die Feststellungen am Rand sind in der spirealistischen Denkweise nötig, denn sie definieren das Ding (den Kern), ebenso, wie sich selbst. Im Spirealismus gibt es immer nur die Relation – nie kann ein Ding für sich alleine stehen.

Die Festlegungen des Außen treten für uns nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf, die auch notwendigerweise das Element des Zufalls (des Nicht-Vorhersagbaren), enthält.

Konkret stellt sich das so dar, dass das, was wir für die Vergangenheit oder Zukunft halten, oder für Kausalketten jeglicher Art, uns so unbestimmter erscheint, je weiter man sich entfernt, vom eigentlichen Gegenstand der Betrachtung. Ihn jedoch, den Gegenstand der Betrachtung, halten wir für fest, nicht sehend, dass er lediglich völlig eindeutig erscheint, in einem einzigen Ich-Universum.

Ebenso wie Objekte, Universen etc., sind eben auch Kausalketten der fundamentale Mörtel unserer Welten. Ganz ähnlich der zeit, vielleicht noch fundamentaler – zugleich ebenso unergründlich. Kausalketten verbinden die Objekte des Denkens, erschaffen ein vorher und nachher.

Sie „existieren“ aber nicht in dem Sinne, dass man sie in einem Außen „ablesen“ könne. Mit uns und durch uns, die wir Elemente der Schöpfung sind, nicht ihre Beobachter, kommen sie in die Welten.

Weiterlesen: C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein

Weiterlesen: Artikel Was bedeutet subjektiv? Ist ein wissenschaftlicher Versuch objektiv?

Kausalkette – philosophisch (spirealistisch) gesehen was last modified: April 30th, 2016 by Henrik Geyer

Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Immer ist Jetzt

Unsere Vorstellung von Vergangenheit und Zukunft ist ein schönes Beispiel dafür zu zeigen, dass „die Welt“, und unsere Vorstellung von „der Welt“, ein und dasselbe ist. Denn in dem Sinne, wie wir uns Existenz vorstellen, gibt es Vergangenheit und Zukunft nicht. Es gibt immer nur das Jetzt.

Gestern war Jetzt. Morgen ist Jetzt.

Es ist eigentlich für jeden nachvollziehbar, das in jedem Moment, den wir erleben, immer gerade Jetzt ist.

Umkehrschluss: wann ist nicht Jetzt? Nie!

Wissen Sie noch, als gestern war? Wann war das? Jetzt! Und wann wird morgen sein? Jetzt!

Und doch gibt es Vergangenheit und Zukunft!

Ein Einwurf:

„Und doch gibt es die Vergangenheit!“

„Aber wann ist diese Vergangenheit?“

„Sie war gestern, zum Beispiel!“

„Nein, ich meine, wann ist die Vergangenheit?“

….

„Sie ist im Jetzt, wenn sie ist. Die Vergangenheit jedoch, sie ist ein Gedanke an etwas, das nicht ist.

 

(Das berührt übrigens die ewig junge Frage nach den Dingen wie sie „wirklich sind“ im Unterschied zu unseren Vorstellungen von ihnen. Die Zahl der Worte, die hier unterscheiden wollen (aber nicht können), ist Legion. Eines dieser Worte, das eine Art ultimative Klarheit über das Wirkliche im Unterschied zum Unwirklichen schaffen möchte, das eine strenge Grenze zwischen Tatsächlichem und nur Gedachtem ziehen möchte, ist das Wort Realität. Und doch ist auch dieses Wort wieder den Interpretationen im Unendlichen unterworfen – man kommt damit an keine Grenze. Ganz ähnliche Besprechungen gab es in diesem Blog zu den Worten „subjektiv“ und „objektiv“, Noumenon etc.. (oder es wird solche Besprechungen noch geben).)

Spirealistische Definition von Existenz

Dieses „Sein“, dieses „das Ist“ – es ist verbunden mit der spirealistischen Definition von Existenz.

Erst wenn man sich begreiflich macht, was das sein soll – „Existenz“, kann man Verständnis für die Existenz von Zeit gewinnen. Sonst bleibt sie uns widersprüchlich.

Existenz – das ist im Spirealismus der Gedanke. Und der Gedanke ist immer im Jetzt.

Ähnliches Thema: Die Ontologie des Spirealismus

Der Gedanke im Jetzt – Vergangenheit und Zukunft

Erleben lässt sich die Vergangenheit also im eigentlichen Sinn nicht, auch nicht die Zukunft. „Nur“ als unser Gedanke an sie, und zwar im Jetzt. Im Jetzt entstehen Vergangenheit und Zukunft. Das Jetzt repräsentiert sie. Doch unsere Gedanken sind unterschätzt, wenn wir sie „nur“ Gedanken nennen. Gedanken sind alles, was ist. In Gedanken entstehen unsere Welten, und in Gedanken reisen wir vor und zurück in der Zeit.

spirituelle Weisheit und das Jetzt

Dieser Ansatz ist uns rätselhaft, denn den Gedanken sehen wir (im Materialismus) als das Unwirkliche. Das Unwirkliche deshalb, weil das Wirkliche die vom Gedanken getrennte Außenwelt sein soll. Viele Denkrichtungen beschäftigen sich mit diesem scheinbar unauflösbaren Rätsel.

Weiterlesen: Beitrag Surrealismus, Surrealistische Fotokunst, Image Art

Dass im eigentlichen Sinne nur das Jetzt existiert ist eine spirituelle Weisheit. Warum spirituell? Weil wir in der materialistischen Sichtweise der Welt der Namen verhaftet sind – wir glauben an die Existenz der Namen, so als seien sie „da“, auch ganz ohne uns, und wir müssten sie nur in einem Außen beobachten.

Erst Spiritualität, Geistigkeit, eröffnet uns einen genaueren Blick auf die Welt der Gedanken – wie sie die Macht haben, Welten über Welten zu erschaffen.

Ein wunderbares, spirituelles Buch zum Thema „Jetzt“ hat Eckhart Tolle geschrieben – ein Buch, das nur diesem Thema gewidmet ist, und auch diesen Titel trägt.

Die Zeit ist kein Strahl, die Zeit ist ein Punkt

Man stellt sich die Zeit immer als einen Strahl vor. Vergangenheit und Zukunft verschwinden jeweils links und rechts in der Unendlichkeit. Die Mitte des Strahles ist das Jetzt.

Spirealismus sagt: Ja, Vergangenheit und Zukunft verschwinden in einer Unendlichkeit. Und zwar in einer Unendlichkeit der Gedanken an etwas.

Doch Zeit ist in Wirklichkeit kein Strahl, sondern ein Punkt: Das Jetzt.

Im  Jetzt entsteht der Gedanke an eine Zukunft. Im Jetzt verfestigt er sich. Im Jetzt materialisiert er sich und wird zu unserem Jetzt. Einem anderen Jetzt. Wieder ein Jetzt – keine Zukunft, keine Vergangenheit.

Wenn man sich die Zeit mit einer Ausdehnung vorstellen möchte, dann könnte man ebenso gut an einen Punkt denken, der von einem Schein umgeben ist, nicht an einen (Zeit-)Strahl. Denn Vergangenheit und Zukunft gehen auf keinem eindeutigen Weg ineinander über.

Wenn wir auf diesem Blog oft genug davon sprachen, dass die Vorstellung von „der Welt“ nicht objektiv ist, sondern aus der Wechselwirkung subjektiver Beobachtungen entsteht, so lässt sich über die Zeit, bzw. den sogenannten Zeitstrahl, dasselbe sagen. Er kann nie etwas anderes sein, als unsere Auffassung von ihm, und die ist bereits von Mensch zu Mensch verschieden.

Hier schlägt sich übrigens ein Bogen zu der Frage, was Kausalität ist. Unsere Auffassung von Kausalität ist ja gemeinhin, alles habe einen Grund. Und einen Grund kann etwas nur haben in der Zeit, indem einer Beobachtung eine andere Beobachtung (in der Zeit) vorausgeht. Und diese beiden Dinge bzw. Beobachtungen, so ist eben unsere Auffassung von Kausalität, stehen in einer direkten Verbindung, was wiederum an einen Strahl denken lässt.

Siehe auch: Artikel Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.

Doch in der Unendlichkeit der herstellbaren Verbindungen erkennen wir, dass es keine Eindeutigkeit gibt, es gibt keinen Strahl.  Es ist dasselbe, was wir wir bereits über die Objektivität sagten – es gibt sie nicht. Und die Vorstellung eines (Zeit-)Strahles kann nur in der Subjektivität entstehen – und auch nur dort bestehen bleiben.

Lesen Sie auch: Beitrag Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

 

Hier ein Zitat von Friedrich v. Schiller, das sehr schön ist, und mir zu diesem Artikel zu passen schien. Allerdings entspricht es, genau genommen, nicht ganz dem Inhalt dieses Artikels, denn die Vergangenheit steht keineswegs ewig still.

Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit.
Friedrich von Schiller

 

Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt was last modified: April 6th, 2016 by Henrik Geyer

Grenzen der Menschheit.

