Naturwissenschaften vs Geisteswissenschaften. Die Psychologie in der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft

Naturwissenschaften Geisteswissenschaften

Die Verschiedenheit von Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften

Geisteswissenschaften sind unter anderem: Geschichtswissenschaften,  Kunstgeschichte,  Musikwissenschaft,  Literaturwissenschaften,  Religionswissenschaften,  Sprachwissenschaften.

Wenn man versucht, die Verschiedenheit der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaften zu benennen – was ist das Wesen dieser Verschiedenheit? Die Verschiedenheit, wenn man sie formuliert, läuft immer darauf hinaus, dass man „das Vorhandene“ von dem „nur Wahrgenommenen“ trennen will.

Es ist die darin zum Ausdruck kommende Sichtweise des Materialismus, die besagt, dass es ein objektives Außen gibt, das der Mensch beobachtet. Und dieses Außen objektiv zu bestimmen – das sei die Aufgabe der Naturwissenschaften.

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Wohingegen sich die Geisteswissenschaften um den beobachtenden Geist und sein Begreifen kümmern, in Kauf nehmend, dass hier Interpretation ins Spiel kommt. Interpretation, die die Naturwissenschaften für sich ausschließen, denn sie meinen ja, objektiv zu sein.

Weil der Geist in Bezug auf das Objektive in einer relativen Position ist, meint  man in der materialistischen Denkweise, der Geist könne alle möglichen Aussagen hervorbringen – bei den Naturwissenschaften hingegen sei das subjektive Element auszuschließen. Daher haftet den Geisteswissenschaften das (Vor)Urteil an, sie produzierten keine objektiven Aussagen.

Praktisch gesehen sind die Geisteswissenschaften Bereiche, in denen scheinbar endlos diskutiert werden kann, wohingegen die Naturwissenschaften eindeutige Resultate hervorbringen, die man z.B. beim Herstellen von Dingen verwenden kann.

Das Problem

Spätestens seitdem in der Quantenphysik Phänomene auftreten, die den Schluss nahelegen, dass der Mensch, indem er beobachtet, die Ergebnisse der Versuche beeinflusst, darf man aber fragen, was denn das Objektive überhaupt ist.

Ein Beispiel ist das Doppelspaltexperiment, ich beschrieb es in „Alles ist Geist„.

In Bezug auf den Geist kann man umgekehrt feststellen, dass seine Realität in den Gedanken liegt und nicht von einem feststehenden Außen abhängt. Auch das beschrieb ich.

Das führte zu der Aussage, dass das „objektive Außen“ in dem Sinn wie wir es uns vorstellen (als unabhängig vom menschlichen Geist), nicht existiert. Diese Sichtweise heißt Spirealismus.

die Psychologie will Naturwissenschaft sein

Die Psychologie ist in einer Zwitterposition. Einerseits geht es ihr um den menschlichen Geist, und praktisch gesehen um die Heilung psychischer Krankheiten.

Andererseits kann die Psychologie mit den spirituellen Verfahrensweisen ihrer bedeutendsten Vertreter, wie Freud und Jung, wenig anfangen. Denn sie möchte Naturwissenschaft sein, konkrete und nachweisbare Ergebnisse produzieren. Nachweisbare Ergebnisse wiederum gibt es nur in der Menge der Beobachtung der Vielen, der Beobachtung des Außen.

Die Phänomene des einzelnen Geistes, die jede Form annehmen können, sollte die Psychologie aber genauso ernst nehmen, wenn sie erkennen und heilen will. Denn sie verschenkt ihr Potential, wenn sie sich nicht auch weltanschauliche Fragen stellt, z.B. die Frage, was die Realität eigentlich ist. Gerade die Beobachtungen der Psychologie machen klar, dass die Realität subjektiv auftritt. Wenn man nun meint, die subjektiven Wirklichkeiten interessieren nicht, sondern nur die vermeintlich eine Realität (die nur außerhalb des Individuums zu finden sei), die naturwissenschaftlich zu untersuchen sei, dann nützt man die interessante Besonderheit gerade dieser Wissenschaft nicht.

Denn das eigentlich Interessante ist ja gerade die Frage, ob und wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, dass jegliche Beobachtung, ob nun in der Wissenschaft oder sonstwo, ohne die Berücksichtigung des Beobachters, und seiner Art und Weise zu beobachten, auskommen kann.

Werner Heisenberg (Teilchenphysiker) , die oben genannten Resultate der Quantenphysik zur Kenntnis nehmend,  formulierte: Die Ontologie des Materialismus beruhte auf der Illusion, daß man die Art der Existenz, das unmittelbar Faktische der uns umgebenden Welt, auf die Verhältnisse im atomaren Bereich extrapolieren könne.
Um das ein wenig verständlicher auszudrücken: Während wir in unserer Umgebung das Faktische, das Objektive, finden können, finden wir es in der Quantenphysik rätselhafterweise nicht.

Was man sieht ist nicht zu trennen von der Brille, die man trägt.

Heisenbergs Aussage steht im Widerspruch zu den Aussagen vieler Wissenschaftler und Philosophen vor ihm, die feststellten, dass man auch in unserer Makro-Umgebung keineswegs das unmittelbar Faktische, das Objektive, oder wie Kant es ausdrückte, das „Ding an sich“, findet. Es war ebenso meine Erfahrung, die ich in „Alles ist Geist“ beschrieb. Es muss also nicht unbedingt verwundern, wenn man irgendwann auch in den Naturwissenschaften zur Kenntnis nehmen muss, dass der Blick des Menschen nicht nur beobachtet, sondern erschafft. So wie es die Quantenphysik ohnehin nahelegt.

Ausgestattet mit der entsprechenden philosophischen Brille ist dies jederzeit zu sehen.

Der Spirealismus setzt  Wahrgenommenes und Vorhandenes gleich. Die Welt ist die Welt des Denkens. Dies kann nur aus der Denkgewohnheit heraus bestritten werden, Beobachtung und wirkliche Realität seien verschieden. Und das ist eigentlich unerklärlich.

Naturwissenschaften vs Geisteswissenschaften: Die Aussage des Spirealismus ist, dass Psychologie und Wissenschaft nicht zu trennen sind. Die Naturwissenschaften und die Geisteswissenschaften können beide keine objektiven Resultate zeitigen, also Resultate, die völlig unabhängig vom menschlichen Blick wären. Denn es macht keinen Sinn, die Sichtweise des Menschen abzutrennen von seinen Beobachtungen, oder das, was man durch eine Brille sieht, als völlig unabhängig von der Brille zu bezeichnen.

 
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Naturwissenschaften vs Geisteswissenschaften. Die Psychologie in der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft was last modified: April 14th, 2016 by Henrik Geyer