Die semantische Natur der Dinge

Die semantische Natur der Dinge

In diesem Beitrag soll die semantische Natur der Dinge besprochen werden, und natürlich die Frage, was überhaupt die Sprache und die Dinge miteinander zu tun haben – denn man meint ja meist, die Sprache würde die Dinge nur beschreiben.

Es gibt keine Objektivität – was sind die Objekte, die wir vor uns sehen?

In diversen Beiträgen habe ich die spirealistische Grundüberzeugung „Es gibt keine Objektivität“ ausgeführt, begründet, dargelegt.

Mit dem Fehlen der Objektivität fehlt dem Spirealismus der „Betrachtungsgegenstand“, den man in der materialistischen Sichtweise das „Objekt“ nennt, oder das „objektive Außen“, oder die „Materie“, oder auch die „Realität“.

Es fragt sich im Spirealismus, wo als Quelle der Existenz lediglich das Subjekt bleibt: Was beobachtet das Subjekt eigentlich? Was ist es, was es „sieht“?

Die Antwort des Spirealismus auf diese Frage ist: Das Subjekt beobachtet im eigentlichen Sinne nichts. Es kommuniziert, bzw. ist selbst Ergebnis einer Kommunikation. Der Sinn des Ausdrucks „etwas beobachten“ wäre herkömmlich, dass das Beobachtete unabhängig vom Beobachter ist – dies ist die Sichtweise der Trennung von Subjekt und Objekt; und die damit einher gehende stillschweigende Annahme, es gäbe überhaupt etwas, das von uns (Menschen), dem Beobachter, unabhängig wäre.

Aber eben das ist es ja, was der Spirealismus bestreitet.

Die Welten entstehen als Beziehungsgeflecht logisch aufeinander bezogener Begriffe.

Daher, immer wieder sagend und betonend: „Es gibt nichts, das zu beobachten wäre, das vom Beobachter unabhängig ist“ (eine Weiterentwicklung der Aussage „Es gibt keine Objektivität“), kommt der Spirealismus zu dem Schluss, dass die Vorstellungen von der Welt, und die Welt selbst, eins sind. Die subjektiven Welten entstehen nicht aus von uns unabhängigen Objekten, sondern als Beziehungsgeflecht logisch aufeinander bezogener Begriffe.

Wie gesagt: die äußerlichen Objekte fehlen. Eine Welt, die aus äußerlichen, von uns unabhängigen, Objekten gemacht ist, ist lediglich in unserer Vorstellung vorhanden. Die Voraussetzung für diese Vorstellung ist Geist – Geist ist somit nicht die Folge einer materiellen Anordnung (Gehirn) .

Woher beziehen wir also unsere Begriffe?

Angenommen, vor mir steht ein Glas Wasser. Was beobachte ich da? Ich gehe davon aus, dass es das Objektive nicht gibt. Was gibt es dann?

Die Antwort des Spirealismus ist: „Es gibt Geist!“ Der Geist ist das Primäre, nicht Objekte in einem Außen. Der Inbegriff des Wortes Existenz ist Geist, ist der Gedanke. Die Objekte kommen aus dem Geist – sie sind unsere Realität.

Da wir Menschen nur Elemente des Geistes sind, ist Geist durch uns zwar nicht weiter erklärbar,  aber die Materie ist ja letztlich durch uns auch nicht weiter erklärbar. Alle logischen Kausalketten enden im Nichts. Da wir nur gewohnt sind, uns gedanklich in der Mitte von Kausalketten zu bewegen, entgeht uns diese Kleinigkeit meist. Aber noch einmal: Alle Kausalketten enden im Nichts. Denken wir an den „Urknall“, der von uns herbeigedachte Anfang von allem. Hier entstand, so meinen wir, die Materie. Aber was war vorher, woher kommt die Materie nun eigentlich, etc..?

Selbst wenn wir die Kausalkette weiterführten, vor den Urknall, und beispielsweise hinzufügten: der Urknall entstand aus einem Ereignis oder einer Konstellation XYZ, verschiebt sich das Ende der Kausalkette, doch danach kommt immer noch und immer wieder: das Nichts. Das Enden der Kausalketten im Nichts wird nicht aus der Welt geschafft.

materielle Festigkeit in der Mitte der Kausalketten

Daher kann man doch, was ich die „Mitte der Kausalkette“ nenne, auch als das Zentrum eines Ich-Universums sehen. In ihm sind die Begriffe fest und eindeutig. Warum? Weil jeder Begriff durch ein unendlich scheinendes Netzwerk von anderen Begriffen gestützt wird. Das ist am Ende einer Kausalkette nicht der Fall.

