Werde deiner Endlichkeit bewusst

Wozu sich der eigenen Endlichkeit bewusst werden? Wozu sich des eigenen Todes bewusst werden? Ist das nicht recht deprimierend? Sollte man daher überhaupt über Endlichkeit und Tod nachdenken?

Ja, man sollte. Um den Augenblick wertschätzen zu können.

Deprimierend kann das nur sein, wenn du es nicht akzeptieren kannst. Und du kannst es nicht akzeptieren, wenn du das kosmische Wesen nicht verstehst.

Das Wesen des Kosmos ist der Wandel. Du bist ein Teil der Welt, so wie alles. Du bist kein abseits stehender Beobachter.

Denk dir, dass alles was du liebst, alles was dir nahe ist und dich umgibt, bald nicht mehr da sein wird. Dann erhältst du eine Vorstellung von der eigenen Endlichkeit. Eine Vorstellung davon, dass du teilnimmst am immerwährenden Wandel. Dass du keine Sonderstellung einnimmst – als singuläre Konstante innerhalb eines sich stets im Wandel befindlichen Kosmos.

Sich der Endlichkeit von allem bewusst zu werden, des stetigen Wandels, ist eine gute Übung der Bewusstwerdung.

Denk dir …

Also denk dir: Deine Lieblingstasse, aus der du jeden Morgen deinen Kaffee trinkst, wird bald zerbrechen. Deine Uhr wird stehenbleiben. Die Kleidung die du liebst, und die an dir so gut aussieht, wird bald schon überlebt und unförmig wirken, und bald darauf zu Staub zerfallen. Dein Haus wird den zukünftigen Menschen weit weniger wohnlich erscheinen als dir, sie werden es abbrechen. Dein geliebtes Auto, für das du so manches opfertest, wird bald verschrottet werden. Deine Freunde werden sterben, deine Verwandten ebenfalls, und alle Menschen, die dir die Allerliebsten sind. Auch die Personen, die du hasst und die du bekämpfst, werden bald tot sein.

All das wird in einer Zeitspanne geschehen, die so kurz ist, dass sie gegenüber der Ewigkeit des Kosmos wie ein Zwinkern der Augen wirkt. Man sagt auch Blick der Augen dazu, oder Augen-Blick. Aber nicht nur der Ewigkeit des Kosmos gegenüber wird dein Leben wie Jota wirken. Auch schon für die Generation nach dir wirkt dein Leben wie verkürzt. Prüfe dich: Dir selbst erscheint deine eigene Vergangenheit wie sehr kurz – ist es nicht so? Und je älter du wirst, umso kürzer erscheint dir das ganze Leben, von dem du zuerst glaubtest, es würde fast ewig währen.

Auch du wirst bald tot sein. Mit den Personen deiner Zeit, mit deinen Freunden und mit deinen Feinden, wirst du Seite an Seite ruhen. Und die Orte und Dinge, die du liebst, werden vergessen sein, zusammen mit dir.

Die Erinnerung an dich wird in Dingen, in anderen Menschen, in deinen Kindern, eine Zeit lang weiter getragen werden. Die Erinnerung an dich, an deinen Namen, wird sich mehr und mehr vermischen mit anderen Erinnerungen, so dass schließlich niemand mehr an deinen Namen denken wird. Weil andere Namen in den Vordergrund treten; so, wie dein Name sich auflöst, entstehen sie. Es ist eine Welt der Namen.

Du bist, auch wenn du tot bist, immer noch in dieser Welt, als die Dinge und die Menschen, die du berührt hast. Aber du transformierst dich, und dein Ich – ein Name – löst sich auf, verdünnt sich mehr und mehr. In dieser Welt sehen wir das als ein Ende, jedoch ist es eigentlich eine Wandlung.

Ähnlich erinnert man sich bald nicht mehr an den Baumeister eines Hauses, selbst wenn das Haus noch lange steht. Der Baumeister ist im Haus verewigt, als seine Gedanken, seine Baukunst, sein Geschmack. Aber das Haus wird neu assoziiert, neu gedacht werden. Es wird assoziiert werden mit den Menschen, die im Augenblick darin leben, mit ihren Gedanken, ihren Künsten, ihrem Geschmack.

