Die Zahl Drei

die Zahl Drei

Die Zahl Drei ist ebenfalls eine magische Zahl, die ich besprechen will. Wir finden die Zahl Drei in so vielen Zusammenhängen, als symbolträchtig, wunderwirksam, metaphorisch.

Man denke nur an die vielen Zitate, Märchen, oder Literatur, Wissenschaft, in denen die Zahl Drei eine wichtige Rolle übernimmt: drei Wünsche hast du frei, Drei Schwestern, dreidimensionaler Raum …

Als Beispiel für einen in der Literatur gebräuchlichen Dreisatz folgendes Zitat:

Es sind drei Kronen: des Richters, des Priesters, des Königs, aber die Krone eines guten Namens ist höher als alle.
Talmud

Oder man denke an die Dreiheit der Zeit: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die ihre Personifizierung wiederum in diversen Göttern findet. Wie z.B. den germanischen Schicksalsgöttinen, den Nornen .. Urd (Vergangenheit), Werdandi (Gegenwart) und Skuld (Zukunft).

Vision des Ouspensky: die Zahl Drei

Weiterlesen: Artikel Die Zahl Zwei

Wie schon in den Betrachtungen zur Zahl Zwei besprochen, hat P.D. Ouspensky in psychoanalytischen Selbstversuchen Visionen einer Welt entwickelt, deren (geistige) Grundprinzipien nichts mit den materiellen Anordnungen zu tun haben, die wir gemeinhin als unser Außen begreifen. Aus spriealistischer Sicht handelt es sich um Variationen der hermetischen Prinzipien. Oder als Variation der Hegelschen Dialektik, in der sich aus These und Antithese die Synthese ergibt.

Zum Verständnis …

Die nachstehenden Erörterungen werden für den Lesenden vielleicht wenig Sinn machen, wenn er nicht Folgendes bedenkt:

Es ist das grundlegende spirealistische Verständnis, das auf diesem Blog besprochen wird, dass die Welten geistiger Natur sind. Die Materie im Außen zu beobachten bringt in diesem Zusammenhang wenig, da die eigentliche Quelle aller Natur, allen Begreifens, Geist ist.

Das,  was wir als unser tägliches Bild des Außen sehen, ist daher wie ein Schatten an der Wand einer Höhle. Siehe auch Höhlengleichnis von Plato: Artikel Martin Eden – die negative Seite der Erkenntnis

Das Eigentliche, das sich dem täglichen Blick verbirgt, ist die Kraft hinter den Erscheinungen – darum ging es auch Ouspensky. Ouspensky machte sich explizit auf die „Suche nach dem Rätselhaften“. Die Sichtweise auf die Dinge, diese enthielten Rätselhaftes, ist etwas, das sich erfahrungsgemäß dem Materialisten nicht erschließt. Es beginnt mit der Zahl Eins … der Suche nach dem Objektiven, der Suche nach dem Ding „an sich“ (Kant), etc..

Aus spirealisticher Sicht ist die Welt immer ein Gedanke an eine Welt – man kann also abseits von Vorstellungen ohnehin keine Welt „vor sich sehen“. Letztlich trifft das auf die wissenschaftliche Vorstellungswelt ebenso zu wie auf die spirituelle. Die Unbegreiflichkeit dessen aus materialistischer Sicht macht die klare Bildsprache z.B. eines Ouspensky so wertvoll, ohne die klare mathematische Sprache z.B. eines Einstein damit zu schmälern.

Ähnliches Thema: Artikel Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Fundamentale Rolle der Zahl Drei

A new model of the universe
Die Zahl Drei spielte eine sehr wichtige Rolle in der Welt, die ich fand. In einer unserer Mathematik unzugänglichen Weise durchdrang sie alle Relationen zwischen den Größen, erschuf sie und entsprang ihnen. Alles zusammen, das gesamte Universum also, erschien manchmal in der Form einer Triade, die ein Ganzes ergibt, und aussieht wie ein riesiges Dreiblatt. Und jedes Element der Triade wurde durch einen innerlichen Prozess wiederum in eine Triade gewandelt, und dieser Vorgang setzte sich fort, bis alles voller Triaden war, die sich in Musik, oder Licht, oder Muster wandelten.