 

Beispielsweise das Glas Wasser. Es wird gestützt durch die eindeutig scheinenden Begriffe „Glas“ und „Wasser“, für „Glas“ ließe sich ersetzend „Gefäß“ oder „Behälter“ verwenden, für „Wasser“ die Worte „Nass“ oder „Flüssigkeit“.

So erscheint der Begriff „ein Glas Wasser“ wie das Einfachste und Eindeutigste. Es erscheint wie etwas, das nicht anders möglich sei, das nicht anders beobachtet werden könnte. Man befindet sich ja nicht am Ende der Kausalkette. Man befindet sich im semantischen Zusammenhang nicht an einer Außengrenze, wo Begriffe und Vorstellungen fehlen, die die gegebene Vorstellung erklären oder ersetzen könnten.

Doch wenn man die Kausalkette bis ans Ende verfolgte, dann fragte sich, was dieses Glas und dieses Wasser eigentlich ist.. Eine objektive, endgültige Information darüber ist nicht zu erlangen – wie gesagt: was ist Materie? Was ist ein Atom? Das, was da vor mir steht, sei eindeutig, meint man zuerst, doch diese Vorstellung verschwindet, wenn sich die Vorstellung von Materie, von Atomen, etc.. verflüchtigt.

Man kann noch weiter überlegen: Das Zentrum eines Ich-Universums ist das Ich. Um das Zentrum herum sieht das Ich die Dinge, die Nicht-Ich sind. Alles, was nicht das Ich ist, erscheint dem Ich wie die Dinge außerhalb, die es beobachtet. Das Ich ist der „massivste Körper“ dieses Ich-Universums. Ohne diesen Ich-Körper sind alle Objekte des Ich-Universums nicht vorhanden – weil die wichtigste und immer vorhandene, man kann sagen „die das Universum begründende“ Relation, fehlt – es fehlt das Zentrum, in dem alle semantischen Zusammenhänge zusammenkommen.

Doch auch das Ich braucht die Dinge, die um es herum sind. Das Ich kann sich nur dann etablieren, wenn es Dinge um es herum gibt – denn das Ich ist, wie alle anderen Dinge auch, eine Relation. Man könnte sagen, das Ich definiert sich durch den Gegensatz – das Ich und die Dinge. Es benötigt daher Dinge, die zu ihm selbst relativ sind. In der Sprache des Materialismus hieße das: Dinge, die der Mensch beobachten kann; ohne sie ist er nicht vorhanden. Man kann sich das ganz greifbar machen, indem man sich vorstellt, dass ein Ich, das kein Aussehen hat, in keiner Zeit ist, um das herum keine Dinge sind, auch nicht existiert. Denn es könnte nicht unterscheiden: hier bin Ich, dort ist das Andere.

Daher sagt der Spirealismus: Es gibt nichts vom Beobachter Unabhängiges. Die Welt, die das Ich da vor sich entstehen sieht, entsteht als Relation, dessen zentraler Ankerpunkt das Ich ist. Und das bedeutet auch wieder: die Welt, die das Ich da vor sich sieht, ist individuell, und kann in dieser Form nur von diesem einen Ich gesehen werden. Das ist eben auch der Sinn des Wortes „Ich-Universum“. Das Universum gibt es nicht, außerhalb des Ichs, etwa in objektiver (eindeutiger) Form. Es gibt eben nur das Subjektive, nicht das Objektive.

Die semantische Natur der Dinge.

Die Semantik ist ein Teilgebiet der Sprachwissenschaften und beschäftigt sich mit sprachlichen Zusammenhängen. Es untersucht das Entstehen von Bedeutung aus Wortzusammenhängen.

Die vielfältigen Methoden und Aspekte der Sematik aussparend, ist das für mich Anziehende am Wort Semantik, so dass ich sagen kann „die Natur der Dinge ist semantisch“, folgendes:

  1. Der Spirealismus stellt fest, dass es eine objektive Außenwelt nicht gibt. Somit entstehen alle Begriffe die wir haben, und von denen wir eigentlich meinen, es seien Begriffe, die eine von uns unabhängige Außenwelt beschreiben, aus subjektiven Relationen.
  2. Das spirealistische Grundverständnis „Das Denken ist die Realität“ bedeutet, dass wir nicht trennen müssen, von dem, was wir über die Dinge denken, und den Dingen. Es ist ein- und dasselbe.
  3. Somit sind die Welten in uns ebenso semantischer Natur, wie unsere Sprache, die nur vermeintlich dazu dient, eine äußerliche Welt zu beschreiben. Die Welt ist unser Gedanke daran, und mithin auch das, was wir „über“ die Welt sagen.
  4. Semantik sieht jeden Begriff, jede Vorstellung, als einen Punkt innerhalb eines Beziehungsgeflechtes anderer Begriffe.  Wie gesagt: Was ein Glas Wasser ist, lässt sich nur beschreiben, mit den Vorstellungen unserer Welt. Die dem Begriff „Glas Wasser“ nächsten Begriffe sind „Glas“ und „Wasser“, aber es gehören ebenso alle Begriffe dazu, die wiederum „Glas“ und „Wasser“ begründen und beschreiben. Letzten Endes lässt sich kein Teil eines Ich-Universums sehen, das nicht damit zu tun hätte; nichts lässt sich einzeln sehen, kein Teil eines Universums ist gedanklich abtrennbar.