 

So wandelt sich alles – von Staub zu Dingen und wieder zurück. Und natürlich wirst auch du dich verwandeln. Und wirst wieder entstehen, in anderer Form.

Wirst du dich selbst, in dieser anderen Form wiedererkennen?

Kannst du dich in diesem Moment wiedererkennen, als eine andere Form, die bereits vergangen ist?

Sieh, wie sich alles wandelt. Und lerne den Augenblick zu schätzen. Lerne zu schätzen, dass du mit den Dingen, und mit den Menschen, die dich im Augenblick umgeben, auf dieser Welt sein darfst. Lerne den Gedanken zu schätzen, als das bewusste Sein, das dich sagen lässt: „Ich bin!“. Lerne zu schätzen, dass du diesen Augenblick erleben kannst. Lerne deine Endlichkeit zu schätzen, denn nur sie lässt dich sagen „Ich bin hier“. Denn, wo wärst du, wenn dieses Hier nicht ein abgegrenzter Ort wäre? Was wäre ein Ich, wäre es nicht endlich? Was wäre dein Sein, wäre es nicht etwas Begrenztes?

Sage „Danke für diesen Augenblick“. Im nächsten Moment ist er vergangen. Jedes Leben ist so ein Augenblick.

 

 

Werde deiner Endlichkeit bewusst was last modified: Januar 18th, 2018 by Henrik Geyer

Pascal Voggenhuber: Nicht Heiliger sein, sondern Mensch

Was ist Spiritualität? Fotos der Co-Autoren - Pascal Voggenhuber [SPID 4247]

Lieber Pascal, du bist ein reger und sehr bekannter Protagonist der spirituellen Szene, du bist ein Medium. Das bedeutet, du bist jemand, der eine Verbindung zum Jenseitigen herstellen kann, zu Geistern und Toten. Für dich, das gehört zum Verständnis des eben Gesagten, gibt es ein Leben nach dem Tod.

Du hast eine überaus erfolgreiche Webpräsenz, aber vor allem begeisterst du natürlich deine zahlreichen Anhänger mit Seancen, Lesungen und Bühnen-Veranstaltungen. Mich persönlich beeindruckt deine natürliche und unaffektierte Art.

Du hattest schwierige Zeiten zu überstehen, die dich in der Konsequenz dem Spiritismus (manche sagen auch Spiritualismus) näherbrachten. Ich denke an den lebensbedrohlichen Unfall mit einem Traktorwagen in deiner Kindheit, den du als ein Heraustreten aus deinem Körper beschreibst – ein jenseitiges Erlebnis. Du besuchtest später eine spiritistische Schule in England, warst dort einige Jahre. Spiritismus, das ist die englische Tradition der Geistbeschwörung, der Medien, des Hellsehens, der Séancen, des Kontaktes mit dem Jenseits.

Das Unbegreifliche gibt es – und man kann daher niemals sagen, dies oder jenes könne nicht sein. Dieses Alles-für-möglich-Halten empfinde ich als eine Einstellung der Achtsamkeit und der Achtung dem Höheren, wenn man so will Gott, gegenüber. Diese gedankliche Einstellung ist heute wichtiger denn je, denn unsere materialistische Sichtweise lässt es so scheinen, als sei der Mensch das Herz aller Dinge, gleichsam ein göttlich-unbestechlicher Beobachter einer Welt. Während er, zumindest nach meinem Verständnis, selbst ein Element dessen ist, was er doch nur zu beobachten glaubt. Der Mensch, aus dem heraus sich Dinge materialisieren, kann das Reich Gottes nicht überblicken, sondern er darf in ihm staunen und glücklich sein … er sollte glücklich sein. Die Welt ist voller Wunder, wenn man sie sehen kann, während die Welt dem gewohnt-materialistischen Blick wie völlig erklärbar und erklärt, manchmal sogar eintönig erscheint.

Ich denke, es ist wichtig und es gibt den Menschen ganz viel, wenn in dieser scheinbar so allwissenden Zeit durch dich sympathisch und beredt die allerelementarsten Fragen noch einmal neu und aktuell gestellt werden.

Spireo: Mich interessiert der Aspekt des Todes … Was ist Tod?

