Lass andere anders sein

Bleib bei dir selbst. Und lass andere anders sein.

Bedenke, dass Andere anders sein müssen. Das ist die Definition unserer Welt – sie muss Vieles enthalten. Sie kann nie Eins werden.

Dass man andere beeindrucken möchte, dass man andere von den eigenen Konzepten überzeugen möchte, dass man andere anziehen möchte, das ist so natürlich, wie eine Masse eine andere anzieht. Durch die Massenanziehung entsteht die Erdenschwere, auch Gravitation genannt. Ebenso entsteht aus der Sucht, überzeugen und beeindrucken zu wollen, eine Schwere des Lebens.

Im Persönlichen ist es oft besser, zu schweigen und zuzuhören. Denn in anderen ist genau dieselbe Suche nach Zustimmung wie in dir. Schweigst du, wird der Eindruck von Einfühlsamkeit und Zuhören entstehen. Zuhören ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Weil sie so selten ist, ist sie ist sehr gesucht; der Bedarf ist nahezu unerschöpflich.

Und, sofern der Eindruck von Einfühlsamkeit täuscht, weil dein Zuhören zuerst lediglich auf der eben beschriebenen Technik beruht: Dein Einfühlungsvermögen wird wachsen, mit der Zeit, und zwar durch die Technik.

Bedenke, dass du schweben kannst – du kannst dich der Gravitation entziehen, wenn du verstehst,  dass die Suche nach der Gemeinsamkeit in allen Menschen ist, als ihr Grundgesetz. Und dass sie trotzdem niemals völlig zusammenkommen können. Daher ist es ein ganz zweckloser und aussichtsloser Kampf, eine Sucht sogar, andere stets von den eigenen Überzeugungen unterrichten zu wollen, andere bereden zu wollen, sie über-reden zu wollen.

Lass andere anders sein was last modified: Januar 17th, 2018 by Henrik Geyer

Suche nach Kreativität – Wie ich zum Schreiben kam

Suche nach Kreativität - Wie ich zum Schreiben kam

Wie kam ich zum Schreiben? Es war eine Suche nach Kreativität … ich fragte mich: Was ist Kreativität, wie drückt sie sich aus? Was ist wirklich neu in der Welt?

In „Alles ist Geist“ beschrieb ich eine persönliche Erfahrung, die ich so formulierte: „Das Denken ist die Realität“ – sie steht im Gegensatz zu: Das Denken spiegelt die Realität wieder. Eine Facette dieser Überlegung ist: Was ist etwas völlig Neues? Was ist kreativ – schöpferisch im eigentlichen Sinn?

Weil die Überlegung „Das Denken ist die Realität“ zu diesem Zeitpunkt mein Leben neu formte, war es mir wichtig, der Frage nach Kreativität auf die Spur zu kommen.

Was ist der Knackpunkt?

Die Frage „was ist Kreativität“ wird vielen vielleicht nicht besonders interessant erscheinen – ist denn nicht bereits bestens bekannt, was Kreativität ist??

Für mich nicht. Ein sehr treffendes Arthur-Schopenhauer-Zitat formuliert, was hinter der Frage steckt:

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.

Schopenhauer weist damit auf die Tatsache hin, dass doch vieles von dem, was wir als „persönliches Wissen“ zu haben glauben (so als hätten wir es selbst entdeckt und wüssten es daher ganz zuverlässig), übernommen ist, oft aus letztlich nicht benennbaren Quellen.

Wir reden die Dinge zwar wieder und wieder, glauben an eine besondere Beweiskraft wenn viele Menschen dasselbe sagen. Doch – wie Schopenhauer es formuliert – welche Beweiskraft hat die Stimme von hundert Millionen Menschen wirklich? Letztlich keine besondere – alles führt zurück auf eine subjektive Sichtweise.

Was ist nun auch Kreativität eigentlich, wenn „der eine vom anderen nur abschreibt“, anders ausgedrückt: die vorgefundenen geistigen Inhalte übernimmt und bestenfalls neu formt?

(Schopenhauer bezieht sich in dem Zitat auf Geschichtsschreibung, aber was er sagt, gilt letztlich für jeden Wissensbereich. Man denke an die Wissenschaft, oder bereits an die Sprache selbst, in der die Bedeutungen all dessen, was sagbar ist, bereits vorgegeben sind. Was genau ist völlig „neu“?)

Suche nach Kreativität – Neugierde auf Schöpfertum

Ich wollte ein Buch schreiben und mir selbst diese Frage beantworten. Ich begann zu schreiben. Weil das Zentrum meines Interesses damals das Nachdenken über die Welt war, war es ein philosophisches Buch, das da entstand; es war „Alles ist Geist“.

Das Thema, so fühlte ich, war in dieser Form nur in mir – das war es auch, was ich wollte. Allbekanntes neu zu formulieren, kam mir nicht interessant genug vor – es schien auf der Suche nach Kreativität auch nicht wirklich weiter zu führen. Es sollte auch kein Fantasy-Buch sein; als nützlich und interessant empfand ich Philosophie.

Siehe auch Artikel zum Thema: Ist Philosophie Wissenschaft? Warum Philosophie die wichtigste Wissenschaft ist.

Es dämmerte mir allerdings erst nach und nach, dass der unwillkommene Umkehrschluss dieser Neuartigkeit ist, dass sich das Thema im Grunde dem normalen Verständnis entzieht. Der Spirealismus, den ich in „Alles ist Geist“ erstmalig formulierte, besagt selbst, dass Voraussetzung für ein wirkliches Verständnis ein fundamentales Neubegreifen der selbstverständlichsten Worte ist – eine „Überwindung des Materialismus“, wie ich es nannte. Aber welcher Leser will so etwas?

Zögerlich wurde mir klarer, wie schwierig es für den Leser ist, Begriffe jenseits des normalen Verständnisses (neu) aufzufassen, und wie selten man sich darauf einlassen wird. Mir wurde auch klar, dass diese Form der Kreativität den Nachteil hat, nicht besonders populär sein zu können. Denn bei aller Kreativität sucht der Lesende doch das Bekannte – und der Schreibende sucht letztlich den Lesenden.

Siehe auch Artikel zum Thema kreativ sein : Kreativ sein – die 80 % Regel

Jedoch wurde durch meine ganz praktisch angegangene Suche nach Kreativität tatsächlich bewusster, was Kreativität überhaupt ist und wie man sie lebt.

Suche nach Kreativität – Wie ich zum Schreiben kam was last modified: Februar 10th, 2016 by Henrik Geyer