Lesen Sie auch: Beitrag Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt

Das ist es, was ich meine, wenn ich von der semantischen Natur der Dinge spreche.

Die Variationsmöglichkeiten der Begriffe sind stets unendlich – und sie variieren kontinuierlich. Die semantische Konstellation ändert sich ständig. So wie ein Text, der die Welt beschreiben soll, und der ständig andere Vorstellungen hervorbringt, weil er sich selbst ständig ändert. Der Text wird ständig neu geschrieben, neu formuliert.

Der sich ändernde Text – das sind wir selbst. In uns, in unseren Vorstellungen, fluktuiert und wabert die Welt, wandelt sich, wird ständig anders. Immer innerhalb des nicht begrenzbaren Beziehungsgeflechtes unserer Vorstellungen. Der Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung – nicht als Beobachter der Schöpfung.

Ändert sich beispielsweise unsere Vorstellung davon was ein Atom ist, ändert sich unsere Vorstellung von der Welt.

Die Sprache entsteht aus einem Kontinuum der Kommunikation

Wir sehen die Sprache als abgetrennt von anderen Phänomenen. So als sei es ein besonderes Privileg des Menschen, zu kommunizieren. Oder als sei die Sprache eine besondere geistige Leistung des Menschen, die sich dieser quasi „ausgedacht“ habe.

Doch der Spirealismus sieht die Sprache in einem Kontinuum, das die Kommunikation der Relationen fortsetzt, welche den Menschen erst erschafft – Geist. Es ist ja einer der grundlegenden Sätze des Spirealismus: „Alles ist Geist“ („Alles ist Geist“ ist zugleich das erste hermetische Prinzip). Das bedeutet, das sich der Geist, den wir so gern nur uns Menschen zurechnen, in allem wiederfindet, was uns umgibt.

Es ist nicht „unser“ Denken, was da gedacht wird, sondern es ist Denken, das vor dem Menschen da war, den Menschen selbst erst begründet, und den Menschen umgibt.

Ebenso wenig, wie das Gehirn des Menschen den Geist erschafft, erschafft die Sprache des Menschen die Kommunikation.

Die Sprache des Menschen bildet in ihrer Semantik das Wesen der Kommunikation ab – dieses Wesen ist die Verbindung, die Vernetzung. Und dies wiederum ist das Wesen aller Wissenschaft, aller Dinge, aller Natur. Insofern könnte man vom semantischen Wesen der Wissenschaft sprechen, der Mathematik etwa. Das Eine kommt nicht ohne das Andere aus. Die Definition der Zahlen erschafft die Möglichkeit der Differentialrechnung. Erst durch die komplexen Beziehungen entstehen die Welten der Wissenschaft, ohne an irgendeiner Stelle endgültig sein zu können.

Ähnlich wie der Philosoph Wittgenstein formulierte:

Die Arithmetik ist die Grammatik der Zahlen.
Ludwig Wittgenstein

könnte man das Gesagte über die „semantische Natur der Dinge“ in folgenden Gedanken fassen:

Die Welt ist die Semantik der Dinge

 

Hier noch ein weiterer Satz von Wittgenstein, der das Gesagte unterstreichen kann:

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

 

 

Siehe auch: Beitrag Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Siehe auch: Beitrag Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte?

 

Die semantische Natur der Dinge was last modified: April 11th, 2016 by Henrik Geyer

Objektivität – was ist das? Warum wir keine Objektivität finden

Objektivität - was ist das? Warum finden wir keine Objektivität?

Ein wichtiges Problem vieler Philosophen, der Naturwissenschaft, und auch des Spirealismus, ist die Frage nach Objektivität.

