Schmetterlingseffekt – die Welt als Zufall

Schmetterlingseffekt

Der Schmetterlingseffekt legt etwas nach materialistischem Verständnis ganz Erstaunliches nahe: die Ursache für ein (jedes) Ereignis könnte in einem ganz unscheinbaren Mikroereignis liegen. Und damir nicht in einem eindeutigen, deutlichen, großen, nachvollziehbaren Ereignis, sondern einem geradezu beliebigen.

Was ist der Schmetterlingseffekt?

Der Schmetterlingseffekt ist ein Gedankenexperiment – der Schmetterlingseffekt bezeichnet die Wirkung (den Effekt), den der Flügelschlag eines Schmetterlings haben könnte. Denn auch der Flügelschlag eines Schmetterlings hat schließlich seine Auswirkungen, die sich weiter und immer weiter fortpflanzen, auch der Schmetterling gehört zu dieser Welt und kann somit nicht von dem in der Unendlichkeit wurzelnden System aus Wirkbeziehungen getrennt werden, von dem wir uns umgeben glauben …

So gesehen könnte der Flügelschlag eines Schmetterlings an anderer Stelle (eine Stelle, die man vielleicht nicht mit dem Schmetterlings-Flügelschlag in Verbindung bringen würde) Entscheidendes bewirken. Der Flügelschlag eines Schmetterlings könnte der entscheidende Grund für Leben oder Tod eines Menschen sein. Weltreiche könnten entstehen oder untergehen, aufgrund eines Schmetterlings, etc..

 

Ein Beispiel: Eine Präsidenten-Wahl geht äußerst knapp aus. Am Ende ist es der Bürger John Smith in Wyoming, der dafür verantwortlich ist, dass Anwärter X an die Macht kommt. Während Anwärter Y für Ausgleich stand, zettelt X einen Weltkrieg an …

Und dabei war es Zufall, dass John Smith am Wahltag überhaupt zur Wahl ging. Der Motor seines Autos war kaputt, und er hatte sich schon in seine Stube gesetzt, in der Meinung, nun doch nicht zum Wahlbüro zu fahren. Doch da kam zufällig Tante Amely vorbei und fragte John, ob sie ihn mitnehmen solle.

Sichtweisen

Quantität und Qualität

Der Schmetterlingseffekt steht, gerade das genannte Beispiel macht das deutlich, in Verbindung mit dem in der Philosophie seit antiker Zeit betrachteten Effekt, dass auf wundersame Weise aus einer quantitativen Änderung sich schließlich die Änderung einer Qualität ergibt.

Aus Frieden wurde Krieg – was genau war der Grund? War es Smith? Oder Tante Amely? Oder waren es die Freundinnen von Amely, die diese an jenem Wahltag zum Kaffeekränzchen eingeladen hatten, woraufhin Amely mit ihrem Auto losfuhr, und an John Smith’s Haus vorbeikam?

 

Ein weiteres Beispiel: An einem Damm steht das Wasser bis zum Rand. Es fällt noch ein Tropfen ins Wasser – am Damm bricht sich ein kleines Rinnsal Bahn, das Sandkörner mitreißt, wodurch mehr und immer mehr Wasser nachströmen kann. Der von Moment zu Moment stärker werdende Strom entwickelt mit der Zeit Macht und Energie … ein Dammbruch ist die Folge.

So wird durch eine quantitative Änderung die Änderung einer Qualität bewirkt – das stetige Fallen von Regentropfen lässt aus einer nutzbringenden Anlage zur Stromerzeugung (der Damm gehörte zu einem Wasserkraftwerk) eine Katastrophe hervorgehen.

 

Oder man denke an den Vorgang des Sparens. Man spart und spart, fährt Fahrrad, plötzlich hat man genug Geld um sich ein schickes Auto zu kaufen …

 

Warum nannte ich diesen Effekt „wundersam“? Weil er uns letztlich nicht begründbar ist, siehe Schmetterlingseffekt. Wer ist der Mensch oder das Ding, das letztlich für Krieg oder Frieden die Verantwortung trägt?

Welches ist der Tropfen, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringt?

Welches ist der Cent, der schließlich den Kauf des Autos ermöglicht?

Und was ist der Effekt? Dieselbe Betrachtungsweise lässt sich nämlich auch umgekehrt anstellen – nicht auf die Vergangenheit, den Grund gerichtet, sondern auf die Zukunft und die Wirkung (den Effekt).

