Lüge – was ist das? Über das Lügen

Spruchbild, Bildspruch, Sprichwort: Man lügt, wenn man etwas für eine Wahrheit hält, und dennoch etwas anderes sagt. Thema Lüge und Wahrheit

Lüge ist ein fließendes Konzept, weil die Wahrheit ein fließendes Konzept ist. Die Lüge ist das Gegenteil der Wahrheit. 

Die Realität ist in jedem Menschen anders. Es gibt die Realität nicht in einer einzigen oder endgültigen Form. Daher ist auch die Wahrheit in jedem von uns einzigartig.

In diesem kurzen Artikel soll es um einige interessante Aspekte von Lüge und Wahrheit gehen, die das verdeutlichen.

Siehe auch Artikel „Wir sind spirituelle Wesen… „

Überzeugungen und Lügen

Man lügt, wenn man etwas für eine Wahrheit hält, und dennoch etwas anderes sagt.

Das drückt aus, dass die Unterscheidung von Lüge und Wahrheit von unseren individuellen Überzeugungen ausgeht. Also dem, was wir individuell für wahr halten. Jedoch gibt es die Wahrheit nicht außerhalb von uns, in eindeutiger Form. Was der Einzelne für wahr hält – das ist aus seiner Sicht die Wahrheit.

Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.
Friedrich Nietzsche

Den oben genannten Satz von Nietzsche könnte man so gesehen umformen. Die Überzeugungen sind nicht die Feinde der Wahrheit. Sondern unsere Überzeugungen sind uns die Wahrheit. Sie sind unsere innere Wahrheit – worüber sonst können wir sprechen?

Lüge als das Gegenteil von Existenz

Was unsrer inneren Überzeugung gemäß IST, das ist uns auch die Wahrheit. Das, was ist, das nennen wir auch Existenz.

Was wir glauben zu sehen – das ist unsere Wahrheit. Was wir wissen, das ist uns Wahrheit.

 

Ein Beispiel: Wenn ein gläubiger Christ Gott verleugnet – das wäre eine Lüge. Aber … kann man etwas verleugnen, an dessen Wahrheit man glaubt? Schwerlich. Jedenfalls schwerlich sich selbst gegenüber.

Die Wahrheit des Christen ist, das Gott existiert.

Ein Wissenschaftler wiederum kann nicht (sinnvoll) den gläubigen Christen der Lüge bezichtigen, weil dieser an Gott glaubt.

Umgekehrt – wenn der Wissenschaftler verleugnen würde, dass es das Atom gibt – das wäre Lüge. Aber auch er kann nicht glaubhaft etwas verleugnen, an dessen Wahrheit und Existenz er glaubt. Er selbst spürt, dass dies Lüge wäre. Seine Wahrheit ist, dass das Atom existiert.

Und wiederum kann ein gläubiger Christ den Wissenschaftler nicht (sinnvoll) der Lüge bezichtigen, weil dieser an das Atom glaubt.

Man kann sich nicht selbst belügen.

Es gibt viele Worte für die Randbereiche der Wahrheit. Zum Beispiel: Phantasie, Ausflüchte, Wunschdenken, falsches Denken.

Ähnliches Thema Beitrag ‚Kreativität und Phantasie‘

Aber all das läuft auf eine einfache Tatsache hinaus: Was wir für wahr halten, was es für uns gibt – das ist die Wahrheit. Sie ist in uns. Sich selbst kann man nicht glaubhaft belügen. Etwa, indem man unglaubhaftes positives Denken versucht, so, wie das manchmal geraten wird.

Der Versuch, dies wider die innere Wahrheit zu tun, ist unglücklich, desaströs – kommt einer Bewusstseinsspaltung gleich.

Auf die innere Wahrheit kommt es an. Die innere Wahrheit zu formen ist ein langwieriger Prozess – weit weniger einfach, als es der Materialist vermutet, denn er hält die Wahrheit für etwas, das außerhalb von ihm zu finden ist.

Aber: Man kann sich nicht selbst belügen. Und doch kann die Wahrheit von heute die Lüge von gestern sein.

Weiterlesen: Artikel ‚Glaube Liebe Hoffnung – ohne Glauben geht nichts‘

Lüge und Wahrheit verfließen

Gerhart Hauptmann sagte einmal:

Verallgemeinerungen sind Lügen.

Der Philosoph Schopenhauer beschreibt genau das als einen (von vielen) Kunstgriffen der Redekunst, in seinem Buch „Die Kunst Recht zu behalten.“

Die Erweiterung. Die Behauptung des Gegners über ihre natürliche Grenze hinausführen, sie möglichst allgemein deuten, in möglichst weitem Sinne nehmen und sie übertreiben; seine eigne dagegen in möglichst eingeschränktem Sinne, in möglichst enge Grenzen zusammenziehn: weil je allgemeiner eine Behauptung wird, desto mehreren Angriffen sie bloß steht. Das Gegenmittel ist die genaue Aufstellung des puncti oder status controversiae.

Wahrheit und Lüge verfließen. Wahrheit ist nie nur EINS. Des einen Wahrheit ist die Lüge des anderen.

Soll das heißen, dass es keine Lüge gibt?

Soll das heißen, es gäbe überhaupt keine Lüge?

Nein. Damit soll aber gesagt sein, dass die Wahrheit fließt, sie ist nie fest.

So wie die Existenz fließt. Lüge ist ein Begriff unserer Welt, daher existiert sie,  daher gibt es Lüge. Aber die Lüge ist nicht starr, so wie kein Begriff starr ist. Begriffe haben immer nur Bedeutung, im Verhältnis zu anderen Begriffen. Auch der Begriff der Lüge wandelt sich stets, er fließt.

Spruchbild: Lüge und Wahrheit. Wahrheit ist ein fließendes Konzept.
Wahrheit ist ein fließendes Konzept.

Siehe auch: Beitrag ‚Glaube vs wissenschaftliches Wissen. Was ist Glaube?‘

Lüge – was ist das? Über das Lügen was last modified: Februar 29th, 2016 by Henrik Geyer