Für den Spirealismus gilt, dass er die Nichtexistenz von Objektivität voraussetzt. Wenn der Spirealismus nach Objektivität fragt, dann geht es für ihn eher darum zu zeigen, wie und warum der Eindruck von Objektivität überhaupt in die Welt kommt. Was verstehen die Menschen, wenn sie das Wort verwenden? Was ist eigentlich Objektivität und warum scheint sich das Fehlen von Objektivität dem Normalmenschen nicht zu offenbaren? Warum ist dieses Fehlen eine Spezialentdeckung von Wissenschaftlern und Philosophen, die wohl in jedem Jahrhundert erneut gemacht wird, sich aber dennoch nicht auf das Weltbild der Vielen auswirkt?

die Definition

Zunächst zur Definition: Was ist Objektivität? Hier die Definition aus meinen Studienzeiten: „‚Objektiv bedeutet außerhalb und unabhängig des menschlichen Bewusstseins.“

Manchem wird sofort auffallen: Was soll denn der Mensch formulieren, was dann wiederum unabhängig von ihm ist? Allein der gedankliche Ansatz wirkt schräg. Das wäre so, als wenn der Maulwurf formuliert, dass das, was er denkt, außerhalb und unabhängig vom Maulwurfsdenken sein soll. Das klingt absurd.

Ich denke, es reicht aus, zu sagen: „Objektivität ist eine Sichtweise unabhängig von subjektiv-menschlichem Denken.“

Auch das ist widersprüchlich genug, denn hier wäre nun die Frage: Wer kann, subjektiv sprechend, etwas Objektives formulieren?

siehe auch den Artikel objektiv-subjektiv .. was ist der Unterschied?

Objektivität als wichtiger Teil der materialistischen Weltanschauung

Objektivität ist ein Begriff der materialistischen Weltsicht, der zufolge der Mensch Beobachter einer außerhalb seiner selbst befindlichen Realität ist.  Er beobachtet aus einer Innensicht (subjektiv) Objekte in seinem Außen, die das Objektive in sich tragen; also eine Information, die „da“ ist, und die der Mensch durch sein Beobachten abruft.

Aus dieser Sicht heraus entwickelt der Materialismus das Verständnis, in den beobachteten Objekten sei Information bereits „vorhanden“, die einzigartig und genau bestimmbar sei. In den Objekten die er beobachte, liegt eine Begrenzung. Wie sonst sei es möglich, dass Menschen alle dasselbe beobachten? Die Objekte des Außen seien objektiv vorhanden.

Im Umgangssprachlichen wird das materialistische Weltbild selbstverständlicher Gegenstand der menschlichen Vorstellungen. Hier klingt „objektiv“ wie

  • „ganz genau“
  • „unbestreitbar“
  • „alle müssen das so sehen“

Interessant ist insofern der ewig währende Streit um das Objektive. Jeder glaubt im Besitz einer zwar subjektiv beobachteten, aber dann doch objektiven Wahrheit zu sein. Jeder bezeichnet sich als Realist, was die logische Schlussfolgerung in sich trägt, dass alle anderen weniger realistisch sind. Realismus wird verstanden als die unumgänglich „richtige“ Weltsicht.

Gegensatz: Sichtweise des Spirealismus

Der Spirealismus hat eine ganz andere Sicht auf die Information. Im Spirealismus wird die Information im Zuge der Beobachtung erzeugt. Im Spirealismus ist der Gedanke die eigentliche Existenz. Der Gedanke ist zugleich die Information.

Dass eine Welt entstehen könnte, wie wir sie vor uns sehen, dafür braucht es nicht die Welt materialistischen Glaubens. Sondern eine Welt, besser: Welten der Relation, Ich-Universen, können auch ganz anders entstehen.

Die oben gestellte Frage, warum Menschen immer dasselbe beobachten, beantwortet der Spirealismus so:

Tatsächlich beobachten die Menschen gar nicht immer dasselbe. Sondern, die Information ist immer einzigartig. Kein Gedanke ist genau wie der andere. Daher gibt es im Spirealismus auch keine Information, die genau gleich einer anderen wäre – und daher ist Information im Spirealismus auch nirgendwo einfach „abrufbar“. Ebenso wenig, wie es zwei Punkte in der Raumzeit gibt, die völlig gleich wären. Zwei Punkte in der Raumzeit, die völlig gleich sind, wären nicht zwei Punkte, sondern einer – ein- und derselbe nämlich.

Ebenso wenig gibt es zwei Personen, die an genau derselben Stelle stehen können, und ein Objekt in genau derselben Sichtweise sehen können. Die resultierende Information ist immer unterschiedlich.

Der Mensch selbst ist Ausdruck der Information. Er bildet keine Information ab, die er von Außen abrufen würde.

Was der Mensch „objektiv“ nennt, was so gemeint ist wie „nicht anders beobachtbar“, ist das Resultat einer kommunikativen Abstimmung. Im Spirealismus heißt das Supersubjektivität.

