Faszination Lyrik – was macht Lyrik so magisch?

Faszination Lyrik, Stairway to heaven

Die Faszination an der Lyrik – wie entsteht sie?

Besprochen wird das anhand eines magischen Songs – „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin – ein Song, den man sicherlich immer wieder gern hört und uns in diesem Moment inspirieren kann.

unklare Lyrik

Ich habe das Beispiel „Stairway to heaven“ gewählt, weil man über die Lyrik dieses Songs durchaus geteilter Meinung sein kann.

Da ist die Dame, die glaubt sie könne sich den Zugang zu himmlischen Gefilden (die Treppe in den Himmel) einfach erkaufen, da ist der lockende Pfeifer (am Tor zur Dämmerung?), da ist das Geheimnis, das sich im Gebüsch verbirgt, Rauch steigt zwischen den Bäumen auf und schließlich liegt die Treppe in den Himmel im flüsternden Wind (verborgen) … weißt du? Was ergibt das alles zusammen? Der weniger Spirituelle wird vielleicht sagen: „Nichts! Man könnte hier zwar sonstwas für einen tiefgründigen Sinn vermuten, aber eigentlich ist doch da Leere.“

Aber da ist ja noch die wunderschöne Musik, zu der eine spirituell-mystische Lyrik gut passt. Diese Lyrik erscheint zwar zusammengewürfelt aus Versatzstücken spiritueller Klischees – und genauso so wurde der Song auch geschrieben, wie es heißt: an einem Abend, von zwei pragmatischen jungen Leuten die einen Song für ihr  Album fertigbekommen wollten, und inspiriert waren von verschiedenen spirituellen Quellen. In der Aussage ist diese Lyrik so wenig eindeutig, dass man eigentlich gar nicht sagen kann, worum es geht. Aber die Verse sind mystisch und spirituell genug, um die Musik vieldeutig und attraktiv erscheinen zu lassen. Und darauf kommt es an.

Die Phantasie des Zuhörers erschafft die Faszination

Denn die Bedeutung entsteht erst im Zuhörer, im individuellen (und damit immer unterschiedlichen) Verstehen. Wer nun die Faszination der Verse in den Worten sucht, wird schwerlich fündig. Denn sie liegt mindestens ebenso im Zuhörer, in dessen Begreifen, in seinen Erfahrungen, etc..

Und das ist die eigentliche Faszination der Lyrik als einem Beispiel für unser Wahrnehmen (auf eben dieselbe Weise könnte man das Sehen untersuchen und käme zu ganz Ähnlichen Ergebnissen). Da, wo nichts ist, erschafft das Denken – aus sich heraus, geheimnisvoll.

Die Lyrik fasziniert ganz besonders dort, wo sie unbestimmt und geheimnisvoll ist, wo sie nur wenige dürre Versatzstücke bereit hält, die geeignet sind, die Phantasie anzuregen. Die Worte geben eine Denkrichtung vor, die Leere aber wird aufgefüllt mit den Phantasien des Zuhörers, ja, diese Leere ist geradezu nötig, um Raum zu lassen, für diese Phantasien.

Oder würde eine alles erklärende Lyrik denn nicht platt und mechanisch erscheinen und somit alle Faszination einbüßen?

Faszination Lyrik – was macht Lyrik so magisch? was last modified: Mai 24th, 2016 by Henrik Geyer

Was ist Zeit?

Was ist Zeit eigentlich?

Zeit ist ein Gradmesser der Veränderung der Welt. oder: Die Zeit ist ein Äquivalent für die Veränderung der Dinge.

Wenn  man das so formuliert, dann ist zumindest klar, dass die Zeit nicht ohne Dinge auskommt. Die Zeit scheint die Veränderung der Dinge zu treiben. Oder ist es umgekehrt? Ist es die Veränderung der Dinge, die den Schritt der Zeit bestimmt?

Was ist Zeit? Der Zeitstrahl

Bei der Frage „Was ist Zeit?“ kommt uns zuallererst der Zeitstrahl in den Sinn, der wohl unserer materialistischen Vorstellung von Zeit recht gut entspricht. Er stellt die Zeit als eindeutig in eine Richtung „fließend“ dar, und zwar ausgehend von einem Punkt (der Beginn von Raum und Zeit – vielleicht als der Urknall), und in die Unendlichkeit sich fortbewegend.

 

Zeitstrahl, Zeit und Kausalität

 

Zeitstrahl umgekehrt

Kann man den Zeitstrahl einfach umdrehen? Allein schon die Darstellung des Zeitrahles, als von rechts nach links gehend, lässt uns das Ganze wie falsch erscheinen, obwohl doch an den Grundaussagen des Zeitstrahles gar nichts geändert wird. Dieses kleine gedankliche Experiment soll einfach zeigen, wie sehr die Zeit eine Denkgewohnheit ist, deren scheinbare Eindeutigkeit längst nicht so festgemeißelt ist, wie wir glauben.

Zeitstrahl umgekehrt, Zeit und Kausalität, Zeitstrahl und Kausalitätsstrahl

Im Zusammenhang mit der Frage „Was ist Zeit?“ könnte man auch die Frage stellen „Was ist Kausalität?“, denn ohne Zeit ist keine Kausalität denkbar. Und umgekehrt. Und auch und gerade bei der  Kausalität könnten wir uns eine Umkehr kaum vorstellen, mindestens ebenso wenig wie bei der Zeit.

Lesen Sie auch: Definition der Zeit

Ähnliches Thema: Ursache und Wirkung – Wirkung und Ursache. Umgekehrte Kausalität

 

Zeit als Punkt

Letztendlich (so ist es natürlich die spirealistische Sichtweise die auf diesem Blog thematisiert wird, und der zufolge es keine Objektivität gibt) kann man keine objektive oder endgültige Aussage über die Zeit machen, da die Welten aus Gedanken entstehen, und damit eine Frage der Vorstellungen sind.

Man kann aber sagen, dass die Zeit eine fundamentale Kategorie des menschlichen Begreifens ist (man nennt die Zeit nicht umsonst „Dimension“ – und verleiht ihr so eine fundamentale Bedeutung), die Bezüge zwischen den Objekten des Denkens herstellt. Die Zeit steht gewissermaßen am Ende der von uns schaffbaren Kausalketten, daher wirkt sie wie rätselhaft und unerklärlich. Sie ist selbst nicht begründbar, sondern sie ermöglicht erst Begründungen, z.B. etwa dieser Form: „A ist möglich, weil B (vorher) da war.“

Weiterlesen: Was war eher da – Ei oder Henne? Was besagt dieses Paradox?

