Das Äußerliche (die Dinge) versus das „nur Gedachte“. Gedanken zu Existenzialismus

Existenzialismus: Der Mensch ist nichts anderes als sein Entwurf; er existiert nur in dem Maße, als er sich entfaltet. Spireo Spruchbild

Was ist für mich das Wesentliche am Existenzialismus? Ist es die Frage nach Sinn?

Nein. Der Existenzialismus rückt die Existenz des Menschen in den Mittelpunkt, wenn es um die Frage nach dem Wesen der Dinge geht. Die Existenz, der Beobachter also, ist damit entscheidend für das Beobachtete. Die zum Nachdenken anregende Kernfrage lässt sich somit auch wie folgt formulieren: Was sind die Dinge, was ist letztlich das Universum, wenn sie nicht (durch den Menschen) beobachtet werden?

(Der allgegenwärtige Materialismus sieht hier normalerweise keinen Zusammenhang. Die Dinge seien existent, auch ganz ohne Beobachter…)

 Die Frage nach Sinn wird aus einer neuen Perspektive gestellt

Eine wichtige Aussage des Existenzialismus ist die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Seins. Auf der Basis seiner (für seine Zeit) ungewöhnlichen Sichtweise, der Sichtweise des beobachtenden Seins (also der Existenz eines Beobachters in Form eines Menschen), macht der Existenzialismus die Aussage, dass es einen Sinn jenseits der Existenz nicht gibt. Es ist dies eine Weiterentwicklung und interessante Variante der uralten Frage nach der Existenz. Ist die Existenz definiert durch feste Objekte aus Materie in einem Außen, der Geist als beobachtendes Element gegenübersteht? Materie als real, Geist als „nur gedacht“, und damit der Inbegriff dessen, was wir als „nicht wirklich“, und damit unreal ansehen? Oder ist nicht der Beobachter für das Entstehen der Welt entscheidend?

 Fundamentale Frage nach dem Wesen von Existenz

Die Frage nach der Existenz erweist sich als äußerst schwierig für unser Alltagsverständnis. Wir sehen die Dinge immer nur auf eine Art: Sie wären bereits vorhanden, sobald wir sie beobachten. Somit kann sich bereits die Frage nach dem Wesen der Existenz dem Materialisten normalerweise nicht erschließen, denn der Materialismus geht ja davon aus, die Dinge wären unabhängig von uns, in einem Außen, bereits vorhanden. (Wohlgemerkt: ich verstehe unter Materialismus nicht eine gesellschaftspolitische Strömung, und auch keine konsumfreundliche Gesinnung, sondern die Vorstellung, die Dinge existierten außerhalb von uns, sie seien in einem Außen und unabhängig von uns bereits vorhanden. Und, Hand aufs Herz, wer ist denn nicht Materialist – in diesem Sinn?)
Und nun gibt es auf der anderen Seite, wie gesagt, die seit Jahrtausenden immer wieder auftauchende, und ja sehr berechtigte Frage: Was könnten denn diese „Dinge“, vorgestellt als Materie (Stoff) wohl sein, wenn wir sie nicht beobachten? Unterliegen sie denn nicht unserer Sichtweise? Denn wir stellen immer und überall fest: Was wir sehen, was wir wahrnehmen, nehmen wir nur innerhalb der in uns liegenden Möglichkeiten wahr. Die Dinge unterliegen also unserer Sichtweise. Sie lassen sich nie und nirgends auf immer dieselbe Art beobachten.

Der Materialist wird aus seinem Grundverständnis heraus annehmen, dass eine solche Frage nach der Existenz, gestellt aus umgedrehter Blickrichtung – also weg von den Dingen, hin zum Schauenden – falsch gestellt sein muss. Was soll denn der Schauende schon sehen, wenn nicht die Dinge? Die Dinge, die in ihrem Raum, die in ihrem Außen vorhanden sind? Sie sind doch da! Oder etwa nicht? Und was wohl soll mein Geist an den Dingen erfassen, wenn nicht die wahre Existenz der Dinge ?

 

Im Existenzialismus formt sich die Grundfrage nach der Existenz in einer neuen Variation aus – mit neuen Perspektiven, neuen Antworten. Genannt wurde ja schon die im Existenzialismus aufgefrischte Feststellung, dass Sinn durch die Existenz selbst entsteht.

