Zufall – Über den Begriff des Zufalls

Zufall - Über den Begriff des Zufalls

Der Zufall ist ein weiterer Begriff des Materialismus, der uns etwas, das wir nicht kennen, wie erkannt erscheinen lässt – und zwar Zufall als Wahrscheinlichkeit. Es ist eine stets wieder auftretende Selbstverständlichkeit, dieses Für-erkannt-Halten des nicht Erkennbaren, aber es ist auch eine Selbstverständlichkeit, die verwundert, wenn man darüber nachdenkt.

Gerade der Begriff des Zufalls lädt zum Nachdenken ein. Warum kommt uns alles, was wir benennen, wie bekannt vor?

Siehe auch Artikel Das Undenkbare. Was ist undenkbar?

So haben wir auch den Zufall eingekreist und er ist jetzt für uns nichts Unbekanntes, sondern etwas Bekanntes. Der Begriff des Zufalls ist mit dem Begriff der Wahrheit verbunden – das Sein ist uns das Wahre; und der (nun gebändigte) Zufall bringt ebenfalls Wahrheit und Sein hervor, in Form des Wahrscheinlichen. So gesehen könnte man die Zukunft wie geklärt ansehen, aber das unerklärliche Element bleibt: der Zufall.

Aspekte des Zufalls

Zufall ist ein Begriff, der uns eigentlich sagt, dass wir den Grund für etwas nicht kennen.

Wir nehmen aber an, dass es für alles einen Grund geben muss. Wir benennen daher, und forschen.. und finden Gründe. Dennoch scheint man den Zufall nicht ausmerzen zu können. Denn wir können nicht für alles Gründe finden. Allein schon, weil die Zahl der möglichen Kausalketten einfach kein Ende nehmen will. Der Zufall verschiebt sich einfach weiter, gemeinsam mit unserem Wissen. Je mehr wir wissen, und damit den Zufall an einem einem Ende ausdünnen, je mehr mögliche Kausalketten eröffnen sich. Der Zufall wandert, gemeinsam mit dem Rand unseres Wissens.

Er ist ein stetiges Element des (Ich – )Universums, man findet ihn stets dort, wo das Bekannte in das Unbekannte übergeht. Er lässt sich nicht überwinden – weil er sich flexibel verschiebt.

der Zufall als das, was wir nicht begründen können

Kann man sagen, es gibt etwas, das wir nie kennen können, und für das wir demzufolge auch keinen Grund finden? Es scheint wie Ketzerei, so etwas zu sagen, da doch der Mensch glaubt, alles wissen und erforschen zu können. Etwas das man nie finden kann? Wie soll das gehen? Wenn es da ist, dann werden wir es doch auch finden, nicht wahr? Das materialistische Weltbild sieht den Menschen als Beobachter all dessen, was da ist – der Materie. Und so gesehen ist auch der Zufall „da“ – indem wir ihn benennen, haben wir ihn auch schon erkannt.

 

Aus spirealistischer Sicht ist die Lage klar, aber ganz anders: „Nein, den Zufall werden wir nie überwinden. Er markiert die unsichtbare, nicht greifbare Grenze zum Unbekannten. Und das Unbekannte eingrenzen – wie soll das gehen?“

Der Zufall ist dem Spirealismus nicht im materialistischen Sinn begreifbar, auch nicht durch den Begriff „Wahrscheinlichkeit“, der Wahrheit suggeriert (das Wort „Begriff“ suggeriert Begreifen). Denn der Zufall hängt ab, besser gesagt, er entsteht, durch eine bestimmte subjektive Sichtweise, die zur Voraussetzung für weiteren Annahmen wird.

Man sehe sich an, wie wissenschaftliche Experimente gemacht werden. Sie kommen nicht ohne Annahmen aus. Daher hängt, was wir beobachten, von dem ab, was wir voraussetzen. Von einer bestimmten Sichtweise, einer Perspektive.

Albert Einstein: »Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.«

Nun sehen wir unsere Annahmen als objektives Wissen an (Wissen also, das wir als völlig eindeutig sehen, als sei es nicht anders denkbar) , und glauben so, unsere Annahmen zu Wahrscheinlichkeit und Zufall seien ebenso objektiv und eindeutig. Dass aber unser Wissen nicht im eigentlichen Sinne objektiv ist, wurde in mehreren Artikeln dargelegt. Wenn unser Wissen, also unsere Denkvoraussetzungen, nicht objektiv sind, können es die Folgerungen daraus auch nicht sein.

