Was ist Zeit?

Was ist Zeit eigentlich?

Zeit ist ein Gradmesser der Veränderung der Welt. oder: Die Zeit ist ein Äquivalent für die Veränderung der Dinge.

Wenn  man das so formuliert, dann ist zumindest klar, dass die Zeit nicht ohne Dinge auskommt. Die Zeit scheint die Veränderung der Dinge zu treiben. Oder ist es umgekehrt? Ist es die Veränderung der Dinge, die den Schritt der Zeit bestimmt?

Was ist Zeit? Der Zeitstrahl

Bei der Frage „Was ist Zeit?“ kommt uns zuallererst der Zeitstrahl in den Sinn, der wohl unserer materialistischen Vorstellung von Zeit recht gut entspricht. Er stellt die Zeit als eindeutig in eine Richtung „fließend“ dar, und zwar ausgehend von einem Punkt (der Beginn von Raum und Zeit – vielleicht als der Urknall), und in die Unendlichkeit sich fortbewegend.

 

Zeitstrahl, Zeit und Kausalität

 

Zeitstrahl umgekehrt

Kann man den Zeitstrahl einfach umdrehen? Allein schon die Darstellung des Zeitrahles, als von rechts nach links gehend, lässt uns das Ganze wie falsch erscheinen, obwohl doch an den Grundaussagen des Zeitstrahles gar nichts geändert wird. Dieses kleine gedankliche Experiment soll einfach zeigen, wie sehr die Zeit eine Denkgewohnheit ist, deren scheinbare Eindeutigkeit längst nicht so festgemeißelt ist, wie wir glauben.

Zeitstrahl umgekehrt, Zeit und Kausalität, Zeitstrahl und Kausalitätsstrahl

Im Zusammenhang mit der Frage „Was ist Zeit?“ könnte man auch die Frage stellen „Was ist Kausalität?“, denn ohne Zeit ist keine Kausalität denkbar. Und umgekehrt. Und auch und gerade bei der  Kausalität könnten wir uns eine Umkehr kaum vorstellen, mindestens ebenso wenig wie bei der Zeit.

Lesen Sie auch: Definition der Zeit

Ähnliches Thema: Ursache und Wirkung – Wirkung und Ursache. Umgekehrte Kausalität

 

Zeit als Punkt

Letztendlich (so ist es natürlich die spirealistische Sichtweise die auf diesem Blog thematisiert wird, und der zufolge es keine Objektivität gibt) kann man keine objektive oder endgültige Aussage über die Zeit machen, da die Welten aus Gedanken entstehen, und damit eine Frage der Vorstellungen sind.

Man kann aber sagen, dass die Zeit eine fundamentale Kategorie des menschlichen Begreifens ist (man nennt die Zeit nicht umsonst „Dimension“ – und verleiht ihr so eine fundamentale Bedeutung), die Bezüge zwischen den Objekten des Denkens herstellt. Die Zeit steht gewissermaßen am Ende der von uns schaffbaren Kausalketten, daher wirkt sie wie rätselhaft und unerklärlich. Sie ist selbst nicht begründbar, sondern sie ermöglicht erst Begründungen, z.B. etwa dieser Form: „A ist möglich, weil B (vorher) da war.“

Weiterlesen: Was war eher da – Ei oder Henne? Was besagt dieses Paradox?

Wenn der Spirealismus das Vorhandensein von Objektivität negiert, dann ist damit auch gesagt, dass die Welt(en) aus Vorstellungen entstehen. Sie sind, als Vorstellungen, natürlich bei weitem nicht so „fest“, wie wir uns Welten aus Materie denken würden, von denen wir annehmen, wir könnten diese Welten aus Materie nur auf eine einzige Art und Weise be-greifen.

Daher dürfen wir uns auch die Zeit ruhig ganz anders vorstellen, als dies landläufig geschieht, ohne in Gefahr zu geraten, der sogenannten Wirklichkeit zu enteilen – jedenfalls ist das aus spirealistischer Sicht so.

Wir können uns die Zeit ruhig vorstellen, z.B. nicht als Strahl, sondern als Punkt. Denn tatsächlich „gibt“ es ja nur das Jetzt als eigentlich „erlebbar“.

Ähnliches Thema: Es gibt nur das Jetzt. Immer ist Jetzt

Weiterlesen: Beitrag Was ist Phantasie? 

 

Die Zeit, vorgestellt als Punkt

Die obige Grafik entstand als Folge der Überlegungen zu Kausalität und Wahrheit, die nach meinem Dafürhalten von der Frage „Was ist Zeit?“ nicht zu trennen sind. Überhaupt führt die Frage nach der Zeit auf das Wesen der Dinge, bzw.  ist es die Frage nach der Art und Weise unseres Denkens.

Visionärer Text Ouspenskys

Vorstellungswelten

An dieser Stelle eine Sichtweise, die der obigen Darstellung der Zeit als Punkt nicht widerspricht, jedoch sehr widersprüchlich zur Vorstellung der Zeit als ein Zeitstrahl ist. Ich weiß nicht, inwiefern sich der Leser dieser Phantasie annähern mag oder annähern kann; es würde nach meinem Dafürhalten erfordern, dass man die Welt grundsätzlich als eine Welt aus Gedanken, aus Vorstellungen sieht (was schon können wir denken, jenseits unserer Gedanken? Man denke auch an Schopenhauer und sein „Die Welt als Wille und Vorstellung“).

Für den Spirealismus ist also die im Folgenden dargestellte Denkweise eine natürliche Folge der eigenen Überlegungen. Denn erstens sieht der Spirealismus alles metaphorisch. Man kann demzufolge alles auch anders sehen, bewerten, sich vorstellen. Denn die Eindeutigkeit der Worte selbst, ist ja bereits Illusion (es gibt nichts Objektives).

Zweitens ist der Gedanke des Spirealismus an „Ich-Universen“ ja letztlich der an voneinander getrennte Ichs, die, was immer sie wahrnehmen, auf verschiedene Art und Weise wahrnehmen. Es gibt also nichts von vorn herein Gleiches – der Eindruck des Gleichen entsteht eben erst durch Abstimmung (Kommunikation), so wie wenn Zahnräder ineinander greifen. Den Berührungspunkt der Zahnräder könnte man beispielsweise als die Uhr sehen.

Drittens gibt es dem Spirealismus zufolge gar keine von uns abgetrennte Außenwelt, wodurch es im eigentlichen Sinn auch keine Objekte gibt, die „in Raum und Zeit“ existieren. Anders formuliert: wir können nichts beobachten, dass von uns selbst (dem Beobachter) unabhängig wäre, also auch keine (von uns unabhängige) Zeit. Was ja wiederum in keinerlei Widerspruch zu Einsteins Vorstellungen von Relativität steht.

Nun aber zu dem, was eigentlich dargelegt werden sollte:

Zeit als ineinander greifende Räder

Der Symbolist Ouspensky schuf einen visionären Text über die Zeit, an den ich oft denken muss, und der ein bestimmtes Bild in der Phantasie entstehen lässt, das (mir) ebenso geheimnisvoll wie wahr erscheint. Ouspensky bespricht in dem Buch „A new model of the universe“ die Tarotkarte „Mäßigkeit“, auf der ein Engel abgebildet ist, der zwei Kelche in Händen hält.

Der Name des Engels ist Zeit. …

Der eine Kelch in den Händen des Engels ist die Vergangenheit, der andere ist die Zukunft. Der Regenbogenstrom zwischen den Kelchen ist die Gegenwart. Du siehst, dass er in beide Richtungen fließt.

Dies ist Zeit in ihrem unverständlichsten Aspekt. Die Menschen meinen, dass alles stets nur in eine Richtung fließt. Sie sehen nicht, dass sich alles ständig trifft und dass die Zeit eine Vielzahl sich drehender Kreise ist. Verstehe dieses Mysterium, und lerne die gegensätzlichen Strömungen im Regenbogenstrom der Gegenwart zu unterscheiden.

aus: A new model of the universe, von P.D. Ouspensky

 

Als Illustration für den Text Ouspenskys habe ich das (unten wiedergegebene) Bild zweier Strohballen gefunden – man hätte hierfür auch Zahnräder nehmen können. Doch gerade die Strohballen machen, wie ich finde, das chaotische Durcheinander der Vorstellungen innerhalb eines Kosmos aus Geist deutlich. Wo sich die Strohalme treffen, da entsteht innerhalb des Getrennt-Seins der Eindruck des Gemeinsamen – auch der gemeinsamen Zeit, die doch in Wirklichkeit nicht gemeinsam ist. Die Zeit trennt und verbindet die verschiedensten Galaxien der Vorstellung, die ihrerseits wieder zahllose (durch uns nicht zählbare, d.h. unendliche) Strömungen enthalten – sie wirbeln einerseits gegensätzlich durcheinander, aber sie treffen sich auch immer wieder.

