Albert Camus, das Absurde und Gott. Ist Gott absurd?

In Albert Camus‘ Werk kommt dem Absurden eine besondere Bedeutung zu. Die Welt IST absurd! Als Existenzialist verneint Camus zugleich die Existenz Gottes. In diesem Artikel geht es um die Frage, was das Absurde und Gott miteinander zu tun haben, und inwiefern sich beides nicht ausschließt, sondern genau dasselbe ist.

zu Albert Camus

Camus verneint, dass es einen begreifbaren Sinn des Lebens geben kann, denn die Welt, so wie er sie versteht, ist zufällig, irrational, entzieht sich der logischen Durchdringung – kurz, sie ist absurd. Das ist, im Kern, seine Philosophie des Absurden. Gleichzeitig war Albert Camus Existenzialist, d.h., das Begreifen des Menschen seiner selbst und an sich selbst ist die einzige und wahre Form des Verständnisses des Seins – insofern schließt Existenzialismus den Glauben an einen Gott aus, der den Menschen erschafft und lenkt. Dem Existenzialisten geht es um die Selbstbestimmung des Menschen, die zu erfahren und zu gestalten dessen Aufgabe ist. Worauf es dem Materialisten ankommt, was ihm im Zentrum aller Fragen steht, ist das konkrete Sein des Menschen als Individuum.

Für Camus sind Gott und das Chaos, bzw. das Absurde, zweierlei. Für mich ist es ganz ähnlich, eigentlich gleich. Das Chaos, das Absurde, sind für mich synonym mit: unbegreiflich. Und im Umkehrschluss: Gott als nachvollziehbar sehen zu wollen, unserer menschlichen Logik folgend, finde ich … unbegreiflich. Was wäre dann wohl göttlich an Gott?

die spirealistische Sicht

Im Spirealismus geht und ging es mir immer um das Wahrnehmen der Existenz Gottes. Gemeint ist Gott nicht als der gute und liebe Onkel, der, personifiziert verstanden, uns den Hammer reicht, wenn wir gerade auf der Leiter stehen, mit Nägeln im Mund, und um Unterstützung bitten. Oder der, in der Art eines Buchhalters, die Welt plant, durchrechnet und steuert. Sondern Gott als das Höhere. Höher bedeutet – uns übergeordnet, so dass diese Existenz uns unbegreiflich ist. Sie ist aus Menschensicht nicht logisch durchdringbar, vielmehr ist es ihre Logik, eine uns fremde Logik, die den Menschen erschafft.  Der Spirealismus sieht die Existenz als die Existenz von Gedanken im ewigen Jetzt – insofern sind die Gedanken des Menschen denen Gottes untergeordnet, und können nicht dessen Gedanken durchdringen.

Im Materialismus und durchaus auch in den vielfältigsten idealistischen Weltanschauungen werden die Gedanken stets als etwas von der Wirklichkeit Verschiedenes gesehen, so dass es scheint, als wäre es doch möglich, dieses äußerliche Wirken Gottes durch kluges Denken irgendwie zu erfassen.

Der Spirealismus hingegen sieht die dem Menschen eigenen Gedanken als nicht verschieden von den Gedanken Gottes – wenn sie den Gedanken Gottes untergeordnet sind dann deshalb, weil sie stets nur ein kleiner Teil von etwas sehr Großem sind. Die Gedanken sind die Elemente, die dem formlosen Alles (Gott) Form geben. Wenn man sich also nur als einen kleinen Teil der Schöpfung ansieht, ein Teil, aus dem es sozusagen Schöpfung sprudelt, und nicht etwa als Beobachter der Schöpfung, dann wird völlig klar, dass sich Gott, und damit die Urgründe des Seins, nicht erforschen lassen, und zwar aus systemischen Gründen (die sich nicht durchbrechen lassen). Etwa aus demselben Grund, wie ein Puzzle-Teil nicht das gesamte Bild des Puzzles sehen kann.

Parallele zu Albert Camus

Und hier nun ergeben sich die Parallelen zum Denken Albert Camus‘, im Grunde variiert lediglich die Formulierung … Wenn Albert Camus das Absurde beschreibt, und dafür Beispiele nennt, so ist das durchaus nachvollziehbar; es ist die Erfahrung, die im Christentum etwa so beschrieben wird: „Gottes Wege sind unergründlich.“, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Mensch sich bemühen kann wie er will, das gesamte Bild kann er nicht sehen. Der Mensch denkt, Gott lenkt – dem Menschen erscheinen die Wirkbeziehungen dessen, in das er geworfen ist, chaotisch, zufällig und irrational, und nicht, wie er es am liebsten hätte, durch ihn, den Menschen, im Ganzen zu ordnen. Ordnen kann der Mensch scheinbar nur seine kleinen, privaten Dinge, dennoch bleibt er einer Macht untergeordnet, die er nicht versteht, und oft genug, weil sie durch ihn hindurch wirkt, nicht einmal sieht („Der Mensch kann tun was er will, er kann aber nicht wollen was er will„).

Der Mensch glaubt ein außerhalb seines Selbst liegendes Bild wahrzunehmen, er glaubt es drehen und betrachten zu können, aber stattdessen ist er selbst eines jener Elemente, die das Bild hervorbringen (er ist das Puzzleteil im Puzzle), so dass er schon aus diesem Grund das Gesamtbild niemals sehen kann. Im Moment des Betrachtens entsteht etwas … es ist nicht schon da und nicht fertig, um sich in aller Ruhe betrachten zu lassen. Sondern, im Moment des Gedankens entsteht ein Bild, und wird im Moment eines weiteren betrachtenden Gedankens zu einem anderen Bild. Der Gedanke des Jetzt relativiert den vorhergehenden Gedanken, macht ihn ein Stück weit falsch.

Was immer der Mensch denkt das Gott sei, das ist er gerade nicht.

Meister Eckhart

Man könnte das Absurde, von dem Camus spricht, in sehr vielen Lebenserfahrungen finden, so dass sich der scheinbare Sonderweg Camus‘ als eine weitere Variante von etwas Wohlbekanntem entpuppt. Beispielsweise Kafkas Absurditäten, aufgeschrieben in „Das Schloss“ oder „Der Prozess“. Hierfür hat sich das Wort kafkaesk verbreitet, aber es handelt sich nicht im Grunde um nichts anderes als die Erfahrung der Camusschen Absurdität: Um die Beschreibung des Menschen als geworfen in eine Welt, die sich ihm nicht logisch erschließen kann. Und nicht umsonst nennt Max Brodt, der Verleger und Freund Kafkas, das Schloss im gleichnamigen Roman ein Sinnbild für das Wirken Gottes, denn das Schloss ist jene merkwürdige und rätselhafte Institution, der sich der Held des Stücks erfolglos zu nähern versucht – er schafft es nie. Noch nicht einmal die Barrieren, die ihn hindern in das Schloss zu gelangen, werden ihm ersichtlich.

Nein, das Absurde ist wahrhaftig keine seltene Erfahrung. Im Gegenteil, im Grunde dreht sich alles Wirken in Kunst und Kultur stets um diesen nie erfahrbaren Teil der Realität, der uns als „absurd“ „überaus bekannt ist – es ist das nie Greifbare, nie Be-Greifbare, man könnte auch sagen das Zufällige, das der Motor für alles ist; es ist das dem Menschen Interessanteste. Interessant ist ihm nicht das Berechenbare, nicht das scheinbar so „völlig Verstandene“. Eben deshalb erscheint so vielen unsere heutige Welt der Wissenschaften, der Pläne und der Rätsellosigkeit so uninteressant: Sie haben nur nie gelernt das Rätsel zu sehen.

Gott … absurd?

Nun wird man vielleicht sagen: Gott mag vieles sein, aber „absurd“ ist er nicht.

Nun, hier sollte man sich nicht an dem Wort absurd stoßen, denn das Absurde ist für Camus eine ganz alltägliche, normale Erfahrung. Das Absurde ist nichts anderes als das Irrationale, das nicht Erfassbare.

