Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir

In diesem Abschnitt soll es nun darum gehen, wie wir uns das Ich-Universum vorstellen können, welche Parallelen sich zu dem Universum ergeben, das wir im Außen sehen, welche Sinnhaftigkeit darin liegt, etc..

Was ist ein Universum?

Stellen wir uns ein Universum zunächst als ein All vor, als eine Summe von Allem, was einen Menschen oder eine Menschengruppe (die Menschheit) umgibt. Es ist dabei wichtig, folgenden Aspekt im Hinterkopf zu behalten: das Wichtige am Universum sind eigentlich nicht die Sterne und Sonnen und Planeten, sondern die ganz normalen Dinge des Alltags. Die Kaffeetasse, die Kollegen, die kleinen und großen Sorgen.

Wenn man das Universum so sieht: die kleinen Dinge, die unser tägliches Leben sind als nicht wirklich getrennt von den großen Dingen, sondern wirklich alles als integralen Bestandteil des Alls, des Universums, dann haben wir einen wichtigen Schritt getan, um uns das Universum in seiner spirituellen Variante vor Augen zu führen, und zu ermöglichen, dass wir das Majestätischste, die Sterne und Galaxien, mit dem Trivialsten, in einem Zusammenhang denken können.

Und eigentlich gibt es ja auch keinen Grund zu sagen, dass der Bleistift, der vor mir liegt, weniger Teil des Universums sei, als eine Supernova in Milliarden Lichtjahren Entfernung. Mehr noch: der Bleistift ist in meinem Leben wichtiger! Und der Raum, der in meiner Kaffeetasse ist, in die hinein ich den Kaffee gieße, den ich dann trinken möchte, ist nicht verschieden von dem Raum der zwischen den Planeten ist.

Wir haben so auch das Fundament gelegt, um einem wichtigen hermetischen Grundsatz in unserem Denken zu genügen, bzw. seine Denkbarkeit vorzubereiten: ich meine das Prinzip der Entsprechungen, dem zufolge sich alles in allem findet. Wie oben, so unten. Wie außen, so innen. Wie im Großen, so im Kleinen. Das bedeutet: alles hat mit allem zu tun, es gibt keine wirkliche Trennung. Die Prinzipien die für die genannte Supernova gelten, gelten auch für den Bleistift. Die Verbindungen sind allumfassend und weit über das hinausgehend, was ich sehen kann.

Ich will auch gleich, ein wenig vorgreifend, den Grund nennen. Könnte ich sonst keine Verbindung zwischen der Supernova und Bleistift sehen, so ist doch eine Verbindung ganz offensichtlich: die meines Geistes. Beide Dinge sind Bestandteile meines Geistes, und indem ich sie in meiner Vorstellungskraft bewege und gewichte, ist es mir möglich, in der Art eines Schöpfers, hier ein wenig Gewicht hinzuzufügen, dort ein wenig wegzunehmen. Ich kann die Gewichtung in meinem Geist so verteilen, dass beide Dinge gleichwertig sind, und dass der Bleistift nicht geringer wiegt, als die Supernova.

Und das ist nun wieder das Verbindende, das Analoge. Der Geist, der als Ich eine ganz konkrete Form annimmt. In mir wird alles analog, ebenso, wie in mir auch alles divers wird. Ich kann alles, jeden Gegenstand, immer nur mit demselben Geist erfassen. Jeder Gegenstand wird durch mich, in meinem Geist, zu einem individuellen Gegenstand. Denn meine Sichtweise auf die Dinge ist einzigartig.

Sich den Geist wiederum als das eigentlich Welt-Erschaffende zu denken, genügt dem ersten hermetischen Prinzip Alles ist Geist, und beweist es. Der Beweis kann durch jeden Menschen geführt werden, der über genügend Phantasie verfügt, sich das oben Genannte vorzustellen, und in seinen Gedanken Objekte entstehen zu lassen, zu verringern oder auch zu vergrößern.

Warum Ich-Universum?

Der Grund, warum ich die Worte Ich und Universum in eine Verbindung brachte, war, dass ich darin ein Synonym sah – eine Gleichheit. Das Ich ist eine Einzelheit, etwas Individuelles, denn ich bin von jedem anderen Menschen verschieden. Mein Ich ist von jedem anderen Ich verschieden. Und mir wurde irgendwann klar, dass das Universum, so wie ich es verstehe, nur in mir existiert, und sich also wiederum von jedem anderen Universum, das andere sehen, unterscheiden muss. Das wird insbesondere klar, wenn man „das Universum“ so versteht, wie ich es im vorigen Abschnitt beschrieb – als die Gesamtheit auch der kleinen Dinge, die im Leben eines Menschen sind. Dessen All, sozusagen.

