Was ist die Wahrheit in Wahrheit? Die Wahrheit ist kein Ding

Was ist die Wahrheit? Die Wahrheit als Ding. [SPID 4422]

„Die Wahrheit“ gibt es nicht – sie ist kein Ding. Das ist die spirealistische Sichtweise auf die Wahrheit, die vielleicht manchem paradox erscheint. Doch paradox im eigentlichen Sinn ist eher die Verwendung des Wortes „die Wahrheit“ im materialistischen Sinn.

Die „Wahrheit“ ist einer der zentralen Begriffe des menschlichen Denkens. An ihr können wir die Widersprüchlichkeit des Materialismus sehen – und, diese Widersprüchlichkeit sehend, können wir sie überwinden.

Die Wahrheit als Absolutheit

Gemeinhin wird die Wahrheit als eine Absolutheit gesehen. Dies sei die Wahrheit jenes nicht. Dies ist die Grundauffassung des materialistischen Weltbildes, das davon ausgeht, der Mensch beobachte eine äußerliche Welt, spiegele sie in seinem Hirn. Das, was er da spiegelt, sei eine festgelegte Realität, und die Wahrheit liege in der Information, die dieser Festgelegtheit am nächsten ist.

Der Spirealismus hat hierzu eine gänzlich andere Auffassung. Der Mensch beobachtet keine Welt, sondern ist ein Element der Schöpfung von Welten. Doch woran kann man feststellten, dass der Materialismus eine falsche Vorstellung ist? Der Spirealismus sagt: an den Widersprüchlichkeiten des Materialismus, seinen Paradoxien.

Beispielsweise dem Denken, es gäbe eine feste Wahrheit. Nicht nur, dass man diese Vorstellung in jedem einzelnen Begriff widerlegen kann, auch in einem umfassenden Sinn lässt sich, philosophisches Verständnis vorausgesetzt, sagen, dass die menschlichen Vorstellungen nur eine Möglichkeit sind, keineswegs eine Notwendigkeit.

Die Wahrheit ist im Materialismus an die Erscheinung äußerlicher Materieobjekte geknüpft

Für den Materialismus ist die Wahrheit an den Materieobjekten abzulesen. Diesem Weltbild entsprechend ruft der Mensch die Informationen von äußerlichen Dingen ab, und spiegelt sie in seinem Hirn. Die unabdingbar eindeutige Wahrheit über diese Objekte – das ist das menschliche Wissen. Insofern ist die Frage nach Wahrheit eng verbunden mit Betrachtung des Begriffes Wissen. Wissen ohne Wahrheit erscheint sinnlos. Doch: gibt es absolutes Wissen? Wenn nein: welche graduelle Wahrheit hat dann unser Wissen?

Es gab viele, die darauf hinwiesen, dass der Mensch nicht im eigentlichen Sinn etwas spiegeln kann. Allein schon aus der Überlegung heraus, dass der Mensch nur Dinge begreifen kann mit den Werkzeugen seiner Wahrnehmung – den Augen, den Ohren, dem Fühlen. Und diese Werkzeuge sind beim Menschen zweifellos spezifisch, keineswegs absolut.

Wer darüber hinaus das Denken selbst als das eigentliche Werkzeug der Wahrnehmung betrachtet (das tat beispielsweise C.G. Jung), der wird zu der Überlegung gelangen, dass der Mensch alles nur mit jenen Begriffen verstehen kann, die er bereits hat. Er ist also keineswegs frei, etwas in einem objektiven Sinn zu spiegeln. Bei Albert Einstein liest sich das so: „Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.“

Zumal Untersuchungen der materialistischen Wissenschaft zeigen, dass hier nichts „gespiegelt“ wird. Denn, die Ergebnisse materialistisch-wissenschaftlicher Beobachtungen hängen, so zeigen Versuche in der Quantenphysik, ab, von der Art und Weise der Beobachtung. Das bedeutet: der Beobachter beeinflusst die Beobachtung, indem er beobachtet. Indem der Mensch da ist, beeinflusst er seine Umwelt. Das ist der materialistischen Wissenschaft natürlich paradox, denn sie glaubt ja, Beobachter und Beobachtungsgegenstand seien getrennt. 

Im Spirealismus übersetzt sich das in die Auffassung, dass der Mensch nichts beobachten kann, so, wie es materialistisch verstanden wird. Der Mensch ruft keine Informationen von äußerlichen Dingen ab, die von ihm selbst unabhängig sind. Sondern das Menschenbild des Spirealismus ist, dass der Mensch Element der Schöpfung ist – durch ihn hindurch fließt Schöpfung. Die Existenz des Menschen besteht darin, Relation zu sein, zu den Dingen der Schöpfung. Das, was er Beobachten nennt, ist ebenso ein Erschaffen. Und das, so der Spirealismus, lässt sich in den normalen Dingen des Alltags beobachten, eine wissenschaftliche Untersuchung von Materieteilchen, beispielsweise im Rahmen der Quantenphysik, ist hierzu nicht nötig. Zu beobachten, dass die menschlichen Wahrheiten, dass das menschliche Wissen, eine Relation des Augenblicks ist, dafür genügt eigentlich eine philosophische Betrachtung.

Fundamentale Paradoxien: Das Nichts und das Alles

Eine wichtige philosophische Frage in diesem Zusammenhang ist die Frage nach dem Nichts. Denn, wenn die Wahrheit an den „Dingen der Welt“ abgelesen werden könnte, im Sinne von: etwas würde gespiegelt, dann fragte man sich doch, wie viele Dinge der Welt es geben kann? Wie viele Formen also kann die Wahrheit annehmen? Umgekehrt gefragt: Welche Dinge gibt es denn nicht, in einem unbegrenzten Universum? Welche Wahrheiten kann es also niemals geben? Und hier gelangt man zu dem meiner Ansicht nach wichtigsten und fundamentalsten Paradox.

Für den Spirealisten steht das Nichts in engem Zusammenhang mit dem Denken. Das Nichts ist dem Spirealismus der Gedanke, der nicht gedacht wird. Für den Materialismus ist das Nichts ETWAS, das nicht da ist. Für den Materialismus ist das Nichts also eigentlich ETWAS und nicht Nichts. Auf dieses Paradox wies schon Plato hin.

Um den Unterschied zwischen spirealistischer und materialistischer Sichtweise zu veranschaulichen stelle man sich einmal folgende Frage:

Weiß die Menschheit viel oder wenig? Der Materialist wird sagen: Viel, aber natürlich nicht alles. Vieles ist noch zu erforschen. Das bedeutet, dem Materialisten erscheint das Nichtwissen als sehr begrenzt und die Möglichkeiten der Welt als eng umrissen – eng umrissen von dem Wissen, das er schon hat, wohlgemerkt.

Der Spirealist hingegen wird sagen: Wie soll der Mensch eine Aussage über eine Quantität eines Nichtwissens treffen, wenn er zwar das, was er weiß, kennt, aber doch nicht das, was er nicht weiß? Was er nicht weiß ist so unvorstellbar riesig, ist so unendlich, dass das, was er weiß, im Verhältnis zu Nichtwissen, in das infinitesimale Nichts übergeht. Der Spirealist sieht die Welt daher als eine Sichtweise an. Man könnte nun fragen: Wie viele Sichtweisen kann es geben? Die Antwort muss lauten: unendlich viele. Die menschliche Sichtweise ist nur eine Möglichkeit, und nicht etwa eine unabdingbare Notwendigkeit, wie der Mensch im Rahmen des Materialismus ja gewohnt ist zu glauben.

Dem Materialismus sieht das, was der Mensch nicht weiß, wie wenig aus, da er das, was er nicht weiß, im Grunde auch schon zu kennen glaubt. Was er nicht weiß, müsse, so nimmt der Mensch an, sich aus dem ableiten, was er weiß. In ewiger Redundanz, einem in sich geschlossenen logischen Kreis, beweist sich der Mensch nun, dass es nur das geben könne, was er sich denkt. Für diese Sichtweise braucht er die Vermutung, dass das menschliche Wissen, dass die menschliche Wahrheit, absolut sei. Denn, würde man das, was der Mensch weiß, nur als Sichtweise sehen, dann würde man sehr schnell sagen müssen, dass das, was der Mensch nicht weiß, nicht zu quantifizieren ist, weil es unendlich ist.

Man würde auch sagen müssen, dass eine Wahrheit, die auf der Basis einer Möglichkeit des Denkens gewonnen wird, nicht aber auf der Basis einer anderen absoluten Wahrheit, nichts anderes sein kann, als wieder eine Möglichkeit, und keine absolute Wahrheit. Wenn man so will eine sich stets „verdünnende“, weniger wahr werdende Wahrheit … wenn man das materialistische Weltbild der absoluten Wahrheiten zugrunde legt.

Die Wahrheit“, die eine und einzige Wahrheit – dieser Begriff enthält eben die Vermutung, dass das menschliche Wissen absolut sei. Für die Wahrheit gilt das Gleiche, was wir über die äußerlichen Materieobjekte sagten, über die Sichtweise auf menschliches Wissen als Absolutheit, über die Annahme, das Nichts müsse ganz wenig sein, bzw. über die Annahme, dass das, was der Mensch nicht weiß, wenig ist. Die materialistische Sichtweise benötigt die Vorstellung der Wahrheit als Absolutheit. Denn er fragt sich ja stets: Ist das auch wirklich die Wahrheit? Ist das, was ich mir denke, auch wirklich die wirkliche Wirklichkeit … und damit absolut wahr?

Würde man jedoch die Wahrheit als etwas sehen, dass nur in einem relativen Sinn existiert, so wie es der Spirealismus tut, kommt man zu einem völlig anderen Weltbild. Zum sprirealistischen Weltbild, dem zufolge die Welt die supersubjektive Sichtweise des Menschen ist. Eine Welt, die innerhalb unbegrenzter Möglichkeiten gewissermaßen „schwebt“ – ein Hologramm einer Möglichkeit. Eine Welt, eine Wahrheit, die eine Sichtweise innerhalb nicht begrenzbarer Unendlichkeiten ist. Eine Welt, die in ihrem Wesen semantisch ist, das bedeutet, die Welt entsteht wie in einem kreativen Text, beschreibend … aber sie ist nicht in einem absoluten Sinn (be-)greifbar, und in einem absoluten Sinn auch nicht existent.

Das Denken des Menschen ist Alles

Wir sahen, wie paradox das das Nichts in der materialistischen Sichtweise ist. Betrachten wir das Nichts nun umgekehrt, und fragen: Was ist das Alles? Wir können es auch objekthafter auffassen, und fragen: Was ist das (Welt-)All? Wir kommen zu einer ganz ähnlichen Paradoxie.

Dem Menschen ist das, was er denken kann, alles. Aber das, was er sich denkt, ist immer nur wenig, verglichen mit dem, was er denken könnte – als abstrakte Möglichkeit. Was er denkt kann daher nie „alles“ sein.