Die Erfahrung des Absurden ist nicht widersinnig, sondern im Grunde sehr normal, mit sehr viel Sinn verbunden, wenn man nur ein Auge dafür hat. Folgerichtig plädiert Camus dafür, diese Absurdität zu leben … wie? Indem man sie zuallererst einmal wahrnimmt.

Denn absurderweise (das ist das eigentlich Merkwürdige!) versteht sich der Mensch, ausgestattet mit der materialistischen Weltsicht, als der Lenker seiner selbst, als Bezwinger von Raum und Zeit, als singuläres kosmisches Ereignis, als Zentrum der Bewusstheit, als im Zentrum jeder Logik und jedes Wissens stehend.

Kann man aber wahrnehmen, dass das ganze Gegenteil der Fall ist, wird man nie wieder in die Höhle der Unwissenheit zurückfinden. Die sogenannte Absurdität, von der Camus spricht, wird zu einer Normalität – einer ständigen Gotteserfahrung im Alltag. Und die Erfahrung Gottes kann man mit vielerlei Worten benennen. Man kann sie absurd nennen, oder verwirrend, oder als die Erfahrung einer gigantischen Kraft jenseits unserer Vorstellungen. Man wird aber nie sagen können, man habe sie völlig verstanden und damit unterworfen. Sondern das Ziel kann nur sein, das Göttliche in der Form zu sehen, zu verstehen und zu akzeptieren, dass es allgegenwärtig und irrational ist – sich unserem Denken entzieht.

Die Erfahrung Gottes ist im Prinzip die Erfahrung eines Wunders, und das in einer Welt, deren normale Sichtweise es ist, dass es keine Wunder gibt und geben kann. Aus dieser, uns allgegenwärtigen, Sichtweise, erscheint es so, als sei das Leben vollständig verstanden, die Welt und der Mensch darin wie ein völlig erforschlicher Gegenstand, so dass die Welt aus heutiger Sicht geradezu schon langweilig wirkt und man sich fragt, wann schon einen Countdown zu hören vermeint, an dessen Ende die Lösung der letzten Rätsel steht. Doch langweilig, erschlossen, enträtselt, ist die Welt nicht; was uns fehlt dies zu erkennen ist lediglich der richtige Blick.

Albert Camus, ebenso wie Kafka, ebenso wie so viele Denker, Philosophen und Künstler, können uns zu diesem besonderen Blick, der uns das Höhere erkennen lässt, und als die uns übergeordnete Kraft wahrhaft verstehen lässt, verhelfen.

„Wenn du schon nicht erkennen kannst, dass es ein Wunder ist zu leben … wie kannst du dann nach etwas Tieferem fragen?“

Albert Camus, das Absurde und Gott. Ist Gott absurd? was last modified: Juni 23rd, 2017 by Henrik Geyer

Stefan Blankertz: Gott wurde Mensch

Was ist Spiritualität? Fotos der Co-Autoren - Stefan Blankertz [SPID 4243]

Lieber Stefan, wir kennen uns nun schon ein paar Jahre. Du bist ein fleißiger Schriftsteller mit nun schon über 30 Publikationen.

Du nennst dich Wortmetz, weil du die Worte wie ein Steinmetz formst und gestaltest. In deinen Büchern liest man daher viel Assoziatives. Dein Werkzeugkasten beinhaltet ein gerüttelt Maß an philosophischer Kenntnis. Du bist ein Autor, der dem Sinn der Worte mit großer Akribie auf den Grund geht.

Ich kam darauf, dich zu interviewen, weil deine Haltung zu Spiritualität und Religion eher kritischer Natur ist. Ich finde es spannend zum Thema Spiritualität auch einmal kontrovers zu sprechen, vielleicht ein wenig philosophisch. Ich bitte dich, zunächst deine Einschätzung des Begriffes Spiritualität zu formulieren.

Spireo: Was verstehst du unter Spiritualität und was wird ggf. falsch darunter verstanden?