Bekannt sind uns Betrachtungen des Themas gleichwohl bereits, und zwar in mannigfacher Form, seit langer, langer Zeit. Zu nennen sind Äußerungen diverser Philosophen und Naturwissenschaftler, die sich immer wieder um die Frage drehen: Was ist der Gegenstand der Betrachtung ohne den Betrachter? Was ist der Betrachter ohne den Gegenstand der Betrachtung?

Im jahrtausendealten Taoismus ist der Gipfelpunkt der Weisheit die Verschmelzung von Betrachter und Betrachtetem – es ist die Aufhebung der Polarität von Geist und Materie, der Dualität.

Eine dem Taoismus verwandte Aussage macht übrigens interessanterweise Goethe in folgendem Zitat:

Spireo-Existenzialismus-Unser-ganzes-Kunststueck-besteht
Unser ganzes Kunststück besteht darin, daß wir unsere Existenz aufgeben, um zu existieren.
Johann Wolfgang von Goethe

Für mich ist die Aussage dieses Zitates das Aufgeben der Identität (des Glauben an ein Definiert-Sein im Vorhinein) – was sich sogar auf das eigene Ich erstreckt. Wozu soll ein solches Aufgeben gut sein? Um dem Geheimnis  des Seins auf die Spur zu kommen! Denn das Sein – so wie wir es verstehen – ist letztlich das Definiert-Sein von etwas. Und die Definitionen – woher kommen sie, wenn nicht aus uns? Das Kunststück von dem Goethe spricht, ist das Kunststück, die Relativität die in allem liegt, zu erkennen, und damit seinen Frieden zu machen.

 Das „Ding an sich“ – philosophische Näherungen zum Thema Existenz in der Geschichte

Bei Immanuel Kant hat das objektive Außen keinen greifbaren Kern – das „Ding an sich“ ist für den Menschen nicht greifbar, und nicht begreifbar. Dennoch müsse es (zweifellos) vorhanden sein.

Ebenso fragt sich Jean-Paul Sartre, als einer der Hauptvertreter des Existenzialismus, ob es wohl die „Fremdexistenz“ überhaupt gibt – er versteht darunter die Existenz eines fremden Menschen. Angenommen, wir wären denkende Existenzen in einem Computer, oder ein in einem Bassin schwimmendes Gehirn – woher wüssten wir, dass es ein existierendes Außen wirklich gibt? Und auch Sartre kommt zu einem ähnlichen Resultat wie Kant: die Fremdexistenz müsse wohl vorhanden sein… auch wenn es an Beweisen mangelt.

Der Naturphilosoph David Hume drückte seine Überlegung dieser Frage so aus: Der Mensch könne nicht umhin, an die Existenz der Außenwelt zu glauben. Die Natur habe dem Menschen hierin keine Wahl gelassen. In „Alles ist Geist“ frage ich mich.. warum soll die Natur dem Menschen keine Wahl gelassen haben? Die Natur hat kein wie auch immer geartetes Interesse, sich in einem bestimmten Sinn zu präsentieren. Der „zwingende“ und unumgängliche Sinn, muss demnach wohl aus uns selbst kommen…

Zumindest jedoch werden in all diesen Äußerungen namhafter Philosophen, selbst wenn sie immer wieder auf die materielle Außenwelt kommen, die es geben müsse, trotz jeglicher logischer Überlegung, wohlüberlegte Zweifel laut, die am materialistischen Konzept bestehen – und die nach meinem Dafürhalten mehr als berechtigt sind (daher formuliert der Spirealismus auch den kompletten Gegenentwurf).

Und jetzt, zu guter Letzt, kommen auch noch die Resultate der Erforschung der Materie in der Quantenphysik hinzu. Forscher stellen fest: dort, wo nach aller Überlegung innerhalb des materialistischen Weltbildes Eindeutigkeit sein müsste; wo die Objektivität herrschen müsste, die wir im Großen nicht finden konnten – also in den geringsten und aller-kleinsten „Kernen“ der Materie – dort herrscht Wahrscheinlichkeit, Unschärfe, Relativität!

Spirealismus als philosophische Sichtweise, die von einem existenzialistischen Ansatz ausgeht

Der „Spirealismus“ legt dar, dass der Gedanke selbst die Existenz ist, und somit der Inbegriff des Realen. Unser Begreifen von Existenz beinhaltet normalerweise die Vorstellung eines Betrachters, der die in einem Außen befindlichen, existierenden Dinge, beobachtet. Das wäre also die Dualität aus Beobachter und Beobachtetem, aus ich und du, aus „das Selbst“ und „das Fremde“, aus hier und dort. Das Konzept eines Außen ist zwar in jedem Wort unserer Sprache, in jedem Gedanken eingewoben, es lässt sich nur nirgendwo nachweisen. Und letztlich ist es auch gar nicht besonders vernünftig.. man braucht dieses Konzept letztlich nicht, um sich ein funktionierendes Universum vorzustellen. Oder ist uns etwa ein Universum des Außen, das aus einem Urknall hervorgeht.. tatsächlich Erklärung??