The number ” three ” played a very important part in the world in which I found myself. In a way quite incomprehensible to our mathematics it entered into all the relations of magnitudes, created them and originated from them. All taken together, that is, the entire universe, sometimes appeared in the form of a ” triad “, composing one whole, and looking like some great trefoil. Each part of the ” triad “, by some inner process, was again transformed into a ” triad “, and this process continued until all was filled with ” triads “, which were transformed into music, or light, or designs.Read more at location 6020 • Delete this highlight

Die Zahl Drei – das Welten-erschaffende Element

Die ewig bleibende Konstellation des Unterschiedes, der die Welten antreibt, stellt sich uns als ein Widerspruch zweier Elemente dar. Diese beiden Elemente sind symbolhaft gezeichnet als die Zahl Eins (das Eine) und die daraus folgende Zahl Zwei (das Andere/das, was nicht Eins ist).

Der Prozess des Entstehens von Welt benötigt nun das daraus Resultierende, das Dritte, repräsentiert durch die Zahl Drei. Anders ausgedrückt: aus These und Antithese resultiert die Synthese. Die Synthese ist weder identisch mit der These, noch der Antithese – sie ist etwas Drittes, etwas Neues.

Man sehe sich beispielsweise einen politischen Prozess an. Aus dem Widerstreit der Parteien zu einem bestimmten politischen Thema resultiert nie der ganz klare Sieg nur einer Seite. Sondern was resultiert, ist die Verbindung der beiden strittigen Seiten zu etwas Drittem.

Oder man sehe diesen Prozess bei sich selbst. Aus dem Widerstreit der innerlichen Ideen resultiert schließlich ein Handeln, das etwas Drittes in die Welt bringt. Es ist niemals die genaue Umsetzung einer Idee, sondern es ist das Element der eigentlichen Schöpfung, anders zu sein, neu zu sein, nie genau etwas Vorhandenes zu sein. Kreative Menschen beobachten diesen Prozess genau, und wissen, dass das Kreative immer das Unvorhersagbare enthält – kreative Menschen suchen das geradezu.

Ähnliches Thema: Artikel Die Magie der Sprache

In ordinary life we think by thesis and antithesis; always and everywhere there is ” yes ” or ” no “, ” no ” or ” yes “. In thinking differently, in thinking in a new way, in thinking by means of signs of things, I came to understand the fundamental errors of our mental process. In reality, everywhere and in every case there were not two but three elements. There were not only ” yes ” and ” no “, but ” yes “, ” no ” and something else besides. And it was precisely the nature of this ” third ” element, inaccessible to the understanding, which made all ordinary reasonings unsuitable and demanded a change in the basic method. I saw that the solution of all problems always came from a third, unknown, element, that is to say, it came from a third and unknown side, and that without this third element it was impossible to arrive at a right solution.

Im normalen Leben denken wir in den Begriffen von These und Antithese; immer und überall ist da dieses “ja” oder “nein”, “nein” oder “ja”. Indem ich davon abwich, indem ich davon verschieden dachte, indem ich symbolhaft dachte, verstand ich die fundamentalen Fehler unseres mentalen Prozesses (Denkens). In der Realität, überall und in jedem Fall, gab es nicht zwei, sondern drei Elemente. Es gab nicht nur „ja“ und „nein“, sondern „ja“, „nein“, und noch etwas weiteres dazu. Und es war ebendie Natur dieses „dritten“ Elementes, dem Verstand unzugänglich seiend, das alle normalen Überlegungen unpassend machte und eine Änderung der fundamentalen Methode erforderte.

Ich sah, dass die Lösung aller Probleme immer ausging von einem dritten, unbekannten Element, oder besser, es kam von einer dritten, unbekannten Seite, und dass es ohne dieses dritte Element nicht gelingen konnte, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Trinität – die Dreifaltigkeit

Gott ist dreifach von Person und doch einfach von Natur. Gott ist auch an allen Orten, und an jedem Ort ist Gott ganz. Das will so viel sagen, daß alle Orte ein Ort Gottes sind.
Meister Eckhart

Die Zahl Drei hat in spirituellen Denkweisen eine sehr große Bedeutung – man denke nur an die Dreifaltigkeit, die Trinität, die Dreifachheit Gottes – als der Vater (Gott), der Sohn (Jesus) und der heilige Geist.

Über die Interpretation dieser Trinität hat sich schon so mancher Gedanken gemacht. Worin liegt ihre Logik? Worin liegt die Notwendigkeit einer solchen Dreifachheit? Hätte es nicht gereicht, nur von Gott zu sprechen?

Ich denke, auch in der Trinität kommt eben wieder dieses alles antreibende Element zum Ausdruck. Das Dritte – die Zahl Drei. Gott selbst, und sein Wesen, erschaffen die Antithese – Jesus. Jesus ist nicht, wie das Wort Antithese gemeinhin verstanden wird, ein völliger Gegensatz zu Gott, vielmehr ist er eine Gleichheit (EINHEIT und Kampf der Gegensätze). Doch sein Schicksal entwickelt sich auch aus einer seinem Vater gegenüber gegensätzlichen Position. Er muss sein leidvolles Schicksal auf sich nehmen, und darf sich dessen nicht entheben. Erst daraus ergibt sich das Neue – repräsentiert auch durch den heiligen Geist, der in allem ist, und dessen Wirken wir erst durch das Wahrnehmen der Gegensätze spüren. Es ist uns nur gegeben die Dinge zu sehen, das Einzelne – das eine und das andere. Das Dritte kommt durch uns selbst in die Welt, denn wir sind (spirealistisch gesehen) nicht die Beobachter der Schöpfung, sondern ihre Elemente.

These Antithese Synthese

Diese Verbindung der Gegensätze in Einem – das ist auch das Grundverständnis der Dialektik (übrigens auch der Yin-Yang-Beziehung), eines geistigen Welt-Prinzips, aus dem sich in der Verbindung gegensätzlicher Positionen das Neue ergibt. Das Wichtige an diesem Gedanken ist die Verbindung. Anders ausgedrückt: Gegensätze, die nicht miteinander verbunden sind, erschaffen nicht. Die Zahl Drei als das Resultierende kann nur aus dem Zusammenwirken von Gegensätzen entstehen. Ohne Eins und Zwei keine Drei.

 

Nebenbemerkung: In der spirealistischen Sichtweise ist alles mit allem verbunden, etwas Einzelnes im eigentlichen Sinn kann es nicht geben. Daher ist, wenn man einmal diesen spirealistischen Grund-Gedanken verinnerlicht hat, die Sichtweise auf das Einzelne, die einem so oft in der materialistischen Weltanschauung begegnet, recht merkwürdig. Vielmehr wird die Sicht auf das Einzelne transformiert zu einem Bewusstsein für die Tatsache, das jedes Ding vielfältig und symbolhaft in seinem Wesen ist.

Doch ist es nun einmal so, dass es dem Menschen nur gegeben ist, das Einzelne wahrzunehmen, in einem Gedanken … repräsentiert durch die Dinge, oder durch die Zahl Eins. Die uns manchmal paradoxe Verbindung zu etwas Drittem, das in allem ist, aufzudecken, ist der Kunst vorbehalten, in ihren Ahnungen und Visionen.
Weiterlesen: Artikel Die Zahl Drei

Siehe auch: Antithese – nicht völlig gegensätzlich

 

Die Zahl Drei was last modified: Mai 28th, 2016 by Henrik Geyer

Antithese – nicht völlig gegensätzlich

These, Antithese und Synthese als geometrische Figur / Vektor

Die Antithese ist in der Dialektik die der These entgegenwirkende geistige Kraft. Dass die Antithese nun nicht wirklich gegensätzlich zur These ist und sein kann, ist das Thema dieses Artikels.

Aus These und Antithese erfolgt die Synthese

In anderen Artikeln hatten wir das dialektische Konzept anhand der Zahlen Eins, Zwei und Drei besprochen.

Siehe auch: Artikel Die Zahl Zwei

Nennen wir die Eins die These, die Zwei die Antithese, dann ist die Drei die Synthese.

Die Synthese vereint die (scheinbaren) Gegensätze, und bildet daraus das Neue, das Dritte – das, was niemals eindeutig das Eine ist, und auch nicht das Andere.

In der obigen Grafik habe ich das dargestellt in einem geometrischen Konzept – dem von Vektoren, und wie sie sich in der zweidimensionalen geometrischen Vorstellung addieren. Aus zwei Vektoren wird immer etwas Drittes, der dritte Vektor (rot), als Synthese enthält er Anteile aus These und Antithese … aber er geht nie in dieselbe Richtung.

These und Antithese stehen in einer Verbindung

Dass These und Antithese vielmehr eine Verbindung sind, als ein Gegensatz, kann man sich so vorstellen: Man stelle sich zwei Planeten im Weltall vor, die viele Lichtjahre voneinander entfernt sind. Angenommen auf jedem dieser Planeten gäbe es einen Politiker, der eine These vertritt, die der These des anderen Politikers auf dem anderen Planeten widerspricht. Aus einem solchen Gegensatz, in dem die Elemente nicht zusammenkommen können, kann nicht der das Dritte erschaffende Gegensatz entstehen.