„Spiritualität“ ist so ein modischer Gummibegriff, den ich zugegebenermaßen selbst auch manchmal verwende, vor allem dann, wenn nicht so ganz klar ist, worum genau es überhaupt geht. Geht es um Religion? Um welche? Geht es darum, dass jemand nicht herzlos ist? Oder so weltabgewandt zu sein, dass man nicht mehr mitkriegt, was um einen herum los ist? Dass jemand Stimmen hört und daran glaubt, dass man bei rechter innerer Haltung auch ohne Nahrung, nur von Sonne, Luft und Liebe leben kann? Die Bandbreite ist unendlich dehnbar, und meist versteht man aus dem Kontext, wie jemand den Begriff verwendet, positiv oder negativ oder neutral, aber es gibt kein „Richtig“ und kein „Falsch“ beim Verständnis, sondern nur eine pragmatische Bedeutung, die sich im jeweiligen Zusammenhang ergibt.

Spireo: Was von dem, was du konkret manchmal tust, würdest du eine spirituelle Handlung nennen?

Beten. Mitgefühl haben – und zeigen, wobei mir als Introvertiertem das oft schwerfällt. Mein beharrliches Engagement für Toleranz und gegen Gewalt speist sich stark von einem Gefühl der Verantwortung, das sich nicht rein rational erklären lässt …

Spireo: … manchmal ist es nur eine Frage des Glaubens, ob man sich aufraffen kann, etwas zu tun. Ich nehme an, auch du brauchst Glauben, nicht nur für das Engagement, sondern einfach um zu leben. Für mich ist das ein spiritueller Aspekt … diese Selbsterforschung. Was bringt uns dazu, etwas zu tun oder zu lassen? Man kann das meist nicht erklären … Wie siehst du das?

Ja, exakt. Der Satz vom heiligen Augustinus, „ex fide enim vivimus“, also: „Wir leben nämlich durch den Glauben“. Wenn wir den nächsten Schritt tun, sagt mein Inspirator Paul Goodman, glauben wir, dass wir auf festen Grund treffen. Wir müssen nicht erst das Gesetz der Gravitation beweisen.

Spireo: Würdest du dich als spirituellen Menschen beschreiben? Oder bist du materialistisch?

Ich glaube an Gott im Sinne von Jesus. Besonders wichtig ist mir das Geheimnis des Glaubens, dass Gott Mensch geworden ist und hierdurch verwandelt wurde. Das ist Glaube, kein Wissen. Ansonsten stehe ich dem Christentum im Allgemeinen und dem Katholizismus, dem ich angehöre, sehr kritisch gegenüber. Vor anderen Religionen habe ich großen Respekt, besonders dem Judentum, dem Islam, dem Buddhismus und dem Taoismus, obwohl Religionen oft einen problematischen gesellschaftlichen Einfluss haben (um es ganz vorsichtig zu sagen). Allerdings sollte die Religiosität meiner Meinung nach nicht davon abhalten, die Welt zu sehen wie sie tatsächlich ist, sie zu untersuchen, und man sollte seine Entscheidungen auf Grundlage von Fakten und nicht von Wunschdenken fällen. Wenn Wünsche wahr werden (was ja bisweilen vorkommen soll), sind sie eben auch zu Fakten geworden.

Spireo: Vielleicht ist die Dreifaltigkeit für Menschen wie dich erschaffen worden – für Menschen, die mit einem Gott im Himmel nichts anfangen können? Die Dreifaltigkeit beinhaltet Gott als allumfassendes Abstraktum, Jesus als den Sohn, sowie den heiligen Geist. Was ist Jesus im Unterschied zu Gott für dich? Ein einfacher Mann? Ein kluger Mann? Ein barmherziger Mann?

Jesus ist zum Menschen gewordener Gott; früher sagte man dazu „Inkarnation“ oder zu deutsch „Fleischwerdung“. Dieser Gott war ja eine ziemlich fiese Gestalt …

Link zur Webseite von Stefan

 

Dieses Gespräch ist Teil des Buches:


Was ist Spiritualität?

