Was hat die Ausdehnung des Universums mit Zufriedenheit zu tun?

Zunächst zum Wortverständnis: Was ist ein Universum? Das Universum ist universell alles, was man kennt. Ein anderes Wort dafür ist „das All“. Das All ist ebenfalls universell „alles“.

In einer etwas erweiterten Bedeutung kann man auch sagen: Das Universum ist alles, was es geben könnte. Und über das, „was es geben könnte“, also das Mögliche, kann man sich sehr streiten; Der Spirealismus würde keine Quantifizierung für sinnvoll halten – das, was es geben kann ist in jeder Hinsicht unendlich. Und damit nicht erkennbar. Dem Spirealismus ist das Wahrnehmen gleichzeitig ein „Erschaffen“, wodurch die Quelle der Dinge unerschöpflich ist.

Der Materialismus würde aber enge Grenzen ziehen – und hält damit das nicht Bekannte für irgendwie eingrenzbar. Ich verwende bewusst das ungenaue „irgendwie“, denn es ist eine Idee, die in den materialistischen Köpfen spukt, ohne dass das näher erklärt werden kann.

Das Mögliche ist dem Materialismus eingrenzbar, weil die Dinge seiner Systematik zufolge ja erst einmal „da sein“ (existieren) müssen, bevor man sie wahrnehmen kann. In einem begrenzten Raum können nur begrenzt viele Dinge vorhanden sein, so die Logik. Und insofern ist das Universum dem Materialismus völlig in Ordnung, solange es begrenzt ist. Es ist ihm aber suspekt wenn es unendlich ist, denn, wie viele Dinge könnten in einem unbegrenzten Universum existieren? Unendlich viele, nicht wahr? Dann wäre ja das Mögliche …. unendlich! Und das wiederum bedeutete, dass unsere für so universell gehaltenen Naturgesetze nur eine sehr begrenzte Geltung hätten: für uns! So will, oder besser kann, der Materialismus nicht denken.

Nein, der Materialismus hält nur für möglich, was mit unserer Auffassung von den Naturgesetzen konform geht. Weiterhin ist ihm nur das Beobachtbare „möglich“; d.h., als Schema für das Mögliche sieht er grundsätzlich das bereits Wahrgenommene an. Und hat dabei keinerlei Gewissensbisse, das so zu sehen, und übergeht jede tiefergehende Frage geflissentlich!

Jedenfalls erscheint dem Materialismus das, was es geben kann, das Mögliche, als sehr eingrenzbar.

Doch kommen wir zurück zur ersten Aussage: Das Universum ist universell alles, was man kennt. Mit dieser Aussage ausgerüstet, kann man folgende Aussagen treffen:

  1. Das, was jemand kennt, ist von Person zu Person unterschiedlich. Also reden wir eigentlich von vielen Universen.
  2. Das, was jemand kennt, ist sehr viel irdisches Wissen, und sehr wenig außerirdisches Wissen. Daher ist das „All“ vor allem ein irdisches All, und nicht, wie der Begriff gemeinhin umgekehrt gebraucht wird, ein außerirdisches All.

Genau so versteht der Spirealismus den Begriff des Universums: Ein Universum ist letztlich ein individuelles Ich-Universum, in denen alle Dinge vorkommen, die ein Subjekt in seiner Welt wahrnimmt. Ein Universum ist somit die Gesamtheit der Erfahrungs- und Wahrnehmungswelt eines Individuums, eines Subjektes.

Ein Subjekt im spirealistischen Sinn kann übrigens ebenso ein einzelner Mensch sein, wie ein Volk, wie auch eine „Menschheit“. Bleiben wir aber, der Einfachheit halber, beim einzelnen Menschen.

Das Universum als Modell unseres Denkens

Es ist ein verblüffender Gedanke, das Universum (gemeint ist jenes scheinbar äußerliche) nicht als den ultimativen Gegenstand der Forschung zu betrachten, sondern als ein Modell, das uns selbst die Funktionalität unseres Denkens aufzeigen kann. Aus spirealistischer Sicht liegt dieser Gedanke nahe, denn der Spirealismus hat als fundamentalen Grundsatz, dass es nichts Objektives gibt, mit anderen Worten: Es gibt nichts, das sich unabhängig vom Beobachter beobachten ließe. Dieser Grundsatz kommt auch immer in dem Satz zum Ausdruck, der Mensch sei nicht Beobachter der Schöpfung, sondern deren Element.

Wenn wir also das Universum ansehen, in seiner Unendlichkeit (?), dann kann und sollte man sich fragen, was uns dessen Eigenschaften über unser Denken verraten.

Wie immer werde ich nicht müde zu betonen, dass man dieselben Überlegungen auch in Bezug auf jeden Alltagsgegenstand anstellen könnte, und so, wie in Punkt 2 angedeutet, versteht man das Universum besser, wenn man davon ausgeht, dass es hier, direkt vor uns, und in uns, ist, und nicht in schwer fassbaren kosmischen Weiten. Die Eigenschaften des Universums lassen sich doch am besten ermessen, wenn wir die Kaffeetasse betrachten, die vor uns auf dem Tisch steht. Jedoch erscheint wohl manchem das Universum vielleicht einer neuen grundsätzlichen Überlegung wert, während ein Alltagsgegenstand dem materialistischen Denken nichts Neues zu bieten scheint.

Man sollte sich aber vor Augen führen, dass die Art und Weise Dinge zu erkennen immer die ist, von den ganz einfachen, alltäglichen Dingen, auf das Nächstkomplizierte zu schließen. Am Ende ergeben sich sehr lange Logikketten, die aber niemals ohne die primitivste Grundannahmen auskommen. Während die von uns zuletzt erschaffene Kausalität noch recht schwach zu sein scheint, werden die allerersten Grundannahmen zu geradezu unverrückbaren Ecksteinen – und sie erscheinen wie ein niemals bestreitbares Grundgesetz. Beispielsweise hält es die Chemie für gegeben, dass ein Atom, gesehen als Körper, einen Kern haben mussn, so wie eine Kirsche einen Kern hat.

Im Zusammenhang mit dem galaktischen Universum machen wir es uns nicht klar, dass all unser Schließen über Sterne, die Milliarden Lichtjahre weit entfernt sind, von der Erfahrung von Kaffetassen, Kirschkernen etc.. ausgeht. Jedoch, sich dies bewusst zu machen, ist umso mehr nötig, je mehr man sich darauf einlässt, das Universum als eine Frage des Bewusstseins zu sehen, getreu der spirealistischen Grundüberzeugung, dass die Welt (das Universum) ja niemals etwas anderes sein kann, als das, was man darin sieht – wir haben hier wieder die grundsätzliche Rückkopplung: was haben die äußerlichen Dinge mit uns selbst zu tun?

