Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen.

Freiheit wird oft so verstanden, als sei es ein grenzenlos vorhandenes Gut. So als sei Freiheit nicht verbunden mit Grenzen. Ich will einige Aspekte aufzeigen, die verständlich machen, dass das nicht so ist. Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen.

Die Relativität der Freiheit

Es ist ein Grundverständnis des Spirealismus, dass es ganz einfache, dem Kosmos zugrunde liegende Prinzipien gibt. Das eine kann nicht das andere sein. Aber das eine kann auch nicht ohne das andere sein.

Anders gesagt: Was wäre die Freiheit ohne die Tyrannei? Was wäre der Unterdrückte ohne den Tyrannen, der ihn unterdrückt? Was wäre der Freie ohne den Tyrannen? Und so weiter.

Oder ganz alltäglich… was wäre das Bild eines Vogels, der so frei ist wie der Wind, ohne die Vorstellung eines Vogels, der eingesperrt ist, in einen Drahtkäfig?

Unsere Welten der Vorstellung beinhalten immer das eine und andere. Im Verständnis des Spirealismus entsteht das eine geradezu aus dem anderen – das eine gibt es nur mit dem anderen. Das gilt auch für Freiheit und seinen Gegenpol, die Tyrannei.

Die Grenze eines Dinges ist gleichzeitig die Grenze eines anderen
Anaximander, griechischer Philosoph

Alles ist begrenzt

Wenn auch unsere nie enden wollenden Vorstellungen uns suggerieren, es gäbe das Unendliche – und wo Unendlichkeit vorherrscht, kann es ja nicht wirklich Enge geben – muss man doch feststellen: es „gibt“ das Unendliche für uns Menschen nicht. Die Unendlichkeit ist für uns Menschen das, „womit wir nicht fertig werden“ (Plato), und somit etwas, was wir nicht im eigentlichen Sinn erleben können.

Vielmehr ist jeder Begriff, den das Denken formen kann, geprägt durch Ähnlichkeiten und Gleichheit, aber auch durch Abgrenzung. Es gibt keinen Menschen, keinen Begriff, kein Tier, keine Entfernung, die unbegrenzt sein könnte. Denn Grenzen bedeuten Definiertheit.

Man denke allein an den Begriff des Unendlichen. Auch er unterscheidet sich von anderen Begriffen, grenzt sich ab.

Weiterlesen: Beitrag Was ist von Grenzenlosigkeit zu halten?

Die FDP und die Frage nach den Grenzen

Man mag das für eine philosophische Spitzfindigkeit halten, jedoch ist diese Frage von äußerster Wichtigkeit.

Ich führe das Beispiel der FDP an, der Freien Demokratischen Partei Deutschlands. Freiheit – das klingt gut! Doch was ist das?

Die FDP war stets zerrissen von den vielfältigen, einander widersprechenden Vorstellungen. National-Liberalismus versus Freiheit, verstanden als Multikulti. Freiheit von Kriminellen vs Freiheit der Bürger, die unfreier werden, wenn sie Kriminalität fürchten müssen.

Oder ein weiteres Beispiel: die größtmögliche Freiheit der Industrie (dies war ja immer ein wichtiger parteipolitischer Schwerpunkt der FDP) steht auch in einem Gegensatz zu einer anderen Freiheit – und zwar der ökologischen Freiheit der Menschen, die nicht nur Geld verdienen wollen, sondern auch eine saubere und unverbaute Umwelt genießen möchten. Geld ist schließlich kein Selbstzweck.

Oder das grundsätzliche Verständnis: Die Freiheit einer Denkrichtung wird begrenzt durch die Freiheit einer anderen Denkrichtung. Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen.

Wenn man, wie es nach meinem Dafürhalten die FDP tat, einen attraktiven Begriff wie die Freiheit zwar im Namen führt, aber nie versucht, es (für sich) spezifisch zu definieren, und zwar unter Einbeziehung des Wortes Unfreiheit, dann führt das zu parteipolitischer Beliebigkeit und letztlich Bedeutungslosigkeit.

