Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Alles hat mit allem zu tun. Metaphern beschreiben diesen Aspekt der Realität

Die Metapher – bildhafter Ausdruck. Wozu ist die Metapher gut? Wie äußert sie sich, und warum sagt man nicht einfach, was man wirklich sagen will?

Metapher als Umschreibung

Dies ist beispielsweise eine Metapher:

Die Menschheit ist ein Fluss des Lichtes, der aus der Endlichkeit zur Unendlichkeit fließt. (Khalil Gibran)

Der eigentlich betrachtete Gegenstand der Betrachtung, die Menschheit, wird im Verständnis des Lesers auf das Bild eines Flusses gelenkt.

Wozu? Um den Leser verwirren?

Der Grund ist, dass die Menschheit diesen Aspekt des Fließenden hat. Er ist im geläufigen Verständnis des Wortes Menschheit nicht enthalten, wodurch der Lesende spürt, hier etwas Neues und auch Wahres zu erfahren.

Einen Gegenstand unter einem anderen Aspekt als dem geläufigen zu sehen, bringt uns also sehr viel Erkenntnis und Verständnis.

Alles ist eine Metapher

Einmal mehr bleibt darauf hinzuweisen (auf diesem mindestens zur Hälfte philosophischen Blog), dass es Objektivität nicht gibt. Demzufolge existieren alle Begriffe in Eindeutigkeit nur in unserer individuellen Vorstellung.

Statt dessen ist jeder Begriff ist mit jedem anderen kombinierbar; und jeder Begriff geht erst aus einer Kombination anderer Begriffe hervor.

Metapher und Kausalität – alles ist mit allem verbunden

Es ist das Wesen des alles hervorbringenden Denkens, dass es das Einzelne nicht geben kann. Alles sehen wir aus etwas anderem hervorgehen. Alles steht in Verbindung mit allem anderen.

Das ist zugleich das Wesen unseres kausalen Verständnisses jedes Dinges: Es hinge ab von etwas anderem.

Ebenso bildet jeder Begriff, neben einen anderen gestellt, eine zumeist kreative und interessante Verbindung.

So ziemlich jede Kombination von Begriffen trägt auch eine Art von Wahrheit in sich.

  • Die Menschheit könnte man auch als eine Blume bezeichnen, die wächst, eine Reife erlebt, vielleicht auch endet.
  • Man könnte die Menschheit auch in eine metaphorische Verbindung mit einer Uhr bringen, weil  ihre äußerlichen Zeichen den Stand ihrer Entwicklung angeben.

etc..

Symbolhaftes Denken und Metapher

Materialismus – Welt der Eindeutigkeit

Dass alles in Verbindung mit jedem anderen Ding steht ist andererseits nicht das Wesen der materialistischen Weltanschauung, mit ihrer Eindeutigkeit, ihrer Objektivität. Aus ihrer Sicht erscheint metaphorisches Denken wie eine trickreich-amüsante Geschicklichkeit ohne größeren Nutzen.

Metaphern ersinnen

Doch die Quelle für Metaphern ist symbolhaftes Denken. Das In-Verbindung-Bringen von Dingen, die für den „realistisch und geradlinig Denkenden“ nicht zusammengehören. Symbolhaftes Denken bedeutet, es für normal zu halten, dass gedankliche Verbindungen prinzipiell in allem bestehen können – oder jederzeit hergestellt werden können.

Metaphorisches Denken geht aus einem Gefühl hervor, nämlich dem, dass die sogenannte Realität nicht eindeutig ist. In den unendlichen begrifflichen Verbindungen liegen Welten jenseits des normal Sichtbaren.

Siehe auch: Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken

der Nutzen der Metapher

Der Nutzen der Metapher erscheint damit hinreichend beschrieben. Die Metapher beschreibt die Realität genauer, als es das „eindeutige, realistische und geradlinige Denken“ vermag. Die Metapher macht einen Aspekt der Realität deutlich, den man ohne weitere Beschreibung, im Wort selbst, nicht finden kann..

Die Metapher beleuchtet anders, manchmal neu.

Die Metapher eröffnet Welten der Phantasie und der Assoziation. Die Metapher ist ein Türöffner zu neuen und ungewöhnlichen Verständnis-Welten.

 

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Lesen Sie auch: Materialismus – was ist das?

Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken? was last modified: April 6th, 2016 by Henrik Geyer

Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken

Symbolismus der Astrologie: Sternzeichen Fische, Zodiac Sign Pisces

Was ist ein Symbol?

Ein Symbol ist ein Zeichen, das für etwas anderes steht. Beispielsweise ist ein Symbol für Deutschland die deutsche Flagge, ein literarisches/filmisches Symbol für Traurigkeit ist Regen, ein astrologisches Symbol ist beispielsweise ein Sternzeichen. So bezeichnet Symbolismus eine Form des Denkens. Symbolismus als ein Denken in Sinnbildern.

Worin liegt das Problem der Erklärbarkeit von Symbolismus?

