Schrödingers Katze und ein Knacken im Wald

Öfters formulierte ich, dass die Welt, ob nun im Kleinsten oder Größten, stets den gleichen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Insofern, fest an diesen Grundsatz glaubend, wunderte es mich zuerst, warum in der Quantenphysik so andere Zustände herrschen sollten, als in der Normalwelt, so dass die Quantenphysiker sich beispielsweise darüber wundern, dass sich anstelle fester Objekte im Bereich des infinitesimal Kleinsten lediglich Wahrscheinlichkeiten finden lassen.

Später begriff ich, dass in der Quantenphysik gar keine anderen Zustände herrschen, sondern dass unser Begreifen der „normalen Realität“, also, wenn man so will der „Makrowelt“, auf wundersame Weise „schräg“ ist. Beispielsweise wenn wir selbstverständlich voraussetzen, wir beobachteten feste Objekte in einem Außen, die in Zeit und Raum schweben und riefen von diesen Objekten Informationen ab. Den Unterschied zwischen der Wahrnehmung dieser Objekte, und den Objekten selbst, können wir aber beim besten Willen nicht ziehen – wie auch, die Wahrnehmung, letztlich der Gedanke, ist es schließlich, der uns überhaupt Kunde gibt von der Existenz eines Objektes.

Wir haben, in der allgegenwärtigen materialistischen Weltanschauung, ein flaches Bild des Kosmos der Wahrnehmung. Wir sehen nicht die Wunder des Geistes, der in Wirklichkeit kreativ ist, auch im Hervorbringen von Dingen. Wir glauben, wir hingen ab von einer festen Welt des Außen, und wir sehen nicht, dass unsere Untersuchungen der festen Außenwelt diese erst erschaffen.

Um das sehen zu können benötigt man andere Denkvoraussetzungen. Wir sind mit der materialistischen Weltanschauung in tausenderlei Widersprüchen gefangen, nicht nur in der Quantenphysik. Wie gesagt, das ist eigentlich auch im Alltag sichtbar, und viele meiner Beiträge drehen sich darum.

Schrödingers Katze

Ein Beispiel hierfür soll in diesem Artikel gegeben werden. Es geht mir darum darzustellen, dass ein Gedankenversuch wie „Schrödingers Katze“ eigentlich eine Normalität auch in der Makrowelt hat. Während man gemeinhin zu begründen sucht, man könne die Verhältnisse der hochkomplizierten atomphysikalischen Betrachtungen nicht nicht in die Makrowelt übertragen … frage ich umgekehrt. Warum denn, so die Frage, soll sich kein grundlegendes Schema finden lassen, das hier wie dort Gültigkeit hat, und uns ggf. mehr und Fundamentaleres klar machen kann über unser Weltverstehen, als die Beobachtung des Zeigers an einem Geigerzähler?

Der Gedankenversuch wie „Schrödingers Katze“ dreht sich um den Zustand einer Katze (lebt sie, ist sie tot?), die sich in einer Box befindet. Ihr Zustand hängt ab von dem Zustand eines kleinsten Teilchens, das, als eine Art Relais, eine Kettenreaktion auslöst (Giftgas wird freigesetzt), die zum Tod der Katze führen muss, wenn der Schalter, wenn das Relais, „betätigt“ wird. OB es zur Kettenreaktion kommt oder nicht, hängt wie gesagt von einem Atomteilchen ab, das beim Zerfall eines Atoms als radioaktive Strahlung abgegeben wird. Der Aufenthaltsort des Teilchens wird bestimmt durch einen Geigerzähler, der das Teilchen misst oder nicht misst. Teilchen vor Ort, in der Messapparatur bedeutet also: Giftgas wird freigesetzt, und das bedeutet den Tod der armen Katze.

Das Wundersame dieses Vorganges ist, und das wollte Schrödinger zeigen, dass man in der Quantenphysik voraussetzt, dass sich kleinste Teilchen in einer Art Wahrscheinlichkeitsraum „aufhalten“, der lediglich die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Zustandes (Ortes) enthält, nicht aber gleichzusetzen ist, mit einem „richtigen“, bestimmten Zustand.