Also angenommen, wir würden verschiedene Universen definieren, aus dem, was verschiedene Leute an Objekten im Kopf haben (kennen). Dann wären wir im Prinzip wieder bei den Grund-Eigenschaften des Universums, so, wie wir es im Außen sehen, nämlich als die galaktischen Weiten.

Hierzu will ich einige fundamentale Aussagen treffen.

  1. Die Ausdehnung des Universums hängt von der Menge der darin enthaltenen Objekte ab
  2. ein Objekt gewinnt an Schärfe / Facettenreichtum, je mehr Objekte das Universum enthält
  3. Ein Universum erscheint gegenüber einem anderen nicht unvollständig, wenn es im Vergleich zum anderen weniger Objekte enthält
  4. Universen unterscheiden sich nicht nur durch die Zahl der darin sichtbaren Objekte, sondern auch durch deren Beschaffenheit. Die Objekte unterscheiden sich immer durch die perspektivisch wahrgenommenen Objektbeziehungen.

Hier einige Erläuterungen zu den Punkten

Zu 1.: Die Ausdehnung des galaktischen Universums wird im Wesentlichen durch immer größere Teleskope bestimmt (gemessen), die den „Rand“ des Universums in immer weitere Entfernung rücken. Wenn man ein Objekt, also einen Stern, in 30 Milliarden Lichtjahren Entfernung wahrnehmen kann, so muss das Universum eine Ausdehnung von 60 Milliarden Lichtjahren haben – 30 Milliarden Lichtjahre in jede Richtung. Daher dehnt sich unser wahrgenommenes Universum mit der Leistungsfähigkeit der Teleskope. Den Raum hingegen kann man nicht beobachten. Raum macht überhaupt erst Sinn, wenn Objekte darin sind.

Zu 2.: Man stelle sich vor, man hätte einen Raum, der nur ein einziges Objekt enthielte. In einem solchen Raum wären Positionsangaben und das Messen einer Länge nicht möglich. Das zeigt, dass die Definition von Eigenschaften eine Relation zwischen verschiedenen Objekten ist. Stellen wir uns das Ganze als Farbe vor. Was machte es für einen Sinn davon zu sprechen, ein Objekt sei rot, wenn man nicht andere Objekte kennte, die über diese Farbe Rot verfügen?

Und, ganz allgemein gesagt, jenseits des Abstrakten: Unser Beurteilen des Universums gewinnt offenbar an „Tiefenschärfe“ und Facettenreichtum, je genauer wir das Universum betrachten. Wir nennen es unseren wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt, in der Annahme, dass die Aussagen, die wir treffen, unabhängig von unserer Beobachtung, irgendwie „vorhanden“ seien. Lassen wir das so stehen, obwohl es, aus spirealistischer Sicht, ein sehr offensichtlicher Irrtum ist.

Zu 3.: Nehmen wir einen Menschen, der sehr wenig kennt, und einen, der sehr viel kennt. Nehmen wir beispielsweise einen sehr jungen Menschen, und einen sehr alten Menschen. Hat der sehr junge Mensch den Eindruck, seine Auffassung des Alls sei irgendwie unvollständig? Keineswegs! Jeder kann bei sich selbst sehen, dass zu keinem Zeitpunkt des Lebens das, was man kennt, als „zu wenig“ erscheint, gegenüber dem, was es zu kennen gälte. Warum? Zunächst einmal, weil sich die Differenz nicht herstellen lässt. Das, was ich nicht kenne – wie soll ich es quantifizieren? Wie soll ich den Unterschied ermitteln zwischen dem, was ich kenne, und dem, was ich nicht kenne? Ganz ähnlich ergeht es uns beim galaktischen Weltall. Wer soll wissen, welche Objekte es jenseits des Ereignishorizonts gibt? Das wäre geradezu gleichbedeutend mit einem Blick in die Zukunft!

Hinzu kommen noch einige Besonderheiten des materialistischen Weltbildes. Der Materialismus fragt sich, was Unendlichkeit ist, und ob das All unendlich sei. Er stellt fest: Je tiefer man in das All hineinsieht, desto mehr erkennt man. Der Grundannahme des Materialismus, der eine objektive Welt voraussetzt, entspräche es aber, von einem „letztendlichen“ Weltall auszugehen, so, wie ihm ja jedes Ding einen Anfang und ein Ende zu  haben scheint. Doch, die Erkenntnis von etwas Letztendlichem entzieht sich dem Materialismus stets, wodurch ihm das Weltall recht paradox zu sein scheint.

Im Spirealismus wäre das anders. Der Spirealismus geht nicht davon aus, dass man Unendlichkeit beobachten könne – ihm ist Unendlichkeit gleichbedeutend mit der kreativen Unerschöpflichkeit des Geistes, und Geist ist ja überall!

Der Materialist wird also immer annehmen, dass das, was er nicht kennt, irgendwie überschaubar wäre, könnte er es nur sehen. Meist meint er sogar, er würde das allermeiste kennen, und das, was er nicht kennt, sei eher wenig … und außerdem weniger wichtig. Als das Wichtige hingegen erscheint ihm stets das, was er kennt.

Zu 4.: Es darf als unbestreitbar gelten, dass ein bestimmter Blick in das Universum eine bestimmte Wahrnehmung bedingt. Etwa führt die Radioastronomie (jene, die Signale aus dem Weltraum mit Hilfe riesiger „Satellitenschüsseln“ auffängt und zu Bildern von Sternen verarbeitet) zu anderen Sichtweisen auf das galaktische Universum, als die Himmels-Beobachtung mit Teleskopen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Wahrnehmung. Unsere Erfahrungen, unser Wissen, ist gewissermaßen das Werkzeug der Beobachtung, also das Fernrohr; und dieses ist vom Ergebnis der Beobachtung nie und nimmer zu trennen. „Unsere Annahmen bedingen, was wir beobachten können.“ (Einstein).

Also können wir sagen (und verwenden hier die Semantik materialistischer Vorstellungen, der zufolge zwei Objekte dann identisch sind, wenn sie in allen Eigenschaften völlig übereinstimmen), dass die Universen verschiedener Menschen nicht nur in der Zahl der darin enthaltenen Objekte verschieden sind, sondern auch in deren Beschaffenheit – daher handel es sich eigentlich um (im materialistischen Sinn) ganz verschiedene Universen!

Zufriedenheit und das innere „All“

Um den Zusammenhang des einzelnen Menschen, bzw. dessen Denkens, mit dem All zu erörtern, bedurfte es dieser Vorrede. Versteht man das Weltall als etwas von Menschen völlig Verschiedenes, wird dieser gesamte Text wenig Sinn machen.

Ich will nun etwas als gegeben deklarieren: Gemeinhin ist man der Auffassung, dass Zufriedenheit und Glück davon abhängen, wie man die Fülle der Welt wahrnimmt.

Meist führt diese Weltauffassung / Glücksauffassung zu einer hektischen Reisetätigkeit, damit man ja nichts verpasse.

