Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir

In diesem Abschnitt soll es nun darum gehen, wie wir uns das Ich-Universum vorstellen können, welche Parallelen sich zu dem Universum ergeben, das wir im Außen sehen, welche Sinnhaftigkeit darin liegt, etc..

Was ist ein Universum?

Stellen wir uns ein Universum zunächst als ein All vor, als eine Summe von Allem, was einen Menschen oder eine Menschengruppe (die Menschheit) umgibt. Es ist dabei wichtig, folgenden Aspekt im Hinterkopf zu behalten: das Wichtige am Universum sind eigentlich nicht die Sterne und Sonnen und Planeten, sondern die ganz normalen Dinge des Alltags. Die Kaffeetasse, die Kollegen, die kleinen und großen Sorgen.

Wenn man das Universum so sieht: die kleinen Dinge, die unser tägliches Leben sind als nicht wirklich getrennt von den großen Dingen, sondern wirklich alles als integralen Bestandteil des Alls, des Universums, dann haben wir einen wichtigen Schritt getan, um uns das Universum in seiner spirituellen Variante vor Augen zu führen, und zu ermöglichen, dass wir das Majestätischste, die Sterne und Galaxien, mit dem Trivialsten, in einem Zusammenhang denken können.

Und eigentlich gibt es ja auch keinen Grund zu sagen, dass der Bleistift, der vor mir liegt, weniger Teil des Universums sei, als eine Supernova in Milliarden Lichtjahren Entfernung. Mehr noch: der Bleistift ist in meinem Leben wichtiger! Und der Raum, der in meiner Kaffeetasse ist, in die hinein ich den Kaffee gieße, den ich dann trinken möchte, ist nicht verschieden von dem Raum der zwischen den Planeten ist.

Wir haben so auch das Fundament gelegt, um einem wichtigen hermetischen Grundsatz in unserem Denken zu genügen, bzw. seine Denkbarkeit vorzubereiten: ich meine das Prinzip der Entsprechungen, dem zufolge sich alles in allem findet. Wie oben, so unten. Wie außen, so innen. Wie im Großen, so im Kleinen. Das bedeutet: alles hat mit allem zu tun, es gibt keine wirkliche Trennung. Die Prinzipien die für die genannte Supernova gelten, gelten auch für den Bleistift. Die Verbindungen sind allumfassend und weit über das hinausgehend, was ich sehen kann.

Ich will auch gleich, ein wenig vorgreifend, den Grund nennen. Könnte ich sonst keine Verbindung zwischen der Supernova und Bleistift sehen, so ist doch eine Verbindung ganz offensichtlich: die meines Geistes. Beide Dinge sind Bestandteile meines Geistes, und indem ich sie in meiner Vorstellungskraft bewege und gewichte, ist es mir möglich, in der Art eines Schöpfers, hier ein wenig Gewicht hinzuzufügen, dort ein wenig wegzunehmen. Ich kann die Gewichtung in meinem Geist so verteilen, dass beide Dinge gleichwertig sind, und dass der Bleistift nicht geringer wiegt, als die Supernova.

Und das ist nun wieder das Verbindende, das Analoge. Der Geist, der als Ich eine ganz konkrete Form annimmt. In mir wird alles analog, ebenso, wie in mir auch alles divers wird. Ich kann alles, jeden Gegenstand, immer nur mit demselben Geist erfassen. Jeder Gegenstand wird durch mich, in meinem Geist, zu einem individuellen Gegenstand. Denn meine Sichtweise auf die Dinge ist einzigartig.

Sich den Geist wiederum als das eigentlich Welt-Erschaffende zu denken, genügt dem ersten hermetischen Prinzip Alles ist Geist, und beweist es. Der Beweis kann durch jeden Menschen geführt werden, der über genügend Phantasie verfügt, sich das oben Genannte vorzustellen, und in seinen Gedanken Objekte entstehen zu lassen, zu verringern oder auch zu vergrößern.

Warum Ich-Universum?

Der Grund, warum ich die Worte Ich und Universum in eine Verbindung brachte, war, dass ich darin ein Synonym sah – eine Gleichheit. Das Ich ist eine Einzelheit, etwas Individuelles, denn ich bin von jedem anderen Menschen verschieden. Mein Ich ist von jedem anderen Ich verschieden. Und mir wurde irgendwann klar, dass das Universum, so wie ich es verstehe, nur in mir existiert, und sich also wiederum von jedem anderen Universum, das andere sehen, unterscheiden muss. Das wird insbesondere klar, wenn man „das Universum“ so versteht, wie ich es im vorigen Abschnitt beschrieb – als die Gesamtheit auch der kleinen Dinge, die im Leben eines Menschen sind. Dessen All, sozusagen.