Das Denken ist dem Menschen alles, weil es nichts gibt, was der Mensch nicht denkt, und dennoch für existent halten könnte. Drehen wir das um: Alles, was der Mensch für möglich halten kann, muss der Mensch auch denken. Weil es für den Menschen nichts geben kann, was der Mensch nicht auch in einem Gedanken erfasst, ist das Sein an die Gedanken geknüpft. Was über die menschlichen Gedanken hinausgeht, muss man folgerichtig als unbegreiflich bezeichnen. Und zwar im direktesten Wortsinn. Unbegreiflich als: Niemals und unter keinen Umständen je fassbar. Ich hatte das in Alles ist Geist auch als Denkgrenze bezeichnet – dass das Denken Grenzen haben könnte ist dem Materialisten im Grunde schon unbegreiflich, da er den Geist als das freie Element sieht, und die Materie (die Materie ist dem Materialismus die „eigentliche“ Existenz) als das Begrenzte.

Der Spirealismus hat daher eine andere Vorstellung von Existenz. Existenz entsteht im Prozess der Beobachtung. Die eigentliche Existenz ist der Gedanke an eine Existenz, so, wie die Welt der Gedanke an eine Welt ist. Die Welt ist eine Vorstellung – und der Mensch ein Element der Schöpfung, durch den die Welt mit ihrer Wahrheit eine konkrete, menschliche Existenz erhält.

Was ist die Wahrheit in Wahrheit?

Dass es „die Wahrheit“ nicht gibt, ist für den Spirealismus übersetzbar mit: „Die Welt“ gibt es nicht, oder „das Leben“ gibt es nicht. All dies gibt es nur in einem relativen Sinn, als durch uns hindurch laufender Prozess. Aber nicht in der materialistisch verstandenen Weise, nicht als etwas, das wir von Außen beobachten, nicht als etwas, das von uns unabhängig zu sehen sein kann.

Ist diese Aussage nun wiederum die Wahrheit? Entwertet der Spirealismus die eigene Aussage, wenn er die Wahrheit als nicht existent bezeichnet? In welcher Weise ist dann der Spirealismus wahr?

Die Wahrheit ist dem Spirealismus ein logischer Operator, der etwas kennzeichnet, das in einer Relation mehr zutrifft als etwas anderes. Da auch „die Logik“ gemeinhin unter dem Gesichtspunkt der materialistischen Objekthaftigkeit gedacht wird, muss der Spirealist die Erweiterung hinzufügen, dass es auch in Bezug auf Logik keine wirkliche Endgültigkeit geben kann, denn es gibt nicht nur eine Logik, und nicht nur die menschliche Logik. Nur wenn man innerhalb eines Denksystems bleibt, dann gibt es (scheinbare) Endgültigkeit.

Ausgangspunkt für die Wahrheit und davon untrennbar sind die Objekte des Denkens. Die Wahrheit ist kein Ding, ist kein Objekt. Daher ist der Begriff „die Wahrheit“, verstanden als ein Objekt, innerhalb des materialistischen Denkens paradox. Denn, einerseits befindet sich die Wahrheit als Objekt im Denken, als „die Wahrheit“, und ist als Gedanke somit existent. Andererseits ist wahrnehmbar, dass sie nicht allein existieren kann; nicht als einzelnes Objekt gedacht werden kann. Man kann sie nicht vor sich hin halten und sagen: Hier ist sie, das ist die Wahrheit. Die Wahrheit ist immer geknüpft an eine Behauptung, dies oder jenes sei wahr. Das kann man sich selbst verdeutlichen, wenn man die Wahrheit wiederum, sie objekthaft denkend, als wahr bezeichnet, und sich so in das Reich des Widersprüchlichen begibt. Unter materialistischen Vorzeichen ist die Wahrheit paradox.

„Wer die Wahrheit beschreiben will, überlasse die Eleganz dem Schneider.“

Albert Einstein

 

Die Aussage des Spirealismus über Wahrheit entwertet den Spirealismus nicht. Denn dessen Vorstellung von Wahrheit ist, dass sie nur in einem relativen Sinn überprüfbar ist. Und das trifft zu – die spirealistische Sichtweise ist wahrer als die materialistische, weil sie die Beobachtungen, die auch unter materialistischen Bedingungen gemacht werden, besser beschreibt: Die Welt als in jeder Hinsicht relativ – an nichts Festes gebunden.

Zugleich sagt der Spirealismus eben nicht, man müsse zu seinen Aussagen mit einer absoluten Notwendigkeit kommen. Er kann also auch nicht sagen, der Spirealismus sei in einem absoluten Sinn wahr. Wenn es keine absolute Wahrheit gibt, dann gilt das eben auch für den Spirealismus. Mit dem Spirealismus verbunden ist ja wie gesagt die Überzeugung, das nur das existent sein kann, was auch gedacht wird. Eine Wahrheit, die nicht gedacht wird, ist als solche auch nicht vorhanden.

Und, wenn es keine absolute Wahrheit gibt, dann gibt es dem Spirealismus zufolge auch keine Entwicklung hin zu einer absoluten Wahrheit. Das bedeutet, es gibt keine Erkenntnis, die „irgendwann“ mit Bestimmtheit erlangt werden müsste.

Der Spirealismus bestreitet nicht, dass sich die Welt nicht auch unter der Prämisse der Absolutheit denken ließe, denn der Materialismus beweist das ja. Den Anhängern des Materialismus wird ihre eigene Überzeugung wie unabdingbar erscheinen. Der Materialismus beweist sich selbst, immer wieder von seinen Grundannahmen ausgehend. Das gilt für die materialistische Weltanschauung ebenso wie für die materialistische Wissenschaft. Alles sei aus Festem aufgebaut, aus Teilchen schließlich, die sich objektiv beobachten ließen.

Dem Spirealismus ist die Welt eine Sichtweise – das bedeutet eben, dass im Prinzip auch wirklich jede Sichtweise möglich ist. Aus der Innensicht jedes Ich-Universums ist das eigene Universum aber stets geschlossen – wie nicht anders denkbar. Absolute Dinghaftigkeiten voraussetzend, erscheint auch jedes Universum wie ein begrenztes Ding, das aber, und das ist für den Materialisten unbegreiflich, keine Grenzen zu haben scheint.

Dieses Paradox, eine Welt also, die ihm begrenzt und verstanden erscheint, und dennoch auf rätselhafte Weise grenzenlos, ist dem Materialisten die Wahrheit.

 

 

Was ist die Wahrheit in Wahrheit? Die Wahrheit ist kein Ding was last modified: Dezember 12th, 2016 by Henrik Geyer

Lebenslügen: leben wie eine Katze auf einem heißen Blechdach … es aushalten

Lebenslügen - leben wie eine Katze auf einem heißen Blechdach …. Es aushalten

Im Film „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ geht es um Lebenslügen.

Der Film entstand im Jahr 1958 nach einem erfolgreichen Theaterstück von Tennessee Williams.

Der Plot

Es geht um eine reiche Südstaatenfamilie, um Erbschaftsstreitigkeiten, um Enttäuschungen, um den schönen Schein, und vor allem um Lebenslügen.

Das Oberhaupt der Familie, „Big Daddy“, feiert im Kreis seiner Familie seinen 65. Geburtstag. Er ist durch eine schwere Krankheit todgeweiht, doch niemand hat den Mut, es ihm zu sagen.

Er wird nicht müde zu sagen, dass er sein Reich, die Farm, eben alles, ganz allein aufgebaut hat, mit seinen eigenen Händen. Big Daddy nimmt an, dass es das ist, wofür man ihn liebt. Derweil entfaltet sich ein munteres Ränkespiel um das bald fällig werdende Erbe, denn alle anderen wissen über seine Erkrankung Bescheid. Big Daddy ist in diesem Ränkespiel Statist und weiß es nicht einmal.

Auch sein Sohn Gooper lebt mit einer Lüge. Er hat alles getan, so wie sein Daddy es ihm gesagt hat: Er wurde Anwalt, zog nach Memphis, heiratete, bekam viele Kinder. Er hat das Leben seines Daddy gelebt und glaubt nun, dies verschaffe ihm die Liebe seines Vaters. Doch der liebt seinen anderen Sohn mehr, Brick.

Brick (gespielt von Paul Newman) wiederum ist insgeheim homosexuell (das kommt im Film nicht zur Sprache – wohl aber im Theaterstück), doch er verbirgt das seit seiner Jugend. Mit seinem Vater konnte er darüber nie sprechen, alles was der verstand, und alles was ihn alleinig interessierte, das waren Leistung und Erfolg. Brick ist sich der Lügen zum Teil bewusst und sie sind ihm unerträglich. Sein Leiden kompensiert er mit dem Konsum von reichlich Alkohol.

Bricks junge Frau Maggie „die Katze“ (gespielt von Elizabeth Taylor), kommt aus ärmlichen Verhältnissen und hat gelernt mit allen Härten umzugehen. Sie durchschaut die Lebenslügen und Intrigen dieser Familie voll und ganz, spielt mit. Sie ist gewohnt und fähig, das Unerträgliche zu ertragen, sie ist zäh wie eine Katze auf einem heißen Blechdach. Ihr „Trick“ ist, einfach solange wie möglich darauf zu bleiben.

Lebenslügen – Höhepunkt in einem Keller voller Ramsch

In einem eskalierenden Streit erklärt Brick Big Daddy, dass dieser nur noch kurze Zeit zu leben hat. In einem stimmungsvollen Höhepunkt entlädt sich nun Wahrheit um Wahrheit, ebenso wie die Blitze des zur selben Zeit stattfindenden Gewitters. Dass die Wahrheit über das nahe Ende Big Daddys ausgesprochen wurde, löst alles. Auch andere Wahrheiten können nun gesagt werden.

In einem Keller voll mit luxuriösem Ramsch, der angeschafft wurde, weil er so wertvoll schien, aber seine vollständige Nutzlosigkeit dadurch preisgibt, dass er aufgestapelt nur die Sicht versperrt, so wie die Lebenslügen dieser Familie die Sicht auf die Wahrheit versperren, sprechen sich Brick und Big Daddy aus.

Die Katze auf dem heißen Blechdach als DVD

Big Daddy beklagt, sein Vater habe ihm nicht mehr hinterlassen als einen Koffer und einen alten Hut aus dessen Soldatenzeit. Doch durch Brick erst versteht Big Daddy, dass da etwas anderes war, zwischen ihm und seinem Vater. Big Daddy konnte seinen Vater lieben, viel mehr, als es Brick bei Big Daddy möglich gewesen war. Die Gewöhnung an die allgegenwärtigen Lebenslügen hatte die Liebe zwischen Vater und Sohn erstickt.

Wie die Natur nach dem reinigen Gewitter, das über den Mississippi hin abzieht, sind die Menschen nach dieser Entladung von Wahrheiten, die so lange verborgen gehalten worden waren, befreit und geläutert.

 

Die Katze auf dem heißen Blechdach als Buch

Ein wunderbarer Film (und Buch), der uns gemahnt, in unserem Leben aufzuräumen, Lebenslügen zu meiden, wertzuschätzen, ehrlich zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterlesen: Beitrag Letzte Wahrheit – gibt es sie?

Lesen Sie auch: Artikel Was ist Wahrheit? Wahrheit als Weltanschauung.