Aber auch, wenn ich das Universum als die Gesamtheit von Sternen in einem unendlichen Raum sehe, kann ich das gleiche Denkexperiment anstellen. Man stelle sich vor, man würde eine Anzahl Sterne kennen, aber einige auch nicht. Es gibt Menschen, die kennen andere Sterne als ich. Vielleicht mehr Sterne. Kann man sagen, dass deren Universum gleich meinem sei? Nein. Was ich über das Universum weiß, macht es einzigartig (ich sage nicht: macht es gut oder schlecht). Es wird einzigartig dadurch, dass ich die Dinge, egal um was es sich handelt, einen Bleistift, eine Supernova, oder ein Universum, immer als die Summe ihrer Bestandteile ansehe; als die Gesamtheit der Dinge, die darin und darum sind; als die Gesamtheit ihrer Eigenschaften. Die Dinge, die um und in einer Sache sind, und seine Eigenschaften, sind austauschbar. Ein Beispiel hierzu: Eine Sache ist grün, weil ihr grüne Farbteilchen anhaften. Ein Auto ist schnell, weil es vorn einen Motor unter der Haube hat, etc.. Also ist das, was wir als die Eigenschaften der Dinge ansehen, auch immer verbunden mit Objekten. Zumindest ist das in unserem Denken so.

Manchem mag es vielleicht immer noch schwer fallen, sich vorzustellen, dass die Dinge nichts anderes sind als eine Gesamtheit von Eigenschaften. Daher ein kleines Gedankenexperiment: stellen Sie sich einen Baum vor. Er hat vier Räder, kann 100 km/h schnell fahren, und ist rot. Ist das ein Baum? Natürlich nicht. Es ist ein Auto. Ein Baum muss bestimmte Eigenschaften haben, damit ich ihn als Baum erkennen kann. Es muss der Stamm da sein, die Unbeweglichkeit im Erdreich, die grüne Blätterkrone.

Ich will ein weiteres Beispiel nennen, das mir immer sehr vielsagend erschien. Ich versuchte mir einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen. Es gibt ja in der Literatur und Kunst Versuche, dieses Eigenschaftslose vorstellbar zu machen – es wird dann als eine Art interessantes Paradox verstanden. Mir fällt dazu „Der Namenlose“ von Samuel Beckett ein …

Wenn Sie, geschätzter Leser, versuchen, sich einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen, werden Sie schnell verstehen, dass allein die Aussage, es handele sich um einen Menschen oder Mann, mit Eigenschaften bei diesem verbunden sein muss. Etwas, das ohne Eigenschaften ist, ist nicht. Ein Ding ohne Eigenschaften ist kein Ding. Es existiert nicht.

Und so wird eben jede Sache durch die Eigenschaften bestimmt, die ihr gegeben sind. Die Art und Qualität ihrer Eigenschaften wiederum unterscheidet die Dinge. So unterscheidet sich ein Baum vom anderen durch die Art und Weise seiner Baumkrone, seines Stammes etc..

Die Eigenschaften des Universums das ich kenne, sind in mir einzigartig. Es ist das Universum meines Ichs. Im Grunde, weil ja auch ich selbst ein Bestandteil meines Universums bin, sind das Ich und das Universum im Ich, ununterscheidbar miteinander verwoben. Sie sind genau dasselbe. Denn auch mein Ich, also das, was ich in mir sehe, was ich über mich denke, wie ich mich beschreibe, wird bestimmt durch die Eigenschaften der Dinge, die ich dem Ich zuordne. Es sind die Dinge, die ich kenne. Es sind die Dinge die in mir und um mich sind, die in Raum und Zeit existieren und dadurch kausale Beziehungen zueinander haben. Es ist das Universum in mir – mein spezifisches und einzigartiges All. Das All wie gesagt sind alle Dinge, die da sind … in meinem Ich.

Und, so merkwürdig das nun dem Gewohnheitsmaterialisten erscheinen mag, der alles fein säuberlich trennen und unterscheiden will, so dass schließlich nur noch eine einzige Kausalbeziehung übrig bleibt: Der Bleistift, der vor mir liegt, hat mit mir zu tun. Er ist Bestandteil meiner Welt, und macht, in der Konstellation, in der er sich in einer relativen Position zu mir befindet, einen Teil meines Ichs aus.