Zur Klarstellung: Auch ich empfinde es als großes Glück, die Welt in all ihren verschiedenen Facetten wahrnehmen zu können und schillern zu sehen. Allerdings möchte ich hier die Einschränkung machen, dass es, bedenkt man das oben Genannte, sehr auf das Universum der Auffassungen ankommen, mit Hilfe dessen man neue Erfahrungen macht.

Hierzu ein Beispiel: Beobachtet man das All mit einem Erfahrungshorizont, der dem unserer Vorfahren gleichkommt, die mit unbewaffnetem Auge das Firmament wahrnahmen, werden die Auffassungen von den Dingen des Alls insgesamt wenig plastisch und sehr eindimensional erscheinen. Um in dem Bild zu bleiben: Wie eine Bühne, über die die Götter mit ihren Wagen fahren …

Noch anders gesagt: Was nützt die schönste Reise, wenn man von der Geschichte eines Landes und den vielfältigen kulturellen Querverbindungen keine Ahnung hat? Dann wird das Taj Mahal zu einem ganz schönen, weißen Gebäude. Hübsch! Der Tower of London wird zu einer eher kleinen Festung neben der Tower Bridge, u.s.w..

Der eigentliche Spaß am Leben, die Freude, ist aber ja, wie gesagt, dieses Schillernde; das Erkennen! Es sind die unendlichen Weiten der Gedanken, auch der Tagträume, des Mystischen, der Ahnungen, der Erinnerungen und Phantasien!

Insofern ist es aus spirealistischer Sicht das Ziel, durch Strebsamkeit, Lernen und Phantasien, das eigene Universum recht umfangreich und vielgestaltig zu machen. Nicht nur als Vielreiser an vielen Orten zu sein, sondern vielleicht sogar an wenigen Orten zu sein, jedoch diese Orte mit Erinnerungen, Gedankenverbindungen, Träumen, anzureichern und so zu etwas besonders Wertvollem zu machen. Und dabei immer wieder die Erfahrung zu machen: Man kann ebenso in die Weiten des galaktischen Universums hinauszoomen, wie man in den Mikrokosmos der Dinge hineinzoomen kann – Kenntnisreichtum macht es möglich. Die Erfahrung dieser Unendlichkeiten ist jeweils überwältigend, und, die Wurzeln jedes Dinges liegen in ja der Unendlichkeit!

Was hat die Ausdehnung des Universums mit Zufriedenheit zu tun? was last modified: Februar 1st, 2019 by Henrik Geyer

Die semantische Natur der Dinge

Die semantische Natur der Dinge

In diesem Beitrag soll die semantische Natur der Dinge besprochen werden, und natürlich die Frage, was überhaupt die Sprache und die Dinge miteinander zu tun haben – denn man meint ja meist, die Sprache würde die Dinge nur beschreiben.

Es gibt keine Objektivität – was sind die Objekte, die wir vor uns sehen?

In diversen Beiträgen habe ich die spirealistische Grundüberzeugung „Es gibt keine Objektivität“ ausgeführt, begründet, dargelegt.

Mit dem Fehlen der Objektivität fehlt dem Spirealismus der „Betrachtungsgegenstand“, den man in der materialistischen Sichtweise das „Objekt“ nennt, oder das „objektive Außen“, oder die „Materie“, oder auch die „Realität“.

Es fragt sich im Spirealismus, wo als Quelle der Existenz lediglich das Subjekt bleibt: Was beobachtet das Subjekt eigentlich? Was ist es, was es „sieht“?

Die Antwort des Spirealismus auf diese Frage ist: Das Subjekt beobachtet im eigentlichen Sinne nichts. Es kommuniziert, bzw. ist selbst Ergebnis einer Kommunikation. Der Sinn des Ausdrucks „etwas beobachten“ wäre herkömmlich, dass das Beobachtete unabhängig vom Beobachter ist – dies ist die Sichtweise der Trennung von Subjekt und Objekt; und die damit einher gehende stillschweigende Annahme, es gäbe überhaupt etwas, das von uns (Menschen), dem Beobachter, unabhängig wäre.

Aber eben das ist es ja, was der Spirealismus bestreitet.

Die Welten entstehen als Beziehungsgeflecht logisch aufeinander bezogener Begriffe.

Daher, immer wieder sagend und betonend: „Es gibt nichts, das zu beobachten wäre, das vom Beobachter unabhängig ist“ (eine Weiterentwicklung der Aussage „Es gibt keine Objektivität“), kommt der Spirealismus zu dem Schluss, dass die Vorstellungen von der Welt, und die Welt selbst, eins sind. Die subjektiven Welten entstehen nicht aus von uns unabhängigen Objekten, sondern als Beziehungsgeflecht logisch aufeinander bezogener Begriffe.

Wie gesagt: die äußerlichen Objekte fehlen. Eine Welt, die aus äußerlichen, von uns unabhängigen, Objekten gemacht ist, ist lediglich in unserer Vorstellung vorhanden. Die Voraussetzung für diese Vorstellung ist Geist – Geist ist somit nicht die Folge einer materiellen Anordnung (Gehirn) .

Woher beziehen wir also unsere Begriffe?

Angenommen, vor mir steht ein Glas Wasser. Was beobachte ich da? Ich gehe davon aus, dass es das Objektive nicht gibt. Was gibt es dann?

Die Antwort des Spirealismus ist: „Es gibt Geist!“ Der Geist ist das Primäre, nicht Objekte in einem Außen. Der Inbegriff des Wortes Existenz ist Geist, ist der Gedanke. Die Objekte kommen aus dem Geist – sie sind unsere Realität.

Da wir Menschen nur Elemente des Geistes sind, ist Geist durch uns zwar nicht weiter erklärbar,  aber die Materie ist ja letztlich durch uns auch nicht weiter erklärbar. Alle logischen Kausalketten enden im Nichts. Da wir nur gewohnt sind, uns gedanklich in der Mitte von Kausalketten zu bewegen, entgeht uns diese Kleinigkeit meist. Aber noch einmal: Alle Kausalketten enden im Nichts. Denken wir an den „Urknall“, der von uns herbeigedachte Anfang von allem. Hier entstand, so meinen wir, die Materie. Aber was war vorher, woher kommt die Materie nun eigentlich, etc..?

Selbst wenn wir die Kausalkette weiterführten, vor den Urknall, und beispielsweise hinzufügten: der Urknall entstand aus einem Ereignis oder einer Konstellation XYZ, verschiebt sich das Ende der Kausalkette, doch danach kommt immer noch und immer wieder: das Nichts. Das Enden der Kausalketten im Nichts wird nicht aus der Welt geschafft.

materielle Festigkeit in der Mitte der Kausalketten

Daher kann man doch, was ich die „Mitte der Kausalkette“ nenne, auch als das Zentrum eines Ich-Universums sehen. In ihm sind die Begriffe fest und eindeutig. Warum? Weil jeder Begriff durch ein unendlich scheinendes Netzwerk von anderen Begriffen gestützt wird. Das ist am Ende einer Kausalkette nicht der Fall.