Siehe auch Artikel zum Thema : Mengenlehre, Worte, Zahlen. Sind Zahlen objektiver als Worte?

Die mangelnde Objektivität lässt sich im Denkversuch nachweisen, wenn man verschiedene Perspektiven einnimmt. Man muss sozusagen die Phantasie bemühen.

Siehe auch Artikel zum Thema : Was ist Phantasie? Ist Phantasieren nötig – oder nur Spinnerei?

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Den Zufall findet man stets am Rand der Erfahrung,dort, wo das Wissen in das Unbekannte übergeht.
Den Zufall findet man stets am Rand der Erfahrung,dort, wo das Wissen in das Unbekannte übergeht.

Wozu fremde Perspektiven einnehmen?

Es ist eine weitere Eigentümlichkeit des Materialismus, den Menschen und seine Sichtweise als stets im Mittelpunkt zu sehen. Im Zentrum des Wissens, der Logik, überhaupt jeder Vernunft. Daher ist es ihm unnötig, andere  Perspektiven als die eigene einzunehmen. Bzw., solche Phantasien erscheinen absurd, denn der Mensch geht davon aus, nur er selbst habe die einzig gültige Perspektive; wie gesagt, seine Sichtweise sei notwendigerweise objektiv.

Dennoch ist es sinnvoll, wenn man sich vorstellen will, was Zufall überhaupt ist, eine andere Perspektive einzunehmen. Wieder eine subjektive Perspektive, daran ändert sich nichts … einfach eine andere Sichtweise.

Ritt auf dem Asteroiden

Angenommen ein Asteroid schlägt auf der Erde ein. Man wird sagen, dass sei Zufall.

Doch nehmen wir an, wir würden selbst auf dem Asteroiden reiten, und genau sehen, auf welchen Planeten er zusteuert. Würden wir sein Auftreffen dann Zufall nennen? Nein, wir hätten es kommen sehen, und würden sagen, dass dies kein Zufall sei.

Das zeigt: Zufall ist eine Frage der Perspektive.

 

Beispiel Diebstahl

Um den Zufall als eine Frage der Perspektive zu beschreiben, hier noch ein weiteres Beispiel:

Ich gehe durch die Fußgängerzone und mir wird die Brieftasche gestohlen. Ich nenne es „zufällig“ – das Auftreten des Diebes und damit der Diebstahl war nicht vorherzusehen.

Aus der Sicht des Taschendiebes sieht das ganz anders aus. Alle seine Gründe lassen ihn ganz genau darlegen, warum er vor Ort war.

Aus seiner Sicht ist das Auftreten des Bestohlenen, also von mir, reiner Zufall.

Wie viele Perspektiven gibt es?

Nun stellt sich die Frage: wie viele fremde Perspektiven gibt es, die ich kennen müsste, um den Zufall auszumerzen? Die Antwort muss lauten: Für uns unsagbar viele – eine Unendlichkeit. Warum? Weil jede denkbare (andere) Perspektive, von der ich wissen kann, auch mit mir selbst zu tun hat – da sie sich ja auch in irgendeiner Weise auf mich bezieht. Es ist eine Relation. Eine Relation, in der das Ich ein Teil ist, hängt auch vom Ich ab. Somit ist das Ich ebenso der Erzeuger der fremden Perspektive, wie der eigenen. Als Quelle von Perspektiven kann das Ich nicht von einer Endlichkeit von Perspektiven ausgehen. Anders gesagt: Der Zufall lässt sich nicht ausmerzen.

Das ist ganz ähnlich der Aussage, dass die menschliche Perspektive immer subjektiv bleibt – sie ist stets eine Relation zum „Anderen“. Unsere eigene Perspektive ist die einzige, die wir aus dem Innerlichen heraus kennen können. Das „Andere“, worum auch immer es sich dabei handelt, nehmen wir nicht in seiner inneren Gestalt auf, objektiv, als Ding „an sich“ wie Immanuel Kant sagte, sondern wir integrieren es, mit unseren eigenen Begriffen. Allein aus diesem Grund bereits, kann man nicht sagen, man könne jede Fremdperspektive einnehmen. Selbst angenommen die Zahl der Fremdperspektiven wäre begrenzt, würde doch unsere Auffassung von etwas Fremden stets von unserer eigenen, subjektiven Perspektive abhängen – womit wir wieder bei der zwar vorausgesetzten, aber nie findbaren Objektivität sind.