Spruchbild: Zeit ist eine Vielzahl sich drehender, ineinandergreifender Kreise mit gegensätzlichen Strömungen, die sich in vielen verschiedenen Punkten treffen. Wir Menschen können nur einen Punkt sehen, doch das bedeutet nicht, es gäbe nur einen.

Ein wenig störend wirkte mir zuerst die Überlegung, dass die Illustration doch idealerweise die 3D-Verflechtung der verschiedensten Strömungen darstellen sollte, während das Bild der Strohballen zweidimensional wirkt. Doch andererseits ist ja auch die Dreidimensionalität lediglich eine Vorstellung und durch eine noch so komplizierte Verbildlichung würde der Phantasie, die doch die eigentliche Arbeit zu tun hat, nicht geholfen.

Im Grunde kann man, so mag mancher mit Recht einwenden, wieder zu Ouspenskys Tarotkarte zurückgehen.

 

 

Was ist Zeit? was last modified: Mai 4th, 2016 by Henrik Geyer

Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Was haben Phantasie und Wirklichkeit miteinander zu tun? Gemeinhin versteht man sie als Gegensätze. Doch, so einfach ist es gar nicht, zu sagen, was eigentlich die (eine) Wirklichkeit ist – denn jeder hat eine andere. Und Phantasie wiederum erweist sich immer wieder als das Element, das die Wirklichkeit formt, z.B. als  Erfindung. Oder als Vorhersage, wenn zum Beispiel in einem Roman von Jules Verne aus der Mitte des 19. Jahrhunderts U-Boote Gestalt annehmen.

Phantasie und Wirklichkeit: U-Boot im Roman

Was trennt Phantasie und Wirklichkeit?

In der materialistischen Denkweise ist es einfach den Unterschied zu benennen: Phantasie ist das „nur Gedachte“, Wirklichkeit ist das, was tatsächlich ist.

philosophische Betrachtung

Genauer betrachtet ist es nicht einfach zu sagen, was der Unterschied zwischen Phantasie und Realität ist. Dies sei nur Denken, jenes sei „wirklich“ … Man bedenke: Das, was ist, ist ja auch gedacht. Nichts Bestehendes kann erfasst werden, wenn nicht durch einen Gedanken.

Und die Gedanken aufzuspalten in solche, die das Wirkliche widerspiegeln, und solche, die Nicht-Wirkliches beinhalten, ist im Grunde unmöglich.

Wenn man sich vorstellt, das Wirkliche sei beispielsweise ein Baum, weil „alle“ ihn sehen können, dann beginnt das Nicht-Wirkliche bereits dort, wo wir eigentlich auch uneingeschränkte Existenz vermuten, aber keinerlei äußerliche Anzeichen davon sehen können. Man denke an Landes-Grenzen, die es nur auf der Landkarte gibt. Man denke an Gott und die Frage: Gibt es ihn?  Oder man denke an ein beliebiges Objekt, das wir nicht mit Augen vor uns sehen, aber das vor dem geistigen Auge sehr wohl „da“ ist, so dass wir ganz sicher vermuten, es sei existent. Das Atom. Die Liebe, der Hass. Das Morgen und das Gestern…

Generationen von Philosophen haben sich darüber den Kopf zerbrochen – Stichwort Kant und das Ding „an sich“. Oder das Wort Noumenon, das seit dem Altertum das Gedachte einteilen will in das nur vom Geist zu Erkennende (zu Schlussfolgernde), und das, was der Geist mit Notwendigkeit spiegeln muss (weil die Augen etwas sehen). In diese Kategorie gehört, als allgemeinster Ausdruck der Frage was „wirklich“ ist.

Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein.

Dschuang Dsi fragt nach der Wirklichkeit der eigenen Person, bzw. ihrer Identität.

 

Spirealistisch gesehen ist der Unterschied tatsächlich nicht zu definieren, weil er nicht im eigentlichen Sinn „existiert“. Alles ist geistig, und der Unterschied zwischen Phantasie und Wirklichkeit nur graduell – sozusagen als Produkt des Geistes, nicht aber seine Voraussetzung. Es gibt diesen Unterschied also nicht in einer Welt außerhalb von uns, denn eine solche, von uns unabhängige Außenwelt, existiert selbst nicht.

Was haben Phantasie und Wirklichkeit gemeinsam?

Und umgekehrt lässt sich ebenso graduell eine Gemeinsamkeit von Phantasie und Wirklichkeit formulieren, indem wir gleich sagen, dass alles, was wir uns denken, ja auch potentiell Realität sein oder werden könnte. Während …  das, was wir nicht denken – welche Realität könnte das je haben??

Aus spirealistischer Sicht beginnt die Realisierung mit dem Gedanken, oder anders herum: Der Gedanke ist die erste, zunächst noch schwache Form, der Realisierung. So gesehen hat jeder Gedanke auch Realität, denn die Voraussetzung des Bestehens jeglichen Objektes ist ja Geist.  Durch eine erfolgreiche Erfindung beispielsweise gewinnt der Gedanke mehr und mehr Schwere, er „materialisiert“ sich. Und durch eine phantasievolle Gestaltung eines Romanes durch den Autor (ich nannte als Beispiel Jules Verne) erlangt ein Gedanke Verbreitung und „materialisiert“ sich auf diese Weise ebenso. Indem beispielsweise der Gedanke an ein Untersee-Boot durch Jules Verne populär wurde, beherrscht er nunmehr das Denken all jener, die Jules Vernes Bücher kennen, und wird zur Sehnsucht derjenigen, die die Vorteile eines solchen Schiffes nutzen wollen. In der Folge wird es zur äußerlichen Realität – es wird gebaut.

Welche Notwendigkeit gibt es für Phantasie und Wirklichkeit?

Welche Notwendigkeit gibt es für Phantasie?

Man wird sagen: Für die Phantasie gibt es keine Notwendigkeit, denn man kann sich ja ausdenken was man will.

Andererseits könnte man sagen: Jules Verne konnte die Phantasie des Untersee-Bootes nur entwickeln, weil das Wissen und die technischen Möglichkeiten seiner Zeit entsprechend waren. Eigentlich wurde bereits im amerikanischen Bürgerkrieg (1860-1865) ein muskelgetriebenes U-Boot eingesetzt, also ca 10 Jahre bevor der Roman „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ 1874 erschien.

Was Jules Verne entwickelte war eher die Phantasie eines modernen Untersee-Bootes, während die allgemeine Idee für ein U-Boot schon im 14.Jahrhundert nachweisbar ist.

Also, und das sollte gesagt werden, könnte man aus dieser Perspektive eine Notwendigkeit für Jules Vernes Phantasien herleiten. Und diese Notwendigkeit besteht darin, dass sich der Autor ja niemals trennen lässt von den Ideen der Zeit, in der er seine Werke schafft. Die Ideen der Zeit sind in ihm, und nur sie kann er verarbeiten.

Nebenbei gesagt würden Ideen, die nicht mit den vorhandenen Begriffen in der Gesellschaft korrespondieren, vom Publikum auch nicht verstanden werden.

Ähnliches Thema: Kreativ sein – die 80 % Regel

Welche Notwendigkeit gibt es für Wirklichkeit?

Für die Wirklichkeit hingegen sehen wir in der materialistischen Sichtweise eine vollständige Notwendigkeit – die Wirklichkeit ist eben „da“! Die Notwendigkeit der Wirklichkeit (im Sinne einer völligen Folgerichtigkeit) zu bestreiten, das hieße sich dem Vorwurf auszusetzen, kein Realist zu sein, etc..

Doch die Vorstellung von der absoluten Notwendigkeit der Wirklichkeit wird durch das bereits Gesagte über das Ding „an sich“, das Noumenon etc.., aufgeweicht. Denn, wenn die Dinge des Außen die Wirklichkeit repräsentieren, man sich aber über ihre letztendliche Gestalt, über ihr Wesen „an sich“, oder ihre objektive (objektiv als: jenseits und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein) Gestalt kein Urteil bilden kann, dann lässt sich in letzter Konsequenz auch nicht genau sagen, was denn „die“ Wirklichkeit überhaupt ist.

Spirealistisch gesehen gibt es nicht „die“ Wirklichkeit. Es gibt immr nur die Wirklichkeiten einzelner Ich-Universen – als Gedanken.