Aber auch, wenn ich das Universum als die Gesamtheit von Sternen in einem unendlichen Raum sehe, kann ich das gleiche Denkexperiment anstellen. Man stelle sich vor, man würde eine Anzahl Sterne kennen, aber einige auch nicht. Es gibt Menschen, die kennen andere Sterne als ich. Vielleicht mehr Sterne. Kann man sagen, dass deren Universum gleich meinem sei? Nein. Was ich über das Universum weiß, macht es einzigartig (ich sage nicht: macht es gut oder schlecht). Es wird einzigartig dadurch, dass ich die Dinge, egal um was es sich handelt, einen Bleistift, eine Supernova, oder ein Universum, immer als die Summe ihrer Bestandteile ansehe; als die Gesamtheit der Dinge, die darin und darum sind; als die Gesamtheit ihrer Eigenschaften. Die Dinge, die um und in einer Sache sind, und seine Eigenschaften, sind austauschbar. Ein Beispiel hierzu: Eine Sache ist grün, weil ihr grüne Farbteilchen anhaften. Ein Auto ist schnell, weil es vorn einen Motor unter der Haube hat, etc.. Also ist das, was wir als die Eigenschaften der Dinge ansehen, auch immer verbunden mit Objekten. Zumindest ist das in unserem Denken so.

Manchem mag es vielleicht immer noch schwer fallen, sich vorzustellen, dass die Dinge nichts anderes sind als eine Gesamtheit von Eigenschaften. Daher ein kleines Gedankenexperiment: stellen Sie sich einen Baum vor. Er hat vier Räder, kann 100 km/h schnell fahren, und ist rot. Ist das ein Baum? Natürlich nicht. Es ist ein Auto. Ein Baum muss bestimmte Eigenschaften haben, damit ich ihn als Baum erkennen kann. Es muss der Stamm da sein, die Unbeweglichkeit im Erdreich, die grüne Blätterkrone.

Ich will ein weiteres Beispiel nennen, das mir immer sehr vielsagend erschien. Ich versuchte mir einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen. Es gibt ja in der Literatur und Kunst Versuche, dieses Eigenschaftslose vorstellbar zu machen – es wird dann als eine Art interessantes Paradox verstanden. Mir fällt dazu „Der Namenlose“ von Samuel Beckett ein …

Wenn Sie, geschätzter Leser, versuchen, sich einen Mann ohne Eigenschaften vorzustellen, werden Sie schnell verstehen, dass allein die Aussage, es handele sich um einen Menschen oder Mann, mit Eigenschaften bei diesem verbunden sein muss. Etwas, das ohne Eigenschaften ist, ist nicht. Ein Ding ohne Eigenschaften ist kein Ding. Es existiert nicht.

Und so wird eben jede Sache durch die Eigenschaften bestimmt, die ihr gegeben sind. Die Art und Qualität ihrer Eigenschaften wiederum unterscheidet die Dinge. So unterscheidet sich ein Baum vom anderen durch die Art und Weise seiner Baumkrone, seines Stammes etc..

Die Eigenschaften des Universums das ich kenne, sind in mir einzigartig. Es ist das Universum meines Ichs. Im Grunde, weil ja auch ich selbst ein Bestandteil meines Universums bin, sind das Ich und das Universum im Ich, ununterscheidbar miteinander verwoben. Sie sind genau dasselbe. Denn auch mein Ich, also das, was ich in mir sehe, was ich über mich denke, wie ich mich beschreibe, wird bestimmt durch die Eigenschaften der Dinge, die ich dem Ich zuordne. Es sind die Dinge, die ich kenne. Es sind die Dinge die in mir und um mich sind, die in Raum und Zeit existieren und dadurch kausale Beziehungen zueinander haben. Es ist das Universum in mir – mein spezifisches und einzigartiges All. Das All wie gesagt sind alle Dinge, die da sind … in meinem Ich.

Und, so merkwürdig das nun dem Gewohnheitsmaterialisten erscheinen mag, der alles fein säuberlich trennen und unterscheiden will, so dass schließlich nur noch eine einzige Kausalbeziehung übrig bleibt: Der Bleistift, der vor mir liegt, hat mit mir zu tun. Er ist Bestandteil meiner Welt, und macht, in der Konstellation, in der er sich in einer relativen Position zu mir befindet, einen Teil meines Ichs aus.

Das Universum außerhalb von mir ist das Universum IN mir

Und so kommen wir zu der verblüffenden Feststellung, dass das Universum, dass der Mensch gewohnt ist außerhalb seiner selbst zu sehen, eigentlich in ihm ist. Denn, und hier komme ich wieder auf den Grundgedanken des Spirealismus zu sprechen: was könnte etwas sein, was nicht in Gedanken existiert? Mag man das nun auf materialistische Art überlegen, also: die Dinge existieren in materieller Form außerhalb des menschlichen Beobachters … dennoch muss man fragen: was wäre eine noch so existente Sache, wenn sie nicht in den Gedanken auftauchte. Oder, mag man das auf die spirealistische Art durchdenken, die von vorn herein die Überzeugung vertritt, dass die Existenz geistiger Natur ist.

DAS Universum (in der Einzahl) – existiert in keinen zwei Menschen in gleicher Form. Man könnte auch sagen: DAS Universum gibt es nicht.

DIE Universen sind in uns. Und: DIE Universen und wir selbst sind nicht zu unterscheiden. Denn alles was wir denken können, hängt mit den Objekten der Universen zusammen, die wir jeweils vor dem (geistigen) Auge haben. Alles was wir denken können, entsteht aus den Objekten, entwickelt sich aus den Objekten, begründet sich aus den Objekten dieser innerlichen Universen.

Das äußere Universum ist eigentlich ein innerliches, und umgekehrt. Und – da ist es wieder: das hermetische Gesetz der Entsprechung. Es stimmt: wie innen, so außen.

 

 

 

Aspekte des Ich-Universums, Teil 4: das Universum außerhalb von mir ist das Universum in mir was last modified: Juni 29th, 2017 by Henrik Geyer

Pascal Voggenhuber: Nicht Heiliger sein, sondern Mensch

Was ist Spiritualität? Fotos der Co-Autoren - Pascal Voggenhuber [SPID 4247]

Lieber Pascal, du bist ein reger und sehr bekannter Protagonist der spirituellen Szene, du bist ein Medium. Das bedeutet, du bist jemand, der eine Verbindung zum Jenseitigen herstellen kann, zu Geistern und Toten. Für dich, das gehört zum Verständnis des eben Gesagten, gibt es ein Leben nach dem Tod.

Du hast eine überaus erfolgreiche Webpräsenz, aber vor allem begeisterst du natürlich deine zahlreichen Anhänger mit Seancen, Lesungen und Bühnen-Veranstaltungen. Mich persönlich beeindruckt deine natürliche und unaffektierte Art.

Du hattest schwierige Zeiten zu überstehen, die dich in der Konsequenz dem Spiritismus (manche sagen auch Spiritualismus) näherbrachten. Ich denke an den lebensbedrohlichen Unfall mit einem Traktorwagen in deiner Kindheit, den du als ein Heraustreten aus deinem Körper beschreibst – ein jenseitiges Erlebnis. Du besuchtest später eine spiritistische Schule in England, warst dort einige Jahre. Spiritismus, das ist die englische Tradition der Geistbeschwörung, der Medien, des Hellsehens, der Séancen, des Kontaktes mit dem Jenseits.

Das Unbegreifliche gibt es – und man kann daher niemals sagen, dies oder jenes könne nicht sein. Dieses Alles-für-möglich-Halten empfinde ich als eine Einstellung der Achtsamkeit und der Achtung dem Höheren, wenn man so will Gott, gegenüber. Diese gedankliche Einstellung ist heute wichtiger denn je, denn unsere materialistische Sichtweise lässt es so scheinen, als sei der Mensch das Herz aller Dinge, gleichsam ein göttlich-unbestechlicher Beobachter einer Welt. Während er, zumindest nach meinem Verständnis, selbst ein Element dessen ist, was er doch nur zu beobachten glaubt. Der Mensch, aus dem heraus sich Dinge materialisieren, kann das Reich Gottes nicht überblicken, sondern er darf in ihm staunen und glücklich sein … er sollte glücklich sein. Die Welt ist voller Wunder, wenn man sie sehen kann, während die Welt dem gewohnt-materialistischen Blick wie völlig erklärbar und erklärt, manchmal sogar eintönig erscheint.

Ich denke, es ist wichtig und es gibt den Menschen ganz viel, wenn in dieser scheinbar so allwissenden Zeit durch dich sympathisch und beredt die allerelementarsten Fragen noch einmal neu und aktuell gestellt werden.

Spireo: Mich interessiert der Aspekt des Todes … Was ist Tod?

Für mich gibt es den Tod so nicht …

Wenn man mit Menschen spricht, und die sagen, man würde sterben, dann sage ich, es gibt wohl einen physischen Tod, der Körper stirbt .. Aber die Seele, das, was wir wirklich sind, das bleibt; oder es lebt weiter. Wenn jemand hier stirbt, dann wird er im Grunde nur verändert, es findet eine Transformation statt, und er wird wiedergeboren in der geistigen Welt.

Und da fragt es sich, auf was sich dieser Begriff des Sterbens bezieht: auf den körperlichen Tod oder den seelischen Tod.

Wir sind laut Wissenschaft zu 100 % reine Energie, und wir wissen ja auch, dass Energie weder auflösbar noch zerstörbar ist, sondern nur veränderbar.

Und das ist auch diese Kontinuität, dieses Weiterbestehen. Der Körper vergeht in dieser Welt, aber in einer anderen, geistigen Welt, existieren wir weiter.

Spireo: Es stimmt, aus biochemischen Formeln lässt sich die Kraft des Lebens nicht ableiten. Das führt man sich nur nicht vor Augen, wenn man das Wort Leben oder Tod beiläufig benutzt, so als sei alles damit gesagt, so als habe man überhaupt verstanden, was es ist.

Für mich verbindet sich mit dem Gedanken an ein Leben nach dem Tod die Frage nach Erinnerung. Es gibt eine Textzeile eines Songs von Eric Clapton, „Tears in Heaven“, in der es heißt: Würdest du meinen Namen kennen, wenn wir uns im Himmel begegneten?

Er fragt sich also: Eine weitere Welt, als die im Jetzt erlebte, würde man nur dann erkennen können, wenn man sich an die jetzt erlebte Welt zurückerinnern könnte. Ohne Erinnerung an eine diesseitige Welt kann man auch keine jenseitige Welt als solche erkennen. Ohne Erinnerung ist der Tod also etwas Endgültiges, so wie er es in unserer Welt zu sein scheint. Im Kontext von Eric Claptons Song heißt das: würde ich einen geliebten Menschen im Jenseits erkennen? Was hingegen kann es uns bedeuten, Menschen wiederzutreffen, wenn wir uns nicht ihres Namens entsinnen könnten?

Daher die Frage aus dem Song an dich als Medium: Würdest du meinen Namen kennen, wenn wir uns im Jenseits begegneten?

Zunächst einmal müssen wir verstehen, dass unsere Existenz oder unsere körperliche Form, in der wir gerade jetzt leben, nicht die einzige ist, sondern dass wir vorher und auch nachher x körperliche Daseinsformen haben. Wir werden nicht ein einziges Mal geboren, sondern wir werden mehrmals geboren.

Ich liebe halt den Bezug zur Quantenphysik. Insofern bin ich vielleicht nicht ganz so esoterisch wie man es vielleicht erwartet. Wir wissen eben auch von der Quantenphysik, dass es Raum und Zeit gar nicht gibt. Deshalb sage ich auch oft zu der Frage der Wiedergeburt, dass es keinen linearen Ablauf für Geburt und Tod gibt. Wir hatten eigentlich keine vergangenen Leben, sondern wir leben im Grunde alles gleichzeitig, jetzt. Aber das kann natürlich das menschliche Gehirn nicht fassen. Das macht das Ganze so komplex.

Auch wenn man Geistführer nach dem Unterschied dieser Welt hier zur geistigen Welt fragt, sagen die sehr oft: wir können das nicht erklären, weil ihr es mit eurem Gehirn verstehen wollt, doch euer Gehirn reicht nicht aus, das zu verstehen. Denn ihr wollt in dieser Zeit-Raum-Ebene verstehen. Wir können mit den Worten „alles ist gleichzeitig“ oder „es gibt keine Zeit und keinen Raum“ wohl etwas anfangen, aber wir können diese Worte nicht verstehen oder nachvollziehen …

 

Link zur Webseite von Pascal

Dieses Gespräch ist Teil des Buches:


Was ist Spiritualität?

Was bedeutet Menschen Spiritualität? Wozu ist sie gut? Wie leben Menschen Spiritualität? Ist Kreativität spirituell? Kann Spiritualität heilen? Was bedeutet Tod?.
Henrik Geyer führte Gespräche mit spirituellen Menschen – mit Stefan Blankertz, Dr. Ruediger Dahlke, Catharina Fleckenstein, Ralf Hillmann, Cristina Holsten, Petra Milkereit, Werner Szendi, Pascal Voggenhuber

Pascal Voggenhuber: Nicht Heiliger sein, sondern Mensch was last modified: Oktober 20th, 2016 by Henrik Geyer

Der Südpol des Menschen ist sein eigentliches Zentrum

Außerirdische erreichen die Erde - [SPID 3979]

Die Interstellare Allumfassende Union (IAU), ein erlesener Verbund der 2.345.982.478 wichtigsten Welten des Universums, hatte Wind davon bekommen, dass in einem unbedeutenden Seitenarm einer unbedeutenden Galaxie eine Zivilisation existierte, die für die Aufnahme in eben dieses wichtige Gremium in Frage kam. Man munkelte, dass auf einem entfernten Planeten namens „Erde“ eine Spezies vorherrscht, die Intelligenz und Tatkraft in sich vereint.

Natürlich, wie das in diesen Fällen immer ist, wurde eine Delegation in einem schnellen Raumschiff entsandt. Nach dem Durchmessen von 424.784 Lichtjahren, einer erschreckenden und schockierenden Strecke quer durch die schwarzen Weiten des Alls, fand sich dieses Raumschiff im Erdorbit ein.

Die Außerirdischen suchten Kontakt. Aber mit wem und wie? Gewöhnlich wird zunächst eine Analyse erstellt. Wer ist der wichtigste Mensch, geeignet als Vertreter der Menschheit? Was sind die Themen der Menschen, was bewegt sie? Was sind also die Dinge, die man am besten den Menschen gegenüber anspricht, welche lässt man weg? Je nach Ergebnis dieser Analyse würde es den Außerirdischen möglich sein, sich mit Hilfe einer ausgefeilten Technologie in einer den Menschen verständlichen Sprache auszudrücken – und die Themen der Menschheit zu adressieren. Auf Grund ihrer formwandlerischen Fähigkeiten würden sie außerdem eine dem Menschen angenehme Gestalt wählen. All dies ist wichtig, um bei der entscheidenden ersten Begegnung mit einer fremden Spezies ja keine Fehler zu machen!

Um nun also die dringendsten Informationen über die Menschheit zu erlangen, schlug einer der außerirdischen Wissenschaftler vor, die menschliche Kommunikation abzuhören und zu entschlüsseln. Was würde sich für dieses Vorhaben wohl besser eignen als das Internet? Das Internet ist der größte offene Daten- und Wissensspeicher der Erde, in ihm kommt außerdem das menschliche Wesen sehr schön zum Ausdruck.

So loggten sich die Außerirdischen mit einem Fake-Account namens „John Smith“ bei Facebook und Twitter ein, sie waren neugierig, wer hier die meiste und lebendigste Gefolgschaft hat … wie die Menschen das nennen: „Follower“.

Es stellte sich heraus, dass die beliebtesten Menschen der Erde eine Gruppe recht eigenwilliger Personen waren, die sich selbst gern in allen möglichen Situationen fotografierten. Wie eine spezielle Research-Gruppe der IAU später in detaillierter Kleinarbeit feststellte, handelte es sich dabei um sogenannte „Selfies“, also Fotos die man von sich selbst macht. Erstaunt sahen sich die außerirdischen Wissenschaftler an. Was für eine grandiose Idee, was für eine hohe Kultur!

Das wichtigste Organ der Menschheit, so legten es die tiefer gehenden Analysen immer wieder nahe, ist sozusagen der Südpol des Menschen, seine Rückseite – dies ist auf den sogenannten Selfies immer wieder das zentrale Thema, und wird auch von den Followern goutiert. Diese Rückseite erscheint, wenn man sie einer genauen fotoanalytischen Vermessung unterzieht und mit einem geringerwertigen Menschen-Exemplar vergleicht, bei den wirklich wichtigen Menschen irgendwie vergrößert.

Natürlich fiel es den außerirdischen Wissenschaftlern auf Grund dieses Materials leicht, die notwendigen Schlüsse über das menschliche Wesen, sein Organ der Aufmerksamkeit und Intelligenz, sozusagen sein Zentrum und sein eigentliches Kapital, zu ziehen.

Das war der Grund, warum die die verwunderte Menschheit später eine „Bande dickärschiger Paviane“ (das waren die Worte des amerikanischen Außenministers) als Gesandte der Interstellaren Allumfassenden Union bei begrüßte. An anderer Stelle war gar die Rede von „Flittchen“. Das war kein Wunder, denn die Delegation der IAU kam, als sie auf die Weltpresse traf, gerade Arm in Arm mit Kim Kardashian aus einem schicken Restaurant. Die Außerirdischen hatten sich in äußerlicher Form und in der Weise ihrer Kommunikation angepasst…

Der Kontakt jedenfalls führte nicht zum Beitritt der Menschheit in das stolze Gremium der Interstellaren Allumfassenden Union. Die Menschheit selbst stand den Außerirdischen mit großer Reserviertheit gegenüber – dergleichen wollte man nun doch nicht!

Und das, obwohl die IAU die denkbar fundierteste Analyse des menschlichen Wesens zur Grundlage ihrer Annäherung gemacht hatte. Man hatte sich jedenfalls Mühe gegeben.

 

Der Südpol des Menschen ist sein eigentliches Zentrum was last modified: September 24th, 2016 by Henrik Geyer

Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen.

Freiheit wird oft so verstanden, als sei es ein grenzenlos vorhandenes Gut. So als sei Freiheit nicht verbunden mit Grenzen. Ich will einige Aspekte aufzeigen, die verständlich machen, dass das nicht so ist. Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen.

Die Relativität der Freiheit

Es ist ein Grundverständnis des Spirealismus, dass es ganz einfache, dem Kosmos zugrunde liegende Prinzipien gibt. Das eine kann nicht das andere sein. Aber das eine kann auch nicht ohne das andere sein.

Anders gesagt: Was wäre die Freiheit ohne die Tyrannei? Was wäre der Unterdrückte ohne den Tyrannen, der ihn unterdrückt? Was wäre der Freie ohne den Tyrannen? Und so weiter.

Oder ganz alltäglich… was wäre das Bild eines Vogels, der so frei ist wie der Wind, ohne die Vorstellung eines Vogels, der eingesperrt ist, in einen Drahtkäfig?

Unsere Welten der Vorstellung beinhalten immer das eine und andere. Im Verständnis des Spirealismus entsteht das eine geradezu aus dem anderen – das eine gibt es nur mit dem anderen. Das gilt auch für Freiheit und seinen Gegenpol, die Tyrannei.

Die Grenze eines Dinges ist gleichzeitig die Grenze eines anderen
Anaximander, griechischer Philosoph

Alles ist begrenzt

Wenn auch unsere nie enden wollenden Vorstellungen uns suggerieren, es gäbe das Unendliche – und wo Unendlichkeit vorherrscht, kann es ja nicht wirklich Enge geben – muss man doch feststellen: es „gibt“ das Unendliche für uns Menschen nicht. Die Unendlichkeit ist für uns Menschen das, „womit wir nicht fertig werden“ (Plato), und somit etwas, was wir nicht im eigentlichen Sinn erleben können.

Vielmehr ist jeder Begriff, den das Denken formen kann, geprägt durch Ähnlichkeiten und Gleichheit, aber auch durch Abgrenzung. Es gibt keinen Menschen, keinen Begriff, kein Tier, keine Entfernung, die unbegrenzt sein könnte. Denn Grenzen bedeuten Definiertheit.

Man denke allein an den Begriff des Unendlichen. Auch er unterscheidet sich von anderen Begriffen, grenzt sich ab.

Weiterlesen: Beitrag Was ist von Grenzenlosigkeit zu halten?

Die FDP und die Frage nach den Grenzen

Man mag das für eine philosophische Spitzfindigkeit halten, jedoch ist diese Frage von äußerster Wichtigkeit.

Ich führe das Beispiel der FDP an, der Freien Demokratischen Partei Deutschlands. Freiheit – das klingt gut! Doch was ist das?

Die FDP war stets zerrissen von den vielfältigen, einander widersprechenden Vorstellungen. National-Liberalismus versus Freiheit, verstanden als Multikulti. Freiheit von Kriminellen vs Freiheit der Bürger, die unfreier werden, wenn sie Kriminalität fürchten müssen.

Oder ein weiteres Beispiel: die größtmögliche Freiheit der Industrie (dies war ja immer ein wichtiger parteipolitischer Schwerpunkt der FDP) steht auch in einem Gegensatz zu einer anderen Freiheit – und zwar der ökologischen Freiheit der Menschen, die nicht nur Geld verdienen wollen, sondern auch eine saubere und unverbaute Umwelt genießen möchten. Geld ist schließlich kein Selbstzweck.

Oder das grundsätzliche Verständnis: Die Freiheit einer Denkrichtung wird begrenzt durch die Freiheit einer anderen Denkrichtung. Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen.

Wenn man, wie es nach meinem Dafürhalten die FDP tat, einen attraktiven Begriff wie die Freiheit zwar im Namen führt, aber nie versucht, es (für sich) spezifisch zu definieren, und zwar unter Einbeziehung des Wortes Unfreiheit, dann führt das zu parteipolitischer Beliebigkeit und letztlich Bedeutungslosigkeit.

Soweit ich es erlebte, hat sich der Kurs der Partei immer im tagespolitischen Streit gebildet – man hat sie als Klientel-Partei bezeichnet, und sie hat eine gewisse Rolle gespielt in den machttaktischen Überlegungen der CDU für viele Jahre (sprich: als Koalitionspartner). Aber wofür die FDP eigentlich steht, weiß ich bis heute nicht so recht.

Freiheit und Tyrannei: Das ewig wechselnde Motiv

Freiheit und Tyrannei wechseln sich in einem ewigen Kreislauf ab.

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
Sokrates

Die Jugend „von heute“ (in jedem Zeitalter) erscheint wie die Tyrannei des Althergebrachten.

Der strahlende Sieger von heute wird durch seine Siege zum Tyrannen des Morgen. Das ewig sich wechselnde Motiv von Freiheit und Tyrannei, als eine Variation von These und Antithese, die zur Synthese gelangt, kann nie enden. Denn es ist ein kosmisches Prinzip.

Ein Tyrann kann unzählige Menschen töten, nur seinen Nachfolger nicht.
Seneca

Freiheit und Tyrannei sind verbunden, bereits durch die allumfassende Kommunikation. Man stelle sich zwei Menschen vor, die durch Ketten (Kommunikation) aneinander gebunden sind. Sie können nur gemeinsam gehen, es ist nur eine gemeinsame Richtung möglich. Die Zielvorstellungen des Einen begrenzen die Ziele des Anderen. Oder können wir die Kommunikation einfach beenden? Das könnte man nur, wenn man Kommunikation als etwas eingegrenztes sieht. Der Spirealismus sieht Kommunikation hingegen als allumfassend an – sie kann nie „unterbrochen“ werden. Unser Blick auf die Welt ist bereits Kommunikation, weil alles Relation ist.

Die größtmögliche Freiheit, und damit die Überwindung von Tyrannei, ist das Übereinstimmen der Ziele; Das bewusste Herbeiführen des Kompromisses. Es ist das (harmonische) Bilden der Synthese, aus These und Antithese. Es ist das Prinzip der Demokratie. Es ist das Zulassen der Pole – ihre Verbindung im Widerspruch. Es ist Verständnis aus Bewusstheit.

 

Siehe auch: Artikel Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit

Siehe auch: Beitrag Genügsam Sein – zufrieden sein – frei sein

Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen was last modified: Mai 25th, 2016 by Henrik Geyer

Macht euch bereit für die göttliche Kraft

Thema göttliche Kraft: Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Dem Menschen einen Glauben schenken heißt, seine Kraft zu verzehnfachen.Gustave Le Bon

„People get ready“ von Curtis Mayfield ist ein Klassiker der spirituellen Musik. Seine Musik ist genial, der Songtext einfach und eingängig, mit einer starken Botschaft: „Kopple dich an, an die göttliche Kraft!“
Eine wunderschöne Interpretation dieses Titels ist von Joss Stone:

Am Ende des Beitrages der Text: Link

Der Titel ist vom Rolling Stone Magazine auf Liste der einhundert besten Titel aller Zeiten gesetzt worden, und zwar als die Nr. 24.

göttliche Kraft – als ein Eisenbahn-Zug von Küste zu Küste

Im Lied wird der Glauben als ein Zug interpretiert, in dem jeder einfach mitfahren kann (you need no ticket). Es ist dieses ewig junge „Geheimnis“ des Glaubens, dass er die Seele für ganz andere Wahrheiten öffnet, als wir sie in unserer normalen Welt der Abstimmung zu sehen vermögen. Diesem Geheimnis verleiht der Song in der eindringlichen Weise eines guten Spirituals Ausdruck.

Dem Menschen einen Glauben schenken heißt, seine Kraft zu verzehnfachen.
Gustave Le Bon

Göttliche Kraft steht aber nur jenem zur Verfügung, der bereit ist, sich in das göttliche System einzufügen. In dem Zug kann nur reisen, wer dem Herrn dienen will, aber nicht jener, der einfach nur alles tut, um sich selbst Vorteile zu ergattern.

Es gibt keinen Platz
für den hoffnungslosen Sünder
der hart zu den Menschen ist
um für sich selbst zu sorgen
Habt Mitleid mit jenen
deren Chancen geringer sind
denn es gibt kein Verstecken
vor dem Thron des Königs

Now there ain’t no room
For the hopeless sinner
Who抯 hard on mankind
Just to save his own
Have pity on those
Whose chances are thinner
Cause there’s no hiding place
From the King on his Throne

Dieses Dem-Herrn-Dienen als notwendiger Bestandteil und Prüfung des Glaubens ist übrigens auch die wichtige Aussage des berühmten Bob Dylan Songs What can I do for you?

Sobald der Mensch geboren ist, beginnen die Funken zu fliegen.
Er hält sich für so klug, und er ist dazu gemacht, dieser Lüge zu glauben.
Wer würde ihn retten, vor dem Tod den er bestimmt ist zu sterben?
Du hast es getan, und es gibt nichts, das jemand vorgeben könnte, mehr zu tun.
Was kann ich für Dich tun?

Soon as a man is born, you know the sparks begin to fly
He gets wise in his own eyes and he’s made to believe a lie
Who would deliver him from the death he’s bound to die?
Well, You’ve done it all and there’s no more anyone can pretend to do
What can I do for You?

 

Thema die Klugheit des Menschen: Artikel merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags

Der Glaube ist innere Wahrheit

Glaube ist eben nicht das, was der Materialist gemeinhin vermutet: Nicht-Wissen, gewertet wie Dummheit. Sondern Glaube ist innere Wahrheit – festes Wissen. Dieses Wissen beweist sich in den Menschen und durch sie, es „materialisiert“ sich in dem, was sie tun.

Daher ist der Glaube an Gott, an eine höhere Kraft, an die Schöpfung, verbunden, mit einer anderen Sichtweise auf die Welt, die die Realität verändert. Das kann nicht „gefaked“ werden – ebenso wenig, wie man sich selbst belügen kann.

Die göttliche Kraft steht nur jenem zur Verfügung, der den Glauben als innere Wahrheit erleben kann, nicht jenem, der in einer Art theoretischem Außenblick darauf sieht. Oder, wie es in der Bibel heißt: „Gottes Reich ist inwendig“ – es ist nicht im Äußerlichen zu sehen.

Songtext

Siehe auch: Beitrag Stille üben – meditieren. Wozu ist es gut, still zu sein?

Siehe auch: Angst vor der Angst – ist man mutlos, ein Verlierer und Defätist, wenn man Angst hat?

Ähnliches Thema: Dort bin ich nicht

Macht euch bereit für die göttliche Kraft was last modified: Mai 17th, 2016 by Henrik Geyer

Vegetarier sein – wozu?

vegetarier werden

Vegetarier sein … sollte man. Warum eigentlich? Was mich dazu treibt, Vegetarier sein zu wollen.

Wie es kam

Als Junge hatte ich, wie wohl alle Kinder, das Gefühl, dass die Tiere von den Menschen ausgenutzt und gequält werden. Dieses Gefühl verflüchtigte sich allmählich, denn soundso viele Ältere erklärten, begründeten, sagten, es sei nicht so.

Ich wurde Fleischesser, wie alle. Der beste Steakfreund, häufig haben wir gegrillt. Kann daran etwas Verwerfliches sein – das machen doch alle so? Ist es nicht der natürliche Lauf der Dinge, sind dafür denn die Tiere nicht da?

eine Umstellung im Leben

Durch einen persönlichen Schicksalsschlag, der auch der Ausgangspunkt für mein Schreiben war, verstand ich irgendwann, dass der Mensch vom Bewusstsein eigentlich recht wenig versteht. Wie wenig, ist ihm eben nicht bewusst. Dass er glaubt, viel davon zu verstehen, ist bereits Teil des Problems.

Jedenfalls wurde mir zu diesem Zeitpunkt auch klar, dass alles das, was der Mensch über das tierische Bewusstsein zu sagen hat, meistenteils Unsinn sein muss.

Kindermund

Insofern nahm ich nun mit einer höheren Bereitwilligkeit auf (als ich es wohl vorher getan hätte), was auch unsere Kinder davon anfingen: Tiere zu essen sei eigentlich nicht moralisch. Die Kinder waren auch eher bereit, aus diesem, von ihnen erkannten Missstand, Konsequenzen zu ziehen. Sie wollten kein Fleisch essen, wollten Vegetarier sein. Keine Wurst, kein Steak, keine Buletten. Mit Erstaunen nahm ich zur Kenntnis, wie einfach das offenbar ist, dass man seine Überzeugung zur Tat werden lässt.