Wenn der Spirealismus das Vorhandensein von Objektivität negiert, dann ist damit auch gesagt, dass die Welt(en) aus Vorstellungen entstehen. Sie sind, als Vorstellungen, natürlich bei weitem nicht so „fest“, wie wir uns Welten aus Materie denken würden, von denen wir annehmen, wir könnten diese Welten aus Materie nur auf eine einzige Art und Weise be-greifen.

Daher dürfen wir uns auch die Zeit ruhig ganz anders vorstellen, als dies landläufig geschieht, ohne in Gefahr zu geraten, der sogenannten Wirklichkeit zu enteilen – jedenfalls ist das aus spirealistischer Sicht so.

Wir können uns die Zeit ruhig vorstellen, z.B. nicht als Strahl, sondern als Punkt. Denn tatsächlich „gibt“ es ja nur das Jetzt als eigentlich „erlebbar“.

Ähnliches Thema: Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Weiterlesen: Beitrag Was ist Phantasie? 

 

Die Zeit, vorgestellt als Punkt

Die obige Grafik entstand als Folge der Überlegungen zu Kausalität und Wahrheit, die nach meinem Dafürhalten von der Frage „Was ist Zeit?“ nicht zu trennen sind. Überhaupt führt die Frage nach der Zeit auf das Wesen der Dinge, bzw.  ist es die Frage nach der Art und Weise unseres Denkens.

Visionärer Text Ouspenskys

Vorstellungswelten

An dieser Stelle eine Sichtweise, die der obigen Darstellung der Zeit als Punkt nicht widerspricht, jedoch sehr widersprüchlich zur Vorstellung der Zeit als ein Zeitstrahl ist. Ich weiß nicht, inwiefern sich der Leser dieser Phantasie annähern mag oder annähern kann; es würde nach meinem Dafürhalten erfordern, dass man die Welt grundsätzlich als eine Welt aus Gedanken, aus Vorstellungen sieht (was schon können wir denken, jenseits unserer Gedanken? Man denke auch an Schopenhauer und sein „Die Welt als Wille und Vorstellung“).

Für den Spirealismus ist also die im Folgenden dargestellte Denkweise eine natürliche Folge der eigenen Überlegungen. Denn erstens sieht der Spirealismus alles metaphorisch. Man kann demzufolge alles auch anders sehen, bewerten, sich vorstellen. Denn die Eindeutigkeit der Worte selbst, ist ja bereits Illusion (es gibt nichts Objektives).

Zweitens ist der Gedanke des Spirealismus an „Ich-Universen“ ja letztlich der an voneinander getrennte Ichs, die, was immer sie wahrnehmen, auf verschiedene Art und Weise wahrnehmen. Es gibt also nichts von vorn herein Gleiches – der Eindruck des Gleichen entsteht eben erst durch Abstimmung (Kommunikation), so wie wenn Zahnräder ineinander greifen. Den Berührungspunkt der Zahnräder könnte man beispielsweise als die Uhr sehen.

Drittens gibt es dem Spirealismus zufolge gar keine von uns abgetrennte Außenwelt, wodurch es im eigentlichen Sinn auch keine Objekte gibt, die „in Raum und Zeit“ existieren. Anders formuliert: wir können nichts beobachten, dass von uns selbst (dem Beobachter) unabhängig wäre, also auch keine (von uns unabhängige) Zeit. Was ja wiederum in keinerlei Widerspruch zu Einsteins Vorstellungen von Relativität steht.

Nun aber zu dem, was eigentlich dargelegt werden sollte:

Zeit als ineinander greifende Räder

Der Symbolist Ouspensky schuf einen visionären Text über die Zeit, an den ich oft denken muss, und der ein bestimmtes Bild in der Phantasie entstehen lässt, das (mir) ebenso geheimnisvoll wie wahr erscheint. Ouspensky bespricht in dem Buch „A new model of the universe“ die Tarotkarte „Mäßigkeit“, auf der ein Engel abgebildet ist, der zwei Kelche in Händen hält.

Der Name des Engels ist Zeit. …

Der eine Kelch in den Händen des Engels ist die Vergangenheit, der andere ist die Zukunft. Der Regenbogenstrom zwischen den Kelchen ist die Gegenwart. Du siehst, dass er in beide Richtungen fließt.

Dies ist Zeit in ihrem unverständlichsten Aspekt. Die Menschen meinen, dass alles stets nur in eine Richtung fließt. Sie sehen nicht, dass sich alles ständig trifft und dass die Zeit eine Vielzahl sich drehender Kreise ist. Verstehe dieses Mysterium, und lerne die gegensätzlichen Strömungen im Regenbogenstrom der Gegenwart zu unterscheiden.

aus: A new model of the universe, von P.D. Ouspensky

 

Als Illustration für den Text Ouspenskys habe ich das (unten wiedergegebene) Bild zweier Strohballen gefunden – man hätte hierfür auch Zahnräder nehmen können. Doch gerade die Strohballen machen, wie ich finde, das chaotische Durcheinander der Vorstellungen innerhalb eines Kosmos aus Geist deutlich. Wo sich die Strohalme treffen, da entsteht innerhalb des Getrennt-Seins der Eindruck des Gemeinsamen – auch der gemeinsamen Zeit, die doch in Wirklichkeit nicht gemeinsam ist. Die Zeit trennt und verbindet die verschiedensten Galaxien der Vorstellung, die ihrerseits wieder zahllose (durch uns nicht zählbare, d.h. unendliche) Strömungen enthalten – sie wirbeln einerseits gegensätzlich durcheinander, aber sie treffen sich auch immer wieder.

Spruchbild: Zeit ist eine Vielzahl sich drehender, ineinandergreifender Kreise mit gegensätzlichen Strömungen, die sich in vielen verschiedenen Punkten treffen. Wir Menschen können nur einen Punkt sehen, doch das bedeutet nicht, es gäbe nur einen.

Ein wenig störend wirkte mir zuerst die Überlegung, dass die Illustration doch idealerweise die 3D-Verflechtung der verschiedensten Strömungen darstellen sollte, während das Bild der Strohballen zweidimensional wirkt. Doch andererseits ist ja auch die Dreidimensionalität lediglich eine Vorstellung und durch eine noch so komplizierte Verbildlichung würde der Phantasie, die doch die eigentliche Arbeit zu tun hat, nicht geholfen.