Das Universum außerhalb von mir ist das Universum IN mir

Und so kommen wir zu der verblüffenden Feststellung, dass das Universum, dass der Mensch gewohnt ist außerhalb seiner selbst zu sehen, eigentlich in ihm ist. Denn, und hier komme ich wieder auf den Grundgedanken des Spirealismus zu sprechen: was könnte etwas sein, was nicht in Gedanken existiert? Mag man das nun auf materialistische Art überlegen, also: die Dinge existieren in materieller Form außerhalb des menschlichen Beobachters … dennoch muss man fragen: was wäre eine noch so existente Sache, wenn sie nicht in den Gedanken auftauchte. Oder, mag man das auf die spirealistische Art durchdenken, die von vorn herein die Überzeugung vertritt, dass die Existenz geistiger Natur ist.

DAS Universum (in der Einzahl) – existiert in keinen zwei Menschen in gleicher Form. Man könnte auch sagen: DAS Universum gibt es nicht.

DIE Universen sind in uns. Und: DIE Universen und wir selbst sind nicht zu unterscheiden. Denn alles was wir denken können, hängt mit den Objekten der Universen zusammen, die wir jeweils vor dem (geistigen) Auge haben. Alles was wir denken können, entsteht aus den Objekten, entwickelt sich aus den Objekten, begründet sich aus den Objekten dieser innerlichen Universen.

Das äußere Universum ist eigentlich ein innerliches, und umgekehrt. Und – da ist es wieder: das hermetische Gesetz der Entsprechung. Es stimmt: wie innen, so außen.

 

 

 

Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir was last modified: Juni 29th, 2017 by Henrik Geyer

Das Eine und das Andere

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Das eine kann nicht das andere sein. Das eine kann nicht ohne das andere sein.

Während es der materialistischen Sichtweise eigen ist, die Dinge in einem Außen zu sehen, und ihre (dort) definierte Existenz vorauszusetzen, ist es das Wesen des Spirealismus eben dies zu verneinen und zu sagen: Die Dinge kommen mit dem Gedanken in die Existenz. Der Spirealismus fragt: Was ist ein Ding? Was ist das Eine?

Aber auch viele (Nach-)Denker, die sich dem materialistischen Lager zurechnen lassen, also Kernphysiker wie Heisenberg, Dichter wie Goethe, stellten sich diese Frage: Was unterscheidet das Eine vom Anderen, was bringt das Eine in die Existenz, und macht die Existenz eines Zweiten notwendig … getreu dem Grundsatz

Die Grenze des einen Dinges ist zugleich die Grenze eines anderen Dinges
Anaximander, griechischer Philosoph

 

Das Eine und das Andere – was unterscheidet es? … wie kommt man überhaupt auf solche Frage?

Diese Frage ergibt sich mit Notwendigkeit, wenn man sieht, dass sich ein Ding, welches auch immer man nimmt, nicht in Vollständigkeit ergründen lässt. Wenn man wie Immanuel Kant feststellt: ein Ding „an sich“ lässt sich nicht beschreiben. Wenn man das also wahrnimmt, dass es nichts gibt, das man nicht ganz anders sehen, beschreiben, verstehen könnte (spirealistisch gesagt: Es gibt keine Objektivität) – dann fragt man sich: Was ist dieses Eine? Und was unterscheidet dieses Eine wirklich vom Anderen?

Denn das eigentliche Prinzip der Welt können diese Formen, die wir vor uns sehen, nicht sein. Das Prinzip hinter den Formen, die selbst im Unendlichen wurzeln, und quasi vor dem beobachtenden Blick ständig neu entstehen, muss ein einfaches sein, etwas immer Gültiges. Und dieses Prinzip finden wir in unserer Auffassung, denn wir Menschen sind nicht die Beobachter einer Schöpfung, die von uns abgetrennt wäre. Sondern wir selbst sind ihr Element, und daher kommt die Schöpfung in uns selbst, und ihre Prinzipien in „unserem“ Denken, zum Ausdruck. Und dieses ganz einfache Urprinzip liegt in den Worten das Eine und das Andere.

Das eine kann nicht das andere sein.

und

Das eine kann nicht ohne das andere sein.