Nebenbemerkung: Der Begriff Wahrscheinlichkeitsraum dehnt den Begriff Existenz, denn man würde normalerweise sagen, dass ein Objekt, dass sich an keinem bestimmten Ort befindet, auch nicht „da“ ist. Oder umgekehrt: Es ist unsere sichere Vorstellung, dass ein „richtiges“ Objekt auch an einem Ort sein müsse. Es muss durch Raum und Zeit definiert sein.

Ein bestimmter Zustand hingegen wird in der Sichtweise der Quantenphysik erst hergestellt durch die Beobachtung des Teilchens – beispielsweise, indem der Mensch irgendwann auf den Geigerzähler schaut und feststellt, ob ein Teilchen gemessen wurde oder nicht. Und dass er nun sieht, ob die Katze tot ist, oder lebt.

Und die Schrödingersche Frage ist natürlich: War die Katze nun, ebenso wie das Teilchen, Teil eines Wahrscheinlichkeitsraumes?

Die Verhältnisse der Mikrowelt werden übersetzt in die Makrowelt, und der „Übersetzer“ ist der Geigerzähler. So wird ein Paradox offenbar, ein Paradox der materialistischen Denkwelt. Dass sich ETWAS (die Katze) in einem Wahrscheinlichkeitsraum befindet, bis ein Mensch seinen Geist darauf wendet, das wird im Materialismus als unmöglich angesehen, dem Materie und Geist getrennt sind.

Die Katze kann entweder leben oder sie kann tot sein, meinen wir, nicht beides in einem Wahrscheinlichkeitsraum. Sie kann sich nicht in einem Schwebezustand befinden.

Kosmos unserer Wahrnehmung

Nun sagte ich ja, dass die Quantenwelt im Grunde nicht anders sei, als die „normale“ Welt. Um das zu verstehen, müssen wir uns die Normalwelt nur anders denken.

Die Quintessenz des Schrödinger Experimentes ist die Vorstellung, dass etwas in die Existenz kommen könnte, durch den Gedanken daran – was der Materialist sofort als Unsinn bezeichnet. Denn Gedanken, so meint er, hätten ja keine direkte Verbindung zur Materie, dem Inbegriff von Existenz. Lieber wird das verschwurbelt mit einem Wahrscheinlichkeitsraum.  Der Wahrscheinlichkeitsraum erlaubt es zu denken, dass das Objekt in irgendeiner Form bereits existierte und nun nur weiterexistiert, und dass man seine Eigenschaft nur bestimmen müsse. Diese würden sich, merkwürdigerweise, nur als ein beginnender Anschein von Wahrheit, als eine Wahrscheinlichkeit, ausdrücken, und nicht, wie es sich für ein richtiges „Ding“ gehört, als Ding mit festen Eigenschaften. Möglicherweise, sagt man sich, ist da „nur“ eine verbogene Wahrnehmung im Spiel.

Jedoch ist dieses In-die-Existenz-Kommen das, was das Schrödinger-Gedankenexperiment ausdrückt – mindestens kommt eine Information in die Existenz, die vorher nicht „da“ war. Und nun ist da wieder die alte philosophische Frage: was ist der Unterschied zwischen einem Objekt und dem Gedanken daran, zwischen einer Information „von“ einem Objekt und dem Objekt selbst? Die Frage ist nicht beantwortbar. Aber es bleiben mindestens zwei Denkmöglichkeiten offen, eine davon ist die verschwurbelte, die andere die spirealistische: Es gibt keinen Unterschied. Ein Objekt ist der Gedanke an ein Objekt. Und Informationen, können in die Existenz kommen, durch einen Gedanken. Informationen? Auch Dinge? Ja, auch Dinge. Denn, wie gesagt, Dinge und Informationen „von“ Dingen – wo ist der Unterschied?

Wie kann Geist Dinge erschaffen?