Für mich gibt es den Tod so nicht …

Wenn man mit Menschen spricht, und die sagen, man würde sterben, dann sage ich, es gibt wohl einen physischen Tod, der Körper stirbt .. Aber die Seele, das, was wir wirklich sind, das bleibt; oder es lebt weiter. Wenn jemand hier stirbt, dann wird er im Grunde nur verändert, es findet eine Transformation statt, und er wird wiedergeboren in der geistigen Welt.

Und da fragt es sich, auf was sich dieser Begriff des Sterbens bezieht: auf den körperlichen Tod oder den seelischen Tod.

Wir sind laut Wissenschaft zu 100 % reine Energie, und wir wissen ja auch, dass Energie weder auflösbar noch zerstörbar ist, sondern nur veränderbar.

Und das ist auch diese Kontinuität, dieses Weiterbestehen. Der Körper vergeht in dieser Welt, aber in einer anderen, geistigen Welt, existieren wir weiter.

Spireo: Es stimmt, aus biochemischen Formeln lässt sich die Kraft des Lebens nicht ableiten. Das führt man sich nur nicht vor Augen, wenn man das Wort Leben oder Tod beiläufig benutzt, so als sei alles damit gesagt, so als habe man überhaupt verstanden, was es ist.

Für mich verbindet sich mit dem Gedanken an ein Leben nach dem Tod die Frage nach Erinnerung. Es gibt eine Textzeile eines Songs von Eric Clapton, „Tears in Heaven“, in der es heißt: Würdest du meinen Namen kennen, wenn wir uns im Himmel begegneten?

Er fragt sich also: Eine weitere Welt, als die im Jetzt erlebte, würde man nur dann erkennen können, wenn man sich an die jetzt erlebte Welt zurückerinnern könnte. Ohne Erinnerung an eine diesseitige Welt kann man auch keine jenseitige Welt als solche erkennen. Ohne Erinnerung ist der Tod also etwas Endgültiges, so wie er es in unserer Welt zu sein scheint. Im Kontext von Eric Claptons Song heißt das: würde ich einen geliebten Menschen im Jenseits erkennen? Was hingegen kann es uns bedeuten, Menschen wiederzutreffen, wenn wir uns nicht ihres Namens entsinnen könnten?

Daher die Frage aus dem Song an dich als Medium: Würdest du meinen Namen kennen, wenn wir uns im Jenseits begegneten?

Zunächst einmal müssen wir verstehen, dass unsere Existenz oder unsere körperliche Form, in der wir gerade jetzt leben, nicht die einzige ist, sondern dass wir vorher und auch nachher x körperliche Daseinsformen haben. Wir werden nicht ein einziges Mal geboren, sondern wir werden mehrmals geboren.

Ich liebe halt den Bezug zur Quantenphysik. Insofern bin ich vielleicht nicht ganz so esoterisch wie man es vielleicht erwartet. Wir wissen eben auch von der Quantenphysik, dass es Raum und Zeit gar nicht gibt. Deshalb sage ich auch oft zu der Frage der Wiedergeburt, dass es keinen linearen Ablauf für Geburt und Tod gibt. Wir hatten eigentlich keine vergangenen Leben, sondern wir leben im Grunde alles gleichzeitig, jetzt. Aber das kann natürlich das menschliche Gehirn nicht fassen. Das macht das Ganze so komplex.

Auch wenn man Geistführer nach dem Unterschied dieser Welt hier zur geistigen Welt fragt, sagen die sehr oft: wir können das nicht erklären, weil ihr es mit eurem Gehirn verstehen wollt, doch euer Gehirn reicht nicht aus, das zu verstehen. Denn ihr wollt in dieser Zeit-Raum-Ebene verstehen. Wir können mit den Worten „alles ist gleichzeitig“ oder „es gibt keine Zeit und keinen Raum“ wohl etwas anfangen, aber wir können diese Worte nicht verstehen oder nachvollziehen …

 

Link zur Webseite von Pascal

Dieses Gespräch ist Teil des Buches:


Was ist Spiritualität?