Ist der Effekt des Sparens und des Autokaufs nun eine Erleichterung der Wege im Alltag, das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit wenn man im offenen Wagen durch die Landschaft rast, oder vielleicht ein Herzinfarkt durch die Sitzerei im Auto – wo man doch früher radelte?

 

Einem weisen Mann lief eines Tages ein Pferd zu.

Man gratulierte ihm ob dieser glücklichen Fügung. Doch der weise Mann sagte: „Wer weiß, wer weiß … “

Der weise Mann ritt in der Folgezeit auf dem Pferd herum und freute sich daran. Doch eines Tages viel er vom Pferd und brach sich ein Bein.

Wieder kamen die Leute zu ihm, um ihn zu bedauern. Doch er sagte wieder: „Wer weiß, wer weiß … “

Weil der Weise krank darniederlag konnte er an einem bestimmten Tag nicht zum Markt gehen, wie es sonst seine Gewohnheit war. Doch an diesem Tag brach in der Markthalle ein Feuer aus, viele wurden verletzt.

Er sei ein Glückspilz sagte man ihm, doch der weise Mann erwiederte wieder: „Wer weiß, wer weiß … “

… u.s.w..

 

 

Der Narr hält sich für weise, aber der Weise weiß, dass er ein Narr ist.
William Shakespeare

 

Zufall

Der Schmetterlingseffekt ist mit dem Zufall verbunden. Das Gedankenexperiment des Schmetterlingseffekts zeigt uns, dass es nicht gelingen kann, den letzten Grund (und die letzte Wirkung) für irgendetwas zu finden.

Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

Und etwas, das uns nicht erklärlich ist, für das wir keinen Grund finden können und das uns daher unberechenbar ist, nennen wir „zufällig“.

Wahrscheinlichkeit

Den Zufall wiederum glauben wir mit dem Begriff der Wahrscheinlichkeit ausschalten zu können. Die Wahrscheinlichkeit nimmt eine später eintretende Wahrheit (Ereignis, Effekt) vorweg, indem sie postuliert, sie müsse mit einer bestimmten Notwendigkeit eintreten.

Somit wird die (noch verschwommen erscheinende) Wahrheit der Zukunft zur Wahrheit des Jetzt.

Man kann das alles aber auch viel einfacher sehen – als eine Sichtweise, der der Mensch ohne eigenes Zutun ohnehin unterliegt, während wir die Wahrscheinlichkeit als unsere menschliche Erfindung sehen. Sehen wir beispielsweise wie sich ein Apfel vom Ast löst, erwarten wir, dass er im nächsten Augenblick auf der Erde auftrifft. Der Wahrscheinlichkeitstheoretiker würde sagen: „Der Apfel trifft mit der Wahrscheinlichkeit 1 (also völlig sicher) auf der Erde auf, wenn er sich einmal vom Ast gelöst hat.“

Wahrscheinlichkeit ist Zufall – Die Welt als Zufall

Doch für die Wahrscheinlichkeit und die Wahrscheinlichkeitsrechnung läßt sich wiederum sagen, was wir bereits für „jedes Ding“ postulierten: auch die Wahrscheinlichkeitsrechnung hat ihre Wurzeln in der Unendlichkeit und ist nicht zu ergründen, bzw. zu begründen.

Es ist Zufall, welche Grundprämissen man der Berechnung einer Wahrscheinlichkeit zu Grunde legt – und welches Ergebnis man demzufolge erhält. Ob oder ob nicht eine bestimmte Wahrscheinlichkeit überhaupt zur Berechnung kommt, ist wiederum nicht zu begründen – und damit Zufall. Ob man eine Wahrscheinlichkeitsrechnung anstellt, könnte man wiederum als das Ergebnis einer Wahrscheinlichkeit ansehen.

Und … was schließlich ist eine Wahrscheinlichkeit, die niemand kennt, niemand denkt? Was ist ein Knacken im Wald, das niemand hört? Ist es „da“ oder nicht?