Wie kann man Dinge erschaffen, nur mit Geist? Kann ich dafür ein Beispiel nennen? Nun, ich denke, ja! Im Grunde könnte ich endlos Beispiele aufzählen, denn es ist ganz alltäglich, es ist nur eine Frage der Sichtweise ob wir das sehen können. Eine Frage der Philosophie. Denken wir einmal nicht: „Wie kann es sein, dass Beobachtung, das Bewusstsein, in die materielle Welt eingreift, und dass Bewusstsein Dinge erschafft?“ Sondern sehen wir das umgekehrt. Sehen wir es als selbstverständliches Prinzip! Natürlich kann Bewusstsein Dinge erschaffen! Tun wir es denn nicht ständig? Haben wir denn nicht das Atom erschaffen? Gäbe es das Atom, ohne Menschen? Wer sagt, alles müsse einen festen Kern haben, wenn nicht der Mensch? Wer teilt die Welt ein in Stoff (Materie) und Gedanken an Stoff (Geist)? Wer wieder unterteilt den Stoff in einhundertundXXX Elemente, macht daraus eine Tabelle und sieht die Tabelle als „die Realität“ an? Wir sind das. Und … was wiederum wäre das Teilchen eines Atoms, von dem im Schrödinger-Gedankenexperiment die Rede ist, wenn es das Atom nicht gäbe? Hängt also demzufolge denn nicht das gemessene Atomteilchen, und auch Leben und Tod der Katze, von einer Denkvoraussetzung der Antike ab (das Atom)?

Oder, sehen wir einen Entscheidungsprozess unter diesem Aspekt. Wir haben eine Unendlichkeit von Handlungsmöglichkeiten vor uns, die sich mindestens im Infinitesimalen unterscheiden. Unser flinker Geist macht daraus ein Rennen zwischen wenigen Möglichkeiten. Schon hier hat sich etwas materialisiert. Doch weiter: Unsere Entscheidung zwischen Alternative A und Alternative B ist, wenn man so will, der Wahrscheinlichkeitsraum. Keine der Alternativen kommt mit einer Notwendigkeit zu Stande. Man könnte sagen: zufällig. Wie im Schrödinger-Versuch: Erst die Beobachtung lässt die Realität gerinnen. Wir selbst sind darin der Würfel, wir selbst sind das unvorhersehbare Element, das Atomteilchen des Schrödinger-Versuchs. Unbesehen der Tatsache, dass wir natürlich immer gute Gründe anführen, warum wir dies so entschieden haben, und jenes anders – mit dem Unterton: das hätte ja vernünftigerweise nicht anders sein können. Aber, sehen wir es einmal so: Unsere Gründe sind Teil der Kreation. Denn letztlich ist uns im Vorhinein ja nicht bekannt, was wir tun werden. Oder etwa doch? Nein, weil uns ja auch nicht bekannt ist, was aus unseren Handlungen folgt. Daher die Ungewissheit, daher die Notwendigkeit einer Entscheidung. Da ist eine Zufälligkeit. Oder etwa nicht? Erst die Beobachtung macht daraus das Feste.

Und nun: Eine Entscheidung erfolgt, etwas materialisiert sich. Wie im Schrödinger-Versuch: Wir beobachten (an uns) etwas. Die Würfel sind gefallen, der Zeiger des Geigerzählers hat ausgeschlagen. Aus Geist wurde Materie. Und kurioserweise wird das, was doch eigentlich eben noch in einem Schwebezustand der Ungewissheit war, nun als „fest und nicht anders denkbar“ angesehen, so als ginge die Gegenwart in einem festen Bezugssystem aus der Vergangenheit hervor. So, als hinge der Geist ab von einer festen (materiellen) Wirklichkeit, die er nur „ganz objektiv“ betrachten könne, „vernünftigerweise“ auf nur eine einzige Art. Dabei kommt diese Realität doch, wie wir gesehen haben, selbst aus Geist, und ist keineswegs mit irgendetwas Festem verknüpft! Sie kommt aus dem Zufall (denn eine Wahrscheinlichkeit ist ja auch Zufall) – und sie bleibt darin. Die Realität wabert und verflüssigt sich. In uns, im Geist, wird sie für einen Moment fest.

