Wachstumswahn – wie viel ist genug? Ist ein Ende des Wachstums erst dann erreicht, wenn wir die Schnauze voll haben?

Wachstumswahn - Wachstum=gut, Schrumpfung=böse

Den etwas provokativen Zusammenhang von „Wachstum“ und „Schnauze voll“ habe ich gewählt, weil deutlich wird, dass sprichwörtlich aus „viel“ sehr schnell „zu viel“ wird. Sich einen bisschen vom Kuchen abzubeißen, und die Schnauze so voll zu haben, dass man nicht mehr atmen kann – das kann schnell gehen. Wachstumswahn macht uns krank, und macht die Erde krank.

Unersättlichkeit

Die Welt, die Erde, gibt uns was sie kann, scheinbar alles, was wir verlangen. Aber wir haben ja noch nicht alles verlangt! Den Wünschen ist keine Grenze gesetzt – sie verschieben sich nach oben, je nachdem, wie viel schon da ist. Das nenne ich Wachstumswahn.

Illusion: Sicheres und gutes Leben ist nur mit Wachstum möglich

Es erscheint wie ein nicht widerlegbares Grundgesetz, dass das Leben, das wir führen wollen, nur mit Wachstum zu erreichen ist. Auf den Flipcharts muss die Kurve nach oben gehen!

Und tatsächlich – wer wollte dem widersprechen, wenn wir uns doch immer selbst über Wachstum definieren? Das bessere Auto, das bessere Haus, das bessere Irgendetwas.

 

Und doch muss jeder ruhige, vernünftig gedachte Gedanke, uns sagen, dass es falsch ist, auf immerwährendes Wachstum zu setzen. Die Endlichkeit selbst der scheinbar größten irdischen Fülle wird heute sehr greifbar. Wasserreserven aufgebraucht, Urwald wird der Einfachheit halber brandgerodet, Artensterben.. selbst die Endlichkeit der Luft wird langsam deutlich, wenn man feststellt, dass die Luftverschmutzung in China die Luftqualität in Californien beeinträchtigt.

Ist es nun das gute Recht des Menschen, sich immer mehr zu nehmen, sich immer mehr auszubreiten, immer mehr zu wachsen? Oder, soll man sagen, es ist sein Recht, und er sollte es trotzdem lieber nicht tun? Oder tickt der Mensch einfach nicht richtig?

Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Zumindest muss man wohl feststellen, dass das Selbstbild des Menschen, er würde selbst alles ganz bewusst steuern können, nicht ganz stimmt. Denn den Wahn wachsen zu wollen steuert er nicht bewusst. Die Menschen wissen nur: Sie wollen mehr! Das Wollen selbst zu hinterfragen kommt nicht in den Sinn, weil es Grundvoraussetzung des Denkens ist.

Daher kann man, was „der Mensch“, oder die Menschheit, im Großen tut, bestenfalls „Versuch und Irrtum“ nennen. Ein bewusstes Steuern durch kluges Abwägen ist es nicht.

Wahnhaftes Wachstum wird uns an eine Grenze bringen, an der deutlich werden wird, dass der Mensch nicht in der Lage ist, die Grundvoraussetzungen seiner Existenz zu produzieren. Man wird feststellen, dass sich die Atmosphäre nicht austauschen lässt wie ein schmutziger Filterbeutel. Auch die Luft ist endlich. Wasser kann nicht im globalen Maßstab aufbereitet werden.

Phantasie von der kosmischen Auswanderung

Schon schießen Phantasien ins Kraut, man müsse andere Planeten besiedeln. Schnell weg, wenn hier alles so verbraucht ist! Mit Hollywood Tricktechnik ist das zumindest im Film möglich. Sind wir am Ende selbst so solche Horrorgestalten wie die Aliens in dem Film „Independence Day“, die heuschreckenartig durch das Weltall marodieren – oder möchten wir so sein?

Jedenfalls ist es sehr fraglich, ob man, selbst wenn man seltene Erze auf dem Mond abbauen könnte, auch das Wasser auf der Erde ersetzen kann. Oder können wir vielleicht die Vielfalt der Wälder erneuern, wenn sie einmal weg sind? Und sie sind ja schon fast weg. Können Milliarden irgendwohin aussiedeln – ist das nicht Spinnerei?

Wachstumswahn funktioniert weder gesellschaftlich noch individuell

Wie im Großen so im Kleinen. Wachstumswahn funktioniert weder gesellschaftlich noch individuell. Irgendwann im Leben passiert es vielen, dass sie feststellen, dass der Wachstumswahn, dem auch sie angehörten, etwas Zerstörerisches hat – ganz im Privaten. Aus der Bahn geworfen durch Krankheit, wirtschaftliche Schwierigkeiten, oder Burn Out, stellt man fest, dass das Ganze Wünschen nach Mehr nicht gut tut.

Es tut nicht nur nicht gut, sondern es zerstört regelrecht. Erfüllung und Glück kann man auch im Einfachen finden, sogar im Weniger. Und – weil ewiges Wachstum ein absolutes Ding der Unmöglichkeit ist, und weil wir ein Ende des Wachstums bereits greifbar vor uns haben, sollte die Menschheit umdenken, möglichst rechtzeitig. Sie sollte sich neue Werte zulegen. Oft ist weniger mehr – die unabdingbare Begrenzung wird sonst von Außen erfolgen.

Was kann man tun?

Zuallererst: Man kann viel tun! Aber, an dieser Stelle möchte ich nur einen einzigen kleinen Hinweis geben, was zu tun ist, weil ich über das, was man tun kann, noch sehr viel mehr, und sehr viel ausführlicher schreiben möchte.

Der Schlüssel, privat wie gesellschaftlich, liegt immer in Bewusstheit – in Achtsamkeit. Dass auch „wenig“ Glück bedeuten kann, müssen wir erst wieder lernen. Wachstumswahn bedeutet hingegen nicht Glück.

Wir lernen, indem wir viele kleine Schritte nacheinander tun. Sonst würden wir von der Fülle dessen, was zu tun ist, überwältigt sein – und stehenbleiben.

Wenn wir hingegen einen einzigen kleinen Schritt tun, und sei es nur der kleinste, dann werden wir einen Weg beschreiten, der uns viel weiter führt, als es dieser eine, erste Schritt, vermuten lässt. Wir müssen den ersten Schritt aber gleich tun, und wir sollten ihn entschlossen tun.

Wachstumswahn – wie viel ist genug? Ist ein Ende des Wachstums erst dann erreicht, wenn wir die Schnauze voll haben? was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer

Grenzen der Menschheit.

Grenzen der Menschheit: always a question of how things are explained

Grenzen der Menschheit – Liegt die Zukunft der Menschheit in ihrem Ende? Wenn man die Zeitungen aufschlägt, dann erscheint es so, als sei unser Hauptproblem fehlendes Wachstum und mangelnder Reichtum. Aber – gibt es auch ein Naturgesetz, nach dem alles, das groß ist, klein werden muss? Sind das dann auch die Grenzen der Menschheit?
Man hat ein solches Gesetz meines Wissens noch nicht definiert, aber nichtsdestotrotz scheint es doch zu bestehen. In unserem abtrennenden Denken erscheinen uns die Parallelen nur wie zusammenhanglos. Jedoch muss alles Große klein werden – jedes scheinbar unbegrenzte Wachstum kollabiert schließlich zu einer Winzigkeit, was es hervorbringt verschwindet.

Sind die Grenzen der Menschheit absehbar? Oder ist die Menschheit selbst nicht begrenzt?

Wenn wir also unser Heil in immer mehr Wachstum sehen, ist das der Keim des Niedergangs? Ich denke, man kann es so ausdrücken. Es gibt Menschen, die das sehen und sagen, ich kenne es zuletzt von Altkanzler Helmut Schmidt. Doch im Allgemeinen wird dieser Zusammenhang eher bestritten, es gäbe ihn nicht, Wissenschaftler hätten gesagt, so dürfe man das nicht sehen….
Sagt uns denn nicht jede Logik, dass das, was wir tun und sind, auch seine Auswirkungen haben muss? Es ist, wenn man so will, das Prinzip des Karma. Wir können nichts tun, was sich nicht an anderer Stelle ausdrücken würde.

Haben wir die falschen Ziele?

Während wir also immer mehr Wachstum planen, meinen, es gäbe keine Grenzen der Menschheit, verbrauchen und verschleißen wir das, was uns hervorbringt. Genies wie Stephen Hawking sprechen davon, die Menschheit müsse ins Weltall aufbrechen. Das Verbrauchte hinter sich lassen. Alles einfach neu! Wieder so ein Gedanke ungebremsten Wachstums. Aber … wie stellt er sich das konkret vor? Sollen sich Milliarden in eine Rakete quetschen? Um wohin zu fliegen? Sind wir es am Ende selbst, die gemeint sind, wenn Filme über räuberische Heuschrecken-Aliens im Kino laufen?

was ist zu tun?

Zunächst sollten wir einmal zur Kenntnis nehmen, dass es kein grenzenloses Wachstum gibt. Man sehe, was man will. Man denke an irgendeine Krankheit – das Bakterium stirbt mit dem Wirt, nach vorheriger, scheinbar grenzenloser Ausbreitung. Die Bevölkerung der Osterinsel verschwand – nach vorheriger scheinbar grenzenloser Ausbeutung aller vorhandenen Naturressourcen. Jeder Stern kollabiert, wenn er eine bestimmte Größe überschreitet. Man sehe das Römische Imperium der Antike. Es kollabierte, als es die Weltherrschaft errungen hatte. Soweit wir wissen, gibt es nichts, das unbegrenzt wächst.
Zweitens sollten wir diese Tatsache einfach formulieren, denn ohne Bewusstheit gibt es keine Lösung; ohne Frage gibt es keine Antwort.
Drittens sollten wir zur Kenntnis nehmen, dass alles was wir als Ziel formulieren, aus unserem Denken im Jetzt kommt. Weder unser Denken im Jetzt, noch unsere Ziele sind mit einer bestimmten absoluten Notwendigkeit so, wie sie sind. Wir könnten ein anderes Denken haben, und andere Ziele. Das ewige „Mehr!“ ist kein Muss.

Andere Ziele – das bedeutet ein anderes Denken im Jetzt. Das heißt, dass die Vorstellung und das Ziel eines ewigen Wachstums, was uns wie selbstverständlich erscheint, aus der festen Überzeugung resultiert, es wäre nie genug.
Daher sollten wir unser Denken im Jetzt ändern, um unsere Zukunft zu gestalten. Sie kann nicht im „Mehr!“ liegen. Wir können weder in unserem Verbrauch grenzenlos sein, noch in unserer eigenen Zahl.

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Grenzen der Menschheit. was last modified: Februar 29th, 2016 by Henrik Geyer