Was bedeutet Menschen Spiritualität? Wozu ist sie gut? Wie leben Menschen Spiritualität? Ist Kreativität spirituell? Kann Spiritualität heilen? Was bedeutet Tod?.
Henrik Geyer führte Gespräche mit spirituellen Menschen – mit Stefan Blankertz, Dr. Ruediger Dahlke, Catharina Fleckenstein, Ralf Hillmann, Cristina Holsten, Petra Milkereit, Werner Szendi, Pascal Voggenhuber

Stefan Blankertz: Gott wurde Mensch was last modified: Oktober 20th, 2016 by Henrik Geyer

Roboter Mensch. Ist der Mensch ein humanoider Roboter?

Roboter Mensch - humanoider Roboter. Der Unterschied beginnt zu verschwimmen.

Ist der Mensch ein humanoider Roboter?

„Roboter Mensch.“ Der Titel klingt verrückt.

Ein humanoider Roboter ist ein Roboter mit menschlichen Zügen. Man stellt ihn sich als hochentwickelten Roboter vor, dem man vielleicht mit einer Art elastischem Plastik ein Gesicht modelliert.

Ich schreibe oft in diesem Blog über meine Sichtweise, den Spirealismus, über das hermetische Prinzip, (das auch einer meiner Buchtitel ist) „Alles ist Geist“. Alles ist Geist bedeutet: Geist ist überall. Geist verbindet alles miteinander. Geist ist im Menschen, und Geist ist auch im Roboter – Geist verbindet beide.

Schon bald, mit der Weiterentwicklung der Maschinen und der Informationstechnologie, wird man sich fragen (und tut es bereits zunehmend in der Gegenwart): was genau wird der Unterschied zwischen Roboter und Mensch sein? Werden sie verschmelzen, wird es keinen (sichtbaren) Unterschied mehr geben, vielleicht irgendwann auch keinen sonstwie merkbaren? Hierzu eine kurze Betrachtung.

Der Ursprung des Begriffes „Roboter“

Die Wurzel des Wortes Roboter liegt im Russischen, wo „rabota“ arbeiten bedeutet. Der Begriff „Roboter war in seinem Entstehen mit der Vorstellung verbunden, dass der Mensch immer bessere technische Hilfsmittel für sich herstellt – Maschinen. Die ultimativ hilfreichste Maschine wäre etwas, das alles machen kann wie ein Mensch, so geschickt und flexibel ist wie ein Mensch, aber doch kein Mensch ist. Etwas, das keinen eigenen Kopf hat, keinen Willen. In den populär werdenden Science-Fiction-Literatur (und Film) wurden Roboter daher immer als eine Art Sklave dargestellt, aber als nette Sklaven. Sklaven, die es nicht übel nehmen, wenn sie Befehle empfangen, und arbeiten müssen. Ein mechanischer Kumpel, sozusagen. Man denke an den Filmklassiker „Alarm im Weltall“, und den darin vorkommenden hilfreichen „Robbi“.

Der Begriff „Roboter“ heute

Heute hat sich der Begriff gewandelt, und alle möglichen Phantasien über Maschinen gingen in unsere Realität ein. Man denke an das böse Computergehirn aus „2001 – Odyssee im Weltraum“, oder den viel jüngeren Film „Ex_Machina“, in dem hochintelligent das Thema künstliche Intelligenz behandelt wird.

Der Roboter als mechanischer Hilfskumpel hat sich als Vorstellung überlebt. Der Roboter wird uns unheimlicher, je klüger er wird. Was kommt, ist ein ganz anderer Vorstellungsraum. Wenn wir künstliche Intelligenz haben werden, wird sich unsere Sicht auf uns selbst grundlegend ändern.

Roboter Mensch – Stellt die Natur den Menschen „her“?

Kann man den Menschen als humanoiden Roboter sehen? Wenn, dann müsste man über dieses „Produkt“ sagen, dass der Mensch es nicht selbst „herstellt“, sondern dass es zwar aus uns und durch uns entsteht, aber durch einen Vorgang, den wir nicht erfunden haben, und den wir „Fortpflanzung“ nennen. Das wäre also von der Vorstellung, wir würden etwas „herstellen“, weit entfernt. Eher könnte man sagen, Gott stellt hier „her“ – alles ist Geist. Auch die Natur „stellt Dinge her“, wenn man so will.