Daher drehe ich die Aussage Humes folgendermaßen um: Der Mensch formt in seinen Begriffen die Vorstellung eines von ihm unabhängig existierenden Außen, einer Außenwelt. Wenn der Mensch also, wie Hume sagt „nicht umhin komme“, an die Existenz einer Außenwelt zu glauben, dann deshalb, weil er nur innerhalb seiner Begriffe zu denken vermag.
In „Alles ist Geist“ wird das eine „Denkgrenze“ genannt, und zwar eine Denkgrenze, die aus Wissen besteht. Aus Wissen deshalb, weil es unser unerschütterliches Wissen ist, dass es eine unabhängig von uns existierende Außenwelt geben müsse, auch wenn wir sie gar nicht nachweisen können. Eine rationale Begründung erscheint uns überflüssig – denn: Was sollen wir wissen, jenseits unseres Wissens? Als Grenze ist diese Denkgrenze für uns also unsichtbar, weil die Welt, die wir kennen, und unsere Begriffe von ihr, ein und dasselbe sind.

Tatsächlich aber sind unsere Begriffe von der Welt nicht auf irgendein außerhalb von uns selbst existierendes Außen zurückzuführen, sondern unsere Begriffe entstehen durch… nun ja, durch uns!

Dies entspricht übrigens in seiner Grundaussage etwa der Aussage Schopenhauers, der konstatiert, das die Welt die Welt unseres Denkens ist, und das dies nach allersorgfältigster Überlegung so gesagt werden müsse. Gleichwohl, das wusste Schopenhauer, sei diese Aussage demjenigen, der sie hört, zunächst völlig unverständlich.

In „Alles ist Geist“ beantworte ich die Frage nach der Existenz anders, als es letztlich auch die Existenzialisten tun. Denn der Existenzialismus verliert sich in Deutungen von Begriffen wie Sinn, während doch das Hauptthema, auch für den Existenzialismus, die Frage nach der Existenz selbst sein muss. Verstehen wir die Existenz richtig? Wie könnte man eine Frage nach Sinn beantworten, wenn man die Frage nach den Dingen schon nicht zu stellen vermag? Was ist die Existenz? Was existiert? Was ist etwas Vorhandenes?

In „Alles ist Geist“ wird die Frage nach Existenz so beantwortet: Während wir, wenn wir allein das Wort „Existenz“ denken, oder es nennen, uns etwas vorstellen, was bereits da wäre, ist doch die Existenz tatsächlich etwas, das sich aus uns und durch uns, als Prozess ereignet. Es gibt also keine Existenz in dem Sinne, etwas wäre bereits vorhanden, und wir könnten es auf nur eine einzige Art und Weise beobachten. Und tatsächlich gibt es gar nicht „die Welt“. Sondern es gibt viele Welten – die Welten des individuellen Denkens. Auch das ist, achtsam beobachtet, überall feststellbar. Es ist die einzig immer und überall feststellbare Tatsache : es gibt nichts Objektives.

Der Aussage: Die Ontologie des Materialismus beruhte auf der Illusion, daß man die Art der Existenz, das unmittelbar Faktische der uns umgebenden Welt, auf die Verhältnisse im atomaren Bereich extrapolieren könne. (Werner Heisenberg), stelle ich meine Wahrnehmung gegenüber, dass sich auch „im unmittelbar Faktischen der uns umgebenden Welt“ die objektive Existenz nicht feststellen lässt. Das müssen Kant und Hume beispielsweise ganz ähnlich gesehen haben, sonst wären sie nicht auf den Gedanken gekommen, eben diese Existenz, zu hinterfragen, obwohl sie doch die atomare Welt nicht wie Heisenberg kennen konnten.

Die Aussage, es gäbe nichts Objektives, sondern nur Subjektives, wird gemeinhin (falsch) so verstanden, dass man meint, es gäbe jenseits der individuellen Vorstellungen, jenseits des individuellen Wahrnehmens, noch eine „richtige“, eine objektive Welt. (auch hier wird die Verbindung von Wort und Begreifen eines Weltbildes sichtbar… (Denn: heißt „Wahrnehmen“ nicht normalerweise, etwas in einem Außen Vorhandenes als Information abzurufen?). Der Spirealismus jedenfalls sagt: Es gibt keine im Außen vorhandene, objektive Welt. Die Information formt sich im Augenblick der Wahrnehmung.

