Lerne zu schweigen, wenn du nichts Rechtes zu sagen weißt

Unsere Welt ist, was wir darüber denken. Daher ist jeder Gedanke an die Welt .. die Welt selbst.

Es ist eine alte Weisheit, sich in seinen Gedanken zu zügeln. Was man denkt, wird zum eigenen Schicksal. Denn, so wie man denkt, so wird man handeln. Man kann es auch so sehen: Was man denkt, das ist bereits das Schicksal. Denn, so wie man denkt, gibt man die Welt wieder, so, wie man sie erlebt. So, wie sie sich schicksalhaft für das Ich geformt hat.

Mehr noch als unsere Gedanken ist, was wir reden, unser Schicksal. Denn der Gedanke ist schnell im Vergleich zum Wort. Was wir reden, haben wir in vielen schnellen Gedanken geformt.

Und, bedenke: Was du redest, das wird auch gehört. Mindestens von dir selbst. Du kennst das, dass dich jemand zu etwas überredete. Dass du von etwas überzeugt wurdest, durch die starke Kraft von Worten. Doch wer wäre überzeugender, als du, dir selbst gegenüber? Daher: Achte auf deine Worte, ob sie sich im Geist bilden, oder ob sie dir über die Lippen kommen; ob du nun allein bist, oder in Gesellschaft.

Bevor wir uns noch unseren Gedanken zuwenden können, und versuchen können, durch sie unsere Welt zu formen, müssen wir auf unser Reden Acht geben. Der erste Schritt ist, dass wir schweigen, wenn uns nichts Rechtes einfällt. Wenn wir nicht zielführend reden können, sondern nur so daher. Wenn wir defätistisch reden – welchen Sinn soll das haben? Wenn wir nur reden, um auch einmal etwas zu sagen, oder um klug zu erscheinen. Wenn wir werten, urteilen, schlecht reden – so zum Smalltalk, oder, weil wir Klatsch lieben.

Mehr nützt es dir, die Dinge offen zu lassen. Nicht werten, so lange die Dinge oder Menschen keine Bewertung benötigen. Dann werden dort, wo du durch Reden Verschlossenheit erzeugen würdest, viele Möglichkeiten bleiben. Möglichkeiten, die Chancen sein können. Möglichkeiten … Dinge, die noch nicht ausgeformt sind und die der Bewertung, des Fest-Werdens, harren. Dann vielleicht in einem von dir gewünschten Sinn.

Lerne zu schweigen, wenn du nichts Rechtes zu sagen weißt was last modified: Januar 19th, 2018 by Henrik Geyer

Vorurteile und Urteile. Was sind Vorurteile?

Vorurteile und Urteile. Was ist ein Vorurteil?

Was sind Vorurteile? Ein Vorurteil ist ein Urteil, das vorschnell ergeht, und für das somit die Vermutung besteht, dass es falsch ist.
Oder es ist bereits falsch, wenn es ausgesprochen wird.

Generaltugend Gerechtigkeit

Eine der vier klassischen Kardinaltugenden ist die Gerechtigkeit. Gerechtigkeit erfordert ein Urteil, denn zu sagen, etwas sei Recht oder Unrecht erfordert eine Beurteilung.

Aus Urteilen erwachsen Vorurteile

Ohne Beurteilung keine Gerechtigkeit, aber durch das Beurteilen entsteht die Gefahr, vorzuverurteilen.

Gerechtigkeit wird sehr schnell zur Selbst-Gerechtigkeit. Das Urteil wird sehr schnell zum Vorurteil.

Bibelzitat: Als eine Frau, die des Ehebruchs überführt war, gesteinigt werden sollte, trat Jesus dazwischen und sagte: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ (Joh 8,7). Dazu muss gesagt werden, dass damals die Steinigung (eine Todesstrafe, bei der der Tod durch das Werfen von Steinen herbeigeführt wird) die anerkannte Form der Gerechtigkeit in einem solchen Fall von Rechtsbruch war. So ist es in manchen Teilen der Welt auch heute noch.

Und dennoch forderte Jesus die Leute auf, zuerst an sich selbst und die eigenen Sünden zu denken, bevor sie das Recht im Außen durchsetzen.

Man denke auch an den Ausspruch Jesu (als jemand einen anderen kritisiert hatte): „Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; darnach erst siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!“ Matthaeus 7:5

Zurückhaltend sein im Urteilen

Aus einer Generaltugend wie Gerechtigkeit wird sehr schnell Sünde – die Sünde vorzuverurteilen.

Daher ist die Generaltugend der Gerechtigkeit verbunden mit der Aristotelischen Auffassung von Tugend – als ein Beachten des rechten Maßes. Mäßigung in allem – das ist die Hauptforderung in einem gelungenen Leben. Mäßigung – das ist die Forderung, auch im Urteilen mäßig zu sein, und sich der Tatsache bewusst zu sein, dass Urteilen sehr schnell zum Vorverurteilen wird.

Unser Leben besteht aus Urteilen

Gleichzeitig müssen wir uns darüber klar sein, dass wir ohne das Beurteilen von richtig und falsch, von gut und böse, von wahr und unwahr, nicht auskommen. Diese Begriffe sind unsere Welt, sie sind verbunden mit der menschlichen Vorstellung von Folgerichtigkeit. Wir können also unsere Vorsicht gegen über vorschnellem Urteilen nie so weit treiben, dass wir ganz ohne Urteile auskommen könnten.

Wir Menschen sind nicht Gott, der ganz ohne Urteile auskäme. Wir müssen urteilen und sind stets in der Gefahr des Vorurteils. Umso wichtiger ist Vorsicht im Urteilen, und zu versuchen, stets das rechte Maß zu wahren.

Vorurteile und Urteile. Was sind Vorurteile? was last modified: Dezember 19th, 2015 by Henrik Geyer