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Lebenslügen: leben wie eine Katze auf einem heißen Blechdach … es aushalten was last modified: Juni 1st, 2016 by Henrik Geyer

Macht euch bereit für die göttliche Kraft

Thema göttliche Kraft: Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Dem Menschen einen Glauben schenken heißt, seine Kraft zu verzehnfachen.Gustave Le Bon

„People get ready“ von Curtis Mayfield ist ein Klassiker der spirituellen Musik. Seine Musik ist genial, der Songtext einfach und eingängig, mit einer starken Botschaft: „Kopple dich an, an die göttliche Kraft!“
Eine wunderschöne Interpretation dieses Titels ist von Joss Stone:

Am Ende des Beitrages der Text: Link

Der Titel ist vom Rolling Stone Magazine auf Liste der einhundert besten Titel aller Zeiten gesetzt worden, und zwar als die Nr. 24.

göttliche Kraft – als ein Eisenbahn-Zug von Küste zu Küste

Im Lied wird der Glauben als ein Zug interpretiert, in dem jeder einfach mitfahren kann (you need no ticket). Es ist dieses ewig junge „Geheimnis“ des Glaubens, dass er die Seele für ganz andere Wahrheiten öffnet, als wir sie in unserer normalen Welt der Abstimmung zu sehen vermögen. Diesem Geheimnis verleiht der Song in der eindringlichen Weise eines guten Spirituals Ausdruck.

Dem Menschen einen Glauben schenken heißt, seine Kraft zu verzehnfachen.
Gustave Le Bon

Göttliche Kraft steht aber nur jenem zur Verfügung, der bereit ist, sich in das göttliche System einzufügen. In dem Zug kann nur reisen, wer dem Herrn dienen will, aber nicht jener, der einfach nur alles tut, um sich selbst Vorteile zu ergattern.

Es gibt keinen Platz
für den hoffnungslosen Sünder
der hart zu den Menschen ist
um für sich selbst zu sorgen
Habt Mitleid mit jenen
deren Chancen geringer sind
denn es gibt kein Verstecken
vor dem Thron des Königs

Now there ain’t no room
For the hopeless sinner
Who抯 hard on mankind
Just to save his own
Have pity on those
Whose chances are thinner
Cause there’s no hiding place
From the King on his Throne

Dieses Dem-Herrn-Dienen als notwendiger Bestandteil und Prüfung des Glaubens ist übrigens auch die wichtige Aussage des berühmten Bob Dylan Songs What can I do for you?

Sobald der Mensch geboren ist, beginnen die Funken zu fliegen.
Er hält sich für so klug, und er ist dazu gemacht, dieser Lüge zu glauben.
Wer würde ihn retten, vor dem Tod den er bestimmt ist zu sterben?
Du hast es getan, und es gibt nichts, das jemand vorgeben könnte, mehr zu tun.
Was kann ich für Dich tun?

Soon as a man is born, you know the sparks begin to fly
He gets wise in his own eyes and he’s made to believe a lie
Who would deliver him from the death he’s bound to die?
Well, You’ve done it all and there’s no more anyone can pretend to do
What can I do for You?

 

Thema die Klugheit des Menschen: Artikel merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags

Der Glaube ist innere Wahrheit

Glaube ist eben nicht das, was der Materialist gemeinhin vermutet: Nicht-Wissen, gewertet wie Dummheit. Sondern Glaube ist innere Wahrheit – festes Wissen. Dieses Wissen beweist sich in den Menschen und durch sie, es „materialisiert“ sich in dem, was sie tun.

Daher ist der Glaube an Gott, an eine höhere Kraft, an die Schöpfung, verbunden, mit einer anderen Sichtweise auf die Welt, die die Realität verändert. Das kann nicht „gefaked“ werden – ebenso wenig, wie man sich selbst belügen kann.

Die göttliche Kraft steht nur jenem zur Verfügung, der den Glauben als innere Wahrheit erleben kann, nicht jenem, der in einer Art theoretischem Außenblick darauf sieht. Oder, wie es in der Bibel heißt: „Gottes Reich ist inwendig“ – es ist nicht im Äußerlichen zu sehen.

Songtext

Siehe auch: Beitrag Stille üben – meditieren. Wozu ist es gut, still zu sein?

Siehe auch: Angst vor der Angst – ist man mutlos, ein Verlierer und Defätist, wenn man Angst hat?

Ähnliches Thema: Dort bin ich nicht

Macht euch bereit für die göttliche Kraft was last modified: Mai 17th, 2016 by Henrik Geyer

Kausalkette – philosophisch (spirealistisch) gesehen

Die Kausalkette in der kritischen Betrachtung. Wie wird sie landläufig gesehen – wie sieht sie der Spirealismus?

Was ist eine Kausalkette?

Kausalkette mit einer Ursache-Wirkung-Beziehung: monokausal

Kausal ist unser Wort für die Vorstellung, dass alles auch einen Grund hat. Man könnte auch sagen, es ist die Vorstellung, dass einem beliebigen Ereignis (Phänomen) des Jetzt immer ein Ereignis vorausging, dass man als Ursache des Ereignisses im Jetzt ansehen kann. Causa=der Grund

Weil wir an Objektivität (Bestimmtheit) glauben, sieht unsere Vorstellung von Kausalketten in der Regel recht eindimensional aus. Es ist die Vorstellung, dass ein Ereignis genau einen Grund hat. So, wie in der Grafik unten abgebildet, wo ein „monokausaler“ Zusammenhang abgebildet ist.

Für die Zukunft gilt dasselbe „monokausale“ Prinzip. Betrachten wir vom Jetzt aus die Zukunft, dann ist ein Phänomen, das wir im Jetzt feststellen, der Grund für ein Phänomen, das wir in der Zukunft erwarten. Die Wahrheit, die wir am Phänomen des Jetzt feststellen, führt somit (mit einer gewissen, jedoch nicht festen Notwenigkeit, d.h. also Wahrscheinlichkeit) zu einem Phänomen in der Zukunft.

Monokausal

 

Ursache und Wirkung, Vergangenheit und Jetzt, Jetzt und Zukunft

Es soll ja in diesem Beitrag um das spirealistische Verständnis von Kausalketten gehen, das abweicht, von dem materialistischen. Der Spirealismus sieht die Welt nicht als eindeutig bestimmt. Das geht schon aus von dem Grundgedanken des Spirealismus: dem Fehlen von Objektivität. Also: wenn es im Jetzt keine Eindeutigkeit der Dinge gibt, ist also das zu beobachtende Phänomen nicht einfach „da“, sondern vielfältig da. So gesehen gibt es auch keine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung.

Um dies anhand der typischen Vorstellungen von Kausalketten (typisch für den Materialismus sind die eindeutigen, monokausalen, Zuordnungen: dies ist die Ursache – hier ist die Wirkung) darzulegen, bedarf es einiger Überlegungen, die schlicht die Deutungsvielfalt dessen zeigen sollten, was wir gemeinhin als „gegeben“ annehmen.

Zunächst kann man sehen, dass Ursache-Wirkung-Beziehungen in beide Richtungen, in die Vergangenheit und in die Zukunft, auf gleiche Weise vorstellbar sind. Daher habe ich die obige Grafik umgedreht, und aus der Zukunft wurde Vergangenheit. Das bedeutet, ein Phänomen des Jetzt führt logisch zurück auf eine Vielzahl von möglichen Ereignissen in der Vergangenheit; eben nicht eines, sondern viele.

Kausalkette, Kausalität, spirealistisch verstandenDie Kausalität ist umkehrbar

Betrachtet man die Ursache-Wirkung Beziehung von verschiedenen Standpunkten, geraten die Worte „Ursache“, „Ereignis“, „Phänomen“, „Folge“, „Effekt“, „Konsequenz“ durcheinander.

Jede Ursache, die in der Vergangenheit liegt, ist auch eine Folge, und zwar von einer anderen Ursache. Jede Konsequenz in der Zukunft ist ebenso Ursache und ebenso Phänomen.

Ursache und Wirkung – und ihre Verbindung mit dem Zufall

Tritt ein Phänomen auf, für das man keinen direkten Vorgänger benennen kann, keinen direkten Grund, dann nennt man das Zufall. Es ist ein Phänomen, für das wir keinen Grund kennen. Auch hier ist die materialistische Vorstellung, der Zufall ließe sich eingrenzen. das Wort „Wahrscheinlichkeit“ lässt uns den Zufall so erscheinen, als sei er nur eine mathematische Aufgabe – und damit im Grunde bezwungen. Die spirealistische Sicht sieht notwendigerweise anders aus, sie nennt den Zufall unendlich, er ist nicht im Äußerlichen begrenzt. In uns selbst, die wir selbst erst die Festlegungen erschaffen, wo doch eigentlich keine sind (fehlende Objektivität) entsteht die Wahrscheinlichkeit.

Das Begrenzen-Können des Zufalls ist eine weitere Illusion des materialistischen Denkens. Denn – wie viele Zufälle kann es geben, in unserer Welt? Kann man den Zufall ausmerzen? Gott würfelt nicht, sagte Einstein. Bedeutet das, wir könnten Gott auf die Schliche kommen, indem wir seine Zufälle als eindeutige Kausalketten entlarven?

Aus spirealistischer Sicht wie gesagt nicht. Denn wir können niemals die Anzahl der „in der Welt“ (spirealistisch: in den Welten) auftretenden Zufälle zählen. Im Grunde ist uns alles Zufall, das wir nicht genauer betrachten, und für das wir in der Folge keinen Kausalzusammenhang konstruieren. Und nun frage man sich: Können wir jemals damit fertig werden, alle Zusammenhänge in Zeit und Raum kausal zu verbinden? Jeder wird sofort verstehen: niemals! Auf diese Weise verstehen wir, dass die Fragen zu den Kausalitäten, und auch die Antworten, aus uns selbst kommen. Wir selbst sind die Schöpfer unserer Welten – sie sind nicht schon in einem Außen „da“.

Dies enthält die Sichtweise, dass Ursache und Wirkung, Zufall und Kausalkette, von unserem Bewusstsein abhängen. Wenn wir die Zusammenhänge nicht konstruieren, wo sind sie dann?

Denken in Begriffen von „Innen“ und „Außen“, „Objekt“ und „Subjekt“, „vorher“ und „nachher“ als Denkvoraussetzung für Kausalketten

Die letzte Frage wird man materialistisch beantworten mit: „Die Kausalketten sind natürlicher Art! Sie sind in den Dingen! den Dingen des Außen!“

Wir sind an dieser Stelle wieder bei der Frage, was denn die „Dinge“ sind, was eine Monade ist, was Subjekt und Objekt sind, etc.. Ich habe das so oft thematisiert, dass ich es an dieser Stelle nicht wiederholen will.

Es sei aber noch einmal gesagt, dass es die materialistische Sichtweise ist, sich „die Welt“ (das Objekt) als etwas außerhalb des Menschen Liegendes vorzustellen. Der Mensch ist Beobachter (Subjekt), er spiegelt in seinem Geist etwas wider. Hingegen bestreitet der Spirealismus das Vorhandensein einer objektiven, eindeutigen, außerhalb von uns liegenden Welt, und hat dafür viele gute Gründe.

So wäre denn der weiter oben abgebildete monokausale Zusammenhang eine typische Vorstellung des Materialismus.

