Supersubjektivität

Was ist Supersubjektivität?

Was ist supersubjektiv? Supersubjektivität ist eine Kategorie des Spirealismus, die ausdrückt, dass, da es Objektivität nicht gibt, jede Beobachtung, auch wenn sie von vielen gemacht wird, subjektiv ist und bleibt. Anders gesagt: Auch wenn eine Beobachtung von vielen gemacht wird, bleibt es im kosmischen Maßstab eine mögliche Sichtweise. (Nur den Menschen selbst erscheinen ihre Sichtweisen als notwendig, als unabänderliche Gesetzmäßigkeiten, und so, als müsse jede Erkenntnis mit Notwendigkeit gemacht werden. Denn ihr Bezugssystem der Beweisführung ist in sich geschlossen – menschlich supersubjektiv.)

Supersubjektiv ist die dem Individuum übergeordnete Sichtweise.

Woher der Begriff kommt

Supersubjektivität ist ein Begriff des Spirealismus, der in dem Buch „Alles ist Geist“ von Henrik Geyer verwendet wird. Der Begriff wurde verwendet, weil in „Alles ist Geist“ dargelegt wird, dass es Objektivität nicht gibt.

Also fragt es sich, was gemeint ist, wenn man sagt: Objektiv gesehen sei etwas so und so.

Wenn es Objektivität nicht gibt, dann kann, was heute als objektiv bezeichnet wird, nicht objektiv sein. Dass es Objektivität nicht gibt, ist eine Beobachtung, die viele machen oder machten. Sie wird in „Alles ist Geist“ als eine Beobachtung des Autors geschildert. Das ist keine belanglose Feststellung, sie führt, konsequent durchdacht, zu einer Fülle von Ableitungen. (Das fehlende Objektive führt im Spirealismus zu einer anderen Auffassung des Begriffes „Existenz“. Denn das Objektive ist, mehr noch als ein Wort, das eine Informationsbeziehung zwischen Subjekt und Objekt charakterisiert, mit der Auffassung verbunden, der Mensch (Geist) beobachte das Nicht-Geistige, er beobachte starre Materie-Objekte (die Objekte sind das Objektive) in seinem Außen, von denen er mithilfe seiner Sinnesorgane Informationen „abrufe“. Er rufe Informationen ab, die vorher schon am Objekt vorhanden waren, und die nun in seinem Kopf sind.)

obwohl viele etwas „so sehen“, bleibt es eine subjektive Sichtweise / eine mögliche Sichtweise

Supersubjektivität bezeichnet eine Sichtweise, die der des Einzelnen und dessen subjektiver Sichtweise
übergeordnet ist, aber gleichwohl subjektiv bleibt.

Existenzialismus Es ist unmoeglich zweimal [SPID 905]Objektiv bedeutet „außerhalb und unabhängig des menschlichen Denkens“. Es gibt aber nichts, das sich menschlich denken oder beobachten ließe, dass außerhalb und unabhängig vom menschlichen Denken wäre.

Daher ist alles, was der Mensch „objektiv“ nennt, nicht objektiv. Da gemeinhin das Wort objektiv immer dann verwendet wird, wenn viele Menschen derselben Meinung sind, so, als wäre dies der eindeutige Beweis für eine als feststehend anzusehende Eigenschaft an irgendeinem Objekt des Denkens, bezeichnet das Wort supersubjektiv ebenfalls eine Sichtweise, die viele Menschen gleich haben, die also daher der Sichtweise des Einzelnen übergeordnet ist (super=über), und die dennoch subjektiv bleibt – d.h. also eine mögliche Sichtweise. Eine mögliche Sichtweise, das bedeutet, es ist keine notwendige Sichtweise. Mithin beruht eine solche Wahrnehmung nicht auf Objektivität, d.h., es gibt kein Objekt, von dem diese, so wahrgenommene Information, immer auf gleiche Weise abrufbar wäre bzw. schon vorläge, so dass, welches kosmische Bewusstsein man auch immer heranzöge, stets dieselbe Wahrnehmung gemacht werden müsste.
Ähnliches Thema: Artikel objektiv subjektiv. Was ist der Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität?

Und es gibt auch nichts, was irgendein anderes (nichtmenschliches) Subjekt beobachten könnte, was dann objektiv im oben genannten Sinn wäre – also wiederum unabhängig von dessen Subjektivblick beobachtbar. Dies ist das Grundverständnis des Spirealismus. Das wiederum hängt mit dem spirealistischen Verständnis von Information zusammen. Demgemäß entsteht Information im Subjekt und ist in jedem Moment einzigartig. Information ist also in keinem Außen bereits vorhanden, so dass sie vom Menschen nur noch abgelesen werden könnte. Information entsteht erst – durch Beobachtung.

Das Subjekt kann die Subjektivsicht nicht verlassen

Das Subjekt kann die Subjektivsicht nicht verlassen, bedeutet, dass das Individuum nicht selbst die supersubjektive Sichtweise im Eigentlichen einnehmen kann. Zum Beispiel kann man die Existenz einer supersubjektiven Sichtweise im  Munde führen, aber das Subjekt sieht diese supersubjektive Sichtweise dennoch aus Subjektivsicht, kann sich also nicht im eigentlichen Sinn das Supersubjektive zu eigen machen. Beispielsweise kann der einzelne Mensch davon sprechen was die Menschheit will, was sie anstrebt und so weiter, er kann das aber nicht in einer eindeutigen Art und Weise tun. Was die Menschheit ist, oder was die Menschheit will, bleibt, als Aussage eines einzelnen Menschen, dessen subjektive Sicht, auch wenn er meint, als Element dieser Menschheit eine recht gute Aussage darüber treffen zu können, was diese wolle.

Das ist nicht identisch mit der materialistischen Aussage, das Subjekt könne keine objektive Aussage treffen. Denn verbunden mit der materialistischen Sichtweise ist die Vorstellung, der Mensch würde, je mehr objektive „Fakten“ er gewinnt, sich einer objektiven Wahrheit nähern. Dies sieht der Spirealismus grundlegend anders – und hierzu benötigt der Spirealismus auch den Begriff der Supersubjektivität. Denn, wenn es keine Objektivität gibt, dann kann sich der Mensch auch keiner objektiven Wahrheit annähern.

Wenn man sagt, dass das Subjekt seine Subjektivsicht nicht verlassen kann, dann geht das Hand in Hand mit der Vorstellung von Ich-Universen, die immer einzigartig sind, immer voneinander verschieden, und die nicht gegenseitig betretbar oder im materialistischen Sinn gegenseitig „völlig verständlich“ sind.

Und, es führt auch wieder auf die Aussage des Spirealismus zurück, dass es keine zwei völlig gleichen Informationen gibt. Zwei völlig gleiche Informationen, vorgestellt auch als zwei völlig gleiche Dinge, sind dieselbe Information und nicht zwei, bzw. sind dasselbe Ding und nicht zwei Dinge.

Das Individuum wird zu einem übergeordneten Individuum

Aus einer Menge (Menschen), also vielen Ichs, wird ein neues, übergeordetes Ich. Wiederum ein Subjekt, das, und sei die Menge der beteiligten Ichs noch so groß, nichts Objektives feststellen kann. (Dabei ist doch die gängige Auffassung die, dass, wenn hundert Leute etwas feststellen, dies eine objektive Wahrheit sei).

Wo ist dieses Supersubjekt zu beobachten?

Wenn wir davon sprechen aus den Individuen bilde sich ein übergeordetes Individuum, dann fragt es sich, wo dieses Super-Ich, Über-Ich  oder nennen wir es Supersubjekt, denn zu beobachten ist. Man kann es sich ja durchaus wie ein lebendiges Wesen vorstellen …. Und wenn es nicht beobachtbar ist, dann ist es (nach materialistischer Auffassung) auch nicht „vorhanden“ – und mithin stirbt das ganze Supersubjektivitäts-Konzept.

Doch wie gesagt kann das Subjekt seine Subjektivsicht nicht verlassen. Noch einmal zu den Grundsätzen des Spirealismus: Der Spirealismus geht erstens nicht davon aus, dass wir im eigentlichen Sinn etwas „beobachten“ können, also etwas sehen, das unabhängig von uns selbst wäre. Das von uns völlig Unabhängige, das Objektive, ist nicht vorhanden. Vielmehr ist das Sein Kommunikation, Bilden von Relationen – somit ist alles „Andere“ notwendigerweise auch ein Teil von uns. Man kann es auch so sagen: Alles was man begreift, begreift man mithilfe und durch die eigene, einzigartige, individuelle Vorstellungswelt. Man integriert immer in das eigene Ich-Universum; das Äußerliche ist nicht im eigentlichen Sinn begriffen (und existiert in der materialistischen Weise auch nicht).