Objektivität im Alltag

Das Problem des Spirealismus ist, dass dies zu verstehen, im Allgemeinen fast unmöglich ist. Denn täglich sind die Menschen gewohnt, mit Zahlen und Daten umzugehen, die sie für unbestreitbar, objektiv, in jeder Sichtweise immer gleich, ansehen.

Daher ist es wichtig, über das Problematische am Begriff Objektivität zu sprechen. Inwiefern kann man sagen, dass niemals und nirgends eine Information auftreten kann, die völlig unbestreitbar ist?

In meinem Buch „Alles ist Geist“ habe ich das begründet, in dem ich mich, die Phantasie bemühend, aus der menschlichen Vorstellungswelt hinaustrete, und feststelle: Jenseits der menschlichen Vorstellungen gibt es nicht menschliches Begreifen. Was der Mensch innerhalb der Begriffe seiner supersubjektiven Anschauungen für selbstverständlich hält, ist außerhalb dieser Begriffe nicht vorhanden.

Die Suche nach Objektivität im „Ding and sich“

Oft können Philosophen sehr gut über Immanuel Kant, und dessen Frage nach dem „Ding an sich“, sprechen. Doch können sie auch verstehen, worum es dabei geht? Ich habe des Öfteren mit Philosophen darüber diskutiert. Während sie das Theoretische irgendwie gedanklich behandeln können, trennen sie meist die ganz praktische Frage davon ab, was man wohl vor sich habe, wenn man irgendeinen beliebigen Gegenstand vor sich sieht. Das hielten sie, jedenfalls so oft ich das besprach, für eine ganz andere Frage. Doch, darauf läuft die Frage nach Objektivität letztlich hinaus. Nämlich auf: Was formt die Welt, wenn es nicht objektive Informationen sind, die bereits in Form von Materie in einem Außen existieren? Was also sind die Dinge, die wir direkt vor uns haben? Was sind sie wirklich?

Denn das materialistische Weltbild sagt uns ja, wir würden die Informationen aus den „wirklich existierenden Dingen“ gewinnen. Und Immanuel Kant war der Meinung, die Dinge sind von unseren Vorstellungen nicht zu lösen. Er fragt: was also sind die Dinge „an sich“, jenseits der Vorstellungen? Man kann es benennen. Aber man kann es nicht in seinem eigentlichen Wesen erfassen.

Der Philosoph Schopenhauer entwickelte den Gedanken weiter, und nannte die Welt eine Vorstellung.

 

Die Vorstellung von „Existenz“ formuliert Spirealismus anders

Die oben genannte Frage, was denn die Dinge in Wirklichkeit sind, sieht der Spirealismus aus der materialistischen Grundüberzeugung erwachsen, der Mensch würde eine außerhalb seiner selbst befindliche, objektive Existenz beobachten.

Diese materialistische Grundüberzeugung teilt der Spirealismus aber nicht. Wenn also der Spirealismus eine solche, unabhängig vom Menschen existierende Realität, bestreitet, dann ist auch die Frage danach, was die „Dinge“ in Wirklichkeit sind, unzulässig. Die „Dinge“ können nie etwas anderes sein, als der Mensch darin sieht.

 

Während Kant zu dem Schluss kam, das Ding an sich sei nicht beschreibbar, dennoch wohl vorhanden – ähnlich wie Hume, der formulierte, eine existierende Außenwelt sei nicht feststellbar, dennoch komme man nicht umhin an sie zu glauben – geht der Spirealismus einen anderen Weg.

Spirealismus sagt:  Eine bereits „existierende“ Außenwelt gibt es nicht. Damit unsere Vorstellung von einer existierenden Außenwelt aber in die Existenz der Gedanken kommt, braucht es keine wirklich existierende Außenwelt, im Sinn der Vorstellung. (In dieser Formulierung ist übrigens Bruch der materialistisch-gewohnten Kausalität enthalten, was eine weitere kaum zu überwindende Denkschwierigkeit sein dürfte. Denn der Materialist meint, das Denken existiere, weil es die Materie gibt, und zwar Materie in Form des Gehirns. Der Spirealismus hingegen stellt fest, dass es unsere Vorstellung von Materie nicht gäbe, wäre nicht der Gedanke daran da).

Wenn  Existenz ohnehin aus Denken besteht, wie es der Spirealismus feststellt, kann „die Welt“ jede Form annehmen. Auch die der materialistischen Vorstellungen. Und eben das sehen wir vor uns. „Die Welt“ existiert immer subjektiv und immer verschieden – objektiv und „endgültig“ ist sie nirgendwo feststellbar.

Das ist das letztendliche Resultat der Frage nach dem Objektiven.