Wohingegen es dem Spirealismus bereits fremd ist zu sagen, es gäbe irgendetwas, das nur eine einzige Ursache hätte. Oder, es gäbe Kausalketten, die außerhalb von uns festgelegt wären, und die wir als solche erkennen könnten. Denn der Spirealismus sieht den Menschen ja gar nicht als Beobachter einer äußeren Welt. Sondern er sagt, die Welten entstehen (auch) durch ihn. Er ist nicht Beobachter der Schöpfung, sondern ihr Element.

Die Welten sind somit die Welten unserer Vorstellung.

Welt(en)? Wieso Welten in der Mehrzahl? Siehe weiter: Beitrag Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt

Es gibt keine Objektivität bedeutet: es gibt nicht „das“ Phänomen in Eindeutigkeit

Fehlende Objektivität hat, zu Ende gedacht, einige verblüffende Wirkungen. Einige Paradoxien der materialistischen Welt werden, wenn man diese Denkvoraussetzung annimmt, ganz klar angesprochen und erkannt, ja sogar in ihrer Ursache geklärt.

Wenn wir also wie Immanuel Kant feststellen, dass es nicht die Dinge „an sich“ für uns gibt, dann kommen wir auch zwangsläufig auf das Schopenhauersche „Die Welt ist eine Vorstellung“. Das wiederum bedeutet, dass das, was „die Dinge“ sind, unserer Vorstellung entspringt, was wiederum fluktuiert, vielfältig ist – und abhängig von Sichtweisen.

 

Stellen wir uns vor, wir könnten für jedes Ding das wir sehen, verschiedene Interpretationen in unserem Denken entwickeln. Das ist nicht ganz abwegig, denn jeder kann an sich selbst feststellen, dass er für die dieselbe Sache in seinem Leben verschiedene Interpretationen hat, es ist nur eine Frage der Zeit. Ich nannte solches Denken, das immer vieles für möglich hält, an anderer Stelle „symbolhaftes Denken“ oder auch „Denken in Metaphern“. Ein solches Denken bemüht sehr die Kreativität und Phantasie – es ist ein Denken in hunderterlei Möglichkeiten.

Andererseits sehen wir an diesem gedanklichen Experiment, dass wir Menschen so geschaffen sind, dass wir in einem Moment nur eine einzige Wahrheit für möglich halten, niemals mehrere. Wir suchen beispielsweise nach „der“ Wahrheit, nicht „den“ Wahrheiten. Das bedeutet, im Grunde sehen wir in „einer“ Sache immer nur eine Möglichkeit, während, wenn man so will, in jeder Sache viele Möglichkeiten „enthalten“ sind.

D.h., man müsste sich vorstellen, dass man, wenn man für jedes Ding verschiedene Interpretationen hätte, diese Interpretationen auch gleichermaßen für wahr halten könnte. (wir kommen insofern auf die Frage, was Wahrheit ist. Und wir sehen an dieser Stelle eigentlich auch, wie verquickt die Begriffe Kausalität, Zufall, Wahrheit, Zeit sind).

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Jedenfalls, hätte man eine solche Vorstellung von den Dingen, als ausgestattet mit vielfältigen Interpretationen bzw. Identitäten gleichzeitig, dann gingen von diesen Dingen auch viele verschiedene gleichzeitige Kausalketten aus, mit vielfältigsten Beziehungen.

In der unteren Grafik versuchte ich das zu verdeutlichen. Wenn uns die Gegenwart (das Jetzt) wie eindeutig erscheint, und die Zukunft in ihren Möglichkeiten wie vielfältig, dann müssen sich die Möglichkeiten der Zukunft vervielfältigen, wenn wir beginnen, die Phänomene der Gegenwart als verschwommen wahrzunehmen – wenn wir also annehmen, dass wir in der Gegenwart nicht einen Zustand feststellen könnten, sondern viele.

Der Obere Teil der Grafik enthält den monokausalen Zusammenhang üblicher (materialistischer) Vorstellung, ausgehend von einem Jetzt, das einige Möglichkeiten in der Zukunft bereit hält. Der graue Pfeil soll stellvertretend sein für eine Kausalkette, die ausgeht von einem als „möglich“ gedachten Phänomen im Jetzt. Dieses „als möglich gedachte Phänomen im Jetzt“ – das wäre so eine Interpretation eines Dinges (oder einer Situation), von dem ich sprach. Wenn ich also die Vielfalt der Deutungen, die in einer Sache liegen wahrnehmen kann, und sagen kann: Ich nehme jetzt einmal nicht an, dass dieses Ding (oder diese Situation) xyz ist, sondern denke sie mir anders, bewerte eine Situation anders, dann komme ich auf weitere Kausalketten, deren von mir wahrzunehmende Folgen sich vervielfachen.

Angenommen beispielsweise, ich sage, „das Atom gibt es nicht“. Dann komme ich (kommt die Menschheit) in der Folge auf eine ganz andere Art der Naturwissenschaften.  Auch diese andere Art würde funktionieren, aber mit anderen Begriffen.

 

Man sollte schließlich noch einmal bedenken, dass der Begriff „Phänomen“ (also die Zustandsbeschreibung  eines Ereignisses oder Dinges) durch die vorhin vorgenommene Verdrehung der Kausalkette zu einer lediglich relativen Vorstellung wurde. Man kann das „Phänomen“ ebenso gut im Jetzt wie in Vergangenheit oder Zukunft ansiedeln – man gewinnt durch dieses gedankliche Experiment einmal mehr ein Verständnis dafür, dass auch der Begriff „Phänomen“ nichts wirklich „Festes“ beinhaltet.

Monokausal vs Multikausal/Multieffekt, spirealistisch verstandenAnnahmen, was das Jetzt ist, bestimmen, was wir für Zukunft oder Vergangenheit erwarten

Resüme

Was gezeigt werden sollte, und was ich hoffentlich zeigen konnte, ist, wie abhängig Kausalketten von dem sind, was wir für Vorstellungen von ihnen entwickeln. Welche Abhängigkeiten der verschiedenen Begriffe es gibt, ich zähle noch einmal auf: Ursache, Wirkung, Ereignis, Effekt, Folge, Konsequenz, Zeit, Vergangenheit, Zukunft, Jetzt, Gegenwart,  Wahrheit, Wahrscheinlichkeit, und so weiter.

Es ist die spirealistische Sicht der Dinge, die die Welten aus einem quasi semantischen Beziehungsgeflecht entstehen sieht. In der spirealistischen Denkweise ist klar: diese o.g. Begriffe hängen unabdingbar zusammen, man kann sie eigentlich gar nicht einzeln betrachten (und doch, beispielsweise in diesem Text, ist man dazu gezwungen).

Je nach Gewichtung bilden diese Begriffe eine Konstellation, die im jeweiligen Fall einzigartig wirkt. Einzigartig in uns! Einzigartig ist lediglich unser Verständnis von „der Welt“. Einzigartig in unseren „Ich-Universen“.

Insofern möchte ich an dieser Stelle noch einmal die Grafik einfügen, die ich bereits an anderer Stelle verwendete – die Zeit als Punkt, und die Vergangenheit und Zukunft, Kausalketten, etc.., als Vorstellungen, die sich vom Rand her bilden, und zur Mitte hin „materialisieren“.

Die Zeit, vorgestellt als Punkt

 

Ähnliches Thema: Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Den schwarzen Kern in der Mitte könnte man ebenso gut als den materiellen Kern eines Dinges bezeichnen, und den verschwimmenden Außenbereich als die Feststellungen, die man in Bezug auf diesen Kern treffen kann.

Die Feststellungen am Rand sind in der spirealistischen Denkweise nötig, denn sie definieren das Ding (den Kern), ebenso, wie sich selbst. Im Spirealismus gibt es immer nur die Relation – nie kann ein Ding für sich alleine stehen.

Die Festlegungen des Außen treten für uns nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf, die auch notwendigerweise das Element des Zufalls (des Nicht-Vorhersagbaren), enthält.

Konkret stellt sich das so dar, dass das, was wir für die Vergangenheit oder Zukunft halten, oder für Kausalketten jeglicher Art, uns so unbestimmter erscheint, je weiter man sich entfernt, vom eigentlichen Gegenstand der Betrachtung. Ihn jedoch, den Gegenstand der Betrachtung, halten wir für fest, nicht sehend, dass er lediglich völlig eindeutig erscheint, in einem einzigen Ich-Universum.

Ebenso wie Objekte, Universen etc., sind eben auch Kausalketten der fundamentale Mörtel unserer Welten. Ganz ähnlich der zeit, vielleicht noch fundamentaler – zugleich ebenso unergründlich. Kausalketten verbinden die Objekte des Denkens, erschaffen ein vorher und nachher.

Sie „existieren“ aber nicht in dem Sinne, dass man sie in einem Außen „ablesen“ könne. Mit uns und durch uns, die wir Elemente der Schöpfung sind, nicht ihre Beobachter, kommen sie in die Welten.

Weiterlesen: C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein

Weiterlesen: Artikel Was bedeutet subjektiv? Ist ein wissenschaftlicher Versuch objektiv?

Kausalkette – philosophisch (spirealistisch) gesehen was last modified: April 30th, 2016 by Henrik Geyer

Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Die Wahrheit ist wie das Zentrum eines Lichtstrahls, der sich in ständiger Bewegung befindet.Wie der Lichtstrahl, steht die Wahrheit nie fest, ist nie ganz greifbar. Um das Zentrum des Lichtstrahls herum ist ein Schein ... der Wahr-Schein.

Durch die Wahrscheinlichkeit wird das, was eintreten wird, schon jetzt wahr – als unsere Erwartung. Es scheint jedenfalls erst einmal so.

Was hat Wahrscheinlichkeit mit der Wahrheit zu tun? Über Wahrscheinlichkeit und Wahrschein.

worum geht es bei der Frage?

Wahrheit ist einer unserer wichtigsten und grundlegendsten Begriffe. Wahrheit zu definieren ist gleichermaßen wichtig wie andererseits völlig untypisch und schwierig. Wie soll man eine Definition finden, wenn man für jede Definition doch diese grundlegendsten Begriffe, wie z.B. Wahrheit, selbst erst benötigt (z.B. um zu prüfen, ob eine Definition überhaupt wahr ist)? Aus diesem Grund auch, weil dieser Ansatz so fundamental ist, glaubt ja jeder bereits bestens zu wissen, was Wahrheit ist. Und dennoch, dem zum Widerspruch, streitet man ständig um sie.

Wahrheit ist eine Eigenschaft, mit Hilfe derer sich verschiedene Objekte des Denkens unterscheiden lassen. Die Vorstellung der materialistischen Sichtweise ist dabei, man würde, je mehr man sich einer Wahrheit nähert, einer äußerlichen Realität näher kommen, die die „eigentliche“ und „endgültige“ Wahrheit repräsentiert. Das Ganze geht aus von der Ontologie des Materialismus, und ist im Grunde von dieser abhängig und von ihr nicht zu trennen: von der Vorstellung also, wir seien Beobachter von (Materie-)Objekten außerhalb von uns. Man könnte auch sagen: Beobachter einer objektiven Realität.

Ähnliches Thema: Artikel Die Ontologie des Materialismus

Auf diesem Blog wurde aber sehr oft der Gedanke geäußert, es gäbe keine Objektivität. Ich habe das wieder und wieder thematisiert, weil es doch so schwierig zu verstehen ist, und unserer landläufigen Vorstellung von „der Welt“ so zuwiderläuft. Gleichwohl ist es, wie ich meine, völlig unbestreitbar.

