Merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags

Merkwürdig, warum viele Menschen die Merkwürdigkeiten der Welt einfach nicht sehen können. Diese Rätselhaftigkeit, die sich in der römischen Antike bereits ausdrückt, als „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ (Cicero) Ist dieser Ausspruch Ciceros ein Zeichen von Dummheit? War man in der Antike blöde – wir hingegen sind so weise? Wissen wir nicht heute (fast) alles?

In diesem Artikel geht es um die Merkwürdigkeiten der Welt, die sich im Grunde in allem zeigen.

merkwürdig: es gibt keine Rätsel mehr

Neulich sah ich in der Auslage eines Zeitungsladens zwei Zeitungen, sie titelten mit „Die letzten Geheimnisse der Pharaonen“, und „Die letzten Rätsel der Menschheit“.

Mir kam das merkwürdig vor. Es ist Ausdruck einer ganz bestimmten Geisteshaltung, einer Brille, die wir aufhaben. Diese Brille nenne ich „Materialismus“. Wenn wir sie tragen, dann glauben wir, wir würden eine festgelegte Außenwelt nur beobachten. Und, weil das so ist, trennt uns von einer objektiven (und endgültigen) Beobachtung, so meinen wir, nur ein noch genauerer Blick.

merkwürdig: wir sind so weise … nur das Einfachste über uns selbst, wissen wir nicht

Wir schauen in die entlegensten Winkel des Weltalls, entdecken 11 Dimensionen, wissen eigentlich alles. Aber wir können uns nicht erklären, woher Wirtschaftskrise, Krieg, Elend kommen. Wir wissen nicht was Bewusstsein ist, Tod …

Merkwürdig, dass wir uns dennoch so weise vorkommen, mit all unserem Detailwissen – das Wichtige bleibt uns dennoch verschlossen.

Das Ende der Rätsel – wie könnte das aussehen?

Davon abgesehen – wenn die Zeitung titelt „Die letzten Rätsel der Menschheit“ … wie könnte ein wirkliches Ende der Rätsel aussehen? Dann müssten wir aufhören zu formulieren, aufhören zu denken. Das wäre der einzige Weg, dass es tatsächlich ein Ende der Rätsel geben könnte.

merkwürdig: die Geschichte ist unbestimmt

Z.B. ändert sich die Geschichte für uns ständig – mit dem Neubegreifen irgendeines Details, mit neuen Wertungen, neuen Büchern zu historischen Ereignissen.

das Jetzt ist ebenso unbestimmt

Die größte Merkwürdigkeit ist, dass auch das Jetzt im Letzten unbestimmt ist – wabert. Das muss man erst einmal wahrnehmen. Nichts ist im Letzten bestimmbar. Nichts ist objektiv.

Artikel: Fehlende Objektivität.

Es ist nur ein Glaube (an das Objektive) vorhanden, der uns sagt, alles sei ganz genau bestimmbar. Doch das Objektive ist, bei genauerem Schauen, nicht findbar.

Wozu brauchen wir diesen Glauben? Er ist das Fundament unserer materialistischen Weltanschauung. Ohne ihn geraten die Begriffe, die unsere Welt sind, in’s Wanken.

das unerkärliche ohne Grund sein – der Zufall

Haben wir die letzten Rätsel der Menschheit unter Kontrolle, wenn wir den Zufall kontrollieren? Ich würde sagen ja!

Den Zufall gibt es in jedem wahrnehmbaren Bereich, den wir wahrnehmen können. Nichts ist davon ausgenommen, nicht die Menschheit, auch nicht die Geschichte mit ihren Pharaonen.

Und der Zufall  – er endet einfach nicht, so lange man auch forscht.

Siehe auch Artikel zum Thema : Zufall – Über den Begriff des Zufalls

Siehe auch Artikel zum Thema : Nichts geschieht ohne Grund (nihil fit sine causa). Der Grund „an sich“

merkwürdig: Wir sind „der Mensch“ – ein Supermensch

Jeder einzelne Mensch ist Träger des Wahr-Scheins. Jeder Mensch weiß angeblich, wie etwas zustande kommt, doch eigentlich beruft sich jeder stets auf Fremdwissen.