Was bedeutet Menschen Spiritualität? Wozu ist sie gut? Wie leben Menschen Spiritualität? Ist Kreativität spirituell? Kann Spiritualität heilen? Was bedeutet Tod?.
Henrik Geyer führte Gespräche mit spirituellen Menschen – mit Stefan Blankertz, Dr. Ruediger Dahlke, Catharina Fleckenstein, Ralf Hillmann, Cristina Holsten, Petra Milkereit, Werner Szendi, Pascal Voggenhuber

Pascal Voggenhuber: Nicht Heiliger sein, sondern Mensch was last modified: Oktober 20th, 2016 by Henrik Geyer

Warten auf den Tod – jeden Tag dem Tod ein Stück näher

Warten auf den Tod - Sterben im Leben [SPID 4011]

In jedem Moment nähern wir uns dem Tod unmerklich. Wir warten auf den Tod – in gewissem Sinne. Der Tod, vorgestellt als ein bestimmter Zeitpunkt in der Zukunft, lässt unsere Lebens-Tage in der Vorstellung zusammenschnurren, zu einer sehr endlichen Größe. Doch das wollen wir nicht, lieber ist uns die Ungewissheit – die Ungewissheit lässt unsere Lebenstage wie potentiell unendlich erscheinen.

Doch ist eigentlich nichts gewisser als der Tod.

Warten auf den Tod – ein deprimierender Gedanke?

Ist es deprimierend, über den Tod nachzudenken? Dass er vielleicht nah ist? Ich glaube nicht. Über den Tod nachzudenken kann uns so viele Fragen zum Leben beantworten. Zum Beispiel,

  • dass wir Dinge und Menschen, die uns auf unseren Lebensweg begegnen, wertschätzen sollen
  • dass wir in uns forschen sollen, was unsere Bestimmung ist, und was wir tun wollen
  • dass wir das Leben nutzen um glücklich zu sein, und nicht glauben, das Leben sei dazu gemacht irgendeine unerfreuliche Pflicht zu erfüllen
  • dass wir jeden Tag begrüßen, und versuchen, dieses kostbare Geschenk durch Freude und Dankbarkeit zu würdigen
  • dass wir versuchen, Unfrieden und Kampf aus unserem Leben zu verbannen, und dass wir darin durchaus selbstsüchtig sein dürfen. Indem wir das tun, helfen wir „der Welt“ durchaus ein wenig, denn die Kämpfe, die wir nicht kämpfen, sind einfach Kämpfe die in der Welt nicht stattfinden. Sie fehlen nicht.

Neulich hörte ich in einem Film den nachdenkenswerten Satz: „In 40 Jahren wächst der Weizen auf meinem Grab genauso schön, wie auf deinem.“ Der das sagte wollte damit begründen, warum einen bestimmten Kampf, den andere für nötig hielten, selbst nicht mitkämpfen wollte. Er meinte damit: Eine besondere Belohnung für Pflichterfüllung hat der liebe Gott scheinbar nicht vorgesehen, denn am Ende liegen der Sünder und der Gerechte in ihren Gräbern ungestört nebeneinander. Und was da wächst ist Weizen und nicht etwa Grabblumen. Mit dem Tod einher geht das Vergessen. Vergessen die Kämpfe, vergessen der Hass, vergessen die Dinge und die Menschen.

Daher: sterben müssen alle, auf das Leben kommt es an. Ohne Leben keine Bewertung von gut und böse, richtig und falsch. In diesem Lichte gesehen verblasst das Streben nach Gerechtigkeit, verblasst unser Wille, verblasst der Gedanke an Unbedingtheit, verblasst unsere Sucht zu polarisieren.

Das Leben ist eben der Urgrund für alles. All unsere Hoffnungen, all unsere Verzweiflung, brauchen eine Voraussetzung: Leben. Denken. Und was wir im Leben suchen ist Glück – nicht mehr und nicht weniger.

im Leben sterben – die Endlichkeit des Lebens akzeptieren

Es ist ein spektakulär anmutender Leitsatz so manchen Gurus, man solle bereits im Leben sterben. Gemeint ist damit, sich der Belanglosigkeit des Todes bewusst zu werden, seiner Allgegenwart. Wenn wir schlafen, sind wir ein bisschen tot. Wenn wir bewusstlos sind, sind wir ein bisschen tot. Wenn wir wie Automaten Dinge tun, sind wir quasi unbewusst, sind wir ein bisschen tot. Weitergedacht: Leben ist Achtsamkeit, Bewusstheit.