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Aus dem Einen und dem Anderen entsteht das Neue

Spirealismus, das ist Denken in Metaphern. Warum? Weil der Spirealismus die Dinge nicht als in einem Außen definiert sieht – Objektivität gibt es nicht. Daher ist die Welt eine Sichtweise, und eine Sichtweise ist dadurch geprägt, dass sie nicht mit einer zwingenden Unbedingtheit entsteht. Anders gesagt: Die Welt ist eine Möglichkeit, keine Notwendigkeit. Das versteht man durch Metaphorik, durch Symbolismus. Ein für seinen Symbolismus bekannter Autore ist P.D. Ouspensky ic h möchte ein Zitat einfügen aus einem Buch, in dem er psychologische Selbstversuche beschreibt, die er auf der „Suche nach dem Rätselhaften“, wie er es nannte, machte.

Er erhielt während dieser Versuche einen visionären Eindruck vom entstehen der Welt durch eine Dreiheit – das Dritte als Ergebnis der Zweiheit, Ausdruck der Differenz, der Harmonie und des gleichzeitigen Unterschiedes von Yin und Yang, der Einheit im Widerspruch, der Synthese aus These und und Antithese.

Further, there was a picture or mental image which entered into everything and appeared as a necessary part of every logical or illogical construction. This image showed two aspects, both of everything taken together, that is, the whole world, and of every separate part of it, that is, each separate side of the world and of life. One aspect was connected with the First Principle. I saw, as it were, the origin of the whole world or the origin of any given phenomenon or any given idea. The other aspect was connected with separate things: I saw the world, or those events which interested me at the particular moment, in their final manifestation, that is, as we see them around us, but connected into a whole, incomprehensible to us. But between the first aspect and the second aspect there always occurred an interruption like a gap or blank space. Graphically I might represent this approximately in the following way: Imagine that from above three lines appear from one point; each of these three lines is again transformed into three lines; each of these three lines again into three lines. Gradually the lines break more and more and gradually become more and more varied in properties, acquiring colour, form and other qualities, but not reaching real facts, and transforming themselves into a kind of invisible current proceeding from above. From below, imagine the infinite variety of phenomena collected and classified into groups; these groups again unite, and as a result great numbers of very varied phenomena are actually bound into wholes and can be expressed by one sign or one hieroglyph. A series of these hieroglyphs represents life or the visible world at a certain distance from the surface. From above goes the process of differentiation, and from below goes the process of integration. But differentiation and integration do not meet.

Außerdem gab es ein Bild, oder einen geistigen Eindruck, der als notwendiger Teil jeder … Vorstellung alles durchdrang. Dieses Bild hatte zwei Aspekte, beide zusammengenommen – das war die ganze Welt. Und die einzelnen Teile – das waren die einzelnen Aspekte der Welt und des Lebens.

Ein Aspekt war mit dem ersten Prinzip verbunden. Ich sah das Entstehen der ganzen Welt oder das Entstehen jedes Phänomens oder jeder einzelnen Idee.

Der andere Aspekt war mit verschiedenen Dingen verbunden: Ich sah die Welt, oder die Vorgänge, die mich in diesem Moment interessierten, in ihrer endgültigen Erscheinung, also wie wir sie gewohnt sind zu sehen, aber in einem Ganzen verbunden, das nicht wahrnehmbar für uns ist.

Doch zwischen dem ersten Aspekt und dem zweiten Aspekt trat immer eine Unterbrechung auf, oder ein leerer Raum.

Grafisch würde ich das wie folgt beschreiben: Man stelle sich vor, dass von oben drei Linien von einem Punkt ausgehen. Nach und nach brechen die Linien auf und variieren zunehmend ihre Proportionen, erhalten Farbe, Form und andere Eigenschaften, jedoch nicht zu realen Fakten werdend, und wandeln sich zu einer Art unsichtbaren von oben kommenden Strom. Von unten, muss man sich vorstellen, erscheint eine unendliche Vielfalt von Phänomenen, die eingeteilt und geordnet sind in Gruppen; und diese Gruppen wiederum verbinden sich, und als Resultat können sich große Mengen an verschiedenen Phänomenen verbinden, und werden so zu Zeichen oder Hieroglyphen. Eine Reihe dieser Hieroglyphen repräsentiert das Leben oder die sichtbare Welt in einer gewissen Entfernung von der Oberfläche. Von oben erfolgt der Prozess der Differenzierung, von unten der Prozess der Integration. Aber Integration und Differenzierung treffen nicht zusammen.

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Das eine und das Andere – die alles antreibende Differenz

Das Eine muss das Andere mit sich bringen, weil sich ein Ding oder ein Thema, ein Gedanke oder eine Höhe, eine Spannung oder ein Punkt im Raum, immer nur definieren lässt als ein Unterschied zu etwas anderem.