Im Grunde kann man, so mag mancher mit Recht einwenden, wieder zu Ouspenskys Tarotkarte zurückgehen.

 

 

Was ist Zeit? was last modified: Mai 4th, 2016 by Henrik Geyer

Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Was haben Phantasie und Wirklichkeit miteinander zu tun? Gemeinhin versteht man sie als Gegensätze. Doch, so einfach ist es gar nicht, zu sagen, was eigentlich die (eine) Wirklichkeit ist – denn jeder hat eine andere. Und Phantasie wiederum erweist sich immer wieder als das Element, das die Wirklichkeit formt, z.B. als  Erfindung. Oder als Vorhersage, wenn zum Beispiel in einem Roman von Jules Verne aus der Mitte des 19. Jahrhunderts U-Boote Gestalt annehmen.

Phantasie und Wirklichkeit: U-Boot im Roman

Was trennt Phantasie und Wirklichkeit?

In der materialistischen Denkweise ist es einfach den Unterschied zu benennen: Phantasie ist das „nur Gedachte“, Wirklichkeit ist das, was tatsächlich ist.

philosophische Betrachtung

Genauer betrachtet ist es nicht einfach zu sagen, was der Unterschied zwischen Phantasie und Realität ist. Dies sei nur Denken, jenes sei „wirklich“ … Man bedenke: Das, was ist, ist ja auch gedacht. Nichts Bestehendes kann erfasst werden, wenn nicht durch einen Gedanken.

Und die Gedanken aufzuspalten in solche, die das Wirkliche widerspiegeln, und solche, die Nicht-Wirkliches beinhalten, ist im Grunde unmöglich.

Wenn man sich vorstellt, das Wirkliche sei beispielsweise ein Baum, weil „alle“ ihn sehen können, dann beginnt das Nicht-Wirkliche bereits dort, wo wir eigentlich auch uneingeschränkte Existenz vermuten, aber keinerlei äußerliche Anzeichen davon sehen können. Man denke an Landes-Grenzen, die es nur auf der Landkarte gibt. Man denke an Gott und die Frage: Gibt es ihn?  Oder man denke an ein beliebiges Objekt, das wir nicht mit Augen vor uns sehen, aber das vor dem geistigen Auge sehr wohl „da“ ist, so dass wir ganz sicher vermuten, es sei existent. Das Atom. Die Liebe, der Hass. Das Morgen und das Gestern…

Generationen von Philosophen haben sich darüber den Kopf zerbrochen – Stichwort Kant und das Ding „an sich“. Oder das Wort Noumenon, das seit dem Altertum das Gedachte einteilen will in das nur vom Geist zu Erkennende (zu Schlussfolgernde), und das, was der Geist mit Notwendigkeit spiegeln muss (weil die Augen etwas sehen). In diese Kategorie gehört, als allgemeinster Ausdruck der Frage was „wirklich“ ist.

Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein.

Dschuang Dsi fragt nach der Wirklichkeit der eigenen Person, bzw. ihrer Identität.

 

Spirealistisch gesehen ist der Unterschied tatsächlich nicht zu definieren, weil er nicht im eigentlichen Sinn „existiert“. Alles ist geistig, und der Unterschied zwischen Phantasie und Wirklichkeit nur graduell – sozusagen als Produkt des Geistes, nicht aber seine Voraussetzung. Es gibt diesen Unterschied also nicht in einer Welt außerhalb von uns, denn eine solche, von uns unabhängige Außenwelt, existiert selbst nicht.

Was haben Phantasie und Wirklichkeit gemeinsam?

Und umgekehrt lässt sich ebenso graduell eine Gemeinsamkeit von Phantasie und Wirklichkeit formulieren, indem wir gleich sagen, dass alles, was wir uns denken, ja auch potentiell Realität sein oder werden könnte. Während …  das, was wir nicht denken – welche Realität könnte das je haben??

Aus spirealistischer Sicht beginnt die Realisierung mit dem Gedanken, oder anders herum: Der Gedanke ist die erste, zunächst noch schwache Form, der Realisierung. So gesehen hat jeder Gedanke auch Realität, denn die Voraussetzung des Bestehens jeglichen Objektes ist ja Geist.  Durch eine erfolgreiche Erfindung beispielsweise gewinnt der Gedanke mehr und mehr Schwere, er „materialisiert“ sich. Und durch eine phantasievolle Gestaltung eines Romanes durch den Autor (ich nannte als Beispiel Jules Verne) erlangt ein Gedanke Verbreitung und „materialisiert“ sich auf diese Weise ebenso. Indem beispielsweise der Gedanke an ein Untersee-Boot durch Jules Verne populär wurde, beherrscht er nunmehr das Denken all jener, die Jules Vernes Bücher kennen, und wird zur Sehnsucht derjenigen, die die Vorteile eines solchen Schiffes nutzen wollen. In der Folge wird es zur äußerlichen Realität – es wird gebaut.

Welche Notwendigkeit gibt es für Phantasie und Wirklichkeit?

Welche Notwendigkeit gibt es für Phantasie?

Man wird sagen: Für die Phantasie gibt es keine Notwendigkeit, denn man kann sich ja ausdenken was man will.

Andererseits könnte man sagen: Jules Verne konnte die Phantasie des Untersee-Bootes nur entwickeln, weil das Wissen und die technischen Möglichkeiten seiner Zeit entsprechend waren. Eigentlich wurde bereits im amerikanischen Bürgerkrieg (1860-1865) ein muskelgetriebenes U-Boot eingesetzt, also ca 10 Jahre bevor der Roman „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ 1874 erschien.

Was Jules Verne entwickelte war eher die Phantasie eines modernen Untersee-Bootes, während die allgemeine Idee für ein U-Boot schon im 14.Jahrhundert nachweisbar ist.

Also, und das sollte gesagt werden, könnte man aus dieser Perspektive eine Notwendigkeit für Jules Vernes Phantasien herleiten. Und diese Notwendigkeit besteht darin, dass sich der Autor ja niemals trennen lässt von den Ideen der Zeit, in der er seine Werke schafft. Die Ideen der Zeit sind in ihm, und nur sie kann er verarbeiten.