In meinem Buch stelle ich dar, wie sich dieser Gedanke in mir entwickelte. Es ist eine Beobachtung meiner Psyche in einer Notlage – und eine Beobachtung der Entwicklung der Begriffe darin. Es ist mein eigenes Erstaunen, dass ich in diesem Buch schildere: mit einer ganz bestimmten Art und Weise des Denkens hängt eine ganz bestimmte Art und Weise der Wahrnehmung der Welt zusammen. Bereits hier ist die Einzigartigkeit der Information in jedem Augenblick wahrzunehmen. Man muss keine Teilchenbeschleuniger bemühen (diese hatte ja übrigens Kant auch nicht zur Verfügung).

 

In meinem Buch stelle ich also die Frage nach dem Wesen der Existenz. Meine Schlussfolgerung, die ich in meinem Buch erläutere, ist: Es gibt kein Materieobjekt, dem eine bestimmte Information vor der Wahrnehmung bereits „anheftet“. Das bedeutet: Wissenschaft – und jeder andere Glaube, den wir haben können, funktionieren aus demselben Grund: Die Welt ist die Welt der Relationen, die Welt der Information, die immer subjektiv und immer einzigartig entsteht. In uns! Es gibt keine davon verschiedene, „objektive“ Welt und keine objektive Existenz.

Warum aber können wir das aber nicht ohne weiteres feststellen? Es muss doch einen guten Grund haben, warum diese Thematik seit Jahrtausenden Philosophen und Naturwissenschaftler bewegt, und dennoch immer wieder in einem materialistischen Sinn beantwortet wird? Ich  nenne es eine Denkgrenze. Der Mensch kann sich nicht außerhalb der eigenen Begriffe bewegen und daher werden wir nie eine Inkongruenz zu unserem eigenen Verständnis feststellen – welches auch immer das ist.

Das Äußerliche (die Dinge) versus das „nur Gedachte“. Gedanken zu Existenzialismus was last modified: Dezember 1st, 2015 by Henrik Geyer

Supersubjektivität

Was ist Supersubjektivität?

Was ist supersubjektiv? Supersubjektivität ist eine Kategorie des Spirealismus, die ausdrückt, dass, da es Objektivität nicht gibt, jede Beobachtung, auch wenn sie von vielen gemacht wird, subjektiv ist und bleibt. Anders gesagt: Auch wenn eine Beobachtung von vielen gemacht wird, bleibt es im kosmischen Maßstab eine mögliche Sichtweise. (Nur den Menschen selbst erscheinen ihre Sichtweisen als notwendig, als unabänderliche Gesetzmäßigkeiten, und so, als müsse jede Erkenntnis mit Notwendigkeit gemacht werden. Denn ihr Bezugssystem der Beweisführung ist in sich geschlossen – menschlich supersubjektiv.)

Supersubjektiv ist die dem Individuum übergeordnete Sichtweise.

Woher der Begriff kommt

Supersubjektivität ist ein Begriff des Spirealismus, der in dem Buch „Alles ist Geist“ von Henrik Geyer verwendet wird. Der Begriff wurde verwendet, weil in „Alles ist Geist“ dargelegt wird, dass es Objektivität nicht gibt.

Also fragt es sich, was gemeint ist, wenn man sagt: Objektiv gesehen sei etwas so und so.

Wenn es Objektivität nicht gibt, dann kann, was heute als objektiv bezeichnet wird, nicht objektiv sein. Dass es Objektivität nicht gibt, ist eine Beobachtung, die viele machen oder machten. Sie wird in „Alles ist Geist“ als eine Beobachtung des Autors geschildert. Das ist keine belanglose Feststellung, sie führt, konsequent durchdacht, zu einer Fülle von Ableitungen. (Das fehlende Objektive führt im Spirealismus zu einer anderen Auffassung des Begriffes „Existenz“. Denn das Objektive ist, mehr noch als ein Wort, das eine Informationsbeziehung zwischen Subjekt und Objekt charakterisiert, mit der Auffassung verbunden, der Mensch (Geist) beobachte das Nicht-Geistige, er beobachte starre Materie-Objekte (die Objekte sind das Objektive) in seinem Außen, von denen er mithilfe seiner Sinnesorgane Informationen „abrufe“. Er rufe Informationen ab, die vorher schon am Objekt vorhanden waren, und die nun in seinem Kopf sind.)

obwohl viele etwas „so sehen“, bleibt es eine subjektive Sichtweise / eine mögliche Sichtweise

Supersubjektivität bezeichnet eine Sichtweise, die der des Einzelnen und dessen subjektiver Sichtweise
übergeordnet ist, aber gleichwohl subjektiv bleibt.

