Lerne zu schweigen, wenn du nichts Rechtes zu sagen weißt

Unsere Welt ist, was wir darüber denken. Daher ist jeder Gedanke an die Welt .. die Welt selbst.

Es ist eine alte Weisheit, sich in seinen Gedanken zu zügeln. Was man denkt, wird zum eigenen Schicksal. Denn, so wie man denkt, so wird man handeln. Man kann es auch so sehen: Was man denkt, das ist bereits das Schicksal. Denn, so wie man denkt, gibt man die Welt wieder, so, wie man sie erlebt. So, wie sie sich schicksalhaft für das Ich geformt hat.

Mehr noch als unsere Gedanken ist, was wir reden, unser Schicksal. Denn der Gedanke ist schnell im Vergleich zum Wort. Was wir reden, haben wir in vielen schnellen Gedanken geformt.

Und, bedenke: Was du redest, das wird auch gehört. Mindestens von dir selbst. Du kennst das, dass dich jemand zu etwas überredete. Dass du von etwas überzeugt wurdest, durch die starke Kraft von Worten. Doch wer wäre überzeugender, als du, dir selbst gegenüber? Daher: Achte auf deine Worte, ob sie sich im Geist bilden, oder ob sie dir über die Lippen kommen; ob du nun allein bist, oder in Gesellschaft.

Bevor wir uns noch unseren Gedanken zuwenden können, und versuchen können, durch sie unsere Welt zu formen, müssen wir auf unser Reden Acht geben. Der erste Schritt ist, dass wir schweigen, wenn uns nichts Rechtes einfällt. Wenn wir nicht zielführend reden können, sondern nur so daher. Wenn wir defätistisch reden – welchen Sinn soll das haben? Wenn wir nur reden, um auch einmal etwas zu sagen, oder um klug zu erscheinen. Wenn wir werten, urteilen, schlecht reden – so zum Smalltalk, oder, weil wir Klatsch lieben.

Mehr nützt es dir, die Dinge offen zu lassen. Nicht werten, so lange die Dinge oder Menschen keine Bewertung benötigen. Dann werden dort, wo du durch Reden Verschlossenheit erzeugen würdest, viele Möglichkeiten bleiben. Möglichkeiten, die Chancen sein können. Möglichkeiten … Dinge, die noch nicht ausgeformt sind und die der Bewertung, des Fest-Werdens, harren. Dann vielleicht in einem von dir gewünschten Sinn.

Lerne zu schweigen, wenn du nichts Rechtes zu sagen weißt was last modified: Januar 19th, 2018 by Henrik Geyer

Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität

Was haben Phantasie und Wirklichkeit miteinander zu tun? Gemeinhin versteht man sie als Gegensätze. Doch, so einfach ist es gar nicht, zu sagen, was eigentlich die (eine) Wirklichkeit ist – denn jeder hat eine andere. Und Phantasie wiederum erweist sich immer wieder als das Element, das die Wirklichkeit formt, z.B. als  Erfindung. Oder als Vorhersage, wenn zum Beispiel in einem Roman von Jules Verne aus der Mitte des 19. Jahrhunderts U-Boote Gestalt annehmen.

Phantasie und Wirklichkeit: U-Boot im Roman

Was trennt Phantasie und Wirklichkeit?

In der materialistischen Denkweise ist es einfach den Unterschied zu benennen: Phantasie ist das „nur Gedachte“, Wirklichkeit ist das, was tatsächlich ist.

philosophische Betrachtung

Genauer betrachtet ist es nicht einfach zu sagen, was der Unterschied zwischen Phantasie und Realität ist. Dies sei nur Denken, jenes sei „wirklich“ … Man bedenke: Das, was ist, ist ja auch gedacht. Nichts Bestehendes kann erfasst werden, wenn nicht durch einen Gedanken.

Und die Gedanken aufzuspalten in solche, die das Wirkliche widerspiegeln, und solche, die Nicht-Wirkliches beinhalten, ist im Grunde unmöglich.