Ein Beispiel hierzu: Angenommen ein außerirdisches Wesen käme in den Kontakt mit der Menschheit. Würde es die Menschheit als eine riesige Menge von Einzelwesen begreifen, oder als EIN Wesen? Letzteres ist zumindest möglich, es ist sehr gut vorstellbar. Dieser Eindruck entstünde durch das gemeinsame Handeln des Supersubjektes „Menschheit“.

Und dabei käme es gar nicht darauf an, ob es nicht innerhalb des Supersubjektes „Menschheit“ miteinander widerstreitende Strömungen gäbe, ob also die „Menschheit“ wirklich geeint denkt und handelt. Sondern entscheidend wäre der Begriff oder der Eindruck des außerirdischen Wesens, und was, diesem Eindruck gemäß, für dieses Wesen die Menschheit ist. Ein sehr geeintes Denken und Handeln des Supersubjektes würde er als „starken Partner“ oder „starke Opposition“ erleben. Ein sehr in sich widersprüchliches Auftreten würde er als ein Sich-Auflösen, ein Verschwinden des Supersubjektes, erleben …. 

Außerdem kommt es bei dieser Überlegung auch nicht darauf an, ob das hypothetische außerirdische Wesen „wirklich existiert“, damit man dieser Überlegung Glauben schenken kann. Denn dann wären wir ja wieder bei der Frage, ob der Mensch jede mögliche Sichtweise erkennen kann, die es „gibt“. Und wir wären wieder bei der offensichtlichen Tatsache, dass er das nicht kann. Er kann nicht sagen, was das Nichts beinhaltet. Er kann nicht denken, was er nicht denkt. Er kann nicht über das Auskunft geben, was er nicht sieht.

Vielmehr ist für diese Überlegung entscheidend, dass man es in diesem Augenblick selbst denken kann (und dabei kommt es einfach auf die Phantasie desjenigen an), um es als „denkbar“ zu bezeichnen. 

Anders gesagt: Das Individuum Mensch kann nicht genau die Sichtweise eines außerirdischen Lebewesens annehmen, auch nicht die Sichtweise eines Baumes, auch nicht einer Blume, auch nicht die eines Hundes und auch nicht genau die eines Mitmenschen. Was er über die Sichtweise anderer Individuen aussagen kann, ist immer seiner Phantasie überlassen. Dennoch neigt übrigens der Spirealismus nicht dem Solipsismus zu (es gibt nur mich). Der Solipsismus ist dem Spirealismus als Fragestellung fremd, da der Spirealismus einen anderen Existenzbegriff hat, und nicht danach fragen kann, was es gibt. Einen Existenzbegriff in folgendem Sinne: In die Existenz kommt etwas durch den Gedanken daran. Da ein Gedanke einzig und allein mit sich selbst identisch sein kann, nie mit einem anderen, ist die einzig ‚wahre‘ Existenz dieses Gedankens er selbst. Wie also soll ein Gedanke etwas zeigen, das genau gleich etwas anderem ist? Oder, wieder bezogen auf unser Beispiel: Ein außerirdisches Wesen könnte nie genau so denken, wie ich mir seine Gedanken vorstelle. Und ich kann nicht so denken wie ein außerirdisches Wesen. Meine Vorstellung der Gedanken eines außerirdischen Wesens können in dieser Form nur in mir sein.  

Doch ich kann nicht nur nicht so denken wie ein außerirdisches Wesen. Ich kann auch nie genau so denken wie der mir Nächste. So ist es uns in der materialistischen Sichtweise bereits schleierhaft, dass wir das Ich unseres Nächsten („Du“) nie im eigentlichen Sinn „verstehen“ können. (Der Spirealismus erkennt das zwar, die Folge daraus ist aber nicht, dass dem abgeholfen werden kann. Die Folge ist viel mehr, dass man sich der Notwendigkeit des Unterschiedes bewusst wird, der in keiner Weise abzuhelfen ist. Vielmehr ist der Unterschied ein kosmisches Prinzip, das die Welten ins Enstehen bringt.

 

Uns ist das Über-Ich, das aus uns (uns Menschen, oder einer Gruppe von Menschen) entsteht, uns selbst nicht als solches „sichtbar“, alles was wir verstehen können, ist die individuelle Vorstellung des „Wir“, das ein erweitertes „Ich“ ist.

Um das ein wenig zu illustrieren noch ein Beispiel: In das von Ureinwohnern bewohnte Amerika kamen im 16. Jhd. die Weißen als Eroberer. Sie kamen beritten. Die Indianer kannten keine Pferde. Sie nahmen die weißen Reiter als eine Art Centauren (Mischwesen aus Pferd und Mensch) wahr. Dies wurde bekannt, weil Indianer das sagten. Als was aber wird etwas wahrgenommen, wo es keine (mündliche) Kommunikation gibt? Die Antwort ist: Man kann es nicht wissen. Frage: Gibt es überhaupt Kommunikation (In-Beziehung-Setzen) jenseits der menschlichen Wahrnehmungen? Ja. Unser Sein ist Kommunikation. Warum? Weil es nichts Objektives gibt. Wenn es nichts Objektives „gibt“, dann kann das Sein nur Relation sein. Die Relation ist als Verhältnis zu verstehen, zwischen „etwas“ und „etwas anderem“. 

Weiterlesen: Die Zahl Zwei

Ähnliches Thema: Das Eine und das Andere

Das Ich ist ein Supersubjekt

Dies sieht der Spirealismus als ein kosmisches Prinzip an. Man könnte das Prinzip der Supersubjektivität als das hermetische „Alles wird immer wieder Eins“ sehen. Auch wir Menschen unterliegen diesen Prinzipien, denn wie gesagt, wir sind nicht Beobachter eines Prozesses, sondern dessen Element.

Daher kann das, was wir von „der Welt“ wissen (spirealistisch; den Welten, denn die Welt gibt es nicht), unser Bewusstsein, nichts anderes sein als das Ergebnis dieses Prinzips. Das bedeutet, das Ich-Bewusstsein ist das Supersubjekt anderer Subjekte. Anderer Gedanken

weitere Folgerungen

Die Folgen des Gedankens „Supersubjektivität“, mit seiner fehlenden Objektivität sind wiederum von dem Gedankengebäude des Spirealismus nicht zu trennen.

Der Begriff der Supersubjektivität selbst ist zunächst eigentlich logisch und unbestreitbar. Wo gibt es Objektivität? Nirgends. Wo gibt es Subjektivität? Überall. Das Fehlen von Objektivität ist uns schwer vorstellbar, wo es doch das Fundament des materialistischen Denkens ist. In „Alles ist Geist“ nannte ich diese Denkvoraussetzung es eine Denkgrenze, die aus Wissen entsteht. Denn das Objektive selbst unterliegt keinem Hinterfragen (außer in der letztlich wenig beachteteten und unverstandenen Philosophie vielleicht). Das Vorhandensein des Objektiven ist wie gesagt Denkvoraussetzung, Wissen.

Genau dies übrigens, im Umkehrschluss, bedeutet für den Spirealismus einmal mehr, dass für uns existent ist, was wir denken. Und nicht das, was es wirklich „gibt“ in dem Sinne, was es wirklich „gibt“ wäre „da“, auch ohne das wir es denken. Der Spirealismus hat einen anderen Existenzbegriff.

Wie kommt man auf die Vorstellung von Supersubjektivität?

Man kann sich Supersubjektivität in einem Gedankenexperiment eigentlich gut begreiflich machen, wenn man versucht, die menschliche Sichtweise zu verlassen. Man kommt zwangsläufig zu der Überlegung, dass es Objektivität nicht gibt – somit sind unsere menschlichen Sichtweisen immer subjektiv.

Und dann kommt man auf die Frage, was gemeint ist, wenn wir sagen, etwas sei „objektiv“? Ganz offenbar ist es schlicht die Sichtweise vieler – sie nennen wir „objektiv“!

Viele – das sind immer nur die, die wir kennen, nie „alle“. Und niemals ist es eine Sichtweise, die auch jenseits des menschlichen Denkens Gültigkeit hätte, also im  wahrsten Sinn des Wortes „objektiv“ wäre.

 

Supersubjektivität, supersubjektiv, subjektiv und objektiv
supersubjektiv, subjektiv und objektiv

Eine Zwangsläufigkeit dieser Überlegung ist, dass Supersubjektivität etwas bezeichnet, das zwar aus dem Einzelnen besteht, jedoch in keinem Einzelnen ganz zu finden ist. Dies hebt die Vorstellung unserer menschlichen Individualität nebenbei gesagt auf … wir sehen das daran (das nötige Verständnis vorausgesetzt), dass wir uns mit unserem Wahrheitsverständnis immer auf das Supersubjekt berufen – die Mehrheit sagt etwas, oder dieser oder jener (der es wissen muss) sagt etwas. Aus vielen Individuen entsteht ein eigenes Individuum der Vielen, mit eigenen Gedanken, eigener Psychologie (Bsp: „Was ist die Haltung Amerikas in dieser Frage?“) – und umgekehrt ist das Denken der Vielheit in einem, im Individuum. Man denkt an den hermetischen Grundsatz, dass sich das Eine in dem Allem findet, und Alles ist auch in Einem.

