Lass andere anders sein

Bleib bei dir selbst. Und lass andere anders sein.

Bedenke, dass Andere anders sein müssen. Das ist die Definition unserer Welt – sie muss Vieles enthalten. Sie kann nie Eins werden.

Dass man andere beeindrucken möchte, dass man andere von den eigenen Konzepten überzeugen möchte, dass man andere anziehen möchte, das ist so natürlich, wie eine Masse eine andere anzieht. Durch die Massenanziehung entsteht die Erdenschwere, auch Gravitation genannt. Ebenso entsteht aus der Sucht, überzeugen und beeindrucken zu wollen, eine Schwere des Lebens.

Im Persönlichen ist es oft besser, zu schweigen und zuzuhören. Denn in anderen ist genau dieselbe Suche nach Zustimmung wie in dir. Schweigst du, wird der Eindruck von Einfühlsamkeit und Zuhören entstehen. Zuhören ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Weil sie so selten ist, ist sie ist sehr gesucht; der Bedarf ist nahezu unerschöpflich.

Und, sofern der Eindruck von Einfühlsamkeit täuscht, weil dein Zuhören zuerst lediglich auf der eben beschriebenen Technik beruht: Dein Einfühlungsvermögen wird wachsen, mit der Zeit, und zwar durch die Technik.

Bedenke, dass du schweben kannst – du kannst dich der Gravitation entziehen, wenn du verstehst,  dass die Suche nach der Gemeinsamkeit in allen Menschen ist, als ihr Grundgesetz. Und dass sie trotzdem niemals völlig zusammenkommen können. Daher ist es ein ganz zweckloser und aussichtsloser Kampf, eine Sucht sogar, andere stets von den eigenen Überzeugungen unterrichten zu wollen, andere bereden zu wollen, sie über-reden zu wollen.

Lass andere anders sein was last modified: Januar 17th, 2018 by Henrik Geyer