Grenzen der Menschheit: always a question of how things are explained

Grenzen der Menschheit – Liegt die Zukunft der Menschheit in ihrem Ende? Wenn man die Zeitungen aufschlägt, dann erscheint es so, als sei unser Hauptproblem fehlendes Wachstum und mangelnder Reichtum. Aber – gibt es auch ein Naturgesetz, nach dem alles, das groß ist, klein werden muss? Sind das dann auch die Grenzen der Menschheit?
Man hat ein solches Gesetz meines Wissens noch nicht definiert, aber nichtsdestotrotz scheint es doch zu bestehen. In unserem abtrennenden Denken erscheinen uns die Parallelen nur wie zusammenhanglos. Jedoch muss alles Große klein werden – jedes scheinbar unbegrenzte Wachstum kollabiert schließlich zu einer Winzigkeit, was es hervorbringt verschwindet.

Sind die Grenzen der Menschheit absehbar? Oder ist die Menschheit selbst nicht begrenzt?

Wenn wir also unser Heil in immer mehr Wachstum sehen, ist das der Keim des Niedergangs? Ich denke, man kann es so ausdrücken. Es gibt Menschen, die das sehen und sagen, ich kenne es zuletzt von Altkanzler Helmut Schmidt. Doch im Allgemeinen wird dieser Zusammenhang eher bestritten, es gäbe ihn nicht, Wissenschaftler hätten gesagt, so dürfe man das nicht sehen….
Sagt uns denn nicht jede Logik, dass das, was wir tun und sind, auch seine Auswirkungen haben muss? Es ist, wenn man so will, das Prinzip des Karma. Wir können nichts tun, was sich nicht an anderer Stelle ausdrücken würde.

Haben wir die falschen Ziele?

Während wir also immer mehr Wachstum planen, meinen, es gäbe keine Grenzen der Menschheit, verbrauchen und verschleißen wir das, was uns hervorbringt. Genies wie Stephen Hawking sprechen davon, die Menschheit müsse ins Weltall aufbrechen. Das Verbrauchte hinter sich lassen. Alles einfach neu! Wieder so ein Gedanke ungebremsten Wachstums. Aber … wie stellt er sich das konkret vor? Sollen sich Milliarden in eine Rakete quetschen? Um wohin zu fliegen? Sind wir es am Ende selbst, die gemeint sind, wenn Filme über räuberische Heuschrecken-Aliens im Kino laufen?

was ist zu tun?

Zunächst sollten wir einmal zur Kenntnis nehmen, dass es kein grenzenloses Wachstum gibt. Man sehe, was man will. Man denke an irgendeine Krankheit – das Bakterium stirbt mit dem Wirt, nach vorheriger, scheinbar grenzenloser Ausbreitung. Die Bevölkerung der Osterinsel verschwand – nach vorheriger scheinbar grenzenloser Ausbeutung aller vorhandenen Naturressourcen. Jeder Stern kollabiert, wenn er eine bestimmte Größe überschreitet. Man sehe das Römische Imperium der Antike. Es kollabierte, als es die Weltherrschaft errungen hatte. Soweit wir wissen, gibt es nichts, das unbegrenzt wächst.
Zweitens sollten wir diese Tatsache einfach formulieren, denn ohne Bewusstheit gibt es keine Lösung; ohne Frage gibt es keine Antwort.
Drittens sollten wir zur Kenntnis nehmen, dass alles was wir als Ziel formulieren, aus unserem Denken im Jetzt kommt. Weder unser Denken im Jetzt, noch unsere Ziele sind mit einer bestimmten absoluten Notwendigkeit so, wie sie sind. Wir könnten ein anderes Denken haben, und andere Ziele. Das ewige „Mehr!“ ist kein Muss.

Andere Ziele – das bedeutet ein anderes Denken im Jetzt. Das heißt, dass die Vorstellung und das Ziel eines ewigen Wachstums, was uns wie selbstverständlich erscheint, aus der festen Überzeugung resultiert, es wäre nie genug.
Daher sollten wir unser Denken im Jetzt ändern, um unsere Zukunft zu gestalten. Sie kann nicht im „Mehr!“ liegen. Wir können weder in unserem Verbrauch grenzenlos sein, noch in unserer eigenen Zahl.

Ähnliches Thema: Artikel Ist der Mensch die Krankheit der Welt? Zerstörung der Erde – Heilung der Erde.

Weiterlesen: Mit dem Atomkraftwerk kam der Wohlstand

Grenzen der Menschheit. was last modified: Februar 29th, 2016 by Henrik Geyer