Ein Beispiel:

Es erscheint dem Einzelnen unbestreitbar, dass es das Atom gibt. Woher weiß er das? Hat er es gesehen? Nein. Hat es der Nachbar gesehen? Nein. Hat es irgendein Mensch gesehen? Nein.

Woher wissen wir dann, dass es da ist?

Wir setzen es voraus, weil es ein Schluss des materialistischen Weltbildes ist. Es muss da sein, weil die Dinge da sind … der Materialismus glaubt, die Dinge, an die wir denken, seien auch ganz ohne uns „da“.

Und die Dinge bestehen wieder aus Dingen. Und schließlich muss es ein kleinstes Ding geben, genau wie es das Ding gibt, das wir vor uns haben (was immer es sei, ein Baum, ein Haus, etc..) Vor Jahrtausenden wurde im antiken Griechenland der Begriff des Atoms geprägt. Auch wenn die heutige Wissenschaft sagt, dass Atome nicht im eigentlichen Sinn „da“ sind, glaubt doch der Einzelne, es sei unbestreitbar, dass es sie gibt.

 

So hat die Vielzahl der Menschen (auch Vielzahl der längst vergangenen Menschen) nicht etwas gesehen, was „da“ ist, sondern etwas hervorgebracht. Etwas, das dem Supersubjekt nun wie selbstverständlich erscheint – und nicht mehr wegzudenken ist.

 

Hier noch ein Zitat, das eine der Erscheinungsformen von Supersubjektivität gut beschreibt – und unseren ungerechtfertigten Glauben, dass etwas, das Viele so sehen, dann auch endgültig stimmen müsse.

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.
Arthur Schopenhauer

 

Zusammenfassend: Der Begriff Supersubjektivität besagt, dass das Urteil vieler Menschen zusammen nicht objektiv ist, sondern  supersubjektiv.

Supersubjektivität was last modified: Juni 3rd, 2017 by Henrik Geyer

Spirealismus

Spirealismus – was es ist

Spirealismus ist eine Philosophie und Weltanschauung, die auf spiritueller Wahrnehmung und Denkweise beruht.

Spirealismus ist ein Begriff, der in dem Buch Alles ist Geist / Ich-Universum geprägt wird

SpiRealismus – das Wort

Spirealismus ist eine Wortverbindung aus Spiritualität oder spirituell und Realität oder Realismus. Das Geistige als die eigentliche Quelle der Realität, bzw. der Welt zu sehen, drückt sich in dem Wort SpiRealismus aus.

das Prinzip

Der Spirealismus geht von der Überzeugung aus, dass die Gedanken die eigentliche Existenz sind. Die Realität ist nichts anderes als der Gedanke an eine Realität. Es gibt die Realität nicht noch einmal „extra“, in objektiver Form.

die Legitimation

Das genannte Prinzip begründe ich mit einer persönlichen Erfahrung die ich machte, und die ich in Alles ist Geist beschreibe. Diese Erfahrung ist ganz ähnlich der anderer Menschen, wie z.B. Andre Bretons, oder C.G. Jungs, die jeweils den Geist als das eigentliche Werkzeug der Wahrnehmung sahen.

Letztlich ist die Frage, welche Rolle Geist bei der Wahrnehmung spielt, uralt. Man erinnert sich an Überlegungen der griechisch-antiken Philosophen, an das „Ich denke, also bin ich“ Descartes, oder Kants Frage nach der Erkennbarkeit der Dinge „an sich“. Doch meist, insbesondere in der sich zunehmend verfestigenden materialistischen Philosophie, wird der Ansatz verworfen zugunsten des althergebrachten: Wenn auch die Dinge „an sich“ nicht erkennbar sind, so müssen sie doch existieren! Der Spirealismus jedoch denkt den uralten hermetischen Ansatz „Alles ist Geist“ zu Ende und kommt zu einer anderen Vorstellung von Geist und von Existenz: Die Dinge existieren, aber eben im Geist, und nicht unabhängig davon.

die Vorstellung – der Nutzen

Die Vorstellung, die sich aus dem Spirealismus ergibt, die Vorstellung eines umfassenden Kontinuums aus Geist, dessen Teil der Mensch ist, führt zu ganz anderen Ableitungen, als dies in der materialistischen Denkweise möglich ist. Andere Ableitungen sowohl im Persönlichen, aber auch im Gesellschaftlichen, bzw. in der Wissenschaft.

Die Vorstellung ist dabei der Nutzen. Dem Materialismus ist der Gedanke fremd, dass eine Vorstellung von einer Sache selbst ein Nutzen sein kann. Denn der Materialismus sucht nicht Vorstellungen, sondern „die wirkliche Realität“, von der er glaubt, es könne nur eine geben.

Dass eine Vorstellung, rundheraus und provokativ gesagt eine Phantasie, im Grunde schon die Sache selbst ist, und es daher auf die Art und Weise ankäme, wie man sich die Dinge der Welt, und damit die Welt, vorstellt, und zwar in einem vollumfänglichen Sinn, ist dem Materialismus unlogisch. Dem Spirealismus hingegen ist dies selbstverständlich, denn die Welt ist ihm der Gedanke an eine Welt.

Phantasie und Kreativität

Eine Welt aus Vorstellungen – das ist eine im höchsten Maße freie Welt. Es gibt für den Spirealismus die Aufgabe nachzuweisen und Menschen in einem ontologischen Sinn irgendwie begreiflich zu machen, woher bei all dieser Freiheit, dann die Grenzen kommen, von denen wir uns umgeben sehen. Und zweitens begreiflich zu machen, dass Grenzen keineswegs sinnlos oder überflüssig sind, sondern vielmehr in der Schöpfung, so wie wir sie nur zu sehen vermögen, unabdingbar enthalten sind. Es kann nur, wenn überhaupt, um die Verlagerung von Grenzen gehen.

Die eigentliche Freiheit der Gedanken findet sich für den Spirealismus in Kreativität und Phantasie. Es gilt zu zeigen, dass auch die Phantasie nicht völlig frei ist, sondern eingeschränkt frei.

Phantasie und Kreativität sind für den Spirealismus aber im höchsten Maße nützlich, arbeiten sie doch am Rande von Denkgrenzen, wo das Sinnvolle in das scheinbar Sinnlose übergeht. Dass jenseits unserer Welten Möglichkeiten von Welten sind, in jedem Augenblick, das gilt es zu begreifen. Konkret gesagt: Wenn die Dinge nicht „an sich“ erkennbar sind (Kant), und es keinen letztendlichen Begriff der Welt und der Dinge darin geben kann, dann gibt es keine Namen, die Dinge bezeichnen, sondern eine sich stets wandelnde Phantasie von Dingen. Es gibt sich stets erneuernde Muster und es gilt es zu lernen, mit diesen Mustern umzugehen, sie zu erzeugen und zu nutzen, die Dinge geistig zu formen (so, wie wir die Dinge ja auch jetzt geistig formen). Nur diese Übung kann uns mit den wichtigsten Wirkmechanismen des Seins vertraut machen, die Hoffnung der Menschheit auf Überwindung der Geißeln wie Krieg, Hunger, Revolte, ruht letztlich auf Selbsterkenntnis, und Erkennen der eigenen Wirksamkeit, in einem durchaus spirituellen Sinn.

Einordnung

Vermutlich ist es richtig, den Spirealismus als einen Konstruktivismus zu bezeichnen. Allerdings misstraue ich solchen Einordnungen generell, denn das Wort erzeugt Schlussfolgerungen, der Spirealismus müsse demnach dies und jenes besagen …

Gerade der Materialist kann mit dem Wort Konstruktivismus im Grunde überhaupt nichts anfangen – er glaubt ja, der Mensch würde eine Welt außerhalb seiner selbst beobachten. So betrachtet macht das Wort Konstruktivismus keinen Sinn, und auch Spirealismus nicht. Der Mensch soll die Welt „da draußen“ konstruieren? Die Welt soll eine Vorstellung sein? Ich denke mir die Welt doch nicht aus!

Der Spirealismus ist nicht konstruktivistischer als viele Aussagen Heraklits, Platos, oder Schopenhauers, die man jeweils, wie ich glaube, nicht als Konstruktivisten sieht.