Der Mensch: Ausschnitt aus einer Skala

Warum aber sind „feste“ Objekte unsere Welt – viel mehr als die Vorstellung einer sich stets wandelnden Relation, wie sie ähnlich in der griechischen Antike formuliert wurde: „Alles fließt“ ?

Jede Beobachtung, die wir machen, erscheint uns wie ein Ausschnitt aus einer Skala, die zu beiden Seiten unbegrenzt ist, und in der wir selbst wie in der Mitte stehend, erscheinen. In dieser, in uns selbst liegenden Systematik, liegt die Begrenzung.

Unsere Beobachtung erscheint uns nicht wie eine Möglichkeit in der Unendlichkeit, sondern wie eine Notwendigkeit, inmitten einer rätselhaften Unbegrenztheit. Man denke an die Unbegrenztheit des Universums, oder des Mikrokosmos, aus unserer Sicht. Oder man denke an unsere  Vorstellungslosigkeit, wo wohl die beiden Seiten des vorgestellten Zeitstrahls enden … Irgendwo im Nirgendwo. Und dennoch meinen wir, uns in der scheinbaren Mitte dieser Unendlichkeiten befindend, eine objektive Welt vor uns zu haben. Wir glauben, das, was wir gerade sehen, sei objektiv.

 

Erst der Spirealismus vermag, diese in sich widersprüchliche Vorstellung vom Kopf auf die Füße zu stellen. Sein wichtigstes Mittel dazu ist, das Nichtvorhandensein des Objektiven, das nun so oft festgestellt wurde, zur Kenntnis zu nehmen, und zur Denkvoraussetzung aller weiteren Schlüsse zu machen. Und nicht, wie der bereits angeführte Hume es ausdrückte, zu sagen, man müsse dennoch an Objektivität glauben.

Wenn es Objektivität nicht gibt, dann gibt es nicht die vorgestellte Beziehung Subjekt-Objekt / Beobachter-beobachtetes objektives Außen. Sondern: Alles ist relativ, alles ist Geist.

Worin liegen nun also die Grenzen? Worin liegen die Grenzen der Objekte, die wir sehen? Die Sichtweise des Spirealismus ist: Der Mensch selbst ist begrenzt. Als Element eines umfassenden Denkens (das sich nicht in seinem Kopf abspielt!), bringt er die Information erst in die Existenz. Er ist nicht etwa ein „Abrufer“ von Information, der die Information durch Beobachtung aus Äußerlichem gewinnt.

Die Begrenztheit der menschlichen Vorstellungen, die dem Wesen von Information entspricht, immer nur ein Punkt in der Unendlichkeit zu sein, erschafft erschafft erst die Vorstellung eines „Dinges an sich“; oder auch von Dingen, von Materie.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang noch einmal an den spirealistischen Grundsatz, dass das, was wir „das Existierende“ nennen, oder „die Realität“, immer nur das sein kann, was das subjektive Ich-Universum kennt. Nichts anderes. Ein Ding „an sich“ existiert wohl als Name und als Vorstellung, aber es ist nicht das eigentliche Ding „an sich“ im Sinne dieser Vorstellung, also als unbestreitbare Entität außerhalb von uns.

Die Welt als Glaubensfrage

Die Vorstellung, die Menschen würden eine Welt beobachten, ist in allen, die materialistischen Glaubens sind.

Kann man das anders sehen? Der Materialist meint, nein. Doch, in mir (Henrik Geyer) zum Beispiel ist diese Vorstellung nicht, was doch immerhin zeigt, dass die Aussage, „man könne nicht umhin, man müsse die Existenz einer Außenwelt anerkennen“ (Hume), zumindest im Einzelnen falsch ist. Ich persönlich kann sehr gut umhin – obwohl auch ich ja ein Teil von „man“ bin.

 

Der materialistische Glaube ist in der Menschheit verbreitet. Die Vorstellung der Vielen hält der Einzelne für eine Notwendigkeit.

Daher ensteht aus der Vorstellung von Vielen: Eine Welt. Eine objektive Welt sogar. Und die Vorstellung der Vielen wirkt auf den Einzelnen zurück – er kann nicht anders, als die Vorstellung der Vielen für sich zu adaptieren, und sie „wahr“ zu nennen. Das ist zugleich eine Beschreibung des spirealistischen Begriffes Supersubjektivität, der beinhaltet: Die Sichtweise der Vielen wird zu einer Wahrheit eigener Art, die dem Einzelnen völlig unbestreitbar, und im materialistischen Weltbild sogar „objektiv“ erscheint – es aber nicht ist. Man kann sie nie anders als „subjektiv“ nennen.