Das Problem der Erklärbarkeit liegt im Grunde in der Abgrenzung. Was ist eigentlich kein Symbol?
Das ist gar nicht so einfach zu klären, wenn man Folgendes bedenkt:
1. Jede vorstellbare Sache kann zu einem Symbol gemacht werden. Ich kann es jetzt, in diesem Augenblick, selbst tun. Ich erschaffe ein Symbol, indem ich erkläre, dass Deutschland für Wertarbeit steht. Somit ist also nicht nur die deutsche Flagge ein Symbol für Deutschland, sondern das Bezeichnete selbst ist wiederum ein Symbol, oder kann zumindest so gesehen werden.
2. Abgrenzbar wäre Symbolismus, wenn man unter Symbolismus eine Art Lehre verstehen würde, die darlegt, welches Symbol für welchen Gegenstand steht.
Doch man kann Symbole ganz verschieden anwenden. Zum Beispiel kann Regen in einem Roman auch ein Symbol für eine Reinigung sein. Wer will also sagen, ein Symbol könne nur dies oder jenes sein?
3. Das Verstehen eines Symbols ist abhängig vom Verständnis desjenigen, dem ein Symbol gezeigt wird. Wenn z.B. auch ein Schriftsteller das Symbol Regen wie ein Zeichen für Traurigkeit einsetzen mag, so wird doch so mancher Leser darin auch die Reinigung sehen, oder dem überhaupt eine andere Bedeutung geben. Wer will also den gesamten Bedeutungsumfang eines Symbols bezeichnen, doch wissend, dass dieser Bedeutungsumfang all das umschließen müsste, was alle Menschen darin sehen?

Symbolhaftes Denken

P.D.Ouspensky, Schriftsteller und Esoteriker, bezeichnete Symbolismus als eine Art und Weise des Denkens, und zwar eines Denkens, das in den Dingen immer Symbole sieht. Er schrieb, dass diese Denkweise in unserer ach so bestimmten Welt, die glaubt, in einer Sache immer nur eins sehen zu können, diese Fähigkeit abhanden kommt. Die Fähigkeit des symbolhaften Denkens zurückzuerlangen, sei ein äußerst schmerzhafter und langwieriger Lern-Prozess.
Ein Zitat, das meiner Ansicht nach sehr schön das Wesen des symbolhaften Denkens erklärt, ist das Folgende: „Jahrelang hatte ich den irrigen Grundsatz der Maler, man müsse die äußere Natur studieren, um künstlerisch schaffen zu können, stumpfsinnig nachgebetet und befolgt; erst, seit Hillel mich in jener Nacht erweckt, war mir das innere Schauen aufgegangen: das wahre Sehenkönnen hinter geschlossenen Lidern, das sofort erlischt, wenn man die Augen aufschlägt, – die Gabe, die sie alle zu haben glauben und die doch unter Millionen keiner wirklich besitzt.“ (aus: „Der Golem“ von Gustav Meyrink)

Resümee

Die vielen symbolistischen Speziallehren, sei es Astrologie, Tarot, Flaggenkunde oder Wappenkunde, sogar die Symbole des Periodensystems der Elemente, sehe ich als Erscheinungsformen eines umfassenden Prinzips. Diese Erscheinungsformen lassen das eigentliche Prinzip dabei zur Unkenntlichkeit verblassen. Denn das Prinzip selbst hat letztlich nichts mit einer ganz bestimmten Aussage zu tun – weder mit einer Flagge, noch mit einer Spielkarte, noch mit einem Stern. Es ist vielmehr eine unerschöpfliche Quelle, eine Quelle, die alle Deutungen hervorbringen kann.
Ich sehe Symbolismus als eine Denkweise, die sehr verwandt ist mit Spiritualität, und von dieser nicht zu trennen ist. Denn Spiritualität ist Sich-dem-Innen-zuwenden, dem Geist. Das „wahre Sehenkönnen hinter geschlossenen Lidern“, das Sehen der Dinge, die hinter den Dingen stehen, ist nicht möglich, wenn man sich nur auf ein Außen konzentriert.

Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer

Tarot: Der Mond. Symbolismus des Ouspensky

Tarot: der Mond. Symbolismus der Tarotkarte "Der Mond"

Tarot: Der Mond

Tarot: Der Mond – diese Karte steht für das Geheimnisvolle.

Was Tarot so besonders wertvoll macht, ist sein Symbolismus. Der Ausdruck der Karten ist verschlüsselt in Sinnbildern. Diese Sinnbilder haben eine starke suggestive Wirkung – sie sind aber keineswegs „klar“. Was eine Tarotkarte bedeutet, ist abhängig von Demjenigen, der sie sieht.

Was ist Symbolismus?

Symbolismus ist für mich sehr wichtig. Symbole sind Zeichen, die für etwas (anderes) stehen. Symbole sind im Ursprung Zeichnungen. Aber man bedenke: Auch Worte sind Symbole. Chinesische Schriftzeichen sind zum Beispiel im Ursprung Zeichnungen, die zu Schrift wurden. Das ist auch heute noch an den chinesischen Schriftzeichen gut zu erkennen.