Existenzialismus Es ist unmoeglich zweimal [SPID 905]Objektiv bedeutet „außerhalb und unabhängig des menschlichen Denkens“. Es gibt aber nichts, das sich menschlich denken oder beobachten ließe, dass außerhalb und unabhängig vom menschlichen Denken wäre.

Daher ist alles, was der Mensch „objektiv“ nennt, nicht objektiv. Da gemeinhin das Wort objektiv immer dann verwendet wird, wenn viele Menschen derselben Meinung sind, so, als wäre dies der eindeutige Beweis für eine als feststehend anzusehende Eigenschaft an irgendeinem Objekt des Denkens, bezeichnet das Wort supersubjektiv ebenfalls eine Sichtweise, die viele Menschen gleich haben, die also daher der Sichtweise des Einzelnen übergeordnet ist (super=über), und die dennoch subjektiv bleibt – d.h. also eine mögliche Sichtweise. Eine mögliche Sichtweise, das bedeutet, es ist keine notwendige Sichtweise. Mithin beruht eine solche Wahrnehmung nicht auf Objektivität, d.h., es gibt kein Objekt, von dem diese, so wahrgenommene Information, immer auf gleiche Weise abrufbar wäre bzw. schon vorläge, so dass, welches kosmische Bewusstsein man auch immer heranzöge, stets dieselbe Wahrnehmung gemacht werden müsste.
Ähnliches Thema: Artikel objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?

Und es gibt auch nichts, was irgendein anderes (nichtmenschliches) Subjekt beobachten könnte, was dann objektiv im oben genannten Sinn wäre – also wiederum unabhängig von dessen Subjektivblick beobachtbar. Dies ist das Grundverständnis des Spirealismus. Das wiederum hängt mit dem spirealistischen Verständnis von Information zusammen. Demgemäß entsteht Information im Subjekt und ist in jedem Moment einzigartig. Information ist also in keinem Außen bereits vorhanden, so dass sie vom Menschen nur noch abgelesen werden könnte. Information entsteht erst – durch Beobachtung.

Das Subjekt kann die Subjektivsicht nicht verlassen

Das Subjekt kann die Subjektivsicht nicht verlassen, bedeutet, dass das Individuum nicht selbst die supersubjektive Sichtweise im Eigentlichen einnehmen kann. Zum Beispiel kann man die Existenz einer supersubjektiven Sichtweise im  Munde führen, aber das Subjekt sieht diese supersubjektive Sichtweise dennoch aus Subjektivsicht, kann sich also nicht im eigentlichen Sinn das Supersubjektive zu eigen machen. Beispielsweise kann der einzelne Mensch davon sprechen was die Menschheit will, was sie anstrebt und so weiter, er kann das aber nicht in einer eindeutigen Art und Weise tun. Was die Menschheit ist, oder was die Menschheit will, bleibt, als Aussage eines einzelnen Menschen, dessen subjektive Sicht, auch wenn er meint, als Element dieser Menschheit eine recht gute Aussage darüber treffen zu können, was diese wolle.

Das ist nicht identisch mit der materialistischen Aussage, das Subjekt könne keine objektive Aussage treffen. Denn verbunden mit der materialistischen Sichtweise ist die Vorstellung, der Mensch würde, je mehr objektive „Fakten“ er gewinnt, sich einer objektiven Wahrheit nähern. Dies sieht der Spirealismus grundlegend anders – und hierzu benötigt der Spirealismus auch den Begriff der Supersubjektivität. Denn, wenn es keine Objektivität gibt, dann kann sich der Mensch auch keiner objektiven Wahrheit annähern.

Wenn man sagt, dass das Subjekt seine Subjektivsicht nicht verlassen kann, dann geht das Hand in Hand mit der Vorstellung von Ich-Universen, die immer einzigartig sind, immer voneinander verschieden, und die nicht gegenseitig betretbar oder im materialistischen Sinn gegenseitig „völlig verständlich“ sind.