Das Fehlen von Objektivität erschließt sich dem Materialismus-Gläubigen nicht

Überall und in allem sind wir durchdrungen von der materialistischen Logik – wir finden sie in jedem Wort, dem Begreifen der Mathematik, etc.. Wir finden sie in den Paradoxien des Materialismus, die wir nicht verstehen, aber geflissentlich gewohnheitsmäßig wegdenken – ich spreche von den Begriffen „das Nichts„, „das Unendliche„, „das Unbewusste“, etc..

 

 

Objektivität – was ist das? Warum wir keine Objektivität finden was last modified: Mai 23rd, 2016 by Henrik Geyer

objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?

objektiv subjektiv: Spireo Unendlichkeit Auch das kleinste Ding hat - Lebensweisheit Spruchbild

Praktisch gesehen

Es geht in diesem Artikel um das Wortpaar objektiv subjektiv, seinen Zusammenhang und Gegensatz.

Praktisch gesehen ist „objektiv“ das Richtige, und „subjektiv“ das Abweichende – man könnte auch sagen, das, was nie ganz richtig sein kann.

Das Objekt ist der Gegenstand der Beobachtung, das Subjekt ist der Beobachter.

Herkunft: materialistisches Weltbild

Die Logik, die der Unterscheidung objektiv subjektiv zu Grunde liegt, stammt aus dem materialistischen Weltbild, das voraussetzt, wir seien Beobachter einer festliegenden, statischen Außenwelt. Die außerhalb unserer selbst befindliche Realität, oder die Objekte, die wir vor uns sehen – sie sind das Objektive. Während wir, die davon getrennten Beobachter, mit unserem Geist das Objektive nachformen. Weil wir nur nachformen, weil wir gegenüber dem Objektiven eine nur relative Position einnehmen, kann der Subjektivblick nie das ganze Objekt in seiner gesamten, objektiven Gestalt, erfassen.

Man sieht, dass die Worte in uns ein Bild entstehen lassen, als würden wir bei der Betrachtung der äußerlichen Realität um eine Statue herumgehen.

Mehr Sichtweisen verstärken die Objektivität

Und daher, so die materialistische Logik, stärkt es die Wahrhaftigkeit der Beobachtung, wenn sie aus verschiedenen Blickwinkeln erfolgt. Wiederum so, als würde man um eine Statue herumgehen. Geht man um eine Statue herum, sieht man sie ganz – aus jeder Perspektive. Und hat so den vollkommenen Einblick, was genau die Statue ist. Was sie „objektiv“ ist.

subjektiv und objektiv
subjektiv und objektiv

 

Widersprüche im Tatsächlichen

Eine Erfahrung, die ich in Alles ist Geist beschrieb, war, dass sich nichts völlig Objektives finden lässt. Und, wie ich später erfuhr, haben diese Erfahrung viele vor mir gemacht. Genannt seien Hume, Kant, Schopenhauer. Wilhelm Busch drückte es einmal treffend so aus: Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.
Obwohl es also keine Objektivität gibt, in dem Sinne, dass man sie im Letzten irgendwo zu fassen bekommen könnte, reden wir von Objektivität, so als sei es der Mensch, der zwischen objektiv und subjektiv völlig unterscheiden könne.

Dabei ist der eigentliche Anspruch an Objektivität, dass jeder kosmische Beobachter die gleiche Erfahrung machen müsste. Aber eben dies ist nicht vorstellbar, wo es bereits unter den Menschen scheitert.

objektiv subjektiv spirealistisch gesehen

Die Tatsache der nicht beobachtbaren Objektivität nimmt der Spirealismus als Denkvoraussetzung, und stellt fest: es gibt sie nicht. Was der Mensch gemeinhin objektiv nennt, nennt der Spirealismus „supersubjektiv„, und macht damit deutlich, dass es sich um eine abgestimmte Beobachtung handelt, aber wiederum eine subjektive Beobachtung. Also eine Beobachtung, die keineswegs von anderen kosmischen Beobachtern geteilt werden müsste.

Vielmehr stellt der Spirealismus fest, dass jede Aussage über Objektivität aus einer subjektiven Position heraus gemacht wird.

Unser Eindruck einer von uns beschreibbaren Objektivität, und mithin einer abgetrennten Außenwelt, ist durch nichts gestützt, außer unsere materialistische Weltanschauung, die allerdings fast jeder hat. Und dem Materialismus ist dies Denkgrundlage, und nicht hinterfragbar.

Unsere Vorstellung, die Welt sei objektiv, und von uns, die wir nur die Beobachter der Welt sind, getrennt, resultiert aus Kommunikation.

 

 

objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität? was last modified: Januar 28th, 2016 by Henrik Geyer

Die Welt gibt es nicht!

die Welt gibt es nicht: Der subjektive Blick auf die Welt

Worum geht es?

Die Welt gibt es nicht! …was für ein wunderbarer Titel. Es ist die Aussage mancher zeitgemäßer Philosophie. Aber, warum soll es die Welt nicht geben? Wie kommt man überhaupt darauf?

Man kommt auf diese Frage, wenn man sich beispielsweise vorstellt, dass unser Bewusstsein genauso gut abgekapselt, in einem Computergehirn existieren könnte, oder als ein in einem Wasserbad schwimmendes Gehirn. Da das durchaus möglich wäre (und die Herstellung künstlicher Intelligenz wird uns das umso mehr verdeutlichen), stellt sich die Frage, ob denn „die Welt“ nicht eine Art Täuschung sein könnte, gemacht, um uns eine Kulisse zu bieten, so wie sie sich eine uns übergeordnete Intelligenz ausdenkt.

Dieselbe Frage, was eigentlich die Realität ist, hatte sich der Vordenker des Surrealismus, Andre Breton, übrigens auch gestellt. Im ersten Weltkrieg lernte er in einem Lazarett einen traumatisierten Soldaten kennen, der den Krieg als eine erfundene Kulisse ansah, gemacht, um ihn zu täuschen.

Man muss also offenbar nicht die modernste Technik bemühen, um sich, durchaus berechtigt, die Frage zu stellen, ob denn die Welt vielleicht gar nicht „richtig“ existiert, sondern vielleicht nur ausgedacht, oder nur vorgetäuscht ist.

Übrigens geht die jahrtausendealte Frage des Zhuang Zhou: „Bin ich ein Schmetterling, der träumt, ein Mensch zu sein, oder bin ich ein Mensch, der träumt, ein Schmetterling zu sein? “ in genau dieselbe Richtung.

Die Frage geht aus von der Feststellung, dass alles Begreifen der Welt durch die Sinne erfolgt. Und die Sinne sind nirgendwo angekoppelt an eine feststellbare Objektivität – oder bildlich gesprochen – sie haben kein eindeutig determiniertes „Kabel“ zu einer Außenwelt.

Wenn wir nun einmal die Welt vor uns sehen.. das beweist doch ihre Existenz?

Der Existenzialismus dreht die Sichtweise um. Er fragt nicht , was die Dinge sind, die wir sehen, sondern er sieht den individuellen Blick als die ursprüngliche Existenz. Die Existenz liegt in dem Blick, mit dem wir die Welt sehen, nicht in der Welt…

Der Materialist, der gelernt hat, dass die Materie im Außen existiert, und dass es die Materie ist, die wir beobachten,  kann sich allein schon den Sinngehalt der Frage nicht erklären. Sie kommt ihm sinnlos vor. Wenn wir nicht Materie „beobachten“ – was „beobachten“ wir dann? Und wozu sollte man die Frage überhaupt stellen?

Die Welt gibt es nicht!

Man sollte die Frage stellen, weil die Notwendigkeit einer definierten Außenwelt, die wir nur beobachten, nicht existiert. Wie gesagt: eine irgendwo feststellbare Objektivität gibt es nicht. Welche Notwendigkeit jenseits der Denkgewohnheit der vom Geist getrennten Außenwelt gibt es also?

Es handelt sich sich bei der Frage auch nicht um eine (eigentlich) überflüssige philosophische Volte. Sondern um das Fundament unseres Denkens.

Der Spirealismus schließlich geht von der Tatsache der nicht existierenden Objektivität aus – es ist ihm Denkvoraussetzung.  Die Antwort des Spirealismus auf die Frage „Wenn wir nicht Materie „beobachten“ – was „beobachten“ wir dann?“ ist: Wir beobachten nicht – im gleichen Maße erschaffen wir auch. Was wir sehen sind Welten der Relation, in der wir selbst die Festlegungen sind. Denn tatsächlich muss der genau Überlegende feststellen, dass individuelle Sichtweise auf die Welt letztlich die einzige Sichtweise ist, die überhaupt zur Verfügung steht. Eine objektive Sichtweise lässt sich im Letzten nirgendwo finden – statt dessen „nur“ die subjektive Sichtweise von Individuen-Gruppen (im Spirealismus Supersubjektivität genannt).

Und, so gesehen, kann man nicht davon sprechen, wir würden eine Welt beobachten. „Die Welt“ gibt es nicht. Es gibt die Welten der subjektiven Wahrnehmung.

Die Welt gibt es nicht! was last modified: April 28th, 2016 by Henrik Geyer