Wie leicht gleitet man vom Leben in den Tod – man ist sich darüber meist nicht klar. Denn man lebt ja! … bis jetzt. Das erinnert mich an einen Witz: Ein Mann fällt aus dem zehnten Stockwerk eines Hochhauses. Bei jedem Stockwerk, an dem er vorbeistürzt, sagt er sich: Bis jetzt ging es jedenfalls gut!

Der Tod ist notwendig und unabdingbar für das Leben. So wir in unseren Leben alles aus Gegensätzen besteht, ist der Gegensatz zu Leben: Tod.

Anstatt den Tod zu fürchten und ihn zu verdrängen, macht es viel Sinn, sich mit ihm auseinanderzusetzen, in gedanklich vorwegzunehmen und ihn zu akzeptieren. Das zu tun bedeutet nicht, das Leben nicht zu schätzen, im Gegenteil. Mit der Akzeptanz des Todes wächst die Wertschätzung für das Leben. Im nächsten Augenblick kann es vorbei sein. Wir wissen nicht, wissen nie, wann es „so weit“ ist. Der Gesündeste kann im nächsten Moment die Schwelle überschreiten. Ein Unfall, ein Schlaganfall …

Ohne Tod keine Wertschätzung dessen was ist. Was sollte man auch besonders wertschätzen an etwas, das es ohnehin immer gibt? Aber – was wiederum wäre ein Leben ohne Wertschätzung? Es wäre ein Leben ohne Freude.

Ohne Wertschätzung und Freude an den Dingen wiederum keine Trauer, kein Abschiedsschmerz. Denn alles endet. Alles geht kaputt, alle Beziehungen enden, alle Lebewesen sterben. Alles vergeht, alles wird zu Staub, und ersteht neu, aus Staub. Die Trauer des Abschieds ist unabdingbar, gerade wenn man das Leben liebt. Aber die Notwendigkeit und die Einsicht, dass der Tod der andere Aspekt des Lebens ist, mildern diesen Schmerz.

Wie könnte man zu traurig über etwas werden, das doch die Voraussetzung für all das ist, was man liebt?

Jeden Tag dem Tod ein Stück näher

Jüngst starb ein bekannter Mann in hohem Alter, und es wurde bekannt, dass es dessen Philosophie war zu sagen: „Jeden Tag geht man ein Stück weiter auf den Tod zu.“ Er sah somit den Tod als etwas Unabdingbares – den Todeszeitpunkt als bereits schicksalhaft festgelegt. Somit muss ihm das Leben kurz und kostbar gewesen sein.

Und tatsächlich – was man wusste: Er liebte das Leben und genoss es, wie es kam. Doch er vergeudete auch nichts, war nicht über-ambitioniert, und liebte die Dinge wie sie waren. Er liebte seine Familie, die er wertschätzte, in guten wie in schlechten Zeiten. Er war seinen Freunden ein guter Freund. In seinen Filmen siegte die Gerechtigkeit, Kinder liebten diese Filme, es waren keine zynischen Actionblockbuster. Er aß stets mit großer Freude seine Spaghetti, für die er eine besondere Soße zu kochen wusste. Das war es, was das Leben an Gutem für ihn bereithielt, und er wusste, dass er reich beschenkt war. Er nahm die guten Gaben einfach an, war dankbar. Als sich das Ende ankündigte, wusste er, dass er alles so gemacht hatte, wie zu tun es ihm möglich gewesen war. Die Begrenztheit des Lebens, die Notwendigkeit der Begrenztheit in allen Dingen und auch des Lebens selbst, nahm er an, wusste von ihr, und litt wohl nicht zu sehr daran.

Der Mann hieß Bud Spencer, er war Teil des humorvollen Filmduos Bud Spencer / Terence Hill und eigentlich nicht dafür bekannt, besonders tiefgründig oder philosophisch zu sein. Und doch war er es. Gerade in der Einfachheit ist oft das Tiefgründige zu finden, so wie im Stillen oft das Eindringliche ist.

 

 

Warten auf den Tod – jeden Tag dem Tod ein Stück näher was last modified: September 30th, 2016 by Henrik Geyer

Krieg – woher kommt er? Muss es ihn geben?

Spruchbild: Bevor es den Menschen gab, wartete der Krieg schon auf ihn. Das ultimative Handwerk, das auf den ultimativen Handwerker wartet

Warum muss Krieg sein? Es gibt Menschen, die Gott dafür die Schuld geben.