Um es in einem Satz zusammenzufassen: Was nicht objektiv ist, kann man auch als eine Form von Beliebigkeit bezeichnen. Und Beliebigkeit ist und bleibt unvorhersagbar.

Eine Frage der Perspektive

Wenn ich jede Perspektive einnehmen könnte – dann müsste der Zufall verschwinden. Dann hätte ich die Welt erkannt.

Es geht also letztlich wieder um die Frage, ob der Mensch die allein gültige Perspektive hat, eine objektive Sichtweise also, wie er in der materialistischen Sichtweise annimmt.

Jedoch machen die gezeigten Beispiele deutlich, dass dies nicht eintreten kann, weil bereits eine andere subjektive Perspektive eine ganz andere Auffassung von Zufall erzeugt. Und damit eine unzählbare Vielfalt an zufälligen Ereignissen, die wir nicht kennen, und aus systemischen Gründen (unüberwindlichen Gründen also), nie kennen können. Denn wir können aus der Einseitigkeit unserer subjektiven Betrachtung letztlich nicht heraustreten.

Man sieht hier auch, dass der Schlüsselbegriff zum Verständnis des Zufalls wieder das Verständnis von Objektivität ist. Und es wird deutlich, dass der Begriff des Zufalls wichtig ist, im Zusammenhang mit der Frage nach der Erkennbarkeit der Welt. Denn wenn ich den Zufall nicht ausmerzen kann, oder in eine letzte Ecke drängen, dann wird sich das mir Unbegreifliche, zusammen mit allen anderen Begriffen, die es fassen wollen (aber nicht können), einfach nur verschieben. Das Unbegreifliche selbst kann aber nicht enden.

 

Kausalität merzt nur scheinbar den Zufall aus

Siehe auch Artikel zum Thema : Kausalität – was ist das? Über das „Warum“ in der Natur.

Noch einmal das Vorhergesagte aus einer anderen Sichtweise – der Kausalität.

Unsere Vorstellung von Kausalität ist, dass alles einen Grund hat. Einen Grund – das ist wichtig! Nicht zwei, nicht tausend.

Eigentlich nehmen wir wahr, dass es für alles unzählige Gründe gibt, je nachdem, was wir als Denkvoraussetzung annehmen. Doch wir tun diese Beobachtung ab, sie passt nicht in unser Weltbild.

Was hieße das, wenn es für alles unzählbare Gründe gäbe? Dann stellte sich doch die Frage, was überhaupt ein Grund ist. Eine Beliebigkeit etwa? Es geht doch um das Erkennen der einen Welt, nicht unendlicher Welten, mit unendlichen Objekten darin, die unendliche Gründe hätten! Das materialistische Weltbild mit seiner Eindeutigkeit des Außen, seiner Objektivität, würde völlig durcheinander geraten.

Siehe auch: merkwürdig! Die Merwürdigkeiten des Materialismus

Auffassung des Spirealismus

Die Auffassung des Spirealismus ist, dass wir nicht Beobachter der Welt sind. Sondern sie entsteht in diesem Augenblick – (auch) durch uns.

Unsere Feststellungen, unser Wissen, ist subjektives Wissen, und kann nie anders als subjektiv sein, und damit nie anders als relativ zum Anderen. Teil der Relation sind immer wir selbst. Somit fließt die Schöpfung durch uns hindurch, wir sind nicht ihre Beobachter.

In uns wird nicht das Universum abgebildet, sondern wir tragen unzählige Ich-Universen in uns.

Unsere Fragen und auch unsere Antworten sind Teil der Schöpfung und sind selbst schöpferisch. Sie sind keine bloße Widerspiegelung eines von uns unabhängigen Außen.

Siehe auch Artikel zum Thema : Nichts geschieht ohne Grund (nihil fit sine causa). Der Grund „an sich“

 

Zufall – Über den Begriff des Zufalls was last modified: Februar 28th, 2016 by Henrik Geyer

Das Unendliche. Was ist unendlich?