Nebenbei gesagt würden Ideen, die nicht mit den vorhandenen Begriffen in der Gesellschaft korrespondieren, vom Publikum auch nicht verstanden werden.

Ähnliches Thema: Kreativ sein – die 80 % Regel

Welche Notwendigkeit gibt es für Wirklichkeit?

Für die Wirklichkeit hingegen sehen wir in der materialistischen Sichtweise eine vollständige Notwendigkeit – die Wirklichkeit ist eben „da“! Die Notwendigkeit der Wirklichkeit (im Sinne einer völligen Folgerichtigkeit) zu bestreiten, das hieße sich dem Vorwurf auszusetzen, kein Realist zu sein, etc..

Doch die Vorstellung von der absoluten Notwendigkeit der Wirklichkeit wird durch das bereits Gesagte über das Ding „an sich“, das Noumenon etc.., aufgeweicht. Denn, wenn die Dinge des Außen die Wirklichkeit repräsentieren, man sich aber über ihre letztendliche Gestalt, über ihr Wesen „an sich“, oder ihre objektive (objektiv als: jenseits und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein) Gestalt kein Urteil bilden kann, dann lässt sich in letzter Konsequenz auch nicht genau sagen, was denn „die“ Wirklichkeit überhaupt ist.

Spirealistisch gesehen gibt es nicht „die“ Wirklichkeit. Es gibt immr nur die Wirklichkeiten einzelner Ich-Universen – als Gedanken.

Unsere Vorstellung von Kausalität

Es gehört an diese Stelle, die verschiedenen Querverbindungen aufzuzeigen, die die Vorstellung von Wirklichkeit / Realität mit der Vorstellung von Kausalität hat. Ebenso ist aufzuzeigen, dass Kausalität wiederum engstens verbunden ist mit dem Zeit-Begriff.

Wie bereits gesagt ist uns die Realität, bzw. die Wirklichkeit, folgerichtig und notwendig, denn sie ergibt sich aus allem, was vorher da war, und sie ist bestimmend für alles was danach kommt (Zeit). Die kausalen Zusammenhänge sind es, die die sichtbaren Phänomene wie „nicht anders möglich“ erscheinen lassen.

Aber dennoch muss man feststellen, dass „die Wirklichkeit“ des Momentes nicht eigentlich folgerichtig ist, sondern sie selbst ist der Beginn allen Folgerns. Man kann die Kausalketten in die Zukunft oder auch die Vergangenheit denken – der eigentlich feste Anker, der Urgrund allen Folgerns ist das, was wir als die Realität im Hier und Jetzt bezeichnen, und nicht umgekehrt. Der Urgrund ist das Phänomen, die Erscheinung im Jetzt. Um das an einem Beispiel zu illustrieren: nicht die Elemente, die wir in das Periodensystem der Elemente eingezeichnet haben sind der Grund für unsere Beobachtungen an den Dingen. Sondern unsere Sichtweise, Beobachter von Dingen zu sein, ist der Grund, dass ein Periodensystem der Elemente erstellt wurde.

 

Wenn man nun die Aussage, dass es keine Objektivität gibt, die sich in den Aussagen so vieler Philosophen und Wissenschaftler (Kernphysiker) wieder und wieder bestätigte, zutiefst verinnerlicht, dann muss man auch sagen, es gibt keine objektive Kausalität. Anders gesagt ist die Vorstellung einer eindeutigen Folgerichtigkeit selbst eine Phantasie. Wenn das Phänomen, oder die Wirklichkeit, oder die Realität, nicht in einem objektiven  Tatbestand erfassbar ist, dann ist alles, was sich aus diesem Gedachten folgern oder ableiten lässt, ebenfalls kein objektiver Tatbestand.

Es sei noch einmal auf die spirealistische Sichtweise hingewiesen, die sich von der des Materialismus fundamental unterscheidet, und der hier Erklärung ist, für dieses Phänomen, das vom Standpunkt des Materialismus zutiefst paradox wirkt. Einerseits erscheinen die Begriffe der Kausalität, der Zeit, des Zufalls, überhaupt der Trennung von Wirklichkeit und Phantasie wie eindeutig, wie festgelegt und greifbar. Glauben wir denn nicht alle stets und ständig, wir hätten einen eindeutigen und unleugbaren Begriff von allem, was uns umgibt? Und doch lässt sich nirgends ein solcher Begriff in Eindeutigkeit packen, sondern verschwimmt in der Unendlichkeit der Relationen. Zitat Wilhelm Busch: „Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.“

So als sei die Welt gar nicht aus festen Körpern gemacht, die eindeutige Informationen bereits in sich tragen (die wir Menschen dann mit unserem Geist „abrufen“) – gerade das aber, das Bestehen dieser objektiven Welt außerhalb von uns, in Form von Materie, ist dem Materialismus fundamentalste Denkvoraussetzung.

Der Spirealismus hingegen sieht die Welten nicht ausgehen von Materie, sondern vom Gedanken. Das übersetzt sich in diesem Zusammenhang zu: das Folgern selbst, die Kausalität, ist das Entstehungsprinzip der Welt. Daher geht für den Spirealismus die Welt des materialistisch Denkenden, aus, von dem Gedanken an Materie. Das wichtige Prinzip, das der Materie zu Grunde liegt, ist der Gedanke – und nicht Materie, die den Geist in Form des Gehirns erst erschafft. Durch das Letztgesagte wird einmal mehr klar, dass der Spirealismus als Sitz des Geistes nicht das (menschliche) Gehirn ansieht. Wenn „alles Geist ist“, dann ist Geist eben nicht „nur“ hier oder dort.

Seltsamer Zufall, dass alle die Menschen, deren Schädel man geöffnet hat, ein Gehirn hatten.
Ludwig Wittgenstein

Kausalität im Widerstreit mit dem Zufall

Noch ein letzter Gedanke zum Begriff des Zufalls, der mit dem Begriff der Kausalität in engem Zusammenhang steht.  Das, was wir begründen können, nennen wir nicht „zufällig“; und umgekehrt ist der Zufall etwas, das wir als Phänomen bemerken, dessen Grund wir aber nicht kennen.

Die in der materialistischen Denkweise als so fest und statisch wahrgenommene Kausalität kann man (spirealistisch) auch ganz anders wahrnehmen – als Phantasie, als Realität erschaffenden Gedanken. Und zwar, wenn man bedenkt, auf welche Art und Weise wir gewohnt sind, Zufall von einer notwendigen Abfolge von Geschehnissen (Kausalität) zu unterscheiden.