Wenn man also feststellt, dass es keine Objektivität gibt, so stellt sich die Frage, was dann wohl Wahrheit ist. Es ist letztlich wieder dieselbe Frage, die wir auf anderem Wege bereits zur Ontologie des Materialismus hatten: Was konstituiert die Welt, wenn es nicht Materieobjekte sind, die wir beobachten? Und zur Wahrheit lässt sich fragen: Was konstituiert Wahrheit, wenn es nicht eine äußerliche Realität ist?

Am Ende kommen wir immer darauf (das ist die spirealistische Weltsicht), dass unsere Realität aus den Objekten des Denkens resultiert, man könnte auch sagen, aus Vorstellungen (siehe auch „Die Welt als Wille und Vorstellung“ von Schopenhauer). Und unsere Vorstellungen sind wie Punkte in einem riesigen Geflecht von anderen Vorstellungen, von denen sie wiederum abhängen.

Aus diesem Grund gilt es, unsere Vorstellung von Wahrheit innerhalb eines Beziehungsgeflechtes verwandter Begriffe zu beobachten; solchen Begriffen also, die mit unserer Vorstellung von Wahrheit eng zusammenhängen. Anders gesagt: man kann sich der Bedeutung eines Begriffes nur nähern, in dem man seine Stellung innerhalb eines semantischen Beziehungsgeflechtes prüft. Beispielsweise ist es eben wichtig, den Begriff der Wahrscheinlichkeit zu untersuchen um ihn besser zu verstehen, und mit ihm gleichzeitig auch den Begriff der Wahrheit.

Die Wahrheit ist das, was ich weiß

Zunächst einmal wollen wir die Wahrheit als das verstehen, was „ich weiß“.

Nun wird mancher sagen, die Wahrheit sei nicht nur das, was ich weiß, sondern etwas, das sich an irgendetwas anderem festmacht. Etwas, das sich irgendwo zeigt.

Wir kommen in diesem Fall aber wieder darauf zurück, das etwas, das sich an etwas anderem zeigt, wieder von mir gewusst werden muss, damit es eine Existenz für mich hat. Es bleibt dabei: alles, was ich über die Wahrheit sagen kann, ist etwas, das ich wissen muss.

Das Wort Wissen ist zu betonen – denn die Wahrheit verbindet sich in der materialistischen Weltanschauung (im Gegensatz zur spirealistischen Weltanschauung) mit der Vorstellung einer äußerlichen Welt, deren Kernvorstellung die „Materie“ heißt. Insofern unterscheidet diese Weltanschauung zwischen Wissen und Glauben / innerlicher Welt und äußerlicher Welt / Geist der Materie beobachtet, und der Materie selbst.

Ähnliches Thema: Beitrag Innere Wahrheit – Äußere Wahrheit

Wahrscheinlichkeit geht immer von dem aus, was ich weiß

Man bedenke: Was für mich in diesem Moment wahr ist, ist das, worauf sich all mein Wissen für die Zukunft aufbaut. Warum? Weil ich, was immer ich sehe, was immer ich begreife, nur begreifen kann, mit den vorhandenen Begriffen.

Warum „Begriffe“ in der Mehrzahl? Weil jedes einzelne Wort, jeder einzelne Begriff, nie nur für sich allein stehen kann. Jeder Begriff und jedes Wort gewinnt seine Bedeutung nur aus einer Konstellation – dem Zusammenhang mit anderen Begriffen. Beispielsweise ist, was immer ich über altgermanische Kulturen erfahren kann, ist verbunden mit der Vorstellung von Germanien als Ort. Ohne das eine macht das andere keinen Sinn.

Diese Konstellationen sind bis in die Unendlichkeit komplex, und in einem ständigen Wechsel begriffen – so dass es einen endgültigen Sinn, eine endgültige Bezogenheit aufeinander, eine endgültige Konstellation und damit Wahrheit, nicht geben kann.

Das wiederum, was ich in diesem Augenblick weiß, meine Begriffe des Augenblicks, sind ihrerseits die Voraussetzung für alles das, was ich in Zukunft wissen kann. Denn um etwas („Neues“) zu verstehen, habe ich ja immer nur meine Begriffe. Und meine Begriffe des Augenblicks sind nicht neu. Und was für mich gilt, gilt im gleichen Maße für die Menschheit, weil sich alles immer wieder und wieder in Einem zusammenfindet. (Supersubjektivität).

Was immer ich in Zukunft begreifen kann ist abhängig von meinen Begriffen des Momentes:

Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.
Albert Einstein

Die Wahrheiten des Morgen formen sich aus den Wahrheiten des Jetzt. Wie könnte es anders sein?

Wir formen die Zukunft mit Phantasie

Die Theorien, die wir über das „Äußerliche“ haben, sind weit weniger festgelegt, als wir glauben. Einstein wusste auch das. Er sagte einmal in einem Gespräch, dass es für die Theorien der Menschen (die Rede war konkret von mathematischen Ableitungen) keine unbedingte Notwendigkeit gäbe.

Nur durch unseren Glauben an eine von uns unabhängige Außenwelt ist es möglich, dass wir meinen, den Begriff der Wahrscheinlichkeit fein säuberlich vom Begriff der Phantasie trennen zu können. Die Wahrheit kann man (nur so!) als den Inbegriff des Äußerlichen sehen, des jederzeit Nachweisbaren – und Phantasie als der Inbegriff der inneren Welten (die mit Wahrheit angeblich nichts zu tun haben).

Aber, wenn unsere Theorien ohne eine besondere Notwendigkeit in die Welt kommen, dann gilt dasselbe für unsere Wahrscheinlichkeiten. Auch sie sind nicht unbedingt notwendig – im Umkehrschluss heißt das, dass wir die Zukunft mit Phantasie formen, indem wir Wahrscheinlichkeiten berechnen und diese, als unsere Auffassung von Wahrheit der Zukunft, in unsere Handlungen einfließen lassen.

Lesen Sie auch: Beitrag Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig?

Wahrscheinlichkeit als Wahrschein – Schein der Wahrheit

Man stelle sich die Wahrheit vor wie das Zentrum eines Lichtstrahls, der sich in ständiger Bewegung befindet.Wie der Lichtstrahl, steht die Wahrheit nie fest, ist nie ganz greifbar. Unser Auge folgt dem Licht, versucht das Zentrum im Auge zu behalten. Doch das Auge kann natürlich nur erfassen, was der Lichtstrahl beleuchtet. Was er nicht beleuchtet – die unendliche Welt des Möglichen, verbirgt das Dunkel.

Um das Zentrum des Lichtstrahls herum ist ein Schein … der Wahr-Schein.

Der Wahrschein ist weniger hell als das Zentrum, aber in ihm ist dasselbe Licht des Augenblicks. Der Wahrschein  beleuchtet zugleich all die Orte, an denen sich das Zentrum des wandernden Lichtstrahls im nächsten Augenblick befinden kann. Nur hier, einem recht begrenzten Bereich unserer Welt, der sich direkt ableiten lässt von dem Zentrum des Lichtscheins, der Wahrheit, kann sich das Zentrum im nächsten Augenblick befinden. Und damit unsere Auffassung von Wahrheit.

Die Wahrscheinlichkeit drückt aus, was unsere Wahrheit des nächsten Augenblicks sein kann.

Lesen Sie auch: Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Diese Metapher macht deutlich:

Erstens: Die Wahrheit steht nie fest – es gibt sie nicht in einer objektiven Form

Zweitens: Es ist das Wesen der Wahrheit, sich stets zu ändern. So wie sich die Relation, deren Teil wir sind, ständig ändert.

Drittens: Die Wahrheit der Zukunft geht aus von der Wahrheit des Jetzt, sie ist nicht unabhängig davon. Das bedeutet: wie wir die Wahrheit des Jetzt definieren, so wird unsere Zukunft aussehen. Das ist Wahrscheinlichkeit.

 

 

Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit was last modified: März 30th, 2016 by Henrik Geyer

Letzte Wahrheit – gibt es sie?

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das Ego ist die letzte Wahrheit: Ich weiß!

Was ist die „letzte Wahrheit“?

Unsere materialistische Vorstellung von der Welt ist, es gäbe sie unabhängig von uns; wir seien nur die Beobachter der Welt. Weil wir die Wahrheit von einem eindeutigen Außen ablesen, müsste sich eine „letzte Wahrheit“ finden lassen, wenn wir nur gründlich und lange genug suchen. Dann hätten wir die letzte Wahrheit, die ewig ist, und überall Gültigkeit hat. Vielleicht in als eine „Weltformel“.

Begriff der Wahrheit

Es ist das Wesen der Wahrheit, dass sie uns wie unbestreitbar vorkommt. Warum „vorkommt“, warum nicht „ist“?

Weil das genau das ist, was wir in ihr sehen wollen und was wir suchen: Einzigartigkeit, die unbestreitbar ist. Und wir finden was wir suchen. Wir finden eine Wahrheit. Nicht zwei. Auch nicht mehr. Nur eine solche Wahrheit suchen wir – denn wir glauben, es könne nur eine Wahrheit geben.

Doch man kann wahrnehmen: Überall gibt es Streit um die Wahrheit. Nichts, um das nicht gestritten wird. Wer Recht behält, glaubt sich im Besitz der Wahrheit. Glaubt denn nicht jeder meist, Recht behalten zu haben? Die Wahrheit, die unbestreitbar und endgültig wäre, gibt es nicht.

Vielmehr finden wir die Wahrheit des Alltäglichen in einer Einigung. 

Die letzte Wahrheit der Wissenschaft

Man meint die Wissenschaft habe eine genauere Wahrheit.

Auch die Wissenschaft selbst glaubt, aufgrund ihres materialistischen Weltbildes, es gäbe Objektivität, und man könne die wissenschaftlichen Wahrheiten von den Dingen des Außen ablesen. Die materialistische Wissenschaft sei also der beste Weg, zu objektiven Erkenntnissen zu gelangen. Objektivität verbindet sich mit der Vorstellung von „letzter Wahrheit“.

Was die Wissenschaft findet, nennt sie folgerichtig objektive Wahrheiten. Und die „letzte Wahrheit“ für alle Wissenschaften – das wäre ein Gesamtkonzept, das alle Teilwissenschaften wie Physik, Chemie, Biologie, „unter einen Hut“ bringt. Man nennt diese Vorstellung „Weltformel“.

Was, wenn es gar keine Objektivität gibt?

Auf diesem Blog ist oft davon die Rede, dass es Objektivität nicht gibt. Das ist  eine spirealistische Grundüberzeugung. Siehe auch:  ‚objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?‘

Welche Wahrheiten wir auch immer erlangen, es sind die Wahrheiten von Menschen-Gruppen. Einigungen auf Wahrheit; Einigungen des Moments.

Die Menschheit insgesamt ist ebenfalls nicht objektiv, auch sie ist eine Menschengruppe. Sie entwickelt für sich eine Übereinkunft – dies ist ihre Wahrheit. Daher ist die Sichtweise der Menschheit letztlich ebenso subjektiv wie die eines Menschen.