 

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Weil es nichts gibt, das nicht in der Unendlichkeit wurzelt und daher letztlich unergründlich, unberechenbar und zufällig ist, ist die Summe aller Dinge, die Welt, zufällig vorhanden.Und schließlich: Wenn es nichts gibt, das nicht in der Unendlichkeit wurzelt und das daher letztlich unergründlich ist, dann ist die Summe aller Dinge, also die Welt, auch zufällig vorhanden, nicht wahr? Zumindest aus menschlicher Sicht.

 

 

 

spirealistische Sichtweise

Der Schmetterlingseffekt ist in der spirealistischen Sichtweise überaus selbstverständlich, denn hier kommen die Dinge durch den Gedanken in die Existenz. Was immer ein Gedanke erfasst kommt damit auch in eine Existenz. Was immer ein Gedanke erfasst kann als der Grund von etwas Anderem verstanden werden. Umgekehrt: Was ein Gedanke nicht erfasst kann auch niemals als der Grund von etwas anderem verstanden werden.

Alles Beliebige kann der Grund für etwas anderes sein – weil sich eine Grenze der Gedanken aus menschlicher Sicht niemals ziehen lässt. So kann selbstverständlich auch der Flügelschlag eines Schmetterlings der Grund für etwas sehr Gravierendes sein – vorausgesetzt, das Denken verleiht dieser Logik Existenz. Es ist die spirealistische Grundauffassung, die Welt als Sichtweise zu verstehen – die Welt kommt durch den Gedanken erst in die Existenz.

Anders gesagt: der Mensch ist nicht Beobachter einer äußerlichen Realität, sondern Erschaffer – allerdings nicht gemeint als eine Art Gott. Er ist nicht Beobachter der Schöpfung, sondern Element der Schöpfung. Die Realität, gibt es, abgetrennt von seinem Gedanken, nicht noch einmal „extra“, in objektiver Form.

 

Das angeführte „zufällige Vorhandensein der Welt“ ist im Übrigen letztlich die Umformung des Gedankens an fehlende Objektivität. Es ist das Ding „an sich“ des Kant, das sich nicht finden lässt. Es ist das „Alles fließt“ des Heraklit. Nichts ist erfassbar, das nicht auch anders gesehen werden könnte. Warum also erfassen wir es gerade so, wie wir es erfassen? Warum glauben wir an eine völlige Bestimmtheit eines Dinges das wir beobachten? Weil wir in der materialistischen Sichtweise meinen, ein in sich definiertes Außen vor uns zu haben, wenn wir etwas (ein Ding) beobachten. Doch wir sehen eigentlich: Die Dinge sind nicht ergründlich. Und aus unserer Sicht ist die Welt ein Zufall.

Nebenbemerkung: übrigens ist „die Welt“ in der spirealistichen Sichtweise nicht die Summe aller Dinge, sondern ein Objekt des Denkens wie jedes andere. 

Oder hat Gott einen Plan? Die materialistische Weltanschauung sagt: „Ja!“ Denn „Gott würfelt nicht“, wie Einstein formulierte. Doch der Schmetterlingseffekt ist eine Spielart jener Paradoxien, die das materialistische Weltbild hervorbringt und es gleichzeitig wanken lassen. Der Schmetterlingseffekt ist ein Gedankenexperiment, das uns über die Wurzeln der Dinge unserer Welt(en) Auskunft gibt, und uns gleichzeitig rätseln lässt.

 

Ähnliches Thema: Artikel Was ist Wahrheit? Wahrheit als Weltanschauung.
Siehe auch: Artikel Letzte Wahrheit – gibt es sie?

Lesen Sie auch: Beitrag Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

Weiterlesen: Artikel Die Wahrheit ist das, was im Fernsehen läuft

Schmetterlingseffekt – die Welt als Zufall was last modified: Juni 8th, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Null ist ETWAS

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das ist die Zahl Null. Sie ist nicht nicht da!

Die Zahl Null ist ein Begriff, der sich in unser materialistisches Weltbild nahtlos einfügt – in unsere Systematik des Denkens. Daher erscheint uns die Zahl Null aus anderer Perspektive rätselhaft und widersprüchlich, ich möchte in diesem Artikel kurz darlegen, warum.

Ähnliches Thema: Beitrag Was ist das Nichts? als Grundfrage der Philosophie.

Die Zahl Null bezeichnet ETWAS

Es ist uns nicht gegeben, uns wirklich das Nichts vorzustellen, aus diesem Grund ist uns der Tod ebenso rätselhaft wie der Begriff der Unendlichkeit.