Ausgangspunkt ist das wahrgenommene Phänomen, von dem wir bereits sagten, es sei nicht objektiv erkennbar, und daher seien alle Ableitungen aus ihm ebenfalls nicht objektiv.

Zweitens aber sagten wir, dass uns nur alles das zufällig ist, für was wir keine Begründung finden.  Für was aber finden wir keine Begründung? Ich denke, wir finden für alles eine Begründung, in Abhängigkeit davon, ob wir uns auf ein bestimmtes Phänomen konzentrieren, und es in Verbindung mit einem anderen Phänomen bringen. Und das wiederum ist die Definition von Phantasie: Querverbindungen zwischen Phänomenen herzustellen, ungewöhnliche Querverbindungen oft.  Es ist somit eine eine Frage der Phantasie, in welcher Weise sich Kausalität fortschreibt.

Phantasie & Einstein - Einstein/Münchhausen - Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?
Phantasie & Einstein – Einstein/Münchhausen – Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?

Man denke z.B. an Einstein und seine Relativitätstheorie, die er auf Grund sehr phantasievoller Überlegungen entwickelte. Er stellte sich vor, selbst auf einem Photon zu reiten, eine Taschenlampe in der Hand haltend, und nun sehend, wie die Photonen (Photon=Lichtteilchen) aus der leuchtenden Taschenlampe kommen und enteilen. Er fragte sich, ob die Geschwindigkeit der Taschenlampen-Photonen sich zu der Geschwindigkeit des Photons auf dem er bereits saß (und das sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt), hinzuaddieren würden. Auf diese Art und Weise kam er zu einer Sichtweise, die in die Überlegung die Zeit mit einbezog – Die Geschwindigkeit (Bewegung im Raum) und die Zeit sind relativ zueinander.

Durch Einstein sind heute unsere Vorstellungen von Raum, Zeit und Masse, miteinander verknüpft, während sie vorher wie völlig unabhängig voneinander erschienen.

Mit welcher Notwendigkeit kam Einstein auf seine Erkenntnis? Man muss sagen (und Einstein selbst hätte das auch so gesehen): mit keiner. Die Phantasie des Einstein kam mit keiner vorhersagbaren oder begründbaren Folgerichtigkeit in die Welt, und seine Phantasien zu Raum und Zeit somit auch nicht. Man könnte auch sagen: Es war Zufall. Im Nachhinein mag man zwar immer konstruieren: „Es musste ja so kommen!“ … aber nein, es musste nicht. Und wie gesagt hat Einstein selbst diese Nichtnotwendigkeit des In-die-Welt-Kommens scheinbar ganz logischer Schlussfolgerungen einmal formuliert.

Somit ist die Vorstellung der Relativität von Zeit und Raum ebenfalls ohne völlige Notwendigkeit in der Welt. Anders gesagt. Wir könnten nach wie vor ebenso gut der trennenden Denkweise anhaften, und würden nichts vermissen.

 

Ähnliches Thema: Artikel „Gott würfelt nicht“, sagte Einstein. Aber warum würfelt Gott nicht?

Siehe auch: Artikel Kausalkette – philosophisch (spirealistisch) gesehen

Siehe auch: Mindfuck Philosophy – der Beginn eines neuen Denkens

Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität was last modified: Mai 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Alles hat mit allem zu tun. Metaphern beschreiben diesen Aspekt der Realität

Die Metapher – bildhafter Ausdruck. Wozu ist die Metapher gut? Wie äußert sie sich, und warum sagt man nicht einfach, was man wirklich sagen will?

Metapher als Umschreibung

Dies ist beispielsweise eine Metapher:

Die Menschheit ist ein Fluss des Lichtes, der aus der Endlichkeit zur Unendlichkeit fließt. (Khalil Gibran)

Der eigentlich betrachtete Gegenstand der Betrachtung, die Menschheit, wird im Verständnis des Lesers auf das Bild eines Flusses gelenkt.

Wozu? Um den Leser verwirren?

Der Grund ist, dass die Menschheit diesen Aspekt des Fließenden hat. Er ist im geläufigen Verständnis des Wortes Menschheit nicht enthalten, wodurch der Lesende spürt, hier etwas Neues und auch Wahres zu erfahren.

Einen Gegenstand unter einem anderen Aspekt als dem geläufigen zu sehen, bringt uns also sehr viel Erkenntnis und Verständnis.

Alles ist eine Metapher

Einmal mehr bleibt darauf hinzuweisen (auf diesem mindestens zur Hälfte philosophischen Blog), dass es Objektivität nicht gibt. Demzufolge existieren alle Begriffe in Eindeutigkeit nur in unserer individuellen Vorstellung.

Statt dessen ist jeder Begriff ist mit jedem anderen kombinierbar; und jeder Begriff geht erst aus einer Kombination anderer Begriffe hervor.

Metapher und Kausalität – alles ist mit allem verbunden

Es ist das Wesen des alles hervorbringenden Denkens, dass es das Einzelne nicht geben kann. Alles sehen wir aus etwas anderem hervorgehen. Alles steht in Verbindung mit allem anderen.

Das ist zugleich das Wesen unseres kausalen Verständnisses jedes Dinges: Es hinge ab von etwas anderem.

Ebenso bildet jeder Begriff, neben einen anderen gestellt, eine zumeist kreative und interessante Verbindung.

So ziemlich jede Kombination von Begriffen trägt auch eine Art von Wahrheit in sich.

  • Die Menschheit könnte man auch als eine Blume bezeichnen, die wächst, eine Reife erlebt, vielleicht auch endet.
  • Man könnte die Menschheit auch in eine metaphorische Verbindung mit einer Uhr bringen, weil  ihre äußerlichen Zeichen den Stand ihrer Entwicklung angeben.

etc..

Symbolhaftes Denken und Metapher

Materialismus – Welt der Eindeutigkeit

Dass alles in Verbindung mit jedem anderen Ding steht ist andererseits nicht das Wesen der materialistischen Weltanschauung, mit ihrer Eindeutigkeit, ihrer Objektivität. Aus ihrer Sicht erscheint metaphorisches Denken wie eine trickreich-amüsante Geschicklichkeit ohne größeren Nutzen.