Die Tatsache, dass die Politiker in einem logischen Zusammenhang (den wir als Raum und Zeit sehen) vereint sind – das ist das verbindende Element von These und Antithese.

Mark Aurel (Mark Aurel – Stoiker, aus: Selbstbetrachtungen)

„Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten. Nahezu nichts ist sich fremd. Alles Geschaffene ist einander beigeordnet und zielt auf die Harmonie derselben Welt. Aus allem zusammengesetzt ist eine Welt vorhanden, ein Gott, alles durchdringend, ein Körperstoff, ein Gesetz, einVernunft, allen vernünftigen Wesen gemein, und eine Wahrheit, so wie es auch eine Vollkommenheit für all diese verwandten, derselben Vernunft teilhaftigen Wesen gibt.“

 

Die Antithese kann nicht der These genau entgegengesetzt sein

Anders als der Begriff ANTI-These vermuten lässt, ist die Antithese nie die genaue Negierung der These. Dass sie in einem Zusammenhang mit der These stehen muss, im Grunde in dieselbe Richtung geht, um etwas Drittes hervorzubringen, zeigt These und Antithese heben sich aufbereits, dass sie im Grunde dem selben Bedeutungsraum entstammt. Nur uns Menschen erscheinen die Gegensätze wie total, doch im Sinne einer unbegrenzten Möglichkeit an Variationen (das Unendliche), ist das, was wir wahrnehmen können, eigentlich durch große Gleichartigkeit geprägt. Wieder als geometrische Vektor-Darstellung ausgeführt, kann man sich völlig gegensätzliche Widersprüche vorstellen wie zwei Kräfte, die in genau gegensätzliche Richtungen wirken. Sie heben sich auf – es resultiert: Null. Keine Kraft, kein Ergebnis.

Aus spirealistischer Sicht ist ein solches Sich-Aufheben in mehrfacher Hinsicht unmöglich.  Denn erstens definiert der Spirealismus den Urgrund der Welt als geistig – und er definiert, dass die Gedanken immer unterschiedlich sind. Sie können daher mit einer Wahrscheinlichkeit Null irgendetwas Bestimmtes sein – und können auch nur mit einer ebensolchen (Un-)wahrscheinlichkeit das genaue Gegenteil von etwas anderem sein.

Lesen Sie auch: Beitrag Was ist das Nichts?

Zweitens sieht der Spirealismus „die Welten“ aus den Gedanken entstehen. Ein Stillstand, ein Sich-Aufheben der Gedanken wäre nicht wahrnehmbar. Der Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung, nicht dessen Beobachter.

Die Antithese als Verbindung – ist das wahrnehmbar? Beispiele

Nun ist uns Menschen nun einmal das Einzelne das, was wir sehen können. Wir nehmen „die Dinge“ als getrennt voneinander wahr, als immer einzeln. Können wir auch wahrnehmen, dass sie im Unendlichen miteinander Verbindungen eingehen?

Ich denke das ist wahrnehmbar, als spirituelle Erfahrung, man könnte auch sagen als Erfahrung von Kunst, als Vision …

Als Beispiel kommt  mir der Song „Brothers in Arms“  von den Dire Straits in den Sinn – in dem die Waffenbrüder jene Soldaten sind, die sich auf verschiedenen Seiten der Front gegenüberstehen. Wer würde den anderen bekriegen, wenn eine Front fehlte? Wer wüsste besser um die Leiden des Waffenbruders, wenn nicht der Soldat auf der anderen Seite? Wer wäre so gesehen mehr ein Bruder im Geiste? Wer würde die Heldentaten des anderen unmittelbarer sehen, wer wüsste sie mehr zu schätzen? Brothers in Arms – ein sehr bewegender und wahrer Song, dessen Wahrheit sich mehr als Gefühl erschließt, denn als offensichtliche Tatsache.

 

Oder ein weiteres Beispiel:

Es ist im Spirealismus die (sicherlich schwer vorstellbare) Supersubjektivität – eben dieses dritte Element, das aus uns selbst entsteht, wo wir doch meinen, völlig voneinander unabhängige Individuen zu sein. Supersubjektivität als Beispiel: man stelle sich ein ein eigenständig denkendes Bewusstsein der Menschheit vor; die einzelnen „Gehirnzellen“ – das sind wir Menschen. Bei dieser Vorstellung geht es übrigens gerade nicht darum, ob wir uns das vorstellen können, sondern wie dieses Dritte in der Außenwirkung aussähe. Angenommen wir wären in der Rolle von Außerirdischen, die die Erde besuchen, und finden dort ein Lebewesen vor, das aus vielen Zellen besteht – es nennt sich selbst „Menschheit“ und seine Zellen, das sind sogenannte „menschliche Individuen“.