Wenn man sich vorstellt, das Wirkliche sei beispielsweise ein Baum, weil „alle“ ihn sehen können, dann beginnt das Nicht-Wirkliche bereits dort, wo wir eigentlich auch uneingeschränkte Existenz vermuten, aber keinerlei äußerliche Anzeichen davon sehen können. Man denke an Landes-Grenzen, die es nur auf der Landkarte gibt. Man denke an Gott und die Frage: Gibt es ihn?  Oder man denke an ein beliebiges Objekt, das wir nicht mit Augen vor uns sehen, aber das vor dem geistigen Auge sehr wohl „da“ ist, so dass wir ganz sicher vermuten, es sei existent. Das Atom. Die Liebe, der Hass. Das Morgen und das Gestern…

Generationen von Philosophen haben sich darüber den Kopf zerbrochen – Stichwort Kant und das Ding „an sich“. Oder das Wort Noumenon, das seit dem Altertum das Gedachte einteilen will in das nur vom Geist zu Erkennende (zu Schlussfolgernde), und das, was der Geist mit Notwendigkeit spiegeln muss (weil die Augen etwas sehen). In diese Kategorie gehört, als allgemeinster Ausdruck der Frage was „wirklich“ ist.

Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt, ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein.

Dschuang Dsi fragt nach der Wirklichkeit der eigenen Person, bzw. ihrer Identität.

 

Spirealistisch gesehen ist der Unterschied tatsächlich nicht zu definieren, weil er nicht im eigentlichen Sinn „existiert“. Alles ist geistig, und der Unterschied zwischen Phantasie und Wirklichkeit nur graduell – sozusagen als Produkt des Geistes, nicht aber seine Voraussetzung. Es gibt diesen Unterschied also nicht in einer Welt außerhalb von uns, denn eine solche, von uns unabhängige Außenwelt, existiert selbst nicht.

Was haben Phantasie und Wirklichkeit gemeinsam?

Und umgekehrt lässt sich ebenso graduell eine Gemeinsamkeit von Phantasie und Wirklichkeit formulieren, indem wir gleich sagen, dass alles, was wir uns denken, ja auch potentiell Realität sein oder werden könnte. Während …  das, was wir nicht denken – welche Realität könnte das je haben??

Aus spirealistischer Sicht beginnt die Realisierung mit dem Gedanken, oder anders herum: Der Gedanke ist die erste, zunächst noch schwache Form, der Realisierung. So gesehen hat jeder Gedanke auch Realität, denn die Voraussetzung des Bestehens jeglichen Objektes ist ja Geist.  Durch eine erfolgreiche Erfindung beispielsweise gewinnt der Gedanke mehr und mehr Schwere, er „materialisiert“ sich. Und durch eine phantasievolle Gestaltung eines Romanes durch den Autor (ich nannte als Beispiel Jules Verne) erlangt ein Gedanke Verbreitung und „materialisiert“ sich auf diese Weise ebenso. Indem beispielsweise der Gedanke an ein Untersee-Boot durch Jules Verne populär wurde, beherrscht er nunmehr das Denken all jener, die Jules Vernes Bücher kennen, und wird zur Sehnsucht derjenigen, die die Vorteile eines solchen Schiffes nutzen wollen. In der Folge wird es zur äußerlichen Realität – es wird gebaut.

Welche Notwendigkeit gibt es für Phantasie und Wirklichkeit?

Welche Notwendigkeit gibt es für Phantasie?

Man wird sagen: Für die Phantasie gibt es keine Notwendigkeit, denn man kann sich ja ausdenken was man will.

Andererseits könnte man sagen: Jules Verne konnte die Phantasie des Untersee-Bootes nur entwickeln, weil das Wissen und die technischen Möglichkeiten seiner Zeit entsprechend waren. Eigentlich wurde bereits im amerikanischen Bürgerkrieg (1860-1865) ein muskelgetriebenes U-Boot eingesetzt, also ca 10 Jahre bevor der Roman „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ 1874 erschien.

Was Jules Verne entwickelte war eher die Phantasie eines modernen Untersee-Bootes, während die allgemeine Idee für ein U-Boot schon im 14.Jahrhundert nachweisbar ist.