Unendlichkeit. In welchem Sinn ist dies unendlich?

unendlich ist für uns endlich

In oben genannter Grafik wird die Frage gestellt: In welchem Sinn ist das Unendlich-Symbol unendlich?

Es ist nicht-endend, wenn man versucht, mit dem Auge seinen Kurven zu folgen. Denn genau so soll das Unendliche verstanden werden. Der antike Philosoph Plato sagte, dass das Unendliche das sei, „mit dem man nicht fertig wird.“ Und man wird damit nicht fertig, der Schleife bis in die Unendlichkeit zu folgen.
Aber es ist endlich, wenn es als Wort ausgesprochen wird. Es ist endlich, wenn man es als Zeichen sieht. Insofern ist es uns paradox. Es „gibt“ doch das Zeichen! Das Unendliche existiert! Aber als was … und wo? Wofür steht das Zeichen?

Das Symbol ist mit Bedacht so gezeichnet, als eine Schleife, die in Endlosigkeit verfolgt werden kann. Kann? Nein, nicht kann! Diesem „Können“ steht die Endlichkeit des Menschen als fundamentales Prinzip entgegen. Unendlichkeit ist ein paradoxer Begriff der etwas bezeichnet, das sich weder beobachten noch nachweisen lässt.

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Unendlichkeit ist ein paradoxer Begriff, der etwas bezeichnet,das sich weder beobachten noch nachweisen lässt. [SPID 1170]

Das Unendliche muss uns unverständlich sein

Wir verstehen also etwas, und zwar als nicht-endend, das für uns keine Realität erhalten kann. Wir können der Schleife nicht endlos folgen. Das Unendliche muss uns unverständlich bleiben. Haben wir aber das Gefühl, das Unendliche müsse unverstanden bleiben? Ist es nicht vielmehr so, dass wir glauben, es verstanden zu haben? Wir rechnen doch auch damit!! Jede noch so kleine Zahl, multipliziert mit der Unendlichkeit, ergibt unendlich.

Über die Paradoxien, die sich mit der materialistischen Weltanschauung verbinden, habe ich bereits in den Artikeln „das Nichts“ und „das Undenkbare“ geschrieben. Das Unendliche ist ein weiterer Begriff, der im eigentlichen Sinn  keine Existenz haben kann, und dessen Notwendigkeit erst im Spirealismus klar wird.

Die Unendlichkeit – materialistisches Paradox

Normalerweise versteht man die Unendlichkeit als eine von uns (noch) zu erfassende Existenz im Außen. So sehen wir beispielsweise das Universum als unendlich an. Und, so verstanden, ist es uns rätselhaft.

Die Paradoxien sind schnell gefunden. In einem unendlichen Universum gibt es unendlich viele Dinge. Also „ALLES“. Aber – was ist „ALLES“? Alles kann doch in meinem Denken (meinem Ich-Universum) nur das sein, was ich benenne. Was sonst? Keinesfalls was ich NICHT benenne, nicht wahr?

Ich muss es also nur benennen, und es kommt in die uns widersprüchliche Existenz. Wenn ich beispielsweise die unwahrscheinlichste Möglichkeit benenne, beispielsweise, dass es im Universum eine Zivilisation geben könnte, die Nachttöpfe als Hüte trägt – so muss diese (Un-)Wahrscheinlichkeit in einem unendlichen Universum mit Notwendigkeit existieren. Wahrscheinlichkeit: 100 % … irgendwo in der Raumzeit. Genau genommen muss es eine solche Zivilisation unendlich oft geben, denn, wenn es sie einmal gibt, dann könnte es sie auch zweimal geben … und, multipliziert mit unendlich…

So realisiert sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 % was wir uns denken? Sagt das etwas über Zivilisationen mit Nachttopf-Hüten?  Oder etwas über unser Denken?

materialistisches unendlich vs spirealistisches unendlich

Letzteres. Im Materialismus (die Weltanschauung, die glaubt, „die Welt“ sei aus Materie aufgebaut, die wir beobachten) erscheint Unendlichkeit ein im Außen zu findendes Phänomen zu sein, das wir nur noch richtig beschreiben müssen.