Unsere Vorstellung von Kausalität

Es gehört an diese Stelle, die verschiedenen Querverbindungen aufzuzeigen, die die Vorstellung von Wirklichkeit / Realität mit der Vorstellung von Kausalität hat. Ebenso ist aufzuzeigen, dass Kausalität wiederum engstens verbunden ist mit dem Zeit-Begriff.

Wie bereits gesagt ist uns die Realität, bzw. die Wirklichkeit, folgerichtig und notwendig, denn sie ergibt sich aus allem, was vorher da war, und sie ist bestimmend für alles was danach kommt (Zeit). Die kausalen Zusammenhänge sind es, die die sichtbaren Phänomene wie „nicht anders möglich“ erscheinen lassen.

Aber dennoch muss man feststellen, dass „die Wirklichkeit“ des Momentes nicht eigentlich folgerichtig ist, sondern sie selbst ist der Beginn allen Folgerns. Man kann die Kausalketten in die Zukunft oder auch die Vergangenheit denken – der eigentlich feste Anker, der Urgrund allen Folgerns ist das, was wir als die Realität im Hier und Jetzt bezeichnen, und nicht umgekehrt. Der Urgrund ist das Phänomen, die Erscheinung im Jetzt. Um das an einem Beispiel zu illustrieren: nicht die Elemente, die wir in das Periodensystem der Elemente eingezeichnet haben sind der Grund für unsere Beobachtungen an den Dingen. Sondern unsere Sichtweise, Beobachter von Dingen zu sein, ist der Grund, dass ein Periodensystem der Elemente erstellt wurde.

 

Wenn man nun die Aussage, dass es keine Objektivität gibt, die sich in den Aussagen so vieler Philosophen und Wissenschaftler (Kernphysiker) wieder und wieder bestätigte, zutiefst verinnerlicht, dann muss man auch sagen, es gibt keine objektive Kausalität. Anders gesagt ist die Vorstellung einer eindeutigen Folgerichtigkeit selbst eine Phantasie. Wenn das Phänomen, oder die Wirklichkeit, oder die Realität, nicht in einem objektiven  Tatbestand erfassbar ist, dann ist alles, was sich aus diesem Gedachten folgern oder ableiten lässt, ebenfalls kein objektiver Tatbestand.

Es sei noch einmal auf die spirealistische Sichtweise hingewiesen, die sich von der des Materialismus fundamental unterscheidet, und der hier Erklärung ist, für dieses Phänomen, das vom Standpunkt des Materialismus zutiefst paradox wirkt. Einerseits erscheinen die Begriffe der Kausalität, der Zeit, des Zufalls, überhaupt der Trennung von Wirklichkeit und Phantasie wie eindeutig, wie festgelegt und greifbar. Glauben wir denn nicht alle stets und ständig, wir hätten einen eindeutigen und unleugbaren Begriff von allem, was uns umgibt? Und doch lässt sich nirgends ein solcher Begriff in Eindeutigkeit packen, sondern verschwimmt in der Unendlichkeit der Relationen. Zitat Wilhelm Busch: „Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.“

So als sei die Welt gar nicht aus festen Körpern gemacht, die eindeutige Informationen bereits in sich tragen (die wir Menschen dann mit unserem Geist „abrufen“) – gerade das aber, das Bestehen dieser objektiven Welt außerhalb von uns, in Form von Materie, ist dem Materialismus fundamentalste Denkvoraussetzung.

Der Spirealismus hingegen sieht die Welten nicht ausgehen von Materie, sondern vom Gedanken. Das übersetzt sich in diesem Zusammenhang zu: das Folgern selbst, die Kausalität, ist das Entstehungsprinzip der Welt. Daher geht für den Spirealismus die Welt des materialistisch Denkenden, aus, von dem Gedanken an Materie. Das wichtige Prinzip, das der Materie zu Grunde liegt, ist der Gedanke – und nicht Materie, die den Geist in Form des Gehirns erst erschafft. Durch das Letztgesagte wird einmal mehr klar, dass der Spirealismus als Sitz des Geistes nicht das (menschliche) Gehirn ansieht. Wenn „alles Geist ist“, dann ist Geist eben nicht „nur“ hier oder dort.

Seltsamer Zufall, dass alle die Menschen, deren Schädel man geöffnet hat, ein Gehirn hatten.
Ludwig Wittgenstein

Kausalität im Widerstreit mit dem Zufall

Noch ein letzter Gedanke zum Begriff des Zufalls, der mit dem Begriff der Kausalität in engem Zusammenhang steht.  Das, was wir begründen können, nennen wir nicht „zufällig“; und umgekehrt ist der Zufall etwas, das wir als Phänomen bemerken, dessen Grund wir aber nicht kennen.

Die in der materialistischen Denkweise als so fest und statisch wahrgenommene Kausalität kann man (spirealistisch) auch ganz anders wahrnehmen – als Phantasie, als Realität erschaffenden Gedanken. Und zwar, wenn man bedenkt, auf welche Art und Weise wir gewohnt sind, Zufall von einer notwendigen Abfolge von Geschehnissen (Kausalität) zu unterscheiden.

Ausgangspunkt ist das wahrgenommene Phänomen, von dem wir bereits sagten, es sei nicht objektiv erkennbar, und daher seien alle Ableitungen aus ihm ebenfalls nicht objektiv.

Zweitens aber sagten wir, dass uns nur alles das zufällig ist, für was wir keine Begründung finden.  Für was aber finden wir keine Begründung? Ich denke, wir finden für alles eine Begründung, in Abhängigkeit davon, ob wir uns auf ein bestimmtes Phänomen konzentrieren, und es in Verbindung mit einem anderen Phänomen bringen. Und das wiederum ist die Definition von Phantasie: Querverbindungen zwischen Phänomenen herzustellen, ungewöhnliche Querverbindungen oft.  Es ist somit eine eine Frage der Phantasie, in welcher Weise sich Kausalität fortschreibt.

Phantasie & Einstein - Einstein/Münchhausen - Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?
Phantasie & Einstein – Einstein/Münchhausen – Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?

Man denke z.B. an Einstein und seine Relativitätstheorie, die er auf Grund sehr phantasievoller Überlegungen entwickelte. Er stellte sich vor, selbst auf einem Photon zu reiten, eine Taschenlampe in der Hand haltend, und nun sehend, wie die Photonen (Photon=Lichtteilchen) aus der leuchtenden Taschenlampe kommen und enteilen. Er fragte sich, ob die Geschwindigkeit der Taschenlampen-Photonen sich zu der Geschwindigkeit des Photons auf dem er bereits saß (und das sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt), hinzuaddieren würden. Auf diese Art und Weise kam er zu einer Sichtweise, die in die Überlegung die Zeit mit einbezog – Die Geschwindigkeit (Bewegung im Raum) und die Zeit sind relativ zueinander.

Durch Einstein sind heute unsere Vorstellungen von Raum, Zeit und Masse, miteinander verknüpft, während sie vorher wie völlig unabhängig voneinander erschienen.

Mit welcher Notwendigkeit kam Einstein auf seine Erkenntnis? Man muss sagen (und Einstein selbst hätte das auch so gesehen): mit keiner. Die Phantasie des Einstein kam mit keiner vorhersagbaren oder begründbaren Folgerichtigkeit in die Welt, und seine Phantasien zu Raum und Zeit somit auch nicht. Man könnte auch sagen: Es war Zufall. Im Nachhinein mag man zwar immer konstruieren: „Es musste ja so kommen!“ … aber nein, es musste nicht. Und wie gesagt hat Einstein selbst diese Nichtnotwendigkeit des In-die-Welt-Kommens scheinbar ganz logischer Schlussfolgerungen einmal formuliert.

Somit ist die Vorstellung der Relativität von Zeit und Raum ebenfalls ohne völlige Notwendigkeit in der Welt. Anders gesagt. Wir könnten nach wie vor ebenso gut der trennenden Denkweise anhaften, und würden nichts vermissen.

 

Ähnliches Thema: Artikel „Gott würfelt nicht“, sagte Einstein. Aber warum würfelt Gott nicht?

Siehe auch: Artikel Kausalkette – philosophisch (spirealistisch) gesehen

Siehe auch: Mindfuck Philosophy – der Beginn eines neuen Denkens

Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität was last modified: Mai 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Zeitstrahl

Zeitstrahl, Zeit und Kausalität

Gemeinhin wird der Fortgang der Zeit anhand des sogenannten Zeitstrahles dargestellt. In diesem Artikel geht es um die Frage, wie wir uns Zeit vorstellen, und wie diese Vorstellung mit der geometrischen Figur eines Strahles verbunden ist.

Der Zeitstrahl

Wie das obige Bild eines Zeitstrahles zeigt, gibt es die Vorstellung von der Zeit, sie fließe in einem kontinuierlichen Fluss, der nur eine Richtung hat, von der Vergangenheit in die Zukunft.