Also, und das sollte gesagt werden, könnte man aus dieser Perspektive eine Notwendigkeit für Jules Vernes Phantasien herleiten. Und diese Notwendigkeit besteht darin, dass sich der Autor ja niemals trennen lässt von den Ideen der Zeit, in der er seine Werke schafft. Die Ideen der Zeit sind in ihm, und nur sie kann er verarbeiten.

Nebenbei gesagt würden Ideen, die nicht mit den vorhandenen Begriffen in der Gesellschaft korrespondieren, vom Publikum auch nicht verstanden werden.

Ähnliches Thema: Kreativ sein – die 80 % Regel

Welche Notwendigkeit gibt es für Wirklichkeit?

Für die Wirklichkeit hingegen sehen wir in der materialistischen Sichtweise eine vollständige Notwendigkeit – die Wirklichkeit ist eben „da“! Die Notwendigkeit der Wirklichkeit (im Sinne einer völligen Folgerichtigkeit) zu bestreiten, das hieße sich dem Vorwurf auszusetzen, kein Realist zu sein, etc..

Doch die Vorstellung von der absoluten Notwendigkeit der Wirklichkeit wird durch das bereits Gesagte über das Ding „an sich“, das Noumenon etc.., aufgeweicht. Denn, wenn die Dinge des Außen die Wirklichkeit repräsentieren, man sich aber über ihre letztendliche Gestalt, über ihr Wesen „an sich“, oder ihre objektive (objektiv als: jenseits und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein) Gestalt kein Urteil bilden kann, dann lässt sich in letzter Konsequenz auch nicht genau sagen, was denn „die“ Wirklichkeit überhaupt ist.

Spirealistisch gesehen gibt es nicht „die“ Wirklichkeit. Es gibt immr nur die Wirklichkeiten einzelner Ich-Universen – als Gedanken.

Unsere Vorstellung von Kausalität

Es gehört an diese Stelle, die verschiedenen Querverbindungen aufzuzeigen, die die Vorstellung von Wirklichkeit / Realität mit der Vorstellung von Kausalität hat. Ebenso ist aufzuzeigen, dass Kausalität wiederum engstens verbunden ist mit dem Zeit-Begriff.

Wie bereits gesagt ist uns die Realität, bzw. die Wirklichkeit, folgerichtig und notwendig, denn sie ergibt sich aus allem, was vorher da war, und sie ist bestimmend für alles was danach kommt (Zeit). Die kausalen Zusammenhänge sind es, die die sichtbaren Phänomene wie „nicht anders möglich“ erscheinen lassen.

Aber dennoch muss man feststellen, dass „die Wirklichkeit“ des Momentes nicht eigentlich folgerichtig ist, sondern sie selbst ist der Beginn allen Folgerns. Man kann die Kausalketten in die Zukunft oder auch die Vergangenheit denken – der eigentlich feste Anker, der Urgrund allen Folgerns ist das, was wir als die Realität im Hier und Jetzt bezeichnen, und nicht umgekehrt. Der Urgrund ist das Phänomen, die Erscheinung im Jetzt. Um das an einem Beispiel zu illustrieren: nicht die Elemente, die wir in das Periodensystem der Elemente eingezeichnet haben sind der Grund für unsere Beobachtungen an den Dingen. Sondern unsere Sichtweise, Beobachter von Dingen zu sein, ist der Grund, dass ein Periodensystem der Elemente erstellt wurde.

 

Wenn man nun die Aussage, dass es keine Objektivität gibt, die sich in den Aussagen so vieler Philosophen und Wissenschaftler (Kernphysiker) wieder und wieder bestätigte, zutiefst verinnerlicht, dann muss man auch sagen, es gibt keine objektive Kausalität. Anders gesagt ist die Vorstellung einer eindeutigen Folgerichtigkeit selbst eine Phantasie. Wenn das Phänomen, oder die Wirklichkeit, oder die Realität, nicht in einem objektiven  Tatbestand erfassbar ist, dann ist alles, was sich aus diesem Gedachten folgern oder ableiten lässt, ebenfalls kein objektiver Tatbestand.