Man muss das sehen können. Statt dessen sehen wir die Welt als verschieden von uns, als getrennt; sehen sie als fest und ausgestattet mit einer Notwendigkeit der Existenz. Wir selbst seien unbestechliche Beobachter, meinen wir, die durch Klugheit und Brillianz die Welt auf die einzig mögliche Art betrachteten. Alles andere sei dumm. Anders als wir, meinen wir, könne man die Welt nicht sehen, und wir bemerken nicht einmal, dass „wir“ gar keinen einheitlichen Blick haben, sondern dass in jedem Einzelnen von uns, „die Welt“ etwas anderes ist.

Man beobachte, wie sich diese kuriose Sichtweise der Festigkeit im Alltag ausdrückt, wie sie von vielen Menschen ausgesprochen wird. Wir kennen das schöne Wort von einer „Alternativlosigkeit“.

Noch ein weiteres Gedankenspiel: Nachdem nun also die Entscheidung des vorigen Beispiels gefallen ist, betrachten wir „die Realität“ wie fest. Aber das ist sie nicht. Wir können den „Wahrscheinlichkeitsraum“ in Bezug auf die vermeintlich feste Realität jederzeit öffnen. Man denke sich unser Streiten um das, was denn eigentlich die Realität sei, unter diesem Aspekt. Der eine sieht „die Realität“ so, der andere sieht „die Realität“ anders. Man diskutiert, man streitet, meist, weil man zu irgendeiner Entscheidung kommen will, z.B. in der Politik. Was ist nun „die Realität“? Ist sie das, was der eine Mensch sagt, oder das, was der andere Mensch sagt? Ist sie das, was nicht gesagt wird – ist sie das, was ein Hund denkt? Ist das, was vielleicht als Streitkonsens erreicht wird, „die“ Realität? Kann man sehen, welche Zufälligkeit darin liegt, dass sich schließlich eine ganz bestimmte Sichtweise der Realität herauskristallisiert? Eine Sichtweise IN UNS? Welche Phantasie darin liegt, welche Zufälligkeit, welche Nicht-Notwendigkeit, welche Unbestimmtheit? Kann man sehen, wie die Realität immer und immer wieder erst gerinnen muss, durch den Gedanken an sie? Kann man sehen, wie wir selbst das vollbringen, nicht durch eine kluge Geistesleistung, sondern einfach, indem wir schauen? Kann man sehen wie sich die Realität, quasi „hinter unserem Rücken“, wieder auflöst, verschwimmt, und in einen Wahrscheinlichkeitsraum eintritt?

 

Spirealistisch gesehen ist der Mensch Element der Schöpfung, nicht ihr Beobachter. Das bedeutet: er erschafft, während er glaubt etwas Äußerliches, von seinem Geist Unabhängiges, zu beobachten. Denn in der Beobachtung trifft Geist auf Geist – alles ist Geist.

Existenz und Wahrnehmung

Dass Existenz durch Gedanken entsteht hält man jedenfalls in der materialistischen Weltanschauung für unmöglich. Doch das ist es nicht. Der Spirealismus setzt dies im Gegenteil voraus (SpiRealismus – der Gedanke an eine Realität ist die Realität selbst), und ich denke, dass die Wahrheit dieser Aussage im Grunde durch jeden beobachtbar ist.

Zurück zu Schrödingers Katze. Wir sind, was dieses Experiment angeht, in keinem anderen Kosmos, sondern immer noch im Kosmos unserer Wahrnehmung. Und nun, dasselbe Experiment, seines wissenschaftlichen Mantels ein wenig entkleidet (denn eigentlich muss das Schicksal der Katze ja nicht von einem Atomteilchen abhängen, ein Würfel beispielsweise täte es auch). Das Schicksal der Katze in einem normalen, makroskopischen Kontext: Nehmen wir an, die Katze befände sich im Wald, und wir wüssten nicht, ob sie noch lebt, oder von einem anderen Tier gerissen wurde. Sie befindet sich für uns in einem Schwebezustand zwischen Leben und Tod – einem Schwebezustand der Wahrscheinlichkeit könnte man in Anlehnung an die Quantenphysik sagen. Ein Wahrscheinlichkeitsraum. Die Wahrscheinlichkeit des Überlebens der Katze könnten wir vielleicht beziffern (ganz ähnlich dem Ort des Teilchens), aber nicht den aktuellen Zustand. Dieser offenbart sich uns erst, wenn wir die Katze sehen, entweder wie sie durch den Wald läuft, oder aber ihr ausgefressenes Fell. Ganz ähnlich dem Experiment. Die Realität wird scharf gestellt, wodurch? Durch die Beobachtung. Durch die Wahrnehmung.

Im Fall der Waldkatze, sprechen wir von einer Wahrscheinlichkeit, und denken uns nichts weiter. Dies sei ganz anders als in der Quantenwelt. Weil wir annehmen, dass die Katze in einem bestimmten Zustand sei. Und, weil wir glauben, wir hätten problemlosen Zugriff auf eine bereits bestehende Information, nämlich die, ob die Katze lebt oder nicht, braucht es nur noch ein Hinsehen, um die Information von dem vorhandenen Objekt abzurufen. Weil … die Kette der von uns selbst erschaffenen Weils ist endlos.

Ein Knacken im Wald: der Gedanke an Etwas

Inwiefern unterscheidet sich die Im-Wald-laufende-Katze von Schrödingers Katze? Gar nicht. Wir kennen den Zustand der Katze nicht, bis wir hinschauen. Sozusagen materialisiert sich da etwas. Etwas wird erschaffen.

Vielmehr ist, wie wir beide Ereignisse interpretieren, eine Frage der Weltanschauung.

Ich übersetze das in das alte philosophische Paradox von einem Knacken im Wald, ein Paradox der materialistischen Sichtweise. Es ist sehr sinnfällig und sehr einfach. Das Paradox geht so: Was ist ein Knacken im Wald, das niemand hört? Ist es da, oder ist es nicht da?

Das Paradox besteht in dem konkreten Bezug auf ein bestimmtes Ereignis, nämlich ein „Knacken im Wald“. Indem ich es formuliere, erhält es eine Wahrscheinlichkeit. Na klar! Es knackt eben ab und an im Wald. Wir hören es direkt ein bisschen, wie es da knackt. Und das Ereignis erhält eine gewisse Existenz. Wir sehen hier, wie etwas in die Existenz kommt, nur durch den Gedanken daran. Was wäre zum Beispiel, hätte ich überhaupt nicht an ein Knacken gedacht? Das es knackt hat doch eine gewisse Wahrscheinlichkeit! Aber – was ist eine Wahrscheinlichkeit, die niemand formuliert? Ist sie da oder nicht da? 

Was weiß ich also von einem ganz bestimmten Knacken? Eigentlich gar nichts. So herum gedacht wäre dieses Knacken geradezu unmöglich. Ein bestimmtes Knacken (welches meine ich überhaupt?) hat sicherlich nicht stattgefunden (eine gegen Null gehende Wahrscheinlichkeit).

Die Transformation der Beispiele

Die Fragestellung von Das Knacken im Wald: Was ist ein mögliches Knack-Ereignis im Wald, das niemand mitbekommt, niemand beobachtet, niemand denkt? Ist es da, oder ist es nicht da?

Das Knacken im Wald, übersetzt in die Katze im Wald: Was ist ein mögliches Todes-Ereignis im Leben einer Wald-Katze, das niemand mitbekommt (niemand denkt)? Ist es da, oder ist es nicht da?

Das Knacken im Wald, übersetzt in Schrödingers Katze: Was ist ein mögliches Todes-Ereignis im Leben der Katze in der Box, das niemand beobachtet (niemand denkt)? Ist es da, oder ist es nicht da? ODER: Was ist ein mögliches Ereignis in der Existenz eines Atomteilchens, das niemand mitbekommt, niemand von einem Geigerzähler abliest, niemand denkt? Ist es da, oder ist es nicht da?

Ziel dieses Hin-und-Her-Transformierens ist, dem Leser die Gleichartigkeit der Grundfrage in den scheinbar immer verschiedenen äußerlichen Formen der Fragestellung bewusst zu machen. „Was ist ein mögliches Ereignis in der Existenz eines ***, das niemand mitbekommt (niemand denkt)?“ – Diese Frage beinhaltet und bedeutet: Achtet auf die erschaffende Wahrnehmung!

Ich könnte es auch umgekehrt formulieren, und sagen: „Was ist ein Objekt der Gedanken? Könnt ihr sehen, dass es notwendigerweise Existenz hat?“ In der spirealistischen Weltanschauung ist diese Formulierung völlig zutreffend und logisch – den Materialisten kann man so nicht überzeugen, denn sein fester Glaube ist es ja, dass zwischen dem Gedanken an ein Objekt und dem Objekt selbst, ein Unterschied ist. Nur in der Umkehrung wird das Paradox deutlich, also in der Frage: Welche Existenz kann ein Ding haben, das nicht gedacht wird?

Damit möchte ich deutlich machen, dass es keinen grundlegenden Unterschied zwischen der Wahrnehmung von kleinsten Teilchen gibt, die sich von der „normalen“ Wahrnehmung völlig unterscheiden würde. Sondern in beiden Fällen, in Makrowelt wie Mikrowelt, gerinnt die Realität durch Gedanken. Es entsteht Existenz. Und das kann man eben auch in beiden „Welten“, in Makro- wie Mikrowelt, sehen.

Existenz ist an Geist gebunden

Man könnte es auch so sagen: Was ist der Unterschied zwischen einer Information, die in einem Augenblick „entsteht“, und einer, die schon „existiert“ und uns erst „zur Kenntnis gelangt“, d.h., wahr genommen wird, d.h. gedacht wird? Antwort: Es gibt keinen wahrnehmbaren Unterschied. Wie könnte man den Unterschied definieren? Die Wahrnehmung ist das Werkzeug des Begreifens. Der Gedanke ist die eigentliche Wahrnehmung.

Das, was wir wahrnehmen ist das, was wir denken. Und das, was wir nicht denken, ist, so unbegreiflich es uns scheint, nicht ausdrückbar. Es ist nicht „da“. Es ist nicht existent. Existenz ist an Geist gebunden.

Resüme

Warum ist, was wir nicht wissen, in der spirealistischen Weltsicht nicht „da“, nicht „existent“? Antwort: Weil der materialistische Existenzbegriff paradox ist, und offensichtlich falsch. Dem materialistischen Existenzbegriff zufolge müsste z.B. all das eine Wahrscheinlichkeit der Existenz haben, was wir uns denken. Und in einem unendlichen Raum (dem Universum) müsste es auch existieren. Das beißt sich (ist paradox) mit unserer Vorstellung einer klar umrissenen Existenz, die von Denken unabhängig sei.

Nein, umgekehrt! Wie könnte sich etwas, das nicht gedacht wird, je als existent erweisen?Vielmehr ist, und das ist viel schlüssiger, die Existenz direkt an Information geknüpft – in der Menschenwelt: an Gedanken.

Jemand wird sagen: „Das geht nicht. Dann wäre ja Materie …  und Gedanken wären … „. Ja, genau. Die Dinge des spirealistischen Kosmos sind anders als die des materialistischen Kosmos. Gedanken wären etwas anderes, das Menschenbild ist anders. Das Umdenken muss umfassend sein, denn in der materialistischen Weltanschauung baut das Eine auf dem Anderen auf, doch alles basiert auf der Annahme, wir würden eine äußerliche Welt beobachten – für den Materialismus die Existenz.

Für den Spirealismus ist die Existenz der Gedanke, und es verbinden sich mithin ganz andere Vorstellungen wichtiger Begriffe wie „Denken“, „Bewusstsein“, „Raum“, „Zeit“, „Wille“ u.v.m. damit. Und, innerhalb des spirealistischen Weltbildes hat man auch ganz andere Wahrnehmungen. Etwa so, wie man eine Schrift erst lesen kann, wenn man die Buchstaben auswendig kann. Äußerlich betrachtet wirken Buchstaben sicherlich wie ein ungeordnetes Durcheinander.

Kann erst die Kernphysik verstehen?

Und noch etwas – etwas, das zum Thema Schrödinger-Gedankenexperiment passt. Kernphysiker sind häufig auch Philosophen, die das Wesen des Seins hinterfragen. Warum? Natürlich erstens, weil das oft sehr kluge Leute sind. Zweitens, denke ich, weil man in der Kernphysik viel Phantasie braucht – man kann die Objekte der Anschauung nicht eigentlich anschauen und macht sich so seine Gedanken über ihr Wesen. Man denke an Einsteins imaginären Ritt auf einem Photon, das ihn zur Relativitätstheorie brachte. Und drittens weil sie sehen, dass sich dort, wo man seit der Antike feste Kerne vermutete, keine finden lassen. Der Atomphysiker und Philosoph Heisenberg war z.B. am Ende seines Lebens der Überzeugung, der Mensch müsse Teil eines großen und umfassenden Geistes sein. Oder vielleicht kennt man den Satz „Materie ist geronnener Geist“, Prof. Dr. Hans-Peter Dürr soll das gesagt haben.

Aber, braucht man nun die Kernphysik, um das zu verstehen? Aus meiner Sicht nicht. Dieser Artikel dreht sich eben darum, die Phänomene des Geistes unter einem anderen Gesichtspunkt zu sehen. Auch dafür braucht es viel Phantasie, und man muss sich Gedanken um das „Wesen der Dinge“ machen, ganz so wie Kernphysiker. Aber man kann die Dinge in ihrer ganz normalen, makroskopischen Welt ansehen, und kommt letztlich auf genau dieselben Fragen.

Zum Beispiel verstehe ich die Kantsche (Immanuel Kant, deutscher Philosoph (* 22. April 1724 in Königsberg, Preußen; † 12. Februar 1804 in Königsberg)) Frage nach dem Ding „an sich“ so. Die Frage lautet im Prinzip: Wie lässt sich der Unterschied zwischen einem Ding und dem Gedanken an ein Ding genau fassen? Wie ist das Ding, das wirkliche Ding, das Ding „an sich“, .. nun ja … wie ist es wirklich?

Das ist nach meiner Auffassung die entscheidende Fragestellung. Wenn man diese Frage nicht versteht, erübrigt sich eigentlich alles Weitere.

Aber wenn man sie versteht, kommt man wie Kant sicherlich zu einem: Das lässt sich nicht sagen.

Und wenn man zu diesem Schluss kommt, es ließe sich nicht sagen, dann ist der Umkehrschluss der, dass unsere Welt von Phantasien abhängt. Nun wieder die Frage: Inwiefern und wie sehr unterscheidet sich die Phantasie von den wirklichen Dingen? Noch einmal: Das kann man nicht sagen.

Und nun kommen wir zum eigentlichen Thema: Was sind denn dann die wirklichen Dinge anderes als Phantasie? Wieder: Das kann man nicht sagen. Aber, müssen sie denn etwas anderes sein? „Gibt es“ denn die wirklichen Dinge? Man könnte hier wieder antworten:  „Das kann man nicht sagen“. Aber im Grunde muss man doch genauer überlegen: Es gibt keine Notwendigkeit für eine von Geist gesonderte Existenz von „Dingen“. Das ist selbst eine Vorstellung. Eine Phantasie. Die Welt ist eine Vorstellung. Dies ist die spirealistische Sichtweise.

 

Schrödingers Katze und ein Knacken im Wald was last modified: Dezember 11th, 2017 by Henrik Geyer