C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein

kollektives Unterbewusstsein

Kollektives Unterbewusstsein – was ist das? In diesem Artikel geht es um die Weiterentwicklung der Vorstellung von Bewusstsein und Unterbewusstsein, ausgehend von den Vorstellungen Sigmund Freuds.

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Freud und Jung

C.G. Jung entwickelte die Freudsche Vorstellung weiter. Freud und Jung kannten sich gut. Freud wollte den jungen und talentierten Jung eigentlich als Erbe und Multiplikator seiner eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse gewinnen. Jung hätte dazu die Forschungen Freuds vorbehaltlos studieren und selbst weitertragen müssen. Doch Jung hatte eigene Vorstellungen. Er empfand beispielsweise die Fixiertheit Freuds auf das Sexuelle als falsch. Er sprach sogar davon, Freud habe diesbezüglich eine Neurose. Freud erwiderte das mit eben solchen „Freundlichkeiten“. Das mutet ein wenig komisch an, wenn man sich vorstellt, dass es sich um den Streit zweier Psychiater handelte.

Jung hatte auch nicht die Vorstellung Sigmund Freuds, die Aufgabe des Bewusstseins sei es, das triebhafte Unterbewusstsein unter Kontrolle zu bringen, und es sei umgekehrt auch nicht das Wesen des Unterbewussten, tierische Triebe unter Verschluss zu halten. Er sah die Gedanken des Bewusstseins einfach in den unbewussten Bereich übergehen. Eine besondere, streng vom bewussten Denken zu trennende Qualität, wollte er den unbewussten Gedanken nicht zueignen.

kollektives Unterbewusstsein

Was Jung darüber hinaus feststellte, war, dass es Bilder und Vorstellungen in allen Menschen gibt, die nicht erlernt werden müssen, sondern einfach so „da“ sind. Diese „Archetypen“ – das sind Urbilder der Menschheit, wie zum Beispiel der Weise, oder die Mutter, und viele mehr. Er nannte das kollektives Unterbewusstsein – kollektiv, weil alle dieses (Unter-)Bewusstsein haben, ohne sich verbal abstimmen zu müssen.

Das war auch Jung rätselhaft und interessant, weil es ja nicht mit der Vorstellung des Bewusstseins zusammenpasst, dass der Mensch sich im Bewusstsein erst selbst erkennt. Eigentlich war (und ist) die Vorstellung doch, das der Mensch schon materiell „da“ sei, und das Bewusstsein liefere ihm nun noch ein genaues Bild seiner selbst.

Schon die Entdeckung des Unterbewusstseins selbst war spektakulär. Der Mensch soll sich seines Selbst nicht recht bewusst sein …! Was wissen wir eigentlich NICHT über uns? 

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Nun soll der Mensch im Geistigen auch noch einer gemeinsamen geistigen Quelle entspringen … ! Einer Quelle sogar, die er selbst nicht kennt.

Das war doch merkwürdig! Das sah also so aus, als würde das Bewusstsein (das Geistige) aus etwas geboren, das schon „da“ ist, genau wie der materielle Mensch. Demnach konnte es nicht stimmen, wenn man sich das menschliche Denken so vorstellt, als ginge es aus einem universellem Werkzeugkasten hervor, in Form eines hochentwickelten Gehirns, das individuell erst noch „programmiert“ werden muss. Sondern es schien eher so, als sei das Gehirn bereits programmiert, und zwar mit Inhalten, von denen der Mensch gemeinhin annimmt, er würde sie sich aus eigener Kraft und eigener Genialität selbst aneignen. Ist der Mensch vielleicht gar nicht so frei, wie er glaubt? Ist er wie programmiert?

 

Das Verhältnis des Bewusstseins zum kollektiven Unterbewusstsein ist in der folgenden Grafik abgebildet:

Kollektives Unterbewusstsein / Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer
Das Unbewusste in der Vorstellung C.G.Jungs, als etwas Unter-der-Oberfläche-Liegendes / Bewusstsein wie Inseln im Meer. Kollektives Unterbewusstsein als unsichtbare Verbindung zwischen den Menschen

 

Jung stellte sich das Bewusstsein vor wie Inseln, die aus dem Meer ragen. Sie scheinen getrennt, sind es aber nicht. Was die Inseln verbindet ist unsichtbar, weil es unter der Wasseroberfläche verborgen ist. Das, was Freud das Unterbewusstsein nannte, sah Jung in einen allgemeinen Bereich übergehen – geistige Inhalte, in denen alle Menschen verbunden sind (im Bild der Meeresgrund). Er nannte dies kollektives Unterbewusstsein.

In diesem kollektiven Unterbewusstsein finden sich Begriffe und Geschichten, die jeder kennt (intuitiv), und die nicht erlernt werden müssen. Jung stellte das fest, indem er Worte und Vorstellungen verschiedenster Völker miteinander verglich, und Gleichheiten erkannte.

Sind wir am Ende gar nicht einzeln, sondern wie Zellen eines Körpers, die zusammengehalten werden, von einem uns zusammen-zwingenden Band (kollektives Unterbewusstsein), das wir nur selbst nicht erkennen können?

Siehe auch: ‚Anthropozentrismus – seine Ursache und Funktion‘

C.G. Jung – kollektives Unterbewusstsein was last modified: Februar 20th, 2016 by Henrik Geyer