Metaphern ersinnen

Doch die Quelle für Metaphern ist symbolhaftes Denken. Das In-Verbindung-Bringen von Dingen, die für den „realistisch und geradlinig Denkenden“ nicht zusammengehören. Symbolhaftes Denken bedeutet, es für normal zu halten, dass gedankliche Verbindungen prinzipiell in allem bestehen können – oder jederzeit hergestellt werden können.

Metaphorisches Denken geht aus einem Gefühl hervor, nämlich dem, dass die sogenannte Realität nicht eindeutig ist. In den unendlichen begrifflichen Verbindungen liegen Welten jenseits des normal Sichtbaren.

Siehe auch: Symbolismus – was ist das? Symbolhaftes Denken

der Nutzen der Metapher

Der Nutzen der Metapher erscheint damit hinreichend beschrieben. Die Metapher beschreibt die Realität genauer, als es das „eindeutige, realistische und geradlinige Denken“ vermag. Die Metapher macht einen Aspekt der Realität deutlich, den man ohne weitere Beschreibung, im Wort selbst, nicht finden kann..

Die Metapher beleuchtet anders, manchmal neu.

Die Metapher eröffnet Welten der Phantasie und der Assoziation. Die Metapher ist ein Türöffner zu neuen und ungewöhnlichen Verständnis-Welten.

 

Lesen Sie auch: Symbolismus des Ouspensky
Lesen Sie auch: Materialismus – was ist das?

Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken? was last modified: April 6th, 2016 by Henrik Geyer

Apokalypse – Offenbarung. Der ewige Kreislauf der unschuldigen Sünde

Apokalypse - Offenbarung. Der ewige Kreislauf der Unschuld. Unschuld, Totale Zerstörung, Verwüstung, Demolierung, Apokalypse, Rot, Schönheit, Unbekümmertheit, Arglosigkeit, surreal, brennende Stadt, Zerstörung

Was ist die Apokalypse? Gibt es eine Notwendigkeit für sie? Worin besteht die Notwendigkeit, wodurch lässt sie sich abwenden?

Biblische Offenbarung – das Ende der Welt .. Gott übernimmt wieder

Apokalypse ist ein biblisches Wort – es ist das Buch der Offenbarung, das das Ende der Welt beschreibt, das jüngste Gericht. Aufgrund menschlicher Verfehlungen wird das Ende der Welt eingeleitet, es ist eine Abrechnung Gottes mit den Fehlern der Menschheit – eine fürchterliche Bestrafung und wohl nur manchmal eine Belohnung.

Die Welt kehrt in ihren himmlischen Urzustand zurück, ohne Menschen, aber auch ohne Sünde.

Endzeit-Visionen – die modernisierte Form der Apokalypse

Es gibt viele Endzeitphantasien, oft sind sie inspiriert von der biblischen Apokalypse. Diese Endzeit-Phantasien hängen entweder mit Krankheiten (Pandemien) oder Weltkriegen zusammen, man denke an „I am Legend“ (Buch von Richard Matheson), „The Book Eli“ (Film), „Mad Max“ (Film) und viele, viele mehr.

„Die Zeitmaschine“ von H.G.Wells ist eine sehr gut geschriebene, spannende und äußerst hellsichtige Variante. In „Die Zeitmaschine“ dringt ein Zeitreisender in die Epoche nach einer atomaren Kriegskatastrophe vor. Die Rest-Menschheit hat sich in die Eloi und die Morlocks geteilt.

Die Morlocks sind unterirdisch lebende, kannibalistische Ungeheuer. Sie ernähren sich von den überirdisch lebenden Eloi, die sie regelmäßig zusammentreiben und planvoll auf die Schlachtbank führen. Die Welt der Eloi ist himmlische Unwissenheit – sie vertreten das Prinzip der Schönheit, der Harmonie des Gartens Eden. In ihrer Unwissenheit sind sie wie Schafe, aber auch völlig ohne Sünde. Hingegen sind die Morlocks im Grunde der heute lebenden Menschheit sehr ähnlich. Denn sie sind wissend, berechnend, ausnutzend, produktiv, und sind dem Leser des Buches, obwohl sie so schrecklich und fremd wirken, irgendwie auch ein alptraumhaftes Spiegelbild.

H.G. Wells fragt nun: ist es das Los des Menschen, strebend, brutal, listig, vorwärts drängend zu sein, und damit schicksalhaft auch das Böse als unabdingbare Notwendigkeit in die Welt zu bringen?

Jack London – Der scharlachrote Tod

Die 1915 erschienenen Novelle „Der scharlachrote Tod“ von Jack London ist eine weitere, erstaunliche Variante einer Endzeit-Phantasie. Erstaunlich, weil Jack London eigentlich nicht für spirituelle Texte bekannt ist, dennoch ist gerade dieses Werk durchdrungen von spiritueller Weisheit und es ist wunderbar hellsichtig.

„Der scharlachrote Tod“ handelt von Überlebenden einer weltweiten Vernichtung der Menschheit durch eine gleichnamige Krankheit.

Der letzte Zeitzeuge der eigentlichen Katastrophe erzählt 60 Jahre danach, Kindern von den Tagen der Pandemie. Und er kommt auch darauf zu sprechen, wie es nun aus seiner Sicht weitergehen wird. Er hat Bücher in ein Versteck gebracht, um dem geistigen Neustart der Menschheit, den er voraussieht, zu befördern. Gegenwärtig sind die wenigen Überlebenden in einen Zustand des Analphabetentums, der Wildheit, des Aberglaubens, zurückgefallen – und er hält es für nötig, das geistige Erbe zu bewahren.

Doch dann, den Kindern berichtend, und ihre Reaktionen hörend, zweifelt er …

 

Erneuerung durch Feuer und durch Blut

Zitat (Übersetzung)

„Das Schießpulver wird wiederkommen. Nichts kann es aufhalten – es ist immer und immer wieder dieselbe Geschichte. Der Mensch steigt auf, und der Mensch kämpft.  Schießpulver wird den Menschen ermöglichen, Millionen anderer Menschen zu töten, und nur auf diese Weise, durch Feuer und durch Blut, wird sich eine neue Zivilisation in einer weit entfernten Zukunft entwickeln.