Es ist vielleicht auch richtig, Spirealismus als eine Form von Theosophie zu bezeichnen, also einer Denkrichtung, die Gottes Wirken in allem sieht – der Kosmos selbst ist Gott, und jedes Blatt auf Erden, als Teil des Kosmos, ist Gott. Wer Probleme mit dem Wort „Gott“ hat: „Gott“ als Ausdruck, dass da „etwas Höheres“ ist, etwas das (uns) erschafft. Was natürlich schon wieder ein Widerspruch ist, wenn man Gott als in jedem Ding vorhanden ansieht, und gleichzeitig „jedes Ding“ als das Höhere – man fragt sich: höher im Vergleich zu was, wenn jedes Ding doch Ausdruck Gottes ist?  Aber dieser Widerspruch ist uns immanent, wir können ihn nicht umgehen, wenn wir überhaupt unterscheiden. Mir fällt dabei der Ausspruch Eckharts ein:

Alles, was man von Gott aussagen kann, das ist Gott nicht.

Meister Eckhart, spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph

Man könnte den Spirealismus eine Art Agnostik nennen, denn sie bezeichnet Gott („das Höhere“) als letztlich unbeschreibbar, als irrational, und die Existenz Gottes dadurch bewiesen, dass man das Unbeschreibbare in jedem Objekt findet – und in jedem Objekt ist Gott. Im Gegensatz zur Agnostik wiederum würde der Spirealismus nicht sagen, dass ein Beschreiben Gottes, ein Bekenntnis zu Gott, daher überflüssig ist. Im Gegenteil, der Spirealismus sieht im „Glauben an Dinge“ (Dinge, die beschreibbar sind) die Quelle dessen, was wir Existenz nennen. Ebenso wenig enthebt uns die Erkenntnis, dass im materialistischen Sinn kein Atom existiert, der Notwendigkeit der Untersuchung der Atome. Der unlösbare Widerspruch ergibt sich eben immer wieder aus der ontologischen Grundannahme des Materialismus, wir würden eine festgefügte Welt außerhalb unserer selbst beobachten, während der Spirealismus sagt, dass die Dinge der festgefügten Welt durch ebendiese Annahme, es müsse sie geben (Existenzbegriff), erst zustande kommen. Also: würden wir nicht annehmen, dass es festgefügte Dinge gibt, die ihrerseits wieder aus festgefügten Dingen bestehen, kämen wir nicht auf den Gedanken, es müssen ein Atom (einen Kern, etwas Unteilbares) geben.

Spirealismus kann man auch als eine Form des Spiritualismus bezeichnen, insofern, als die Spiritualisten die Wahrnehmung selbst, und das wahrgenommene Ding, nicht unterscheiden wollen, oder zumindest die Unterscheidbarkeit anzweifeln. Der Spirealismus vertritt diese Auffassung ausdrücklich, denn worüber soll ein Mensch wohl sprechen, wenn nicht über seine Auffassung einer Realität, so wie er sie wahrnimmt? Wo könnte er da einen Unterschied definieren, zwischen dem, was er wahrnimmt, und dem, was unabhängig von ihm „da“ sein soll? Hier gibt es nun wieder einen Zirkelschluss mit den Theosophisten, denn auch Gott ist, wenn man ihn denn denkt, eine Wahrnehmung – wie könnte man ihn unterscheiden von einem anderen, „richtigen“ Gott jenseits der Wahrnehmung?

Der Spirealismus sieht die Welt aus Gedanken entstehen, daher kann er, da „die Welt“ ja IMMER eine Welt der Gedanken ist, religiöse Worte mit seinen Vorstellungen verbinden, ebenso, wie auch zum Beispiel wissenschaftliche Worte. Der Spirealismus behauptet nicht, es gäbe EINE Welt, daher kann „die Welt“ ganz verschieden beschrieben werden, ohne dass der Wahrheit dabei Abbruch getan würde.

Man könnte den Spirealismus auch als einen subjektiven Idealismus bezeichnen, oder auch als einen Subjektivismus, weil er davon ausgeht, dass die Welt(-en!) aus dem Einzelnen und im Einzelnen entstehen („das Einzelne“ – zum Beispiel wir selbst). Man denke wiederum an Schopenhauer und sein „Die Welt als Wille und Vorstellung“. So formuliert der Spirealismus: Der Mensch ist Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter. Das bedeutet: während der Mensch glaubt etwas außerhalb seiner selbst zu beobachten, erschafft er auch.

Man kann den Spirealismus einen Relativismus nennen, denn der Spirealismus hält nichts für gegeben, und alles für relativ. Die Dinge, auch die Naturgesetze, die wir für unabänderlich halten, sind es nicht, sondern wirken nur so, aus der menschlichen Perspektive.

All die vorgenannten Denkrichtungen sind für mich kein Widerspruch, sondern kommen doch immer wieder auf dieselbe Problematik, die der Wahrnehmung und der Frage nach Existenz, zurück, und arbeiten sich daran ab.  Der Spirealismus ist jedenfalls jene Denkrichtung, die in der scheinbaren Verschiedenartigkeit der genannten Auffassungen eher das Gleichartige sieht, und es geht dem Spirealismus um die dem zugrunde liegenden Mechanismen, nicht so sehr um eine immer weitergehende Differenzierung, die einer fundamentalen Wahrheit nicht näher kommen kann.

Der Spirealismus ist außerdem nicht in Anlehnung an eine bestimmte Philosophie entstanden, die Parallelen fand und finde ich nur im Nachhinein Stück für Stück an den verschiedensten Stellen, denn die meisten Philosophen kommen doch immer wieder auf dieses Problem – und viel Kluges wurde bereits gesagt: Was ist ein Ding ohne den Gedanken daran? Meist jedoch kehren sie auf halben Wege um, und finden zur materialistischen Vorstellungswelt zurück, bzw. bleiben in dieser.

Im Grunde fühle ich eine starke Verwandtschaft des Spirealismus mit uralten taoistischen Motiven, mit der Hermetik, überhaupt mit religiösen (christlichen) Bezügen, denn hier ist stets die Grundaussage: Auf das Denken kommt es an! Die Welt ist die Welt in dir!, etwa so wie Jesus in der Bergpredigt sagt: „Meines Vaters Reich ist inwendig. Man wird nicht sagen können es sei da oder dort.“ Der Spirealismus ist aber keine religiöse Philosophie, wenn man Religion als einen Gegensatz zu wissenschaftlichem Denken sieht. (zumal Religionen, sofern sie durch Institutionen repräsentiert/vereinnahmt werden, zu einer materialistischen Form gerinnen – den Interessen ihrer weltlichen Vertreter unterworfen sind …) Sondern Spirealimus verbindet beides, Wissenschaft und Spiritualität, und ich würde eher formulieren: Wissenschaft ist eine Art Spiritualität, ist eine Art Religion. Denn auch die materialistische Wissenschaft bringt eine spezifische Denkwelt hervor, in der sich alle darin Eingebundenen üben um sie weiter voranzutreiben. Wir finden diese Denkwelt letztlich wieder in uns, in jedem Gedanken, in jedem Wort.

die Schwierigkeit

Die materialistische Vorstellung passt nicht mit der spirealistischen Vorstellung zusammen. Der Widerspruch lässt sich nicht überwinden, denn alle Legitimation des Materialismus ergibt sich aus dessen Grundannahmen, die der Spirealismus falsch nennt. Spirealismus hat außerdem ein Konzept, über das der Materialismus nicht verfügt und das aus seiner Sicht auch unbegreiflich ist: Nämlich, dass sich etwas mit den vorgefundenen Begriffen nicht denken lässt. Die materialistische Denkwelt ist identisch mit den Begriffen, die wir verwenden. Das bedeutet, wir können uns der materialistischen Denkwelt nicht entziehen, während wir ihre Begriffe (Worte) benutzen. Umgekehrt ist eben dies – das Gebundensein in eine Denkwelt über das Verständnis jedes einzelnen Begriffes (Begreifen), jedes einzelnen Wortes, ein Konzept des Spirealismus. Siehe auch Noumena, Die Welt ist semantischer Natur, Denkgrenzen.

Die Welt, als Gedanke an eine Welt, kann auf verschiedenste, unendliche Art, gedacht werden. Der Materialismus ist eine Möglichkeit, aber keine Unbedingtheit. Das wiederum bedeutet eben gerade nicht, der Materialismus müsse dies erkennen können, oder, diese Tatsache sei ihm objektiv beweisbar. Denn jede Denkwelt wirkt in sich geschlossen, auch die materialistische. Und Objektivität hieße ja: Bezugnahme auf die eine und einzige Wirklichkeit, die es „gibt“ – aber diese glaubt der Materialismus bereits selbst abzubilden. Somit kann dem Materialismus nur das Beweis sein, was auf seinen eigenen Grundannahmen fußt.