Sie stellt Geschöpfe her, die, nicht unähnlich einem Roboter, wenn man so will programmiert sind – aber so programmiert, dass die Programmierung dem Menschen selbst natürlich nicht erkennbar ist. Denn nicht er hat hier programmiert, er wurde programmiert.

Der bekannte Okkultist Gurdjeff glaubte, die Handlungen von Menschen liefen nach einem Schema ab, die Menschen seien quasi wie unbewusste Maschinen. Man muss sich fragen: Wie könnte die Maschine mehr über sich wissen, als das, was in ihr angelegt ist? Wie können wir eingrenzen, was wir nicht wissen. Ähnliches Thema zu Gurdjeff: Artikel Der vierte Weg

Umgekehrt: wenn wir die Prinzipien der Natur von dieser „abgucken“, und Produkte „herstellen“,  dann stellt im Grunde auch wieder die Natur Dinge her – denn wir Menschen sind ja selbst Produkte der Natur.

Ein wichtiger Unterschied scheint auch das Verständnis des Wortes „Programmieren“ zu sein – das scheint sich doch wesentlich vom menschlichen Geist zu unterscheiden. Programmieren – das ist die Vorstellung, wir würden Programmzeilen schreiben, und dieses Programm liefe dann komplett nach Fahrplan ab, so wie vorgedacht. Und, was einen Menschen von einem Roboter unterscheidet, ist, dass wir den Menschen nicht durchschauen können. Man kann also nicht an einem Plan ablesen, wie der Mensch handeln wird – und das wäre ja unsere Vorstellung von: etwas sei programmiert. Doch diese Vorstellung schleift sich an beiden Enden ab. Komplizierte Programme werden nicht so geschrieben, dass man das Endergebnis im Kopf, einfach Programmzeilen schreibt. Sondern es ist ein schöpferischer Prozess, bei dem das Produkt „Programm“ auf das „Wollen“ des Programmierers zurückwirkt; auf dessen Welt, sozusagen. Insofern versteht man die Programme nicht komplett, sondern man kann an Modulen Veränderungen vornehmen, und daraufhin prüfen, ob das gewünschte Resultat eintritt. Und umgekehrt – dass der Mensch nicht zu durchschauen wäre, oder dass er geistig völlig frei agieren würde, auch das erweist sich als immer weniger stimmig.

Die Welt ist eine Vorstellung

Der Spirealismus besagt, dass unsere Vorstellung von der Welt, und die Welt selbst, eins sind. Unsere Vorstellung von der Welt ist eben „nur“ eine Vorstellung. Man denke auch an Schopenhauers Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ von 1819.

Unsere Vorstellung, wir wären von der Natur, bzw von der uns umgebenden Welt (und in diesem Artikel meine ich damit Roboter), getrennt und verschieden, ist nur eine Vorstellung. Wir sind es nicht – und dann wieder doch, weil unsere Vorstellungen zugleich unsere Realität sind. Doch unsere Vorstellungen, und damit unsere Realität, wandeln sich. Sie wandeln sich gerade sehr fundamental – denn je näher wir dem Wesen von Information kommen, umso mehr entdecken wir unsere eigene Natur.

Was uns Menschen grundsätzlich von den Maschinen unterscheidet, die wir schaffen können, oder, was uns auch nicht unterscheidet, werden wir wohl erst besser verstehen, wenn es technisch machbar ist, humanoide Roboter herzustellen. Dann werden wir auch verstehen, dass der humanoide Roboter eine Art Mensch ist. Dann werden wir eine neue Sicht auf uns selbst haben.

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Ähnliches Thema: Realität – was ist das?

Roboter Mensch. Ist der Mensch ein humanoider Roboter? was last modified: Juni 7th, 2016 by Henrik Geyer