Namen stehen für Wissen, das man selbst nicht hat. „Frag doch mal den!“, „Lies dir das Buch durch!“ Aus Eigenem wissen die Menschen fast nichts. Dennoch halten sie sich für Genies, die sich nicht um die Details kümmern müssen. Jeder ist „der Mensch“ – jenes sagenhafte Geschöpf, das alles das kann,. was die Menschheit vermag.

Zitat Schopenhauer

Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? – Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? – So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft.
Arthur Schopenhauer

Siehe auch Artikel zum Thema : Supermensch – Übermensch – Superman = der Mensch

merkwürdig, dass wir im Prinzip nichts nicht kennen

Merkwürdig auch, dass wir immer annehmen, dass es nichts geben kann, was wir nicht erkennen können. Wir haben eine ganz konkrete Vorstellung von dem, was wir nicht wissen. Wir drücken das so aus: das, was wir noch nicht wissen.

Wie kann man etwas benennen, was man nicht kennt?

Siehe auch Artikel zum Thema : Das Undenkbare. Was ist undenkbar?

wir sind alle Realisten, haben aber jeder unsere eigene Realität

Auch bei gegensätzlichsten Meinungen glaubt doch jeder Mensch stets, Realist zu sein. Er habe die Wahrheit, er müsse sich gegen all die Nicht-Realisten durchsetzen. Was ist eigentlich die Realität?

merkwürdig: wir vermuten, es gäbe EINE Welt

Ebenso reden die Menschen von „einem“ Universum. Doch wir alle sehen nur die Universen des subjektiven Verständnisses (Ich-Universen). Die Universen der eigenen Begriffe. Wer könnte ernsthaft darüber berichten, DAS Universum zu kennen?

Spruchbild: Ich Universum und Ich Universen: "Ich Universum" ist ein Begriff des Spirealismus. Ein Ich-Universum ist das All (das Alles) des individuellen Begreifens.
Ich Universum und Ich Universen: „Ich Universum“ ist ein Begriff des Spirealismus. Ein Ich-Universum ist das All (das Alles) des individuellen Begreifens.

merkwürdig: die Weisheit des Jetzt ist stets unübertroffen

War es schon je anders? Schon immer glaubte sich der Mensch im Besitz einer letzten Weisheit. Jene, die sagen „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ waren immer in der Minderheit.

Doch die Weisheit des Jetzt hat sich stets aufgelöst, wurde zu einer anderen Weisheit, einer anderen Wahrheit. Das zeigt, dass unsere Wahrheit des Jetzt die Unwahrheit des Morgen ist.

Auch aus dieser Sicht erscheint es ganz realitätsfern, von den „letzten Rätseln der Menschheit“ zu sprechen.

Konsequenz

Die Brille namens „Spirealismus“ lässt die Welt in einem anderen Licht erscheinen. Durch sie gesehen sind die Welten wunderbar und vielschichtig – sie können jede Form annehmen.

 

Durch die Brille des Materialismus wirkt die Welt fast langweilig. „Wir wissen bereits alles“ ist die Begleitmelodie dieser Weltsicht. Die materialistische Sichtweise ist merkwürdig. Etwas zu schreiben wie „Die letzten Rätsel der Menschheit“, darauf muss man erstmal kommen.

Wie kommen die Menschen darauf, sie wüssten bereits alles, sie stünden vor dem letzten Rätsel? Die Welt ist immer das, was der Einzelne unter ihr versteht. Das ist das Rätsel der Rätsel.

Jedoch erscheint dieses „kleine“  Geheimnis dem Menschen nicht weiter interessant zu sein.

„Ich weiß, dass ich alles weiß!“ hingegen könnte genauso gut dem Denken eines Diktators entstammen. Es ist ein Denken, das nicht gut tut.

Spruchbild "Ich weiß, dass ich alles weiß!" ... Ist die Weisheit der Moderne. "Ich weiß, dass ich alles weiß!" vs "Ich weiß, dass ich nichts weiß!"
„Ich weiß, dass ich alles weiß!“ vs „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“

 

 

 

Merkwürdig! Merkwürdigkeiten des Alltags was last modified: Februar 28th, 2016 by Henrik Geyer