Die Zahl Null repräsentiert, unserer materialistischen Weltanschauung entsprechend, und ganz folgerichtig, eigentlich das Nicht-Vorhandensein von ETWAS. Sie entspricht nicht dem Nichts.

 

Nehmen wir eine simple Rechenoperation wie die Multiplikation. Wenn wir ETWAS multiplizieren, dann addieren wir dieses ETWAS so viele Male zu sich selbst hinzu, wie es der Faktor verlangt.

x * 0 = 0, das bedeutet, von der irgendeiner Sache, die bereits  x mal vorhanden ist, gibt es kein Vorkommen. Also letztlich keinmal die Sache. Was damit gezeigt werden soll, ist, dass die Mathematik zwar von der eigentlichen Sache abstrahiert, ohne irgendeine Sache, die letztendlich benannt wird, wäre Mathematik aber sinnlos. Es geht daher bei den Zahlen um die Sache .. um die Dinge unserer Vorstellungen. Das gilt auch für die Null.

Die Zahl Null bezeichnet also nicht Nichts.

Die Zahl Null und die Unendlichkeit

Auf ganz ähnliche Weise rätselhaft ist uns das Unendliche. Es ist ebenfalls ein Begriff aus der Systematik der Zahlen, daher bezeichnet der Begriff des Unendlichen das Nicht-enden-wollende-Vorhandensein von ETWAS.

„Gibt“ es das – ETWAS, das kein Ende nimmt? Woher soll man das wissen, wo es doch (für uns Menschen) kein Ende nimmt?

Auf ganz ähnliche Art lässt sich fragen:

„Gibt“ es das – ETWAS, das gar nicht da ist? Woher soll man das wissen, wenn es doch nicht vorhanden ist? Jedoch – wenn man ETWAS  denkt, dann ist es bereits da – und zwar im Denken. Das eigentliche Nichts ist das nicht, denn das Nichts wäre etwas, das nicht gedacht wird. Die Null FÜR ETWAS kann es nur geben, wenn es ETWAS gibt. Und wenn dieses ETWAS die Zahl Null selbst wäre.

 

So schließt sich der Kreis. Die Zahl Null und das Unendliche haben vieles gemeinsam. Im eigentlichen Sinn können wir sie nicht erfassen. Sie können nicht im eigentlichen Sinn stellvertretend für Existenz sein, so, wie wir (materialistisch) Existenz verstehen.

Im Grunde sind sie gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit „da“ – für uns Menschen allerdings unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Rätselhaftigkeit der Zahl Null in der materialistischen Sichtweise ist sehr verwandt mit den Rätseln der Zahl Eins.

Siehe auch: Die Zahl Eins

Lesen Sie auch: Beitrag Das Unendliche. Was ist unendlich?

Weiterlesen: Beitrag Was ist unendlich? Nachdenken über das Endliche und die Unendlichkeit

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Im Grunde sind Unendlichkeit und Nichts gleich: die Unendlichkeit ist zugleich das Nichts, weil wir es nirgendwo sehen. Und das Nichts ist wiederum in Unendlichkeit "da", wenn auch für uns Menschen unsichtbar. Es ist alles das, was wir nicht denken.

Die Zahl Null ist ETWAS was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Eins

die Zahl Eins

Die Zahl Eins ist die geheimnisvollste Zahl – sie scheint völlig offensichtlich und durchschaubar. Und doch verbindet sich mit ihr der Grund-Gedanke der gar nicht so offensichtlichen Weltsicht, nämlich der, dass wir Menschen Objekte beobachten. Objekte, die jeweils immer eins sind.

So verbindet sich mit der Zahl Eins die Frage, was ein Ding „an sich“ ist (Kant), was ein Noumenon ist, was das Verhältnis von „etwas“ zur Unendlichkeit ist.

Die Zahl Eins wurzelt im Unendlichen

Das Nicht-Abgrenzbare an den Dingen habe ich auf diesem Blog bereits des Öfteren thematisiert.

Siehe auch: Artikel Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte?

In der materialistischen Sichtweise ist es uns zwar wie selbstverständlich, dass die Dinge die Eigenschaft der Objektivität an sich haben, und damit die Eigenschaft der genauen Abgrenzbarkeit, und dennoch ist es nicht so.