Zugleich ist dieses Andere naturgemäß anders, das bedeutet, es gibt den schon erwähnten Unterschied, die Differenz zwischen beiden.

Die Differenz wiederum, verstanden als eine Spannung innerhalb eines gemeinsamen Raumes oder eines Käfigs, führt dazu, dass sich eine Entwicklung ergibt. Die Kugel rollt von der schrägen Fläche herunter, die Welten ziehen sich durch Gravitationsunterschiede an, verschmelzen. Der Unterschied der Meinungen betreibt den Fortschritt des Wissens, die Pole an der Autobatterie machen es möglich dass der Motor startet.

Nebenbemerkung: Was ist dieser „Käfig“, von dem ich sprach? Materialistisch gesehen ist es das Vorkommen der Differenz in einem „gemeinsamen Zusammenhang“. Spirealistisch gesehen steht alles in Zusammenhang, es ist eher eine Frage der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung (das was der Mensch denken kann) ist im Gegensatz zum grenzenlosen Raum der möglichen Gedanken sehr begrenzt – das sieht der Materialismus  genau anders herum, weil er annimmt, der Mensch beobachte eine von ihm außerhalb befindliche Wirklichkeit, und diese sei in ihren Möglichkeiten begrenzt, anders gesagt: materiell definiert.

So ist also das, was wir als Differenz wahrnehmen, auch nur in einem gemeinsamen Zusammenhang anzutreffen. Stünde es nicht in diesem Zusammenhang, der so unabdingbar ist wie ein Käfig, wäre es allein, und, wie gesagt, das Eine ohne das Andere ist ebenso unmöglich, wie, dass das Eine und das Andere deckungsgleich sind. In der Dialektik ist das das Prinzip des „Kampfes und der Einheit der Gegensätze“. 

 

 

Die Differenz ist das innere Prinzip des Werdens und Vergehens, aus der Differenz ergibt sich das Dritte, die Entwicklung, das Neue … das, was weder das Eine noch das andere ist. 

 

Das Eine und das Andere was last modified: Juni 1st, 2016 by Henrik Geyer

Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Was haben Phantasie und Wirklichkeit miteinander zu tun? Gemeinhin versteht man sie als Gegensätze. Doch, so einfach ist es gar nicht, zu sagen, was eigentlich die (eine) Wirklichkeit ist – denn jeder hat eine andere. Und Phantasie wiederum erweist sich immer wieder als das Element, das die Wirklichkeit formt, z.B. als  Erfindung. Oder als Vorhersage, wenn zum Beispiel in einem Roman von Jules Verne aus der Mitte des 19. Jahrhunderts U-Boote Gestalt annehmen.

Phantasie und Wirklichkeit: U-Boot im Roman

Was trennt Phantasie und Wirklichkeit?

In der materialistischen Denkweise ist es einfach den Unterschied zu benennen: Phantasie ist das „nur Gedachte“, Wirklichkeit ist das, was tatsächlich ist.

philosophische Betrachtung

Genauer betrachtet ist es nicht einfach zu sagen, was der Unterschied zwischen Phantasie und Realität ist. Dies sei nur Denken, jenes sei „wirklich“ … Man bedenke: Das, was ist, ist ja auch gedacht. Nichts Bestehendes kann erfasst werden, wenn nicht durch einen Gedanken.

Und die Gedanken aufzuspalten in solche, die das Wirkliche widerspiegeln, und solche, die Nicht-Wirkliches beinhalten, ist im Grunde unmöglich.

Wenn man sich vorstellt, das Wirkliche sei beispielsweise ein Baum, weil „alle“ ihn sehen können, dann beginnt das Nicht-Wirkliche bereits dort, wo wir eigentlich auch uneingeschränkte Existenz vermuten, aber keinerlei äußerliche Anzeichen davon sehen können. Man denke an Landes-Grenzen, die es nur auf der Landkarte gibt. Man denke an Gott und die Frage: Gibt es ihn?  Oder man denke an ein beliebiges Objekt, das wir nicht mit Augen vor uns sehen, aber das vor dem geistigen Auge sehr wohl „da“ ist, so dass wir ganz sicher vermuten, es sei existent. Das Atom. Die Liebe, der Hass. Das Morgen und das Gestern…

Generationen von Philosophen haben sich darüber den Kopf zerbrochen – Stichwort Kant und das Ding „an sich“. Oder das Wort Noumenon, das seit dem Altertum das Gedachte einteilen will in das nur vom Geist zu Erkennende (zu Schlussfolgernde), und das, was der Geist mit Notwendigkeit spiegeln muss (weil die Augen etwas sehen). In diese Kategorie gehört, als allgemeinster Ausdruck der Frage was „wirklich“ ist.

Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein.

Dschuang Dsi fragt nach der Wirklichkeit der eigenen Person, bzw. ihrer Identität.

 

Spirealistisch gesehen ist der Unterschied tatsächlich nicht zu definieren, weil er nicht im eigentlichen Sinn „existiert“. Alles ist geistig, und der Unterschied zwischen Phantasie und Wirklichkeit nur graduell – sozusagen als Produkt des Geistes, nicht aber seine Voraussetzung. Es gibt diesen Unterschied also nicht in einer Welt außerhalb von uns, denn eine solche, von uns unabhängige Außenwelt, existiert selbst nicht.

Was haben Phantasie und Wirklichkeit gemeinsam?

Und umgekehrt lässt sich ebenso graduell eine Gemeinsamkeit von Phantasie und Wirklichkeit formulieren, indem wir gleich sagen, dass alles, was wir uns denken, ja auch potentiell Realität sein oder werden könnte. Während …  das, was wir nicht denken – welche Realität könnte das je haben??

Aus spirealistischer Sicht beginnt die Realisierung mit dem Gedanken, oder anders herum: Der Gedanke ist die erste, zunächst noch schwache Form, der Realisierung. So gesehen hat jeder Gedanke auch Realität, denn die Voraussetzung des Bestehens jeglichen Objektes ist ja Geist.  Durch eine erfolgreiche Erfindung beispielsweise gewinnt der Gedanke mehr und mehr Schwere, er „materialisiert“ sich. Und durch eine phantasievolle Gestaltung eines Romanes durch den Autor (ich nannte als Beispiel Jules Verne) erlangt ein Gedanke Verbreitung und „materialisiert“ sich auf diese Weise ebenso. Indem beispielsweise der Gedanke an ein Untersee-Boot durch Jules Verne populär wurde, beherrscht er nunmehr das Denken all jener, die Jules Vernes Bücher kennen, und wird zur Sehnsucht derjenigen, die die Vorteile eines solchen Schiffes nutzen wollen. In der Folge wird es zur äußerlichen Realität – es wird gebaut.

Welche Notwendigkeit gibt es für Phantasie und Wirklichkeit?

Welche Notwendigkeit gibt es für Phantasie?

Man wird sagen: Für die Phantasie gibt es keine Notwendigkeit, denn man kann sich ja ausdenken was man will.

Andererseits könnte man sagen: Jules Verne konnte die Phantasie des Untersee-Bootes nur entwickeln, weil das Wissen und die technischen Möglichkeiten seiner Zeit entsprechend waren. Eigentlich wurde bereits im amerikanischen Bürgerkrieg (1860-1865) ein muskelgetriebenes U-Boot eingesetzt, also ca 10 Jahre bevor der Roman „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ 1874 erschien.

Was Jules Verne entwickelte war eher die Phantasie eines modernen Untersee-Bootes, während die allgemeine Idee für ein U-Boot schon im 14.Jahrhundert nachweisbar ist.

Also, und das sollte gesagt werden, könnte man aus dieser Perspektive eine Notwendigkeit für Jules Vernes Phantasien herleiten. Und diese Notwendigkeit besteht darin, dass sich der Autor ja niemals trennen lässt von den Ideen der Zeit, in der er seine Werke schafft. Die Ideen der Zeit sind in ihm, und nur sie kann er verarbeiten.

Nebenbei gesagt würden Ideen, die nicht mit den vorhandenen Begriffen in der Gesellschaft korrespondieren, vom Publikum auch nicht verstanden werden.

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Welche Notwendigkeit gibt es für Wirklichkeit?

Für die Wirklichkeit hingegen sehen wir in der materialistischen Sichtweise eine vollständige Notwendigkeit – die Wirklichkeit ist eben „da“! Die Notwendigkeit der Wirklichkeit (im Sinne einer völligen Folgerichtigkeit) zu bestreiten, das hieße sich dem Vorwurf auszusetzen, kein Realist zu sein, etc..