Wie die geometrische Figur „der Strahl“, denkt man, die Zeit ginge aus von einem bestimmten Punkt in der Vergangenheit – in unserer jetzigen Denkweise repräsentiert durch den Urknall – als dem Beginn von Raum und Zeit.

In die Zukunft hinein stellt man sich die Zeit als unbegrenzt vor … ganz so, wie es die geometrische Figur  des Strahles suggeriert: auf der einen Seite begrenzt, auf der anderen Seite aber unbegrenzt.

Der Zeitstrahl besagt auch folgendes: Die Vergangenheit ist eindeutig, sie ist repräsentiert durch die Punkte, die sich auf dem Strahl eintragen lassen. Nennen wir als Beispiel: 1492, Entdeckung Amerikas durch Kolumbus. Die Vergangenheit geht von einem bestimmten Punkt aus, dem Beginn der Zeit und ist bemessbar, und zwar als die Spanne zwischen dem Beginn der Zeit und der Gegenwart.

Auch die Zukunft wird eindeutig sein, so folgert man aus dem Zeitstrahl, sie ist ebenfalls repräsentiert durch die Punkte, die sich auf dem Strahl eintragen lassen. Allerdings ist der Strahl nach rechts hin offen, wodurch eine Unendlichkeit von Punkten eingetragen werden könnte.

Man muss allerdings sagen, dass, im Gegensatz zu dieser Vorstellung, auch die Vergangenheit letztlich durch eine Unendlichkeit von Punkten repräsentiert wird, denn auf dem Strahl lassen sich auch nach links hin unendlich viele Punkte finden, im kleinsten, und wieder kleinsten Maßstab (infinitesimal).

Übrigens ist es eine weitere, sicherlich von niemandem bestrittene Vorstellung, die der Zeitstrahl suggeriert, dass die Gegenwart in einem Punkt zusammenkommt – dem Jetzt.

Noch ein Letztes sei bemerkt: Es ist unsere Vorstellung des Fließens der Zeit, sie würde in eine bestimmte, nicht anders denkbare, Richtung fließen. Im Zeitstrahl repräsentiert durch die selbstverständliche Flussrichtung „von links nach rechts“, ganz so, wie es unsere Gewohnheit ist, zu lesen. Bereits die Vorstellung, die Zeit flösse von rechts nach links, würde uns bereits ein wenig verwirren – und zwar nur am Zeitstrahl.

Warum hat die Zukunft kein Ende, wenn doch die Vergangenheit einen Anfang hat?

Warum ist das so? Weil das Bewusstsein quasi die Unterschiedlichkeit der Objekte des Denkens ist. Wahrgenommen als die Zeit. Das Bewusstsein kann kein Ende der Zeit erfassen. Die Voraussetzung des Wahrnehmens (im Bewusstsein) sind Objekte des Denkens, ist Zeit. Das Ende der Zeit wäre das Ende des Bewusstseins.

Aus der Sicht des Menschen ist hier keine Grenze zu ziehen.

Aus demselben Grund könnte man natürlich fragen, wie der Mensch überhaupt darauf kommt, er könnte die Feit in der Gegenrichtung begrenzen …

Zeitstrahl und Kausalitätsstrahl

Zeit und Kausalität hängen eng zusammen.- Ohne das Eine nicht das Andere. Ohne Zeit kein Vorher und kein Nachher – die Zentralbegriffe der Kausalität. Vorher, das wäre der Grund, die Ursache. Nachher, das wäre das Ziel oder die Folge.

Die Zeit und alle anderen Vorstellungen unserer Welt stehen somit in einem fundamentalen Zusammenhang. Man mag fragen: Wozu dieses Abhandeln von bloßen Vorstellungen? Die Antwort wäre: Was können wir Menschen denn denken, was über unsere Vorstellungen hinaus geht? Insofern (und das ist ja der Grund dieses Artikels) geht es um eben Vorstellungen. Worum sonst?

Zeit und Kausalität, Zeitstrahl und Kausalitätsstrahl

Siehe auch: Artikel Die semantische Natur der Dinge

Lesen Sie auch: Beitrag Zeit Rätsel: Was ist Zeit?

Ähnliches Thema: Sprüche Zeit – Über die Zeit

Ähnliches Thema: Beitrag Tarot: Der Mond. Symbolismus des Ouspensky

Zeitstrahl was last modified: Juni 6th, 2016 by Henrik Geyer

Sind die Gedanken bei den Dingen? Ist das Denken von den Dingen gleich den Dingen?

Thema Gedanken: Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Dass wir finden was wir suchen ist ein assoziatives Gesetz. Es gilt auch für unser wissenschaftliches Suchen.

Ein wichtiger Ausgangspunkt für das Verständnis vieler Denkrichtungen (auch des Spirealismus) ist folgende Frage: Sind die Gedanken selbst die Dinge? 

Man kann es auch anders formulieren: Was sind die Dinge jenseits meiner Gedanken? Noch anders formuliert: Was sind die „richtigen“ Dinge MEHR, als das, was meine Gedanken in ihnen sehen?

Aus materialistischer Sicht scheint es unnötig, diese Fragen zu stellen, denn es ist ja die selbsterklärte Denkvoraussetzung des Materialismus, man beschäftige sich mit der Materie, also Dingen außerhalb des Geistes.

Dass diese Frage so „realitätsfern“ scheint, ist, soweit ich sehe, ein Haupthindernis des Verständnisses des Spirealismus. Man kann das Rätselhafte der Welt nicht sehen, da man glaubt, alles Rätselhafte sei mit der materialistischen Wissenschaft aus der Welt geschafft.

Ich möchte in diesem Artikel kurz darstellen, warum die oben genannten Fragen ihre Berechtigung haben, und was letztlich gegen den Materialismus als Weltanschauung spricht, und warum er nur eine Möglichkeit des Denkens ist.

Nebenbemerkung: Wenn hier von „Dingen“ die Rede ist, so sind damit nicht besondere, sondern ganz normale Dinge gemeint, wie ein Baum, oder ein Auto, ein Tisch … was auch immer.


 

Das Problem

Jedes Individuum kann sich mit Fug und Recht sagen: Für mich können die Dinge nichts anderes sein, als das, was ich über sie denke.

Gleichzeitig, und dem zum Widerspruch, legt uns die materialistische Weltanschauung nahe, dass die Gedanken nicht die Dinge sind, sondern nur deren Abbild im Geiste, eine Widerspiegelung also. Die Dinge gäbe es demnach noch einmal „richtig“, jenseits der Gedanken.

Doch, wie könnte jemals etwas „Richtiges“ ausgesagt werden, über die Dinge, wenn man doch dazu nur die Gedanken hat, die erklärtermaßen von den Dingen abweichen? Selbst wenn man irgendein Ding genauestens untersucht und zu noch so vielen Schlüssen gelangt … was man im Geist bewegt kann doch nach diesem Weltbild immer nur eine unvollkommene Widerspiegelung sein, nie das Ding „an sich“. Das Ding „an sich“ – also jenes Ding jenseits der Gedanken, von dem Immanuel Kant fand, es sei nicht beschreibbar, wenngleich es wohl vorhanden sein müsse.

Am Ende muss man fragen: „Gibt“ es die Dinge überhaupt, jenseits des Denkens?

Es ist das Wesen der materialistischen Weltanschauung zu sagen, dass die Dinge jenseits des Geistes, getrennt von ihm existieren; sie sagt auf die gestellte Frage: „selbstverständlich!“

Es ist hingegen das Wesen der spirealistischen Weltanschauung, die gestellte Frage zu verneinen. Sie sagt: Die materialistische Vorstellung von Existenz ist falsch. Die Dinge und das Denken an die Dinge sind nicht zweierlei.

Was gegen die materialistische Anschauung spricht

Wir finden nirgendwo einen Beweis für die existierende Außenwelt

In diesem Blog oft genug angeführt wurde (so dass ich es nicht wiederholen möchte) die vergebliche Suche nach dem Ding „an sich“. Also das Begreifen dieses legendären Dinges, das außerhalb des Bewusstseins liegen soll. Um dessen eigentliche Existenz zu begreifen, hätten wir aber wiederum „nur“ das Bewusstsein – also die Gedanken.

Der Versuch, das Ding „an sich“ (exemplarisch verstanden, als die von uns getrennte Außenwelt) zu begreifen, scheitert.  Weil dieser Versuch scheitert, darf man sagen, dass wir die Existenz einer vom Geist getrennten materiellen Außenwelt nur annehmen.