Aber alles, was für Krieg nötig ist, machen doch wir! Wir bauen die Waffen, halten das Pulver trocken, schießen…

Die Notwendigkeit des Krieges – seine Selbstverständlichkeit liegt in uns

Ganz offensichtlich sind wir Menschen es, die den Krieg vorbereiten und durchführen. Warum suchen wir irgendwo anders?

Müssen wir den Krieg erschaffen?

John Updike sagte einmal, dass ihn die „Anti-Kriegs“-Konzepte verwirren. Er fühlte, … „Anti-Kriegs“ – das ist ähnlich „Anti-Nahrungs..“ oder „Anti-Sex..“, denn Krieg war für ihn etwas Unabdingbares in der menschlichen Erfahrung.

John Updike once said that he was confused by the very concept of “antiwar,” which he felt, and I’m paraphrasing him here, was like being “anti-food” or “anti-sex,” since war was such an essential element of human experience.

Aus: Black Hawk Down, von Mark Bowden, ISBN 978-3453868311

John Updike hält Krieg also für eine Notwendigkeit, ähnlich der Notwendigkeit zu essen, oder der Fortpflanzung. Und dennoch ist Krieg eigentlich Irrsinn. Ist Irrsinn in uns?
Noch ein Zitat, das die Natürlichkeit des Krieges zum Inhalt hat:
aus McCarthy’s Roman Blood Meridian:
„Krieg dauert fort. Man kann Männer fragen, was sie von Stein halten. Krieg gab es immer. Bevor es den Menschen gab, wartete der Krieg schon auf ihn. Das ultimative Handwerk, das auf den ultimativen Handwerker wartet.“
“War endures. As well ask men what they think of stone. War was always here. Before man was, war waited for him. The ultimate trade awaiting the ultimate practitioner.”

Die Überflüssigkeit des Krieges

Wie so oft in diesem Blog, beschreibe ich die Notwendigkeit der Welt als eine Notwendigkeit unserer Gedanken.

Gerade am Krieg sehen wir, dass wir zwar glauben, unsere Gedanken seien frei, doch sind sie es nicht. Die Notwendigkeit des Krieges liegt in uns, jedoch können wir scheinbar so gar nichts tun, ihn aus der Welt zu schaffen.

Die Grenzen unserer Gedanken zu sprengen ist schwierig. Den Krieg aus unserer Realität zu verbannen, hieße, den Krieg aus den Köpfen aller zu verbannen. Unser kollektives Denken wird zu unserer kollektiven Realität.
Lesen Sie auch: Gott und Leid – wo liegt die Quelle von Frieden und Krieg?

Krieg ist überflüssig – ein anderes Menschenbild

Offenbar braucht es ein völlig anderes Denken, um den Krieg zu verbannen.

Der Spirealismus ist eine dem materialistischen Weltbild entgegengesetzte Weltanschauung. Sein Menschenbild ist nicht das, eines unabhängigen Denkers, also eines Individuums, das einen äußerlichen Prozess (die Realität) in seinem Gehirn nachbildet.

Sondern Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung – in ihm selbst „materialisieren“ sich alle Begriffe, die er meint, in seinem Außen zu sehen. Die Existenz ist Denken. Das Denken aber ist nicht frei. Die Grenzen des Denkens bilden sich, und sind existent, im Menschen.

wahres Verständnis

Erst wenn der Mensch dies versteht, und an den Grundfesten seiner  Begriffe rütteln kann, dann wird es ihm möglich, sein Denken zu regieren.

Was er für selbstverständlich hält, sogar für „gut so!“ – das eben ist zum Teil seine Hölle. Umzudenken – das hieße, das für falsch zu halten, was heute richtig erscheint.

Erst dann könnte die Selbstverständlichkeit des Krieges, und der Krieg selbst, verschwinden.
Siehe auch: Artikel Wachstumswahn – wie viel ist genug? Ist ein Ende des Wachstums erst dann erreicht, wenn wir die Schnauze voll haben?

Lesen Sie auch: Artikel Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

 

Krieg – woher kommt er? Muss es ihn geben? was last modified: April 23rd, 2016 by Henrik Geyer