Doch die Vorstellung von der absoluten Notwendigkeit der Wirklichkeit wird durch das bereits Gesagte über das Ding „an sich“, das Noumenon etc.., aufgeweicht. Denn, wenn die Dinge des Außen die Wirklichkeit repräsentieren, man sich aber über ihre letztendliche Gestalt, über ihr Wesen „an sich“, oder ihre objektive (objektiv als: jenseits und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein) Gestalt kein Urteil bilden kann, dann lässt sich in letzter Konsequenz auch nicht genau sagen, was denn „die“ Wirklichkeit überhaupt ist.

Spirealistisch gesehen gibt es nicht „die“ Wirklichkeit. Es gibt immr nur die Wirklichkeiten einzelner Ich-Universen – als Gedanken.

Unsere Vorstellung von Kausalität

Es gehört an diese Stelle, die verschiedenen Querverbindungen aufzuzeigen, die die Vorstellung von Wirklichkeit / Realität mit der Vorstellung von Kausalität hat. Ebenso ist aufzuzeigen, dass Kausalität wiederum engstens verbunden ist mit dem Zeit-Begriff.

Wie bereits gesagt ist uns die Realität, bzw. die Wirklichkeit, folgerichtig und notwendig, denn sie ergibt sich aus allem, was vorher da war, und sie ist bestimmend für alles was danach kommt (Zeit). Die kausalen Zusammenhänge sind es, die die sichtbaren Phänomene wie „nicht anders möglich“ erscheinen lassen.

Aber dennoch muss man feststellen, dass „die Wirklichkeit“ des Momentes nicht eigentlich folgerichtig ist, sondern sie selbst ist der Beginn allen Folgerns. Man kann die Kausalketten in die Zukunft oder auch die Vergangenheit denken – der eigentlich feste Anker, der Urgrund allen Folgerns ist das, was wir als die Realität im Hier und Jetzt bezeichnen, und nicht umgekehrt. Der Urgrund ist das Phänomen, die Erscheinung im Jetzt. Um das an einem Beispiel zu illustrieren: nicht die Elemente, die wir in das Periodensystem der Elemente eingezeichnet haben sind der Grund für unsere Beobachtungen an den Dingen. Sondern unsere Sichtweise, Beobachter von Dingen zu sein, ist der Grund, dass ein Periodensystem der Elemente erstellt wurde.

 

Wenn man nun die Aussage, dass es keine Objektivität gibt, die sich in den Aussagen so vieler Philosophen und Wissenschaftler (Kernphysiker) wieder und wieder bestätigte, zutiefst verinnerlicht, dann muss man auch sagen, es gibt keine objektive Kausalität. Anders gesagt ist die Vorstellung einer eindeutigen Folgerichtigkeit selbst eine Phantasie. Wenn das Phänomen, oder die Wirklichkeit, oder die Realität, nicht in einem objektiven  Tatbestand erfassbar ist, dann ist alles, was sich aus diesem Gedachten folgern oder ableiten lässt, ebenfalls kein objektiver Tatbestand.

Es sei noch einmal auf die spirealistische Sichtweise hingewiesen, die sich von der des Materialismus fundamental unterscheidet, und der hier Erklärung ist, für dieses Phänomen, das vom Standpunkt des Materialismus zutiefst paradox wirkt. Einerseits erscheinen die Begriffe der Kausalität, der Zeit, des Zufalls, überhaupt der Trennung von Wirklichkeit und Phantasie wie eindeutig, wie festgelegt und greifbar. Glauben wir denn nicht alle stets und ständig, wir hätten einen eindeutigen und unleugbaren Begriff von allem, was uns umgibt? Und doch lässt sich nirgends ein solcher Begriff in Eindeutigkeit packen, sondern verschwimmt in der Unendlichkeit der Relationen. Zitat Wilhelm Busch: „Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.“

So als sei die Welt gar nicht aus festen Körpern gemacht, die eindeutige Informationen bereits in sich tragen (die wir Menschen dann mit unserem Geist „abrufen“) – gerade das aber, das Bestehen dieser objektiven Welt außerhalb von uns, in Form von Materie, ist dem Materialismus fundamentalste Denkvoraussetzung.

Der Spirealismus hingegen sieht die Welten nicht ausgehen von Materie, sondern vom Gedanken. Das übersetzt sich in diesem Zusammenhang zu: das Folgern selbst, die Kausalität, ist das Entstehungsprinzip der Welt. Daher geht für den Spirealismus die Welt des materialistisch Denkenden, aus, von dem Gedanken an Materie. Das wichtige Prinzip, das der Materie zu Grunde liegt, ist der Gedanke – und nicht Materie, die den Geist in Form des Gehirns erst erschafft. Durch das Letztgesagte wird einmal mehr klar, dass der Spirealismus als Sitz des Geistes nicht das (menschliche) Gehirn ansieht. Wenn „alles Geist ist“, dann ist Geist eben nicht „nur“ hier oder dort.