 

Beispielsweise das Glas Wasser. Es wird gestützt durch die eindeutig scheinenden Begriffe „Glas“ und „Wasser“, für „Glas“ ließe sich ersetzend „Gefäß“ oder „Behälter“ verwenden, für „Wasser“ die Worte „Nass“ oder „Flüssigkeit“.

So erscheint der Begriff „ein Glas Wasser“ wie das Einfachste und Eindeutigste. Es erscheint wie etwas, das nicht anders möglich sei, das nicht anders beobachtet werden könnte. Man befindet sich ja nicht am Ende der Kausalkette. Man befindet sich im semantischen Zusammenhang nicht an einer Außengrenze, wo Begriffe und Vorstellungen fehlen, die die gegebene Vorstellung erklären oder ersetzen könnten.

Doch wenn man die Kausalkette bis ans Ende verfolgte, dann fragte sich, was dieses Glas und dieses Wasser eigentlich ist.. Eine objektive, endgültige Information darüber ist nicht zu erlangen – wie gesagt: was ist Materie? Was ist ein Atom? Das, was da vor mir steht, sei eindeutig, meint man zuerst, doch diese Vorstellung verschwindet, wenn sich die Vorstellung von Materie, von Atomen, etc.. verflüchtigt.

Man kann noch weiter überlegen: Das Zentrum eines Ich-Universums ist das Ich. Um das Zentrum herum sieht das Ich die Dinge, die Nicht-Ich sind. Alles, was nicht das Ich ist, erscheint dem Ich wie die Dinge außerhalb, die es beobachtet. Das Ich ist der „massivste Körper“ dieses Ich-Universums. Ohne diesen Ich-Körper sind alle Objekte des Ich-Universums nicht vorhanden – weil die wichtigste und immer vorhandene, man kann sagen „die das Universum begründende“ Relation, fehlt – es fehlt das Zentrum, in dem alle semantischen Zusammenhänge zusammenkommen.

Doch auch das Ich braucht die Dinge, die um es herum sind. Das Ich kann sich nur dann etablieren, wenn es Dinge um es herum gibt – denn das Ich ist, wie alle anderen Dinge auch, eine Relation. Man könnte sagen, das Ich definiert sich durch den Gegensatz – das Ich und die Dinge. Es benötigt daher Dinge, die zu ihm selbst relativ sind. In der Sprache des Materialismus hieße das: Dinge, die der Mensch beobachten kann; ohne sie ist er nicht vorhanden. Man kann sich das ganz greifbar machen, indem man sich vorstellt, dass ein Ich, das kein Aussehen hat, in keiner Zeit ist, um das herum keine Dinge sind, auch nicht existiert. Denn es könnte nicht unterscheiden: hier bin Ich, dort ist das Andere.

Daher sagt der Spirealismus: Es gibt nichts vom Beobachter Unabhängiges. Die Welt, die das Ich da vor sich entstehen sieht, entsteht als Relation, dessen zentraler Ankerpunkt das Ich ist. Und das bedeutet auch wieder: die Welt, die das Ich da vor sich sieht, ist individuell, und kann in dieser Form nur von diesem einen Ich gesehen werden. Das ist eben auch der Sinn des Wortes „Ich-Universum“. Das Universum gibt es nicht, außerhalb des Ichs, etwa in objektiver (eindeutiger) Form. Es gibt eben nur das Subjektive, nicht das Objektive.

Die semantische Natur der Dinge.

Die Semantik ist ein Teilgebiet der Sprachwissenschaften und beschäftigt sich mit sprachlichen Zusammenhängen. Es untersucht das Entstehen von Bedeutung aus Wortzusammenhängen.

Die vielfältigen Methoden und Aspekte der Sematik aussparend, ist das für mich Anziehende am Wort Semantik, so dass ich sagen kann „die Natur der Dinge ist semantisch“, folgendes:

  1. Der Spirealismus stellt fest, dass es eine objektive Außenwelt nicht gibt. Somit entstehen alle Begriffe die wir haben, und von denen wir eigentlich meinen, es seien Begriffe, die eine von uns unabhängige Außenwelt beschreiben, aus subjektiven Relationen.
  2. Das spirealistische Grundverständnis „Das Denken ist die Realität“ bedeutet, dass wir nicht trennen müssen, von dem, was wir über die Dinge denken, und den Dingen. Es ist ein- und dasselbe.
  3. Somit sind die Welten in uns ebenso semantischer Natur, wie unsere Sprache, die nur vermeintlich dazu dient, eine äußerliche Welt zu beschreiben. Die Welt ist unser Gedanke daran, und mithin auch das, was wir „über“ die Welt sagen.
  4. Semantik sieht jeden Begriff, jede Vorstellung, als einen Punkt innerhalb eines Beziehungsgeflechtes anderer Begriffe.  Wie gesagt: Was ein Glas Wasser ist, lässt sich nur beschreiben, mit den Vorstellungen unserer Welt. Die dem Begriff „Glas Wasser“ nächsten Begriffe sind „Glas“ und „Wasser“, aber es gehören ebenso alle Begriffe dazu, die wiederum „Glas“ und „Wasser“ begründen und beschreiben. Letzten Endes lässt sich kein Teil eines Ich-Universums sehen, das nicht damit zu tun hätte; nichts lässt sich einzeln sehen, kein Teil eines Universums ist gedanklich abtrennbar.

Lesen Sie auch: Beitrag Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt

Das ist es, was ich meine, wenn ich von der semantischen Natur der Dinge spreche.

Die Variationsmöglichkeiten der Begriffe sind stets unendlich – und sie variieren kontinuierlich. Die semantische Konstellation ändert sich ständig. So wie ein Text, der die Welt beschreiben soll, und der ständig andere Vorstellungen hervorbringt, weil er sich selbst ständig ändert. Der Text wird ständig neu geschrieben, neu formuliert.

Der sich ändernde Text – das sind wir selbst. In uns, in unseren Vorstellungen, fluktuiert und wabert die Welt, wandelt sich, wird ständig anders. Immer innerhalb des nicht begrenzbaren Beziehungsgeflechtes unserer Vorstellungen. Der Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung – nicht als Beobachter der Schöpfung.

Ändert sich beispielsweise unsere Vorstellung davon was ein Atom ist, ändert sich unsere Vorstellung von der Welt.

Die Sprache entsteht aus einem Kontinuum der Kommunikation

Wir sehen die Sprache als abgetrennt von anderen Phänomenen. So als sei es ein besonderes Privileg des Menschen, zu kommunizieren. Oder als sei die Sprache eine besondere geistige Leistung des Menschen, die sich dieser quasi „ausgedacht“ habe.