Man denke nur einmal daran, wie man sich selbst definiert. Das Ich – das ist eins. Aber wo beginnt, und wo endet dieses Ich? Ist das Ich auch die Luft, die beim Atmen in mich einströmt, sich in meinem Blut löst und die die Organe versorgt? Luft, die mich gleichzeitig im Außen mit allem verbindet?  Gehören zu diesem Ich auch die Kleinstlebewesen in mir, die mein Dasein ermöglichen, dadurch, dass sie selbst da sind, die aber nicht durch mein Denken gesteuert werden? Die also mein Leben ermöglichen, einfach, indem sie sich um sich selbst kümmern? Was unterscheidet diese Lebewesen in mir von jenen außerhalb von mir, die genau dasselbe tun – sie leben ihr Leben und ermöglichen nebenbei meines?

Oder man denke an die Abmessung der  Küste Englands, in der Literatur häufig bezeichnet als mathematisches Problem, doch meiner Ansicht nach ein ebenso weltanschauliches. Je genauer man die Küstenlänge zu bestimmen sucht, desto länger wird sie. Ist England demzufolge ein Problem der Integralrechnung? Ein Mittelwert? Eine Wahrscheinlichkeit? Es scheint doch so, nicht wahr?

Siehe auch: Beitrag Wahr – Schein. Wahrschein. Wahrscheinlichkeit

England ist eine Wahrscheinlichkeit, genau wie alle Dinge. Etwas, das in der Unendlichkeit wurzelt, und durch eine geheimnisvolle geistige Kraft eins wird. Wir rechnen mit der Zahl Eins, halten sie für selbstverständlich – doch sie ist es nicht.

Das ist für mich das eigentliche Wunder der Zahl Eins. Es ist das hermetische Prinzip, dass alles immer wieder eins ist, und dass sich alles in allem immer wieder findet. Als eins. Als eins im Geiste, wohlgemerkt. Ein Geist, der die grundlegende Naturkraft ist, und nicht identisch ist mit unserer Vorstellung von „der Klugheit des Menschen“.

 

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Gott - das ist die unzerstörbare Kraft, die den Geist zu Materie erstarren lässt,die aus der Unendlichkeit die Dinge erschafft, und die aus Allem das Eine macht.

 

Mit der Eins kommen die Dinge in die Welt

Aus: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland von Dschuang Dsi

Gibt es einen Anfang, so gibt es auch eine Zeit, da dieser Anfang noch nicht war, und weiterhin eine Zeit, die der Zeit, da dieser Anfang noch nicht war, vorangeht. Gibt es Sein, so geht ihm das Nicht-Sein voran, und diesem Nicht-Sein geht eine Zeit voran, da auch das Nicht-Sein noch nicht angefangen hatte, und weiterhin eine Zeit, da der Nicht-Anfang des Nicht-Seins noch nicht angefangen hatte. Unvermittelt tritt nun das Nicht-Sein in die Existenz, ohne dass man sagen könnte, ob dieses Sein des Nicht-Seins dem Sein zuzurechnen ist oder dem Nicht-Sein. Nun habe ich aber einen Ausdruck dafür, ohne dass man sagen könnte, ob das, was ich damit ausdrücke, in Wahrheit einen Sinn hat oder keinen Sinn hat. Hierher gehören jene Aussprüche wie: »Auf der ganzen Welt gibt es nichts Größeres als die Spitze eines Flaumhaares« und: »Der Große Berg ist klein«. »Es gibt nichts, das ein höheres Alter hätte als ein totgeborenes Kind« und: »Der alte Großvater Pong, der seine sechshundert Jahre gelebt hat, ist in frühester Jugend gestorben«. Himmel und Erde entstehen mit mir zugleich, und alle Dinge sind mit mir eins. Da sie nun eins sind, kann es nicht noch außerdem ein Wort dafür geben; da sie aber andererseits als eins bezeichnet werden, so muss es noch außerdem ein Wort dafür geben.

Das Eine und das Wort sind zwei; zwei und eins sind drei. Von da kann man fortmachen, dass auch der geschickteste Rechner nicht folgen kann, wie viel weniger die Masse der Menschen! Wenn man nun schon vom Nicht-Sein aus das Sein erreicht bis zu drei, wohin kommt man dann erst, wenn man vom Sein aus das Sein erreichen will! Man erreicht nichts damit. Darum genug davon!