Insofern sehe ich die Hauptschwierigkeit der Erklärung des Spirealismus im Finden überzeugender Worte und dem Anregen der Phantasie. Innerhalb des materialistischen Bezugssystems bleibend, den Materialismus zu verlassen, ist unmöglich. Sich vom Materialismus zu lösen bedeutet, sich von Grundüberzeugungen zu trennen.

Einem Blinden kann man nicht den Anblick eines Kunstwerks verschaffen. Einem Tauben kann man nicht die Klänge von Musik vernehmbar machen. Es gibt aber nicht nur leiblich Blinde und Taube, sondern es gibt auch solche, die es an Erkenntnis sind.

Das wahre Buch vom südlichen Blütenland , Zhuang Zi

Hauptaussagen des Spirealismus

Der SpiRealismus geht von der Realität aus

Auch wenn sich der Spirealismus als spirituelle Denkrichtung versteht, geht er von der Realität aus, stellt sie nicht in Frage oder behauptet, er könne „hinter die Realität“ sehen. Die Realität ist für den Spirealismus zunächst das, was wir darunter verstehen. Praktisch gesagt würde der Spirealismus nicht argumentieren, dass es unmöglich sei, eine bestimmte Realität (Auffassung) zu haben, sondern er geht davon aus, dass jeder eine andere, eine abweichende Auffassung von der Welt hat (Ich-Universum). Daher ist die Aufgabe des Spirealismus eher die zu prüfen, ob sich eine bestimmte Weltsicht in Übereinstimmung mit den fundamentalsten Wahrheiten befindet – das bedeutet, ob sich also der Mensch selbst erkennen kann, denn der Spirealismus sieht den Menschen als Element der Schöpfung, und damit unwillkürlich unterworfen unter deren Prinzipien. Und zweitens die Frage, wie überhaupt es zu einer spezifischen Wirklichkeit kommt (man könnte das auch als Achtsamkeit bezeichnen, das wäre eine spirituelle Sichtweise. Man könnte es auch psychologisch „Selbstanalyse“ nennen)

Der Spirealismus sagt also nicht, die Realität sei „in Wirklichkeit“ dies und jenes … Sondern seine Aussage ist ausdrücklich, die Realität ist immer das, was der Einzelne darunter versteht. Die Wahrheit des Einzelnen – genau das ist die Realität.

Natürlich beginnen hier die Probleme erst. Die Schwierigkeit des Begreifens, dass unser eigenes Verständnis von der Realität bereits die Realität ist, ist kaum überzubetonen. Die Schwierigkeit findet sich zum Beispiel bereits darin, dass ich im vorigen Satz formulierte „von der Realität“ – was suggeriert, die Realität und meine Auffassung „davon“ seien zweierlei. Zur Verbildlichung: Ich habe neulich gesehen, wie verblüffend unmöglich es für einen Menschen ist, auf einem Fahrrad zu fahren, dessen Vorderrad nach links einschlägt wenn man den Lenker nach rechts dreht und umgekehrt. Ganz ähnlich ist es quasi unmöglich, den genannten Gedanken zu denken und in sich aufzunehmen, wenn man sich nicht jahrelang damit beschäftigt und darin übt. Es SCHEINT nur leicht. Genau darin sehe ich den Grund, warum eine Denkform wie der Spirealismus, obwohl doch ganz ähnliche Denkformen seit Jahrtausenden virulent sind, sich bis heute nicht allgemein gesellschaftlich durchgesetzt hat, sondern eher in quasi religiöser Form, oder als „Geheimwissenschaft“, existiert.

Die Grundfrage des Spirealismus noch einmal in einem Satz formuliert: Woraus entsteht das, was wir „die Realität“ nennen? Und wie kommen wir darauf, es gäbe nur eine Realität?

Spirealismus – eine monistische Sichtweise

Der Spirealismus ist eine monistische Sichtweise, die davon ausgeht, dass alle Erscheinungen die wir sehen können, auf ein einziges Prinzip zurückgehen, und dieses Prinzip heißt Geist oder Denken. Ein anderes Wort: Relativität.

Im Gegensatz dazu hält der Materialismus die Erscheinungen der Materie für die Ursache des Geistigen. Das Wesen des Geistes sei es, das Materielle zu spiegeln, sich seinem Wesen anzunähern, etc.

Weil Geist dem Spirealismus das eigentliche Prinzip ist, nicht das sekundäre Prinzip, lässt sich Geist im Spirealismus nicht gleichsetzen mit dem, was man in der materialistischen Sichtweise darunter versteht, etwa: Geist sei im Eigentlichen nur im Menschen anzutreffen; der Mensch würde geistvoll das Geistlose (die Materie) beobachten, etc..

Der Mensch ist Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter

Alle Aussagen des Menschen, seine Fragen und Antworten, sein eigenes Sein, sind Teil der Schöpfung. Sein Geist ist nicht geschaffen, die Schöpfung zu beobachten, sondern Geist erschafft. Der Mensch ist Teil eines umfassenden Denkens – er ist nicht das intelligente Genie, das Nicht-Denken beobachtet, sondern Teil.

Die Welt ist der Gedanke an die Welt – Das Denken ist die Realität

Das Denken selbst ist die Realität – das bedeutet, die Realität gibt es nicht noch einmal extra, etwa in objektiver Form. Das lässt sich verstehen wenn man wahrnimmt, dass alles, was man über die Realität jemals wissen und aussagen kann, im Denken ist.

Es gibt keine Objektivität

  • das bedeutet, es gibt keinen Begriff, der ETWAS in einer endgültigen, oder völlig eindeutigen Form beschreiben könnte.
  • die Subjekt/Objekt Relation der materialistischen Sichtweise ist aufgehoben. Wenn, wie im vorigen Punkt angesprochen, das Denken die Realität ist, bedarf es zur Erschaffung der Welten, die wir vor uns sehen, keines vom Menschen unabhängigen Außen.

Das Eine kann nicht das Andere sein. Das Eine kann nicht ohne das Andere sein

Das Grundprinzip des kosmischen Werden und Vergehens ist der Unterschied. Was ist der Unterschied zwischen dem Einen und dem Anderen – sehend, dass wir Menschen, als Elemente der Schöpfung, die Unterschiede erst erschaffen, oder, anders gesagt, dass sie auch durch uns erschaffen werden.

Das Infinitesimale dieses Prozesses sehend, könnte man sagen, das Eine ist das Andere, ich bin du, oder der materialistische Urknall: alles geht von einem einzigen Element aus.

Man könnte auch, die Notwendigkeit des Unterschiedes für die Schöpfung sehend, sagen, das Eine kann nicht das Andere sein.

Ich sage immer als spirealistisches Grundverständnis: Das Einzelne gibt es nicht. Das Eine kann zwar nicht das Andere sein. Aber: Das Eine kann auch nicht ohne das Andere sein.

Es kann nichts Einzelnes geben

Die Existenz ist dem Spirealismus eine Relation des Augenblicks. Eine Relation – das bedeutet die Verbindung von Verschiedenem. Insofern ist die materialistische Vorstellung falsch, die Welt bestünde aus fest umrissenen, einzelnen Objekten, die miteinander nichts zu tun hätten, und nur im Sonderfall, unserem Verständnis des kausalen oder auch zeitlichen Zusammenhangs, miteinander zu tun hätten. Sondern diese Vorstellung genügt der Realität insofern nicht, als alles mit allem verbunden ist, die Verbindungen sind uns nur jeweils nicht bekannt.

Mancher wird sagen, dass zwei ganz verschiedene Dinge miteinander nichts zu tun haben KÖNNEN. Das geht auf die menschliche Vorstellung zurück, dass die menschlichen Gründe, seine kausalen Herleitungen, eine Abbildung des Natürlichen seien. Doch der Mensch bildet nichts ab, sondern er erschafft, als ein Element eines umfassenden Geistes. Insofern widerspricht der Spirealismus auch der materialistischen Vorstellung, dass es das, was der Mensch nicht denkt, oder auch nicht sieht, nicht geben könne.

Alles hat Grenzen – Unendlichkeit gibt es nicht

Das Eine muss sich vom Anderen unterscheiden – damit ist gesagt, dass das, was das Eine vom Anderen, was die Dinge, trennt, die Grenze zwischen beiden ist. Das Grundgesetz des Seins lautet: Die Grenzen des einen Dinges sind die Grenzen des anderen. (Anaximander).