Oder, umgekehrt, wir sehen uns mit demselben „Außenblick“ einmal selbst an – unsere Körper-Zellen, die alle für sich, und eigenständig leben, sind durch ein unsichtbares Band eines Sinnes verbunden, der aus allem wieder eins macht: das Ich.

 

Dieses unsichtbare Band verbindet These und Antithese … es sind nie wirkliche Gegensätze.
Lesen Sie auch: Beitrag das Eine und das Andere

Weiterlesen: Beitrag Sind die Gedanken bei den Dingen? Ist das Denken von den Dingen gleich den Dingen?

Lesen Sie auch: Beitrag Änderung der persönlichen Realität als Änderung des Universums

Antithese – nicht völlig gegensätzlich was last modified: Juni 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Die Zahl Zwei

die Zahl Zwei

Was ist das Geheimnisvolle an der Zahl Zwei? Gibt es überhaupt ein Geheimnis, oder ist alles bereits sonnenklar?

Bitte auch lesen: Artikel Die Zahl Eins

Das eine bedingt das andere

Wie im Artikel zur Zahl Eins bereits erläutert, ist es das Wesen des Denkens, immer in Objekten (eins) zu denken. Ich nenne dies (spirealistisch) objekthaftes Denken – der Begriff objekthaftes Denken benennt die Rätselhaftigeit dieser Tatsache – wir denken stets in Objekten, so als seien diese völlig abgeschlossen, jedoch können wir in der Beschreibung irgendeines Objektes nie zu einem Ende kommen. Es ist also gar nicht eindeutig abgrenzbar.

Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Wilhelm Busch

 

Haben wir uns einmal mit dieser Tatsache abgefunden, so ergibt sich aus dem Bestehen von Objekten die Notwendigkeit, dass diese sich unterscheiden mögen, von etwas anderem. Es entsteht „das Andere“.

In der griechischen Antike entstand der philosophische Grundsatz:

Die Grenze des einen Dinges ist zugleich die Grenze eines anderen Dinges.
Anaximander, griechischer Philosoph, (* um 610 v. Chr. ; † nach 547 v. Chr.)

Das Ich und das andere

Das Eine bedingt das Andere … bedeutet spirealistisch gesehen (im Spirealismus ist alles eine Relation – es gibt nichts Einzelnes): ein Objekt das wir vor uns sehen, wie ein Glas Wasser beispielsweise, braucht das Andere, um „da“ sein zu können. Es braucht die Relation, es ist nur „existent“ als Relation – wie alles.

Genauso kann man das Enstehen des Ich sehen. Es ist selbst, spirealistisch gesehen, ein „Objekt des Denkens“, und ist eine Relation zu den Dingen, die es in seinem Außen wahrnimmt.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

These und Antithese – Dualität

In der Philosophie kennt man die These – Antithese Relation, die als Ergebnis die Synthese hervorbringt. Es ist der die Welt antreibende Konflikt zwischen den ewigen Opponenten, den Meinungen, den Feinden, den Streitthemen, die im nie enden wollenden Kampf miteinander das Neue erzeugen.

These und Antithese, verstanden als der Unterschied, können nie enden, nie aufhören sich zu bilden. These und Antithese sollte man dabei übrigens nicht als VÖLLIG gegensätzlich verstehen – eher als Variation ein- und desselben. Denn die Verbindung von These und Antithese innerhalb desselben Themas (was schließlich die Synthese erst ermöglicht) ist bereits eine sehr enge Eingrenzung.

Siehe auch: Beitrag Antithese – nicht völlig gegensätzlich

These und Antithese sind im übertragenen Sinn die Temperaturunterschiede der Thermodynamik, die Gravitationsunterschiede des Weltalls, die, würden sie enden, das Ende jeder Bewegung, das Ende jeder Entwicklung bedeuten würden. Eine solche Vorstellung eines Endes gibt es in der Thermodynamik – hier fragt man sich, ob durch die immer weiter fortschreitende Gleichverteilung der Energie im Universum (Entropie) die Entwicklung des Universums irgendwann in einheitlichem Schwarz zum Stillstand kommen wird …

Doch, (zumindest für den Spirealismus) gilt: Eine solche Entropievorstellung ist falsch. Erstens weil es kein objektives Außen gibt, das jenseits des Denkens zwangsläufige Prozesse beinhalten würde. Daraus folgt zweitens, dass der eigentliche Ursprung der Bewegung nicht die Unterschiede sind, die mit Entropie beschrieben werden. Anders gesagt: So lange es Eins gibt, muss es auch das Andere geben (verstanden als die Zahl Zwei) denn das Eine und das Andere sind nur als Relation existent.