Weiterlesen: Artikel ‚Supersubjektivität‘

Die letzte Wahrheit ist im Innen – das Ego,

Woher kommt der Eindruck, es ließe sich zu allem eine einzige Wahrheit finden? Eine letzte Wahrheit, gar?

Dieser Eindruck geht hervor aus der Vorstellung von etwas Objektivem, etwas Endgültigem, einem Letzten. Auch: von der Vorstellung des Atoms, einem Unteilbaren, einem nicht weiter Erforschbarem. Das Atom der Wahrheit, die kleinste Einheit der Wahrheit, das nicht weiter Teilbare – das ist das Ego.

Die Wahrheit gibt es nicht außerhalb des Menschen. Würde das Ich nicht denken: „Dies ist die Wahrheit..“, wo sonst soll diese Festlegung zuerst auftauchen? Woher sonst soll die Einigung kommen, die zur Wahrheit des Ganzen wird, wenn nicht aus den Egos?

Die Frage nach der letzten Wahrheit als Ausdruck einer Weltanschauung

Die Frage nach der letzten Wahrheit entstammt dem materialistischen Weltbild.

 

Doch die spirealistische Aussage ist: Nein, es gibt keine letzte Wahrheit – allein schon deshalb, weil keine unserer bestehenden Wahrheiten, bereits im Jetzt, objektiv oder endgültig wäre. Es gibt keine Wahrheit, außerhalb und unabhängig des menschlichen Denkens.

Wenn man Wahrheit grundsätzlich als Relation begreift, wie der Spirealismus es tut, dann kann man nur sagen, eine Aussage ist wahrer im Vergleich zu einer anderen Aussage.  Diese spirealistische Vorstellung sieht den Charakter der Wahrheit als eine Einigung.

Wer die Wahrheit beschreiben will, überlasse die Eleganz dem Schneider.
Albert Einstein

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Wahrheit – gibt es sie? was last modified: Februar 29th, 2016 by Henrik Geyer

Zufall – Über den Begriff des Zufalls

Zufall - Über den Begriff des Zufalls

Der Zufall ist ein weiterer Begriff des Materialismus, der uns etwas, das wir nicht kennen, wie erkannt erscheinen lässt – und zwar Zufall als Wahrscheinlichkeit. Es ist eine stets wieder auftretende Selbstverständlichkeit, dieses Für-erkannt-Halten des nicht Erkennbaren, aber es ist auch eine Selbstverständlichkeit, die verwundert, wenn man darüber nachdenkt.

Gerade der Begriff des Zufalls lädt zum Nachdenken ein. Warum kommt uns alles, was wir benennen, wie bekannt vor?

Siehe auch Artikel Das Undenkbare. Was ist undenkbar?

So haben wir auch den Zufall eingekreist und er ist jetzt für uns nichts Unbekanntes, sondern etwas Bekanntes. Der Begriff des Zufalls ist mit dem Begriff der Wahrheit verbunden – das Sein ist uns das Wahre; und der (nun gebändigte) Zufall bringt ebenfalls Wahrheit und Sein hervor, in Form des Wahrscheinlichen. So gesehen könnte man die Zukunft wie geklärt ansehen, aber das unerklärliche Element bleibt: der Zufall.

Aspekte des Zufalls

Zufall ist ein Begriff, der uns eigentlich sagt, dass wir den Grund für etwas nicht kennen.

Wir nehmen aber an, dass es für alles einen Grund geben muss. Wir benennen daher, und forschen.. und finden Gründe. Dennoch scheint man den Zufall nicht ausmerzen zu können. Denn wir können nicht für alles Gründe finden. Allein schon, weil die Zahl der möglichen Kausalketten einfach kein Ende nehmen will. Der Zufall verschiebt sich einfach weiter, gemeinsam mit unserem Wissen. Je mehr wir wissen, und damit den Zufall an einem einem Ende ausdünnen, je mehr mögliche Kausalketten eröffnen sich. Der Zufall wandert, gemeinsam mit dem Rand unseres Wissens.

Er ist ein stetiges Element des (Ich – )Universums, man findet ihn stets dort, wo das Bekannte in das Unbekannte übergeht. Er lässt sich nicht überwinden – weil er sich flexibel verschiebt.

der Zufall als das, was wir nicht begründen können

Kann man sagen, es gibt etwas, das wir nie kennen können, und für das wir demzufolge auch keinen Grund finden? Es scheint wie Ketzerei, so etwas zu sagen, da doch der Mensch glaubt, alles wissen und erforschen zu können. Etwas das man nie finden kann? Wie soll das gehen? Wenn es da ist, dann werden wir es doch auch finden, nicht wahr? Das materialistische Weltbild sieht den Menschen als Beobachter all dessen, was da ist – der Materie. Und so gesehen ist auch der Zufall „da“ – indem wir ihn benennen, haben wir ihn auch schon erkannt.

 

Aus spirealistischer Sicht ist die Lage klar, aber ganz anders: „Nein, den Zufall werden wir nie überwinden. Er markiert die unsichtbare, nicht greifbare Grenze zum Unbekannten. Und das Unbekannte eingrenzen – wie soll das gehen?“

Der Zufall ist dem Spirealismus nicht im materialistischen Sinn begreifbar, auch nicht durch den Begriff „Wahrscheinlichkeit“, der Wahrheit suggeriert (das Wort „Begriff“ suggeriert Begreifen). Denn der Zufall hängt ab, besser gesagt, er entsteht, durch eine bestimmte subjektive Sichtweise, die zur Voraussetzung für weiteren Annahmen wird.

Man sehe sich an, wie wissenschaftliche Experimente gemacht werden. Sie kommen nicht ohne Annahmen aus. Daher hängt, was wir beobachten, von dem ab, was wir voraussetzen. Von einer bestimmten Sichtweise, einer Perspektive.

Albert Einstein: »Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.«

Nun sehen wir unsere Annahmen als objektives Wissen an (Wissen also, das wir als völlig eindeutig sehen, als sei es nicht anders denkbar) , und glauben so, unsere Annahmen zu Wahrscheinlichkeit und Zufall seien ebenso objektiv und eindeutig. Dass aber unser Wissen nicht im eigentlichen Sinne objektiv ist, wurde in mehreren Artikeln dargelegt. Wenn unser Wissen, also unsere Denkvoraussetzungen, nicht objektiv sind, können es die Folgerungen daraus auch nicht sein.

Siehe auch Artikel zum Thema : Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte?

Die mangelnde Objektivität lässt sich im Denkversuch nachweisen, wenn man verschiedene Perspektiven einnimmt. Man muss sozusagen die Phantasie bemühen.

Siehe auch Artikel zum Thema : Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Den Zufall findet man stets am Rand der Erfahrung,dort, wo das Wissen in das Unbekannte übergeht.
Den Zufall findet man stets am Rand der Erfahrung,dort, wo das Wissen in das Unbekannte übergeht.

Wozu fremde Perspektiven einnehmen?

Es ist eine weitere Eigentümlichkeit des Materialismus, den Menschen und seine Sichtweise als stets im Mittelpunkt zu sehen. Im Zentrum des Wissens, der Logik, überhaupt jeder Vernunft. Daher ist es ihm unnötig, andere  Perspektiven als die eigene einzunehmen. Bzw., solche Phantasien erscheinen absurd, denn der Mensch geht davon aus, nur er selbst habe die einzig gültige Perspektive; wie gesagt, seine Sichtweise sei notwendigerweise objektiv.

Dennoch ist es sinnvoll, wenn man sich vorstellen will, was Zufall überhaupt ist, eine andere Perspektive einzunehmen. Wieder eine subjektive Perspektive, daran ändert sich nichts … einfach eine andere Sichtweise.

Ritt auf dem Asteroiden

Angenommen ein Asteroid schlägt auf der Erde ein. Man wird sagen, dass sei Zufall.

Doch nehmen wir an, wir würden selbst auf dem Asteroiden reiten, und genau sehen, auf welchen Planeten er zusteuert. Würden wir sein Auftreffen dann Zufall nennen? Nein, wir hätten es kommen sehen, und würden sagen, dass dies kein Zufall sei.

Das zeigt: Zufall ist eine Frage der Perspektive.

 

Beispiel Diebstahl

Um den Zufall als eine Frage der Perspektive zu beschreiben, hier noch ein weiteres Beispiel:

Ich gehe durch die Fußgängerzone und mir wird die Brieftasche gestohlen. Ich nenne es „zufällig“ – das Auftreten des Diebes und damit der Diebstahl war nicht vorherzusehen.

Aus der Sicht des Taschendiebes sieht das ganz anders aus. Alle seine Gründe lassen ihn ganz genau darlegen, warum er vor Ort war.

Aus seiner Sicht ist das Auftreten des Bestohlenen, also von mir, reiner Zufall.

Wie viele Perspektiven gibt es?

Nun stellt sich die Frage: wie viele fremde Perspektiven gibt es, die ich kennen müsste, um den Zufall auszumerzen? Die Antwort muss lauten: Für uns unsagbar viele – eine Unendlichkeit. Warum? Weil jede denkbare (andere) Perspektive, von der ich wissen kann, auch mit mir selbst zu tun hat – da sie sich ja auch in irgendeiner Weise auf mich bezieht. Es ist eine Relation. Eine Relation, in der das Ich ein Teil ist, hängt auch vom Ich ab. Somit ist das Ich ebenso der Erzeuger der fremden Perspektive, wie der eigenen. Als Quelle von Perspektiven kann das Ich nicht von einer Endlichkeit von Perspektiven ausgehen. Anders gesagt: Der Zufall lässt sich nicht ausmerzen.

Das ist ganz ähnlich der Aussage, dass die menschliche Perspektive immer subjektiv bleibt – sie ist stets eine Relation zum „Anderen“. Unsere eigene Perspektive ist die einzige, die wir aus dem Innerlichen heraus kennen können. Das „Andere“, worum auch immer es sich dabei handelt, nehmen wir nicht in seiner inneren Gestalt auf, objektiv, als Ding „an sich“ wie Immanuel Kant sagte, sondern wir integrieren es, mit unseren eigenen Begriffen. Allein aus diesem Grund bereits, kann man nicht sagen, man könne jede Fremdperspektive einnehmen. Selbst angenommen die Zahl der Fremdperspektiven wäre begrenzt, würde doch unsere Auffassung von etwas Fremden stets von unserer eigenen, subjektiven Perspektive abhängen – womit wir wieder bei der zwar vorausgesetzten, aber nie findbaren Objektivität sind.

Um es in einem Satz zusammenzufassen: Was nicht objektiv ist, kann man auch als eine Form von Beliebigkeit bezeichnen. Und Beliebigkeit ist und bleibt unvorhersagbar.

Eine Frage der Perspektive

Wenn ich jede Perspektive einnehmen könnte – dann müsste der Zufall verschwinden. Dann hätte ich die Welt erkannt.

Es geht also letztlich wieder um die Frage, ob der Mensch die allein gültige Perspektive hat, eine objektive Sichtweise also, wie er in der materialistischen Sichtweise annimmt.