Es sei noch einmal auf die spirealistische Sichtweise hingewiesen, die sich von der des Materialismus fundamental unterscheidet, und der hier Erklärung ist, für dieses Phänomen, das vom Standpunkt des Materialismus zutiefst paradox wirkt. Einerseits erscheinen die Begriffe der Kausalität, der Zeit, des Zufalls, überhaupt der Trennung von Wirklichkeit und Phantasie wie eindeutig, wie festgelegt und greifbar. Glauben wir denn nicht alle stets und ständig, wir hätten einen eindeutigen und unleugbaren Begriff von allem, was uns umgibt? Und doch lässt sich nirgends ein solcher Begriff in Eindeutigkeit packen, sondern verschwimmt in der Unendlichkeit der Relationen. Zitat Wilhelm Busch: „Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.“

So als sei die Welt gar nicht aus festen Körpern gemacht, die eindeutige Informationen bereits in sich tragen (die wir Menschen dann mit unserem Geist „abrufen“) – gerade das aber, das Bestehen dieser objektiven Welt außerhalb von uns, in Form von Materie, ist dem Materialismus fundamentalste Denkvoraussetzung.

Der Spirealismus hingegen sieht die Welten nicht ausgehen von Materie, sondern vom Gedanken. Das übersetzt sich in diesem Zusammenhang zu: das Folgern selbst, die Kausalität, ist das Entstehungsprinzip der Welt. Daher geht für den Spirealismus die Welt des materialistisch Denkenden, aus, von dem Gedanken an Materie. Das wichtige Prinzip, das der Materie zu Grunde liegt, ist der Gedanke – und nicht Materie, die den Geist in Form des Gehirns erst erschafft. Durch das Letztgesagte wird einmal mehr klar, dass der Spirealismus als Sitz des Geistes nicht das (menschliche) Gehirn ansieht. Wenn „alles Geist ist“, dann ist Geist eben nicht „nur“ hier oder dort.

Seltsamer Zufall, dass alle die Menschen, deren Schädel man geöffnet hat, ein Gehirn hatten.
Ludwig Wittgenstein

Kausalität im Widerstreit mit dem Zufall

Noch ein letzter Gedanke zum Begriff des Zufalls, der mit dem Begriff der Kausalität in engem Zusammenhang steht.  Das, was wir begründen können, nennen wir nicht „zufällig“; und umgekehrt ist der Zufall etwas, das wir als Phänomen bemerken, dessen Grund wir aber nicht kennen.

Die in der materialistischen Denkweise als so fest und statisch wahrgenommene Kausalität kann man (spirealistisch) auch ganz anders wahrnehmen – als Phantasie, als Realität erschaffenden Gedanken. Und zwar, wenn man bedenkt, auf welche Art und Weise wir gewohnt sind, Zufall von einer notwendigen Abfolge von Geschehnissen (Kausalität) zu unterscheiden.

Ausgangspunkt ist das wahrgenommene Phänomen, von dem wir bereits sagten, es sei nicht objektiv erkennbar, und daher seien alle Ableitungen aus ihm ebenfalls nicht objektiv.

Zweitens aber sagten wir, dass uns nur alles das zufällig ist, für was wir keine Begründung finden.  Für was aber finden wir keine Begründung? Ich denke, wir finden für alles eine Begründung, in Abhängigkeit davon, ob wir uns auf ein bestimmtes Phänomen konzentrieren, und es in Verbindung mit einem anderen Phänomen bringen. Und das wiederum ist die Definition von Phantasie: Querverbindungen zwischen Phänomenen herzustellen, ungewöhnliche Querverbindungen oft.  Es ist somit eine eine Frage der Phantasie, in welcher Weise sich Kausalität fortschreibt.

Phantasie & Einstein - Einstein/Münchhausen - Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?
Phantasie & Einstein – Einstein/Münchhausen – Ritt auf der Photonen-Kugel. Was ist Phantasie? Was ist Inspiration?