Und zu welchem Preis? Genau wie die alte Zivilisation verging, so wird es der neuen geschehen. Es kann fünfzigtausend Jahre dauern, dass sie sich entwickelt, aber auch sie wird vergehen. Alles vergeht. Es bleiben nur die kosmischen Kräfte und die Materie, die, immer fließend, immer agierend, die zeitlosen Typen hervorbringt – den Priester, den Soldaten und den König. Aus dem Mund von Kindern kommt die Weisheit aller Zeitalter. Manche werden kämpfen, andere werden herrschen, andere werden beten; und der Rest wird schuften und leiden, während ihre geschundenen Körper benutzt werden; wieder, und dann wieder, ohne Ende, die erstaunliche Schönheit und die überragenden Wunder der Zivilisation hervorbringend.

Es wäre ebenso gut, ich würde die Bücher, die ich in der Höhle sammelte, zerstören. Ob sie nun bleiben oder verschwinden, all ihre alten Wahrheiten werden entdeckt werden; all ihre alten Lügen werden neu gelebt und weitergegeben. Was wäre der Nutzen (sie zu bewahren)….“

die spirealistische Sicht

Aus spirealistischer Sicht hängt, was vorgedacht wird, mit einer sich entwickelnden Realität zusammen. Der Mensch ahnt hier völlig zu Recht. Denn er hat sich von seinen Quellen getrennt, und wähnt sich nun eigenständig. Die Welt SO sehend, entfremdet er sich von ihr, zerstört seine Quellen, lebt nicht in Einklang, sondern in ewigem Kampf. Dem Kampf, von dem Jack London spricht, und der sich immer wiederholen wird, solange sich der Mensch als getrennt von den Dingen sieht.

Bild „Apokalypse“

Es ist diese Unschuld, die ich in obigem Bild, das ich „Apokalypse“ nannte, darstellen wollte. Der Mensch sündigt und ist dabei völlig unschuldig. Wie ist das möglich? Kampf und Atombomben für selbstverständlich haltend, und sie sogar dem menschlichen Genie zurechnend, erschafft sich der Mensch seine fürchterliche Realität. Seine schrecklichsten Alpträume werden wahr. Und der Mensch beteuert, er wüsste nicht, woher all das kommt (!)… er ist in seiner Ahnungslosigkeit vollkommen ehrlich.

 

Die Sichtweise des Kampfes zu durchbrechen ist die Chance des Menschen – doch dieses Durchbrechen müsste mit einer ganz anderen Weltsicht einhergehen, als sie der Mensch derzeit hat.

Es wäre nicht die Welt der Unwissenheit der Eloi aus „Die Zeitmaschine“ – denn es gibt kein Zurück aus dem Wissen um Waffen. Es müsste eine Welt des Einklanges, und dennoch des Wissens, sein. Es müsste eine Welt sein, in der niemand die Notwendigkeit der Bombe sieht. Die technische Möglichkeit der Bomben-Konstruktion wohl habend, müsste jeder, oder anders formuliert, müsste „der Mensch“, eine solche Realisierung für völlig absurd halten. Das währe gleichbedeutend mit: Es technisch nicht ermöglichen. Es nicht planen, nicht entwickeln, nicht verbreiten, einfach weil man keinen Nutzen darin sieht.

Ist so etwas vorstellbar?

 

 

Apokalypse – Offenbarung. Der ewige Kreislauf der unschuldigen Sünde was last modified: Juni 5th, 2016 by Henrik Geyer

Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Phantasie & Einstein - Einstein/Münchhausen - Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?

Phantasie, landläufig verstanden, ist …

… das „Nicht-Wirkliche“. Das, was nur im Kopf existiert. Mit „Phantasie“ ist gleichzeitig die Fähigkeit gemeint, etwas nicht Existierendes im Kopf entstehen zu lassen, oder sich etwas Existierendes, das man aber nicht vor Augen  hat, vorzustellen. Phantasie kommt lt. Wikipedia von altgriechisch φαντασία phantasía – „Erscheinung“, „Vorstellung“, „Traumgesicht“, „Gespenst“

Wozu ist Phantasie gut?

Ist Phantasie nur wichtig für die Autoren von Penny-Romanen, für Spiele-Entwickler und sonstige Arbeiter der Unterhaltungsindustrie, während die ernsthafte Forschung sich nicht um Phantasie schert, weil es für sie ausschließlich um das Arbeiten mit Fakten, mit richtigen Prognosen, Statistik etc., geht?

Nein. Ein vielsagendes Beispiel mögen die Überlegungen Albert Einsteins zu dessen Relativitätstheorie sein. Seine Relativitätstheorie kam nach Einsteins Worten durch recht ungewöhnliche und phantasievolle Überlegungen zu Stande – etwa der Art: Einstein stellte sich vor, selbst auf einem Lichtteilchen, einem Photon, zu reiten. Und er fragte sich, wie ihm die ihn umgebende Welt dann vorkommen müsse. Beispielsweise stellte er sich vor, auf diesem Photon reitend, eine Taschenlampe, die er in Flugrichtung hielte, einzuschalten. Wie würde er die Photonen, die der Taschenlampe entströmen, sehen? Würden sie wie fest gefroren im Raum hängen?

Einstein sagte „nein“. Sie würden sich wiederum mit Lichtgeschwindigkeit entfernen. Dies würde er sehen. Würde sich also die Lichtgeschwindigkeit, mit der Einstein sich bereits bewegte, zu der Lichtgeschwindigkeit der Photonen aus der Taschenlampe addieren? Doppelte Lichtgeschwindigkeit der Taschenlampen-Photonen also?

Wieder nein. Die Lichtgeschwindigkeit sah Einstein als konstant an. Was sich beugen müsse, sei die Zeit. Dies ist der Grundgedanke der Relativitätstheorie.

Man sieht also, wie sehr wir auf die Phantasie angewiesen sind, und zwar in Wissenschaft und Forschung ebenso, wie in jedem Bereich unseres Lebens.

Was ist Phantasie im Gegensatz zu Wirklichkeit?

Es geht auf diesem Blog natürlich auch um die ewig junge Frage, was das Reale im Gegensatz zu Phantasie und Ausgedachtem ist.

Nach spirealistischer Auffassung ist eine Phantasie ein Stück unserer Wirklichkeit, und zwar im Moment des Entstehens. Die Gedanken selbst sind die Quelle der Existenz und haben Realität. Mithin hat, was immer sich die Phantasie erdenkt, für uns auch eine Realität. Im materialistischen Sinn würde man sagen: Eine beginnende Realität. Jedenfalls: in dem Maß, wie wir Möglichkeiten erdenken, erdenken wir ein Stück weit unsere Welt.