Und, es führt auch wieder auf die Aussage des Spirealismus zurück, dass es keine zwei völlig gleichen Informationen gibt. Zwei völlig gleiche Informationen, vorgestellt auch als zwei völlig gleiche Dinge, sind dieselbe Information und nicht zwei, bzw. sind dasselbe Ding und nicht zwei Dinge.

Das Individuum wird zu einem übergeordneten Individuum

Aus einer Menge (Menschen), also vielen Ichs, wird ein neues, übergeordetes Ich. Wiederum ein Subjekt, das, und sei die Menge der beteiligten Ichs noch so groß, nichts Objektives feststellen kann. (Dabei ist doch die gängige Auffassung die, dass, wenn hundert Leute etwas feststellen, dies eine objektive Wahrheit sei).

Wo ist dieses Supersubjekt zu beobachten?

Wenn wir davon sprechen aus den Individuen bilde sich ein übergeordetes Individuum, dann fragt es sich, wo dieses Super-Ich, Über-Ich  oder nennen wir es Supersubjekt, denn zu beobachten ist. Man kann es sich ja durchaus wie ein lebendiges Wesen vorstellen …. Und wenn es nicht beobachtbar ist, dann ist es (nach materialistischer Auffassung) auch nicht „vorhanden“ – und mithin stirbt das ganze Supersubjektivitäts-Konzept.

Doch wie gesagt kann das Subjekt seine Subjektivsicht nicht verlassen. Noch einmal zu den Grundsätzen des Spirealismus: Der Spirealismus geht erstens nicht davon aus, dass wir im eigentlichen Sinn etwas „beobachten“ können, also etwas sehen, das unabhängig von uns selbst wäre. Das von uns völlig Unabhängige, das Objektive, ist nicht vorhanden. Vielmehr ist das Sein Kommunikation, Bilden von Relationen – somit ist alles „Andere“ notwendigerweise auch ein Teil von uns. Man kann es auch so sagen: Alles was man begreift, begreift man mithilfe und durch die eigene, einzigartige, individuelle Vorstellungswelt. Man integriert immer in das eigene Ich-Universum; das Äußerliche ist nicht im eigentlichen Sinn begriffen (und existiert in der materialistischen Weise auch nicht).

Ein Beispiel hierzu: Angenommen ein außerirdisches Wesen käme in den Kontakt mit der Menschheit. Würde es die Menschheit als eine riesige Menge von Einzelwesen begreifen, oder als EIN Wesen? Letzteres ist zumindest möglich, es ist sehr gut vorstellbar. Dieser Eindruck entstünde durch das gemeinsame Handeln des Supersubjektes „Menschheit“.

Und dabei käme es gar nicht darauf an, ob es nicht innerhalb des Supersubjektes „Menschheit“ miteinander widerstreitende Strömungen gäbe, ob also die „Menschheit“ wirklich geeint denkt und handelt. Sondern entscheidend wäre der Begriff oder der Eindruck des außerirdischen Wesens, und was, diesem Eindruck gemäß, für dieses Wesen die Menschheit ist. Ein sehr geeintes Denken und Handeln des Supersubjektes würde er als „starken Partner“ oder „starke Opposition“ erleben. Ein sehr in sich widersprüchliches Auftreten würde er als ein Sich-Auflösen, ein Verschwinden des Supersubjektes, erleben …. 

Außerdem kommt es bei dieser Überlegung auch nicht darauf an, ob das hypothetische außerirdische Wesen „wirklich existiert“, damit man dieser Überlegung Glauben schenken kann. Denn dann wären wir ja wieder bei der Frage, ob der Mensch jede mögliche Sichtweise erkennen kann, die es „gibt“. Und wir wären wieder bei der offensichtlichen Tatsache, dass er das nicht kann. Er kann nicht sagen, was das Nichts beinhaltet. Er kann nicht denken, was er nicht denkt. Er kann nicht über das Auskunft geben, was er nicht sieht.

Vielmehr ist für diese Überlegung entscheidend, dass man es in diesem Augenblick selbst denken kann (und dabei kommt es einfach auf die Phantasie desjenigen an), um es als „denkbar“ zu bezeichnen. 