Man denke z.B. an Einstein und seine Relativitätstheorie, die er auf Grund sehr phantasievoller Überlegungen entwickelte. Er stellte sich vor, selbst auf einem Photon zu reiten, eine Taschenlampe in der Hand haltend, und nun sehend, wie die Photonen (Photon=Lichtteilchen) aus der leuchtenden Taschenlampe kommen und enteilen. Er fragte sich, ob die Geschwindigkeit der Taschenlampen-Photonen sich zu der Geschwindigkeit des Photons auf dem er bereits saß (und das sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt), hinzuaddieren würden. Auf diese Art und Weise kam er zu einer Sichtweise, die in die Überlegung die Zeit mit einbezog – Die Geschwindigkeit (Bewegung im Raum) und die Zeit sind relativ zueinander.

Durch Einstein sind heute unsere Vorstellungen von Raum, Zeit und Masse, miteinander verknüpft, während sie vorher wie völlig unabhängig voneinander erschienen.

Mit welcher Notwendigkeit kam Einstein auf seine Erkenntnis? Man muss sagen (und Einstein selbst hätte das auch so gesehen): mit keiner. Die Phantasie des Einstein kam mit keiner vorhersagbaren oder begründbaren Folgerichtigkeit in die Welt, und seine Phantasien zu Raum und Zeit somit auch nicht. Man könnte auch sagen: Es war Zufall. Im Nachhinein mag man zwar immer konstruieren: „Es musste ja so kommen!“ … aber nein, es musste nicht. Und wie gesagt hat Einstein selbst diese Nichtnotwendigkeit des In-die-Welt-Kommens scheinbar ganz logischer Schlussfolgerungen einmal formuliert.

Somit ist die Vorstellung der Relativität von Zeit und Raum ebenfalls ohne völlige Notwendigkeit in der Welt. Anders gesagt. Wir könnten nach wie vor ebenso gut der trennenden Denkweise anhaften, und würden nichts vermissen.

 

Ähnliches Thema: Artikel „Gott würfelt nicht“, sagte Einstein. Aber warum würfelt Gott nicht?

Siehe auch: Artikel Kausalkette – philosophisch (spirealistisch) gesehen

Siehe auch: Mindfuck Philosophy – der Beginn eines neuen Denkens

Phantasie und Wirklichkeit – Zufall, Kreativität und Kausalität was last modified: Mai 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Sind die Gedanken bei den Dingen? Ist das Denken von den Dingen gleich den Dingen?

Thema Gedanken: Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Dass wir finden was wir suchen ist ein assoziatives Gesetz. Es gilt auch für unser wissenschaftliches Suchen.

Ein wichtiger Ausgangspunkt für das Verständnis vieler Denkrichtungen (auch des Spirealismus) ist folgende Frage: Sind die Gedanken selbst die Dinge? 

Man kann es auch anders formulieren: Was sind die Dinge jenseits meiner Gedanken? Noch anders formuliert: Was sind die „richtigen“ Dinge MEHR, als das, was meine Gedanken in ihnen sehen?

Aus materialistischer Sicht scheint es unnötig, diese Fragen zu stellen, denn es ist ja die selbsterklärte Denkvoraussetzung des Materialismus, man beschäftige sich mit der Materie, also Dingen außerhalb des Geistes.

Dass diese Frage so „realitätsfern“ scheint, ist, soweit ich sehe, ein Haupthindernis des Verständnisses des Spirealismus. Man kann das Rätselhafte der Welt nicht sehen, da man glaubt, alles Rätselhafte sei mit der materialistischen Wissenschaft aus der Welt geschafft.

Ich möchte in diesem Artikel kurz darstellen, warum die oben genannten Fragen ihre Berechtigung haben, und was letztlich gegen den Materialismus als Weltanschauung spricht, und warum er nur eine Möglichkeit des Denkens ist.

Nebenbemerkung: Wenn hier von „Dingen“ die Rede ist, so sind damit nicht besondere, sondern ganz normale Dinge gemeint, wie ein Baum, oder ein Auto, ein Tisch … was auch immer.