Damit ist auch gesagt, dass alles, was der Mensch kennt und was er als Person selbst ist, begrenzt ist und begrenzt sein muss. Begrenzt im Sein, begrenzt im Tun, begrenzt im Denken. Denn der Mensch ist Element der Schöpfung, nicht Beobachter. Er kann nicht die göttlich unbegrenzte Sichtweise auf alles haben. Vielmehr entwickelt sich die Unendlichkeit der Begriffe aus ihm, so wie Wasser aus einer Quelle fließt. Der Quelle muss das Wasser wie unendlich erscheinen. Hörte das Wasser auf, aus der Quelle zu fließen, wäre die Quelle nicht mehr existent.

Daher kann es die Unendlichkeit als fassbares Phänomen für den Menschen nie geben, sondern nur als etwas, das (für ihn) nie aufhört. Die Unendlichkeit ist kein Objekt, sondern ein Prozess, der aus dem Menschen hervorgeht.

Der Kosmos als Hologramm

Weil es nichts Objekives gibt, kann man das Universum als eine Sichtweise bezeichnen, von der es in Wirklichkeit nicht eine Variante gibt, nicht das Universum, sondern viele subjektive (Ich-)Universen. Man könnte auch sagen, dass der Kosmos, wie er sich uns Menschen darstellt, ein menschlich-supersubjektives Hologramm ist.

Das ewige Jetzt

Der einzig erlebbare Zeitpunkt ist das ewige Jetzt. Wenn man im Spirealismus als die eigentliche Existenz den Gedanken bezeichnet, so ist der eigentliche und einzig existierende Zeitpunkt das Jetzt, denn der Gedanke ist immer im Jetzt.

Alle Begriffe sind Noumena

An dieser Stelle (es geht um das Jetzt) stößt man an die uralte Frage der Unterscheidung zwischen Noumena und Phänomenen. Ich will das an dieser Stelle nur sehr kurz beschreiben: die Unterscheidung selbst ist eine spezifisch menschliche Form, die menschliche Welt entstehen zu lassen. Im eigentlichen Sinn gibt es den Unterschied nicht, denn alles ist Geist. Man kann keine Unterscheidung treffen zwischen Geist und Nichtgeist, wenn alles Geist ist.

Gerade wenn wir die Zeit im eben besprochenen Sinn ansehen, als das ewige Jetzt, macht das auch wenig Sinn. Die Beispiele könnten aber bis in die Unendlichkeit fortgesetzt werden.

So könnte man also sagen, dass alle Begriffe Noumena sind, oder umgekehrt, dass alle Phänomene die  Gedanken daran sind. Man kann sagen, dass alles, was wir uns denken, real ist, oder es umkehren und sagen, dass alles, was wir im Außen „beobachten“, keine prinzipiell keine höhere Realität hat, als ein Gedanke zu sein.

Denken geht nicht vom menschlichen Hirn aus

Wenn alles Geist ist, ist der Geist nicht im menschlichen Hirn zu verorten. Sondern, der eigentliche Ursprung und Ort des Geistigen ist außerhalb von uns. Wenn jedes Phänomen der Gedanke daran ist, so hängt das Vorhandensein des Hirns (das Hirn ist auch ein Phänomen) ebenso von dem Gedanken an ein Hirn ab, wie umgekehrt, der Gedanke vom Hirn.

Die Welt ist semantischer Natur

Wenn wir die Welt sehen, wenn wir die Welt in Gedanken denken, beobachten wir nicht etwas, sondern etwas wird erschaffen. Jeder Gedanke ist einzigartig. Und jeder Gedanke verbindet sich mit einem Wort oder einem Satz. Daher sind die Worte, die wir für die Welt verwenden, dasselbe wie die Welt selbst. Die Worte und die sich mit den Worten verbindenden Vorstellungen sind eins. Daher kann man sagen, dass die Welt semantischer Natur ist.

Dass die Welt semantischer Natur ist, führt die Vorstellung auf eine recht bildhafte Vorstellung der tatsächlichen Verhältnisse. Die Welt ist „aufgehängt“ zwischen jeweils unendlichen und ungreifbaren Unendlichkeiten. Jeder Begriff justiert sich aus einer Unendlichkeit von Beziehungen – ähnlich der Bedeutung eines Textes, der, solange man ihn auch untersuchen mag, seine „letztendliche“ Bedeutung immer erst im Denken desjenigen erhält, der ihn liest.

Es gibt nichts Beobachtbares, das vom Beobachter unabhängig ist

Wie erwähnt ist der Mensch Teil des Schöpfungsprozesses, den er nie unabhängig, nur aus einer Beobachterposition heraus, zu sehen vermag. Er ist immer Teil einer Relation. So wie alles. Nichts ist einzeln.

Das wiederum schafft die Verbindung zur Richtigkeit und Notwendigkeit spiritueller Sichtweisen: Glaube erschafft – dies ist eine wichtige Grundaussage des Spirealismus.

Existenz ist eine Relation – es gibt keine objektive Existenz außerhalb und unabhängig eines Beobachters

Dies ist eine grundlegend andere Auffassung des Wortes Existenz, als sie der Materialismus hat.

Gegenposition zum Materialismus

Der Spirealismus nimmt eine Gegenposition zum Materialismus ein, dessen Grundprinzip es ist, Geist als getrennt von Materie wahrzunehmen. Geist, im Selbstverständnis des Materialismus insbesondere vertreten durch den Menschen, beobachtet Materie, die außerhalb und unabhängig von diesem Geist existieren soll. So, wie der Materialismus generell dem Menschen ein besonderes Prinzip zuschreibt, das die Schöpfung nicht habe – eben Geist.

Der Mensch „beobachtet“ nichts, er ist in jedem Moment Quelle der Schöpfung

Indem wir sind, indem wir schauen, indem wir uns Fragen stellen und Antworten finden, nehmen wir Teil am Schöpfungsprozess. Aus uns entsteht Information, auch wenn wir glauben, nichts zu tun, sondern nur „da“ zu sein. Bereits ein Schauen ist ein kreativer Akt. Das gilt aber nicht im Besonderen für den Menschen, sondern es ist das Wesen der Dinge.

Weil jedes Ding teilnimmt am Schöpfungsprozess, jede Sache, jede Pflanze, jedes Tier, so auch der Mensch, kann man nicht im eigentlichen Sinn davon sprechen dass der Mensch „beobachtet“. Vielmehr muss man sagen: Er kommuniziert in jedem Augenblick, steht im Austausch.

Jedes Ich-Universum ist als Denkwelt in sich eigenständig, vollständig und logisch

Beispielsweise sind dem Spirealismus Denkwelten wie der mittelalterliche Hexenglaube, der Glaube an Gott, oder der heutige Glaube, die Welt sei aus Atomen aufgebaut, jeweils mögliche Denkwelten, die weder mit einer bestimmten unabdingbaren Folgerichtigkeit auftreten, noch verschwinden müssen.

Vielen wird an diesem Beispiel auffallen, dass der „Glaube, die Welt sei aus Atomen aufgebaut“ mit Götterglauben oder Hexenglauben in eine Reihe gestellt ist. Das ist die provokative Absicht dieser Aussage und soll die Sichtweise des Spirealismus verdeutlichen: alles ist möglich, und aus der Innensicht erscheint es jeweils völlig normal. So normal wie uns heute unser Wissen über Atome ist, war den Menschen zu anderen Zeiten das Wissen über Hexen. Und das jeweilige Wissen ist eben die jeweilige Welt … oder umgekehrt: die Welt ist aus Wissen. Noch einmal: Es ist die Umsetzung des Satzes „Es gibt keine Objektivität“.

Kontingenz

Die kosmische Ordnung betrachtet der Spirealismus als durch Relationen entstehend. Letztendlich ist sie nicht festgelegt – alles ist möglich. Was wir als unabänderliche Naturgesetzte sehen, ist ebenfalls keineswegs unabänderlich, sondern ist nur unabänderlich für uns Menschen.

Die Naturgesetze als unabänderlich zu sehen ist eine Facette des objekthaften Denkens – denn alles neigt der Mensch als Objekt aufzufassen, wodurch ihm der Aspekt des Fließenden, des Veränderlichen, der in jedem Ding steckt, entgeht.

Der Gedanke der Kontingenz hätte als gesellschaftliches Verständnis große Bedeutung, verbietet es sich doch, diesen Gedanken hegend, von unabänderlichen Notwendigkeiten auszugehen, von eindeutigen Ursache-Wirkung-Beziehungen. Es verböte sich von Alternativlosigkeiten zu sprechen etc..

Materie ist geronnener Geist

Der Zentralbegriff des Materialismus ist die Materie. Sie als stillliegenden „Gegenstand der menschlichen Betrachtung“ zu sehen ist die typische objekthafte Auffassung von der Welt, die doch vom Heraklitschen „Alles fließt“ viel besser beschrieben würde. Doch dieses „Alles fließt“ ist mit unserer statischen, objekthaften, Auffassung von der Welt nicht in Übereinstimmung zu bringen, sondern wirkt paradox. So als würde Heraklit sagen, man könne keine Aussagen über die Welt treffen, wenn sich alles in jedem Moment im Wandel befindet, und daher im Moment des Begreifens schon wieder vergangen ist.