Die Zahl Eins und die Zwei: das Eine bedingt das Andere

Da sich das Eine von dem unterscheidet, was das Eine nicht ist, kommt mit der Zahl Eins auch die Zahl Zwei in die Welt.

 

 

Siehe auch: Artikel Die Zahl Zwei

Weiterlesen: Artikel Die Zahl Drei

Weiterlesen: Beitrag Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Die Zahl Eins was last modified: Mai 19th, 2016 by Henrik Geyer

Das Unendliche. Was ist unendlich?

Unendlichkeit. In welchem Sinn ist dies unendlich?

unendlich ist für uns endlich

In oben genannter Grafik wird die Frage gestellt: In welchem Sinn ist das Unendlich-Symbol unendlich?

Es ist nicht-endend, wenn man versucht, mit dem Auge seinen Kurven zu folgen. Denn genau so soll das Unendliche verstanden werden. Der antike Philosoph Plato sagte, dass das Unendliche das sei, „mit dem man nicht fertig wird.“ Und man wird damit nicht fertig, der Schleife bis in die Unendlichkeit zu folgen.
Aber es ist endlich, wenn es als Wort ausgesprochen wird. Es ist endlich, wenn man es als Zeichen sieht. Insofern ist es uns paradox. Es „gibt“ doch das Zeichen! Das Unendliche existiert! Aber als was … und wo? Wofür steht das Zeichen?

Das Symbol ist mit Bedacht so gezeichnet, als eine Schleife, die in Endlosigkeit verfolgt werden kann. Kann? Nein, nicht kann! Diesem „Können“ steht die Endlichkeit des Menschen als fundamentales Prinzip entgegen. Unendlichkeit ist ein paradoxer Begriff der etwas bezeichnet, das sich weder beobachten noch nachweisen lässt.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Unendlichkeit ist ein paradoxer Begriff, der etwas bezeichnet,das sich weder beobachten noch nachweisen lässt. [SPID 1170]

Das Unendliche muss uns unverständlich sein

Wir verstehen also etwas, und zwar als nicht-endend, das für uns keine Realität erhalten kann. Wir können der Schleife nicht endlos folgen. Das Unendliche muss uns unverständlich bleiben. Haben wir aber das Gefühl, das Unendliche müsse unverstanden bleiben? Ist es nicht vielmehr so, dass wir glauben, es verstanden zu haben? Wir rechnen doch auch damit!! Jede noch so kleine Zahl, multipliziert mit der Unendlichkeit, ergibt unendlich.

Über die Paradoxien, die sich mit der materialistischen Weltanschauung verbinden, habe ich bereits in den Artikeln „das Nichts“ und „das Undenkbare“ geschrieben. Das Unendliche ist ein weiterer Begriff, der im eigentlichen Sinn  keine Existenz haben kann, und dessen Notwendigkeit erst im Spirealismus klar wird.

Die Unendlichkeit – materialistisches Paradox

Normalerweise versteht man die Unendlichkeit als eine von uns (noch) zu erfassende Existenz im Außen. So sehen wir beispielsweise das Universum als unendlich an. Und, so verstanden, ist es uns rätselhaft.

Die Paradoxien sind schnell gefunden. In einem unendlichen Universum gibt es unendlich viele Dinge. Also „ALLES“. Aber – was ist „ALLES“? Alles kann doch in meinem Denken (meinem Ich-Universum) nur das sein, was ich benenne. Was sonst? Keinesfalls was ich NICHT benenne, nicht wahr?

Ich muss es also nur benennen, und es kommt in die uns widersprüchliche Existenz. Wenn ich beispielsweise die unwahrscheinlichste Möglichkeit benenne, beispielsweise, dass es im Universum eine Zivilisation geben könnte, die Nachttöpfe als Hüte trägt – so muss diese (Un-)Wahrscheinlichkeit in einem unendlichen Universum mit Notwendigkeit existieren. Wahrscheinlichkeit: 100 % … irgendwo in der Raumzeit. Genau genommen muss es eine solche Zivilisation unendlich oft geben, denn, wenn es sie einmal gibt, dann könnte es sie auch zweimal geben … und, multipliziert mit unendlich…

So realisiert sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 % was wir uns denken? Sagt das etwas über Zivilisationen mit Nachttopf-Hüten?  Oder etwas über unser Denken?

materialistisches unendlich vs spirealistisches unendlich

Letzteres. Im Materialismus (die Weltanschauung, die glaubt, „die Welt“ sei aus Materie aufgebaut, die wir beobachten) erscheint Unendlichkeit ein im Außen zu findendes Phänomen zu sein, das wir nur noch richtig beschreiben müssen.

