Wissen um die eigene Begrenztheit ist auch ein Wissen. Und es ist nicht dumm.

Wissen um die eigene Begrenztheit ist auch ein Wissen, und es ist nicht dumm.

Warum?

Heutzutage hört man vieles über die Allmacht des Menschen, seine Unbegrenztheit, seinen scharfen Verstand. Der Mensch ist sich sein eigener Gott geworden, und er kann nichts Intelligenteres finden als sich selbst. Aus dem esoterischen Bereich (der sich heutzutage oft auf das Allereinfachste verlegt und das Gegenteil einer „Geheimwissenschaft“ ist) kommt die Nachricht, der Mensch sei unendlich. Solche Worte lassen sich leicht sagen. Sie klingen dem Materialisten angenehm; man hört diese Worte häufig und man sagt sie sicherlich gern.

Jedoch waren die klügsten Köpfe stets überzeugt, von einer höheren Macht umgeben und durchdrungen zu sein. Höher als sie selbst. Größer als das menschliche Denken. Wie kamen sie wohl darauf?

Einstein bekannte sich zu Gott – in seiner Sichtweise war es eine namenlose Kraft, auch identifizierbar mit der Natur, mit dem Universum.

Newton, der Physiker der die Gravitationstheorie erschuf und der erstaunten Wissenschaftsgemeinde Formeln zur Berechnung von Planetenbahnen präsentierte, so wie man sie heute noch in Raumschiffen anwendet, wollte zunächst mit seinem Wissen gar nicht an die Öffentlichkeit. Denn er wusste, dass, alles was er präsentieren würde, nur ein Aspekt der Wahrheit sein würde. Das Wesen des Kosmos hingegen, das auch er so gern ergründet hätte, blieb ein Rätsel. Ein Rätsel, dem zumindest er voller Ehrfurcht gegenüberstand.

Und war es nicht Sokrates, der sagte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“?

Spruchbild, Bildspruch: Ich weiß daß ich nichts weiß Um diesen Unterschied

Die Allermeisten die wir heute „groß“ nennen, hatten die feste Vorstellung, dass es eine höhere, eine rätselhafte, eine namenlose Macht geben müsse, jenseits ihrer Begriffe. Dass die Welt rätselhaft ist, und sie diesem Rätsel gegenüberstehen wie Winzlinge.

Hingegen glauben ausgerechnet die Kleingeister stets an die Allmacht des eigenen Geistes. Denn, so räsonieren sie, was soll es wohl „bringen“, den eigenen Geist, das eigene Wesen, als begrenzt anzusehen? Und im Umkehrschluss: Einen Gott zu imaginieren, der über ihr Schicksal waltet?

Hier die Antwort: Der Gott ihrer Vorstellungen ist so klein wie sie selbst. Es ist ein Gott nach ihrem Ebenbilde. Und so fragen sie sich natürlich: Warum soll ein Gott, der so einer sein muss wie ich, über mich bestimmen? Tja, so gesehen, haben sie natürlich Recht.

Aber … das ist das absurdeste Verständnis Gottes!

Spruchbild, Bildspruch: Alles was man von Gott aussagen kann das ist Gott nicht

Und – was soll es „bringen“, die eigene Begrenztheit zu erkennen? Nun, ganz einfach: Es bringt uns der Wahrheit ein Stückchen näher. Es ist wahrer als die unerträgliche Selbstschmeichelei. Erst durch Erkenntnis der eigenen Beschränktheit wird der Weg frei zu Gott, zum Höheren, wie auch immer man es bezeichnet, worin auch immer man es sieht.

Das Wissen um die eigene Beschränktheit bedeutet nicht zu sagen: „Ich bin dumm.“ Sondern, das zu wissen ist erstens auch ein Wissen, das es erst einmal zu erlangen gilt – offenbar ist das gar nicht so einfach. Es ist zweitens ein wesentlich intelligenteres Wissen, als das Wissen um die eigene Unbegrenztheit, das man auch eine hochmütige Blasiertheit nennen könnte.

An das Höhere zu glauben, es zu sehen, das ist Wahrheit. Es tut gut, und es macht gesund. Weil es uns in ein natürliches Verhältnis zu dem uns umgebenden Geist bringt. In der richtigen Proportion.

 

Wissen um die eigene Begrenztheit ist auch ein Wissen. Und es ist nicht dumm. was last modified: Januar 21st, 2018 by Henrik Geyer

Wir sind spirituelle Wesen – und machen eine materielle Erfahrung

spirituelle Wesen - Spruchbild

Pierre Teilhard Chardin sagte einmal, „Wir sind keine menschlichen Wesen, die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern wir sind spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen. „

Wir sind spirituelle Wesen

Das Spirituelle ist das Normale – die Wesenhaftigkeit des Menschen als geistig. Uns Menschen kommt es oft umgekehrt vor. Gerade heute, in unserer von „objektiven“ Prozessen geprägten Welt, erscheint es so, als sei das materielle Wesen der Dinge völlig unbestreitbar.

Dennoch kann der achtsam Beobachtende das Relative, das Nicht-Objektive, und damit das wesenhaft Geistige, in jedem Ding seiner Umgebung beobachten. Wir sind einfach nur blind für diese Tatsache, wenn wir verlernt haben, das Wunderbare und das zugleich Rätselhafte und Unerklärliche in der Welt zu sehen. Der Weg das wieder zu lernen, ist Spiritualität.

Wie ist man „richtig“ spirituell?

Es scheint dann so, als sei es völlig normal, materialistisch zu sein, und etwas Besonderes, spirituell zu sein. Dementsprechend wird das Spirituelle umweht von Mystik, feierlichem Schweigen, Transzendenz. So als könne man Spiritualität nicht anders erleben.

Jemand, der das anders sah, war Andy Kaufman. Ein spiritueller Mensch und zugleich beliebter Komiker der 1960er und 70er, dem Jim Carrey in „Der Mondmann“ ein herrlich-lustiges Denkmal setzte. Die politische Unkorrektheit Andy Kaufmans, die er als Komiker lebte, setzte er auch nach seinem Tode fort. Nach seinem Willen wurde selbst seine Totenfeier zum spirituell-fröhlichen Event. Ein „völlig unpassender“, und gerade deshalb wunderbarer Moment.

Die innere Wahrheit vs das Äußerliche

„Richtig“ spirituell ist man gerade dann, wenn man die innere Wahrheit als wichtiger betrachtet, als das Äußerliche. Der Film zeigt uns, dass gerade in dieser politischen Unkorrektheit Spiritualität liegen kann. Im Film wird Andy Kaufmann aus seiner Yoga-Gruppe geworfen, weil er für die Mitglieder auf Grund seiner Komödiantentätigkeit untragbar sei, dies sei nicht spirituell – so sagte man ihm. Und der Film fragt: Wer ist hier wirklich spirituell, und wer ist es nicht?

Wir sind nun einmal spirituelle Wesen – und können daran im Grunde nichts ändern. Man sollte sich dessen nur bewusst sein.

 

Wir sind spirituelle Wesen – und machen eine materielle Erfahrung was last modified: Dezember 7th, 2015 by Henrik Geyer