Die Kernaussage des Spirealismus ist aber, dass alles Geist ist, dass alles relativ ist, das alles im stetigen Wandel begriffen ist, denn mit jedem Gedanken ändert sich auch die Welt. Die Materie ist geronnener Geist, denn auch Materie ist nichts anderes als eine Vorstellung, eben eine sehr feste Vorstellung. Auch über diese Brücke erhalten wir einerseits eine Idee von der Macht der Gedanken – einerseits. Andererseits erhalten wir eine Idee von unserem Unterworfensein, unter die Gedanken, d.h., wir können uns die Welt nicht ausdenken, wir können nicht denken was wir wollen. Siehe Denkgrenzen.

Kosmische Ordnung – Metaphysik

Der Begriff der kosmischen Ordnung den ich gebrauche, verwende ich nicht als Synonym zu „Universum“. Sondern die kosmische Ordnung ist quasi die metaphysische, also hinter der sichtbaren Welt liegende, begründende Ordnung, deren Grundgesetze zu finden die Aufgabe der Philosophie, die Aufgabe des Spirealismus ist. Das Wesen der kosmischen Ordnung ist es, irgendeine Art von Muster zu sein; eine Ordnung in der Auffassung ihrer Elemente (der Mensch z.B.). Es ist nicht das Wesen der kosmischen Ordnung, ein festgelegtes Bild zu bieten, so wie wir uns das vom Universum vorstellen.

Die kosmische Ordnung erkennen

Die Welt, das Sein, lässt sich für den Spirealismus am besten erkennen, indem der Mensch sein Denken anschaut – in welchen stetig wiederkehrenden Zyklen es stattfindet, welchen Grundregeln es folgt, wie es zu Begründungen kommt, was es beeinflusst. Der Spirealismus ist so gesehen weniger daran interessiert, welche Aussagen sich in den menschlichen Gedanken bilden, sondern eher, wie diese zu Stande kommen, welche offensichtlichen Widersprüche es gibt, die uns sagen, dass das, was wir für selbstverständlich halten, so wie wir es denken, nicht sein KANN.

Das Denken zu beobachten, und nicht die Materie ist naheliegend, denn der Spirealismus sieht die Welt als den Gedanken daran, und endgültige Wahrheiten lassen sich in der Materie nicht finden. Der Gedanke, der Geist, ist es, der dem Sein am nächsten kommt.

Wahrheit

Die Welt ist eine Vorstellung, die aus Relationen entsteht. Relationen wohlgemerkt, die an keiner Stelle an etwas Festem „andocken“. Die Wahrheit, als Kriterium für die Realität, für die Festigkeit der Welt, ist ebenfalls „nur“ relativ.

Wahrheiten werden umso allgemeiner, und gemäß unserer objekthaften Denkweise um so aussageloser/belangloser, je tiefer und fundamentaler sie sind.

Daher sind die wichtigsten und fundamentalsten Aussagen über die Welt eher in Denksystemen wie der Hermetik zu finden, als in Abhandlungen der materialistischen Wissenschaften. Die Abhandlungen der materialistischen Wissenschaften nennt der Spirealismus jedoch keineswegs überflüssig, denn wir bewohnen ja eine materialistische Vorstellungswelt.

Irrational – aber nicht unnütz

Die Welt ist eine Vorstellung – daher kann die Welt nicht in einer endgültigen Weise begriffen werden. Zumal schon die Prämisse, es handele sich um eine Welt, falsch ist.

Die Welt, wie immer man sie sich vorstellt, hat eine konkrete Form. Und diese konkrete Vorstellung ist insofern auch immer in gewisser Weise falsch, da es stets den Vergleich zu anderen, konkreten Vorstellungen, geben kann. Das einzig sinnvolle Ziel kann daher nur darin bestehen, die fundamentalsten  Wirkprinzipien der kosmischen Ordnung in das Weltbild zu integrieren, um sie nutzbar zu machen. Das sieht der Spirealismus als eine Bewusstheit, die weit über das hinausgeht, was mit materialistischem Denken zu erreichen ist.

Wenn die Welt nicht auf eine eindeutige Weise zu begreifen ist, weil sie eine Vorstellung ist, und weil der Mensch selbst ein Element der Schöpfung ist, und somit aus ihm selbst die Welt hervorgeht, wird man dies unter materialistischen Gesichtspunkten „irrational“ nennen. Das ist durchaus zutreffend.

Dennoch ist diese Erkenntnis alles andere als unnütz, denn erstens ist sie in einem relativen Sinn wahrer als die materialistische Weltsicht. Zweitens ist sie alles andere als trivial. Und drittens sind die Möglichkeiten des Handelns, die sich aus dieser Aussage ergeben, in keiner Weise ausgelotet.

Denkgrenzen

Wenn man sagt, dass die Welt(en) als Relation zu Stande kommen, und nicht durch die Beobachtung geistloser Materie durch einen geniehaften Geist (den Menschen), dann bedeutet das gleichzeitig, dass die Quelle dieses umfassenden Geistes (der Relationen hervorbringt) völlig unverstanden ist und im Dunkeln liegt.

Wie auch könnte man (der Mensch) etwas erklären, das man noch gar nicht beobachtet hat? Und wie könnte man etwas erklären, dessen Art und Weise Welten entstehen zu lassen (auch) unsere Erklärungen sind?

Aus diesem Grund sieht der Spirealismus es als eine notwendige Feststellung an, dass das menschliche Denken begrenzt ist, und die Möglichkeiten des den Menschen entstehen lassenden Denkens unbegrenzt sind. Und nicht, wie der Mensch umgekehrt meint: sein beobachtender Geist sei unbegrenzt, und die Grenzen des Denkbaren lägen im Außen, im Beobachteten, in der Materie.

das Höhere, Gott

Aus dem zuvor Gesagten ergibt sich, dass der begrenzte Geist nicht Alles sein und nicht alles denken kann.

Das wiederum bedeutet, dass es notwendigerweise das Unverstandene gibt; das, was man nicht denkt und nie denken kann. Im Verständnis des Spirealismus kommt aus der Ahnung dieser Tatsache, die der Mensch wohl hat, die ihm aber in der materialistischen Sichtweise völlig unverständlich ist, die Notwendigkeit des Götterglaubens zu Stande. Denn tatsächlich kann man das, was der Mensch nicht beobachten kann, was die Welt(en) aber hervorbringt, das ihm Übergeordnete, das Höhere, das Nicht-Erkennbare – als Gott bezeichnen, denn der religiöse Wortinhalt bezeichnet genau das.

Gott findet seinen Ausdruck in der Natur

Soweit der Mensch es sehen kann, kommt das Höhere in allem zum Ausdruck, was ihn umgibt, und natürlich in dem, was er selbst ist – in jedem Gedanken. Also: in jedem Stein, in jedem Tier, in jedem Menschen.

Phantasie, Metapher, Symbol

Weil der Gedanke und die Welt eins ist, weil die Welten (die Ich-Universen) aus ihrem kosmischen Prinzip heraus jede Form annehmen könnten, jedoch aus eben dem gleichen kosmischen Prinzip heraus  in uns Menschen zu Einem werden, und weil der Mensch nichts im herkömmlichen Sinn „beobachten“ kann, kommt der Phantasie und dem Denken in Metaphern und Symbolen für den Spirealismus eine besondere Bedeutung zu.

Schließlich, und das wurde am Anfang gesagt, ist auch der Spirealismus eine Denkwelt, die zuallererst, um ihre eigene Notwendigkeit und Folgerichtigkeit zu begreifen, Phantasie benötig. Man muss sich vorstellen können, dass die Dinge die wir als eindeutig kennen und bezeichnen, auch anders gedacht werden könnten – kommen wir insofern ruhig wieder auf das Atom zurück – und dann anders wären. Das würde ich als eine Leistung der Phantasie bezeichnen – des Tastens am unsichtbaren Rand des Undenkbaren. Es ist wiederum die praktische Auswirkung des Satzes „Die Welt ist der Gedanke an die Welt“.

 

 

 

Folgerungen

Der Spirealismus sieht die Notwendigkeit einer spirituellen Bewusstwerdung. Durch Denken Schöpfer einer bestimmten Realität zu sein, durch individuelles Denken die Realität formen zu können, dessen sollte sich der Mensch bewusst werden. Nur so kann der Mensch tatsächlich Lenker seines Geschickes werden, das er sonst aus von ihm scheinbar unabhängigen Kräften erwachsen sieht, wie Krieg, Wirtschaftskrisen etc..