 

Das Problem

Jedes Individuum kann sich mit Fug und Recht sagen: Für mich können die Dinge nichts anderes sein, als das, was ich über sie denke.

Gleichzeitig, und dem zum Widerspruch, legt uns die materialistische Weltanschauung nahe, dass die Gedanken nicht die Dinge sind, sondern nur deren Abbild im Geiste, eine Widerspiegelung also. Die Dinge gäbe es demnach noch einmal „richtig“, jenseits der Gedanken.

Doch, wie könnte jemals etwas „Richtiges“ ausgesagt werden, über die Dinge, wenn man doch dazu nur die Gedanken hat, die erklärtermaßen von den Dingen abweichen? Selbst wenn man irgendein Ding genauestens untersucht und zu noch so vielen Schlüssen gelangt … was man im Geist bewegt kann doch nach diesem Weltbild immer nur eine unvollkommene Widerspiegelung sein, nie das Ding „an sich“. Das Ding „an sich“ – also jenes Ding jenseits der Gedanken, von dem Immanuel Kant fand, es sei nicht beschreibbar, wenngleich es wohl vorhanden sein müsse.

Am Ende muss man fragen: „Gibt“ es die Dinge überhaupt, jenseits des Denkens?

Es ist das Wesen der materialistischen Weltanschauung zu sagen, dass die Dinge jenseits des Geistes, getrennt von ihm existieren; sie sagt auf die gestellte Frage: „selbstverständlich!“

Es ist hingegen das Wesen der spirealistischen Weltanschauung, die gestellte Frage zu verneinen. Sie sagt: Die materialistische Vorstellung von Existenz ist falsch. Die Dinge und das Denken an die Dinge sind nicht zweierlei.

Was gegen die materialistische Anschauung spricht

Wir finden nirgendwo einen Beweis für die existierende Außenwelt

In diesem Blog oft genug angeführt wurde (so dass ich es nicht wiederholen möchte) die vergebliche Suche nach dem Ding „an sich“. Also das Begreifen dieses legendären Dinges, das außerhalb des Bewusstseins liegen soll. Um dessen eigentliche Existenz zu begreifen, hätten wir aber wiederum „nur“ das Bewusstsein – also die Gedanken.

Der Versuch, das Ding „an sich“ (exemplarisch verstanden, als die von uns getrennte Außenwelt) zu begreifen, scheitert.  Weil dieser Versuch scheitert, darf man sagen, dass wir die Existenz einer vom Geist getrennten materiellen Außenwelt nur annehmen.

Aber – eigentlich nehmen wir sie nicht nur an, wir setzen sie voraus. Als fundamentalste Basis unseres Denkens steckt diese Annahme in der Sprache und im Denken.

Sinnesorgane als Grund für Materialismus – Umkehr der Kausalität

Problem: Es scheint geradezu absurd, zu behaupten, die Dinge seien nicht „da“ – wozu sind dann wohl die Sinnesorgane da, die uns von den Dingen doch erst Kunde geben?

Gegenfrage: Wenn die Dinge nicht so „da“ sind, wie wir vermuten, warum sollte dann für die Sinnesorgane etwas anderes gelten? Warum sollten sie „da“ sein? Auch sie müssten doch Elemente des Geistes sein, wenn wir von den Dingen reden, und der eigentlich unumgänglichen Tatsache, dass die Dinge im Geist existieren. Schließlich sind Mund, Nase, Ohren auch solche Dinge, nach denen wir in der Eingangsfrage fragten.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Sinnesorgane lassen nicht den Schluss zu, dass die Sinnesorgane ein objektives Bild einer Außenwelt zeichnen

Es ist eigentlich sehr banal, muss aber dennoch in die Erinnerung zurückgebracht werden:  – die Sinnesorgane haben keinen „direkten Draht“ zu den Dingen.

Dass sie etwas abbilden ist die materialistische Sicht. Aber auch demnach würden sie ja nur ein Bild liefern – ein Zerrbild. Denn das Bild und das abzubildende Ding sind wiederum zweierlei.