Aber – eigentlich nehmen wir sie nicht nur an, wir setzen sie voraus. Als fundamentalste Basis unseres Denkens steckt diese Annahme in der Sprache und im Denken.

Sinnesorgane als Grund für Materialismus – Umkehr der Kausalität

Problem: Es scheint geradezu absurd, zu behaupten, die Dinge seien nicht „da“ – wozu sind dann wohl die Sinnesorgane da, die uns von den Dingen doch erst Kunde geben?

Gegenfrage: Wenn die Dinge nicht so „da“ sind, wie wir vermuten, warum sollte dann für die Sinnesorgane etwas anderes gelten? Warum sollten sie „da“ sein? Auch sie müssten doch Elemente des Geistes sein, wenn wir von den Dingen reden, und der eigentlich unumgänglichen Tatsache, dass die Dinge im Geist existieren. Schließlich sind Mund, Nase, Ohren auch solche Dinge, nach denen wir in der Eingangsfrage fragten.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Sinnesorgane lassen nicht den Schluss zu, dass die Sinnesorgane ein objektives Bild einer Außenwelt zeichnen

Es ist eigentlich sehr banal, muss aber dennoch in die Erinnerung zurückgebracht werden:  – die Sinnesorgane haben keinen „direkten Draht“ zu den Dingen.

Dass sie etwas abbilden ist die materialistische Sicht. Aber auch demnach würden sie ja nur ein Bild liefern – ein Zerrbild. Denn das Bild und das abzubildende Ding sind wiederum zweierlei.

Umso erstaunlicher für die materialistische Wissenschaft festzustellen, dass das Auge z.B. keine objektiven Farben im Außen vorfindet, sondern diese werden im Denken konstruiert. Als Phantasieprodukt helfen die Farben sozusagen, die Dinge zu unterscheiden, die das geistige Auge „sieht“.

Und beim Hören beispielsweise kommen die Dinge ja nicht zu uns, indem wir von ihnen hören, sondern wir hören andere Menschen über Dinge sprechen, und dann sind die Dinge ja ebenfalls „bei uns“ … also im Geiste. Auch das ist offenbar ein Weg, Dinge wahrzunehmen.

Das Untersuchen von Dingen ist das Erschaffen anderer Dinge

Unsere Methode, die Dinge zu untersuchen ist nicht, dass wir die Dinge in ihrer Gesamtheit besser begreifen.

Bei einem Motor, den wir selbst erschufen, folgt das Zerlegen in seine Teile nach unserer Logik. Aber bei den natürlichen Dingen ist unsere Methode ebenfalls das Zerlegen der Dinge in wieder andere Dinge. So, als wäre auch das ein Motor, den wir selbst erst kurz vorher zusammengebaut haben. Doch – verstehen wir die Kausalität der Natur, oder nur unsere eigene? Wie kommen wir darauf, wir würden überall unsere Vorstellung von Kausalität wiederfinden? Wie kommen wir darauf, dass wir die Gedanken der Natur mit der materialistischen Wissenschaft nachvollziehen?

Nein, wir vollziehen nicht nach, wir erschaffen – auch hier!

Wir erschaffen Dinge, die es im eigentlichen Sinn gar nicht „geben“ kann. Man denke an das Atom, das, wie früher vermutet, „letzte Ding“, vielleicht sogar Ding „an sich“. Früher dachte man, dass hier die Kette aller kausalen Zusammenhänge enden müsse.

Weiterlesen:  ‚Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.‘

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind Teil der Schöpfung, nicht ihre Widerspiegelung.
Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind Teil der Schöpfung, nicht ihre Widerspiegelung.

Und so wurde das Atom gefunden (erfunden). Es ist ein assoziatives Gesetz, dass wir immer finden was wir suchen. Das gilt auch für das so apostrophierte Außen. Man kennt dieses Gesetz aus der spirituellen Welt als Gesetz der Anziehung. Paul Watzlawick formulierte es so:

„Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“

Der letzte Beweis für all unsere Theorien ist, dass sie sich aufeinander beziehen und, miteinander kombiniert, irgendwie funktionieren. Aber sie funktionieren nur miteinander, weil sie sich untereinander grundlegend unterscheiden. Im Grunde sind Chemie, Physik, Biologie verschiedene Weltanschauungen, die eigentlich nicht zusammenpassen, und deshalb den Wunsch nach einer Weltformel laut werden lassen.

Jedenfalls aber beweist keine unserer Theorien die Existenz von Dingen „an sich“, oder sagen wir: die Existenz einer Außenwelt, die unabhängig von uns wäre. 

Umgekehrt ist es so, dass gerade Wissenschaftler in der Teilchenphysik die größten Zweifel daran haben, dass ihre Vorstellungen von den Dingen (Teilchen) und die „tatsächlichen Dinge“ etwas miteinander zu tun haben. Denn das, was sie am aller notwendigsten zu finden hoffen, nämlich das letzte greifbare Teilchen, finden sie nicht.  Statt dessen finden sie, was ihnen weltanschaulich nicht gelegen kommt: Wahrscheinlichkeit. Ich beschrieb das in „Alles ist Geist„.

„Das Denken erschafft“ – eine Erfahrung, die jedem zugänglich ist

Ebenso beschrieb ich dort die für mich ganz persönlich zuerst verblüffende Tatsache, dass wir Dinge im Denken erschaffen können – die dann für uns „da“ sind, so als wären sie schon immer „da“ gewesen, und eigentlich nicht wegzudenken. Jeder kann diese Erfahrung an sich selbst machen. Der unmittelbarste Weg diese Erfahrung zu machen ist, Glauben zu suchen und ihn zu erlangen.

Lesen Sie auch:  ‚Glaube Liebe Hoffnung – ohne Glauben geht nichts‘

Aber man kann das auch in einem ganz allgemeinen Sinn überlegen, wenn man bedenkt, dass die allermeisten Begriffe, von denen wir ständig reden, ja nicht in eigentlichen Sinne „da“ sind. Man denke einfach an die Vergangenheit und die Zukunft, an Grenzen, an die Liebe,  an die Zahlen 1,2,3, etc… Oder man denke auch an das Atom. Im eigentlichen Sinne „da“ ist es nicht. Niemand hat es je gesehen, niemand kann es wiegen. Wie gesagt haben insbesondere Atomphysiker starke Zweifel an seinem (Vorhanden-)Sein.

Welche Notwendigkeit gibt es für Materialismus?

Der Kerngedanke des Materialismus ist: Hier ist Geist (der Mensch), dort Materie. Geist beobachtet Materie. Materie als der Inbegriff einer vom Menschen getrennten Außenwelt.

Aber: Welche Notwendigkeit gibt es, dass man an eine vom Menschen getrennte Außenwelt glauben muss?

Der Spirealismus sagt: Keine. 

Das Wort „Glaube“ versteht der Materialismus falsch. Unser Wissen ist selbst ein Glaube. Was wir von der Welt kennen basiert auf Glaube. Warum? Weil sich Wissen letztlich an keinem objektiven Ding, an keinem Ding „an sich“, beweisen kann. Somit ist Wissen jeglicher Art, und sei es das aller-wissenschaftlichste Wissen, auf Fragen zurückgeworfen wie: Wo findet man nun das Ding an sich? Wo ist das Atom? Man kann es nicht selbst, sondern nur Spuren davon in Nebelkammern beobachten … Dies ist ähnlich der Frage, mit der man Gläubige oft konfrontiert: Wo findest du Gott – hinter welcher (Phantasie-)Wolke verbirgt er sich?

Das Atom findet man nicht selbst, sondern nur Spuren in Nebelkammern. Was beobachtet man da? Es sind Spuren von Theorien, die man beobachtet. Einstein bemerkte einmal, es bestimme erst die Theorie, was man beobachten könne.

Die Antwort auf die Fragen „Wo findest du das Atom?“ und auch „Wo findest du Gott?“ ist jeweils: Im Geist. In den Gedanken.

Der Spirealismus löst sich vom Glauben

So gesehen löst sich der Spirealismus von einem Glauben, und zwar von dem Glauben des Materialismus.

Der Spirealismus sagt zwar nicht, wir kämen ohne Glauben aus (oder sollte ich sagen „Wissen“?). Aber wir haben doch, wenn wir den Glauben als solches erkennen, ein besseres Verständnis dafür, dass die Welt im Geiste liegt, und dass es durchaus (auch) an uns ist, die Welt im Geiste zu formen.

Wir können an vieles glauben – ebenso vielfältig kann im Prinzip auch das wissenschaftliche Wissen sein. Dass es nur ein „richtiges Wissen“ gäbe, und nur eines geben könne, ist Folklore. Diese Aussage basiert auf der Annahme, es gäbe auch nur ein richtiges Außen (Materie), das der Geist beobachten würde …. dies ist aber „nur“ ein Glaube – dieser spezifische Glaube gehört zum materialistischen Weltbild.