Doch der Spirealismus sieht die Sprache in einem Kontinuum, das die Kommunikation der Relationen fortsetzt, welche den Menschen erst erschafft – Geist. Es ist ja einer der grundlegenden Sätze des Spirealismus: „Alles ist Geist“ („Alles ist Geist“ ist zugleich das erste hermetische Prinzip). Das bedeutet, das sich der Geist, den wir so gern nur uns Menschen zurechnen, in allem wiederfindet, was uns umgibt.

Es ist nicht „unser“ Denken, was da gedacht wird, sondern es ist Denken, das vor dem Menschen da war, den Menschen selbst erst begründet, und den Menschen umgibt.

Ebenso wenig, wie das Gehirn des Menschen den Geist erschafft, erschafft die Sprache des Menschen die Kommunikation.

Die Sprache des Menschen bildet in ihrer Semantik das Wesen der Kommunikation ab – dieses Wesen ist die Verbindung, die Vernetzung. Und dies wiederum ist das Wesen aller Wissenschaft, aller Dinge, aller Natur. Insofern könnte man vom semantischen Wesen der Wissenschaft sprechen, der Mathematik etwa. Das Eine kommt nicht ohne das Andere aus. Die Definition der Zahlen erschafft die Möglichkeit der Differentialrechnung. Erst durch die komplexen Beziehungen entstehen die Welten der Wissenschaft, ohne an irgendeiner Stelle endgültig sein zu können.

Ähnlich wie der Philosoph Wittgenstein formulierte:

Die Arithmetik ist die Grammatik der Zahlen.
Ludwig Wittgenstein

könnte man das Gesagte über die „semantische Natur der Dinge“ in folgenden Gedanken fassen:

Die Welt ist die Semantik der Dinge

 

Hier noch ein weiterer Satz von Wittgenstein, der das Gesagte unterstreichen kann:

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

 

 

Siehe auch: Beitrag Die Metapher – wozu ist es gut, in Metaphern zu denken?

Siehe auch: Beitrag Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte?

 

Die semantische Natur der Dinge was last modified: April 11th, 2016 by Henrik Geyer

Innere Wahrheit – Äußere Wahrheit

Innere Wahrheit - Äußere Wahrheit

Was ist innere Wahrheit? Über den Gegensatz von innerer Wahrheit und äußerer Wahrheit.

Die Wahrheit als die Wahrheit des Außen

Normalerweise sehen wir die Wahrheit im Außen.

Warum?

Weil unsere Weltanschauung, der Materialismus, uns sagt, wir hingen ab, und seien geformt, von einer von uns unabhängigen Außenwelt – repräsentiert durch das Wort „Materie„.

Dieses Äußerliche genauestens zu beobachten, es zu analysieren, ist unsere Vorstellung von „die Wahrheit erfahren.“ Wir starren wie gebannt auf die Außenwelt, um von dort die Wahrheit abzulesen. Denn wir alle wollen Realisten sein.

(Auf diesem Blog ist die Wahrheit (was ist Wahrheit überhaupt?) Gegenstand der Betrachtung, denn der auf diesen Seiten besprochene Spirealismus sagt ja, dass die Realität aus Gedanken entsteht – spricht also nicht von einer äußerlichen Wahrheit, die beobachtet werden muss, um zu Wahrheit zu gelangen. Und nun fragt es sich selbstverständlich, was das ist, was wir gemeinhin als „die Wahrheit“ bezeichnen. Der Spirealismus stellt fest, dass die Wahrheit immer subjektiv gesehen wird – sie ist immer das Wissen des Einzelnen. Niemand ist im Besitz einer objektiven Wahrheit. Das ist letztlich dieselbe Logik, wie der Spirealismus ja auch von Ich-Universen spricht … die Universen entstehen in den Ichs immer neu – es gibt kein eindeutiges, von den Ichs unabhängiges Universum des Außen.)

Die innere Wahheit

Es gibt auch eine innere Wahrheit – eine Wahrheit des Innen.

Eine Wahrheit, die man nur selbst weiß. Die niemand sonst hat.

Was manchen vielleicht verwundert: Man kann diese Wahrheit in sich selbst hervorrufen.

Mancher kennt vielleicht die berühmte Stelle aus der Bergpredigt, in der Jesus gefragt wird, wo denn das Reich seines Vaters (Gottes) sei – man wolle es sich einmal anschauen, bevor man willig sei, den Worten Jesu zu trauen.

Jesus sagte, das Reich seines Vaters (Gottes) sei „inwendig“, man könne es nicht im Außen zeigen. Gemeint ist diese innere Wahrheit, die man im Außen nicht sehen kann, die aber dennoch „da“ ist. Es ist eine Wahrheit, die man nur selbst hat – im Außen ist sie nicht „nachweisbar“. Als Wahrheit unterscheidet sie sich aber nicht von einer äußerlichen, „nachweisbaren“, Wahrheit.

Was ist der Unterschied?

Der Unterschied zwischen innerer Wahrheit und äußerer Wahrheit ist nur graduell. Im Prinzip funktioniert beides gleich. Es ist das, was man oft denkt.

Indem man einen Gedanken festhält, indem man ihn oft denkt, darüber reflektiert, meditiert, kann man innere Wahrheit formen, innere Wahrheit entstehen lassen.

Man muss aufpassen, dass man sich seine innere Wahrheit nicht kaputtreden lässt, von Leuten, die davon nichts wissen, und nichts wissen wollen. Denn das ist leicht. Man muss Wächter sein, an der Pforten des Geistes.

Jahrelang hatte ich den irrigen Grundsatz der Maler, man müsse die äußere Natur studieren, um künstlerisch schaffen zu können, stumpfsinnig nachgebetet und befolgt; erst, seit Hillel mich in jener Nacht erweckt, war mir das innere Schauen aufgegangen: das wahre Sehenkönnen hinter geschlossenen Lidern, das sofort erlischt, wenn man die Augen aufschlägt, – die Gabe, die sie alle zu haben glauben und die doch unter Millionen keiner wirklich besitzt.
Gustav Meyrink

Jeder hat eine innere Wahrheit

Um das tun zu können, muss man erst einmal wissen, dass es diese innere Wahrheit gibt. Es ist all das, was man selbst weiß, und von dem man weiß, dass es im Außen kaum Verständnis fände. Gerade von jenen, die auf das Äußerliche fixiert sind.

Manche glauben gar, es gäbe nur dieses Außen. Sie selbst nennen sich die striktesten Realisten.

Lesen Sie auch: Artikel Glaube Liebe Hoffnung – ohne Glauben geht nichts

Warum man die innere Wahrheit formen sollte

Die innere Wahrheit zu formen, ist ein wichtiger Weg, Glück zu finden. Wer nur auf das Äußerliche fixiert ist, macht sich abhängig von den Glücksvorstellungen anderer. Man muss dann das tun und das haben, was sie für wichtig halten. Man muss dann oft gegen seine innere Wahrheit handeln.

Weiter oben wurde die Bergpredigt zitiert. Wer es für wichtig hält, das Reich Gottes für sich zu entdecken, oder, anders ausgedrückt, den „Reichtum des Innen“, die innere Wahrheit, der muss inwendig suchen. Nicht im Außen.

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Weiterlesen: Beitrag Wissenschaft und Glaube, Spiritualität und Erkenntnis

Innere Wahrheit – Äußere Wahrheit was last modified: April 9th, 2016 by Henrik Geyer

Anthropozentrismus – seine Ursache und Funktion

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Anthropozentrismus ist die beim Menschen stets anzutreffende Vermutung, er befände sich im Zentrumgeografischer wie kosmischer Gegebenheiten, im Zentrum der Vernunft, im Zentrum des Interesses seiner Götter etc..Es ist zugleich die Zentralsicht jedes Einzelnen auf sich selbst,als das Zentrum des jeweiligen Ich-Universums.

Im Sprealismus hat der Anthropozentrismus eine bestimmte Funktion und Logik. In diesem Artikel geht es darum, welche das ist

Was ist Anthropozentrismus?

Anthropozentrismus ist die dem Menschen selbst rätselhafte Selbstsicht des Menschen seiner selbst als zentral/in der Mitte stehend.

Ausdruck des Anthropozentrismus … Beispiele

Zitat: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ (antiker Philosoph Protagoras)

Geografisch: Die immer wieder auftretende Vermutung, „der Mensch“, oder Teile von „dem Menschen“, befänden sich in der Mitte geografischer Begebenheiten. Reich der Mitte. Mittelmeer.

Objektivitäts-Denken: Die dem Menschen geläufigen Begriffe empfindet er als objektiv, das heißt, er glaubt, es gäbe sie außerhalb und unabhängig von seinem Denken. Wenn das was er sagt für alle und alles gilt – dann empfindet er sich selbst sozusagen als das Zentrum der Vernunft (man kennt: Der Mensch als die Krone der Schöpfung). Das äußert sich auch in seiner Vermutung, nur er selbst könne denken, während die ihn umgebende Natur „geistlos“ sei.

Beitrag: ‚objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?‘

Menschliche Kausalität:  Die menschliche Kausalität versteht der Mensch nicht als schöpferisch, sondern als unabdingbar (siehe Objektivitätsdenken). Wenn seine kausalen Ableitungen keine Schöpfung sind, sondern eine geistige Notwendigkeit, dann sieht er sich wieder in der Rolle des genialen Erkenners einer Realität außerhalb seiner selbst.

Religiös: Seine Vermutung, er selbst stünde im zentralen Interesse des Schöpfers/Gottes, während alle andere Natur dazu geschaffen sei, von ihm genutzt/ausgebeutet zu werden

Im Individuum: Die stets anzutreffende Vermutung, man selbst befände sich in der Mitte der menschlichen Vernunft. Im Zentrum dessen, was man „den gesunden Menschenverstand“ nennt. „Ich bin Realist…“

Welche Ursache hat Anthropozentrismus?

Die Ursache und Notwendigkeit für den Anthropozentrismus sieht der Spirealismus im Entstehen des Bewusstseins.

Das Ich-Universum jedes Menschen bildet sich um einen Punkt herum: das Ich. Das Zentrum jedes individuellen Universums ist immer das Subjekt. Das ist verständlich, denn jedes sichtbare Objekt wird in Verbindung gebracht mit der Perspektive, aus der es beobachtet wird. Dem Ich, dem zentralen Punkt.

Ein zentraler Begriff des Spirealismus ist Supersubjektivität. Dieser Begriff besagt einerseits, dass die Beobachtung vieler Ichs wieder subjektiv ist, und nicht, wie diese annehmen, objektiv (im Sinne von: man kann es nicht anders sehen). Andererseits ist die Folgerung des Begriffes Supersubjektivität, dass aus vielen Subjekten ein neues Subjekt wird. Aus den Menschen wird die Menschheit. Der Mensch als Teil eines größeren Subjektes.

Dieses größere Subjekt hat eine eigene Wirkung, eine eigene Psychologie, eine eigene Subjektivsicht. Auch im Supersubjekt Menschheit ist der Anthropozentrismus anzutreffen.

(Man beachte: im Grunde genommen wird der Begriff Anthropozentrismus meist genau umgekehrt gesehen: er tritt in vielen Menschen auf, aber nicht im Einzelnen).

Materialistisches Weltbild

Das materialistische Weltbild, das den Menschen als einzigartigen Beobachter der Schöpfung sieht, nicht als Element der Schöpfung, kann man ebenso als Ursache des allgegenwärtigen Anthropozentrismus sehen.

Ebenso allgegenwärtig wie der Materialismus ist der Anthropozentrismus.

Welche Wirkung hat Anthropozentrismus?

Der Anthropozentrismus bewirkt, dass sich der Mensch als Individuum begreift, es zugleich aber für selbstverständlich hält, dass das Wissen und das Können der Menschheit auch in ihm selbst zum Ausdruck kommt. Er hält sich selbst für „den Menschen“.

Weiterlesen:  ‚Supermensch – Übermensch – Superman = der Mensch‘

Eine der Wirkungen und zugleich Ursachen des Anthropozentrismus ist die Annahme, es gäbe nur eine Wahrheit, nur eine Realität, nur eine Welt. Daher brauchen wir auch nur eine Wissenschaft.

Die positive Seite dieses Anthropozentrismus kann man darin sehen, dass sich die Wirkkraft der vielen Menschen nicht zersplittert. Im Grunde sind die Menschen Eins – ein Organismus. Die Wissenschaft, an der nahezu alle arbeiten, bedient sich stets der gleichen Termini, Resultate, der selben Sprache.

Die negative Seite ist eine falsche Weltsicht. Eine falsche Sicht auf die Gründe des eigenen Seins. Denn der Anthropozentrismus suggeriert dem Menschen fälschlich, in einem Mittelpunkt zu stehen. Der Mittelpunkt des menschlichen Denkens bleibt daher letztlich nur er selbst – und das findet er ganz normal. Seine Wirkungen auf das Ganze sind dem Menschen auf diese Weise unbegreiflich.

Spirealistisches Weltbild

Anthropozentrismus, Bewusstsein, im spirealistischen Verständnis
Anthropozentrismus, im spirealistischen Verständnis

In der Grafik abgebildet: die spirealistische Vorstellung von Anthropozentrismus. Das größere Ganze bildet sich aus einer Vielzahl von Ichs (im Bild links die blauen Kreise). Die Kreise haben jeweils Zentren, überschneiden sich aber auch (das sind die geistigen Inhalte des Anderen, die auch in mir sind).

Im Bild rechts wird aus den vielen blauen  Kreisen ein größerer, dunkelblauer Kreis – aus vielen Menschen wird die Menschheit, oder aus einigen Menschen wird eine Gruppe.

Das kosmische Kontinuum: Diese Abbildung suggeriert ein Statisch-Sein der Begriffe. Das soll aber nicht gesagt sein. Im Grunde sind diese sich bildenden Einheiten stufenlos variierbar. Je nachdem, wie es in diesem Augenblick verstanden wird.

Am Rand des Bildes sieht man Kreise, die sich in der Farbe verändern. Das sind nicht-menschliche Ich-Universen/Informationen. Wir nehmen sie nicht als „Ich“ war, sie stehen aber dennoch in einem relativen Verhältnis zum Ich/gehören zu ihm/bedingen es.

 

 

Siehe auch: Artikel ‚Der Mensch als geistige Singularität. Kausalitäts-Monster Bewusstsein‘

 

 

 

Anthropozentrismus – seine Ursache und Funktion was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer

Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt

Spruchbild: Ich Universum und Ich Universen: "Ich Universum" ist ein Begriff des Spirealismus. Ein Ich-Universum ist das All (das Alles) des individuellen Begreifens.

In meiner Philosophie, dem Spirealismus, ist oft die Rede von einem Ich-Universum. Ich möchte in diesem Artikel kurz umreißen, worum es dabei geht.

Es gibt keine Objektivität

Der erste Grundsatz des Spirealismus ist, dass es keine Objektivität gibt.
Objektivität – verstanden als die materialistische Vorstellung einer Außenwelt, die vollkommen definiert, schon „da“ sei. Sondern der Spirealismus erklärt, dass es nur das Subjektive gibt, über das man reden kann.

Um sich das vorzustellen hilft es vielleicht, sich Descartes „Ich denke, also bin ich“ ins Gedächtnis zu rufen (wohlgemerkt: Descartes war beileibe kein Spirealist, jedoch ist sein berühmt gewordener Satz wohlverstanden die Aussage, dass als „Urgrund“ allen Seins und allen Folgerns der Gedanke selbst gesehen werden muss – nicht das Denken an ETWAS).

Siehe auch: Beitrag Die Ontologie des Spirealismus

Man denke auch an Kants vergebliche Suche nach dem Ding „an sich“ – auch hier blieb die Suche nach der vom Betrachter unabhängigen Außenwelt vergeblich.

Schließlich bleibt noch die Überlegung, dass jede Aussage, dies oder jenes sei objektiv, immer von einem Subjekt gemacht wird – also subjektiv ist. Wo wohl ist dann das Objektive?

Der Spirealismus sieht es so: Schließen sich mehrere Beobachter zusammen und machen eine Aussage, nennt der Spirealismus dies „supersubjektiv“ – wieder nicht objektiv, sondern subjektiv, auf einer anderen Ebene.

Es bleiben die subjektiven Welten – die Ich-Universen

Alles, was das Ich über das Universum sagen kann, kann nur den ihm selbst zugänglichen Gedanken entspringen . So gesehen ist jedes gedachte Universum von jedem anderen verschieden. Nur gedacht? Nein, nicht „nur“ …. Der Spirealismus sieht das Denken als das Zentrale, das Wichtige. Zu sagen, etwas wäre „nur“ gedacht, ist die Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse. Denn die Existenz ist Geist. Über etwas anderes reden zu wollen, als die Dinge, so wie sie im Denken existieren, hat keinen Sinn. Denken und Sein sind ein- und dasselbe.

Die Universen existieren immer im Denken, jenseits davon gibt es kein Universum

Das bedeutet wieder, dass es nichts Objektives gibt. Die Universen, die sich individuell ausdrücken, sind voneinander verschieden, uneindeutig, einzigartig. Universum hier als die Gesamtheit der Dinge, die ein subjektives Denken erfasst.

 

Im Individuum ist die Vorstellung eines Universums einzigartig. Man stelle sich vor, dass es demzufolge weder in irgendeinem Individuum ein „richtiges“, vollständiges Universum gibt, noch in der Gesamtheit aller Individuen. Warum nicht in der Gesamtheit der Individuen? Weil die Frage nach der Gesamtheit der Individuen die Frage nach dem Universum ist. Sie führt nicht weiter. Wer kennt alle Individuen, wüsste, was sie im Kopf haben, etc.?

Auch nicht, wenn man das vermeintlich objektive Außen untersuchen will, wird man Eindeutigkeit finden, siehe wiederum Kant… Wo ist es also, das Universum? Wer hat das Ganze? Wer hat das „richtige“ Universum… im Kopf, im Denken? Und … wer wiederum will etwas sagen über Dinge, die angeblich jenseits der Gedanken existieren sollen?

Die Sichtweise des Spirealismus: Niemand kann das. Das „richtige“ Universum gibt es nicht. Es macht keinen Sinn von der Existenz von etwas zu reden, das nicht beweisbar ist, und dabei die Tatsache zu ignorieren, nur weil das besser in das allgegenwärtige weltanschauliche Konzept des Materialismus passt, das etwas anderes sehr wohl beweisbar ist: der Gedanke. Indem er ist.

Verbunden mit dieser Einsicht ist die Feststellung, dass die fehlende Erkenntnisfähigkeit im Grundsätzlichen bzw. Objektiven, aus systematischen Gründen niemals änderbar ist. „Das“ Universum ist nicht objektiv erkennbar (zumal es in dieser Form nicht existiert) – das kann sich nie ändern. Und was für das Universum gilt, gilt für jedes Ding, das wir (wie wir nur glauben) „vor uns“ haben.

Kurz: Wir alle haben die Welten unserer Ich-Universen vor uns. „Das“ Universum (in der Einzahl, ein einziges) im eigentlichen Sinne gibt es nicht, sondern „nur“ die Universen der individuellen Sichtweise.

Ähnliches Thema: Das Äußerliche (die Dinge) versus das „nur Gedachte“. Gedanken zu Existenzialismus

Überwindung des materialistischen Weltbildes

Dies meint der Spirealismus aber nicht als eine feine Verschiedenheit der Formulierung, was unser Begreifen dann doch wieder zu der Vorstellung der einen Welt zurückführen würde.

Sondern gemeint ist tatsächlich ein Nichtvorhandensein einer Welt außerhalb des individuellen Begreifens – und umgekehrt: ein Vorhandensein vieler Welten, im Individuellen.

Letztlich ist dies auch die Konsequenz der Feststellung: „Die Welt ist die Welt unserer Gedanken“ – ganz ähnlich formulierte der Philosoph Schopenhauer : „Die Welt als Wille und Vorstellung“.

 

Aus dem grundsätzlich vom Materialismus verschiedenen Weltbild, dem Spirealismus, der die Existenz von Ich-Universen proklamiert, ergeben sich tiefgreifende Folgerungen und Grundsätze.

Beispielsweise den, dass es nichts gibt, das vom Blick des Beobachters unabhängig wäre. Außerdem ist eine andere Vorstellung von „Existenz“ damit verbunden, und weiterhin ein völlig anderes Menschenbild, als wir es derzeit haben.

Es verschwindet der Mensch als Krone der Schöpfung und Genie der Natur, der die Prozesse von außen sieht und im Geist spiegelt. Sondern im Spirealismus geht der Mensch aus Geist hervor,  Geist umgibt und verbindet ihn, mit allem was ist. Denken, das ist jedes Ding, das wir sehen, und von dem wir in Wirklichkeit nicht getrennt sind. Wir sind ein Gedanke des Schöpfers; nicht wir sind es, die in Gedanken die Schöpfung erfassen.

Es ist ein altes hermetisches Prinzip: Alles ist Geist.

Das Ich-Universum als Sichtweise und als Brille

Ein Ich-Universum ist also das All (das Alles) des individuellen Begreifens. Das individuelle Begreifen wiederum ist es, das uns jeden Blick auf „das Andere“ wie durch eine Brille werfen lässt. Es gibt nichts, was von einer subjektiven Sichtweise, einer individuellen Brille,  unabhängig wäre.

So gesehen könnte man auch sagen, dass das Universum, und das Ich, ein- und dasselbe ist. Denn das, was die Welt für das Ich ist, und das Ich selbst, stehen in enger Verbindung. Sie entstehen aus der Relation zueinander. Das Ich definiert sich aus den Dingen, die es um sich herum wahrnimmt. Und durch sein Sehen definiert es „das Andere“ mit.
Jeder Gedanke den wir denken ist keine Spiegelung einer außerhalb von uns liegenden Welt, sondern formt unsere Welt.

 

Zitat: Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

Siehe auch: Artikel Änderung der Denkweise als Neu-Definition eines Bausteinchens des Universums

Ich – Universum. Die subjektive Welt als die einzig „vorhandene“ Welt was last modified: Mai 30th, 2017 by Henrik Geyer

Realität – was ist das?

Realität: wir sind aus Sternenstaub / made from stardust

Wo ist das Problem?

Wir alle reden von Realität. Die Realität sei dies, dann wieder jenes.. Man streitet sich. Kennt der andere die Realität nicht? Was ist die Realität… wirklich? Wer hat sie? Wer weiß von ihr .. endgültig?
Offenbar niemand. Wenn uns jemand einfach sagen würde, was „das Wirkliche“ eigentlich ist, dann müssten wir uns nicht mehr streiten. Doch der Streit hört niemals auf.
Aber warum sprechen wir dann immer von DER Realität – so als gäbe es nur eine?
Weil die Vorstellung, wir würden etwas außerhalb unserer selbst betrachten, wir alle sähen auf dieselbe Wirklichkeit, in den Grundfesten unserer Sichtweise auf „die Welt“ steckt. Anders können wir nicht denken – da ist eine Denkgrenze. Und doch ist es falsch, von EINER Realität zu sprechen – es gibt sie nicht. Es gibt die Realitäten unserer Ich-Universen.

Eine verblüffende Feststellung

In meinen spirituellen Büchern (die ich bisher schrieb) geht es um eine für mich zutiefst verblüffende und prägende Feststellung: Wir Menschen reden immer nur von unserer inneren, subjektiven, Wirklichkeit. Im Grunde ist es aber genau sie, diese innere Wirklichkeit, die für uns gleichermaßen das Äußere ist.

Ähnlich Andre Breton, dem geistigen Führer der surrealistischen Denkrichtung hatte ich ein ähnliches Erlebnis, das mich lehrte, dass die Realität nichts anderes ist, als das, was wir uns darunter vorstellen. Und da sich jeder etwas anderes darunter vorstellt, zeigt es sich, dass es die von uns völlig unabhängige Realität gar nicht gibt.

Siehe auch: Beitrag surreal – Was ist surreal?

Was ist Realität? Ein Lebensthema

Ich habe diese Erkenntnis in meiner Philosophie, dem „Spirealismus“, verarbeitet. Der Spirealismus besagt zwar, dass die Natur des Kosmos ein Informationsprozess ist, den wir als „unser“ Denken kennen, aber er besagt ausdrücklich nicht, dass wir uns die Welt ausdenken können, wie wir wollen.

Nietzsche formulierte: „Es denkt.“ ES – das ist die uns völlig rätselhafte Kraft, die die Gedanken hervorbringt. Es ist die Kraft, die die Gedanken erzeugt. Jene Gedanken, die sich um das Ich wie Treibgut sammeln, und es hervorbringen. Der Spirealismus sieht die Realität ganz ähnlich wie Quantenphysiker und Philosoph David Bohm es beschrieb: „Das Universum ist möglicherweise nicht mehr als ein gigantisches, vom Geist erzeugtes Hologramm.“ Allerdings würde der Spirealist die Worte „nicht mehr“ nicht verwenden. Denn sie sind Ausdruck einer materialistischen Sichtweise. Wir sehen die Wirklichkeit normalerweise als das Wichtigste an. Wenn jedoch die Wirklichkeit nicht in einem Außen festgelegt ist, so bleibt es dennoch die Realität – die einzige Realität, die es für uns geben kann. Diese Realität nun also mit Begriffen wie „nur“ zu versehen, drückt aus, sie sei in dieser Form „nicht richtig“ real. Das aber ist eben nicht, was der SpiRealismus besagt. Daher enthält das Wort Spirealismus auch den Wortbestandteil „Realismus“, denn Spirealismus geht davon aus, dass die Gedanken selbst die Wirklichkeit sind. Das bedeutet, es gibt die Wirklichkeit nicht noch einmal „extra“, außerhalb von uns.

Praktische Gesichtspunkte

Als Philosophie versteht sich der Spirealismus auch als praktische Lehre.
Das ewige In-neue-Beziehungen-Setzen der Begriffe durch die Philosophie möchte er durchbrechen, indem er konstatiert, das eben dieses In-neue-Beziehungen-Setzen die Schöpferkraft des Kosmos repräsentiert.
Wir können zwar nicht anders, als die Welt durch Begriffe beschreiben, aber all das Beschreiben hat keinen Sinn, wenn wir unsere Begriffe als von uns unabhängig sehen. So als wären wir außenstehende Beobachter eines unabhängig von uns ablaufenden Prozesses. Denn das sind wir nicht.

Mit der Änderung unseres Verständnisses ändert sich die Dinge für uns – ändert sich unsere Realität.

Zugleich beschreibt Spirealismus die Mittel, die Wirklichkeit zu ändern. Wir ändern sie bereits durch Denken. Unsere innere Realität ist von einer äußeren Realität nicht unterscheidbar. Es ist eins.

Ähnliches Thema: Artikel Was ist meine Realität?

Realität – was ist das? was last modified: April 28th, 2016 by Henrik Geyer