Kalligraphie ist Schrift, die zu einer Zeichnung bzw. Malerei wird. So sind schließlich Worte auch Symbole. Sie stehen für etwas. Doch sehen wir genauer hin, stehen sie immer für Vieles, das in seiner Vielfalt letztlich nicht begrenzbar ist. Symbolismus ist also die Frage nach den Bedeutungen in den Zeichen und Dingen. Symbolismus ist zugleich die Anerkenntnis der Tatsache, dass sich vielfältige Bedeutungen in allem finden lassen, was der Geist zu erfassen vermag.

Die Vorstellung, dass ETWAS für ETWAS ANDERES steht, das sich selbst nicht anders definieren lässt, ist eine materialistische Vorstellung. Dem Materialismus zufolge sind die Dinge in Eindeutigkeit in Materie definiert – so dass der Geist sie nur spiegelt. Der Materialismus setzt daher voraus, das Vorgestellte und das Reale seien strikt auseinander zu halten. Daher gäbe es stets nur EINEN „richtigen“ Namen für jede Sache, ebenso wie EINE „richtige“ Beschreibung. Symbole seien daher etwas anderes als jeder normale Begriff.

Doch – können wir denn tatsächlich so gut unterscheiden, zwischen dem, was die Dinge „wirklich“ sind, und dem, was sie letztlich nur durch unseren Blick auf sie sind? Und die vielfältigen (anderen) Bedeutungen, die so jederzeit entstehen können? Nach meiner Auffassung nicht. Daher ist ALLES auch ein Symbol. ALLES steht auch für etwas anderes. NICHTS kann man nur auf eine Art sehen. ALLES hat unendliche Aspekte. ALLES ist auch symbolhaft. Zitat Goethe: Jedes Existierende ist ein Analogon alles Existierenden; daher erscheint uns das Dasein immer zu gleicher Zeit gesondert und verknüpft.

Es kann zu einer Denkgewohnheit werden, die Bedeutungen hinter den Namen zu erfragen, die Dinge, hinter den Symbolen. Das gilt für jede Sache. Der Denk-Reichtum vieler Welten erwächst daraus. Ganz im taoistischen Sinn: Die Welt ist eine Welt aus zehntausend Namen. Welche Namen finde ich noch? Welche Welten finde ich noch? Was bedeutet irgendein Wort oder eine Sache… für mich?

Eines der bekannteren Bücher Ouspenskys heißt „Symbolismus des Tarot“. Das Kartenspiel Tarot hat starke Symbole. Symbole, die das kollektive Unterbewusstsein ansprechen. Das bedeutet – jeder kann der suggestiven Kraft dieser Symbole nachspüren, und wird sicher fündig werden.
Hier meine Übersetzung der Ouspensky-Interpretation der Karte Tarot: Der Mond. Und hier auch meine bildliche Umsetzung.

Ouspensky: Der Symbolismus des Tarot: Der Mond

Eine öde Ebene erstreckte sich vor mir. Der Vollmond schaute auf mich, in überlegender Zögerlichkeit. In ihrem schwankenden Licht lebten die Schatten ihr eigenes, merkwürdiges Leben.

Am Horizont sah ich blaue Berge. Durch sie hindurch, fern am Horizont, wand sich ein Pfad, der zunächst zwischen zwei grauen Türmen hindurch verlief. Auf beiden Seiten des Pfades saßen ein Wolf und ein Hund, die den Mond anheulten. Ich erinnerte mich, dass Hunde an Diebe und Geister glauben. Ein großer schwarzer Krebs kroch aus einem Bach in den Sand. Schwerer, kalter Tau senkte sich herab.

Furcht befiel mich. Ich spürte die Gegenwart einer unheimlichen Welt, einer Welt von feindlichen Seelen, eine Welt von Leichen, die Gräbern entsteigen. Eine Welt von irrlichternden Geistern. In diesem fahlen Mondlicht konnte ich die Gegenwart von Geisterscheinungen spüren. Manche beobachteten mich aus der Ferne, noch von jenseits der Türme. Und ich wusste, es würde gefährlich sein, zurückzuschauen.

Ouspensky: The Symbolism of the Tarot – The Moon

A desolate plain stretched before me. A full moon looked down as if in contemplative hesitation. Under her wavering light the shadows lived their own peculiar life.

On the horizon I saw blue hills, and over them wound a path which stretched between two grey towers far away into the distance. On either side the path a wolf and dog sat and howled at the moon. I remembered that dogs believe in thieves and ghosts. A large black crab crawled out of the rivulet into the sands. A heavy, cold dew was falling.

Dread fell upon me. I sensed the presence of a mysterious world, a world of hostile spirits, of corpses rising from graves, of wailing ghosts. In this pale moonlight I seemed to feel the presence of apparitions; someone watched me from behind the towers,—and I knew it was dangerous to look back.

Tarot: Der Mond. Symbolismus des Ouspensky was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer