Erkenntnis – was ist das? Die Chance und der Preis des Erkennens.

Erkenntnis - was ist das? Was ist die Chance des Erkennens - und sein Preis? Platos Höhlengleichnis und die Transformation einer Realität in die nächste.

Erkenntnis – erkennen. Etwas etwas er-kennen (im Sinne von „sehen“), und es dann kennen (also wissen). Etwas anfassen (angreifen), und dadurch etwas be-greifen. Erkenntnis ist ein Zuwachs an Wissen über die Welt.

Erkennen für den Spirealismus, bzw. den Materialismus. Wie erkennt man?

an dieser Stelle nur kurz der Unterschied in den Sichtweisen:

Der Materialismus geht davon aus, dass Geist (der Mensch) einen äußerlichen (materiellen) Prozess beobachtet. Erkenntnisprozess ist daher dem Materialismus vor allem das Beobachten der äußerlichen Zusammenhänge – also der Natur, des Stoffes, der Materie …

Dem Spirealismus, dessen Grundauffassung „alles ist Geist“ heißt, ist das Erkennen des Selbst identisch mit dem Erkennen der Welt. Denn die Frage WIE erkannt wird ist für den Spirealismus der Schlüssel dafür, WAS erkannt wird. Oder, anders gesagt: Die Denkvoraussetzungen entscheiden über die Folgerungen. Es ist somit das „Erkenne dich selbst“ des antiken Griechenlandes, das der Spirealismus für den Schlüssel der Erkenntnis hält.

Siehe auch Artikel zum Thema „Worte formen die Realität“

Erkenntnis in Platos Höhlengleichnis – mit dem Wissen ändert sich die Welt

Erkenntnis hat zwei Seiten.

Einerseits ist Erkenntnis das Begreifen der Welt in einer neuen Weise. Spirealistisch gesehen ist es die Erweiterung des Ich-Universums um Begriffe – um Festlegungen des Denkens in einer neuen Konstellation (Zitat: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Ludwig Wittgenstein)

der Preis der Erkenntnis

Daher bedeutet Erkenntnis andererseits durchaus auch das Verlassen einer Denkrealität zugunsten einer anderen. Da jede Denkrealität in sich logisch und vollständig zu sein scheint, ist das Verlassen einer Denkrealität zugunsten einer anderen nicht nur schön, und nicht nur bequem, sondern immer auch mit einem Verlust verbunden. Wenn man so will dem Verlust einer Welt.

Plato beschreibt das sehr schön in seinem Höhlengleichnis.

Er beschreibt Erkenntnis wie das Verlassen einer Höhle, aus der heraus man in das offene Sonnenlicht tritt. Das helle Licht des Tages ist das Erkennen der Welt in einem neuen Licht. In der Höhle hatte man die ganze Zeit Schatten an der Wand beobachtet, und diese Schatten als die Realität angesehen. Und nun begreift man: Die Realität liegt draußen, im gleißenden Sonnenlicht des Tages.

Mancher sehnt sich zurück in die Heimeligkeit der Höhlenschatten. Wenn es auch in der Höhle muffig und dumpf war, dennoch war auch die Welt der Höhlenschatten in sich vollständig. Es mangelte nichts. Die gleißende Sonne des Außen kann manches aufdecken, die Illusionen rauben….

Wer aber zurück will, der stellt fest: Ein Zurück gibt es nicht. Im spirealistischen Verständnis heißt das: Der Mensch kann die Objekte seines Ich-Universums nicht einfach willentlich verschwinden lassen. Die Objekte des Denkens sind seine Welt. Erweitert er diese Welt um das Sonnenlicht des Außen, kann er nicht ohne weiteres in die Höhle zurück: Er kann sich sich die Welt nie mehr als nur aus Schatten bestehend, denken.

Siehe auch Martin Eden – die negative Seite des Erkennens

Ende der Erkenntnis. Oder kommen wir von einer Höhle in die nächste?

Aus spirealistischer Sicht gibt es hier folgenden Aspekt. Das Denken ist mit einem Erkenntnisschritt in eine neue Realität getreten, aber es kann nach Verständnis des Spirealismus nicht „die Realität“ sein. Nicht die eine Realität, die einzige, die endgültige Realität – es gibt sie aus spirealistischer Sicht nicht.

Somit ist das Gleichnis der Höhle unvollkommen, denn aus dem Sonnenlicht des Gleichnisses kann man nicht in ein weiteres Sonnenlicht treten – das ist schwer vorstellbar. Doch genau das ist die Auffassung des Spirealismus – es gibt kein Ende der Erkenntnis. Insofern komme ich einmal mehr auf das Grundthema dieses Blogs zurück: die fehlende Objektivität.