Im Spirealismus ist die Unendlichkeit die Quelle der Gedanken – es ist die Unendlichkeit des Möglichen, das Unbestimmte, und damit die Quelle des Seins. Die Menschen jedoch, in ihrer Festgelegtheit, in ihrer Konkretheit, können das Unendliche nicht beobachten.

Nach spirealistischer Auffassung sind die Gedanken die Existenz. Weil die Unendlichkeit in den Möglichkeiten der Gedanken liegt, nicht in äußerlichen Objekten die in ihrer materiellen Existenz festgelegt sind, kann man das Unendliche, das nicht Fertigwerden, an jedem Gegenstand finden, nicht nur in den Weiten des Weltalls.

Jedoch können wir uns über jede Sache nur endlich viele Gedanken machen, sie unter endlich  vielen Aspekten sehen, oder in endlich viele Teilmengen aufteilen. Denn wir selbst sind endlich. Das Unendliche stellt sich uns nur als der Zufall, das Nicht – Bestimmbare dar. Es kann für uns nie ein Ende haben. Denn immer, solange Bewusstsein existiert, muss ein Gedanke dem Gedanken folgen. Der Gedanke selbst aber ist nicht unendlich.

Wir können die Schleife des Unendlich-Symbols verfolgen solange wir wollen, wir werden damit niemals fertig. Wir bleiben endlich. 

Paradox des Unendlichen [SPID 3525]
Paradox des Unendlichen
Das Unendliche. Was ist unendlich? was last modified: August 10th, 2016 by Henrik Geyer

Was ist unendlich? Nachdenken über das Endliche und die Unendlichkeit

Spireo Unendlichkeit Spruchbild Die Menschheit ist ein Fluss

Kann ein Science Fiction Film aus den 50er Jahren Grundlage einer Meditation über Unendlichkeit sein? Warum nicht!

Klein bis in die Unendlichkeit: Für Gott gibt es kein Nichts. Für Gott gibt es nicht Endliches

Der Film  um den es hier geht, heißt „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.“, Regie: Jack Arnold. Es handelt sich um eine starke Geschichte von Richard Matheson, der so eindrucksvolle (und viel verfilmte) Werke schuf wie „I am Legend“.

Kurz worum es geht: Mr. C gerät während eines Familien-Ausfluges in eine Wolke, die sich als Strahlungswolke herausstellt. 50er Jahre typisch haben es diese geheimnisvollen Strahlen an sich, daß Mr. C. zu schrumpfen beginnt.

Zunächst fällt ihm das gar nicht weiter auf, doch dann passen ihm seine Jacken und Hosen nicht mehr richtig. Endgültiger Beweis für seine körperlichen Veränderungen ist ein Röntgenbild seines Arztes.

Mister C schrumpft weiter. Bald findet man ihn auf einem übergroßen Sofa liegend, mit viel zu großen Sachen bekleidet.

Mister C macht sich natürlich gehörig Sorgen, aber er wird in den schwerer werdenden täglichen Verrichtungen durch seine ihn liebende Frau unterstützt.

Mister C schrumpft weiter. Bald zieht er um, in ein Kinder-Spielzeughaus, das im Wohnzimmer der Familie aufgestellt wird. Sehr eindrucksvoll filmisch umgesetzt, auch mit der Tricktechnik der 50 er Jahre, wie die riesenhafte Ehefrau und er – vom Eingang seines Spielzeughauses aus – mit einander sprechen.

Schrumpfen bis in die Unendlichkeit - Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.
Die unglaubliche Geschichte des Mr. C. Spielfilm von 1956
die Hauskatze wird zur Bedrohung

Mister C schrumpft weiter. In dem Maße, in dem er körperlich aus der Welt seiner Frau verschwindet, taucht seine Frau als Partnerin immer weniger in seinem Leben auf. Logischerweise werden andere Gegenstände und Lebewesen für ihn interessant und wichtig. Seine Katze wird nun zum gefürchteten Geger für Mr. C.