Es gibt ein Problem: der materialistische Glaube ist so fest verwurzelt in unserer Sprache, in unseren Vorstellungen, dass es (fast!) unmöglich ist, jenseits dieses Glaubens zu denken. Aber das ist ja das Wesen jeden festen Glaubens. Der Spirealismus jedenfalls hängt diesem Glauben nicht an.

Thema: Artikel ‚Spirituelles Erwachen – Chance für die Menschheit‘

 

Sind die Gedanken bei den Dingen? Ist das Denken von den Dingen gleich den Dingen? was last modified: Oktober 30th, 2016 by Henrik Geyer

Was war eher da – Ei oder Henne? Was besagt dieses Paradox?

Was war eher da - Ei oder Henne? Was besagt dieses Paradox?

Was war eher da – Ei oder Henne? Dies ist ein volkstümliches Scherzrätsel, das nach üblicher Sichtweise keine Auflösung hat.

Das Rätsel erscheint als Paradox. Ohne Ei, aus dem eine Henne schlüpfen kann, keine Henne. Und ohne Henne, die Eier legt, kein Ei. Was ist richtig? Was ist die Wahrheit? Kann es nur eins von beidem sein?

Der Grund „an sich“

Es ist die gängige Annahme, es gäbe einen letzten Grund für alles. Jede Kausalkette, nimmt man (zu Unrecht) an, habe irgendwo ein Ende. Das lässt die Frage „Was war eher da – Ei oder Henne?“ wie eine normale Frage erscheinen. Müsste sich nicht sagen lassen, was der wirkliche Grund ist? Ist der Grund für die Henne nun das Ei, oder umgekehrt?

Die Antwort liegt in uns

Doch, wie letztlich bei jeder Kausalkette, ist es an uns, die Wirklichkeit erst zu definieren. Ein Ende der Kausalketten ließe sich nie im Äußerlichen finden – sie erscheinen unendlich, wenn man immer weiter denkt. Und so ist auch die Kausalkette der Frage „Was war eher da – Ei oder Henne?“ unendlich – es fehlt der eindeutige Anfangspunkt.

Bis wir selbst einen Anfangspunkt setzen.

Man könnte die Frage „Was war eher da – Ei oder Henne?“ wissenschaftlich behandeln, und festlegen: In der Evolution wird an einem bestimmten Punkt aus einem Urvogel ein Huhn – die Henne war zuerst da. Oder: Das erste Auftreten der neuen Art Huhn war ein Ei …

Oder aber, das wäre die dritte Sichtweise (die des Paradoxons): eine Lösung ist unmöglich.

Die Welt als Kontinuum

Ist hier eine andere Weltsicht gefragt? Es scheint so.

Der Spirealismus als Gegenentwurf zum Materialismus vermutet von vorn herein nicht, dass es DIE Welt fertig in einem Außen gibt. Also DIE Welt in einer Form, so dass für uns bereits Gründe und Informationen fertig in einem Außen zur Verfügung stünden – zum Abruf bereit, so dass man sich fragen könnte: Hat sich die Natur das Paradox von Henne und Ei vielleicht nicht richtig überlegt?

Den Menschen sieht der Spirealismus nicht als Beobachter der Schöpfung, sondern als Element der Schöpfung. Der Mensch ruft den Grund nicht aus Äußerlichem ab, sondern erschafft ihn. Die Fragen die er stellt, und die Antworten, die er findet, sind Teil der Schöpfung. Das bedeutet, die Festlegungen sind nicht schon da, sondern sie kommen aus den Elementen – uns.

Die gewinnbaren Informationen sind uns unendlich, ähnlich wie einer Quelle, der das Sprudeln des Wassers aus ihr wie eine Unendlichkeit erscheinen muss. Die Quelle – das sind in diesem Gleichnis wir selbst – die Menschen. Festlegungen zu finden ist etwas, mit dem wir kein Ende finden können.

Nur wenn die Quelle voraussetzt, in diesem Wasserstrom (der doch aus ihr kommt), seien Anfang und Ende zu finden – dann wird ihr ihre Welt paradox erscheinen.

Spruchbild: Nicht "unser" Denken im Gehirn erzeugt Realität - das Denken geht nicht von unserem Gehirn aus, sondern umschließt und erschafft uns. Ebenso wenig erzeugt eine Quelle Wasser. In einer Quelle tritt Wasser nur zu Tage.
Spruchbild: Nicht „unser“ Denken im Gehirn erzeugt Realität – das Denken geht nicht von unserem Gehirn aus, sondern umschließt und erschafft uns. Ebenso wenig erzeugt eine Quelle Wasser. In einer Quelle tritt Wasser nur zu Tage.

 

Siehe Artikel nihil fit sine causa – Nichts geschieht ohne Grund 

Siehe Artikel Was ist Objektivität?

 

Was war eher da – Ei oder Henne? Was besagt dieses Paradox? was last modified: Februar 8th, 2016 by Henrik Geyer

Nichts geschieht ohne Grund (nihil fit sine causa). Der Grund „an sich“

Spruchbild: Vergangenheit und Zukunft finden im Jetzt statt, Nichts geschieht ohne Grund (nihil fit sine causa). Der Grund "an sich"

nihil fit sine causa – Nichts geschieht ohne Grund. Warum ist das so? Hat sich die Natur alle Gründe bereits ausgedacht, oder (er)finden wir sie erst? In diesem Artikel geht es um Kausalität.

(siehe auch Artikel Kausalität, über das Warum in der Natur)

Das Ding an sich – das Kern-Ding lässt sich nicht finden

Auf diesem Blog wird immer wieder über die Kantsche Formulierung gesprochen, was die „Dinge an sich“ sind. Es geht dabei immer darum, dass sich bereits in der philosophischen Betrachtung zeigt, dass nichts objektiv ist. (Man muss dazu nicht erst die Kernphysik bemühen). In diesem Abschnitt geht es darum, dass die Tatsache fehlender Objektivität ebenso für die Kausalität gilt.

Für den Spirealismus zeigt das, dass die Dinge, worum es sich auch handelt, im Geist entstehen. Anders gesagt: Was wären die Dinge, wenn nicht ein Gedanke daran?

Das Ding an sich – ein Ding jenseits unserer Vorstellungen kann man sich nicht vorstellen. Das klingt trivial, ist es aber nicht. Die materialistische Vorstellungswelt mit ihrem Subjekt/Objekt-Gefüge legt ja nahe, es müsse objektive „Dinge“ außerhalb des Menschen geben. „Was sonst wohl beobachten wir?“, fragt die materialistische Logik.

Insofern ist es ziemlich überraschend, und innerhalb der materialistischen Begriffswelt unmöglich, sich vorzustellen, dass es die Welt unserer Gedanken auch ohne solche „äußerlichen Objekte“ geben kann – wie der Spirealismus jedenfalls feststellt.

Zumindest aber, und dies mag überraschend genug sein, kann man erst einmal feststellen, dass es ein Ding außerhalb unserer Vorstellungen nicht geben kann. Denn wir bleiben ja immer innerhalb unserer Vorstellungen.

nihil fit sine causa – Der Kern-Grund lässt sich nicht finden

Der Grund einer Sache, oder eines Dinges, sehen wir immer in einer anderen Sache, oder in einem anderen Ding. Wenn wir nun festgestellt haben, dass es die Dinge „an sich“ nicht gibt, dann gilt dasselbe für die Gründe „an sich“.

Man könnte auch sagen, dass es eine Unschärfe an Stelle einer vermuteten Objektivität gibt, und diese Unschärfe bezieht sich auf jeden Gedanken, den wir fassen können. Eben auch auf die Gedanken zur Kausalität.

Eben dasselbe finden wir in dem zutreffenden Satz „Nichts geschieht ohne Grund“ (nihil fit sine causa) – er bedeutet ja schließlich auch, dass die Kausalkette kein definiertes Ende haben kann. Für jeden Grund können wir wieder einen Grund finden. Die Kette der Gründe verschwindet im Unendlichen – ein definierter Grund „an sich“ ist nirgendwo zu finden.

Vergangenheit und Zukunft finden im Jetzt statt

… und im Jetzt definieren wir relativ frei, was die Gründe für die Dinge sind. Wir werden darin umso freier, je mehr wir uns der Rolle bewusst werden, selbst der Definierende zu sein – dieses Bewusst-Werden ist ein Anliegen des Spirealismus.