Seltsamer Zufall, dass alle die Menschen, deren Schädel man geöffnet hat, ein Gehirn hatten.
Ludwig Wittgenstein

Kausalität im Widerstreit mit dem Zufall

Noch ein letzter Gedanke zum Begriff des Zufalls, der mit dem Begriff der Kausalität in engem Zusammenhang steht.  Das, was wir begründen können, nennen wir nicht „zufällig“; und umgekehrt ist der Zufall etwas, das wir als Phänomen bemerken, dessen Grund wir aber nicht kennen.

Die in der materialistischen Denkweise als so fest und statisch wahrgenommene Kausalität kann man (spirealistisch) auch ganz anders wahrnehmen – als Phantasie, als Realität erschaffenden Gedanken. Und zwar, wenn man bedenkt, auf welche Art und Weise wir gewohnt sind, Zufall von einer notwendigen Abfolge von Geschehnissen (Kausalität) zu unterscheiden.

Ausgangspunkt ist das wahrgenommene Phänomen, von dem wir bereits sagten, es sei nicht objektiv erkennbar, und daher seien alle Ableitungen aus ihm ebenfalls nicht objektiv.

Zweitens aber sagten wir, dass uns nur alles das zufällig ist, für was wir keine Begründung finden.  Für was aber finden wir keine Begründung? Ich denke, wir finden für alles eine Begründung, in Abhängigkeit davon, ob wir uns auf ein bestimmtes Phänomen konzentrieren, und es in Verbindung mit einem anderen Phänomen bringen. Und das wiederum ist die Definition von Phantasie: Querverbindungen zwischen Phänomenen herzustellen, ungewöhnliche Querverbindungen oft.  Es ist somit eine eine Frage der Phantasie, in welcher Weise sich Kausalität fortschreibt.

Phantasie & Einstein - Einstein/Münchhausen - Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?
Phantasie & Einstein – Einstein/Münchhausen – Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?

Man denke z.B. an Einstein und seine Relativitätstheorie, die er auf Grund sehr phantasievoller Überlegungen entwickelte. Er stellte sich vor, selbst auf einem Photon zu reiten, eine Taschenlampe in der Hand haltend, und nun sehend, wie die Photonen (Photon=Lichtteilchen) aus der leuchtenden Taschenlampe kommen und enteilen. Er fragte sich, ob die Geschwindigkeit der Taschenlampen-Photonen sich zu der Geschwindigkeit des Photons auf dem er bereits saß (und das sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt), hinzuaddieren würden. Auf diese Art und Weise kam er zu einer Sichtweise, die in die Überlegung die Zeit mit einbezog – Die Geschwindigkeit (Bewegung im Raum) und die Zeit sind relativ zueinander.

Durch Einstein sind heute unsere Vorstellungen von Raum, Zeit und Masse, miteinander verknüpft, während sie vorher wie völlig unabhängig voneinander erschienen.

Mit welcher Notwendigkeit kam Einstein auf seine Erkenntnis? Man muss sagen (und Einstein selbst hätte das auch so gesehen): mit keiner. Die Phantasie des Einstein kam mit keiner vorhersagbaren oder begründbaren Folgerichtigkeit in die Welt, und seine Phantasien zu Raum und Zeit somit auch nicht. Man könnte auch sagen: Es war Zufall. Im Nachhinein mag man zwar immer konstruieren: „Es musste ja so kommen!“ … aber nein, es musste nicht. Und wie gesagt hat Einstein selbst diese Nichtnotwendigkeit des In-die-Welt-Kommens scheinbar ganz logischer Schlussfolgerungen einmal formuliert.

Somit ist die Vorstellung der Relativität von Zeit und Raum ebenfalls ohne völlige Notwendigkeit in der Welt. Anders gesagt. Wir könnten nach wie vor ebenso gut der trennenden Denkweise anhaften, und würden nichts vermissen.

 

Ähnliches Thema: Artikel „Gott würfelt nicht“, sagte Einstein. Aber warum würfelt Gott nicht?

Siehe auch: Artikel Kausalkette – philosophisch (spirealistisch) gesehen

Siehe auch: Mindfuck Philosophy – der Beginn eines neuen Denkens

Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität was last modified: Mai 2nd, 2016 by Henrik Geyer