Wir haben in nichts, nicht einmal dem kleinsten Begriff, Objektivität erlangt – und können das auch nicht. Denn es gibt kein Ende der Information zu irgendeinem Objekt. Wir können zu dem winzigsten Gegenstand immer weiterführende Überlegungen anstellen (und tun das auch), immer weiterführende Erkenntnisse erlangen, und kommen nie zu einem Ende. Eine Monade im eigentlichen Sinn, als äußerliches Objekt, gibt es nicht. Was also könnte ein endgültiges Erkennen sein? 

Erkenntnis – was ist das? Die Chance und der Preis des Erkennens. was last modified: Januar 14th, 2016 by Henrik Geyer

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Die Bedeutung dieses wunderbaren Zitates

http://Spireo.de: Man sieht nur mit dem Herzen gut

Woher kommt das Zitat „Man sieht nur mit dem Herzen gut?“

„Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Dieses Zitat entstammt dem Büchlein „Der kleine Prinz“, von Antoine de Saint-Exupery, einem Kinderbuch, das philosophische Sichtweisen mit Einfachheit und Schlichtheit verbindet. Übrigens sind auch die Illustrationen des Büchleins, die der Autor selbst gemacht hat, gleichzeitig schlicht und schön. Es ist ein wunderbares Büchlein für Kinder, denn es ist verständlich, aber alles andere als dumm. Man kann also viel daraus lernen.

Zitat: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exupery)

Wie kann das Herz sehen?

Die intuitive Wahrheit, die in dieser bekannten Textzeile steckt, ist, dass es ein Wissen gibt, dass nicht im Außen zu sehen ist, nicht im Außen nachweisbar ist. Es ist nicht messbar, die Menschen können sich also schlecht „darüber“ unterhalten; wie es sei, wo es sei. Und dennoch ist es da.

Es ist die Wahrheit des Innen. Es gibt diese Wahrheit, auch wenn unsere so kluge materialistische Zeit meint, Wahrheit müsse in einem Außen nachweisbar sein, sonst sei es keine Wahrheit. Sondern „nur“ ein Gefühl, ein Ahnen, eine metaphysische Anwandlung – und welche Worte es dafür noch geben mag.

Aber, die Menschen wissen dennoch, trotz all dieser „Vernunft“, dass die Wahrheit zuerst in ihrem Innen ist. Die schlichte Aussage des Zitates ist, diese Wahrheit zu achten. Dadurch ist das Zitat so populär. Der Rat ist: Schalte nicht ständig den Kopf ein! Höre auf dein Innen! Die für dich wichtigen Wahrheiten findest du hier – in deinem Herzen.

Man muss die Augen schließen!

Wenn das Herz denken kann, und das Herz sehen kann (und man darf diesen Satz ruhig wörtlich nehmen)… täuschen uns dann unsere Augen? Sehen sie nicht gut? Der Dichter sagt „ja“. Sie sehen tatsächlich nicht gut. Sie sehen nur, worauf sich alle Menschen  „einigen“ können – das Außen. Die Wahrheiten des Innen, die uns meist viel wichtiger sind, sind eben nur dem Herzen sichtbar. Auf sie kommt es an. Wir müssen die Augen schließen, sonst können wir die Wahrheiten des Herzens nicht wahrnehmen. Sondern, wir würden wie gebannt auf die Phänomene des Außen starren.

Es gibt ein weiteres, schönes Zitat aus dem Roman „Der Golem“, welches die spirituelle Erfahrung der inneren Wahrheit beschreibt:

Jahrelang hatte ich den irrigen Grundsatz der Maler, man müsse die äußere Natur studieren, um künstlerisch schaffen zu können, stumpfsinnig nachgebetet und befolgt; erst, seit Hillel mich in jener Nacht erweckt, war mir das innere Schauen aufgegangen: das wahre Sehenkönnen hinter geschlossenen Lidern, das sofort erlischt, wenn man die Augen aufschlägt, – die Gabe, die sie alle zu haben glauben und die doch unter Millionen keiner wirklich besitzt.
Gustav Meyrink

Siehe auch: Artikel Verantwortung für das, was du dir vertraut gemacht hast

Ähnliches Thema: Schätzen, was man hat. Wertschätzen und dankbar sein, wer – man ist und wie man ist

Lesen Sie auch: Danke sagen – sag „danke“ zur Welt und erhalte ein „gern geschehen“

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Die Bedeutung dieses wunderbaren Zitates was last modified: Mai 17th, 2016 by Henrik Geyer