Dass Vergangenheit und Zukunft gedankliche Konstruktionen des Jetzt  sind, hat Eckhart Tolle in seinem sehr empfehlenswerten Buch „Jetzt“ herausgearbeitet. Man kann ein ganzes Buch lang zu diesem einen Tatbestand meditieren – und die Zeit ist nicht verschwendet.

Ein Beispiel

In den Neunzehnhundert-Siebziger Jahren galt es als unbestreitbar, dass Kolumbus Amerika entdeckte. Damals galt das als unbestreitbare Tatsache. Wer damals gesagt hätte, der Grund für das Amerika wie es heute ist, sei nicht die Entdeckung durch Kolumbus, wäre ausgelacht worden.

Heute lernen die Schulkinder, dass die Wikinger vor Kolumbus Amerika erreichten (was meiner Ansicht nach in den 80ern bekannt wurde). Wieder würde jeder ausgelacht werden, der dies bestritte.

Das bedeutet, dass die Definition für das, was wir für „unbestreitbare“ Kausalität halten, im Jetzt stattfindet, und im nächsten Augenblick anders sein kann. Immer aber erscheint die Begründung des Momentes wie der Weisheit letzter Schluss.

Natürlich gibt es in der materialistischen Sichtweise immer die Vorstellung, diese sich weiterentwickelnden Wahrheiten würden auf einen Endpunkt zusteuern – der eigentlichen, objektiven Wahrheit, die man am Ende zu finden gedenkt. Jedoch kann man sich, gerade wenn man sich vor Augen hält, dass Objektivität nicht in der kleinsten Sache gegeben ist, vorstellen, dass es keinen Endpunkt gibt. Schon gar keinen, auf den eine sich entwickelnde Wahrheit mit irgendeiner Notwendigkeit zusteuert.

Der scheinbare Endpunkt jeder Vergangenheit ist immer das Jetzt. Der scheinbare Ausgangspunkt jeder Zukunft ist immer das Jetzt. Und im Jetzt ist nichts objektiv.

nihil fit sine causa – Nichts geschieht ohne Grund. Den Grund für jede Sache zu suchen (und zu finden) ist eine Frage unserer Denkweise ist. Die Gründe kommen aus uns.

ein Mehr an Beobachtern führt nicht zu größerer Objektivität,

dies ist eine weitere Grundaussage des Spirealismus, der dies „Supersubjektivität“ nennt. Also eine gleichermaßen subjektive Beobachtung, auch wenn Viele diese teilen.

Hierzu ein Schopenhauer-Zitat

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.

Nichts geschieht ohne Grund (nihil fit sine causa). Der Grund „an sich“ was last modified: Januar 30th, 2016 by Henrik Geyer

„Ich denke, also bin ich“ vs „Ich bin, also denke ich“

"Ich denke, also bin ich" vs "Ich bin, also denke ich" Spruchbild Erläuterung

Descartes Satz „Ich denke, also bin ich“ ist wohl vielen bekannt. Doch was bedeutet er?

Widersprüchlichkeit

Man kann den o.g. Satz wie folgt auffassen: „Obwohl ich doch alles begründen kann, ist die Ursache dafür, dass ich überhaupt begründe, in der Tatsache  zu finden, dass ich denke.“

Dieses Verständnis bleibt aber in der materialistischen Sichtweise rätselhaft. Denn, was besagt die Aussage „Ich denke, also bin ich“, wenn man die Kausalkette der Logik „Ich bin, also denke ich“ nicht loswird? Also einer Kausalkette, die besagt: Die Augen nehmen Information auf, das Gehirn „verarbeitet“ die Information, daraus folgt Denken, u.s.w..

Diese materialistische Kausalität wird nicht verlassen. Und doch stellt der Satz „Ich denke also bin ich“ diese Kausalität auch in Frage. Er muss rätselhaft bleiben, und unerklärbar. Denn, noch einmal: Woher kenne ich all die Zusammenhänge von denen ich spreche, woher kenne ich das Wort „Kausalität“ selbst, wenn nicht aus den Gedanken? Das Denken ist das Primäre. Das Denken ist mir das Nächste. Bevor ich irgendetwas begründen kann, ist der Gedanke da. Aber – und das ist das Rätselhafte: Das Denken ist doch nicht bei den Objekten… Oder doch?

Ich denke, also bin ich, in der spirealistischen Auffassung

Doch. In der spirealistischen Sichtweise löst sich der Widerspruch. In der spirealistischen Sichtweise formt der Gedanke die Objekte. Die spirealistische Auffassung des Satzes „Ich denke, also bin ich“, ist, dass der Gedanke die eigentliche Ursache allen Erkennens ist. So drückt es das obige Schema aus.

Der Gedanke ist frei

Gemäß der allgemeinen Auffassung ist der Gedanke frei, kann also im Prinzip jede Form annehmen. In der materialistischen Auffassung („Ich bin, also denke ich“) ist der Gedanke jedoch an die materielle „Verwirklichung“ in einem Außen gebunden.

materialistische Kausalität

Die Kausalität, die den materialistisch Denkenden im materialistischen Weltmodell gefangen hält, selbst wenn er versucht den Satz „Ich denke, also bin ich“ zu verstehen, steckt bereits in der Grundvoraussetzung: Ich denke, weil ich bin. Weil ich ein Gehirn habe. Weil ich Augen habe. Weil die Welt aus Materie besteht. Weil die Materie aus Atomen besteht. Weil die Materie die Organe formen (Augen, Gehirn). Weil die Atome sich in einem Urknall bildeten, der vor 14 Milliarden Jahren stattfand.

Umkehr der Kausalität

In der spirealistischen Auffassung ist der Gedanke ebenfalls im Prinzip frei, und auch nicht an die o.g. (materialistischen) Denkvoraussetzungen gebunden. Denn den Satz „Ich denke, also bin ich“, versteht der Spirealismus konsequenterweise so, dass der Gedanke die Grundvoraussetzung jedes sich bildenden „Objektes des Denkens“ ist – und mithin auch der Vorstellung von Kausalität. Somit führt die Logik des Spirealismus zur Vorstellung vieler Welten, die repräsentiert sind in den Individuen bzw. Dingen.

Ich denke, also bin ich – materialistisch verstanden

Descartes, der den Satz „Ich denke, also bin ich“ prägte, war natürlich kein Spirealist. Seine Philosophie verließ nicht den materialistischen Ansatz.

 

Hier ist ein schönes Zitat, das den Gedanken „Ich denke, also bin ich“ variiert, und gleichzeitig zeigt, dass der materialistische Ansatz nicht verlassen werden kann, und zwar aus einem geistigen Festgelegt-Sein heraus. Der Spirealismus nennt dies eine Denkgrenze.

Das Zitat ist aus dem Buch „Der Teil und das Ganze: Gespräche im Umkreis der Atomphysik“ (German Edition) von Werner Heisenberg

Heisenberg gibt darin Gespräche wieder, in diesem Fall eine Erörterung eines Jugendfreundes (also nicht seine eigene Aussage).

Der Ansatz „Ich denke, also bin ich“ ist seit langer langer Zeit in der Welt, lange vor Descartes. Doch die Menschen kommen in einer Mehrheit immer wieder auf das materialistische „Ich bin, also denke ich“, zurück.

Man beachte: den eigentlichen Ansatz „Ich denke, also bin ich“, drückt nur der erste Satz aus. In den folgenden Sätzen ist man schon wieder bei „Ich bin, also denke ich“

Was ihr sprecht, kommt doch aus euren Gedanken, nur von ihnen habt ihr unmittelbar Kunde; aber die Gedanken sind ja nicht bei den Dingen. Wir können die Dinge nicht direkt wahrnehmen, wir müssen sie zuerst in Vorstellungen verwandeln und schließlich Begriffe von ihnen bilden. Was bei der sinnlichen Wahrnehmung auf uns von außen einströmt, ist ein ziemlich ungeordnetes Gemisch von sehr verschiedenartigen Eindrücken, denen die Formen oder Qualitäten, die wir nachher wahrnehmen, gar nicht direkt zukommen. Wenn wir etwa ein Quadrat auf einem Blatt Papier anschauen, so wird es weder auf der Netzhaut unseres Auges noch in den Nervenzellen des Gehirns irgend etwas von der Form eines Quadrats geben. Vielmehr müssen wir die sinnlichen Eindrücke unbewußt durch eine Vorstellung ordnen, ihre Gesamtheit gewissermaßen in eine Vorstellung, in ein zusammenhängendes, ›sinnvolles‹ Bild verwandeln. Erst mit dieser Verwandlung, mit dieser Zusammenordnung von Einzeleindrücken zu etwas ›Verständlichem‹ haben wir ›wahrgenommen‹. Daher müßte doch zuerst einmal geprüft werden, woher die Bilder für unsere Vorstellungen kommen, wie sie begrifflich gefaßt werden und in welcher Beziehung sie zu den Dingen stehen, bevor wir so sicher über Erfahrungen urteilen können. Denn die Vorstellungen sind doch offenbar vor der Erfahrung, sie sind die Voraussetzung für die Erfahrung.«

„Ich denke also bin ich“,widersprüchlich verstanden als „Ich bin, also denke ich“

Das o.g. Zitat sehe ich als die spirituelle Variante einer grundsätzlich materialistischen Auffassung. Ich hatte überlegt, wie ich diese Variante in einer Grafik darstellen kann, ganz ähnlich der Grafik oben an diesem Artikel.

