Stille üben – meditieren. Wozu ist es gut, still zu sein?

Stille

Es gibt die Auffassung, Spiritualität als eine Stille der Gedanken anzusehen, sogar als Gedankenlosigkeit, als Nicht-von-dieser-Welt-Sein.

Spiritualität ist eine Form der Konzentration

Spiritualität (Geistigkeit) sollte man nicht mit Nicht-nachdenken-Müssen, oder Nicht-von-dieser-Welt-Sein verwechseln.

Zitat: Nicht immer sind die Stillen auch die Weisen. Es gibt verschlossene Truhen, die leer sind.
Jan Giono

Übung der Stille

Meditation, die spirituelle Übung der Stille, des Den-Mittelpunkt-Finden, dient letztlich der Konzentration – und damit der Klarheit der Gedanken.

Konzentration bedeutet, sich auf ein Einziges zu fokussieren, während diese Welt scheinbar aus so vielen Informationen zu besteht. Daher hat es seine Wahrheit, auf sich der Aufforderung „Bild dir deine Meinung!“, oder „du musst alles beachten“, oder „sei Multitasker!“, zu entziehen.
Das Ziel ist jedoch nicht Gedankenlosigkeit, sondern Konzentration, und damit klare Gedanken.

Verwirrung durch Informiertheit

Unser allgegenwärtiges materialistisches Weltbild legt nahe, dass der Mensch eine äußerliche Wirklichkeit widerspiegele. Wenn man das so sieht, dann wäre es tatsächlich das Beste, wenn man so viel wie möglich widerspiegeln könnte, wenn man Multitasker wäre, und tausend wichtige Informationen zugleich im Kopf bewegte.

Doch alles, was durch Multitasking, durch die Fülle von Information erreicht wird, ist Unkontrolliertheit, ist Verwirrung, ist das Unklar-Werden jeden Gedankens, den man denken kann. Und das ist wirkliche Gedankenlosigkeit.

Man kann das mit einer Mathematikaufgabe vergleichen, die man nicht lösen kann, wenn man von tausenderlei anderen Gedanken abgelenkt ist. Die Mathematikaufgabe erscheint vielleicht nicht als das Wichtigste. Aber sie muss für einen Moment das Wichtigste sein. Sonst kann man gar nichts lösen.

 

Das spirealistische Weltbild hingegen sieht den Menschen aus einer unabsehbaren Fülle von Information erst entstehen. Der Mensch ist begrenzt in seinen Informationen – niemals kann er „alles“ aufnehmen. Ganz im Gegenteil – wenn der Mensch ein Fünkchen ist, dann ist das Alles die Unendlichkeit. Meditation und Stille kann diese Wahrheit erschließen. Meditation dient dazu, sich des Seins bewusst zu werden, indem man sich auf den Kern der Gedanken konzentriert.

Konzentriert man sich auf das Wenige, dann kann man erkennen, wie der Mensch aus Gedanken entsteht.

Auf diese Weise kann man auch lernen, die Gedanken ein Stück weit zu beherrschen, und anfangen, die eigene Existenz zu gestalten.

Konzentration, Achtsamkeit, Stille

Konzentration, Achtsamkeit und Stille gehören zusammen. Man kann Stille, Ruhe des Denkens,  auf vielen Wegen üben. Auch im Tun. Im Augenblick zu sein, nur von wenigen Gedanken beherrscht zu werden, ist der Weg, um den wichtigen Gedanken  Raum zu geben.

 

 

 

 

Stille üben – meditieren. Wozu ist es gut, still zu sein? was last modified: Februar 13th, 2016 by Henrik Geyer