Naturwissenschaftliche und spirituelle Wahrheit sieht der Spirealismus aus dem gleichen Grund, aus demselben Prinzip, entstehen. Das Weltbild des Materialismus aber, das von einer vom Menschen unabhängigen Außenwelt ausgeht, die sich allerdings nirgends zeigt, überwindet der Spirealismus.

 

 

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind Teil der Schöpfung, nicht ihre Wiederspiegelung.
Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind Teil der Schöpfung, nicht ihre Widerspiegelung.

Weiteres

Spirealismus ist eine dem Materialismus (als Weltanschauung) entgegengesetzte Weltsicht, der gemäß das Geistige die ursprüngliche Existenz ist, von der alle Entwicklung und alles Sein ausgeht. Während der Materialismus die ursprüngliche Existenz in der Materie sieht. Die Materie sei von uns Menschen getrennt, die wir ihre Beobachter sind, so der Materialismus. Das führt in der Folge zu der Annahme des Materialismus, die Menschen könnten die Materie in ihrer Eindeutigkeit beobachten, und objektive Feststellungen darüber treffen.

Demgegenüber sagt der Spirealismus, dass es Objektivität nicht gibt. Es gibt auch keine Wirklichkeit, die von uns getrennt zu „vorhanden“ wäre. Sondern durch uns und aus uns entwickelt sich jede Realität, die wir erleben können. Daher kommt der Spirealismus zu einer ganz anderen Auffassung des Begriffs „Existenz“. Existenz als Existenz der Gedanken, nicht Existenz als eine von den Menschen getrennte Realität. (Gedanken zu Existenzialismus)

Diese Aussage des Spirealismus steht auch im Gegensatz zu den idealistischen Strömungen, nach denen das Materielle wohl vom Geistigen geschaffen wurde (Gott), nun aber eine eigenständige Existenz hat. Dem gegenüber ist es die Grundaussage des Spirealismus, dass unsere Vorstellung von Materie, somit auch die Trennung von Geistigem und Materiellem, selbst ein Produkt des Geistes ist. Somit hat die Materie keine vom Geist unabhängige Existenz.

Als Produkt des Geistigen ist die Materie dem Geist auch nicht entgegengesetzt.

Zur spirealistischen Weltsicht gehört, dass der Geist als etwas anderes verstanden wird, als man gemeinhin (materialistisch) darunter versteht. Die materialistische Vorstellung von Geist, als im Menschen zu verorten, vom Menschen ausgehend, getrennt zu sein von den materiellen Dingen des Außen, bestreitet der Spirealismus.

Geist geht nicht vom Menschen aus, sondern umschließt und erschafft den Menschen. Geist ist die Quelle allen Seins, nicht das Produkt einer materiellen Anordnung (Gehirn). Geist selbst bringt alle Vorstellungen hervor, mithin auch unsere Vorstellungen vom Funktionieren des Materiellen, also der Funktionsweise der Sinne, der Wahrnehmung durch Augen, dem Denken im Gehirn, auch der Vorstellung von Materie und ihren Wirkzusammenhängen.

Gründe  für den Spirealismus

Die Begründung der spirealistischen Weltanschauung geht von der Überlegung aus, dass alles, was wir über die Welt sagen können, als Gedanke in uns ist. Versuche, das Objektive, die Welt außerhalb von uns, in einer „Kernexistenz“ zu begreifen (beispielsweise der von Immanuel Kant geprägte Begriff „Ding an sich“), scheitern stets. Während wir Theorien haben, die uns die materielle Existenz in Milliarden Lichtjahren Entfernung erklären wollen, scheitern wir bereits daran, die objektive Existenz des Selbst zu erklären. Das ist insofern brisant, als es ja der Grundgedanke des Materialismus selbst ist, dass die Welt in objektiver Form, also außerhalb und unabhängig vom menschlichen Geist, existieren soll. Und gleichzeitig scheitert der Materialismus daran, diese Kernexistenz auch nur im Geringsten nachzuweisen – wohingegen das Relative, das Subjektive, stets und ständig beobachtbar ist.

Eine weitere wichtige Beobachtung des Spirealismus ist, dass die Existenz der „Objekte des Denkens“ für den Menschen materialistischer Denkweise gleichermaßen real ist, egal, ob es sich um Objekte vor seinem Auge handelt (beispielsweise eine Tasse auf einem Tisch), oder Objekte, die erwiesenermaßen erst durch Denkmodelle entstehen (beispielsweise das Atom). Daher macht es für den Spirealismus keinen Unterschied, ob ein Objekt geistigen Ursprungs oder materiellen Urspungs genannt wird. Die Unterscheidung ist durch den Menschen ohnehin nicht wirkungsvoll zu treffen – und die eigentliche Existenz ist die Existenz eines Informationsprozesses, der auch die Unterscheidung geistig/materiell hervorbringt.

Dies erklärt auch, warum der Spirealismus das Denken nicht als vom Menschen ausgehend sehen kann. Denn die Vorstellung, der Mensch würde sich alles einfach ausdenken können, würde im Zusammenhang mit obiger Beobachtung zu falschen Schlüssen führen. Nicht vom Menschen geht das Denken aus, sondern das Denken bringt den Menschen hervor. Ein kosmisches Denken allerdings, dessen ursprüngliche Existenz nicht die Sterne sind, nicht die Materie, sondern umgekehrt, dessen konkrete Ausprägung wir als unsere Welt vor uns sehen – mit Sternen, mit Materie, etc.. Und die Sterne haben wir Menschen uns ja nicht „ausgedacht“. Überhaupt ist die Vorstellung des Menschen, er würde sich Dinge frei „ausdenken“, zu überprüfen. Nietzsche sagt: „Es denkt“ – und meint damit einen Beobachter, der völlig unabhängig vom menschlichen Willen überlegt, beobachtet, denkt.

Man kann auch nicht sagen, das kosmische Denken könne nur diese eine Ausprägung haben, die wir vor uns sehen.Denn tatsächlich hat die Welt ja gar nicht nur eine Ausprägung, die zu beobachten wäre. Auch das ist normalerweise, insbesondere aus materialistischer Sicht, unverständlich. Denn die materialistische Sichtweise setzt ja voraus, wir würden alle dieselbe Welt beobachten – dies wiederum ist aber nirgendwo nachweisbar; wir kommen insofern wieder auf die vorgenannte fehlende Objektivität zurück – wie gesagt, eine Aussage Kants, Humes, Nietzsches, und vieler anderer. Und wir kommen auch auf die vorgenannte Aussage zurück, dass eine bestimmte Sichtweise (wie die materialistische Sichtweise), ein bestimmtes Verstehen der Welt bedingt. Wir sagten bereits, dass die Denkmodelle des Menschen gleichermaßen Realität für ihn haben, egal, ob man sie materieller oder geistiger Natur nennt. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die materialistische Sichtweise uns tatsächlich nichts anderes sehen lässt, als die zwar nicht nachweisbare, aber dennoch immer „objektiv“ genannte „Welt des Außen“.

Was, im Gegensatz zur einer objektiven Welt des Außen tatsächlich nachweisbar ist, ist, dass die Welt nicht nur eine Ausprägung hat, sondern eine von Subjekt zu Subjekt verschiedene. Eine andere, als eine subjektive Sichtweise, kann nirgendwo beobachtet werden.

 Auswirkungen des Spirealismus

Der Spirealismus liefert somit eine Begründung für die Wirksamkeit spirituellen Denkens. Er beweist die Kraft des Denkens, denn das Denken sieht er als die ursprüngliche Existenz. Die Existenzkraft spirituellen Denkens, also beispielsweise religiösen Glaubens, sieht der Spirealismus nicht in einer Vortäuschung einer angenehmen Scheinwelt, oder naivem Wunderglauben, der dem Menschen einfach angenehmer ist als die harsche Vorstellung einer materiellen Außenwelt. Sondern Spirealismus sieht die Existenzkraft spirituellen Denkens aus seiner effektiven Funktionalität entstehen – in einer Welt, die aus Denken geboren wird, hat auch das Denken des Menschen existenzielle Kraft. Und Spirealismus stimmt insofern mit den Grundaussagen verschiedener spiritualler Lehren überein: Glaube erschafft. Die Welt, die wir jeweils vor uns sehen, ist eine Welt aus zehntausend Namen (Taoismus).

Die Kern-Aussage des Spirealismus ist, dass das Denken nicht die Widerspiegelung eines objektiven Außen ist, und damit weniger real als dieses objektive Außen. Sondern Denken ist selbst die Quelle des Seins, und darf damit als das eigentlich Reale bezeichnet werden.

Spirealismus was last modified: November 14th, 2017 by Henrik Geyer