Jedoch machen die gezeigten Beispiele deutlich, dass dies nicht eintreten kann, weil bereits eine andere subjektive Perspektive eine ganz andere Auffassung von Zufall erzeugt. Und damit eine unzählbare Vielfalt an zufälligen Ereignissen, die wir nicht kennen, und aus systemischen Gründen (unüberwindlichen Gründen also), nie kennen können. Denn wir können aus der Einseitigkeit unserer subjektiven Betrachtung letztlich nicht heraustreten.

Man sieht hier auch, dass der Schlüsselbegriff zum Verständnis des Zufalls wieder das Verständnis von Objektivität ist. Und es wird deutlich, dass der Begriff des Zufalls wichtig ist, im Zusammenhang mit der Frage nach der Erkennbarkeit der Welt. Denn wenn ich den Zufall nicht ausmerzen kann, oder in eine letzte Ecke drängen, dann wird sich das mir Unbegreifliche, zusammen mit allen anderen Begriffen, die es fassen wollen (aber nicht können), einfach nur verschieben. Das Unbegreifliche selbst kann aber nicht enden.

 

Kausalität merzt nur scheinbar den Zufall aus

Siehe auch Artikel zum Thema : Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.

Noch einmal das Vorhergesagte aus einer anderen Sichtweise – der Kausalität.

Unsere Vorstellung von Kausalität ist, dass alles einen Grund hat. Einen Grund – das ist wichtig! Nicht zwei, nicht tausend.

Eigentlich nehmen wir wahr, dass es für alles unzählige Gründe gibt, je nachdem, was wir als Denkvoraussetzung annehmen. Doch wir tun diese Beobachtung ab, sie passt nicht in unser Weltbild.

Was hieße das, wenn es für alles unzählbare Gründe gäbe? Dann stellte sich doch die Frage, was überhaupt ein Grund ist. Eine Beliebigkeit etwa? Es geht doch um das Erkennen der einen Welt, nicht unendlicher Welten, mit unendlichen Objekten darin, die unendliche Gründe hätten! Das materialistische Weltbild mit seiner Eindeutigkeit des Außen, seiner Objektivität, würde völlig durcheinander geraten.

Siehe auch: merkwürdig! Die Merwürdigkeiten des Materialismus

Auffassung des Spirealismus

Die Auffassung des Spirealismus ist, dass wir nicht Beobachter der Welt sind. Sondern sie entsteht in diesem Augenblick – (auch) durch uns.

Unsere Feststellungen, unser Wissen, ist subjektives Wissen, und kann nie anders als subjektiv sein, und damit nie anders als relativ zum Anderen. Teil der Relation sind immer wir selbst. Somit fließt die Schöpfung durch uns hindurch, wir sind nicht ihre Beobachter.

In uns wird nicht das Universum abgebildet, sondern wir tragen unzählige Ich-Universen in uns.

Unsere Fragen und auch unsere Antworten sind Teil der Schöpfung und sind selbst schöpferisch. Sie sind keine bloße Widerspiegelung eines von uns unabhängigen Außen.

Siehe auch Artikel zum Thema : Nichts geschieht ohne Grund (nihil fit sine causa). Der Grund „an sich“

 

Zufall – Über den Begriff des Zufalls was last modified: Februar 28th, 2016 by Henrik Geyer

Das Ding an sich und die Suche nach Wahrheit

Das Ding an sich und die Frage nach Wahrheit: Wahrscheinlichkeit, aber keine Wahrheit: Freischeinlichkeit, aber keine Freiheit, - diese beiden Früchte sind es, derentwegen der Baum der Erkenntnis nicht mit dem Baum des Lebens verwechselt werden kann. Friedrich Nietzsche - Lebensweisheit Spruchbild

Wenn Immanuel Kant feststellt, dass sich das Ding an sich nicht beschreiben lässt .. Was bedeutet das für unsere Vorstellung von Wahrheit? Eine kurze Überlegung.

Ding „an sich“ – und Suche nach Wahrheit

Umkehr der Sichtweise

Ich hatte, wie ich es in „Alles ist Geist“ beschrieb, für mich gefunden, dass es keine Objektivität gibt. Nach einem Prozess persönlicher Erfahrungen wusste ich, dass die Realität im Denken liegt und nicht an äußerliche Dinge gebunden ist.

An einen solchen Gedanken schließt sich die notwendige Frage an: Was sind dann die Dinge, die im Denken auftauchen? Gibt es sie denn nicht? Wenn man sagt, die Realität – das sind die Gedanken, dann kehrt man ja die normale Sichtweise um. Normalerweise meint man, die Gedanken seien das Nicht-Reale. Das Reale hingegen liege in den Dingen, von denen das Denken gewissermaßen ein Abklatsch ist.

Dass man die Realität durchweg als subjektive Wahrnehmung beschreibt, ist durchaus so gemeint, wie es der Physiker Heisenberg („Der Teil und das Ganze“) beschreibt:

Daher empfinde ich es als eine Befreiung unseres Denkens, daß wir aus der Entwicklung der Physik in den letzten Jahrzehnten gelernt haben, wie problematisch die Begriffe ›objektiv‹ und ›subjektiv‹ sind. Das hat ja schon mit der Relativitätstheorie angefangen. Früher galt die Aussage, daß zwei Ereignisse gleichzeitig seien, als eine objektive Feststellung, die durch die Sprache eindeutig weitergegeben werden könne und damit auch der Kontrolle durch jeden beliebigen Beobachter offen stehe. Heute wissen wir, daß der Begriff ›gleichzeitig‹ ein subjektives Element enthält, insofern, als zwei Ereignisse, die für einen ruhenden Beobachter als gleichzeitig gelten müssen, für einen bewegten Beobachter nicht notwendig gleichzeitig sind. Die relativistische Beschreibung ist aber doch insofern objektiv, als ja jeder Beobachter durch Umrechnung ermitteln kann, was der andere Beobachter wahrnehmen wird oder wahrgenommen hat. Immerhin, vom Ideal einer objektiven Beschreibung im Sinne der alten klassischen Physik hat man sich doch schon ein Stück weit entfernt.

… wenn also alles subjektiv ist, was sind dann die Dinge? Die Objekte? Das Objektive? Was sind die Dinge eigentlich (an sich)?

Im Spirealismus gibt es das Objektive nicht mehr, ich verstehe das Gegensatzpaar subjektiv / objektiv anders, weitergehend, grundsätzlicher. Denn während Heisenberg meint, eine gemeinsam gemachte Beobachtung (physikalisches Experiment) sei dann notwendigerweise objektiv, begründet der Spirealismus, warum sie das nicht ist, sondern supersubjektiv.

Kant und die Dinge an sich

Immanuel Kant hatte sich die Frage ganz ähnlich gestellt – er fragte, was die Dinge „an sich“ sind. In der Sichtweise (die ich „Materialismus“ nenne), der zufolge wir Materie-Dinge in unserem Außen beobachten, fragt es sich: Wenn die Gedanken die letztendliche Vorstellung des Realen sind, was sind dann die Dinge ‚wirklich‘? Was sind sie „an sich“? „An sich“ – also jenseits unserer Worte, jenseits unserer Beschreibungen, jenseits unserer Gedanken.

Kant war zu demselben Schluss wie ich gekommen. Ich hatte formuliert, es gibt keine Objektivität. Kant sagte, die Dinge sind nicht als „Dinge an sich“ erkennbar – man kann darüber keine Aussage machen.

 

Anders als ich, stellte Kant nicht das materialistische Weltbild in Frage – sondern er sagt: Die Dinge sind nicht „an sich“ erkennbar, gleichwohl müsse es sie geben.

Während ich sage (spirealistisch): Die Dinge sind nicht „an sich“ erkennbar, daher gibt es auch keine Notwendigkeit, von ihrer Existenz „an sich“ zu sprechen. Wenn dieses „an sich“ also wegfällt, dann existieren die Dinge nicht „an sich“, sondern „nur“ als unsere Vorstellung.

Das Ding an sich ist nicht erkennbar – Jede Aussage ist nur eine Möglichkeit

Ob man nun sagt, die Dinge „gibt“ es, oder man sagt (wie der Spirealismus es tut): Die Dinge existieren nicht in dem von uns vorgestellten Sinn, als von uns unabhängige Entitäten – die Konsequenz aus der allerersten Beobachtung, nämlich, dass sich keine objektive Aussage machen lässt, führt zu Folgendem: Dem Umkehrschluss, dass jede unserer Aussagen eine gewisse Beliebigkeit aufweisen muss.

Das heißt: Alles was man feststellt, definiert, konstatiert, wissenschaftlich beweist, ist eine Möglichkeit, aber keine Notwendigkeit. Denn: woran sollte sich die absolute Notwendigkeit einer Aussage messen oder prüfen lassen, wenn die von uns vorgestellte Außenwelt ihren Dienst versagt, indem sie nicht objektiv erkennbar ist?

Der Wahrheits-Begriff

Es ergeben sich sofort daraus resultierende Fragen.

Zum Beispiel: Was ist Wahrheit? Wir sagen ja immer „Was ist DIE Wahrheit„, so als gäbe es nur eine Wahrheit. Aber wenn jede Aussage nur eine Möglichkeit ist, und keine Notwendigkeit, dann gibt es auch nicht DIE Wahrheit.

Die Frage nach DER Wahrheit ist uns ja immer ganz wichtig. Die materialistische Wissenschaft lebt davon und damit.

Und da ist auch der immerwährende Streit zwischen der Wissenschaft und den Religionen. Wer hat die Wahrheit? Oder der ewig währende Streit innerhalb der Wissenschaft – welcher Wissenschaftler hat DIE Wahrheit?

Was also ist Wahrheit?

Wenn sich kein Ding an sich definieren lässt (wie Kant formuliert), oder, wenn es keine Objektivität gibt, wie es der Spirealismus formuliert, dann gibt es auch nicht DIE Wahrheit.

Sondern es gibt, ganz offenbar, nur die Wahrheit des subjektiven Dafür-Haltens.

Wahrheitsbegriff des Spirealismus

Der Wahrheitsbegriff des Spirealismus ist, wie die ganze spirealistische Weltsicht, von der materialistischen Weltsicht fundamental verschieden.

Was der Materialismus als „die Wahrheit“ bezeichnet, ist dem Spirealismus nur beschreibbar als das „Vorkommen in Vielem“.

Es geht dem Spirealismus also erstens nicht darum, ganz klar zu sagen, „was DIE Wahrheit ist“, denn der Spirealismus selbst stellt ja fest, dass es DIE Wahrheit nicht gibt. DIE Wahrheit ist eine Vorstellung der materialistischen Denkweise, die sich ebenso wenig antreffen lässt, wie das Ding an sich. Im Grunde genommen sind DIE Wahrheit und DAS Ding an sich ein-und dasselbe. Denn, gäbe es DAS Ding an sich, gäbe es auch DIE Wahrheit.

Es kann sich bei der Frage nach Wahrheit auch nicht darum handeln, zu sagen, Wahrheit wäre etwas, das sich „in Allem“ zeigt. Denn das Alles verschließt sich der menschlichen Wahrnehmung ebenso wie das Nichts. Es ist außerdem sehr leicht nachweisbar, dass keine einzige menschliche Wahrheit sich in allen Menschen findet. Am einfachsten wieder über das Ding an sich – was wäre das, was alle gleich sehen müssten?