Umso erstaunlicher für die materialistische Wissenschaft festzustellen, dass das Auge z.B. keine objektiven Farben im Außen vorfindet, sondern diese werden im Denken konstruiert. Als Phantasieprodukt helfen die Farben sozusagen, die Dinge zu unterscheiden, die das geistige Auge „sieht“.

Und beim Hören beispielsweise kommen die Dinge ja nicht zu uns, indem wir von ihnen hören, sondern wir hören andere Menschen über Dinge sprechen, und dann sind die Dinge ja ebenfalls „bei uns“ … also im Geiste. Auch das ist offenbar ein Weg, Dinge wahrzunehmen.

Das Untersuchen von Dingen ist das Erschaffen anderer Dinge

Unsere Methode, die Dinge zu untersuchen ist nicht, dass wir die Dinge in ihrer Gesamtheit besser begreifen.

Bei einem Motor, den wir selbst erschufen, folgt das Zerlegen in seine Teile nach unserer Logik. Aber bei den natürlichen Dingen ist unsere Methode ebenfalls das Zerlegen der Dinge in wieder andere Dinge. So, als wäre auch das ein Motor, den wir selbst erst kurz vorher zusammengebaut haben. Doch – verstehen wir die Kausalität der Natur, oder nur unsere eigene? Wie kommen wir darauf, wir würden überall unsere Vorstellung von Kausalität wiederfinden? Wie kommen wir darauf, dass wir die Gedanken der Natur mit der materialistischen Wissenschaft nachvollziehen?

Nein, wir vollziehen nicht nach, wir erschaffen – auch hier!

Wir erschaffen Dinge, die es im eigentlichen Sinn gar nicht „geben“ kann. Man denke an das Atom, das, wie früher vermutet, „letzte Ding“, vielleicht sogar Ding „an sich“. Früher dachte man, dass hier die Kette aller kausalen Zusammenhänge enden müsse.

Weiterlesen:  ‚Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.‘

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind Teil der Schöpfung, nicht ihre Widerspiegelung.
Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind Teil der Schöpfung, nicht ihre Widerspiegelung.

Und so wurde das Atom gefunden (erfunden). Es ist ein assoziatives Gesetz, dass wir immer finden was wir suchen. Das gilt auch für das so apostrophierte Außen. Man kennt dieses Gesetz aus der spirituellen Welt als Gesetz der Anziehung. Paul Watzlawick formulierte es so:

„Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“

Der letzte Beweis für all unsere Theorien ist, dass sie sich aufeinander beziehen und, miteinander kombiniert, irgendwie funktionieren. Aber sie funktionieren nur miteinander, weil sie sich untereinander grundlegend unterscheiden. Im Grunde sind Chemie, Physik, Biologie verschiedene Weltanschauungen, die eigentlich nicht zusammenpassen, und deshalb den Wunsch nach einer Weltformel laut werden lassen.

Jedenfalls aber beweist keine unserer Theorien die Existenz von Dingen „an sich“, oder sagen wir: die Existenz einer Außenwelt, die unabhängig von uns wäre. 

Umgekehrt ist es so, dass gerade Wissenschaftler in der Teilchenphysik die größten Zweifel daran haben, dass ihre Vorstellungen von den Dingen (Teilchen) und die „tatsächlichen Dinge“ etwas miteinander zu tun haben. Denn das, was sie am aller notwendigsten zu finden hoffen, nämlich das letzte greifbare Teilchen, finden sie nicht.  Statt dessen finden sie, was ihnen weltanschaulich nicht gelegen kommt: Wahrscheinlichkeit. Ich beschrieb das in „Alles ist Geist„.

„Das Denken erschafft“ – eine Erfahrung, die jedem zugänglich ist

Ebenso beschrieb ich dort die für mich ganz persönlich zuerst verblüffende Tatsache, dass wir Dinge im Denken erschaffen können – die dann für uns „da“ sind, so als wären sie schon immer „da“ gewesen, und eigentlich nicht wegzudenken. Jeder kann diese Erfahrung an sich selbst machen. Der unmittelbarste Weg diese Erfahrung zu machen ist, Glauben zu suchen und ihn zu erlangen.