Soweit ich es erlebte, hat sich der Kurs der Partei immer im tagespolitischen Streit gebildet – man hat sie als Klientel-Partei bezeichnet, und sie hat eine gewisse Rolle gespielt in den machttaktischen Überlegungen der CDU für viele Jahre (sprich: als Koalitionspartner). Aber wofür die FDP eigentlich steht, weiß ich bis heute nicht so recht.

Freiheit und Tyrannei: Das ewig wechselnde Motiv

Freiheit und Tyrannei wechseln sich in einem ewigen Kreislauf ab.

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
Sokrates

Die Jugend „von heute“ (in jedem Zeitalter) erscheint wie die Tyrannei des Althergebrachten.

Der strahlende Sieger von heute wird durch seine Siege zum Tyrannen des Morgen. Das ewig sich wechselnde Motiv von Freiheit und Tyrannei, als eine Variation von These und Antithese, die zur Synthese gelangt, kann nie enden. Denn es ist ein kosmisches Prinzip.

Ein Tyrann kann unzählige Menschen töten, nur seinen Nachfolger nicht.
Seneca

Freiheit und Tyrannei sind verbunden, bereits durch die allumfassende Kommunikation. Man stelle sich zwei Menschen vor, die durch Ketten (Kommunikation) aneinander gebunden sind. Sie können nur gemeinsam gehen, es ist nur eine gemeinsame Richtung möglich. Die Zielvorstellungen des Einen begrenzen die Ziele des Anderen. Oder können wir die Kommunikation einfach beenden? Das könnte man nur, wenn man Kommunikation als etwas eingegrenztes sieht. Der Spirealismus sieht Kommunikation hingegen als allumfassend an – sie kann nie „unterbrochen“ werden. Unser Blick auf die Welt ist bereits Kommunikation, weil alles Relation ist.

Die größtmögliche Freiheit, und damit die Überwindung von Tyrannei, ist das Übereinstimmen der Ziele; Das bewusste Herbeiführen des Kompromisses. Es ist das (harmonische) Bilden der Synthese, aus These und Antithese. Es ist das Prinzip der Demokratie. Es ist das Zulassen der Pole – ihre Verbindung im Widerspruch. Es ist Verständnis aus Bewusstheit.

 

Siehe auch: Artikel Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit

Siehe auch: Beitrag Genügsam Sein – zufrieden sein – frei sein

Die Freiheit des einen ist die Tyrannei des anderen was last modified: Mai 25th, 2016 by Henrik Geyer

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit. Film Bruder Sonne, Schwester Mond

Bruder Sonne, Schwester Mond

Der Film „Bruder Sonne, Schwester Mond“ beschreibt Momente aus dem Leben des heiligen Franz von Assisi, dem Begründer des Mönchsordens der Franziskaner.

Francesco (der spätere heilige Franziskus oder Franz von Assisi) wächst im 14. Jahrhundert in Assisi, einer Stadt im italienischen Umbrien auf, als Sohn reicher Kaufleute. Die Teilnahme an einem lokalen  Krieg lässt ihn umdenken. Von nun an möchte er ein Leben nach dem Vorbild Jesu führen. Er entledigt sich allen Besitzes, auch seiner Kleider, und beginnt das Leben eines Bettlers zu führen. Ein Leben, das er sucht.

Frei sein als Thema

Der Film ist ein typisches Produkt der 70er Jahre, ein sehr bewegender und mitreißender Film übrigens, denn sowohl die Schauspieler wie auch der Plot wissen zu überzeugen. Wenn man den Film sieht, fragt man sich, warum scheinbar so wenig aus dieser doch kreativen und der Natur zugewandten Zeit der Hippies und Flower Power ins Heute gerettet wurde.

Fracescos einfache Botschaften sind so rein und wahr, dass sie die Zuschauer (ebenso wie die Menschen im Film)  immer wieder in den Bann schlagen – obwohl sie doch für den materialistisch Denkenden recht ungewohnt und widersinnig klingen.

Das Thema des Films könnte man auch beschreiben als: „Wie kann man frei sein?“

Francescos Antwort ist: Indem man sich befreit, von allem, was einen belastet. Und was einen belastet., das ist nicht nur das, was man nicht will, sondern auch das, von dem man in einer Art Sucht nicht lassen kann – der weltliche Besitz. Frei sein, im Einklang mit Gott und der Natur leben – das ist für Francesco das Lossagen von allem Besitz. Bedürfnislosigkeit.

Mit der Klarheit seiner Aussage und seinem festen Willen, jenseits der Kämpfe und Süchte der materialistischen Gesellschaft zu leben, überzeugt Francesco schließlich auch hohe geistliche Würdenträger (unter ihnen Papst Innocent III, im Film gespielt von Sir Alec Guinness), die selbst schon in einem Dickicht aus Reichtum und Ansprüchen erstarrt sind, und so die ursprüngliche Botschaft des Evangeliums gar nicht mehr wahrnehmen können.

Nimm dir Zeit

Der kongeniale Soundtrack von Donovan tut ein übriges, dass sich die Botschaft des Films erschließt. Zu traumhaften Landschaftsaufnahmen singt Donovan einfühlsame Verse, darunter: Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit.  (aus dem Lied: On this lovely Day)

Von Donovan ist auch der Song „Brother Sun, Sister Moon“, nach dem bekannten Dankgebet des heiligen Franz (Francesco), dem „Sonnengesang“.

Text des Sonnengesangs:

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

 

Wenn du frei sein willst, dann sei es

Der Film weiß zu berühren, durch die Einfachheit seiner Aussage. „Wenn du frei sein willst, dann sei es! Es liegt nur an dir.“

Frei zu sein bedeutet Verzicht – mithin gerade das Gegenteil dessen, was die moderne Gesellschaft als Freiheit definieren würde. Es ist der Gegenentwurf zu unserer modernen Vorstellung von Freiheit, die vielleicht eher mit Fernreisen zu tun hat, oder schnellen Autos.
Wertschätzung und Dankbarkeit, die Francesco den „selbstverständlichen“ Dingen gegenüber ausdrückt, wie der Sonne (dem Bruder Sonne), dem Mond (der Schwester Mond), dem Wind (Bruder Wind), sind es, die ihm ein ganz anderes und viel freieres Sehen ermöglichen.

Frei sein, das kann man – als Gottes Kreatur, als ein Teil Gottes, wie eine Zeile aus dem Songtext in Donovans „Bruder Sonne, Schwester Mond“ lautet.

„Bruder Sonne, Schwester Mond“ ist ein Film mit hohem Suchtfaktor, ein wunderschöner Film, und spirituell natürlich sehr empfehlenswert.

 

Zwei schöne Zitate aus dem Film (sinngemäß, nicht wortgetreu wiedergegeben)

Clara zu Francesco: „Als du in den Krieg zogst, nannte man dich normal. Aber jetzt, wo du dir nur noch die Schmetterlinge und Blumen anschaust, sagt man, du seiest verrückt. Ich finde, es ist genau umgekehrt.“

Der Papst zu Francesco (der wissen wollte, worin seine Verfehlungen im Glauben bestehen könnten): „Ihr denkt immer so viel an die ererbte Sünde. Doch denkt auch an die ererbte Unschuld!“

Siehe auch: Apokalypse – Offenbarung. Der ewige Kreislauf der unschuldigen Sünde

Siehe auch: Artikel Definition der Freiheit. Ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden?

Weiterlesen: Bild Gottes: Was ist mein Bild?

Wenn du frei sein willst, nimm dir Zeit was last modified: April 20th, 2016 by Henrik Geyer

Freiheit – Was ist das – und wer gibt uns Freiheit?

Freiheit!

Freiheit! Tun und lassen können, was man will – wer möchte das nicht?

Was heißt Freiheit?

Freiheit von Zwängen

Es gibt so viele Zwänge: gesellschaftliche Zwänge, familiäre Zwänge. Politische Zwänge, kulturelle Zwänge. Monetäre Zwänge. Zwänge nennen wir auch manchmal „Notwendigkeiten“, oder „Verpflichtungen“.

Eine „Verpflichtung“? Ist einzuhalten! Nur der Treulose, Fahrlässige, würde seine Verpflichtungen vernachlässigen. Und doch sind beides, weniger fein unterschieden, auch Zwänge, die unsere Freiheit einschränken.

Freiheit von Notwendigkeit

Verwenden wir das Wort „Notwendigkeit“, klingt das weniger zwanghaft, sondern objektiver. Eine Notwendigkeit ist ein Zwang, der geradezu eine Voraussetzung für unser Hiersein ist. Etwa wie Essen, Trinken. Wir haben hier keine Wahl, sondern müssen – so oder so. Es wäre unvernünftig, gegen die Notwendigkeiten aufzubegehren – sie sind ja nun einmal notwendig.

 

Aber … was genau tun wir eigentlich, OHNE dass eine Notwendigkeit vorliegt? 

Halten wir denn nicht immer für notwendig, was wir tun? Zwang und Notwendigkeit unterscheiden sich nur graduell … Und sind es auch nur kleine, belanglose Handlungen – wir würden sie lassen, wären sie nicht in dem  Moment, da wir sie tun, für uns mit Notwendigkeit verbunden.

Wir sehen: Die Grenze zwischen Notwendigkeit und Zwang – wir ziehen sie selbst. Genau genommen müssen wir wenig bis nichts – wir haben immer die Wahl. Die Grenzen liegen in uns.

 

Spireo-Freiheit-Unser-Leben-ist-wie-das
Unser Leben ist, wie das Ganze, in dem wir enthalten sind, auf eine unbegreifliche Weise aus Freiheit und Notwendigkeit zusammengesetzt.
Johann Wolfgang von Goethe

 

Freiheit von der Meinung anderer

Aus materialistischer Sicht klingt „geistig“ wie „das freie Element“ – das Geistige bewegt sich der materialistischen Vorstellung zu Folge frei um das feste Element (also die Materie) herum.

Aus spirealistischer Sicht hingegen ist das Geistige bedingt (also nicht frei) – und zwar wiederum durch Geistiges.

Konkret: dass wir in der Gegenwart Anderer geistig frei sein können, ist eine Illusion. Man denke nur an das Frei-Sein von negativen Urteilen, die uns einschränken.

Positive Urteile hingegen empfinden wir als befreiend – wir dürfen weiter nach eigenem Gutdünken handeln. Positive Urteile empfinden wir als Adelung unseren Tuns als „vernünftig“, „richtig“, „wahr“. Doch auch dieses Empfinden zeigt uns, wie abhängig wir sind von den geistigen Inhalten anderer.

Die geistigen Inhalte derer, mit von wir umgeben sind, wirken sich unvermeidlich auf uns aus. Frei zu sein von der Meinung anderer ist auch eine Form der Freiheit – eine sehr wichtige sogar.

Siehe auch Artikel zum Thema : Shitstorm Doktor. Wie wichtig ist die Meinung anderer?

Freiheit ist relativ

Frei ist man letztlich in Bezug auf die eigenen Gedanken. Unsere Freiheit hängt ab von unserer Sichtweise auf uns selbst. Man könnte auch sagen: Von unserem Willen. Was wollen wir tun, was nicht? Was erachten wir als notwendig, was nicht? Wir werden freier, wenn wir uns hierüber klar werden.

Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.
Arthur Schopenhauer

Eigentlich sind wir frei zu sagen: „Ich tue was ich will, und zwar aus freien Stücken.“ Natürlich müssen wir die Konsequenzen dessen tragen, was wir tun. Doch allzu gern schieben wir die Verantwortung für das, was uns passiert, irgendwelchen Umständen zu. Indem wir immer wieder so denken und auch immer wieder so reden, werden diese Umstände für uns manifest.

Bedenken wir lieber, dass wir tatsächlich stets die Wahl haben. Wir sagen zwar, wir müssen dies, weil; wir müssen jenes, weil … Aber was müssen wir wirklich? Die „weils“, also die Gründe – es sind unsere Gründe.

Bedenken wir, dass es lediglich eine Annahme ist, dass uns die Konsequenzen dessen, was wir tun könnten überfordern würden. Es ist eine Annahme die wir auf der Basis der Gewohnheiten treffen, die wir immer gewohnt sind, zu tun.

Freiheit und Verantwortlichkeit

Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen sich vor ihr fürchten. (George Bernard Shaw)

Was sucht man, wenn man die Meinung anderer erfragt? Wenn man fragt: „Was soll ich tun?“ Man sucht die Grenzen. man findet die Grenzen des Anderen.

Freiheit heißt auch, frei zu sein von den geistigen Grenzen des Anderen. Frei bleiben – nicht fragen. Man kommt am Ende nicht um die Verantwortung herum, dass das, was einem passiert, aus Freiheit geschehen kann. Und Freiheit bedeutet natürlich, dass alles geschehen kann.

Das Wichtige Wissen sollte aus einem selbst kommen. Was will ich? Was sind meine Entschlüsse und was werde ich tun?

Freiheit ist Verantwortung, für die eigenen Gedanken, für das eigene Tun. Freiheit ist daher nichts, was einfach so zufällt, sondern etwas, das zu nehmen jeder selbst die Verantwortung hat.

Andere können uns keine Freiheit geben. Das können wir nur selbst tun. Wir nehmen sie uns, oder wir tun geistige Freiheit ab, weil wir meinen, wir seien bereits gefangen. Doch wir können wahrnehmen: Die Gefängnisse sind auch in uns.

Siehe auch Artikel zum Thema : Herz und Verstand. Was bedeutet es, auf „das Herz zu hören“?

Siehe auch Artikel zum Thema : ein neues Leben anfangen – wie beginnt man ein neues Leben?

Freiheit – Was ist das – und wer gibt uns Freiheit? was last modified: März 4th, 2016 by Henrik Geyer

Definition der Freiheit. Ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden?

Definition der Freiheit: Eure Freiheit, vergesst es nicht, taugt gerade so viel, als ihr taugt.

Das Problem

Jüngste Terrorakte (in Paris) werden als Angriff auf die Freiheit verstanden. Wenn wir unser Leben ändern müssen, wenn wir uns nicht mehr so frei bewegen können, dann ist unsere Freiheit eingeschränkt. Jedenfalls die Definition der Freiheit, so wie wir sie verstehen – als eine Offenheit und Freizügigkeit der Gesellschaft.

Das Problem ist, dass gerade unsere Auffassung von Freiheit, dass man bis zu einem gewissen Grad alles tun und sagen darf, die Freiheit zu bedrohen scheint. Denn es gibt Menschen, die das ausnutzen, unsere Grenzen übertreten, und dennoch nicht belangt werden können. Denn einer unserer ganz wichtigen Leitsätze ist:

Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden. Rosa Luxemburg

 Freiheit der Definition. Definition der Freiheit.

Es lohnt sich, ein wenig über die Freiheit nachzudenken – wie man sie definiert, was sie ist, wie sie in die Welt kommt.

Ich schrieb einmal einen Beitrag darüber, dass die Gedanken nicht so frei sein dürfen, dass sich Gedanken des Hasses überall ausdrücken und äußern lassen. Denn jede böse Tat, jeder Akt des Unfriedens, äußert sich zuerst als Gedanke. Wir sind wehrlos, wenn wir jeden Gedanken zulassen. Ein Herr schrieb mir daraufhin: „Die Freiheit ist niemals wehrlos dem Hass gegenüber. In ihr (der Freiheit) liegt die eigentliche Stärke, immer und überall allem zu widerstehen.“

Ich fragte: „Sich wehren können bedeutet Einhalt gebieten. Darf man Menschen in ihren Gedanken Einhalt gebieten? Ist die Freiheit wehrlos, wenn man diese Frage nicht beantworten kann? Denn, Hass ist nichts weiter als Gedanken in Menschen.“

Die Freiheit ist ein Gedanke in uns.

Die Freiheit ist ein Gedanke – ebenso wie der Hass.
Wenn wir die Freiheit nicht klar denken, hat sie auch keine Kraft. Der Gedanke der Freiheit kann keine Kraft haben, wenn wir unsere Gedanken verwirren, mit Aussagen wie: Die Freiheit habe immer Kraft, oder sei immer frei. Daher stimmt für mich auch nicht der Satz, die Freiheit sei immer die Freiheit der Andersdenkenden. Immer? Auch die Freiheit der Andersdenkenden muss enden.  Oder sind Hassprediger vielleicht keine Andersdenkende, deren Freiheit enden muss? Hätte Hitler heute alle Freiheit, weil er ein Andersdenkender ist?
An dem berühmten Zitat Rosa Luxemburgs stimmt natürlich auch so manches. sie war zweifellos eine kluge Frau – und ihr lag die Freiheit im besten Sinn wirklich am Herzen. Gerade an dem Luxemburg-Zitat sieht man, dass die Aussage eines Satzes zu verschiedenen Zeiten ganz verschieden aufgefasst werden kann, selbst wenn die Worte gleich bleiben. Aber all das zu erörtern muss einem anderen Beitrag vorbehalten bleiben. Wenn wir von unserer Freiheit reden, die wir schützen wollen – wogegen wollen wir sie schützen, wenn nicht gegen die Angriffe von … anderen? Von Andersdenkenden?

Definition der Freiheit – schwierig und nie pauschal

Pauschale Aussagen sind beliebt, sie sind so einfach, und scheinen dadurch Macht zu haben. Doch sie nehmen auch Kraft und verwirren. Nur wenn wir klug definieren, genau überlegen, erhalten wir Gedanken von einigem Wert.

Eure Freiheit, vergesst es nicht, taugt gerade so viel, als ihr taugt. (A. Vinet)

Leider ist es so – wir werden nie aufhören uns darum zu streiten, welche Definition von Freiheit denn „klug“ ist. Dennoch ist es eine Überlegung von einigem Wert, wenn man begreift, dass Freiheit nichts anderes ist, als unser Verständnis von ihr, und dass es auf den Streit um dieses Verständnis eben ankommt.

Nichts ist „immer“ und auch die Freiheit hat nicht als bloßes Wort Kraft. Sie hat Kraft, wenn wir sie richtig denken – nur durch uns kommt sie in die Welt. Das bedeutet, welche Freiheit wir haben, hängt von unserer Definition der Freiheit ab, wie klug und wie scharf wir sie denken können.

Freiheit hängt somit auch von Abgrenzung ab, denn Freiheit bedeutet gerade nicht, jeden brutalen und hässlichen Gedanken frei sein zu lassen. Die Freiheit verschwindet, wenn man sie nicht gegen Andersdenkende verteidigt.

 

Definition der Freiheit. Ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden? was last modified: November 30th, 2015 by Henrik Geyer

Freiheit der Gedanken. Wie frei und gleich können Andersdenkende sein? Eine spirituelle Betrachtung.

Andersdenkende: Was unterscheidet die Menschen und was macht sie gleich?

Heute muss man Terror zur Kenntnis nehmen, und man schaut zu, wenn Hassprediger im freiheitlichen Staat tun was sie wollen. Zu oft wird gesagt, die Freiheit insbesondere der Gedanken sei ein hohes Gut – man könne demzufolge nichts tun, solange sich der hasserfüllte Gedanke nicht in einem tatsächlichen Gewaltakt Bahn bricht. Andersdenkende sind zu schützen.

Man fragt sich (als spiritueller Mensch): Ist es spirituell, alles zuzulassen? Friede sei mit dem Andersdenkenden – und zwar in jeder Hinsicht?
Wie absolut ist eigentlich die Freiheit der Gedanken, wie absolut darf sie sein?

Andersdenkende – was die Menschen in ihrer Verschiedenheit definiert

Für mich macht insbesondere der Geist die Unterschiedlichkeit der Menschen aus – ihr Denken. Zu fordern, man solle jedes Denken von  Andersdenkenden tolerieren, ist für mich die Forderung, alles andere im eigenen Leben integrieren zu wollen oder zu können. Und – was ist „anders“? „Anders“ als das Eine ist alles. Will man wirklich pauschal „anders“, will man alles?

Menschen suchen die Gleichheit in der Unendlichkeit des Alles

Das entspräche keiner Lebenserfahrung. Es kann dem Einzelnen nicht gleichgültig sein, mit welchen Leuten, mit welchem Denken, er sich in Verbindung bringt. Jeder Mensch setzt sich in Verbindung mit Denken, dem er selbst zuneigt. Er vermeidet das Denken in Kategorien, die er sich für sich selbst nicht wünscht. Ob man das nun gut oder schlecht findet – es ist so.

Wer Frieden möchte, geht weder zu gewalttätigen Menschen, noch lässt er es zu, dass ihre Welt in die eigene einbricht. Er hält sich von ihnen fern, verhält sich restriktiv, nicht offen.

Gerade jene, die vorgeben alles integrieren zu wollen oder zu können, liefern nicht den Beweis, dass das möglich wäre. Grenzen sie ihr Denken denn nicht ab? Können und wollen sie jedes Denken tolerieren? Natürlich nicht.

Man muss einfach zur Kenntnis nehmen: Unter Menschen gibt es keine völlige Freiheit des Denkens. Das Einzelne kann nicht zugleich Alles sein. Es muss sich auch abgrenzen.
„Anders“ ist nicht „gleich“. Man definiert sich durch die Gemeinsamkeit – das ist das wichtige Prinzip, Andersdenkende zu tolerieren. Man definiert sich aber mindestens im gleichen Maße auch durch die Verschiedenheit, durch Abgrenzung. Auch Abgrenzung ist wichtig. Dem einen Prinzip gegenüber dem anderen eine Absolutheit zuzuschreiben, ist unmöglich, und muss an der Realität scheitern.

Der Staat ist nichts völlig Anderes als der Einzelne.

Wenn es um Staatsräson geht, also um die allgemeinen Regeln des Staates, dann heißt es oft, was irgendwo im Staat gedacht wird, muss den Politiker nicht berühren, muss den Bürger nicht berühren; oft meint man sogar, es ginge den Einzelnen gar nichts an!

Aber – besteht denn der Staat nicht aus den Bürgern? Wo würde man beim Einzelnen das Prinzip finden, er müsse alles integrieren, ohne auch das Prinzip der Abgrenzung von Andersdenkenden? Die Illusion, der Staat könne das tun, was sonst niemand kann, d.h. er könne Beliebiges integrieren, kommt vielleicht aus der Wahrnehmung, dass man sich selbst nicht mit dem Andersdenken auseinandersetzen muss – der Staat ist ja groß.

Aber, dieses Denken stößt bei den konkreten Menschen an eine Grenze – irgendjemand muss sich dann doch mit dem Konkreten auseinandersetzen.

Daher muss, was für den Einzelnen selbstverständlich ist, der Staat ebenso beachten. Der Staat kann nur funktionieren, wenn er die Gemeinsamkeit fördert, wenn er integriert, wenn er sich im gleichen Maß aber auch abgrenzt. Sich nicht abzugrenzen bedeutet in der Konsequenz Auflösung.

Eine unrealistische Denkweise, der zufolge man alles tolerieren müsse, dem Staat zurechnen zu wollen, widerspricht dem Denken der Menschen, aus denen sich der Staat formt. Der Staat ist den Regeln der Menschen unterworfen, aus denen er sich formt. Und so muss und darf sich der Staat auch abgrenzen.

Es gibt keine absolute Freiheit des Tuns, und damit auch nicht des Denkens. Denn es kann nichts getan werden, was nicht auch gedacht wird.

Was getan wird, muss gedacht sein. Auch Gewaltakte jeglicher Art – sie entstehen in Gedanken. In Gedanken werden sie durchgeführt. Man wird zur Kenntnis nehmen müssen, dass Gedanken nicht egal sind. Sie sind nicht unreal, nicht unwirklich, und daher sind gerade sie nicht völlig frei, und waren es nie.

Die Freiheit von humanistischem Denken zu bewahren- das ist ein hohes Gut. Man kann dieses hohe Gut nur bewahren, wenn man es definiert, aber auch in seiner Verschiedenheit von anderem Denken abgrenzt. Und da das Denken in Menschen ist – von Andersdenkenden. Man muss klar sagen was man will, um es zu leben. Was will man annehmen und fördern, und was ist abzulehnen und klar auszugrenzen? Nicht jede Denkrichtung kann im Staat willkommen sein.

 

 

 

Freiheit der Gedanken. Wie frei und gleich können Andersdenkende sein? Eine spirituelle Betrachtung. was last modified: Dezember 2nd, 2015 by Henrik Geyer