Doch letztlich ist das, was das Zitat ausdrückt, bereits in der obigen Grafik verbildlicht, und zwar unter „Ich bin, also denke ich“. Das verdeutlicht die (bleibende) Widersprüchlichkeit, wenn man zwar einerseits den sehr gut nachvollziehbaren Ansatz verfolgt „Ich denke, also bin ich“, andererseits aber nicht anders kann, als dem „Ich bin also denke ich“, verhaftet zu bleiben.

 

„Ich denke, also bin ich“ vs „Ich bin, also denke ich“ was last modified: Januar 25th, 2016 by Henrik Geyer

Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.

Kausalität - was ist das? Über das "Warum" in der Natur.

Wir sind gewohnt, für alles eine Begründung zu suchen. Und zu finden! Es ist die Kausalität, die wir in allem sehen, in allem voraussetzen.

Zitat:

Er machte mich auch aufmerksam auf die Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit in der Natur. Die Bäume sind grün, weil grün gut für die Augen ist. Ich gab ihm recht und fügte hinzu, daß Gott das Rindvieh erschaffen, weil Fleischsuppen den Menschen stärken, daß er die Esel erschaffen, damit sie den Menschen zu Vergleichungen dienen können, und daß er den Menschen selbst erschaffen, damit er Fleischsuppe essen und kein Esel sein soll. Mein Begleiter war entzückt, einen Gleichgestimmten gefunden zu haben, sein Antlitz ergänzte noch freudiger, und bei dem Abschiede war er gerührt. Solange er neben mir ging, war gleichsam die ganze Natur entzaubert, sobald er aber fort war, fingen die Bäume wieder an zu sprechen, und die Sonnenstrahlen erklangen, und die Wiesenblümchen tanzten, und der blaue Himmel umarmte die grüne Erde. Ja, ich weiß es besser: Gott hat den Menschen erschaffen, damit er die Herrlichkeit der Welt bewundere. Jeder Autor, und sei er noch so groß, wünscht, daß sein Werk gelobt werde.

Heinrich Heine, „Harzreise“

 

Kausalität – das Wunder, dass alles mit allem zusammenhängt

Alles was wir sehen, jeder Gedanke der in uns ist, hängt mit jedem anderen zusammen. Dass wir sagen: „Dies ist der Grund für Das“ und „Das ist der Grund für Jenes“ ist die Art und Weise unseres Denkens. Wir picken uns aus der Menge aller möglichen Konstellationen, die eigentlich unendlich sind, etwas heraus, und sagen: „Das ist der Grund.“

Wir werden damit aber nie fertig, denn die Kausalität ist an keinen feststellbaren „äußerlichen“ Fakt (Objektivität) geknüpft, an dem das Schließen ein Ende haben könnte.

das Denken als der Grund des Grundes

Seit Jahrhunderten wundern sich die Menschen über die Erkennbarkeit der von Ihnen unabhängigen Außenwelt. Obwohl diese nicht nachweisbar ist (Hume), kommt man immer wieder darauf zurück, es müsse sie geben. Doch die Widersprüche, und die in der Natur der Sache liegenden Zweifel, bleiben.

 

Der Spirealismus geht neue Wege. Spirealismus sagt, dass der Gedanke der Urgrund des Seins ist. Ein Informationsprozess, der uns als „unser“ Denken bekannt ist, der aber nicht (nur) „im“ Menschen stattfindet, sondern der den Menschen umschließt und selbst erst hervorbringt.

So ist der Satz: „Ich denke, also bin ich“ (Descartes) zu verstehen. Bevor wir noch denken können, dass das menschliche Denken aus dem Vorhandensein eines Gehirns resultiert, das einen äußerlichen und von uns unabhängigen Prozess widerspiegelt, müssen wir feststellen, dass der letzte Grund dafür, dass wir diese Überlegung überhaupt anstellen können, der Gedanke selbst ist. Nur wenn wir denken, sind wir auch.

(siehe Artikel zum Satz „Ich denke, also bin ich“, der die Kausalität des Satzes „Ich bin, also denke ich“, umkehrt)

Da der Grundgedanke des Spirealismus die Feststellung ist, dass es Objektivität nicht gibt, gibt es also auch keine außerhalb und unabhängig des menschlichen Denkens (objektiv) feststellbare Kausalität. Der (materialistische) Mensch denkt aber nun einmal in Kategorien der Kausalität, der Objektivität (typische Aussage: „das kann man nicht anders denken!“). Das führt, da Objektivität tatsächlich nicht feststellbar ist, natürlich zu Widersprüchen.

Beispielsweise wollen wir mit messerscharfem Schließen den Urknall vor 14 Milliarden Jahren verorten (und auf den Urknall ist ja alles zurückzuführen), doch wir können nicht genau rekonstruieren, was gestern war.

können wir auf Kausalität verzichten?

Der Materialist meint, man könne nur das „richtig“ und „wirklich“ nennen, was man auch als objektiv „wahr“ bezeichnen kann. Wenn es aber keine objektive Kausalität gibt – soll das dann heißen, dass Kausalität verzichtbar ist?

Die spirealistische Antwort darauf ist, dass die Form des Denkens ihr entsprechende Welten (Ich-Universen) hervorbringt. Im Prinzip kann dies jede Form annehmen. Jede Form – wenn auch nicht für den Menschen. Warum nicht für den Menschen? Weil der Mensch Teil ist, nicht alles. Als Teil hat er Teilhabe am umfassenden Denken – und kann nicht denken wie er will. Natürlich klingt allein dieser Satz erneut für den Materialisten zutiefst widersprüchlich – ist es doch das Wesen der materialistischen Vorstellung, dass der Mensch immer denken könne wie er will, da der Mensch ja einen äußerlichen Prozess (die Materie) nur widerspiegele.

Ist also Kausalität verzichtbar? Für den Spirealismus stellt sich die Frage so nicht. Er stellt fest: Kausalität formt unsere Welt; Kausalität, und die aus ihr hervorgehenden gedanklichen Festlegungen, sind unsere Welt. Spirealismus geht davon aus, dass Existenz und Denken ein und dasselbe sind. Auf das Denken zu „verzichten“ ist unmöglich. Und … jede Form, die das Denken annimmt, wird uns als die natürliche Form erscheinen.

achtsame Beobachtung des Denkens – der spirituelle Zugang

Doch man kann wahrnehmen, dass auch der Begriff „Kausalität“ selbst nicht objektiv ist, nicht genau bestimmbar – Kausalität ist nicht festmachbar an irgendeiner äußerlichen Größe. Und somit kann man auch wahrnehmen, dass Kausalität keine absolute Notwendigkeit in  sich trägt.

So kann z.B. im Prinzip, ausgestattet mit einiger Achtsamkeit, jeder wahrnehmen, dass Kausalität von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Der eine wertet mehr, der andere weniger. Der eine weiß alles ganz genau, hat tausend Begründungen, der andere lässt sich auf die Rätselhaftigkeit ein, verzichtet auf Begründungen, fragt.

Es ist eins der Geheimnisse spirituellen Denkens, dass man die Kausalität in Manchem in den Hintergrund treten lassen kann. Man formuliert das häufig als „nur im Jetzt sein“, und wie viele andere ähnliche Formulierungen es noch geben mag.

Wozu soll das gut sein? Um neu denken zu können. Beispielsweise um Glück zu erreichen. Um zu spüren, dass die Kausalität auch eine Macht sein kann, die in uns liegt. Das Denken in festgefügten Formen kann unglücklich machen, daher kann, sich (partiell) von der Kausalität zu lösen, bedeuten, geistige Freiheit zurückzugewinnen. Und damit die Freiheit, die Dinge für sich positiv neu zu definieren. Alte Kausalität aufgeben, neue gedankliche Verbindungen schaffen.

 

 

 

 

 

 

Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur. was last modified: Januar 26th, 2016 by Henrik Geyer