Und – was immer wir im Jetzt als Möglichkeit oder als Prognose oder als Szenario im Kopf entwickeln, werden wir später, in der dann so genannten  eingetretenen Realität, wiedererkennen. Was sonst könnten wir wieder-erkennen, wenn nicht etwas, das bereits gedacht wurde?

Umgekehrt: ohne unsere Phantasien im Jetzt gäbe es im Jetzt der Zukunft nicht den Eindruck, man hätte das (zukünftige) Jetzt geplant und vorgedacht. Ob eine Phantasie im Jetzt eine Realität der Zukunft wird, lässt sich nicht im Jetzt sagen.

Utopien sind oft nur vorzeitige Wahrheiten. (Alphonse de Lamartine)

Statistik als eine Form von Phantasie – Wir formen die Zukunft mit Phantasie

Phantasie formt unsere Zukunft. Statistik bezeichnet die Häufigkeit des Eintretens von Ereignissen (in der Zukunft), die wir benennen. Als eine beginnende Form der Wahrheit definiert sie den Wahr-Schein. Die Wahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit (in Form der statistischer Berechnungen beispielsweise) ist uns selbst eine Wahrheit und scheint mit Zufall, als dem Nicht-Vorhersagbaren, schon gar nichts mehr zu tun zu haben.

Wer nun glaubt, Statistik sei eine exakte Wissenschaft, ganz ohne Phantasie, dem sei folgendes Beispiel ans Herz gelegt. Wer kennt nicht den verblüffenden Effekt, dass wir Ereignisse benennen, und bereits durch das Benennen erhält etwas ganz Unglaubhaftes Existenz und Wahrscheinlichkeit?

siehe Artikel Gott würfelt nicht

Man denke an den Effekt, wenn man ein Sterberisiko in einen statistischen Zusammenhang mit dem Essen von Quarktaschen bringt. Ist es nicht wahrscheinlich, irgendeine Art von Korrelation zu finden? Nur durch Benennen? Und nun frage man sich: Was ist „wirklich“? – und was ist „nur  ausgedacht“? Formen wir unsere Zukunft.. in Gedanken? Wer kann hier „nein“ sagen?

Die menschlichen Begriffe, die menschlichen Wahrheiten, formen dessen Existenz – es gibt sie außerhalb des Menschen nicht. Die menschliche Vorstellung von Existenz – als außerhalb und unabhängig von ihm – ist hingegen nirgendwo nachweisbar. Das ist eine der Grundaussagen des von mir vertretenen Spirealismus. Und so ist auch das gängige Prognoseverfahren der Statistik abhängig von unserem spezifischen Denken, unserem Erfindungsreichtum, unserer Phantasie.

Zitat: Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein

 

 

 

 

 

Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei? was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

spirituelle Reisen – Geistes-Reisen

spirituelle Reisen

Wenn von Reisen die Rede ist, so es oft darum, viel zu sehen, an möglichst viel Orte zu gelangen, tolle Erlebnisse zu machen. Reisen sind immer auch spirituelle Reisen – denn der Geist reist immer mit.

spirituelle Reisen – Geistesreisen

Egal welche Destination wir wählen – sei es die Bank im Park oder die Großstadt am anderen Ende der Welt: Uns kann öde vorkommen, was wir am anderen Ende der Welt sehen – und faszinierend, was wir im eigenen Garten entdecken. Warum? Wir selbst sind dabei – bei jeder Reise die wir in das noch so Fremde unternehmen. Daher wird die Langeweile und Ödnis, die uns zu Hause verfolgt, schnell zum Fluch der Urlaubstage im Ausland.

Und umgekehrt – wenn wir die Geheimnisse unserer Heimat entdecken und uns an ihnen erfreuen können, wie viel mehr sind uns dann die neuen Eindrücke eines exotischen Urlaubsortes ein Gewinn! Auf das Geistige kommt es an.

sich mit Neuem auseinandersetzen

Das eigentlich Interessante an jeder Reise, der Grund, warum wir sie unternehmen, ist, dass wir uns mit Neuem in Verbindung bringen wollen. Das uns Neue als eine Relation zu dem uns gewohnten Denken. Daher ist das eigentlich Wichtige an jeder Reise der geistige Aspekt.

Er entscheidet darüber, wie viel wir von einer Reise an Eindrücken mitnehmen können, welcher Art und wie groß der Gewinn aus dieser Reise ist.

Reisen an Orte, die das Geistige fördern

Spirituelle Reisen können beispielsweise die Meditation zum Leitgedanken haben, hierfür bieten sich Klöster-Reisen an, die in die Stille und Abgeschiedenheit führen, an magische Orte wie Lourdes, oder Wanderungen auf spirituellen Pfaden wie dem Jakobsweg.

Spirituelle Reisen in die Welt der Kunst und Kreativität können uns nach Italien führen, an die Wirkungsstätten großer Meister der bildenden Kunst. Das sind auch Reisen die man auf den Spuren seiner Lieblings -Autoren unternimmt, um deren Welten wieder zu entdecken, ihre Lebenswege kreuzen.

Spirituelle Reisen, die unser Wissen fördern, können jeder Art und Form annehmen, können uns beispielsweise an die berühmten Universitätsstädte führen, können uns in die Natur führen oder die Großstädte. Oder begeben wir uns auf die Suche nach kulturellen  Spuren, deren faszinierendes Erbe man an Orten wie Stonehenge oder im Dom von Chartres bewundern kann.

Stonehenge
Stonehenge

Geistesreisen sind Fernreisen

Doch im Geist kann man weiter reisen als in jedem Flugzeug. Reisen, als ein Sich-Bewegen im Äußerlichen, findet seine Entsprechung in der innerlichen Bewegung, zwischen gedanklichen Aspekten.

Die Rede ist von Phantasie, Träumen, Lesen, Kreativität. Es kommt auf dasselbe hinaus. Geistige Reisen setzen uns in Beziehung zu uns neuen und interessanten Gedanken.

Und geistige Reisen  führen weiter, als es jedes Flugzeug vermag. Im Geist überwinden wir mühelos Zeit und Raum, leben ganz verschiedene Leben, sehen Orte, die vor uns noch niemand sah.

 

spirituelle Reisen – Geistes-Reisen was last modified: Dezember 16th, 2015 by Henrik Geyer