Dualität

Dualität ist ein weiteres Wort, das im Grunde den selben Sachverhalt meint: die Notwendigkeit des Unterschiedes. Die Notwendigkeit des Sich-Verbindens, und auch des Ringens, der Verschiedenheit, ausgedrückt durch die Zahl Zwei.

Das Eine wäre ungeeignet, Triebfeder der Welten zu sein – es braucht den Unterschied, die Relation. Es braucht das Andere.

Verkörpert wird diese Tatsache auch durch das Yin und Yang des Taoismus – es sind einander entgegengesetzte Kräfte, die durch ihr Zusammenwirken und Gegeneinanderstehen das Grundprinzip der Welt formen.

Ohne das eine kann das andere nicht sein.

Die Zahl Zwei – Ouspenskys Visionen

P.D.Ouspensky hat in der ersten Hälfte des 20. Jhds psychologische / esoterisch-okkulte Versuche mit dem eigenen Bewusstsein unternommen, er beschrieb das in seinen Büchern. Er war dem Wesen des Rätselhaften auf der Spur, dessen Realisierung er überall wahrnahm. Mit Drogen experimentierend, versetzte er sein Bewusstsein in einen Zustand, in dem er Wahrnehmungen anderer Art hatte, als dies im Normalzustand der Fall ist. Seine Beschreibungen dieser Visionen sind spirituell-philosophische Glanzstücke.

In seinen dokumentierten Wachträumen thematisierte er unter anderem die fundamentale Wichtigkeit des antreibenden Prinzips, das mit der Zahl Zwei verbunden ist. Er beschreibt darin eine andere Sichtweise auf sein Ich, das sich auflöste, und mit ihm ein Teil der Relationen, die die Welt so fest erscheinen lassen, aus denen die Welt erst  entsteht ….

Zitat:

Ouspensky, A new model of the universe

What I first noticed, simultaneously with the ” division of myself into two “, was that the relation between the objective and the subjective was broken, entirely altered, and took certain forms incomprehensible to us. But ” objective ” and ” subjective “ are only words. I do not wish to hide behind these words, but I wish to describe as exactly as possible what I really felt. For this purpose I must explain what it is that I call ” objective ” and ” subjective “. My hand, the pen with which I write, the table, these are objective phenomena. My thoughts, my mental images, the pictures of my imagination, these are subjective phenomena. The world is divided for us along these lines when we are in our ordinary state of consciousness, and all our ordinary orientation works along the lines of this division.

Was ich zuerst bemerkte war, das im selben Moment der Teilung meines Ich in zwei, die Beziehung zwischen Objekt und Subjekt zerbrach, völlig geändert wurde, zu etwas uns völlig Unverständlichem wurde. Aber „objektiv“ und „subjektiv“ sind nur Worte. Ich möchte mich nicht hinter diesen Worten verstecken, sondern versuchen so genau wie möglich zu beschreiben, was ich fühlte. Zu diesem Zweck muss ich beschreiben, was ich unter „objektiv“ und „subjektiv“ verstehe.

Meine Hand, der Stift mit dem ich schreibe, der Tisch, das sind objektive Phänomene. Meine Gedanken, meine mentalen Bilder, die Bilder meiner Phantasie, dies sind subjektive Phänomene. Die Welt ist uns entlang dieser Linie geteilt, wenn wir uns im normalen Zustand des Bewusstseins befinden, und all unsere normale Orientierung funktioniert entlang dieser Trennlinie.

 

Aus dem einen folgt die Existenz des anderen. Doch damit aus These und Antithese, aus der Eins und der zahl Zwei, die Synthese entsteht, braucht es die Drei.

 

Ähnliches Thema: Die Zahl Drei

Siehe auch: Beitrag Der vierte Weg

Ähnliches Thema: Artikel Hoffnung – Frei von Hoffnung und von Furcht.

Die Zahl Zwei was last modified: Mai 25th, 2016 by Henrik Geyer