Anders gesagt: Das Individuum Mensch kann nicht genau die Sichtweise eines außerirdischen Lebewesens annehmen, auch nicht die Sichtweise eines Baumes, auch nicht einer Blume, auch nicht die eines Hundes und auch nicht genau die eines Mitmenschen. Was er über die Sichtweise anderer Individuen aussagen kann, ist immer seiner Phantasie überlassen. Dennoch neigt übrigens der Spirealismus nicht dem Solipsismus zu (es gibt nur mich). Der Solipsismus ist dem Spirealismus als Fragestellung fremd, da der Spirealismus einen anderen Existenzbegriff hat, und nicht danach fragen kann, was es gibt. Einen Existenzbegriff in folgendem Sinne: In die Existenz kommt etwas durch den Gedanken daran. Da ein Gedanke einzig und allein mit sich selbst identisch sein kann, nie mit einem anderen, ist die einzig ‚wahre‘ Existenz dieses Gedankens er selbst. Wie also soll ein Gedanke etwas zeigen, das genau gleich etwas anderem ist? Oder, wieder bezogen auf unser Beispiel: Ein außerirdisches Wesen könnte nie genau so denken, wie ich mir seine Gedanken vorstelle. Und ich kann nicht so denken wie ein außerirdisches Wesen. Meine Vorstellung der Gedanken eines außerirdischen Wesens können in dieser Form nur in mir sein.  

Doch ich kann nicht nur nicht so denken wie ein außerirdisches Wesen. Ich kann auch nie genau so denken wie der mir Nächste. So ist es uns in der materialistischen Sichtweise bereits schleierhaft, dass wir das Ich unseres Nächsten („Du“) nie im eigentlichen Sinn „verstehen“ können. (Der Spirealismus erkennt das zwar, die Folge daraus ist aber nicht, dass dem abgeholfen werden kann. Die Folge ist viel mehr, dass man sich der Notwendigkeit des Unterschiedes bewusst wird, der in keiner Weise abzuhelfen ist. Vielmehr ist der Unterschied ein kosmisches Prinzip, das die Welten ins Enstehen bringt.

 

Uns ist das Über-Ich, das aus uns (uns Menschen, oder einer Gruppe von Menschen) entsteht, uns selbst nicht als solches „sichtbar“, alles was wir verstehen können, ist die individuelle Vorstellung des „Wir“, das ein erweitertes „Ich“ ist.

Um das ein wenig zu illustrieren noch ein Beispiel: In das von Ureinwohnern bewohnte Amerika kamen im 16. Jhd. die Weißen als Eroberer. Sie kamen beritten. Die Indianer kannten keine Pferde. Sie nahmen die weißen Reiter als eine Art Centauren (Mischwesen aus Pferd und Mensch) wahr. Dies wurde bekannt, weil Indianer das sagten. Als was aber wird etwas wahrgenommen, wo es keine (mündliche) Kommunikation gibt? Die Antwort ist: Man kann es nicht wissen. Frage: Gibt es überhaupt Kommunikation (In-Beziehung-Setzen) jenseits der menschlichen Wahrnehmungen? Ja. Unser Sein ist Kommunikation. Warum? Weil es nichts Objektives gibt. Wenn es nichts Objektives „gibt“, dann kann das Sein nur Relation sein. Die Relation ist als Verhältnis zu verstehen, zwischen „etwas“ und „etwas anderem“. 

Weiterlesen: Die Zahl Zwei

Ähnliches Thema: Das Eine und das Andere

Das Ich ist ein Supersubjekt

Dies sieht der Spirealismus als ein kosmisches Prinzip an. Man könnte das Prinzip der Supersubjektivität als das hermetische „Alles wird immer wieder Eins“ sehen. Auch wir Menschen unterliegen diesen Prinzipien, denn wie gesagt, wir sind nicht Beobachter eines Prozesses, sondern dessen Element.

Daher kann das, was wir von „der Welt“ wissen (spirealistisch; den Welten, denn die Welt gibt es nicht), unser Bewusstsein, nichts anderes sein als das Ergebnis dieses Prinzips. Das bedeutet, das Ich-Bewusstsein ist das Supersubjekt anderer Subjekte. Anderer Gedanken

weitere Folgerungen

Die Folgen des Gedankens „Supersubjektivität“, mit seiner fehlenden Objektivität sind wiederum von dem Gedankengebäude des Spirealismus nicht zu trennen.

Der Begriff der Supersubjektivität selbst ist zunächst eigentlich logisch und unbestreitbar. Wo gibt es Objektivität? Nirgends. Wo gibt es Subjektivität? Überall. Das Fehlen von Objektivität ist uns schwer vorstellbar, wo es doch das Fundament des materialistischen Denkens ist. In „Alles ist Geist“ nannte ich diese Denkvoraussetzung es eine Denkgrenze, die aus Wissen entsteht. Denn das Objektive selbst unterliegt keinem Hinterfragen (außer in der letztlich wenig beachteteten und unverstandenen Philosophie vielleicht). Das Vorhandensein des Objektiven ist wie gesagt Denkvoraussetzung, Wissen.