Vergleiche Artikel Was ist das Nichts und Alles und Nichts – zwei Seiten der gleichen Medaille

Existenzbegriff des Spirealismus

Es sei an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, dass der Spirealismus einen anderen Existenzbegriff hat, als den materialistischen. Denn an dieser Stelle wird auch sehr klar, warum die Frage nach dem Ding an sich zu einem anderen Existenzbegriff führen muss.

Wenn es die Dinge nicht „an sich“ gibt – wie dann? Wenn Existenz nicht die Existenz in dem von uns gemeinhin (unter materialistischen Aspekten) vorgestellten Sinn „gibt“, wie und auf welche Weise existieren die Dinge? „An sich“? – Oder existieren die Dinge vielleicht „an sich“ gar nicht?

SpiRealismus sagt: nein, tatsächlich existieren sie nicht „an sich“, sondern sie existieren als unsere Vorstellung. Unsere Gedanken sind die Realität. Eine davon noch einmal verschiedene Realität, die extra „existierte“, ist nicht vorhanden.

Was folgt nun daraus?

Was folgt nun daraus? Ganz Vieles. Eine umfassend andere Weltsicht bringt an jedem Punkt neue Aspekte hervor. Ganz Vieles muss neu überlegt werden.

Was, zum Beispiel, ist Glaube im Unterschied zu Wissen? Wenn wir sagen, dies sei Wissen – und im Gegensatz dazu sei jenes „nur“ Glaube – was bedeutet das eigentlich, wenn man in Betracht zieht, dass es „DIE Wahrheit“ gar nicht zu geben scheint?

 

 

 

 

Das Ding an sich und die Suche nach Wahrheit was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

Erkenntnis – was ist das? Die Chance und der Preis des Erkennens.

Erkenntnis - was ist das? Was ist die Chance des Erkennens - und sein Preis? Platos Höhlengleichnis und die Transformation einer Realität in die nächste.

Erkenntnis – erkennen. Etwas etwas er-kennen (im Sinne von „sehen“), und es dann kennen (also wissen). Etwas anfassen (angreifen), und dadurch etwas be-greifen. Erkenntnis ist ein Zuwachs an Wissen über die Welt.

Erkennen für den Spirealismus, bzw. den Materialismus. Wie erkennt man?

an dieser Stelle nur kurz der Unterschied in den Sichtweisen:

Der Materialismus geht davon aus, dass Geist (der Mensch) einen äußerlichen (materiellen) Prozess beobachtet. Erkenntnisprozess ist daher dem Materialismus vor allem das Beobachten der äußerlichen Zusammenhänge – also der Natur, des Stoffes, der Materie …

Dem Spirealismus, dessen Grundauffassung „alles ist Geist“ heißt, ist das Erkennen des Selbst identisch mit dem Erkennen der Welt. Denn die Frage WIE erkannt wird ist für den Spirealismus der Schlüssel dafür, WAS erkannt wird. Oder, anders gesagt: Die Denkvoraussetzungen entscheiden über die Folgerungen. Es ist somit das „Erkenne dich selbst“ des antiken Griechenlandes, das der Spirealismus für den Schlüssel der Erkenntnis hält.

Siehe auch Artikel zum Thema „Worte formen die Realität“

Erkenntnis in Platos Höhlengleichnis – mit dem Wissen ändert sich die Welt

Erkenntnis hat zwei Seiten.

Einerseits ist Erkenntnis das Begreifen der Welt in einer neuen Weise. Spirealistisch gesehen ist es die Erweiterung des Ich-Universums um Begriffe – um Festlegungen des Denkens in einer neuen Konstellation (Zitat: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Ludwig Wittgenstein)

der Preis der Erkenntnis

Daher bedeutet Erkenntnis andererseits durchaus auch das Verlassen einer Denkrealität zugunsten einer anderen. Da jede Denkrealität in sich logisch und vollständig zu sein scheint, ist das Verlassen einer Denkrealität zugunsten einer anderen nicht nur schön, und nicht nur bequem, sondern immer auch mit einem Verlust verbunden. Wenn man so will dem Verlust einer Welt.

Plato beschreibt das sehr schön in seinem Höhlengleichnis.

Er beschreibt Erkenntnis wie das Verlassen einer Höhle, aus der heraus man in das offene Sonnenlicht tritt. Das helle Licht des Tages ist das Erkennen der Welt in einem neuen Licht. In der Höhle hatte man die ganze Zeit Schatten an der Wand beobachtet, und diese Schatten als die Realität angesehen. Und nun begreift man: Die Realität liegt draußen, im gleißenden Sonnenlicht des Tages.

Mancher sehnt sich zurück in die Heimeligkeit der Höhlenschatten. Wenn es auch in der Höhle muffig und dumpf war, dennoch war auch die Welt der Höhlenschatten in sich vollständig. Es mangelte nichts. Die gleißende Sonne des Außen kann manches aufdecken, die Illusionen rauben….

Wer aber zurück will, der stellt fest: Ein Zurück gibt es nicht. Im spirealistischen Verständnis heißt das: Der Mensch kann die Objekte seines Ich-Universums nicht einfach willentlich verschwinden lassen. Die Objekte des Denkens sind seine Welt. Erweitert er diese Welt um das Sonnenlicht des Außen, kann er nicht ohne weiteres in die Höhle zurück: Er kann sich sich die Welt nie mehr als nur aus Schatten bestehend, denken.

Siehe auch Martin Eden – die negative Seite des Erkennens

Ende der Erkenntnis. Oder kommen wir von einer Höhle in die nächste?

Aus spirealistischer Sicht gibt es hier folgenden Aspekt. Das Denken ist mit einem Erkenntnisschritt in eine neue Realität getreten, aber es kann nach Verständnis des Spirealismus nicht „die Realität“ sein. Nicht die eine Realität, die einzige, die endgültige Realität – es gibt sie aus spirealistischer Sicht nicht.

Somit ist das Gleichnis der Höhle unvollkommen, denn aus dem Sonnenlicht des Gleichnisses kann man nicht in ein weiteres Sonnenlicht treten – das ist schwer vorstellbar. Doch genau das ist die Auffassung des Spirealismus – es gibt kein Ende der Erkenntnis. Insofern komme ich einmal mehr auf das Grundthema dieses Blogs zurück: die fehlende Objektivität.

Wir haben in nichts, nicht einmal dem kleinsten Begriff, Objektivität erlangt – und können das auch nicht. Denn es gibt kein Ende der Information zu irgendeinem Objekt. Wir können zu dem winzigsten Gegenstand immer weiterführende Überlegungen anstellen (und tun das auch), immer weiterführende Erkenntnisse erlangen, und kommen nie zu einem Ende. Eine Monade im eigentlichen Sinn, als äußerliches Objekt, gibt es nicht. Was also könnte ein endgültiges Erkennen sein? 

Erkenntnis – was ist das? Die Chance und der Preis des Erkennens. was last modified: Januar 14th, 2016 by Henrik Geyer

spirituell sein – wie geht das?

hhtp:// spireo.de: spirituell - was ist das?

Spirituell – der Begriff

Spiritualität bedeutet „Geistigkeit“. In einem allgemeinen Sinn erscheint das Wort „spirituell“ ein wenig unscharf – was besagt es eigentlich? Ist denn nun „spirituell“ mit „religiös“ gleichzusetzen? Oder bedeutet Geistigkeit vielleicht Intellektualität – sind also Intellektuelle, also Geistesarbeiter, auch gleich spirituell?

Ich habe von dem Begriff Geistigkeit eine etwas spezielle Auffassung, die ich kurz erläutern möchte.

Spirituell sein ist ein Für-wahr-Halten der Gedanken

Spiritualität ist für mich ein Für-wahr-Halten der Gedanken, ein „Beachten der inneren Wahrheit“, wie ich es nenne.
Es ist die Eigenschaft dieser inneren Wahrheit, dass sie sich nicht mit Notwendigkeit im Außen zeigt, und daher oft einfach nur im Innen wahrzunehmen ist.

Das bedeutet gleichzeitig eine enge Verbindung zur Schöpfung, und die Wahrnehmung, dass die Entstehung der Schöpfung aus dem Selbst, und durch das Selbst, geschieht.

Siehe auch Artikel zum Thema : Was ist Gott? 

Sich der eigenen, inneren Wahrheit, zuzuwenden, bedeutet gleichzeitig, sich zumindest ein Stück weit von den äußerlichen Wahrheiten zu entfernen. Menschen, die auf das Äußerliche fixiert sind, erscheint eine solche Geisteshaltung oft merkwürdig, oder weltfremd, manchmal auch weise. Jedenfalls ist es für sie nicht offensichtlich, woher solche spirituellen Gedanken und Einstellungen wohl kommen mögen, entstammen sie doch nicht der „beweisbaren“ äußerlichen Welt, die man auch als eine „Konsens-Welt“ bezeichnen könnte.

Siehe auch Artikel zum Thema : Spiritualität

Spiritualität als realer Faktor

Gleichwohl ist doch Spiritualität ein nicht wegzudenkender, realer Faktor in der Gesellschaft. Selbst wenn man der Meinung ist, dass es nur das geben kann, was im „Außen zu sehen“ ist, ist doch die Existenz sehr vieler spiritueller Menschen sehr wohl im Außen zu sehen. Und damit ist Geistigkeit ein realer Faktor – ebenso real wie die Bäume am Straßenrand.

Der Nutzen der Spiritualität

Dieser realen Existenz des Spirituellen verdankt das Spirituelle seine Funktionalität, nicht etwa einer unbegründbaren Irrationalität, wie das oft Materialisten sehen. Soviel sich die Menschen gegenseitig beweisen, was es geben kann, und was nicht, bleiben sie doch immer nur innerhalb der Grenzen des eigenen Denkens – und das Unbekannte, die letztendlich rätselhafte Unschärfe der Realität, die sie vor sich  haben, bleibt. Denken wir nur an die weitgehend offenen Fragen zu Entstehung des Bewusstseins, Tod, Wiedergeburt, Sinn und Ziel des Universums, etc.. Und daraus resultiert der unbestreitbare Nutzen von Spiritualität, den der Einzelne mal mehr, mal weniger für sich erkennt.

Vielfalt des Spirituell-Seins

Wenn man Geistigkeit als ein Für-wahr-halten-der-Gedanken sieht, dann ist damit auch gesagt, dass es viele Formen und Möglichkeiten gibt, spirituell zu sein. Gemeinsam ist diesen Formen die Konzentration, und der Versuch, die Gedanken einen bestimmten Weg nehmen zu lassen.

Wer das versucht, bemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, die Gedanken zu beeinflussen. „Es denkt“ sagte Nietzsche. Die Gedanken – sie sind der unendliche Quell unserer Realität – und dieser Quell sprudelt nur aus sich heraus. Darauf Einfluss zu nehmen bedeutet, das ultimative Werkzeug des Menschen – sein Denken – als solches zu erkennen und nutzbar zu machen.

Die vielen Formen des Spirituellen sind denn auch nahezu immer eine Form von Konzentration – wie etwa Yoga, das Gebet, Kontemplation, das Ruhen-Lassen der Gedanken..

Siehe auch Artikel zum Thema: Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken

spirituell sein – wie geht das? was last modified: Februar 9th, 2016 by Henrik Geyer