Im Spirealismus ist die Unendlichkeit die Quelle der Gedanken – es ist die Unendlichkeit des Möglichen, das Unbestimmte, und damit die Quelle des Seins. Die Menschen jedoch, in ihrer Festgelegtheit, in ihrer Konkretheit, können das Unendliche nicht beobachten.

Nach spirealistischer Auffassung sind die Gedanken die Existenz. Weil die Unendlichkeit in den Möglichkeiten der Gedanken liegt, nicht in äußerlichen Objekten die in ihrer materiellen Existenz festgelegt sind, kann man das Unendliche, das nicht Fertigwerden, an jedem Gegenstand finden, nicht nur in den Weiten des Weltalls.

Jedoch können wir uns über jede Sache nur endlich viele Gedanken machen, sie unter endlich  vielen Aspekten sehen, oder in endlich viele Teilmengen aufteilen. Denn wir selbst sind endlich. Das Unendliche stellt sich uns nur als der Zufall, das Nicht – Bestimmbare dar. Es kann für uns nie ein Ende haben. Denn immer, solange Bewusstsein existiert, muss ein Gedanke dem Gedanken folgen. Der Gedanke selbst aber ist nicht unendlich.

Wir können die Schleife des Unendlich-Symbols verfolgen solange wir wollen, wir werden damit niemals fertig. Wir bleiben endlich. 

Paradox des Unendlichen [SPID 3525]
Paradox des Unendlichen
Das Unendliche. Was ist unendlich? was last modified: August 10th, 2016 by Henrik Geyer

Das Undenkbare. Was ist undenkbar?

Undenkbar? Dies ist nicht das Undenkbare!

Was ist undenkbar, wenn man es doch denken muss, um es auszusprechen?

Wir behandeln das Undenkbare an dieser Stelle ganz ähnlich dem Nichts, das bereits besprochen wurde. Das Undenkbare ist per se nicht denkbar, und dennoch wird es gewohnheitsmäßig in unserer Sprache verwendet. Aber wofür? Wir verwenden das Wort „undenkbar“ sehr häufig, sagen, etwas sei „undenkbar“, wenn wir etwas Schreckliches meinen, oder wenn wir etwas meinen, das wir nicht für uns selbst gelten lassen wollen. Oder für etwas, das wir für unmöglich halten.

Aber im eigentlichen Sinn kann ja nichts undenkbar sein, was wir denken. Nicht wahr?

Gewöhnung an das Paradoxe – Gewohnheit Dinge zu benennen, die es nicht geben kann

Wir können jede Frage, ob es eine Raumstation mit Aliens geben kann, oder ob es einen von intelligenten Würmen bewohnten Planeten geben kann, mit einem „vielleicht“ beantworten.

Aber die Frage, ob es „das Undenkbare“ für uns geben kann, ist nicht so leicht zu beantworten. Was wäre das also – dieses Undenkbare? Die Frage ist von einer anderen Kategorie. Wir müssen diese Frage eigentlich mit einem klaren „Nein!“ beantworten. Warum?

In dem Wort „das Undenkbare“ steckt ein unauflösbarer Widerspruch.  Wir benennen etwas, das es doch nicht geben kann. Das eigentlich Merkwürdige ist aber die Art und Weise, mit der wir diesen Widerspruch übergehen.

Wir meinen bereits durch die Verwendung des Wortes „das Undenkbare“, durch das Benennen also, das Nicht-Denkbare eingegrenzt zu haben. Denn wir verwenden den Begriff „das Undenkbare“ völlig selbstverständlich, benennen damit mal dies, mal jenes….

Was es geben kann, steckt bereits in uns

Wenn wir beherzt sagen würden, es könne (für uns) nichts Undenkbares geben, denn wir können nur über das eine Aussage treffen, was wir auch denken, dann müssten wir ebenso beherzt sagen, dass es keinen keinen von intelligenten Würmern bewohnten Planeten geben kann… wenn wir ihn nur nicht denken. …. aber gilt dasselbe nicht auch für jede beliebige Sache? Auch .. sagen wir..  für Tante Martha? Auch sie kann es nicht geben, wenn wir sie nicht denken…

 

Das Paradox, um das es geht, wurzelt in der materialistischen Vorstellung, dass freier Geist (der Mensch) die in einem Außen festgelegte Materie beobachtet. Doch entsteht im Geistigen erst, aus der Unendlichkeit des Undenkbaren, das Denkbare – indem es gedacht wird.