Lesen Sie auch:  ‚Glaube Liebe Hoffnung – ohne Glauben geht nichts‘

Aber man kann das auch in einem ganz allgemeinen Sinn überlegen, wenn man bedenkt, dass die allermeisten Begriffe, von denen wir ständig reden, ja nicht in eigentlichen Sinne „da“ sind. Man denke einfach an die Vergangenheit und die Zukunft, an Grenzen, an die Liebe,  an die Zahlen 1,2,3, etc… Oder man denke auch an das Atom. Im eigentlichen Sinne „da“ ist es nicht. Niemand hat es je gesehen, niemand kann es wiegen. Wie gesagt haben insbesondere Atomphysiker starke Zweifel an seinem (Vorhanden-)Sein.

Welche Notwendigkeit gibt es für Materialismus?

Der Kerngedanke des Materialismus ist: Hier ist Geist (der Mensch), dort Materie. Geist beobachtet Materie. Materie als der Inbegriff einer vom Menschen getrennten Außenwelt.

Aber: Welche Notwendigkeit gibt es, dass man an eine vom Menschen getrennte Außenwelt glauben muss?

Der Spirealismus sagt: Keine. 

Das Wort „Glaube“ versteht der Materialismus falsch. Unser Wissen ist selbst ein Glaube. Was wir von der Welt kennen basiert auf Glaube. Warum? Weil sich Wissen letztlich an keinem objektiven Ding, an keinem Ding „an sich“, beweisen kann. Somit ist Wissen jeglicher Art, und sei es das aller-wissenschaftlichste Wissen, auf Fragen zurückgeworfen wie: Wo findet man nun das Ding an sich? Wo ist das Atom? Man kann es nicht selbst, sondern nur Spuren davon in Nebelkammern beobachten … Dies ist ähnlich der Frage, mit der man Gläubige oft konfrontiert: Wo findest du Gott – hinter welcher (Phantasie-)Wolke verbirgt er sich?

Das Atom findet man nicht selbst, sondern nur Spuren in Nebelkammern. Was beobachtet man da? Es sind Spuren von Theorien, die man beobachtet. Einstein bemerkte einmal, es bestimme erst die Theorie, was man beobachten könne.

Die Antwort auf die Fragen „Wo findest du das Atom?“ und auch „Wo findest du Gott?“ ist jeweils: Im Geist. In den Gedanken.

Der Spirealismus löst sich vom Glauben

So gesehen löst sich der Spirealismus von einem Glauben, und zwar von dem Glauben des Materialismus.

Der Spirealismus sagt zwar nicht, wir kämen ohne Glauben aus (oder sollte ich sagen „Wissen“?). Aber wir haben doch, wenn wir den Glauben als solches erkennen, ein besseres Verständnis dafür, dass die Welt im Geiste liegt, und dass es durchaus (auch) an uns ist, die Welt im Geiste zu formen.

Wir können an vieles glauben – ebenso vielfältig kann im Prinzip auch das wissenschaftliche Wissen sein. Dass es nur ein „richtiges Wissen“ gäbe, und nur eines geben könne, ist Folklore. Diese Aussage basiert auf der Annahme, es gäbe auch nur ein richtiges Außen (Materie), das der Geist beobachten würde …. dies ist aber „nur“ ein Glaube – dieser spezifische Glaube gehört zum materialistischen Weltbild.

Es gibt ein Problem: der materialistische Glaube ist so fest verwurzelt in unserer Sprache, in unseren Vorstellungen, dass es (fast!) unmöglich ist, jenseits dieses Glaubens zu denken. Aber das ist ja das Wesen jeden festen Glaubens. Der Spirealismus jedenfalls hängt diesem Glauben nicht an.

Thema: Artikel ‚Spirituelles Erwachen – Chance für die Menschheit‘

 

Sind die Gedanken bei den Dingen? Ist das Denken von den Dingen gleich den Dingen? was last modified: Oktober 30th, 2016 by Henrik Geyer