Mister C schrumpft weiter. Durch einen dummen Zufall gerät er in den Keller des Hauses und kann nur nicht mehr in die Welt seiner Familie zurück. Erst ist zu klein um die Treppenstufen zu erklimmen, und seiner Frau kann ihn nicht hören, wenn er unten auf dem Kellerboden stehend, schreit und ruft. Er kann auch nicht aus dem Keller heraus, denn vor den Kellerfenstern sind Drahtgitter gespannt, die Kleintieren den Zugang zu dem Keller verwehren sollen.

Mister C ernährt sich von Brotkrümeln die er findet, und die für ihn so groß sind wie Fußbälle. Die im Keller lebenden Insekten werden jetzt für ihn zu Feinden, insbesondere eine riesenhaft erscheinende Spinne. Er nutzt Gebrauchsgegenstände, die im Normalleben winzig und unbedeutend sind, wie beispielsweise eine Stecknadel, die ihm als Schwertersatz dient.

Gegen Ende des Filmes hat er viele lebensbedrohliche Situationen gemeistert, wichtige Kämpfe erfolgreich überstanden. Hollywoodtypisch käme an dieser Stelle ein Happy End, beispielsweise: Mr. C. stellt fest, er wächst wieder.

Aber nein: wie in Trance geht Mr C zum Kellerfenster und überwindet mühelos das Drahtgitternetz, das ihn die ganze Zeit im Keller festgehalten hat und dafür gesorgt hatte, daß er den Keller nicht verlassen konnte und den Kampf mit der Spinne auszustehen hatte. Er kann durch das Gitternetz schlüpfen, das bedeutet. Er ist weiter geschrumpft und wird wohl auch immer weiter schrumpfen.  Ein spannender, ratloser und atemloser Moment, eine lebenswichtige Hoffnung ist genommen – zugleich das Ende des Filmes.

 

Ausgehend von den existenziellen Fragen, denen er sich aufgrund seines Schrumpfens stellen musste (sonst würde er womöglich zufrieden und gefahrlos im Obergeschoss auf der Couch liegen, hätte aber auch keinerlei Erkenntnisse), wird ihm eine tiefe Weisheit über das Universum und die Welt zuteil. Eine Erkenntnis über Unendlichkeit.

Der Film endet mit einer wundervollen, visionären Sequenz…..

Der Film ist eine Metapher für die Relativität unseres Daseins, und wie sich Wesen und Inhalt unserer Welt verschieben, wenn sich etwas Grundlegendes ändert. Er wirft Fragen auf, wie: was ist dem Kleinsten und dem Größten gemeinsam, da beides für uns unerreichbar scheint. Treffen sich die Enden der Unendlichkeit tatsächlich in einem gigantischen Kreis, einem gigantischen, alles einenden System, das alles erklärt?

Für Gott gibt es kein Nichts: die Kämpfe, das Wesen der Welt die einen umgibt, haben mit dem eigenen Wesen zu tun (im Film mit der zunehmenden Winzigkeit Mr. Cs). Nichts ist unbedeutend, was wir in unserer, der uns eigenen Welt, finden.  Und: vor Gott gibt es nichts Kleines, da es keinen prinzipiellen Unterschied der verschiedenen Größenordnungen gibt. Die Unendlichkeit entsteht aus uns Menschen.

Die Menschheit ist ein Fluss des Lichtes, der aus der Endlichkeit zur Unendlichkeit fließt. (Khalil Gibran)

 

Noch mehr Spruchbilder

Zwei Dinge sind unendlich
Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
Albert Einstein

Wenn ihr das Bild bei euch einfügen möchtet, dann ist hier HTML-Code zum Kopieren und Einfügen in HTML (rot):
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Hier noch der Bildlink: 
http://spireo.de/texte/Zwei%20Dinge%20sind%20unendlich.jpg

Ich hatte bisher in den begrenzten,

menschlichen Konzeptionen gedacht.

Ich hatte die Natur beurteilt..

 

Daß die Existenz beginnt und endet,

ist ein menschliches Konzept..

..nicht das der Natur.

… Kleiner als das Kleinste –

habe auch ich eine Bedeutung!

Für Gott gibt es kein Nichts.

 

Was ist unendlich? Nachdenken über das Endliche und die Unendlichkeit was last modified: Dezember 15th, 2015 by Henrik Geyer