Der Spirealismus nennt die Gedanken die eigentliche Existenz. Und nur aus dieser Perspektive betrachtet macht der Begriff „das Undenkbare“ Sinn. Denn die selbstverständliche Existenz, die wir dem Begriff „das Undenkbare“ zubilligen, hat jeder in uns entstehende Gedanke. Der Widerspruch, von dem die Rede ist, kommt aus dem im Materialismus steckenden Existenzbegriff.

 

Der Materialismus  geht von einer Existenz aus, die von der Beobachtung, vom Gedanken, völlig unabhängig sei. Wenn er aber eingrenzen will, was es nicht geben kann – wenn er also das Undenkbare benennt und dabei so tut, als wäre es „vorhanden“ und eingrenzbar, bleibt als selbstverständliche Quelle der denkbaren Existenz nur das übrig, was gedacht wird. Und das steht eben im Widerspruch zur materialistischen Vorstellung, die Existenz sei vom Denken unabhängig.

Dass die Quelle des Denkbaren das Undenkbare sein könnte (was also auch auf keinen Fall erfasst werden kann), übergeht der Materialismus geflissentlich. Als Materialist fühlt es sich so an: Man kann es sich nicht vorstellen.

Das Undenkbare wäre – so gesehen – etwas, das der Mensch nicht denkt und nicht denken kann. Im materialistischen Weltbild hingegen steckt etwas ganz anderes, nämlich, dass es nichts geben kann, was der Mensch durch sein Denken nicht erfassen kann. Das Denken sei das Freie, das die außerhalb des Geistes bereits existierende Wirklichkeit abbildet.

Würde der Materialismus feststellen, dass das Undenkbare einfach nicht denkbar ist, wiche er von seiner Grundüberzeugung ab. Dann zeigte dann sehr deutlich seine Widersprüchlichkeit.

Das Undenkbare als die unsichtbare Grenze des Denkens

Der Spirealismus nimmt die Paradoxie des Undenkbaren zur Kenntnis, nimmt sie ernst; hält das Paradox für gegeben und erklärlich.

Die Realität und die Existenz liegen dem Spirealismus zufolge im Denken.  Das Undenkbare ist ein Begriff, der als Begriff für uns Existenz hat. Aber in dem Sinn, wie der Begriff gebraucht werden müsste – als nicht benennbar und nicht eingrenzbar, als nicht aussprechbar (Plato) – wird er nicht gebraucht.

 

 

 

 

 

Das Undenkbare. Was ist undenkbar? was last modified: November 2nd, 2016 by Henrik Geyer

Was ist das Nichts?

Was ist das Nichts? Dies ist nicht das Nichts.

Wo ist das Problem?

Ist „das Nichts“ ETWAS? Ist es das, was ich in diesem Artikel als „das Nichts“ bezeichne?

Nein, das kann es nicht sein. Denn, wenn ich es bezeichne, dann tue ich doch so, als ließe sich das Nichts benennen, eingrenzen.

Doch das lässt es sich nicht. Was muss das Nichts in Wirklichkeit sein? Etwas Unendliches, nicht Benennbares, nicht Denkbares. Es steht im Gegensatz zu all dem, von dem ich sage, dass es IST. Es ist alles das, was das Sein nicht ist.

Wie sollte es also eingrenzbar sein?

Das Andere, das Nichts … ist nicht eingrenzbar und nicht benennbar.

Platos Nicht-Sein

Man kennt eine ähnliche Diskussion aus den Schriften des Philosophen Plato.

Vor  2500 Jahren sagte Plato, dass das Nicht-Seiende weder gültig auszusprechen noch zu sagen noch zu denken sei. Es sei unausdenkbar, unaussprechlich, nicht in Worte zu fassen, begriffslos. Es sei ein Unbegriff, ein Alogon.

Was den Widerspruch noch verstärkt, sei, wenn man dem Nichtseienden eine Zahl hinzufügt, wenn man beispielsweise sagt, es sei „ES“. Also, wenn man von ihm, dem Nichts, in der Einzahl spricht.