Und es war auch erstaunlich, dass die einfache Wahrheit meiner Jugend, in späteren Jahren und mit neuen Einsichten, zu mir zurückkommt. Kann der direkte und einfache Gedanke manchmal auch der wahre sein?

Weil ich nun besser verstand, was meine Kinder meinten, aber auch, weil es einfacher ist, den Kindern nachzugeben als mit ihnen herumzustreiten, haben wir seitdem weniger und weniger Fleisch gegessen. Es gibt so vieles, was ebenfalls ganz wunderbar schmeckt – Fleisch muss eigentlich gar nicht sein! Seitdem wenig davon im Haus ist, essen wir größtenteils einfach keins – und das ist völlig ok.

Vegetarier sein geht also, im Prinzip. Und es ist wahrscheinlich sogar die gesündere Lebensart. Eigentlich ist doch klar, dass diese Überfülle der heutigen Zeit, auch die Überfülle der Fleischtheke, völlig unnatürlich ist, und sicher auch ungesund.

Vegetarier werden, aus Überzeugung

Ich habe inzwischen vieles gelesen und gehört, dass mich zu der Überzeugung bringt: Wir wissen nicht, was wir tun.

Unsere Überzeugungen, die Tiere könnten „nur“ dies oder jenes denken, stimmen nicht. Solche (Ab)Wertungen sind ja scheinbar immer schnell bei der Hand, wenn das Gewissen beruhigt werden soll. Im Dritten Reich waren es die Juden, die angeblich nicht wert waren … und so weiter. Was mit ihnen geschah, war angeblich egal – kümmere dich nicht drum! Das millionenfache Leid ist nicht überliefert, die schrecklichen Höllen … nur manchmal, aus den Erzählungen weniger Überlebender, ist es  nachvollziehbar.

Was ist nun mit unseren stummen Mitlebewesen? Von ihnen hört man keine Klage, sie haben keine Lobby, sie haben keine Rechtsvertretung. Heißt das, sie leiden nicht?

Für mich nicht. Für mich ist, was mit ihnen geschieht, eine der vielen Höllen, die die Menschen in der Lage sind, zu bereiten. Und die Menschen sind dabei völlig unschuldig, denken sich nichts dabei! Wichtig ist dem Menschen nur sein eigenes Leid.

Ich habe niemals an diese Millionen von still und geduldig ertragenen Leiden denken können, ohne von ihnen bedrückt zu werden. Wenn der Mensch so viel Leiden schafft, welches Recht hat er dann, sich zu beklagen, wenn er selbst leidet?

Romain Rolland

Siehe auch: Artikel Apokalypse – Offenbarung. Der ewige Kreislauf der unschuldigen Sünde

Temple Grandin

Temple Grandin ist eine Bücher-schreibende Ingenieurin, die sich auf die Konzeption von Schlachthöfen spezialisiert hat, und insofern als Autorität gilt. Sie ist übrigens Autistin und sagt selbst, dass sie ein besseres Verständnis für die Tierpsyche habe, als der „Normalmensch“, was ihr wiederum bei ihrer Ingenieur-Arbeit zugute kommt.

Sie schildert in einem ihrer Bücher, wie Rinder geschlachtet werden (zumindest bevor Grandin in den Schlachthöfen für ein Mindestmaß an Menschlichkeit/Tierischkeit sorgt). Die Rinder werden bei lebendigem Leib an den Hinterläufen aufgehängt, damit man ihnen am Fließband die Kehle durchschneiden kann. Die Hinterläufe brechen häufig – aber das spielt in der Fleischproduktion natürlich gar keine Rolle. Time is money, is ja am Ende eh Wurscht!

Wer Tiere quält, ist unbeseelt und Gottes guter Geist ihm fehlt. Mag noch so vornehm drein er schaun, man sollte niemals ihm vertraun.
Johann Wolfgang von Goethe

Was in der Fleischproduktion geschieht, weiß kein Mensch, denn die Menschen wissen sich und ihren Geist zu schützen: sie wollen es gar nicht wissen.

Als ich das las, war es mir abstoßend – man weiß ja insgeheim, dass es stimmt! Man überlegt sich einfach dreimal, ob man so etwas unterstützen will, indem man weiterhin Fleisch „genießt“, oder ob man nicht lieber Vegetarier werden will. So war es jedenfalls bei mir. Mein Vegetarier-Sein ist nicht vollständig, ist nicht perfekt. Es ist aber immerhin ganz anders als vorher, als ich bedenkenlos „genoss“. Der Gedanke daran, was hinter den Kulissen abläuft, nimmt den Appetit. Das rettet vielleicht nicht gerade die Welt. Aber man möchte an einem bedenkenlosen, kaputten System, so wenig wie möglich Teil haben. Ich denke, auch das nützt etwas – auch wenn es nicht viel ist.

Wie wichtig ist es doch, sich bei Delikatessen und ähnlichen Speisen vorzustellen, dass dieses die Leiche eines Fischs, jenes die Leiche eines Vogels oder Schweines ist, ebenso, dass der Falerner der Saft einer Traube ist und das Purpurgewand die Wolle eines Schafes mit Blut einer Muschel benetzt.
Mark Aurel

 

 

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Vegetarier sein – wozu? was last modified: Mai 24th, 2016 by Henrik Geyer