Genau dies übrigens, im Umkehrschluss, bedeutet für den Spirealismus einmal mehr, dass für uns existent ist, was wir denken. Und nicht das, was es wirklich „gibt“ in dem Sinne, was es wirklich „gibt“ wäre „da“, auch ohne das wir es denken. Der Spirealismus hat einen anderen Existenzbegriff.

Wie kommt man auf die Vorstellung von Supersubjektivität?

Man kann sich Supersubjektivität in einem Gedankenexperiment eigentlich gut begreiflich machen, wenn man versucht, die menschliche Sichtweise zu verlassen. Man kommt zwangsläufig zu der Überlegung, dass es Objektivität nicht gibt – somit sind unsere menschlichen Sichtweisen immer subjektiv.

Und dann kommt man auf die Frage, was gemeint ist, wenn wir sagen, etwas sei „objektiv“? Ganz offenbar ist es schlicht die Sichtweise vieler – sie nennen wir „objektiv“!

Viele – das sind immer nur die, die wir kennen, nie „alle“. Und niemals ist es eine Sichtweise, die auch jenseits des menschlichen Denkens Gültigkeit hätte, also im  wahrsten Sinn des Wortes „objektiv“ wäre.

 

Supersubjektivität, supersubjektiv, subjektiv und objektiv
supersubjektiv, subjektiv und objektiv

Eine Zwangsläufigkeit dieser Überlegung ist, dass Supersubjektivität etwas bezeichnet, das zwar aus dem Einzelnen besteht, jedoch in keinem Einzelnen ganz zu finden ist. Dies hebt die Vorstellung unserer menschlichen Individualität nebenbei gesagt auf … wir sehen das daran (das nötige Verständnis vorausgesetzt), dass wir uns mit unserem Wahrheitsverständnis immer auf das Supersubjekt berufen – die Mehrheit sagt etwas, oder dieser oder jener (der es wissen muss) sagt etwas. Aus vielen Individuen entsteht ein eigenes Individuum der Vielen, mit eigenen Gedanken, eigener Psychologie (Bsp: „Was ist die Haltung Amerikas in dieser Frage?“) – und umgekehrt ist das Denken der Vielheit in einem, im Individuum. Man denkt an den hermetischen Grundsatz, dass sich das Eine in dem Allem findet, und Alles ist auch in Einem.

Ein Beispiel:

Es erscheint dem Einzelnen unbestreitbar, dass es das Atom gibt. Woher weiß er das? Hat er es gesehen? Nein. Hat es der Nachbar gesehen? Nein. Hat es irgendein Mensch gesehen? Nein.

Woher wissen wir dann, dass es da ist?

Wir setzen es voraus, weil es ein Schluss des materialistischen Weltbildes ist. Es muss da sein, weil die Dinge da sind … der Materialismus glaubt, die Dinge, an die wir denken, seien auch ganz ohne uns „da“.

Und die Dinge bestehen wieder aus Dingen. Und schließlich muss es ein kleinstes Ding geben, genau wie es das Ding gibt, das wir vor uns haben (was immer es sei, ein Baum, ein Haus, etc..) Vor Jahrtausenden wurde im antiken Griechenland der Begriff des Atoms geprägt. Auch wenn die heutige Wissenschaft sagt, dass Atome nicht im eigentlichen Sinn „da“ sind, glaubt doch der Einzelne, es sei unbestreitbar, dass es sie gibt.

 

So hat die Vielzahl der Menschen (auch Vielzahl der längst vergangenen Menschen) nicht etwas gesehen, was „da“ ist, sondern etwas hervorgebracht. Etwas, das dem Supersubjekt nun wie selbstverständlich erscheint – und nicht mehr wegzudenken ist.

 

Hier noch ein Zitat, das eine der Erscheinungsformen von Supersubjektivität gut beschreibt – und unseren ungerechtfertigten Glauben, dass etwas, das Viele so sehen, dann auch endgültig stimmen müsse.

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.
Arthur Schopenhauer

 

Zusammenfassend: Der Begriff Supersubjektivität besagt, dass das Urteil vieler Menschen zusammen nicht objektiv ist, sondern  supersubjektiv.

Supersubjektivität was last modified: Juni 3rd, 2017 by Henrik Geyer