Analogien in unseren Worten

Es gibt viele Worte, die in diesem Sinn widersprüchlich sind, wenn sie sich direkt oder indirekt auf „das Nichts“ beziehen. Beispielsweise wie gesagt das Wort „das Andere“, oder „das Unaussprechliche“, „das Undenkbare“, und so weiter.

In  „Alles ist Geist“ komme ich auf diese Paradoxie über das Wort „das Unbewusste“. Auch wenn man von „dem Unbewussten“ spricht, wird etwas bezeichnet, von dem man sagt, es sei nicht bewusst, also nicht im aussprechbaren Denken. Wie kann man es dann aussprechen? Psychologen verstehen die Fragestellung nicht. Meist wird sofort begonnen zu erklären, das Unbewusste sei dies, und dann das… man bemerkt es erst wenn …  etc. Man spricht. Während des Sprechens formt sich das Unbewusste. Aus dem Nicht Bewussten wird das Bewusste; aus dem Nichts, das Nicht-Etwas ist, wird Etwas. Aus dem Nichtsein wird Sein.

der Spirealismus und das Nichts

Das Nichts lässt sich nicht eingrenzen. Plato hatte Recht. Warum spielt Platos Weisheit in der Gegenwart keine Rolle? Warum meinen die Menschen immer, das Nichts sei etwas, dem sie auf der Spur sind, sobald sie anfangen zu sprechen? Der Grund ist, dass unsere materialistische Weltanschauung nahelegt, dass der Mensch in Widerspiegelung von etwas anderem, dieses Andere vollständig erkennen könne. Es erschließt sich uns nicht, dass etwas scheinbar so Schlichtes, etwas so Winziges wie das Nichts, unbegreifbar sein soll. Wir begreifen doch alles! Das Alles ist riesig und das Nichts ist winzig klein. Warum sollten wir also, wenn wir alles begreifen können, gerade das Nichts nicht begreifen?

Der Spirealismus ist eine dem Materialismus entgegengesetzte Denkrichtung. In ihm ist es eine Denkgrundlage, dass der Mensch nicht das alles erkennende Genie ist, das in seinem Denken einen äußerlichen Prozess widerspiegelt. Sondern er ist ein Element eines umfassenden Denkens. Daher kommt, was durch ihn gedacht wird, erst in eine Existenz. Jenseits der Existenz zu denken, liegt daher nicht in seiner Macht, denn er und sein Denken – das ist die Existenz. Insofern erklärt sich das Paradox des Plato. Das Nichts ist für uns nicht zu denken, da wir immer an ETWAS denken.

Den Zusammenhang von Denken und Realisierung, von Denken und Existenz, drückte Paul Watzlawick einmal so aus: „Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung..“

Das alte hermetische Prinzip „Alles ist Geist“ formt der Spirealismus zu: Die Existenz ist die Existenz der Gedanken. Sobald wir vom Nichts sprechen, hat „das Nichts“ eine Existenz in den Gedanken. Und die Gedanken können nichts anderes erfassen, als ETWAS. ETWAS zu denken ist die Existenz. Die Gedanken können nicht NICHT-ETWAS erfassen. Man kann nicht nicht denken. Nichts zu denken ist individuelle Nicht-Existenz, man könnte auch sagen: Nirvana, Tod.

Daher können wir  in Worten nicht sinnvoll „das Nichts“ ausdrücken. Für den Spirealismus ist das Nichts nicht winzig, sondern, im Gegenteil, die Unendlichkeit, eben weil sie nicht eingrenzbar ist. Das Nichts ist die Unendlichkeit, aus der das Sein erwächst.

 

Nebenbei gesagt, ist dies für den Materialismus eine unbefriedigende Auskunft, denn aus seiner Systematik heraus glaubt der Materialismus, der Mensch könne alles denken und prinzipiell alles erkennen. Und was seiner Grundannahme zuwiderläuft, sieht aus der Systematik des Materialismus wie unlogisch aus.

Der Spirealismus bringt insofern ein anderes Menschenbild ins Spiel, von dem aber an anderer Stelle noch die Rede sein wird.

 

Lesen Sie auch: kann das Nichts zugleich alles sein?

Und: das sind doch nur Worte! Woran sich zeigt, dass Worte die Realität sind

Was ist das Nichts? was last modified: Januar 11th, 2016 by Henrik Geyer